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René Descartes' ideentheoretischer Gottesbeweis in den "Meditationes de prima philosophia"

Hausarbeit 2016 10 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der ideentheoretische Gottesbeweis nach René Descartes

2. Die Voraussetzungen für den ideentheoretischen Gottesbeweis

3. René Descartes‘ Argumente zur Darstellung des ideentheoretischen Gottesbeweises

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Der ideentheoretische Gottesbeweis nach René Descartes

Die Meditationen René Descartes‘ beschreiben einen Umbruch in der philosophischen Neuzeit. Innerhalb dieser Schriften versucht Descartes durch methodischen Zweifel zu einem unerschütterlichen Fundament zu gelangen, um darauf Wissenschaft aufbauen zu können. Dementsprechend muss er nicht nur unsere sinnlich wahrnehmbare Umgebung untersuchen, sondern auch das Wissenschaft betreibende Subjekt, den Menschen. Da in der Wissenschaft das körperliche Tun jedoch zweitrangig ist, wird der Mensch nicht auf seine Anatomie hin geprüft, sondern auf die Art seines Denkens und vor allem auf dessen Ursprung. Die Meditationen bestehen aus logischem Nachdenken und bedienen sich dem Mittel des Zweifels.

Dies bedeutet, dass Descartes durch sukzessiven Abbau verschiedener Argumente und Begebenheiten einen Prozess in Gang setzt, der durch stetiges Anzweifeln, das nicht Anzuzweifelnde isolieren soll. Somit können nach der Untersuchung der ersten Meditation folgende Erkenntnisse festgehalten werden: Das von Descartes entwickelte Cogito-Argument legt dar, dass es unbezweifelbar ist, dass ich denke. Darüber hinaus ist es unbezweifelbar, dass ich existiere, solange ich denke.[1] Diese Aussagen sind zwar für diese Zeit herausragend, weil sie das denkende Subjekt in den Mittelpunkt setzen, jedoch müssen noch einige Angaben gemacht werden, damit sie erkenntnistheoretisch fundiert sind. In der dritten Meditation Descartes‘ sucht er somit einen Grund um nicht nur das denkende Subjekt logisch rechtfertigen zu können, sondern auch alles, das praktisches Mittel für dessen Existenz ist, wie der Körper und die wahrnehmbare Welt. Darüber hinaus muss auch ein Grund gegeben sein, warum all diese materiellen Dinge miteinander in Verbindung stehen und logisch voneinander abhängig sind. Daraus folgt, dass zusätzlich auch der Grund für die Mathematik und die Logik gefunden werden soll. Als Beweis für all diese Begebenheiten setzt Descartes auf Gott. Jedoch ist es nun erforderlich, einen Beweis für dessen Existenz anzustellen, um somit den zuvor genannten Entitäten einen Sinn zu geben. Wäre dies nämlich nicht erfüllt, wäre jede logische Wahrheit sinnlos und man müsste das von Descartes aufgebaute System völlig neu hinterfragen und analysieren. Descartes charakterisiert Gott als ein vollkommenes Wesen voller Allmacht und schreibt ihm aufgrund der These, dass er alles Wahre und Logische aufrechterhält, nicht die Funktion eines Täuscher-Gottes zu, der mit der Erde ein Spiel treibt.[2]

Auf der Basis dieser Überlegungen soll diese Hausarbeit zeigen, inwiefern die Überlegungen und Argumentationen René Descartes‘ seinen ideentheoretischen Gottesbeweis aufbauen und zu Ergebnissen führen. Darüber hinaus soll die Ausführung der Argumente sachlich darstellen, ob es Descartes gelingt, einen Beweis auf der Ebene der Metaphysik zu entwickeln oder ob er in sich selbst einen Widerspruch darstellt.

2. Die Voraussetzungen für den ideentheoretischen Gottesbeweis

Bereits zu Anfang seiner dritten Meditation führt René Descartes seine genauen Voraussetzungen auf, die er für sein kommendes Vorhaben für nötig erachtet. Wie im Titel bereits enthalten, hat dieser Text, wie auch seine Vorgänger, einen meditativen Charakter. Deutlich wird dies durch Descartes Vorgehensbeschreibung, aus der herausgeht, dass er „die Augen schließen, die Ohren zustopfen, alle Sinne abschalten […]“[3] will, um den Geist zu fokussieren. Die vollkommene Ruhe ist für ihn somit notwendig, um zu klaren Ergebnissen kommen zu können. Im Folgenden führt Descartes betonend auf sich als denkendes Subjekt zurück, das somit das Mittel für den Denkvorgang darstellen wird.[4] Als Hinführung zu seiner Argumentation legt er dar, wie er früher seine Umwelt wahrgenommen hat und viele Begebenheiten nicht hinterfragt hat. Somit hat er sinnliche Wahrnehmungen lediglich hingenommen. Dass das Erkennen eines Gegenstandes für ihn mit dem wahr sein dieses Objektes zusammenhängen könnte, lässt Descartes vorerst eine Möglichkeit sein. Jedoch verliert diese These an Reliabilität, als er eine Ebene höher geht und den Grund für die augenscheinlichen Wahrheiten mathematischer und logischer Sachverhalte erfragen will.[5] Es wird deutlich, dass es einen Auslöser für als wahr anzunehmende Tatsachen geben muss. Descartes sieht in dieser Position Gott. Er ist nicht nur Auslöser von logischen Tatsachen, sondern auch von allem anderen was existiert. Somit ist Gott Descartes‘ Fundament für alles Seiende und der sinngebende Anfang von allem was existiert.[6]

3. René Descartes‘ Argumente zur Darstellung des ideentheoretischen Gottesbeweises

Wie baut Descartes also seine Argumentation auf, um einer derart komplizierten Fragestellung eine Antwort geben zu können? Allein der Untertitel der dritten Meditation weicht von einer Frage wie etwa „Ist es möglich, dass es Gott gibt?“ ab und formuliert hingegen eine klare Aussage. „Über Gott, daß er existiert“[7] ist somit ein entscheidendes Element zur Einleitung seiner folgenden Thesen

Die Argumentation lässt sich in 10 aufeinander aufbauende Thesen zusammenfassen, deren letzte die Aussage tätigt, dass Gott existiert.

Descartes sucht nach einem Mittel um seine Gedanken zu ordnen, um somit besser über sie reden zu können. Eine der Arten beschreibt Abbildungen gewisser Dinge innerhalb unseres Verstandes. Diese Objekte, die wir denken können, bezeichnet Descartes als Ideen. Zu ihnen zählt alles uns Bekannte und Erkennbare, jedoch auch Gott, obwohl wir keine Sinneserfahrung von ihm haben aber eine Idee mit den Eigenschaften, die ihm zukommen.[8] Darin erkennt Descartes, dass es einen Weg geben muss Gott zu beweisen, da wir über die Idee, die wir von ihm haben, eine Gemeinsamkeit mit all den anderen Wahrnehmungen unseres Verstandes gibt. Damit dies jedoch aufgeht, beginnt Descartes in seinem ersten Argument mit der genaueren Definition der Idee selbst.

Als erste These stellt Descartes auf, dass jede Idee eine objektive Realität hat. Damit will er erklären, dass es möglich ist ein Objekt zu denken, ohne dass es in diesem Moment vor seinen Augen sein muss, damit er es wahrnimmt.[9] Zusammengefasst beschreibt dies den repräsentativen Gehalt einer Idee. Unser Verstand repräsentiert Dinge, die nicht zwangsläufig auch außerhalb unseres Verstandes existieren müssen.[10] Im Folgenden wird eine weitere Charaktereigenschaft einer Idee als zweite These genannt. Es ist für Descartes eine Notwendigkeit, dass jeder Idee eine Ursache zukommt. Seine Behauptung, dass aus dem Nichts heraus ohne irgendeine Einwirkung nichts entstehen kann, stellt er an einem Beispiel dar: „Es ist nicht nur unmöglich, daß zum Beispiel ein Stein, der vorher nicht gewesen ist, jetzt zu sein beginnt, wenn er nicht von irgendeinem Ding produziert wird, in dem in vollem Umfang alles das entweder formal oder eminent ist, das im Stein gesetzt wird […]“[11]

Des Weiteren bezeichnet Descartes die Ursache mit dem Begriff formale Realität und deren Wirkung mit dem Begriff objektive Realität. Diese beiden Begriffe werden nun in seiner vierten Prämisse ins Verhältnis gesetzt, indem er aufführt, dass jede Ursache einer Idee mindestens so viel formale Realität zukommen muss, wie die Idee objektive Realität hat.[12] René Descartes führt dies auf den logischen Schluss zurück, dass eine Eigenschaft einer Idee, die nicht in der Ursache enthalten ist, ihre Ursache im Nichts haben muss, und somit der zweiten These widersprechen würde.[13] Die formale Realität beschreibt, dass eine Substanz nicht davon abhängig ist ob sie von jemandem erkannt oder gedacht wird. Perler fasst Descartes drei Realitätsgrade folgendermaßen zusammen: Zuerst den Modus, der den niedrigsten Grad an formaler Realität innehat und somit eine Eigenschaft wie beispielsweise rund oder in Bewegung darstellt. Der Modus an sich ist immer in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einer anderen Substanz. Der zweite Realitätsgrad ist die geschaffene Substanz. Auch wenn diese zwar von anderen Substanzen unabhängig ist, muss sie durch etwas Höheres in Existenz gehalten werden. Den dritten Realitätsgrad schreibt Descartes Gott zu, weil er als einzig ungeschaffene Existenz kein Abhängigkeitsverhältnis braucht und damit in der Position ist, die anderen Substanzen in Existenz zu halten.[14] Nach dieser Definition kommt Descartes zu dem Schluss, dass sich die Grade der formalen Realität und der objektiven Realität decken. Dies bedeutet, dass die Art und Weise eines Objektes außerhalb unserer Erkenntnis und die Art und Weise eines durch unsere Erkenntnis repräsentierten Objektes, korrespondieren. Somit würde dies bedeuten, dass eine geschaffene Substanz auch eine geschaffene Substanz als Ursache haben muss.[15]

Doch was bedeutet diese Annahme in Verbindung mit der Existenz Gottes? Alles, was wir uns in unserem Kopf erdacht haben, das nicht auf der Erde als reales Objekt zu finden ist, hat seinen Ursprung in einer realen Vorlage, die unser Verstand zu einem neuen Objekt zusammensetzt. Würde man sich somit das mythische Wesen des Pegasus vorstellen, so ist es logisch, dass ein solches fliegendes Pferd nicht wirklich existiert. Jedoch die Teile des Wesens, nämlich das Pferd und dessen Flügel, sind Dinge, die in der wirklichen Welt erfahrbar sind. Dies lenkt die Frage darauf, ob man selbst ungeschaffene Substanzen denken kann ohne dass sie existent sind.[16]

Somit öffnet sich hier das Kernstück von Descartes‘ Argumentation, da er nun argumentativ mehrere Schritte aneinanderreiht, um Gottes Existenz zu belegen.

Angereiht an die vorausgegangen Schritte, wäre dies nun das vierte Argument in Descartes‘ Beweisführung. Dieses lautet, dass ich eine Idee von Gott habe und durch alle Eigenschaften, die dieser Idee zugeschrieben werden, habe ich „eine Idee mit der objektiven Realität einer unabhängigen, unendlichen, allwissenden, allmächtigen Substanz“.[17] Descartes beschreibt diese Substanz als universalen Schöpfer, der den Ursprung von allem darstellt was existiert. Im Anschluss dazu kommt er zu dem Schluss, dass all diese Eigenschaften und all diese Dinge der Schöpfung ihm zwar ein Begriff sein können, aber niemals so, dass er in der Lage sein kann, die Eigenschaften zu besitzen oder etwa aus ihnen heraus neue Dinge zu Schöpfen. Somit kann er laut dieses Arguments nur einen Rückschluss auf Gott ziehen.[18]

Im darauffolgenden, fünften Argument legt Descartes nun dar, dass er nie im Besitz der vollkommenen Eigenschaften sein wird, die die objektive Realität der Idee Gottes enthält.[19] Dies beruht auf dem simplen Schluss aus der Unendlichkeit Gottes, bezogen auf das sterbliche Wesen des Menschen. Descartes argumentiert, dass er niemals in der Lage wäre, als sterbliches Wesen, bestehend aus einer sterblichen Substanz, die Form einer unendlichen Substanz denken zu können, wenn ihm diese Idee nicht von einem tatsächlichen unendlichem Wesen eingestiftet worden sei.[20]

[...]


[1] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.187

[2] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.188

[3] Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.69, Z.1-2

[4] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.69, Z. 8-10, 17-19

[5] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.71, Z. 19-23

[6] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.73, Z. 15-19

[7] Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.69

[8] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.73, Z. 20-32

[9] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.79, Z.21-33

[10] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.188,189

[11] Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.81, Z.20-25

[12] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.189

[13] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.83, Z.6-12

[14] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.189,190

[15] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.190

[16] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.91, Z.4-8

[17] Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.192

[18] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.89, Z. 27-34, S.91, Z. 1-3

[19] Vgl. Perler, Dominik: René Descartes, 2006, S.192

[20] Vgl. Descartes, René: Meditationes de prima philosophia, S.91, Z. 4-22

Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668524033
ISBN (Buch)
9783668524040
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375229
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
René Descartes Descartes Erkenntnistheorie Gott Gottesbeweis Beweis Meditation dritte Meditation ideen ideentheoretisch Argumentation Ursache meditationes Meditationes de prima philosophia Philosophie Metaphysik Erkenntnis

Autor

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