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Psychische Folgen aus traumatischen Kindheitserlebnissen. Sexueller Missbrauch

Ausarbeitung 2017 7 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Unter sexuellem Missbrauch versteht man Handlungen an Jungen oder Mädchen, de- nen sie aufgrund ihres seelischen, körperlichen, geistigen und sprachlichen Entwick- lungsstandes nicht wissentlich zustimmen können. Häufig sind aber auch Kinder die eine geistige oder körperliche Behinderung nachweisen, Opfer von sexuellem Miss- brauch. Der Täter oder die Täterin nutzt die eigene körperliche und geistige Überlegen- heit. Die zuvor genannte Erklärung bezieht sich auf alle Minderjährigen. Bei Kindern unter 14 Jahren wird immer von sexueller Gewalt gesprochen, auch wenn das Kind einverstanden wäre. Der Täter übt Macht über das Kind aus, was auch als Ursache für die Handlung sein kann. Allerdings kann man nicht pauschal einen Handlungsgrund benennen (Esser 2011, S.484 f.). Daher lässt sich kein einheitliches Täterprofil be- schreiben. Allerdings lässt sich statistisch erkennen, dass die meisten Täter, die sexu- ellen Missbrauch mit Körperkontakt vollführen, aus dem näheren Familien- oder Be- kanntenkreis des Opfers stammen. Das kann zum Beispiel der Vater, Onkel oder Stief- vater sein. Somit ist es ein Trugschluss, wenn überwiegend vor Fremdtätern gewarnt wird (Statista GmbH 2016). Die Handlungen am Kind lassen sich einteilen in Hands- On und Hands- Off Taten. Unter Hands- on Taten versteht man Handlungen, die am Körper des Kindes durchgeführt werden. Das kann beispielsweise ein Zungenkuss, Be- rührungen der Genitalien oder Brüste, aber auch Genital-, Oral-, und Analverkehr sein. Hands- Off Taten hingegen sind Handlungen, die ohne körperliche Berührungen ver- laufen. Darunter fallen exhibitionistische Taten, aber auch die Produktion von porno- grafischen Bildern oder Fotos (Esser 2011, S.484 f.). Kinder, welche Missbrauch erle- ben mussten, leiden aufgrund von solchen Taten unter einem Trauma.

Das Wort „Trauma“ (griechisch) Verletzung/Wunde) stammt ursprünglich aus der Chi- rurgie um die Schädigung und die Verwundung des Körpers durch äußere Einflüsse zu benennen. Heutzutage wird ein Trauma aus der psychologischen Sichtweise betrachtet und beschäftigt sich mit der seelischen Verletzung (Volmer 2013, S.11). Ebenfalls ist das Trauma in der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kodiert. Dies be- sagt: „ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.“ (Hundt 2014, S. 33).

Es gibt unterschiedliche Erlebnisse die ein Trauma hervorrufen können. Darunter fallen Kindesmissbrauch durch verbale oder physische Attacken, der sexuelle Missbrauch, die extreme Verwahrlosung und emotionale Vernachlässigung, eine überwältigende Einzelerfahrung, Narzisstische Ausbeutung, sowie Psychische Erkrankungen von Bin- dungspersonen (Scheurer-Englisch in 1. Jahrbuchbuch des Pflegekinderwesens 2015, S.68). Selbstverständlich können noch viele weitere Erlebnisse zu traumatischen Er- eignissen führen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die zu einem Verdacht füh- ren können. Zum einem gibt es die Auffälligkeiten am betroffenen Kind selber. Das kön- nen körperliche Anzeichen sein, aber auch veränderte Verhaltensweisen und Wesens- veränderungen. Ein weiter Punkt können die Äußerungen sein, die ein Kind tätigt. Häu- fig sind dies sexualisierende Inhalte. Der Verdacht kann aber auch von Außenstehende geäußert werden, da sie möglicherweise Zeugen eines sexuellen Missbrauchs gewor- den sind (Egle et al. 2016, S.250 f.). Der professionelle Umgang bei einem Verdacht lässt sich in vier Schritte einteilen. Der erste Schritt erklärt, wie der Umgang bei einem Verdacht sein sollte. In diesem Schritt nimmt man noch keinen Kontakt zum betroffenen Kind auf. Hier ist wichtig, erst einmal Ruhe zu bewahren und keine vorschnellen Ent- scheidungen zu treffen. Es empfiehlt sich, den vorhandenen Verdacht nicht an die Öf- fentlichkeit zu tragen, sondern sich eine Zweit-meinung innerhalb des Kollegiums zur Rate zu ziehen. Gemeinsam kann ein Austausch über weitere Schritte stattfinden. Im Hinterkopf sollte man immer den Schutz und das Wohl des Kindes haben. Im weiteren Schritt führt man ein Gespräch mit dem „Betroffenen“ Kind. Bei einem Gespräch sind verschiedene Regeln zu beachten. Das Gespräch sollte auf Augenhöhe, in einer ruhi- gen und gemütlichen Atmosphäre geführt werden. Wichtig ist, dass man in einer für das Kind verständlichen Sprache spricht.

Es empfiehlt sich eine vertrauliche Beziehung zu dem Kind aufzubauen und ihm zu ver- deutlichen, dass man dem Kind in jeder Situation beisteht. Bei betroffenen Kindern kommt es schnell zu einem Gefühl von Schuldgefühlen und Scham. Um eine unange- nehme Situation für das Kind zu vermeiden, sollte man keine „Warum-Fragen“ verwen- den, sodass das Kind sich nicht rechtfertigen muss. Desweitern sollte man realistisch und offen mit dem Kind reden und ihm keine leeren Versprechungen machen. Ein wei- terer wichtiger Punkt ist es, Lob für die Offenheit auszusprechen und das weitere Vor- gehen ausführlich zu erläutern. So nimmt man dem Kind Angst vor den weiteren Schrit- ten. Da betroffene Kinder oft unter einem innerlichen Zwiespalt leiden, sollte darauf im Gespräch behutsam eingegangen werden. Um das Kind weiter begleiten zu können, sollten zeitnahe Gesprächstermine vereinbart werden. Ein nächster Schritt ist das kon- krete Handeln. Konkretes Handel ist nur dann erforderlich, wenn sich der Verdacht be- stätigt. Bei dringendem Verdacht sollte eine Fachberatungsstelle hinzugezogen wer- den. Darüber hinaus ist es wichtig, dies in einer Teambesprechung und Supervision zu thematisieren. Wenn das Kind näheres berichtet, ist genaues Hinhören erforderlich. Zu- sätzlich ist es wichtig, mit dem Kind die weiteren Vorgehensweisen zu besprechen. Darunter fallen Strafanzeige erstatten, Therapiemöglichkeiten und Kontaktaufbau zu Familienangehörigen. Im vierten Schritt geht es um die Aufrechterhaltung des Kontak- tes zum Kind. Äußerst wichtig ist es darauf zu achten, dass der Schutz des Kindes gewährleistet ist und man das Kind unterstützt, um in die Normalität des Alltags zurück zu kehren. Allerdings gibt es auch fehlerhaftes Verhalten, wie man sich in dem ganzen Geschehen nicht verhalten sollte. Unprofessionelles Handeln äußert sich zum Beispiel darin, seine eigenen Gefühle mit einzubringen, voreiliges Handeln und auf voreilige Aufklärung drängen. Zudem ist es unangebracht vorschnelle Beschuldigungen zu äu- ßern. Ferner ist es wichtig die Thematik in einem vertraulichen Kreis zu behandeln und zu besprechen (Haider 2008, S. 78 ff.). Die Diagnose wird von einem multiprofessio- nellen Team gestellt. Allerdings stehen bei dem Procedere immer die Bedürfnisse und das Befinden des Kindes im Vordergrund. Die körperliche Untersuchung des Kindes kann ein einschneidendes und emotional belastendes Erlebnis sein. Daher wird nicht auf ein positives körperliches Untersuchungsergebnis gedrängt. Untersucht werden meistens die Brust, der Mund, das Gesäß und die Oberschenkelinnenseite. Die Unter- suchung sollte von einer ausgebildeten, gynäkologischen Ärztin durchgeführt werden. Sollte das Kind die Untersuchung verweigern, sollte dies auf jeden Fall akzeptiert wer- den. Überreden und Druckaufbau ist nicht ratsam. Häufig ist der körperliche Befund bei missbrauchten Kinder negativ, da die Verletzungen oft nur oberflächlich sind und somit rasch verheilen. Eine weitere Möglichkeit zur Diagnosestellung, ist die Anamnese. Bei der Anamnese ist es vorteilhaft, das Kind getrennt von der Begleitperson anzuhören. Wenn zuvor schon eine Anamnese erhoben wurde, sollten die Inhalte des Gespräches nicht ausführlich besprochen werden. Häufig ist das den Kindern sehr unangenehm und peinlich. Das Anamnesegespräch sollte in einem ruhigen und wertschätzenden Rah- men durchgeführt werden. Nur dann, wenn das Kind vertrauen schöpft, ist es bereit, über den Missbrauch zu sprechen (Egle et al. 2016, S.250 ff.).

Die Folgen von traumatischen Erlebnissen an vorhandenen Schutz- und Risikofakto- ren. Unter die Rubrik Schutzfaktoren fallen Beispielsweise ein sicheres Bindungsver- halten, robustes und aktives Temperament sowie die soziale Förderung. Hingegen fal- len unter die Rubrik der Risikofaktoren beispielsweise die Arbeitslosigkeit der Eltern, chronische Erkrankungen innerhalb der Familie oder die Kriminalität eines Elternteiles. Diese Faktoren sind Eigenschaften, welche die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von einer Traumafolgestörung erhöhen. „Je mehr Risikofaktoren auftreten, desto mehr Schutzfaktoren werden als Gegengewicht benötigt, um eine positive Entwicklung ein- zuschlagen“ (Egle/Hoffmann) Jedoch hat nicht jedes Ereignis für jeden Menschen das gleiche Ausmaß.

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Details

Seiten
7
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668546011
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375583
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Schlagworte
psychische folgen kindheitserlebnissen sexueller missbrauch

Autor

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Titel: Psychische Folgen aus traumatischen Kindheitserlebnissen. Sexueller Missbrauch