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Die Bedeutung der "klientenzentrierten Haltung" von Carl Rogers für die Beratung in der Sozialen Arbeit

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das klientenzentrierte Konzept
2.1. Die Anfänge/ Die Entwicklung der klientenzentrierten Arbeit
2.2. Die Bedeutung der Personenzentrierten Beratung
2.3. Menschen und Persönlichkeitstheorie
2.4. Die Gesprächspsychotherapie

3. Die Bedingungen des therapeutischen Prozesses

4. Anwendung der klientenzentrierten Gesprächsführung in der Kindertherapie

5.Klientenzentrierte Gesprächsführung und soziale Einzelfallhilfe

6.Der personenzentrierte Ansatz in der Pädagogik

7.Fazit

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Qualifizierte Beratungsarbeit ist heute in vielen beruflichen Arbeitsfeldern gefragt. Ein großer Teil der sozialen Arbeit umfasst die Beratung. Kommunikation ist einer der wichtigsten Werkzeuge eines Sozialarbeiters. In der Beratung spielt eine gelingende Kommunikation eine große Rolle. Dabei stellt sich die Frage, wie die eigene Beziehung zum Klienten eigentlich aussehen soll und welches Verhalten der Berater dem Klienten gegenüber anzustreben soll?

In allen sozialpädagogischen Bereichen wird das beratende Gespräch zunehmend ein wesentlicher und eigenständiger Teil professionellen Handelns, der die jeweiligen Klienten zu eigenen, selbstverantwortlichen Lösungen veranlassen soll.

Im Folgenden werde ich erläutern, wie nach Carl Rogers eine klientenzentrierte Beratung aussehen soll und auf die Bedeutung eingehen. Danach werde ich mich auf die Anfänge und die Entwicklung der klientenzentrierten Arbeit beziehen. Darauf folgt die Bedeutung der Personenzentrierten Beratung und Rogers Menschen- und Persönlichkeitstheorie. Als nächstes schreibe ich über die Bedingungen des therapeutischen Prozesses und darauf folgend werde ich mich auf die Anwendung der klientenzentrierten Gesprächsführung beziehen und speziell der Kindertherapie zuwenden. Anschließend folgt die klientenzentrierte Gesprächsführung und soziale Einzelfallhilfe und abschließend der personenzentrierte Ansatz in der Pädagogik.

2. Das klientenzentrierte Konzept

2.1 Die Anfänge/ Die Entwicklung der klientenzentrierten Arbeit

Das klientenzentrierte Konzept geht auf den amerikanischen Psychologen Carl Rogers zurück, der diesen Ansatz ab 1942 in den USA entwickelte. Die Gesprächspsychotherapie bzw. klientenzentrierte Psychotherapie gehört mittlerweile zu den verbreitetsten psychologischen Therapiemethoden (vgl. Weinberger 1996,S. 29). Rogers arbeitete als Psychologe in einem Institut für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Er berichtet von einer Begegnung mit einer intelligenten Mutter eines sehr verhaltensauffälligen Kindes.

Bis dato waren alle Gespräche äußerst unbefriedigend für Rogers verlaufen, da er keinen Zugang zu der Mutter finden konnte. Er selbst vermutet, dass die Ursache für die Verhaltensauffälligkeiten des Kindes in der frühen Ablehnung der Mutter bestehen. Auch in seinen Gesprächen kommt er nicht an die Mutter heran. Er gibt den Fall schließlich auf und erklärt ihr die Gründe. Als die Frau schon fast aus der Tür ist, dreht sie sich noch einmal um und fragt Rogers, ob er auch Erwachsene beraten würde. Rogers findet den Wunsch zwar ungewöhnlich, willigt aber ein. Die Frau nimmt erneut in seinem Beratungszimmer Platz und zu seinem Erstaunen begann sie sich zu öffnen. dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. (Der völlig erstaunte Rogers erkennt nun sehr schnell, dass er auf dem Holzweg war.) Rogers erkannte, dass nicht die Mutter-Kind-Beziehung für die Verhaltensstörungen des Jungen verantwortlich war. Es war die Mutter, die dringend Hilfe benötigte. Sie berichtete von Eheproblemen und leidet sehr unter Versagensängsten. Die Therapie setzte in diesem Moment ein und führte schließlich zum Erfolg (vgl. Weinberger 2011,S. 20-21). Für Rogers war dies eine wichtige Erfahrung, die ihm deutlich machte, dass die Klienten oft selbst wissen „wo der Schuh drückt“, welche Richtung einzuschlagen ist und welche Probleme und Erfahrungen in ihren Leben entscheidend sind. Nur der Patient selbst ist in der Lage, den Weg aus seiner Bedürftigkeit zu finden (vgl. Weinberger 2011, S.21).

So entstand das nicht-direktive, klientenzentrierte, personenzentrierte Beratungskonzept (vgl. Stieber 2017,S.1). Diese drei Bezeichnungen lassen sich in drei Phasen unterteilen:

1. die nicht-direktive Phase: hier spricht er sich dagegen aus, den Ratsuchenden Person Ratschläge, Ermahnungen, Erklärungen und Interpretationen zu geben. Er stellt nicht das Problem in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, sondern die ratsuchende Person als einmaliges Individuum.

2. Die klientenzentrierte Phase: d.h. nicht-direktiv im Sinne von auf die ratsuchende Person und ihr Potenzial zentriert sein.

3. Die personenzentrierte Phase: Rogers ging es in den siebziger Jahren mehr darum, nicht nur Klienten/Klientinnen zu unterstützen, sondern seinen Ansatz auf Menschen in den verschiedensten Lebensbereichen auszuweiten. Die Person als Mensch sollte im Mittepunkt stehen und nicht in ihrer Funktion als Klient/Klientin (vgl. Stieber 2017,S.1).

2.2.Die Bedeutung der klientenzentrierten Beratung

Ein wichtiges Kennzeichen des klientenzentrierten Ansatzes ist es, den Klienten keine Interpretationen, Ratschläge oder Lösungen anzubieten, sondern die Auseinandersetzung mit emotionalen Prozessen und das Finden neuer Wege und Betrachtungsweisen zu unterstützen. Das Ziel ist es, die Klientin zu befähigen, auch mit künftigen Problemen besser fertig zu werden, indem ihre Selbstständigkeit gefördert wird.

Rogers beschreibt die klientenzentrierte Gesprächsführung folgendermaßen:

„Das Individuum steht im Mittelpunkt der Betrachtung und nicht das Problem. Das Ziel ist es nicht, ein bestimmtes Problem zu lösen, sondern dem Individuum zu helfen, sich zu entwickeln, so dass es mit dem gegenwärtigen Problem und mit späteren Problemen auf besser integrierte Weise fertig wird. Wenn es genügend Integration gewinnt, um ein Problem unabhängiger, verantwortlicher, weniger gestört und besser organisiert zu bewältigen, dann wird es auch neue Probleme auf diese Weise bewältigen (Weinberger 2011,S.33).“

Rogers wendet sich mit seinem Konzept nicht nur an Psychologen/innen, sondern an alle Fachleute, die ihre Zeit damit verbringen, durch persönlichen Vis-á-vis Kontakt einen konstruktiven Wandel der Einstellungen bei ihren Klienten hervorzurufen (vgl. Weinberger 2011, S.33).

Die Begriffe Beratung und Psychotherapie verwendet Rogers dementsprechend mehr oder weniger austauschbar, da sich beide Begriffe auf die grundlegende Methode beziehen. Das Ziel ist es durch eine Reihe direkter Kontakte mit dem Individuum, ihm bei der Änderung seiner Einstellungen und seines Verhaltens zu helfen (Weinberger 2011,S.33). “Die Situation einer/s Beraters/in in psychosozialen Aufgabengebieten zeichnet sich meist folgendermaßen aus:

1. Auf Seiten des/r Beraters/in dadurch, dass er/sie überwiegend
- im Rahmen einer Institution arbeitet, die ihm/ihr eine bestimmte Funktion zuweist
- für den einzelnen Klienten nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung hat
- die Probleme des Klienten von bestimmten Umweltfaktoren verursacht werden

2. auf Seiten der/s Klienten/in dadurch, dass er/sie überwiegend
- konkrete Hilfe erwartet
- die Schwierigkeiten, in denen er/sie sich befindet, weniger in ihrer Person als vielmehr durch äußere Faktoren verursacht
- keinen so großen Leidensdruck hat wie jemand, der sich bei einer Psychotherapeutin anmeldet (Weinberger 2011,S.34).“

2.3. Menschen und Persönlichkeitstheorie

Rogers gehört mit seinem Persönlichkeitskonzept zu der so genannten Humanistischen Psychologie (vgl. Weinberger 2011,S.23). „Diese, neben der Psychoanalyse und dem Behaviorismus als „Dritte Kraft“ bezeichnete Richtung, betont das jedem Menschen innenwohnende Bedürfnisse nach konstruktiver Veränderung und Selbstverwirklichung (Weinberger 2011,S.23)“. Sie sieht den Menschen in seiner Einzigartigkeit und seine Fähigkeit, zu wählen und sich zu entscheiden. Rogers Persönlichkeitskonzept bezieht sich nicht nur auf die Psychotherapie, es ist auch eine Theorie der Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen (vgl. Weinberger 2011,S.23,24). Die Forschungen von C .Rogers führen zu einer eigenen Persönlichkeitstheorie, welche für die Pädagogik einen enormen Stellenwert hat, z.B. bei der Bewertung der Sinnhaftigkeit verschiedener Erziehungsstile. Rogers Grundgedanke war, dass jeder Mensch nach Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung strebt, und vom Kindesalter an sich mit seiner Umwelt auseinander setzt. Diese Interaktion führt zu Wahrnehmungen. Der Mensch erlebt Dinge und macht sich Eindrücke. Durch diese Dinge entwickelt jeder Mensch sein Selbstkonzept, welches man je nach dem erlebten in eine negative oder positive Richtung steuern kann.

Nach Rogers ist Teil des Selbstkonzeptes zum einen das Idealselbst und zum anderen das Realselbst. Das Idealselbst ist all das, was sich der Mensch selber an Eigenschaften für sich wünscht und was von der Gesellschaft erwartet wird. Zum Realselbst gehören die tatsächlichen Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen. Weichen nun das Idealselbst und das Realselbst zu sehr voneinander ab, kann es zu Minderwertigkeitsgefühlen kommen. Rogers setze sich mit der Frage auseinander, wie der Mensch zur Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes kommt. Dabei nennt er sieben Kerngedanken, welche Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder Beachtung schenken müssen:

1. bedingungslose Liebe, das eigene Kind so zu lieben, wie es ist.
2. Wertschätzung für das Kind, beim aufstellen von Regeln sollen Kinder mit einbezogen werden und es sollen auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen werden.
3. Das Interesse am Kind muss echt sein.
4. Selbstständigkeit des Kindes ist wichtig, ständige Kontrolle eher hinderlich.
5. Das Kind sollte von seinen Eltern zu neuen Ideen angeregt werden.
6. Wichtige Grundsteine sind Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit.
7. Kinder sollten eigene Gefühle zeigen dürfen, auch wenn diese mal negativ sind (vgl. Gawlick 2013,S.1).

2.4. Die Gesprächspsychotherapie

„Die Gesprächspsychotherapie gehört zu den humanistischen Methoden, die die These vertreten, dass der Mensch mehr als die Summe seiner Teile ist, dass er bewusst und in zwischenmenschlichen Beziehungen lebt und dass er sich entscheiden kann (Psychomeda 2017,S.1)“.

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Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668544925
ISBN (Buch)
9783668544932
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375362
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,7
Schlagworte
bedeutung haltung carl rogers beratung sozialen arbeit

Autor

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