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Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. "Hilf mir, es selbst zu tun"

Hausarbeit 2016 8 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Montessori-Pädagogik
2.1. Idee der Montessori-Pädagogik
2.2. Sensible Phasen- Inhalte pädagogischer Bedeutung

3. Aktualität der Montessori-Pädagogik

4. Kritik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Montessori-Pädagogik ist eines der bekanntesten Reformpädagogischen Konzepte, deren Bildungsangebot sich unmittelbar am Kind orientiert und konsequent die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt. "Hilf mir es selbst zu tun!" Diesen Ausspruch eines Kindes machte Maria Montessori zu einem Leitsatz. Der Lehrer und Erzieher ist Helfer und Begleiter des Kindes (vgl. Hedderich 2011,S.39). Ihre Ansätze werden schon in vielen Kindergärten und Grundschulen angewandt. Hierbei stehen das Kind und dessen Beobachtung im Mittelpunkt. Ein Merkmal der Reformpädagogik ist die Wertschätzung des Kindes. Das Kind wird als selbstbestimmtes Wesen angesehen, dass seine individuellen Bedürfnisse hat.

Im Folgenden wird nun zuerst genauer auf die Montessori-Pädagogik und deren Anwendung in Schulen näher eingegangen. Daraufhin werde ich mich der Aktualität dieser Reformpädagogik zuwenden. Zum Schluss folgt die Kritik an Maria Montessori und abschließend ein kurzes Fazit.

2. Montessori-Pädagogik

2.1. Idee der Montessori-Pädagogik

Die Montessori-Pädagogik ist eine der populärsten Reformpädagogiken überhaupt (vgl. Kuhlmann 2013,S.102). Maria Montessori wollte eine völlig neue Lernstruktur erstellen, welches das Interesse des Kindes in den Mittelpunkt stellen sollte. „Hilf mir, es selbst zu tun“, auf diese Bitte eines kleinen Mädchens baute Maria Montessori ihre Pädagogik auf, dieser Satz ist der Leitgedanke ihrer Pädagogik. Er steht für den Wunsch des Kindes, selbständig zu Handeln und nicht in seinem Handeln durch Erwachsene gestört oder bevormundet zu werden. Sie hatte das Anliegen, dass Kinder ein Recht auf eine freie Entwicklung und eine eigenständige Zielsetzung bekommen müssen. Sie ist gegen die „Verbiegung“ des Kindes, doch damit meint sie nicht, dass man Kinder einfach gewähren lassen sollte (vgl. Eichelberger 1997, S.15). In Montessori-Schulen arbeiten gut ausgebildete Pädagogen mit den Eltern zusammen und unterstützen die Kinder darin, sich zu zuverlässigen Menschen mit Selbstvertrauen zu entwickeln. Hier werden verstärkt Unterrichtsformen wie die Freiarbeit, Gruppenarbeit, Projektarbeit oder gebundener Unterricht angewandt. Interesse, Lust und Freude sind wichtige Anhaltspunkte für das Lernen und Heranwachsen der Kinder. Sie werden dazu ermutigt sich um Wissen und Bildung zu bemühen, mit anderen rücksichtsvoll zusammenzuleben und zu arbeiten sowie respektvoll als auch liebevoll untereinander umzugehen (vgl. Bastian 2016,S.1). In den Montessori-Schulen findet der Unterricht altersgemischt statt. Dies bedeutet, dass oft zwei Klassen zu einer zusammengefasst werden oder dass manchmal sogar, die Klassen eins bis vier gemeinsam Unterricht haben. So können sich die Kinder gegenseitig unterstützen und sich etwas erklären. Die Jüngeren profitieren dann von den Älteren und andersrum. Ebenso ist Freiarbeit ein sehr wichtiger Faktor in den Montessori-Schulen, diese nimmt ungefähr die Hälfte des Vormittags ein. Die Schüler sagen vorher Bescheid, wie sie diese Zeit nutzen wollen, so kann jedes Kind frei entscheiden ob es Rechnen, Schreiben, Erdkunde oder Geschichte unterrichtet haben möchte. In den restlichen Stunden findet dann herkömmlicher Unterricht statt. Der Sinn dieser Freiheiten besteht darin, dass die Kinder möglichst früh selbstständig werden und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Trotz aller Freiheiten sollen die Kinder jedoch auch erfahren, dass zwischenmenschliche Umgangsformen für das gemeinsame Miteinander von Bedeutung sind. Deshalb lernen die Kinder einander zu helfen, sich gegenseitig zuzuhören und einander zu begrüßen. Auch ist jedes Material nur einmal vorhanden, weshalb die Kinder sich untereinander absprechen müssen, wenn mehrere dasselbe Material benutzen möchten. Im Vordergrund steht immer den Kindern „Freude am Lernen“ zu vermitteln. Deshalb wählt man auch das selbstbestimmte Lernen, da dieses lustvoller ist und tiefer reicht. Ebenso sind nach Maria Montessori Zeugnisbeurteilungen unwichtig, da es nicht wichtig sei, dass der Lehrer Korrektur betreibt. Viel wichtiger sei nämlich die individuelle Fehlerkontrolle, die der Schüler selbst im Umgang mit den Materialien erfährt, denn die Lösungen liegen alle bei den Arbeitsmaterialien dabei. So hat das Kind die Möglichkeit seine Fehler zu berichtigen, ohne dass ein Erwachsener ihm dabei helfen muss oder eingreift. Es kommt also zur Befreiung des Kindes von der Abhängigkeit des Erwachsenen (vgl. BR Wissen 2016,S.1,2).

- In Montessori-Schulen werden folgende Punkte berücksichtigt:
- Altersintegration
- Ganzheitliche Sicht der Schüler/innen
- Individuell angepasster Unterricht
- Verbindung von Theorie und Praxis
- Fächerübergreifendes Lernen in Projektform
- Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein
- Gegenseitiger Respekt

(vgl. Bastian 2016,S.1)

2.2. Sensible Phasen- Inhalte pädagogischer Bedeutung

Der Entwicklungsprozess des Kindes gliedert sich in drei Phasen, in denen das Kind sehr empfänglich für gewisse Reize aus seiner Umwelt ist. Es ist darüber hinaus in der Lage sehr konzentriert zu arbeiten, wenn es eine Beschäftigung findet, die „seine Bedürfnisse“ anspricht. In dieser Phase tiefster Konzentration lässt es sich dann auch nicht von anderen Reizen ablenken. Das Kind durchläuft einen Erkenntnisprozess der nicht nur sein Denken, sondern die gesamte Entwicklung seiner Persönlichkeit im positiven Sinne beeinflusst. Diesen ganzen Prozess beschreibt sie mit dem Begriff „Normalisation“. Ein normalisiertes Kind ist nach Maria Montessori ein Kind das fähig ist, eine unabhängige Persönlichkeit aufzubauen und frei ist, seine Begabungen, Interessen und Stärken zu entfalten. Diese Normalisation ist ein sehr langer Prozess der aktiven Verwirklichung des eigenen Ichs. Sensible Phasen sind zeitliche begrenzte Entwicklungsabschnitte spezifischer Lernbereitschaft die nur dann wirksam sind, wenn das Kind in dieser Zeit auch Handlungs- und Lernmöglichkeiten bekommt, die mit diesem „Entwicklungsbedürfnis“ abgestimmt sind. Dann erst ist die Möglichkeit gegeben, dass das Kind in jeder Phase bestimmte Fähigkeiten erwerben kann. Das erste Kindheitsstadium geht von 0 bis 6 Jahre und ist nach Maria Montessori die „wichtigste Zeit des Lebens“, da sich in diesem Zeitraum die Persönlichkeit und Fähigkeiten des Kindes formen. Hier wirken die Sensitivitäten für Sprache, Bewegung, Sozialverhalten und Ordnung. Besonders wichtig ist die Sensitivität der Ordnung, denn Maria Montessori ist der Meinung, dass eine gewisse Ordnung ein grundlegendes Bedürfnis sei, um das ganze Chaos der gemachten Eindrücke und Erfahrungen zu einem eigenen Weltbild zu verknüpfen. Die äußere Ordnung ist z.B. die Lebenswelt des Kindes, wie z.B. die Verhältnisse innerhalb der Familie oder Lebensregeln. Das zweite Stadium erstreckt sich vom 7. bis zum 12. Lebensjahr. Hier findet eine „Sensitivität für Moral und Gerechtigkeit, Gut und Böse und für Sachlichkeit“ statt. In dieser Phase wird sich das Kind der Regeln im Umgang mit Moral und Sitte bewusst. Darüber hinaus lernt es die Werte und Normen der Gesellschaft kennen und wendet sich zur Sachwirklichkeit hin. Hierbei interessiert sich das Kind z.B. für Pflanzen und Tiere, sammelt Steine oder Briefmarken. Besonders auffällig ist, dass das Kind auf Grund seiner „Geistestätigkeit“ fähig ist, durch das Untersuchen von Details ein Verständnis für das Ganze zu erlangen. So kann sich beispielsweise aus dem Erhalt einer Briefmarke eine ganze Briefmarkensammlung ergeben, die dann vom Kind geordnet und gekennzeichnet wird. Weiterhin beginnen die Kinder in dieser Phase Freundschaften zu knüpfen. Sie haben jetzt den Drang nach „Gruppen- und Gemeinschaftsbeziehungen“. Sie starten den Versuch Gesetze und Prinzipien zu erfahren, die von den Erwachsenen festgelegt wurden. Zwischen 13 und 18 Jahren befindet sich das Kind im dritten Stadium. In dieser Phase spielt die Sensitivität für soziale Verantwortung, persönliche Würde und Selbstvertrauen eine wichtige Rolle. Die Kinder lösen sich immer mehr von ihren Eltern, suchen ihr eigenes Norm- und Wertesystem und begeben sich auf die Suche nach ihrer eigenen Lebensperspektive. Sie denken über ihre Berufsziele und ihre eigene Identität nach. In dieser Zeit benötigen sie sehr viele Freiräume, um sich selbst zu erproben (vgl. Holtstiege 1977,S.74 ff.).

3. Aktualität der Montessori-Pädagogik:

In Deutschland gibt es ca.1000 Montessori-Einrichtungen, welche die frühpädagogischen Montessori-Einrichtungen, die Montessori-Kitas sowie die Montessori-Schulen der Primar und Sekundarstufe umfassen. Diese können in staatlicher, konfessioneller oder freier Trägerschaft organisiert sein. Zur Qualitätsbestimmung einer pädagogischen Einrichtung gehören drei wichtige Aspekte: die Struktur, der Prozess und die Wirkung der praktischen Montessori Arbeit. Um die Tätigkeit einer Montessori-Einrichtung nachgehen zu können, müssen die Erzieher und Lehrer einen zweijährigen Montessori-Ausbildungskurs belegen und ein Montessori-Diplom für die Elementar- und Primarstufe erwerben(vgl. WEE-WEF 2016,S.1).

„Die Montessori- Kindergärten und Schulen können Modelle für eine Erziehung und eine Schule sein, in der Kinder und Jugendliche andere zukunftsorientierte Erfahrungen, als in den meisten unserer heutigen Schulen machen können“ (Bastian 2016,S.1). Allerdings können selbstverständlich nicht alles genauso von Montessori übernommen werden, da sich die Zeiten und Lebensverhältnisse verändert haben, dennoch sind ihre Grundsätze heute noch aktuell.

4. Kritik

Das Konzept von Maria Montessori hat nicht nur begeisterte Anhänger gefunden, es gab auch einige Kritiker dies war jedoch zu erwarten, da nicht alle Menschen die gleiche Meinung und die gleiche Vorstellung von Pädagogik vertreten. Ein Kritikpunkt sowohl damals, als auch heute ist, dass Montessori Wert darauf legte, dass die Kinder mit den Materialien nicht spielen dürfen (vgl. Bastian 2016,S.1). „Es darf also ein Längenstab nicht zu einem Baumstamm umfunktioniert werden, der dann auf einem Auto transportiert wird“ ( Bastian 2016.S.1). Das didaktische Material dient der Übung und der Vorbereitung der einzelnen Organe und Funktionen des kindlichen Organismus für die kindliche Arbeit.

Bei der Kritik taucht dann auch immer wieder der Name Fröbel auf, der das Spiel des Kindes als wesentlich ansah. Friedrich Fröbels Verdienst ist es, dass er die pädagogische Bedeutung des Spiels für die Kindheit entdeckt hat. Fröbel versuchte in seinen Kindergärten das Spiel zu erzieherischen Zwecken zu organisieren. Dies widerspricht hingegen der Einstellung Maria Montessori. Die mit am häufigsten geäußerte Kritik an Montessori bezieht sich auf ihre Bemerkungen auf die Phantasie. Montessori betrachtet die Phantasie als unzureichende Wirklichkeitserfahrungen während Fröbel dem Phantasie und dem Spiel viel Bedeutung zugesprochen hatte. Ein anderer Kritikpunkt bezieht sich auf die Phasentheorien. Es hieß, Montessori sehe die menschliche Entwicklung als einen starren Bauplan. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob das von Montessori vorverlegte Schreib- und Lesealter pädagogisch sinnvoll in Bezug auf die Gesamtentwicklung des Kindes und ökonomisch in Relation zum zeitlichen und pädagogischen Aufwand ist.

Eine Vertreterin der nationalen Kindergartengesellschaft der USA hat die Betonung der Eigenarbeit anstelle der Gruppenarbeit kritisiert. Auch andere Pädagogen übten Kritik an ihrer Pädagogik. Sie sagten, dass die Materialien zu starr seien und die Kinder einschränken würden. Die Forderung Montessoris die Materialien genau so zu verwenden, wie sie es festgelegt hat, sei eine Beleidigung für die Intelligenz und die schöpferische Kraft der Lehrerinnen. Darüber hinaus könne man dadurch die Materialien auch nicht an Kinder, die aus anderen Kulturen kommen, anpassen (vgl. Bastian 2016,S.1)

5. Fazit

Maria Montessori hat am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ein pädagogisches Konzept entwickelt dass heutzutage weltweit verbreitet und auch anerkannt ist. Im Mittelpunkt der Montessori-Pädagogik stehen die Bedürfnisse und Interessen des Kindes. Sie steht auf der Seite des Kindes und nicht auf der Seite des Erwachsenen. Für Sie ist das Kind von Natur aus gut. Für Sie besitzt jedes Kind die Energie, seine Persönlichkeit selbst aufzubauen. Dazu benötigt es jedoch eine kindgerecht vorbereitete Umgebung. Ihre Erziehungsidee ist die Idee der Freiheit und Selbstständigkeit des Kindes.

Maria Montessori betrachtet das Kind als ein sich „entwickelndes Leben“. Sie hat auf diese Sichtweise ihre Pädagogik aufgebaut und dazu geführt, dass erzieherisches Handeln ebenso wie der Einsatz der Materialien oder die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Kind und Erzieher/in stattfindet.

Literaturverzeichnis:

1. Kuhlmann, Carola (2013): Erziehung und Bildung. Einführung in die Geschichte und Aktualität pädagogischer Theorien. (Springer VS)
2. Eichelberger, Harald (1997): Handbuch zur Montessori-Didaktik (1.Auflage Studien Verlag)
3. Holtstiege, Hildegard (1977): Modell Montessori. Grundsätze und aktuelle Geltung der Montessori-Pädagogik. (Herder Verlag)
4. Hedderich, Ingeborg (2011):Einführung in die Montessori-Pädagogik (3.Auflage
Reinhardt Verlag)
5. Bastian, Diana : Maria Montessori: Person, Theorie, Material und Kritik. Abrufbar unter: http://www.montessori-paedagogik.info/kritik-an-der-montessori-padagogik// (Stand 06/2016)
6. WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung-World Education Fellowship. Abrufbar unter: http://wef-wee.net/de/start-wee.php?action=mont33. (Stand 06/2016)
7. BR WISSEN : Reformpädagogik: Idee der Montessori-Schulen. Abrufbar unter: http://www.br.de/themen/wissen/montessori-idee100.html. (Stand 06/2016).

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Details

Seiten
8
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668525207
ISBN (Buch)
9783668525214
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375359
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
2,0
Schlagworte
grundgedanken montessori-pädagogik hilf

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Titel: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. "Hilf mir, es selbst zu tun"