Lade Inhalt...

Usability und User Experience von Suchmaschinen und ihre Bedeutung

Seminararbeit 2017 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Technische Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

3 Usability und User Experience
3.1 Definition Usability
3.1.1 Usability-Test
3.2 Definition User Experience

4. Suchmaschinen

3.3 Suchprozess

4 User Experience und Usability von Suchmaschinen
4.1 Bedeutung von User-Experience im Kontext von Suchmaschinen
4.2 Bedeutung von Usability im Kontext von Suchmaschinen

5 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ablauf von Suchprozessen

Abbildung 2: Monumenta Germaniae Historiae Suchfeld

Abbildung 3: Xing-Suchfeld im neutralen Zustand

Abbildung 4: Xing-Suchfeld bei Bewegung des Cursors

Abbildung 5: Ebay-Kleinanzeigen-Suchfeld

Abbildung 6: Fehlermeldung bei der Suchausgabe (Ernstings Family)

Abbildung 7: Alternative Suchergebnisse auf zigarre.de

Abbildung 8: Ebenen der User Experience in Anlehnung an Garrett (2000),Quirmbach (2012)

2 Einleitung

Über User Experience und Usability existieren zahlreiche Publikationen. Über die Besonderheiten, die sich für Suchmaschinen in diesem Kontext ergeben, existiert jedoch kaum Literatur. Meistens wird sich in diesem Zusammenhang mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, die grundlegenden Designaspekte, die für eine hohe Usability und User Experience ausschlaggebend sind, werden dabei kaum beleuchtet.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen die spezifischen Anforderungen einer nutzerfreundlichen Suchmaschine innerhalb von deutschsprachigen Websites erforscht werden. Zunächst wird sich der Frage gewidmet, was hinter den Begriffen User Experience und Usability steckt. Dabei wird auf wirtschaftliche Aspekte eingegangen, sowie die Möglichkeit einer validen Erhebung selbiger.

Anschließend werden Suchmaschinen und ihre Funktionsweise untersucht um im Hauptteil zu erläutern, wie eine nutzerfreundliche Suchmaschine gestaltet werden muss.

3 Usability und User Experience

3.1 Definition Usability

Usability ist das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.[1]

Der Begriff Usability setzt sich aus den englischen Wörtern „to use“ (nutzen, brauchen) und „ability“ (Fähigkeit) zusammen. Usability lässt sich mit „Benutzerfreundlichkeit“ oder „Gebrauchstauglichkeit“ ins Deutsche übersetzen. Nach Jakob Nielsen ist Usability „der Grad an Qualität, in welchem der Benutzer die Interaktion mit etwas erlebt.“[2] Usability wirkt zunächst subjektiv, lässt sich jedoch durch Evaluationen genau messen. Sie ist eine Eigenschaft die sich aus einer Summe von Merkmalen, wie der technischen Performance oder der Darstellung von Informationen, zusammensetzt.[3]

Dass Usability nicht nur ein „Buzzword“ ist, zeigt ein Blick in die Unternehmen: Beispielsweise hat die Ford Motor Company 70.000 USD in ein Usability-Labor investiert um das Extranet für Händler zu optimieren. Diese einmalige Investition steht jährlichen Einsparungen von 100.000 USD gegenüber, zudem gab es nach der Optimierung nahezu keine Supportanrufe der Händler mehr.[4]

Gilb hat die Rechnung aufgestellt, dass jeder Dollar, der in Usability investiert wird, eine Ersparnis von 10 bis 100 Dollar ergibt. Je früher Usability im Herstellungsprozess angewendet wird, desto größer die Ersparnis.[5]

3.1.1 Usability-Test

Ein Usability-Test setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Der Testvorbereitung, der Durchführung sowie der Zusammenfassung der Ergebnisse. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Durchführung von Einzeltests mit Nutzern als Evaluationsmethode beschrieben. Der Usability-Test ist eine permanente Qualitätssicherungsmaßnahme im laufenden Betrieb.[6]

Testvorbereitung

Zunächst müssen Aufgaben für den späteren Test formuliert werden. Dabei gilt: „The more problems you find in the limited time available, the more successful your test will be.“ (Dumas/Redish, 1999:160)

Es empfiehlt sich, Aufgaben zu priorisieren die nicht nur einzelne potentielle Schwierigkeiten, sondern ganze Bereiche von Usability-Problemen aufdecken können. Zudem müssen Aufgaben ausgewählt werden, die den natürlichen Umgang mit dem Produkt simulieren. Ratsam ist es auch, im Vorfeld empirische Studie zum Nutzungsverhalten durchzuführen, um die gebräuchlichsten und für den Nutzer wichtigsten Funktionen herauszufinden.[7] Auf Grundlage dieser Studien lassen sich Aufgabenstellungen formulieren, welche den alltäglichen Umgang des Nutzers mit dem Produkt widerspiegeln.

Persona

Für einen repräsentativen Usability-Test werden Personen benötigt, die stellvertretend für die tatsächliche Nutzergruppe stehen. Dazu werden zu Beginn der Entwicklung des Produktes zunächst sogenannte Persona entworfen. Persona sind nicht abstrahiert wie zum Beispiel Benutzerklassen oder Stereotypen, sondern konkrete fiktive Benutzer, die man detailreich hinsichtlich Zielen, Fertigkeiten, Kenntnissen, Präferenzen und Verhalten hinterfragen kann. Es handelt sich um Charaktere mit Persönlichkeit. Sie sind vorstellbar, glaubhaft und werden prosaisch unter Verwendung von Zitaten und fotografischen Portraits beschrieben. Die Beschreibung sollte so formuliert werden, dass es möglich ist, sich in die Person hineinzuversetzen.[8] In ihr findet man typischerweise folgende Informationen:[9]

- Vorname, Name, Titel
- Alter, Geschlecht, Familienstand sowie Familienverhältnisse
- Staatsangehörigkeit, Herkunft, Sprachkenntnisse
- Höchste Berufsausbildung, aktueller Beruf, berufliche Rollen, Aufgabengebiete
- Stand der Fachkenntnis, Interessen
- Erfahrungen und Probleme im Zusammenhang mit Computer und Technik
- Einstellungen zu Arbeit im Allgemeinen, zum Arbeitgeber im speziellen, Familie sowie der eigenen und fremden Kompetenz

Auf Grundlage der formulierten Persona werden die Tester ausgewählt. Da die Suche nach selbigen oft zeitintensiv ist, könnten Unternehmen geneigt sein, Mitarbeiter aus anderen Abteilungen als Tester einzusetzen.[10] Diese bringen jedoch ein gewisses Vorwissen mit, haben Erfahrungen mit vergleichbaren Produkten und eine persönliche Einstellung zur Marke und scheiden somit als unabhängige Tester aus.

Durchführung von Einzeltests mit Nutzern

Um realitätsnahe Ergebnisse zu erzielen, werden bei den Tests repräsentative Nutzer eingesetzt, die auf Grundlage der zuvor erstellten Persona ausgewählt wurden und ihre Erfahrungen in spezifischen Szenarien ausgewertet. Der Nutzer erhält eine Aufgabenstellung die er unter Beobachtung bearbeitet. Dabei ist nicht nur das Vorgehen wichtig, sondern auch seine Fragen, Meinungs- und Emotionsäußerungen werden dokumentiert und ausgewertet.[11]

Ablauf eines Einzeltests

Die Testperson bearbeitet die vorgegebenen Aufgaben an den Prototypen in einem Usability-Labor. Dabei ist ein Testbetreuer zugegen, der den erfolgreichen Ablauf sicherstellt und bei Verständnisproblemen zur Seite steht, sich ansonsten aber im Hintergrund hält.[12]

Der Test beginnt mit der Begrüßung der Testperson und der Vorstellung des Tests.[13] Dabei kommt es darauf an, dem Tester klarzumachen, dass das Produkt auf den Prüfstand gestellt werden soll und nicht etwa er selbst. Die Nervosität der Testperson kann durch einige Worte zum Testverfahren gemildert werden.

Beispiel:

Testperson: „Ich kenne mich mit solchen Systemen gar nicht aus.“

Betreuer: „Das ist sogar von Vorteil, damit helfen Sie uns, das Produkt möglichst einfach zu gestalten. Bei neuen Produkten treten immer wieder Fehler auf, die wir selbst gar nicht mehr erkennen können, weil wir das Produkt zu gut kennen. Da ist ein Blick von außen Gold wert.“

Die Klickpfade, benötigte Zeit pro Aufgabe, Anzahl der Klicks pro Aufgabe oder Verweildauer auf einem Objekt, werden protokolliert.[14] Die Kommentare der Testnutzer werden ebenfalls festgehalten. Hilfreich für ein grundlegendes Verständnis für den Umgang mit einem Produkt ist, wenn die Testperson beim Test „laut denkt“, das heißt seine Gedanken und Überlegungen laut äußert. Der Betreuer des Tests kann mit Fragen dazu anregen.[15]

Beispiel:

Test eines Onlineshops, Aufgabe: Kauf einer Steuersoftware innerhalb von 15min Testbetreuer: „Warum haben Sie diesen Button angeklickt?“

Testperson: „Ich habe auf ‚Sale‘ geklickt, weil ich immer zuerst nach Sonderangeboten schaue, wenn ich etwas kaufen möchte.“

Im Anschluss an den Test am Prototypen wird für gewöhnlich eine Befragung durchgeführt. Hierbei hat die Testperson Gelegenheit, seine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke zu äußern. Dazu wird meist ein Fragebogen und/oder ein Interview genutzt.[16] Unabhängig davon, welche Art der Befragung gewählt wird, sind die Bestandteile gleich. Zunächst werden die persönlichen Vorkenntnisse und das Nutzungsverhalten des Testers erfragt um seine Bewertungen besser einordnen zu können.[17]

Beispielsweise könnte die Testperson in diesem ersten Teil gefragt werden:

- Wie viele Stunden nutzen Sie das Internet täglich?
- Nutzen Sie das Internet hauptsächlich beruflich oder privat?
- Haben Sie Programmierkenntnisse?
- Welches Betriebssystem nutzen Sie?
- Welche mobilen Endgeräte verwenden Sie?

Der zweite Teil der Befragung widmet sich explizit dem eben absolvierten Test. Die Testperson füllt einen Bewertungsbogen zu Benutzerführung, Struktur, Design und Inhalt der Anwendung aus. Es hat sich bewährt, auf eine Bewertungsskala mit einer geraden Anzahl von Antwortmöglichkeiten zurückzugreifen, damit die Testperson gezwungen ist, sich für eine positive oder negative Antwort zu entscheiden. Am Ende der Befragung werden zudem noch Verbesserungsvorschläge erfragt.[18]

Zusammenfassung der Ergebnisse

Als Ergebnis werden die Analysen von Schwachstellen in der Nutzung der Website und das Gewinnen von Verbesserungsvorschlägen angestrebt, sowie das Aufdecken von Benutzerschwierigkeiten. Dazu werden die Aufzeichnungen, Fragebögen und Interviews anhand von Fragen ausgewertet. Diese könnten beispielsweise lauten:

- Wie viel Prozent der Testpersonen konnten ihre Aufgabe erfüllen?
- Wie viel Zeit haben die Testpersonen für die Aufgabe gebraucht?
- Haben die Personen für die Erledigung ihrer Aufgabe stets den kürzesten Pfad genutzt?
- An welchen Dokumenten/Funktionen haben sich die Nutzer besonders lange aufgehalten?

Neben diesen allgemeinen Fragen, werden auch aufgabenspezifische Fragestellungen untersucht. Bezogen auf das Beispiel des Softwarekaufs könnten diese Fragen lauten:

- Haben alle Testpersonen den Kauf der Software in der vorgegebenen Zeit abschließen können?
- Hat jede Testperson die richtige Software gefunden?

Sollte die Mehrzahl der Testpersonen die ihnen gestellte Aufgabe nicht lösen können, bei der Bearbeitung Probleme haben oder unverhältnismäßig viel Zeit für das Lösen brauchen, müssen Effektivität und Effizienz der Usability verbessert werden.[19]

3.2 Definition User Experience

User Experience bezeichnet die Wahrnehmung und Reaktionen einer Person, die aus der tatsächlichen und/oder erwarteten Benutzung eines Produktes, eines Systems oder einer Dienstleistung resultieren.[20]

User Experience ist durch das Buch Donald Normans (u.a. ehemaliger Vizepräsident der Advanced Technology Group bei Apple) „The Invisible Computer“ bekannt geworden[21] und hat sich etwa seit dem Jahre 2000 stark verbreitet.

Da sich bisher keine einheitliche Übersetzung ins Deutsche hat durchsetzen können (z.B. Nutzungserlebnis oder Benutzererfahrung), wird im Rahmen dieser Arbeit der englische Begriff beibehalten.

Für private und professionelle Anwender sind die Zufriedenheit bei der Nutzung, der Spaß und die wahrgenommene Attraktivität wichtige Faktoren geworden, die ebenfalls systematisch betrachtet werden sollten[22]. Die starke Verbreitung des Internets hat wesentlich zu der Bedeutung von User Experience beigetragen – es existieren für viele Angebote funktional ähnliche Websites. Attraktivität hat sich als Wettbewerbsvorteil erwiesen: Diesbezüglich optimierte Websites haben mehr Besucher und erzeugen eine höhere Aufmerksamkeit für die Ziele, denen sie dienen. Im kommerziellen Kontext generieren attraktive Websites tendenziell mehr Kunden.[23] Es ist jedoch ein Trugschluss, davon auszugehen, dass sich User Experience nur mit Äußerlichkeiten beschäftigt. User Experience umfasst eine Vielzahl von Faktoren. Einerseits das effektive und effiziente Erreichen von Zielen, andererseits Qualitäten wie Motivation[24], Glaubwürdigkeit[25], Freude an der Nutzung[26], kommunizierte Unternehmens- bzw. Markenidentität[27] und auch Ästhetik[28].

User Experience bestimmt, ob und wie lange ein Produkt genutzt wird. Sie wirkt sich nicht nur auf die unmittelbare Nutzung eines Mediums aus, sondern auch auf die Markenwahrnehmung und darauf, ob ein User eine Anwendung weiterempfiehlt. Dies wiederum kann für Unternehmen zu gesteigertem Umsatz und Gewinn führen. [29]

[...]


[1] Standard ISO 9241-11: Software Ergonomie

[2] Nielsen (2000)

[3] Vgl. Balzert, Klug, Pampuch (2009), S. 2.

[4] Vgl. Donahue, Weinschenk, Nowicki (1999), S. 7.

[5] Vgl. Gilb (1988)

[6] Vgl. Franz (2015), S.189.

[7] Vgl. Bank (2012), S.353f.

[8] Vgl. Herczeg, Kammler, Roenspieß (2012), S.8.

[9] Vgl. Schweibenz (2005), S. 155.

[10] Vgl. Fritz, Richter, Dynkowska, Kaltwasser, Stührenberg (2006), S. 17.

[11] Vgl. Fritz, Richter, Dynkowska, Kaltwasser, Stührenberg (2006), S. 16.

[12] Vgl. Fritz, Richter, Dynkowska, Kaltwasser, Stührenberg (2006), S. 21.

[13] Vgl. Yom (2003), S. 127.

[14] Vgl. Franz (2015), S. 182.

[15] Vgl. Fritz, Richter, Dynkowska, Kaltwasser, Stührenberg (2006), S. 22.

[16] Vgl. Fritz, Richter, Dynkowska, Kaltwasser, Stührenberg (2006), S. 22f.

[17] Vgl. Franz (2015), S. 183.

[18] Vgl. Franz (2015), S. 183f.

[19] Franz (2015), S. 185

[20] ISO 9241-210 (2011)

[21] Vgl. Norman (1998)

[22] Vgl. Hassenzahl (2000), S.29-42.

[23] Vgl. Preim, Dachselt (2015), S.24.

[24] Hassenzahl (2003)

[25] Fogg & Tseng (1999)

[26] Sengers (2003)

[27] Vgl. Altobelli, Sander (2001).

[28] Vgl. Tractinsky, Hassenzahl (2005), S. 66 -88.

[29] Vgl. Web (2016) Gründerszene

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668525108
ISBN (Buch)
9783668525115
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375810
Institution / Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
UX UI Usability Suchmaschinen Webdesign User Experience User Interface UX Design Usability Engineering SEO Utility

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Usability und User Experience von Suchmaschinen und ihre Bedeutung