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Wasser wird Wein. Die Weinvermehrung bei der Hochzeit zu Kana. Exegese zu Johannes 2, 1-11

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Literarischer Zusammenhang und literarische Gattung
1.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Das Hochzeitsfest im antiken Judentum

2 Textanalyse
2.1 Synchrone Analyse
2.1.1 Analyse des Textzusammenhangs
2.1.1.1 Kontext und Abgrenzung
2.1.1.2 Konkrete Entstehungssituation
2.1.2 Textinterne Analysen – Sprachliche Untersuchungen: Wortstudien
2.1.3 Analyse auf Textebene
2.1.3.1 Einheitlichkeit und Struktur
2.1.3.2 Rhetorische und literarische Analyse
2.2 Diachrone Analyse: Religions- und traditionsgeschichtlicher Vergleich

3 Gesamtinterpretation
3.1 Fortlaufende Textauslegung
3.2 Theologischer Ertrag

4 Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Literarischer Zusammenhang und literarische Gattung

Das Johannes-Evangelium (im Folgenden: Joh.), welches uns den literarischen Zusammenhang der zu untersuchenden Textstelle[1] (Joh. 2,1-11)[2] liefert, schildert Jesu Leben aus einer ganz anderen Perspektive als die drei synoptischen Evangelien, was vor allem an der Auswahl und Anordnung des Stoffes erkennbar wird. So ist die hohe Gewichtung der längeren Redeabschnitte und der sieben „Ich-bin-Worte“ zur Offenbarung Jesu als Sohn Gottes kennzeichnend für das Joh., während Gleichnisse überhaupt nicht vorkommen und auch die Wundergeschichten – schon rein quantitativ – eine geringe Stellung einnehmen.[3] Doch genau eine dieser neun[4] Erzählungen, die wie fünf Weitere nur in diesem Evangelium zu finden ist, soll hier betrachtet werden: Die Weinvermehrung bei der Hochzeit zu Kana. Dabei nimmt die Perikope die Funktion einer Brücke ein, die von der Vorbereitung Jesu für seinen Dienst (Joh. 1,1-51) zum öffentlichen Wirken und Auftreten als Sohn Gottes (Joh. 2, 13- 21,25) überleitet.

1.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Das Hochzeitsfest im antiken Judentum

Die Hochzeit stellte im Leben von Juden einen absoluten Höhepunkt dar und wurde genauso wie die Ehe geradezu als religiöse Pflicht angesehen.[5] Aus diesem Grund wurde sie auch ausgiebig gefeiert: Das Hochzeitsfest dauerte in der Regel sieben Tage und wurde neben dem feierlichen Hochzeitszug durchs Dorf von ausgelassenem Tanzen, Singen und Festessen geprägt.[6] Dabei spielte auch Wein, wie bei den meisten jüdischen Festen, eine sehr große Rolle.[7] Zwar war es normalerweise die Verantwortung eines verlässlichen Freundes des Bräutigams, des Speisemeisters, dafür zu sorgen, dass kein Mangel an Speisen oder Getränken herrscht; war dies aber doch der Fall, bedeutete es eine Blamage für das Brautpaar, die schließlich die Gastgeber waren.[8] Im Sinne der Gastfreundschaftlichkeit wurde mit einer großen Anzahl an Gästen gefeiert, weshalb es keine Ungewöhnlichkeit ist, dass auch die Jünger eines Rabbis mit eingeladen wurden.[9]

2 Textanalyse

2.1 Synchrone Analyse

2.1.1 Analyse des Textzusammenhangs

2.1.1.1 Kontext und Abgrenzung

Wie bereits erwähnt (vgl. 1.1), leiten die betrachteten Verse den Beginn von Jesu öffentlichem Auftreten als Sohn Gottes ein, indem er hier das erste Mal seine Macht beweist. Sie schließen an den Bericht über die ersten Jünger, die Jesu folgten (Joh. 1,35-46) sowie an das Gespräch mit dem Israeliten Nathanael an (Joh. 1,47-51). Dieser identifiziert ihn direkt als Sohn Gottes (Joh. 1,49), wie auch schon Johannes der Täufer wenige Verse vorher (Joh. 1,34). Jesus verheißt ihm und Philippus daraufhin, „ …den Himmel geöffnet (zu, Anm. d. Verf.) sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen “ (Joh. 1,51), d.h. eine wundersame Erkenntnis davon, wer Jesus ist. Ein solches Zeichen folgt nun in der Erzählung von der Hochzeit zu Kana, der betrachteten Perikope, direkt im Anschluss. Durch eine Zeitangabe („Zwei Tage später…“ (Joh. 2,1)) grenzt Johannes sie klar von der vorherigen Handlung ab. Ebenso klar beendet er sie mit einem redaktionellen Hinweis auf die Bedeutung des Geschehens und wiederum einer Zeitangabe („Danach…“ (Joh. 2,12)), die zur nächsten Begebenheit, der Tempelreinigung (Joh. 2,13-22), überleitet. Nachdem Jesus also im Rahmen einer Familienfestlichkeit zum ersten Mal seine Allmacht beweist, tritt er dann auch mit göttlicher Vollmacht im Tempel, dem brisantesten aller öffentlichen Schauplätze in Jerusalem, auf.

2.1.1.2 Konkrete Entstehungssituation

Für die ausgeprägte Christologie, die Johannes in seinem Evangelium entfaltet, ist kennzeichnend, dass er versucht, das Geheimnis der Person Jesu als Sohn Gottes darzustellen.[10] Dabei gibt es in seinen Berichten stets zwei Ebenen, auf die geachtet werden sollte: Zum einen die sichtbare, für alle verständliche Begebenheit und zum anderen eine tiefere, oft symbolische Bedeutung, die die Wahrheiten über die Person Jesu verdeutlicht.[11] In diese Linie fügt sich die Perikope von der Hochzeit zu Kana einwandfrei ein: Bevor Johannes bei der Tempelreinigung zeigt, dass Jesus Macht über die herkömmliche Religion hat, macht er deutlich, dass er auch über der Natur steht – dies ist die offensichtliche Bedeutung. Tiefer zeigt Johannes an dieser Stelle, gleich zu Beginn des Evangeliums, auf, dass die viel verheißene Zeit jetzt angebrochen ist.[12] Gründe für diese Vermutung werden im Laufe der Arbeit deutlich werden und sollen an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden.

2.1.2 Textinterne Analysen – Sprachliche Untersuchunge n: Wortstudien

Vergleicht man den Wortlaut von den Versen 1-11 in unterschiedlichen deutschen Bibelübersetzungen, so findet man keine gravierenden Übersetzungsunterschiede.

Dennoch sollen folgende griechische Wörter näher untersucht werden:

σημεῖον:[13] Das Wort meint „Zeichen mit geistlicher Absicht“ und wird von Johannes konsequent für die (wenigen) Wunder Jesu, von denen er berichtet, verwendet.[14] Dabei schwingt bereits mit, dass neben dem offensichtlichen Wunder eine größere Botschaft vermittelt werden soll, nämlich, dass derjenige, der es vollbringt, eine unmittelbare Verbindung zu Gott sowie Macht und Autorität besitzt. Damit sind sie besonders bei Jesus ein Fingerzeig Gottes für seine Messianität. Es wird also deutlich, dass es durchaus legitim ist, nach der tieferen, ggf. symbolischen Bedeutung in Joh. 2 zu fragen, die über die Botschaft der offensichtlichen Weinvermehrung hinausgeht.

δόξα: [15] Im biblischen Gebrauch wird dieses Wort, das meist mit Herrlichkeit übersetzt wird, vor allem für „den Ruf, den jmd. Genießt“ und „die Ehre und Verehrung“ benutzt. Es kann aber auch für „Ausstrahlung, Glanz“ verwendet werden und impliziert somit alles, was die Größe Gottes ausmacht. In Bezug auf Jesus meint es das Gegenteil seiner irdischen Gestalt, also seine göttliche Komponente.

πιστεύω: [16] Wird dieses Verb von der Präposition eis gefolgt, wie es in Joh. 2,11 der Fall ist, bedeutet es so viel wie „in etwas hinein glauben“, größeres Vertrauen fassen. Es beschreibt daher eine Steigerung: Die Jünger glaubten zwar bereits an ihn, aber durch dieses Ereignis wurde ihr Glauben an ihn noch einmal stärker.

γύναι: γύναι heißt wörtlich übersetzt tatsächlich „Weib“, was jedoch im damaligen Sprachgebrauch keine respektlose Anrede war. Es ignorierte lediglich die Mutter-Sohn-Beziehung und schafft damit eine Distanz zwischen den beiden Redenden – in unserem Fall zwischen Jesus und seiner Mutter.[17]

[...]


[1] Vgl. für diesen Abschnitt wenn nicht anders angegeben: Begegnung fürs Leben: Die Studienbibel für jeden Tag, 4. Aufl. (Witten: SCM R. Brockhaus, 2012), S. 1744 f., 1818.

[2] Für Bibelzitate wird die Revidierte Elberfelder Übersetzung (2006) verwendet, falls nicht anders angegeben.

[3] Vgl. Thomas Weißenborn, Apostel, Lehrer und Propheten: Einführung in das Neue Testament, Überarbeitete Neuaufl. (Marburg an der Lahn: Francke, 2012), S. 143 f.

[4] Verschiedene Kommentatoren kommen je nach Zählweise auf unterschiedlich viele Wunder- bzw. „Zeichen“-Erzählungen. Ich wähle die weiteste Zählweise, in der alle wundersamen Taten mit eingeschlossen werden, und nicht nur jene, die ausdrücklich als „Zeichen“ gekennzeichnet werden.

[5] Vgl. Gerhard Maier, Johannes-Evangelium: Teil 1, EDITION C-Bibel-Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 6 (Neuhausen-Stuttgart: Hänssler-Verlag, 1984), S.79 f.

[6] Vgl. Fritz Rienecker (Hrsg.), „Ehe“, Lexikon zur Bibel, 2. Sonderauflage, S. 313.

[7] Vgl. William Barclay, Johannesevangelium: Band 1, Auslegung des Neuen Testaments, 7. Aufl. (Wuppertal: Aussaat Verlag, 1969), S. 104.

[8] Vgl. MAIER, G. (1984), S. 86; BARCLAY, W. (1969), S. 104.

[9] Vgl. Werner de Boor, Das Evangelium des Johannes: 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, 12. Aufl., Bd. 4, begründet von Fritz Rienecker und Werner de Boor (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1968), S. 89.

[10] Vgl. Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel und Handkonkordanz, 9. Gesamtaufl. (Witten/Dillenburg: SCM R. Brockhaus/Christliche Verlagsgesellschaft, 2013), S. 1236.

[11] Vgl. BARCLAY, W. (1969), S. 102 f.

[12] Vgl. MAIER, G. (1984), S. 89.

[13] Vgl. für diesen Abschnitt, wenn nicht anders angegeben: ELBERFELDER STUDIENBIBEL MIT SPRACHSCHLÜSSEL UND HANDKONKORDANZ (2013), S. 2066.

[14] Vgl. Fritz Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament, 17. Aufl. (Gießen/Basel: Brunnen Verlag, 1984), S. 199.

[15] Vgl. ELBERFELDER STUDIENBIBEL MIT SPRACHSCHLÜSSEL UND HANDKONKORDANZ (2013),, S. 1920.

[16] Vgl. ebd., S. 2043.

[17] Vgl. RIENECKER, F. (1984), S. 199.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668548329
ISBN (Buch)
9783668548336
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375413
Note
1,0
Schlagworte
Wasser Wein Verwandlung Johannes Johannesevangelium Alkohol in der Bibel Exegese

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Titel: Wasser wird Wein. Die Weinvermehrung bei der Hochzeit zu Kana. Exegese zu Johannes 2, 1-11