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Psychodrama in der Supervision

Hausarbeit 2017 27 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Supervision?

3. Wirkungsebenen und -ziele von Supervision
3.1 Individuelle Ebene
3.2 Interaktionelle Ebene
3.3 Ebene der Führung und Zusammenarbeit im Team
3.4 Institutioneller Ebene

4. Methoden und Interventionsformen der Supervision

5. Das Psychodrama als eine Methode der Supervision
5.1 Anthropologische und theoretische Grundannahmen
5.2 Psychodramatische Instrumente
5.2.1 Die Bühne
5.2.2 Der Protagonist
5.2.3 Das Hilfs-Ich
5.2.4 Die Gruppe
5.2.5 Der Leiter
5.3 Psychodramatische Arrangements
5.3.1 Das Stegreifspiel
5.3.2 Das Playbackspiel
5.3.3 Die Zukunftsprojektion
5.4 Psychodramatische Handlungstechniken
5.4.1 Rollentausch
5.4.2 Doppeln
5.4.3 Spiegeln

6. Das Konzept der psychodramatischen Supervision
6.1 Interpretations- und Arbeitsebenen
6.2 Die fünf Kommunikationsmodi
6.3 Die Prozessphasen der psychodramatischen Supervision

7. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1 Dreieckskontrakt (Belardi, 2015, p. 61)

2 Morenos Psychodrama-Bühne in Beacon Hills (Kramer, et al., 2009, p. 19)

3 Systemik-Ebene (Kramer, et al., 2009, p. 469)

4 Psychik-Ebene (Kramer, et al., 2009, p. 469)

5 Dialogik-Ebene (Kramer, et al., 2009, p. 469)

6 Kontext-Ebene (Kramer, et al., 2009) 469

7 Die fünf Kommunikationsmodi in der Supervision (Buer, 2001, p. 19)

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat die Supervision in Deutschland in Folge von stetig wachsenden und komplexer werdenden Arbeitsanforderungen mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Gerade im Rahmen der sozialen Arbeit bietet diese feldübergreifende Arbeitsform eine ausgezeichnete Möglichkeit, vorhandene Arbeitsprozesse und Beziehungen unter Kollegen zu analysieren und im besten Fall zu optimieren. Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick über die Kernpunkte der Supervision bieten und geht dabei ausführlich auf das von Jakob Levi Moreno entwickelte Psychodrama ein, eine Methode die innerhalb des Supervisionsprozesses Anwendung findet ein. Dabei stehen das Erkennen und Entdecken von Rollenschemen innerhalb von Beziehungen und die szenische Darstellung von ebendiesen im Vordergrund. Im Rahmen dieses Prozesses basiert das Psychodrama auf tatsächlich Erlebtem und baut auf diesen Erlebnissen weiter auf, um eine Veränderung im Handeln und Denken des Menschen zu erreichen. Dabei verfolgt das Psychodrama einen lebendigen, kreativen und intensiven Ansatz, der es von anderen Therapieverfahren wie der Psychoanalyse grundlegend unterscheidet. Im abschließenden Teil dieser Arbeit wird das Konzept der psychodramatischen Supervision näher besprochen – wobei durch den begrenzten Raum, der dieser Arbeit zur Verfügung steht, die Möglichkeiten dieses Verfahrens nur grob angerissen werden können, um einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten zu erhalten.

2. Was ist Supervision?

Etymologisch abgeleitet wird der Begriff Supervision von den lateinischen Wörtern super (über) und videre (sehen / beobachten) (Bockisch, 2015, p. 13) – in diesem Sinne bedeutet Supervision also so viel wie Überblick. Dabei liegen die Wurzeln der Supervision im ökonomisch, administrativen Bereich von Unternehmen und stellt dort eine Vorgesetztenfunktion dar. Durch eine fachgerechte Überwachung und Anleitung stellt der Supervisor im Unternehmen das ordnungsgemäße Ausführen von Aufgaben seiner untergeordneten Mitarbeiter sicher (Schreyögg, 2004, p. 18).

Mit den Zielen die Qualität von Arbeitsergebnissen, die Arbeitsbeziehungen zwischen Kollegen und Klienten, sowie die Arbeitsorganisation zu verbessern, werden heute innerhalb der sozialen Arbeit durch Supervision verschiedene Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge subsumiert (Belardi, 2005, p. 15). Die Beteiligten an einer Supervision sind ein meist extern hinzugezogener Supervisor, die Supervisanden selbst und ein Auftraggeber. Der Supervisor nimmt dabei eine neutrale Rolle des Vermittlers und Ratgebers ein, die Supervisanden sind diejenigen, die Supervision erhalten und der Auftraggeber trägt die Kosten der Supervision und hat den Supervisor beauftragt, um ein spezielles Problem innerhalb der Organisation, des Teams oder Unternehmens zu lösen (Schreyögg, 2004, pp. 18 - 19). In dieser Konstellation stehen Supervisor, Supervisand (Team) und Auftraggeber in einem sogenannten Dreieckskontrakt zueinander, wobei es vorkommen kann, dass ein Auftraggeber auch gleichzeitig die Rolle der Supervisanden einnimmt, beispielsweise in einer Teamsupervision.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Dreieckskontrakt (Belardi, 2015, p. 61)

Weiterhin stellt eine konkrete und eindeutige Klärung der geforderten Aufgabenstellungen zwischen Supervisor und Auftraggeber einen ersten und grundlegenden Schritt hin zu einer gelungenen Supervision dar. Spezifische Themen für einen solchen Auftrag wären:

- die Verbesserung der Arbeitsmotivation
- die Sicherung der Qualität im beruflichen Kontext
- die Reflexion persönlicher, wechselseitiger und systemischer Aspekte
- die persönliche und berufliche Weiterentwicklung (Hermann-Stietz, 2009, p. 46)

Für die Erfüllung dieser Problemstellungen stehen einem Supervisor eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren und Methoden zu Verfügung.

Verfahren für Supervision können ein Zweiersetting, ein Gruppensetting oder Organisationssetting sein. Bei einem Zweiersetting sollen Anliegen, Probleme oder Aufgaben im Arbeitsprozess einer Einzelperson mit dem Supervisor reflektiert und aufgearbeitet werden. Dabei geht es oft um Einzelsupervisionen, wie beispielsweise die Rollenberatung eines Mitarbeiters innerhalb des Teams, oder Leitungssupervision, in der die eigene Führungsrolle thematisiert wird. Ein drittes Setting für eine Zweiersupervision stellt das Coaching dar. Ihm liegen ähnliche Aufgabenstellungen und -gebiete wie einer Leitungssupervision zugrunde. Der Unterschied zwischen Leitungssupervision und Coaching lässt sich im jeweiligen Anwendungsbereich festmachen. Durch seine primäre Anwendung in psychosozialen Arbeitsfeldern und psychotherapeutischen Wurzeln wurde die Supervision in der freien Wirtschaft oft in einen klinischen oder sozialen Zusammenhang gebracht. Aufgrund dieser Stigmatisierung entwickelte sich für Menschen, deren Arbeitsfelder sich in Wirtschaft, Verwaltung und Politik befinden, der Begriff des Coachings – und stellt somit eine Abgrenzung zu den Supervisionen der sozialen und klinischen Bereiche dar. Ein Schwerpunkt des Coaching liegt beispielsweise in der Personalentwicklung in großen Unternehmen (Belardi, 1996, pp. 99 - 103).

Bei einer Gruppensupervision kommen mehrere Teilnehmer aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, Organisationen oder Hierarchiestrukturen zusammen und reflektieren gemeinsam ihr berufliches Handeln. Dabei müssen die Teilnehmer sich in keinem direkten Arbeitszusammenhang befinden, die Gruppengröße kann von 3 bis 20 Mitgliedern variieren. Es gibt auch spezielle Formen von Gruppensupervision – wie beispielsweise Balint-Gruppen-Arbeit oder Teamsupervision – bei der es meist einen gemeinsamen Arbeitskontext gibt (Belardi, 1996, pp. 106 - 110).

Eine weitere Form von Supervision stellt das Organisationssetting dar. Dieses teilt sich in drei Bereiche mit unterschiedlichen Aufgaben und Zielen auf: Organisationssupervision, Organisationsberatung und Organisationsentwicklung. Innerhalb der Organisationssupervision sollen Probleme und Konflikte von Mitarbeitern analysiert und aufgearbeitet werden. Diese Form ist der Teamsupervision ähnlich, allerdings wird hier nicht nur eine Ebene oder Profession innerhalb einer betreffenden Institution einbezogen, sondern die Arbeit zieht sich durch alle vorhandenen Ebenen und Professionen innerhalb einer Organisation. Beispiele für Zielgruppen einer Organisationssupervision sind Abteilungsleiter unterschiedlicher Arbeitsbereiche, Mitglieder eines bestimmten Projektes oder Angehörige einer bestimmten Berufsgruppe. Bei einer Organisationsberatung steht die Ziel- und Strukturveränderung innerhalb des Gesamtsystems der Organisation im Vordergrund. Eine Spezialisierung des Betreuungsangebotes eines allgemeinen Pflegeheims im Bereich Demenzkranker könnte einen Anlass für eine solche Form der Supervision darstellen (Hermann-Stietz, 2009, pp. 30 - 33). Die Organisationsentwicklung verfolgt eine geplante und auf Langfristigkeit angelegte Veränderung innerhalb einer Organisation, bei der möglichst alle Mitarbeiter auf allen Hierarchiestufen einzubeziehen sind. Diese Umwandlung wird häufig mithilfe von Organisationsanalyse, Weiterbildungen und Änderungen an der Struktur der betreffenden Institution erreicht. Organisationssupervision und Organisationsberatung spielen dabei eine tragende Rolle und innerhalb des Prozesses der Organisationsentwicklung kommt es zu einer engen Verzahnung aller drei Formen des Organisationssettings. Sie greifen ineinander und bauen somit aufeinander auf (Belardi, 2005, pp. 105 - 107).

3. Wirkungsebenen und -ziele von Supervision

Innerhalb dieser vorangegangen Prozesse wirkt Supervision auf vier verschiedenen Ebenen, die als Lernzielebenen bezeichnet werden (Fengler, 1998, p. 77).

3.1 Individuelle Ebene

Die Reflexion der mit dem direkten Arbeitszusammenhang verbundenen Selbsterfahrung und Selbstklärung der Supervisanden ist das Ziel der individuellen Ebene. Hier geht es beispielsweise darum, die eigene berufliche Rolle und Funktion zu hinterfragen, die Fähigkeiten emotionaler Erlebnisinhalte besser und genauer auszuformulieren und belastende Erlebnisse anzusprechen und zu verarbeiten, um daraus eigene Copingstrategien zu entwickeln.

3.2 Interaktionelle Ebene

Auf dieser Ebene geht es unter anderem um die Beantwortung von konkreten Fragen, die sich auf den beruflichen Alltag der Supervisanden beziehen. Auch ein Verbessern des bestehenden Helfer-Klienten-Verhältnis findet auf dieser Ebene statt, zusätzlich sollen fachliche und kommunikative Fähigkeiten geschärft und verbessert werden. Es geht auf dieser Ebene also vorrangig um eine Optimierung der eigenen beruflichen Kompetenzen, gerade auch in Bezug auf die Klienten.

3.3 Ebene der Führung und Zusammenarbeit im Team

Die Ziele von Supervision auf dieser Ebene sind die Verbesserung der Beziehung der Professionellen untereinander, dabei finden ihre unterschiedlichen Rollen, Funktionen, Aufgabenbereiche und Hierarchiestufen Berücksichtigung. Weitere Ziele sind die Stärkung der Kritik-, Team- und Kommunikationsfähigkeit der Supervisanden untereinander.

3.4 Institutioneller Ebene

Die Frage danach, wie sich Struktur und Einfluss der jeweiligen Organisation auf die professionelle Arbeit ihrer Mitarbeiter auswirkt, steht hier im Mittelpunkt. Dabei werden Vorschläge zur Verbesserung der Organisationsstruktur, der Arbeitsorganisation und der Arbeitsabläufe ausgearbeitet und benannt (Hermann-Stietz, 2009, pp. 10 - 12).

4. Methoden und Interventionsformen der Supervision

Um die Zielstellung seines Auftrags zu erfüllen, steht dem Supervisor eine kaum überschaubare Anzahl von theoretischen Methodenkonstruktionen zur Verfügung, die sich je nach Erfahrung, Intuition und persönlicher und unspezifischer Beratungsfaktoren des Supervisors untereinander vermischen können (Belardi, 1996, p. 99). Einige Methoden, die sich innerhalb eines Supervisionssettings wiederfinden lassen, sind beispielsweise die Psychoanalyse, Neuro-Linguistisches Programmieren (NLP), Gestalttherapie, Gruppendynamik, Themenzentrierte Interaktion oder die systemische Familientherapie (Hermann-Stietz, 2009, pp. 37 - 42). Welche dieser Methoden letztendlich zum Einsatz kommen, orientiert sich am Auftrag des Supervisors und am individuellen Lebens- und Arbeitsstil des betreffenden Supervisors (Buer, 2009, p. 463). Eine dieser Methoden, die in einem Einzel- oder Gruppensetting angewendet werden kann, soll im Folgenden ausführlicher vorgestellt werden: das Psychodrama.

5. Das Psychodrama als eine Methode der Supervision

Das von Jacob Levi Moreno in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte Psychodrama stellt historisch das erste gruppentherapeutische Psychotherapieverfahren dar. Dabei versucht das von Moreno geschaffene komplexe therapeutische System, Menschen in ihrer emotionalen, leiblichen und intellektuellen Dimension zu erfassen, um Hemmungen in deren Handeln, Erleben und Wahrnehmen aufzulösen. Innerhalb der Prozesse des Psychodramas sollen nicht nur Defizite im Handeln des Individuums reduziert, sondern auch neue Ressourcen und Potenziale herausgearbeitet werden. Auch wenn die Ursprünge des Psychodramas in der Gruppentherapie liegen, wird es heute in verschiedenen Einzeltherapiesettings angewandt (Schreyögg, 2004, pp. 245 - 246). Moreno fand seine Ansätze für die Entwicklung des Psychodramas in Spiel, Theologie, Soziologie, Theater und Psychotherapie. Grundlegend ging er davon aus, dass die Handlungen eines Menschen von einer bestimmten Anzahl einzunehmender Rollen – wie zum Beispiel Ehemann, Helfer, Kollege oder Vater – geprägt und beeinflusst werden. Diese Rollen werden dem Individuum durch den kulturellen Raum, in dem er sich bewegt, vorgegeben. Moreno unterscheidet kategoriale und aktionale Rollen. Wie schon der Name andeutet, stellen die kategorialen Rollen die festen soziologischen Rollenschemata, die mit einer bestimmten Erwartung verbunden sind (z. B. Sohn, Handwerker, Arzt). Die aktionalen Rollen sind ebendiese Rollen-Bilder in der konkreten individuellen Auslegung des jeweiligen Menschen (Bender & Stadler, 2012, pp. 5 - 6). Beim Psychodrama geht es im Kern darum, einen inneren Konflikt einer Person mithilfe von psychodramatischen Arrangements und Techniken auf der Bühne aufzudecken, zu analysieren und zu lösen. Dabei soll nicht eine bestimmte Situation nachgespielt, sondern die betreffende Situation wiedererlebt und somit eine Veränderung im Protagonisten aber auch in der Gruppe herbeigeführt werden. Das Psychodrama kann dabei eine Realitätsnähe erschaffen, die mit anderen Simulationsmethoden wie beispielsweise einer Fallstudie oder dem Rollenspiel nicht erreicht werden kann. Dazu bedient sich das Psychodrama einer Vielzahl an psychodramatischen Arrangements und Handlungstechniken (Kramer, et al., 2009, p. 2). Für die Supervision stellt das Psychodrama eine geeignete Methode dar, da mit ihrer Hilfe auch verkrustete und komplizierte Beziehungen aufgebrochen und so auf eine wertschätzende Art neue Blickwinkel für die Supervisanden im Umgang miteinander erschlossen werden können.

5.1 Anthropologische und theoretische Grundannahmen

Dem Psychodrama liegen folgende anthropologische Gedanken zugrunde (Schreyögg, 2004, pp. 248 - 249):

1. der Mensch als Individuum und als soziales Wesen
2. der Mensch als Subjekt und als determiniertes Wesen
3. der Mensch als Leib-Seele-Geist-Subjekt im Lebensganzen
4. der Mensch als gesichert und bedrängt durch Institutionalisierungen und durch Arbeit

5.2 Psychodramatische Instrumente

Ein Handlungsraum innerhalb eines Psychodramas besteht aus fünf Grundelementen: der Bühne, dem Protagonisten, dem Hilfs-Ich, der Gruppe und dem Leiter. Diese sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

5.2.1 Die Bühne

Für das Psychodrama entwickelte Moreno in seinem Institut in Beacon Hill eine kreisförmige, dreistufige Bühne mit einem zusätzlichen Balkon am hinteren Ende. Jeder dieser Stufen kam eine unterschiedliche Bedeutung innerhalb des Psychodramas zu. Auf der ersten und untersten Stufe fand sich das Publikum ein, die zweite Stufe diente dem Leiter zum Interviewen und Explorieren des Protagonisten. Die eigentliche psychodramatische Darstellung vollzog sich auf der dritten und obersten Stufe der Bühne. Der Balkon war dabei für die Darstellung eines transzendenten Über-Ichs wie beispielsweise Gott oder ein Richter vorgesehen. In einem psychodramatischen Supervisionssetting steht einem Supervisor eine solche Bühne in der Regel zwar nicht zur Verfügung, trotzdem findet sich dieses 3-stufige Konzept in jeder psychodramatischen Darstellung wieder. Meist wird die Bühne den räumlichen Gegebenheiten angepasst und beispielsweise durch in einem Halbkreis aufgestellte Stühle symbolisiert. Die Bühne stellt eine Art geschützten Raum dar, in dem der Protagonist aus der Gruppensituation heraustritt und sich in die Surplus Realität, also die innere Welt des Protagonisten, hineintritt. Damit wird die Bühne zu einer subjektiven Wirklichkeit des Protagonisten oder der Gruppe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Morenos Psychodrama-Bühne in Beacon Hills (Kramer, et al., 2009, p. 19)

5.2.2 Der Protagonist

Die gemeinsame inhaltliche Zielsetzung und das Thema eines Psychodramas werden in erster Linie durch den Protagonisten bestimmt. Er ist Regisseur und Autor des Bühnengeschehens. Die subjektive innere Wirklichkeit des Gruppenmitgliedes, das als Protagonist fungiert, soll exploriert und abgebildet werden. Anhand dieser so erschaffenen Wirklichkeit sollen sich andere Gruppenteilnehmer identifizieren und somit zum Erkenntnisgewinn der Gruppe beitragen.

5.2.3 Das Hilfs-Ich

Der Protagonist kann andere Gruppenmitglieder dazu bestimmen, durch die Darstellung eines Hilfs-Ichs eine helfende Funktion einzunehmen. Texte, Gestik, Mimik und Integration dieser Hilfs-Ichs werden dabei vom Protagonisten selbst ausgewählt. Eine Besonderheit im psychodramatischen Einzelsetting ist, dass dieses Hilf-Ich zeitweise auch durch den Therapeuten eingenommen werden kann (Kramer, et al., 2009, pp. 18 - 20).

5.2.4 Die Gruppe

Auch wenn es bisher den Anschein hat, dass der Protagonist im Mittelpunkt eines Psychodramas steht, ist Psychodrama letztendlich immer: „… Therapie in der Gruppe, durch die Gruppe, für die Gruppe und der Gruppe" (J.L. Moreno, 1956, zitiert nach Leutz, 1974, p. 92). Innerhalb des Psychodramas stellt die Gruppe also ein zentrales Element dar – aus ihr entstammen Protagonist, Mitspieler, Zuschauer und letztendlich auch Thema des psychodramatischen Spiels. Dabei ist die Gruppengröße nicht beschränkt und kann von Kleingruppen mit 4 bis 5 Teilnehmern bis hin zu Großgruppen mit einigen hundert Akteuren reichen (Bender & Stadler, 2012, p. 28).

5.2.5 Der Leiter

Der Leiter ist der methodische Experte, der für die Gruppenprozesse zuständig ist und den Protagonisten dabei unterstützt seine Ziele zu erreichen. Er ist vorrangig Begleiter und Berater der Gruppe. Dabei legt er in Abhängigkeit des Auftrages Hypothesen und Prozessziele fest, entwickelt den roten Faden und steuert das psychodramatische Spiel. In ihm ist also Spielleiter, Analytiker und Therapeut in einer Person vereint. Um diese komplexe und anspruchsvolle Aufgabe erfüllen zu können, muss ein Leiter neben emotionalen Einfühlungsvermögen, Humor und Imaginationsvermögen auch über entsprechende Feldkompetenz und Erfahrung im Anwendungsbereich und eine fundierte, diagnostische Ausbildung im Bereich des Psychodramas verfügen (Kramer, et al., 2009, pp. 23 -24).

5.3 Psychodramatische Arrangements

Psychodramatische Arrangements sind als übergeordnete Szenarien zu verstehen, bei denen Erlebnisräume für die Gruppe geschaffen werden, um durch sie zusammen mit verschiedenen Handlungstechniken die Selbstreflexion der Gruppe zu vertiefen und den Spielverlauf dahingehend lenken zu können (van Ameln & Kramer, 2015, p. 17). Zu diesem Zweck steht dem psychodramatischen Supervisor eine Vielzahl von unterschiedlichen Arrangements zur Verfügung. Drei ausgewählte, für die Supervision relevante, Arrangements sollen in den Unterkapiteln kurz vorgestellt werden.

5.3.1 Das Stegreifspiel

Das Stegreifspiel ist ein frei improvisiertes Gruppenspiel, das besonders gut geeignet ist, um die Teilnehmer in der Aufwärmphase innerhalb des Psychodramaprozesses für das eigentliche Gruppen- oder Protagonistenspiel aufzulockern, heranzuführen und so die Gruppe auf eventuell bestehende Automatismen bezüglich ihres subjektiven Rollenverständnisses zu untersuchen. Dabei wird ein Szenario grob vorgegeben, innerhalb dessen sich die Teilnehmer ihre Rolle frei wählen können. Die frei gewählte und verkörperte Rolle hat dabei häufig einen starken Bezug zur realen Persönlichkeit des Spielers (Kramer, et al., 2009, p. 42). Gerade zu Beginn eines Supervisionssettings lassen sich so wertvolle Informationen über ein Team oder eine Arbeitsgemeinschaft und deren Zusammensetzung gewinnen (van Ameln & Kramer, 2014, pp. 129 - 130).

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Details

Seiten
27
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668541177
ISBN (Buch)
9783668541184
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375266
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thüringen in Eisenach)
Note
1,3
Schlagworte
psychodrama supervision Soziale Arbeit

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Titel: Psychodrama in der Supervision