Lade Inhalt...

Haltungsfördernde Maßnahmen im Sportunterricht bei Jugendlichen unter Sonderberücksichtigung der Wirbelsäule

Diplomarbeit 2010 110 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. PROBLEMSTELLUNG

2. HALTUNGSSCHWÄCHEN UND -SCHÄDEN
2.1. Definition
2.2. Einteilung von Rückenformen
2.2.1. Normalrücken
2.2.2. Rundrücken - Der Schülerrücken
2.2.3. Hohlrundrücken
2.2.4. Flachrücken
2.2.5. Seitliche Haltungsabweichung (Skoliose)
2.3. Ermittlung von Haltungsschwächen und -Schäden
2.4. Prävalenz von Haltungsschäden bei Schülern
2.4.1. Entwicklung
2.4.2. Derzeitiger Stand
2.5. Ausblick

3. UNGLEICHHEIT VON LÄNGEN- UND MUSKELWACHSTUM IM JUGENDALTER
3.1. Problemzone Wirbelsäule - aus biomechanischer Sicht
3.1.1. Anatomische Grundlagen
3.1.2. Morphologische Besonderheiten und Funktionen der Wirbelsäule
3.1.3. Belastung der Wirbelsäule
3.2. Die körperliche Entwicklung
3.2.1. Besonderheit des jugendlichen Gewebes
3.2.2. Längenwachstum - 1. Phase der Wachstumsschubes
3.2.3. Muskelwachstum - 2. Phase des Wachstumsschubes
3.3. Entstehung und Auswirkung der Diskrepanz
3.4. Ein weibliches Problem
3.5. Maßnahmen und Übungsauswahl
3.5.1. Verbesserung der Beweglichkeit
3.5.2. Kräftigung der Muskulatur
3.5.3. Übungsauswahl
3.6. Modell für ein haltungsorientiertes Fitnessprogramm für den Sportunterricht
3.6.1. Mit Geräten
3.6.2. Ohne Geräte
3.6.3. Was sollte vermieden werden

4. BEWEGUNGSMANGEL IM JUGENDALTER
4.1. Definition
4.2. Neigung der Jugendlichen zu Bewegungsmangel
4.2.1. Psyche
4.2.2. Schule und Freizeitgestaltung
4.2.3. Sportvereine
4.3. Auswirkung auf die Wirbelsäule
4.4. Maßnahmen
4.4.1. Haltungsfördernde Einflüsse verschiedener sportartspezifischer Fertigkeiten
4.4.2. Geeignete spielerische Inhalte
4.5. Modell für ein haltungsorientiertes Bewegungsprogramm

5. DIE URSACHEN VON HALTUNGSFEHLERN UND DEREN PRÄVENTION - EINE EMPIRISCHE ERHEBUNG
5.1. Zielsetzung
5.2. Methodik
5.2.1. Erhebungsmethode
5.2.2. Stichprobe
5.2.3. Auswertung
5.3. Ergebnisse und Interpretation
5.3.1. Gefährdung zu und häufigste Formen von Haltungsmängeln
5.3.2. Häufigkeiten von Haltungsmängeln
5.3.3. Ursachen von Haltungsmängeln
5.3.4. Maßnahmen zur Prävention
5.3.5. Unterschiede, Korrelationen und Interpretation
5.4. Diskussion

6. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ANHANG

DANK

Während des Studiums und der Erstellung der vorliegenden Diplomarbeit haben mich viele Personen begleitet und unterstützt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Mein größter Dank gilt meiner Familie, besonders aber meinen Eltern, die immer großes Interesse für mein Studium zeigten und mich während der letzten Jahre in allen Belangen unterstützten.

Weiters möchte ich mich bei Herrn Univ. Prof. Mag. Dr. Elmar Kornexl für die Diplomarbeitsbetreuung, die vielen hilfreichen Ratschläge und seine investierte Zeit bedanken.

ABSTRACT DEUTSCH

Die Körperhaltung der Jugendlichen weist auf Grund mehrerer Ursachen häufig Mängel, Schwächen oder sogar Schäden auf. Die Prävalenz diesbezüglich steigt zunehmends. Eine Ursache stellt dabei das Wachstum der Jugendlichen dar. Da das Längenwachstum früher als das Wachstum der Muskeln einsetzt, können ungünstige Verhältnisse für den Halteapparat entstehen. Um dieses Problem auszugleichen sind haltungsfördernde Maßnahmen in Form von Kräftigung und Dehnung der großen Muskelgruppen unbedingt notwendig. Negative Einflüsse wie langes Sitzen, unzureichende Bewegung oder einseitige Belastungen sollten weitgehend vermieden werden. Außerdem sollte der zweiten wichtigen Ursache, dem Bewegungsmangel, durch ausreichend Bewegungsanreize und vielseitige motorische Beanspruchung entgegengewirkt werden. Eine empirische Erhebung im Rahmen dieser Arbeit an Sportlehrern zeigt, dass die Thematik auch für den Sportunterricht äußerst relevant ist und dass haltungsfördernde Maßnahmen um Unterricht in hohem Maße berücksichtigt werden.

ABSTRACT ENGLISCH

The spine of many adolescents shows various deficiencies, weaknesses or even damages. The prevalence of such is ever increasing. One reason is the juvenile process of growth. Since that the supine length starts to grow earlier than the muscles, there are disadvantageous conditions in the musculoskeletal system of the adolescents. To compensate this problem, exercises to improve the strength of especially the big groups of muscles are necessary. Negative influences on the spine, e.g. long sitting, insufficient physical exercise or one-sided physical work, should be avoided. Another reason is the increasing lack of exercise of adolescents. This problem should be counteracted by numerous exercises and versatile physical activities. Also part of this thesis was an empirical analysis by means of a questionnaire among physical education teachers. The results show that this subject matter is pertinent to physical education and that teachers highly consider this issue in class.

1. PROBLEMSTELLUNG

Die Wirbelsäule ist eine stabile, aber dennoch in sich bewegliche und federnde Stütze für Kopf, Rumpf und obere Extremitäten. Durch sie ist der aufrechte Gang des Menschen möglich. Weiters schützt sie das Rückenmark und die Ursprünge der Rückenmarksnerven. Die Wirbelsäule bietet zusätzlich viele Ursprungs- und Ansatzorte für die Rückenmuskeln (Kutschera, 2006). Durch Fehlbelastung kann dieses sensible Gebilde aus dem Gleichgewicht kommen und Beschwerden sind die Folge. Rückenschmerzen sind zu einem häufigen Problem geworden und gelten längst als Volkskrankheit der Mitteleuropäer. Oft sind diese Beschwerden aber nicht auf eine eindeutige Ursache zurückzuführen. In den meisten Fällen gibt es trotz starker Schmerzen keine krankhaften Veränderungen an Knochen, Nerven oder Muskeln. Meist gilt eine Kombination von ungünstigen Belastungen als Ursache für Schmerzen. Als solche verstehen sich einseitige Dauerbelastungen wie Stehen oder Sitzen, häufiges Tragen oder Heben schwerer Lasten oder Bewegungsmangel (gesund.co.at, 2009).

Die Wurzeln von Wirbelsäulenbeschwerden, die sich häufig in Form von Haltungsschwächen oder Haltungsschäden äußern, liegen im Kindes- bzw. Jugendalter. Bereits bei Schuleintritt weisen 19% der Kinder Haltungsstörungen auf, bis Schulaustritt steigt der Anteil auf bereits 30%. Über Schmerzen klagen bei den 13-jährigen 15% und bei den 19-jährigen erschreckende 40%. Als besonders kritische Phasen in diesem Lebensabschnitt gelten der Schuleintritt sowie der pubertäre Wachstumsschub. Letzterer findet bei Mädchen im Alter von zehn - zwölf Jahren, bei Knaben im Alter von 12-15 Jahren statt. Als präventive Maßnahmen verstehen sich eine allgemein gesunde Lebensweise (richtige Ernährung und ausreichend Bewegung), sowie das richtige Packen und Tragen der Schultasche und die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes oder des Klassenzimmers. Häufig werden kindliche Fehlhaltungen in Bezug auf ihre Spätfolgen im Erwachsenenalter leider noch unterschätzt. So erfolgten 1997 bereits 41% der Frühpensionierungen auf Grund von Erkrankungen des Halte- und Bewegungsapparates (Gesundheitsbericht Wien, 1997).

In der Literatur lassen sich noch zahlreiche weitere Angaben über die hohe Inzidenz von Haltungsschwächen, -fehlern, und -schäden bzw. Rückenschmerzen im Jugendalter allgemein finden. Je nach Untersuchung schwanken aber die Angaben über die Häufigkeit solcher Beschwerden. Allen Studien ist gemein, dass eine starke Zunahme der Beschwerden festzustellen ist. Die Tatsache, dass Beschwerden so häufig auftreten, macht Überlegen zur Therapie und vor allem zur Prävention notwendig, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Um erste Beschwerden zu vermeiden müssten solche präventive Maßnahmen aber bereits im Elternhaus oder in der Schule beginnen. Schließlich wird die Wirbelsäule des Erwachsenen vom Lebensstil im Kindes- und Jugendalter deutlich geprägt (Fridrich, 2005). Eltern, Lehrer und auch Ärzte sind daher aufgefordert sich dem Problem der Haltungsstörung anzunehmen. In den Verantwortungsbereich der Eltern fällt dabei die Freizeitgestaltung und Jugendlichen. Sie sollten für Bewegungsanreize sorgen und stundenlanges Sitzen vor Fernseher oder Computer verhindern. Den Lehrern wird die Aufgabe zuteil im Sportunterricht und bei außerschulischen sportlichen Aktivitäten auf physiologisch haltungsgerechte Übungen zu achten. Dabei gilt es Einseitigkeit unbedingt zu vermeiden. Der Sport soll aber weiterhin Spaß machen und soziale Kontakte ermöglichen. In den ärztlichen Bereich fällt die jährliche schulärztliche Untersuchung des Stütz- und Bewegungsapparates der Kinder und Jugendlichen (Gesundheitsbericht Wien, 1997).

Die Wichtigkeit der Präventionsmaßnahmen bereits im Jugendalter wird besonders durch die Betrachtung der Eigenschaften dieser Entwicklungsstufe deutlich. In der Phase des pubertären Wachstums verfügt die jugendliche Wirbelsäule noch über aktive Wachstumszonen. Diese sind ca. bis zum 18. Lebensjahr noch relativ widerstandsfähig und traumatische Einflüsse führen eher zu Verletzungen der Extremitäten anstatt der Wirbelsäule selbst. Die stabilisierende Rumpfmuskulatur ist noch schwach ausgebildet, kann aber gut trainiert werden. Diese hohe Trainierbarkeit kann speziell bei Wirbelsäulenverkrümmungen oder Haltungsfehlern genutzt werden (Krämer, 2005). Neben den aktiven Wachstumsfugen, macht vor allem das Missverhältnis zwischen dem Längenwachstum und dem Muskelwachstum die Wirbelsäule in der pubertären Wachstumsphase höchst sensibel. Da die Körperlänge früher und schneller wächst und die Muskeln gleichzeitig hinterher hinken, kommt es auf Grund dieser Differenz zu ungünstigen Last-Kraftverhältnissen im Bewegungsapparat. Die Muskeln sind geschwächt und schaffen es in dieser Phase des Wachstums häufig noch nicht mit den neuen Bedingungen klarzukommen. Aus diesem Grund kommt es speziell in dieser Phase zu einer verstärkten Ausprägung von Haltungsmängeln, die sich unbeachtet zu Haltungsschäden entwickeln können. Ausreichend Bewegung und kräftigende Reize auf die Muskulatur wären demnach im frühen Jugendalter in hohem Maße angebracht (Weineck, 2010).

Allerdings macht die derzeitige Arglosigkeit unsrer Gesellschaft gegenüber Haltungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen mehr als betroffen. Wenn diese Problematik weiterhin unterschätzt wird und kein Umdenken in Richtung Prävention erfolgt, müssen unsre Kinder in 40 bis 50 Jahren die Konsequenzen tragen. Die Kluft zwischen körperlicher Leistungs- und Belastungsfähigkeit wird spätestens dann für viele eine nicht zu überwindende Hürde sein. Die Folge könnten zahlreiche Krankenstände, Kuraufenthalte und Frühpensionierungen sein. Die Betroffenen werden zusätzlich eine starke Einschränkung der Lebensqualität zu spüren bekommen. Daher ist eine rasche Umsetzung von haltungsfördernden Maßnahmen in allen Bereichen notwendig (Gesundheitsbericht Wien, 1997).

Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist die Darlegung der Ursachen für Haltungsstörungen im Jugendalter und deren Bekämpfung in Form von haltungsfördernden Maßnahmen im Sportunterricht. Als Grundlage für die Diskussion der Ursachen dient ein einführender Abschnitt zu den verschiedenen Rückenformen. Als erste mögliche Ursache werden im Anschluss die morphologischen Veränderungen im Körper des Jugendlichen beschrieben. Wie bereits erwähnt findet in der Pubertät bei Mädchen und Jungen ein starkes Längenwachstum statt, wobei das Muskelwachstum später und langsamer verlaufen kann. Die Arbeit soll Aufschluss darüber geben, inwiefern diese Diskrepanz Auswirkungen auf Haltungsschwächen bzw. -schäden zeigt. In einem weiteren Kapitel wird der Bewegungsmangel als mögliche Ursache genauer untersucht und Bezug auf die Freizeitgestaltung der Jugendlichen genommen. Weiters wird als Präventionsmaßnahme für die diskutierten Ursachen ein Modell für ein Fitness- bzw. Bewegungsprogramm für den Sportunterricht erarbeitet. Im empirischen Teil der Arbeit wird ermittelt, ob Sportlehrer eine Diskrepanz zwischen Längenwachstum und Muskelwachstum feststellen können, wie gravierend sie diesen Einfluss auf die Wirbelsäulenform einschätzen bzw. welche Maßnahmen sie zur Haltungsprävention für angemessen halten. Am Ende werden eine Zusammenfassung und ein Ausblick über die Thematik gegeben.

2. HALTUNGSSCHWÄCHEN UND -SCHÄDEN

2.1. DEFINITION

Um von Haltungsschwächen oder -schäden zu sprechen, liegt es nahe zuerst abzuklären was der Begriff Haltung an sich bedeutet.

Haltung ist die Fähigkeit des Menschen sich sicher auf zwei Beinen zu halten. Die aufrechte Haltung ist eines der wichtigsten Charakteristika des Menschen, das ihn von Tieren unterscheidet (Rieder, 1986). Im weiteren Sinne bedeutet eine aufrechte Körperhaltung eine Gegenkraft zur Schwerkraft aufzubauen und zu halten. Dazu müssen die Körpersegmente übereinander stehen (Albrecht, 2003). Um das zu erreichen ist eine starke Rücken- und Bauchmuskulatur notwendig. Die Leistungsfähigkeit der Muskulatur ist daher ein wichtiger Faktor für die aufrechte Haltung des Menschen. Bei aktiver Aufrichtung der Wirbelsäule streckt sich die Brust- und Halswirbelsäulenkrümmung und die Beckenkippung nach vorne wird verhindert (Kempf, 1999).

Haltungsschwäche bzw. - schaden stellen nun Abweichungen oder Veränderungen dieser aktiven aufrechten Haltung der Wirbelsäule dar. Sie sind zwei Begriffe, die weitläufig oft synonym verwendet werden. Dennoch gibt es einen ausschlaggebenden Unterschied zwischen den beiden Begriffen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Betroffenen.

Nach Rusch (1998) ist eine Haltungsschw ä che eine funktionelle Beeinträchtigung der Wirbelsäule, die durch gezielte körperliche Übungen gemindert oder ausgeglichen werden können. Es ist somit noch kein bleibender Schaden an Wirbelsäule, Muskulatur und/oder Gelenken entstanden. Die haltungsgeschwächte Muskulatur ist noch leistungsfähig, aber es besteht ein Übungs- und Trainingsmangel. Laut Wöhnrmann (2007) können sich Haltungsschwächen bereits im Kindesalter entwickeln. Dazu beitragen kann - wie bereits erwähnt - Bewegungsmangel, da der Körper in solchen Ruhephasen passiv ist und keine Kraftreize an die betreffende Muskulatur gesendet werden. Genauso schädigend können aber auch Belastungen auf die Muskulatur - wie z.B. langes Sitzen, falsche Möbel oder einseitige Lasten, sein. Meist äußern sich Haltungsschwächen in der Form von beginnenden Schmerzen in der betroffenen Region. Es ist unbedingt notwendig zu reagieren, da sich ein Nichthandeln zu bleibenden Schäden, wie z.B. Verschleiß der Wirbel, entwickeln kann, die nicht mehr reversibel sind.

Ein Haltungsschaden hingegen entwickelt sich laut Rusch (1998) aus einer nicht behandelten Haltungsschwäche. Es sind bereits irreversible Veränderungen an Gelenken und Knochen vorhanden. Auch durch Übungen und Training kann ein Haltungsschaden nicht rückgängig gemacht werden. Generell kann ein Haltungsschaden jeden Körperteil betreffen, am häufigsten ist es jedoch die Wirbelsäule. Vorhandene Schmerzen, die durch eine Reizung der Wirbelsäule oder der umliegenden Weichteile entstehen, können sich zu einem Dauerschmerz entwickeln, wenn alle Warnsignale des Körpers missachtet werden. Ursache von Haltungsschäden sind in den meisten Fällen einseitige Belastung oder Überbelastung der betroffenen Körperregionen. Die Schmerzen „zwingen“ die betroffenen Personen eine Schonhaltung einzunehmen, die die Bewegungsfreiheit der Gelenke einschränkt. Um die Schonhaltung auszugleichen, müssen die Gelenke oberhalb und unterhalb der geschädigten Stelle umso gelenkiger sein. Dies führt wiederum zu einer Überbelastung und einer weiteren Schonhaltung. Führt sich dieser Kreislauf über eine gewisse Zeit lang hinweg, so wird nach und nach die gesamte Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen.

Ist ein Haltungsschaden einmal entstanden, kann er nur noch durch intensive medizinische Therapie oder eine Operation ausgeglichen werden. Daraus wird deutlich, dass die Vermeidung solcher Haltungsschäden oberste Priorität haben sollte (Wöhnrmann, 2007).

Im nun folgenden Kapitel werden jene Haltungsschäden beschrieben, die Jugendliche am häufigsten betreffen. Zu Beginn wird jedoch noch die physiologisch richtige Haltung - die Normalhaltung - erläutert. Die Haltungsschäden stellen eine Abweichung aus der Normalhaltung dar.

2.2. EINTEILUNG VON RÜCKENFORMEN

2.2.1. Normalr ü cken

Die normale bzw. physiologisch korrekte Körperhaltung ist die ökonomische Art und Weise des sich aufrecht bewegenden Menschen der Schwerkraft entgegenzuwirken. In dieser Haltung werden die Gelenke in ihrer anatomisch- physiologischen Form belastet. Jedes Abweichen aus dieser Position bedeutet für die Wirbelsäule eine zusätzliche Belastung (Albrecht, 2003; Tilscher, 2005). Die menschliche Wirbelsäule zeigt, wie in Abb. 1 ersichtlich, je nach Abschnitt charakteristische Krümmungen: die Halslordose, die Brustkyphose, die Lendenlordose und die Sakralkyphose. Die Halslordose dient zur Federung des Kopfes, die Lendenlordose zur Federung des Rumpfes. Die autonom geregelte Stabilität und die dynamische Körperspannung durch Muskeln verhindern im Normalfall Fehlbelastungen der Bänder und Gelenke. Diese Zugspannung wird gegen die Schwerkraft nach oben gerichtet. Dadurch werden die Gelenke frei für Bewegungen. Aus diesem Grund gibt es auch keine entspannte Haltung. Die Wirbelsäule in Position zu halten bedeutet Muskelarbeit. Zwar erfolgt die Arbeit mit sehr niedriger Intensität, wird aber ständig ausgeführt. Befinden sich Körpersegmente außerhalb der physiologischen Achse der Wirbelsäule, so kann die Muskulatur nicht mehr ökonomisch arbeiten, da die Muskeln zusätzliche Aufgaben zur Haltefunktion übernehmen müssen. Dadurch werden die Muskeln auf Dauer überbelastet und in ihrer eigentlichen Aufgabe gestört (Albrecht, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Normaler Rücken (Quelle: Weineck, 2003, S.92)

Analysen durch Röntgenaufnahmen haben gezeigt, dass Form und Haltung gesunder Personen eine große Variabilität zeigen. Oft ist nicht zu klären, ab wann diesen Abweichungen Krankheitswert beizumessen ist. Abgesehen davon stellt jeder Mensch einen gewissen Haltungsstereotyp dar, der nur mit fortschreitendem Alter langsam von der ursprünglichen Form abweicht. Die Haltungsstereotype werden als gesunde aktive Normalhaltung bezeichnet, da nur ein Minimum an Energie bzw. Muskelleistung der Rückenstrecker erforderlich ist um eine Dauerbeanspruchung durchzuhalten (Rieder, 1986).

2.2.2. Rundr ü cken - Der Sch ü lerr ü cken

Beim Rundrücken handelt sich um eine verstärkte Brustkyphose (siehe Abb. 2). Die Ursache liegt meist bei muskulären Dysbalancen durch Bewegungsmangel oder chronisch schlechte Sitz- und Lesehaltung. Gelegentlich kann ein Rundrücken aber auch durch Sportarten wie Tennis oder Schwimmen verursacht werden (Weineck, 2003). Ein Rundrücken ist nicht zu unterschätzen, da das normale Zusammenspiel der Muskeln nicht mehr gegeben ist und dadurch die Atmung und die Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.

Zur Verbesserung dieses Haltungsschadens eignen sich vor allem Stabilisations- und Dehnungsübungen im Bereich des Bauches, Brustkorb und Hals. Diese Übungen sind wichtig für die freie Bewegung und Atmung. Weiters soll im Schulterbereich die Außen- und Innenrotation geübt werden, sowie Mobilisierungsübungen durchgeführt werden. Es eignen sich alle Übungen, die eine Gegenbewegung zur Beugehaltung verlangen (Albrecht, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Rundrücken (Quelle: Weineck, 2003, S.92)

Die Jugendliche Brustkyphose wird stark durch den Lebensstil des Heranwachsenden beeinflusst. Zum Einen verbringen sie viel Zeit an oft schlecht angepassten Sitzmöbeln (z.B. Schultisch), zum Anderen in der Freizeit wird häufig eine „lässige“ Krummhaltung eingenommen. Inwieweit das verzögerte Muskelwachstum gegenüber dem großen Längenwachstum in der Pubertät eine Rollte bei der Ausbildung einer Brustkyphose spielt wird in Kapitel 3 näher beschrieben. Die Adoleszenzkyphose mit ihren verschiedenen Ausbildungsgraden ist der häufigste Haltungsschaden bei Jugendlichen. Fast 50% aller Jugendlichen weisen Anzeichen einer Brustkyphose auf und ein entstandener Schaden hat zu meist Folgen bis ins höchste Lebensalter. Wird Die Entwicklung des Schülerrückens wird in Abb. 3 (Ansicht von hinten) und Abb. 4 (Ansicht seitlich) dargestellt (Junghanns, 1986).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung Schülerrücken (Quelle: Junghanns, 1986, S. 232)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Entwicklung Schülerrücken (Quelle: Junghanns, 1986, S.232)

2.2.3. Hohlrundr ü cken

In der Gesellschaft wird ein Hohlrundrücken häufig als „Hohlkreuz“ bezeichnet. Leider wird dieses Thema aber häufig überbewertet, da oft gar kein Haltungsschaden vorliegt, sondern nur ein leichter Bogen im Lendenwirbelbereich oder eine kleine Erhebung des Gesäßmuskels. Aus diesem Grund werden oft sinnlose „Rettungsversuche“ empfohlen, die -wenn überhaupt- höchstens eine Verschlechterung der Haltung bewirken (Albrecht, 2003). Im eigentlichen Sinne handelt es sich bei einem Hohlkreuz um eine Hyperlordose im Lendenwirbelbereich (auch Hohlrundrücken genannt). Hierbei liegt ein Rundrücken (wie oben beschrieben) vor, der durch eine verstärkte Lendenlordose und eine Kippung des Beckens nach vorne charakterisiert wird (siehe Abb. 5). Die Beckenkippung ist häufig auf abgeschwächte Bauchmuskeln oder muskulärer Dysbalancen der am Becken ansetzenden Muskeln zurückzuführen (Weineck, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Hohlkreuz (Quelle: Weineck, 2003, S.92)

Um einen Hohlrundrücken zu trainieren, gelten dieselben Maßnahmen wie bei einem Rundrücken, jedoch sollten Übungen zur Kräftigung der Oberschenkel- und Beckenmuskulatur hinzugenommen werden (Albrecht, 2003).

2.2.4. Flachr ü cken

Beim Flachrücken handelt sich um eine Abflachung der Wirbelsäulenschwinung und eine gleichzeitige Beckenaufrichtung. Häufig ist der Flachrücken auch familiär bedingt. Es kommt durch die fehlende Krümmung zu einer Abnahme der Federungsfunktion der Wirbelsäule. Dadurch ist die Wirbelsäule bei dynamischen Bewegungen weniger beanspruchbar. Außerdem verschlechtert sich die Statik, was wiederum zu Dysbalancen der Muskeln führt (Weineck, 2003).

Durch einen Flachrücken werden alle Gewicht tragenden Gelenke mehr belastet. Vor allem die Druckbelastung im Bauch und Becken ist erhöht. Als Training empfiehlt sich eine Kräftigung der gesamten haltungsbestimmenden Muskulatur.

Der Aufbau der Längsspannung und der physiologischen Lordose ist während des Trainings unbedingt notwendig. Dehnungsübungen müssen sehr vorsichtig durchgeführt und der Bewegungsradius soll aktiv kontrolliert werden (Albrecht, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Flacher Rücken (Quelle: Weineck, 2003, S.92)

2.2.5. Seitliche Haltungsabweichung (Skoliose)

Durch zahlreiche Röntgenaufnahmen wurde bewiesen, dass nur bei ca. 10% der Menschen das Kreuzbein als Wirbelsäulenbasis im Stand gerade steht und die Beinlänge gleich ist. Bei 10% ist die Wirbelsäule „kerzengerade“. Bei den übrigen 80% zeigen sich messbare Seitenausbiegungen bis zehn Grad Cobb. Als Haltungsschaden wird eine seitliche Ausbiegung aber nur bezeichnet, wenn sie im liegen verbleibt (Rieder, 1986). Laut Junghanns (1986) konnten bei Schülern im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren bei fast einem Drittel Skoliosen festgestellt werden. Die Ursachen sind meist sehr unterschiedlich. Dazu gehören ein Beckenschiefstand, eine Fehlform am Lenden-Kreuzbein-Übergang oder Asymmetrien. Je nach Ausprägungsgrad kommt es zu Schwierigkeiten beim Bewegen und Belasten. In Abb. 7 werden die Abweichungen der normalen Wirbelsäulenkrümmung in der Frontalebene gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Skoliosen (Quelle: Weineck, 2003, S.94)

Es gibt noch weitere Fehlhaltungen des menschlichen K ö rpers, die nicht die Wirbels ä ule betreffen, sondern z.B. die F üß e. Von der Behandlung dieser wird in der vorliegenden Arbeit aber abgesehen, da sie im Jugendalter eine geringere Bedeutung haben als die erw ä hnten St ö rungen an der Wirbels ä ule. Weiters sind deren Auswirkungen auf das Erwachsenenalter bez ü glich der allgemeinen Lebensqualit ä t, Arbeitsf ä higkeit und Gesundheit weitaus harmloser als die Folgen von Wirbels ä ulenfehlhaltungen. Daher wird es als nicht notwendig erachtet, in diesen Bereich pr ä ventiv im Sinne einer Verbesserung der Haltung einzugreifen und Ma ß nahmen zu entwickeln.

2.3. ERMITTLUNG VON HALTUNGSSCHWÄCHEN UND -SCHÄDEN

Die Untersuchung der Wirbelsäule und die damit verbundene Diagnose sind ausschließlich Ärzten vorbehalten.

Zuerst werden die Schüler über ihre Vorgeschichte befragt, um eine grobe Orientierung bezüglich der Beschwerden zu bekommen. Nach dieser Erhebung erfolgt die systematische Untersuchung der Wirbelsäule. Dadurch sollen Ursachen für Schmerz oder Behinderung gefunden werden (Junghanns, 1986). Zur Diagnose wird häufig ein Röntgenbild verwendet. Es ist allerdings nur eine Momentaufnahme der Haltung und lässt deswegen keine Aussage über die Rückenform unter Einfluss der Schwerkraft und anderer Muskelkräfte zu. Aus diesem Grund ist der „klinische Blick“ des Arztes unerlässlich. Hierzu kann sich ein Arzt verschiedene Testverfahren zu Nutze machen (Rieder, 1986). In Anlehnung an Kempf (1999) wird eine einfache Auswahl kurz vorgestellt:

- Armvorhaltetest nach Mathiass

Dieser Test ist einer der aussagekräftigsten zur Beurteilung der Haltung. Dabei müssen die Arme in die Horizontale nach vorne gestreckt werden. Diese Position soll dreißig Sekunden lang gehalten werden. Das Becken darf dabei nicht nach vorne geschoben und der Rumpf nicht nach hinten verlagert werden. Bei Muskelschwäche steigen die Arme langsam schräg nach oben, der Rumpf neigt sich nach hinten und die Schulterblätter stehen ab. Muskelstarke Kinder oder Jugendliche halten die Arme in der Horizontalen (vgl. Abb.8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Armvorhaltetest nach Mathiass (Quelle: Kempf, 1999, S. 58)

- Rumpfvorbeugetest

Bei diesem Test kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule bzw. die Verkürzung der rückwärtigen Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur festgestellt werden. Dabei wird der Oberkörper bei gestreckten Knien nach vorne geneigt und versucht mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. Weiters wird die Wirbelsäulenkrümmung von der Seite betrachtet um die gleichmäßige und harmonische Schwingung zu überprüfen. Bei diesem Test kann bei Betrachtung von hinten ebenfalls eine beginnende Skoliose erkannt werden.

- Rutschhaltungstest

Hier wird die Streckbarkeit der Wirbelsäule und Dehnbarkeit der Brustmuskulatur überprüft. Dabei muss man auf die Knie gehen und das Gelenk um 90 Grad beugen. Die Arme werden weit nach vorne gestreckt bis die Unterarme flach am Boden aufliegen. Ziel ist es mit der Brust den Boden zu berühren. Die Wirbelsäule ist ausreichend streckbar, wenn die Brustwirbelsäule leicht gekrümmt ist. Bei zu wenig Streckung bleibt die Wirbelsäule gewölbt.

2.4. PRÄVALENZ VON HALTUNGSSCHÄDEN BEI SCHÜLERN

2.4.1. Entwicklung

In der Literatur gibt es diverse Angaben über die Prävalenz von Haltungsschäden. Leider sind diese Angaben sehr unterschiedlich und schwanken zwischen 2,7 und 85% (siehe Tab.1, S.16). Dies ist darauf zurückzuführen, dass oft nicht genau definiert ist, was unter einem Haltungsschaden zu verstehen ist und wo die Grenze zur Normalhaltung anzulegen ist. Weiters gibt es auch keine Standardmaße, die einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Studien erlauben. Aus diesem Grund sind solche Angaben immer kritisch zu betrachten. Weiters gibt es auch deutliche Unterschiede bezüglich der angewandten Messmethoden, Alter und Geschlecht (Goßen, 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Überblick Studien (Quelle: Goßen, 2002, S. 11)

Auch in der Literatur nach 1965 spiegelt sich dieses Bild wieder. So haben laut Junghanns (1986) 42% aller Schulkinder in Nordwestdeutschland leichte und 33% schwere Haltungsschäden, in der Umgebung Heidelberg sind es 37%. Bei diesen Studien konnte ebenfalls festgestellt werden, dass die Anzahl an Haltungsschäden zunimmt, je älter die Schüler werden bzw. wie länger die „Sitzzeit“ andauert. In der Schweiz ergaben Untersuchungen 1979, dass 43% der Mittelschüler unter Rückenschmerzen litten. Eine weitere schweizerische Erhebung 1976 stellte bei 63% Schülern Haltungsschäden und bei 2,9% bereits ausgebildete Deformitäten fest.

Rieder (1986) berichtet aus seinen Untersuchungen zwischen 1977 und 1980 an einer Heidelberger Gesamtschule von Haltungsschäden von 9,2 - 48,5%. Der hohe Anstieg der Ergebnisse ergab sich durch einen strengeren Maßstab, was darauf schließen lässt, dass auch bei der ersten Untersuchung bereits mehr Haltungsschäden vorlagen. In dieser Studie wurde ebenfalls festgestellt, dass die meisten Haltungsschäden bei der Gruppe der 13 - 15-jährigen auftreten.

2.4.2. Derzeitiger Stand

Die folgende Übersicht an Studien zeigt die derzeitigen Häufigkeiten von Haltungsschäden von Kindern und Jugendlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Prävalenz von Haltungsschäden (Quelle: divers)

Die häufigste Wirbelsäulenanomalie stellte dabei laut Gesundheitsbericht Wien (Untersuchung an Wiener Pfichtschülern, 6-18 Jahre) der Hohlrundrücken (Hohlkreuz) dar. Bei der Untersuchung von Spahn (Untersuchung von Jugendlichen im Rahmen der obligatorischen Schuluntersuchung, 13-18 Jahre) wurde ein Rundrücken am häufigsten festgestellt. Mädchen sind von Haltungsschäden signifikant häufiger betroffen als gleichaltrige Jungen. Auf die Ursache dieses Phänomens wird in Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit eingegangen. Weiters konnte in beiden Studien festgestellt werden, dass die Anzahl der Haltungsschäden mit fortschreitendem Alter zunimmt (vgl. dazu Abb.9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: zunehmender Haltungsverfall (Quelle: Weineck, 2010, S.486)

2.5. AUSBLICK

Es ist schwierig aus den verschiedenen Studien eine Tendenz für die Zukunft zu erkennen. Die beschriebenen Häufigkeiten schwanken untereinander sehr und es ist kein deutlicher Anstieg oder Abfall an Prävalenzen zu erkennen. Auch sind die Messmethoden nicht einheitlich und es gibt keine genauen Standardmaße, die gute oder schlechte Haltung definieren. Deswegen obliegt es den untersuchenden Ärzten subjektiv auf Haltungsschäden und deren Schwere zu schließen. Sicherlich führt auch diese subjektive Beurteilung zu Schwankungen bei den Angaben in den verschiedenen Studien.

Es ist dennoch festzustellen, dass die Anzahl von Haltungsschäden, sowohl in der Vergangenheit als auch bei derzeitigen Untersuchungen zu meist sehr hoch liegt-. In vielen Fällen werden die Haltungsschäden auf das pubertäre Wachstum und Verschiebung der Körperproportionen, auf die zunehmende sitzende Tätigkeit durch Schule und Freizeitgestaltung und auf die Abnahme des kindlichen Bewegungsdranges zurückgeführt. Es ist anzunehmen, dass der Einfluss der körperlichen Veränderungen auf die Wirbelsäule seit jeher gleich geblieben ist und daher wahrscheinlich nicht der Grund für die so hohe Anzahl bzw. eine Zunahme der Haltungsschäden ist. Vielmehr liegt es immer größer werdenden Bewegungsmangel der Gesellschaft, dass Haltungsschäden bei Jugendlichen so häufig auftreten. Zu wenig Bewegung ist auch ein Grund warum Haltungsschäden mit zunehmendem Alter immer mehr ansteigen. Kinder weisen noch relativ wenige Haltungsschäden auf, bei Jugendlichen hingegen sind ein Drittel bis die Hälfte oder manchen Studien zufolge sogar mehr betroffen.

Besonders bedenklich ist diese Tendenz in Bezug auf das Erwachsenenalter, da erwartet wird, dass sich die Beschwerden zunehmend verschlechtern und Haltungsschäden oder Schmerzen ein lebenslanger Begleiter werden. Diese Tatsache macht Überlegen zur Therapie und vor allem zur Pr ä vention notwendig, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Um erste Beschwerden zu vermeiden müssten solche präventive Maßnahmen aber bereits im Elternhaus oder in der Schule beginnen. Schließlich wird die Wirbelsäule des Erwachsenen vom Lebensstil im Kindes- und Jugendalter deutlich geprägt (Fridrich, Zieglauer, 2005).

3. UNGLEICHHEIT VON LÄNGEN- UND MUSKELWACHSTUM IM JUGENDALTER

Das Jugendalter beginnt mit der geschlechtlichen Reifung und dauert bis zum Beginn des Erwachsenenalters, d.h. vom ca. 11./12. bis 17./18. Lebensjahr. Das Ende des Jugendalters ist schwer abzugrenzen, jedoch wird in der Literatur häufig das Ende der Schulzeit oder der Berufseintritt als Kriterium herangezogen. Diese fünf bis sechs Jahre stellen einen wichtigen Teil der menschlichen Entwicklung und in Folge dessen der Sportpädagogik dar und sind daher speziell im Sportunterricht sehr wichtig (Kornexl, 2007). Im nächsten Abschnitt werden eben diese körperlichen Veränderungen bezugnehmend auf die speziellen Probleme im Wirbelsäulenbereich während der ersten puberalen Wachstumsphase (ca. 12 - 15 Jahre) genauer erläutert und als mögliche Ursache für beginnende Haltungsschäden untersucht.

3.1. PROBLEMZONE WIRBELSÄULE - AUS BIOMECHANISCHER SICHT

3.1.1. Anatomische Grundlagen

Die Wirbelsäule ist das Achsenskelett des Menschen. Sie schütz das Rückenmark, trägt den Kopf und den Schultergürtel und stellt die Verbindung zum Beckengürtel her. Die Wirbelsäule besteht aus 33 - 34 Segmenten, den Wirbeln, die einerseits durch die Wirbelgelenke und andererseits durch die knorpeligen Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben) und einen kräftigen Bandapparat verbunden sind. Bei den Wirbeln unterscheidet man:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Bau der Wirbelsäule (Quelle: modifiziert nach Faller, 1999, S.132)

Die Kreuzwirbel sind zu dem Kreuzbein, die Steißwirbel zum Steißbein zusammengewachsen. Alle Wirbel haben einen einheitlichen Bauplan, differieren aber in Abhängigkeit ihrer von oben nach unten zunehmenden Druckbelastbarkeit und ihren spezifischen anatomischen und physiologischen Anforderungen. Körperliches Training kann die Belastbarkeit der Wirbel erhöhen. Die unterschiedliche Stellung der Gelenksfortsätze bzw. des Dornfortsatzes beeinflussen je nach Wirbelsäulenabschnitt die Bewegungsmöglichkeiten der Wirbelsäule. Der vordere Teil der Wirbelsäule dient als Tragsäule, der mittlere als Schutz für das Rückenmark und der hintere als Hebelwerk für die Wirbelsäulenbeweglichkeit. Zwischen den 24 Wirbelkörpern, oberhalb des Kreuzbeines, befindet sich jeweils eine Bandscheibe. Sie ist das Verbindungsstück zwischen zwei Wirbeln und vermindert schädliche Belastungen auf die Wirbelsäule. und verbessert die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Auch der Bandapparat hat einen wesentlichen Einfluss auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule (Weineck, 2003).

Auf Grund ihrer anatomischen Eigenschaften ist die Wirbelsäule zu folgenden Bewegungen fähig (vgl. Abb. 11):

- Beugung, Streckung bzw. Vor- und Rückneigung

- Seitneigung

- Drehung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Bewegungen der Wirbelsäule (Quelle: Rostock, 2003, S.13)

Das Bewegungsausmaß ist je nach Wirbelsäulenabschnitt unterschiedlich und schwankt interindividuell abhängig von der Dehnbarkeit der Muskeln und Bändern sehr stark. Im Normalfall weist die Halswirbelsäule die größte Beweglichkeit auf. Im Brustteil sind Beugung und Streckung am besten möglich und die Lendenwirbelsäule übernimmt die Drehbewegungen im Rumpf (Faller, 1999).

3.1.2. Morphologische Besonderheiten und Funktionen der Wirbels ä ule

Die Wirbelsäule ist aus so vielen knöchernen Elementen zusammengesetzt wie kein anderer Teil des menschlichen Körpers. Die einzelnen Abschnitte wurden im vorherigen Abschnitt einfach dargestellt. Eine Besonderheit ist, dass die einzelnen Elemente (Wirbelkörper, Bandscheiben) unabhängig voneinander wachsen. In ihrer Gesamtheit übernimmt die Wirbelsäule tragende und stabilisierende Aufgaben für die verschiedensten Bewegungen und Bewegungsphasen. Dieser anatomisch besondere Aufbau stellt zusammen mit Muskeln und Bändern ein „biomechanisches Kunstwerk“ dar (Junghanns, 1986, S. 14). Die s-förmige Krümmung der Wirbelsäule, die sich erst im Laufe des Lebens voll ausbildet wirkt federnd auf senkrechte Stöße. Fehlformen dieser Krümmung wie sie in Kapitel 2 bereits erläutert wurden, stellen für die Wirbelsäule eine außerordentliche Belastung dar (Junghanns, 1986).

Die Wirbelsäule meistert durch ihren funktionellen Aufbau zahlreiche statische und dynamische Aufgaben. Um diese Funktionen zu erfüllen überträgt sie das Gewicht von Kopf, Schultern und Armen auf das Becken. Als zusätzliches Gewicht kommen noch der Brustkorb und die darin oder an der Wirbelsäule selbst verankerten Organe hinzu. Die Wirbelsäule ist aber nicht nur Träger dieser Gewichte, sondern nimmt durch ihre Muskelansätze und -ursprünge ständig an den Bewegungen des Rumpfes und der Extremitäten teil. Weiters hat sie eine kinetische Funktion und dient zur Orientierung im Raum. Dazu zählen auch die Steuerung des Gleichgewichts und Aufrechterhaltung der waagrechten Augenverbindungslinie. Die enge Verbindung zwischen Wirbelsäule und Rückenmark bzw. zentralem Nervensystem ist besonders störanfällig. Schon bei kleinen Abweichungen aus der Norm treten Gefühlsstörungen und Schmerzphänomene auf (Junghanns, 1986).

3.1.3. Belastung der Wirbels ä ule

3.1.3.1. Ä u ß ere Belastungen

Auf die Wirbelsäule wirken besonders viele mechanische Einfl ü sse durch tägliche Bewegungsvorgänge wie Gehen, Stehen, Laufen, Springen, Bücken usw. Weiters wird sie vom Lebensstil der Menschen beeinflusst. Der Bewegungsmangel nimmt immer mehr zu und stellt eine große Belastung für die Wirbelsäule dar, wird aber in den meisten Fällen vernachlässigt. In diesem Fall wirkt sich also eine „Minderbelastung“ als Mehrbelastung aus. Einen weiteren negativen Einfluss haben Vibrationen. Auch Vibrationen, wie sie z.B. in Fahrzeugen entstehen, hängen mit unserem heutigen Lebensstil zusammen. Sie belasten besonders die Bandscheiben und stören deren Ernährung, was zu Schäden und Schmerzen führt. Abgesehen von den oben genannten Faktoren spielen auch Kälte/Wärme, Umwelteinflüsse und chemische Stoffe eine Rolle.

All diese Faktoren können besonders die noch im Wachstum befindende kindliche oder jugendliche Wirbelsäule negativ beeinflussen und gefährden. Bedenklicher aber sind noch die Auswirkungen aus dieser Zeit auf das Erwachsenenalter, wo die Beschwerden sich meist noch verschlechtern und Schäden im Gewebe entstehen.. Oberstes Ziel des Jugendalters ist somit die Verhinderung eines pathologischen Verlaufes (Junghanns, 1986).

3.1.3.2. Biomechanische Anforderungen

Eine Aufgabe der Wirbelsäule ist die Form und Haltung des menschlichen Körpers aufzubauen um aufrecht zu stehen und zu gehen. Bezüglich der Normalform der menschlichen Haltung und deren Fehlformen und Krankheiten gibt es viele Angaben und oft sind sich Anatomen und Orthopäden darüber nicht einig. Dies lässt die Vermutung zu, dass sich die Wirbelsäule seit Aufrichtung aus der Vierpunktbelastung in den zweibeinigen Stand noch immer in Entwicklung befindet und ihre endgültige Form noch nicht gefunden hat. Die ursprünglichen vier „Stützen“ des Menschen garantierten eine bessere Stabilität der Wirbelsäule. Bei „Zweibeinern“ ist die Unterstützfläche des Körpers kleiner, der Schwerpunkt dadurch höher und das Gewicht der inneren Organe an der Wirbelsäule aufgehängt. Trotz dieser Belastungen hat sich die Wirbelsäule an die senkrechte Position und den aufrechten Gang angepasst, wie die physiologische Krümmung der Wirbelsäule beweist. Dadurch wird die Wirbelsäule um ein 10-faches höher Belastbar als eine gerade Wirbelsäule (Rostock, 2003).

Letzte Forschungen ergaben, dass jeder Mensch eine Grundform der Wirbelsäule aufweist, die aber durch genetische Veranlagung, Lebensstil und Umwelteinflüsse ihre individuelle Form bekommt. Diese Umformung findet während des Wachstums statt und bildet die biomechanische Ausgangsform für die Belastungen des Alltags und des Sports. Ziel ist es die Wirbelsäule in ihrer individuellen Idealform zu halten, da so Engergieansprüche und mechanische Ansprüche am geringsten sind (Junghanns, 1986).

Auch die Psyche hat einen nicht unwichtigen Einfluss auf die Biomechanik der Wirbelsäule. „Der Mensch offenbart seine Seele in seiner Haltung“ (Junghanns, 1986, S.161 nach Derbolowsky, 1973). So wird Körperhaltung im übertragenen Sinne zur Körpersprache und spiegelt sie „innere Haltung“ nach außen (Junghanns, 1986).

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule wird hauptsächlich durch das Lebensalter und dem Zustand der Muskulatur und der Bänder bestimmt. Dabei ist die Beugung nach vorne, hinten und zur Seite ausschlaggebend (Junghanns, 1986). Die Muskulatur und der Bandapparat stellen die „Seilsicherung“ bzw. „Zuggurtung“ (Rostock, 2003, S.51) der Wirbelsäule dar und sorgen somit für eine aufrechte Statik. Sind diese Mechanismen nicht mehr voll funktionsfähig oder geschädigt, ändert sich die physiologische Form der Wirbelsäule (Rostock, 2003).

Weitere Beanspruchungen für die Wirbelsäule stellen die verschiedensten Bewegungen des Alltags, wie z.B. stehen, liegen, sitzen, gehen, beugen, drehen oder heben und tragen, dar (Junghanns, 1986). Dabei kommt es vor allem auf die entsprechenden Last-Kraft-Anforderungen an. Zu hohe Lasten oder eine ungünstige Körperhaltung bedeuten eine Mehrbelastung für die biomechanische Statik der Wirbelsäule. Hierbei gilt, je größer der Lastarm, desto größer die Belastung auf die Wirbelsäule selbst oder deren Elemente. Besonders schädlich wirkt sich dabei das Anheben von Lasten mit gebeugtem Rücken aus und setzen die Bandscheibe erhöhter Zug- und Druckbelastung aus (siehe Abb. 12, S. 25). Bei geradem Rücken wird somit die Belastung gleichmäßig verteilt und die Belastung so am geringsten gehalten. Generell empfehlenswert wäre die Last auf beide Seiten des Körpers gleich zu verteilen, denn einseitige Belastungen fördern die Biegebelastungen der Wirbelsäule in der Seitneigung. Weiters können eine gut trainierte Muskulatur und ein stabiler Bandapparat die Beanspruchungen der Wirbelsäule um das bis zu 6-fache verringern (Rostock, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Belastung der Wirbelsäule beim Anheben von Lasten (Quelle: Rostock, 2003, S.54)

3.1.3.3. Besondere Belastung des Jugendalters

Die jugendliche Wirbelsäule unterliegt, wie die Wirbelsäule des Erwachsenen, allen oben genannten Faktoren. Als weitere Störfaktoren für die sich noch im Wachsen befindende Wirbelsäule gelten das schädigende Freizeitverhalten, das „gezwungene“ Sitzen in der Schule, das Fehlen von Ausgleichsgymnastik, falsche Schul- und Sitzmöbel, Bewegungsarmut und fehlendes Gesundheitsbewusstsein. All diese Faktoren behindern das Reifen der Wirbelsäule und bringen einige Gefahren mit sich, die speziell im späteren Arbeitsleben Einschränkungen bedingen. Es sollte nicht vergessen werden, dass „[d]ie Wirbelsäule des Erwachsenen […] von den Versäumnissen der Jugendzeit geprägt [wird]“ (Junghanns, 1986, S.243).

Die Wirbelsäule gilt häufig als Problemzone, da sie durch ihre große Anzahl an Elementen, Besonderheiten und Funktionen auch viele Ansatzpunkte für Störungen bietet. Im nun folgenden Teil wird erläutert wie es zu Fehlfunktionen oder Fehlhaltungen kommen kann, wie sie positiv beeinflusst und wie sie vorgebeugt werden können.

3.2. DIE KÖRPERLICHE ENTWICKLUNG

Wachstum geschieht in allen Zellen des Körpers und äußert sich entweder als Längenwachstum oder als Breitenwachstum. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist dabei nicht konstant, sondern variiert in verschiedenen Phasen der körperlichen Entwicklung. Die Phasen für das Längen- und Breitenwachstum sind dabei meist zeitlich versetzt und es kommt speziell im Kindes- und Jugendalter zu ausschlaggebenden Veränderungen der Körperproportionen (Asmus, 1994).

In der Literatur wird viel über diese Diskrepanz von Längenwachstum und Muskelwachstum in der Pubertät berichtet und als eine der Ursachen für Haltungsschäden im Jugendalter genannt. Inwiefern das zutrifft, wird im nun folgenden Abschnitt diskutiert.

3.2.1. Besonderheit des jugendlichen Gewebes

Die Pubertät stellt am Anfang der Pubertät bei beiden Geschlechtern die letzte Etappe des Verknöcherungsprozesses und des Wachstums dar. Demeter (1981) berichtet, dass dieser Wachstumsschub bei den Mädchen ca. 1 - 2 Jahre früher eintritt als bei den Jungen und etwas schneller verläuft. Letztere erreichen dadurch allerdings einen höheren Endwert und erfahren somit ein größeres Wachstum. Für das Skelettwachstum ausschlaggebend ist der Verknöcherungsprozess. In der Pubertät ist dieser Prozess wesentlich höher als in den Jahren zuvor und die Knochen nehmen ihre endgültige Form an. Es kommt zu Veränderungen an Extremitäten und Rumpf, sowie zur Herausbildung von geschlechtsspezifischen Unterschieden im Skelettbau der Jugendlichen. All diese Umbauprozesse im Körper der Heranwachsenden bedeuten eine hohe Belastung für den Bewegungsapparat, die teilweise einschränkend wirken kann.

Laut dem „Mark-Jansen-Gesetz“ verhält sich die Empfindlichkeit des Gewebes proportional zur Wachstumsgeschwindigkeit. Das heißt, dass jugendliches Gewebe auf Grund des erhöhten Wachstums viel größerer Gefahr durch Fehlbelastungen und Überlastungen ausgesetzt ist als das Gewebe eines Erwachsenen, da es noch nicht über dessen Festigkeit verfügt. Zu beachten ist außerdem, dass die Belastungverträglichkeit bei kalendarisch und biologisch Gleichaltrigen dennoch verschieden sein kann (Graf, 2007).

Zu Verletzungen neigen in dieser Phase des Wachstums vor allem die noch aktiven Wachstumszonen im jugendlichen Skelett. Lokale Belastungen (Sturz), Gewichtsbelastungen (Tragen von schweren Lasten oder Übergewicht) und langanhaltende Fehlbelastungen (falsches Sitzen) können zu strukturellen Veränderungen vor allem an der Wirbelsäule führen. Gegen Akutbelastungen oder traumatischen Einflüssen ist die Wirbelsäule recht widerstandsfähig und es kommt eher zu Verletzungen an den Extremitäten. Sehr empfindlich hingegen ist die Wirbelsäule bei dauerhaften Belastungen wie falschem Sitzen. Dies kann zu Wachstumsstörungen und pathologischen Haltungsschäden führen (Krämer, 2005).

Das „Mark-Jansen-Gesetz“ lässt aber auch die Folgerung zu, dass der jugendliche Organismus speziell in diesen Phasen sehr empfänglich für präventive Reize ist (Graf, 2007). Für das Ausüben von Sport in Schule und Freizeit bedeutet dies, dass auf die Skelettreifung geachtet werden muss und bis dessen Abschluss Fehl- oder Überbelastungen des Bewegungsapparates vermieden werden müssen. Wird darauf keine Rücksicht genommen, kann es zu den oben bereits genannten Haltestörungen kommen (Asmus, 1994).

Nach dem Höhepunkt der Pubertät geht das Entwicklungs- und Wachstumstempo stark zurück. Dennoch kommt es bis zum 18./19. Lebensjahr (in manchen Fällen auch bis zum 20. - 23. Lebensjahr) immer noch zu strukturellen und funktionellen Anpassungen des Körpers bis die Reife endgültig erreicht wurde. Zeitlich ist der vollkommen erwachsene Zustand oft nicht genau zu bestimmen, da es von Person zu Person zu großen Schwankungen kommen kann. Somit dauert die postpuberale Phase noch länger wie die Pubertät selbst - etwa 6 - 8 Jahre (Demeter, 1981).

Schon Tanner (1962) stellte fest, dass in den letzten Jahrhunderten die Pubertät und somit der Wachstumsschub immer früher eintritt. Außerdem läuft das Wachstum immer schneller ab. Diese Veränderung spielt sich aber hauptsächlich in der Körpergröße ab, die Körperproportionen bleiben weitgehen gleich. Es ist anzunehmen, dass sich dieser säkulare Trend weiterhin fortsetzt oder vielleicht sogar noch stärker zunimmt. Dies bestätigt zumindest der Rückblich auf Beginn des 20. Jahrhunderts, da fast immer eine Wachstumszunahme zu erkennen war. Einzige Ausnahme bildeten dabei die Weltkriege und Hungerszeiten.

[...]

Details

Seiten
110
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668544093
ISBN (Buch)
9783668544109
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v375002
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
2
Schlagworte
Wirbelsäule Jugendliche Haltungsschäden Prävention

Autor

Zurück

Titel: Haltungsfördernde Maßnahmen im Sportunterricht bei Jugendlichen unter Sonderberücksichtigung der Wirbelsäule