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Die politische Dimension der Kunstform Oper

von Anonym (Autor)

Hausarbeit 2016 21 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung: Oper & Politik?

II. Exemplarische Komponisten- und Werk-Beispiele für die Entwicklung politischer Oper
2.1 Wolfgang Amadeus Mozart
2.2 Ludwig van Beethoven
2.3 Daniel-François-Esprit Auber
2.4 Giuseppe Verdi
2.5 Richard Wagner
2.6 Franz Liszt
2.7 Spezialfall Operette
2.8 Russland im 20. Jahrhundert
2.9 Deutschland während des NS-Regimes
2.10 Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

III. Vertiefung
3.1 Mozarts Le nozze di Figaro – Zensur vs. politische Kritik
3.2 Mozarts Cosi fan tutte – politisch im weiteren Sinne?

IV. Resümee / Gegenwart & Zukunft der politischen Oper

V. Quellen
5.1 Bibliographie
5.2 Internet-Quellen

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I. Einleitung: Oper & Politik?

„Politik ist das, was durch individuelle und kollektive Akteure im öffentlichen Raum als politisch definiert wird.“[1]

Wenn man sich mit so großen Themen wie Oper und Politik auseinandersetzt, sollte dem zunächst eine genaue Begriffserklärung vorausgehen. Da es sich hierbei aber um ein sehr großes Spektrum mit verschiedensten Konstellationen und Dimensionen des Politischen handelt, ist dies im Vornherein nicht leicht abgrenzbar. Konkretisierend hierbei sind folgende Fragestellungen: Mit welchem Gegenstand beschäftigt man sich eigentlich, wenn es um Oper und Politik geht? Um die Darstellung von politischen Geschehnissen auf der Bühne bzw. der politisch-inszenierenden Interpretation von Musiktheater-Werken? Um die Restriktionen, denen bestimmte Kunstwerke mit etwa „revolutionärem Gedankengut“ oder kritischen Inhalten in einem bestimmten soziopolitischen Zeit-Ort-Gefüge unterliegen? Um die institutionelle Verflechtung bedingt durch künstlerisch-personelle Entscheidungen und Abhängigkeiten zu öffentlichen Trägerschaften bzw. Förderungen oder Gesetzen? Oder um die Rezeption und was das Publikum aus einem Stück für sich zieht?

Außerdem:

„Der Blick darauf, wie Nationen ihre Feinde, ihre Helden und Verräter auf die Bühne bringen, wie sie Kriege und historische Ereignisse in Szene setzen, verrät Vieles über geltende politische Entwürfe in einer Gesellschaft.“[2]

Dass es sich dabei um alle dieser Aspekte drehen kann, aber auch noch um viel mehr geht, soll im Folgenden zuerst in einem historischen Überblick anhand von ausgewählten Beispielen aufgezeigt werden, denn: „Erst das Publikum verwandelt die Bilder und Töne einer musikalischen Aufführung in gesellschaftliche Phänomene.“[3]

Die folgenden Untersuchungen anhand einer notwendigen Vielzahl von konkreten Beispielen sollen sich insgesamt einer Antwort auf die Leitfragen annähern, ob und wieso Oper schon immer eine politische Kunstform war und ob diese Dimension nach wie vor vorherrschend ist. Um so eine grundsätzliche Frage nachvollziehbar beantworten zu können, genügt nicht nur ein spezifischer Analyse-Gegenstand, sondern es bedarf eines umfassenderen Überblicks anhand der für die Frage nach dem politischen Kontext in der vielseitigen Kunstform Oper als repräsentativ recherchierten Schwerpunkte.

2.1 Wolfgang Amadeus Mozart

Eines der ersten wichtigen Stücke mit politischer Dimension war wohl Mozarts Die Hochzeit des Figaro. Der Uraufführung am 1. Mai 1786 ging eine lange Entstehungsgeschichte voraus, was damit zusammenhing, dass der Librettist Lorenzo da Ponte das umstrittene Theaterstück La folle journée von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais zur Vorlage nahm und in eine Oper umwandelte.[4] Dies tat er jedoch auf so geschickte Art und Weise, dass die Zensur nichts Verwerfliches an der neuen Fassung finden konnte und die Oper veröffentlicht wurde. Die politische Brisanz blieb auf der musikalischen Ebene jedoch erhalten. Hier tritt auch bereits das Phänomen des Kontrapunkts auf, bei der die Gegenstimme gleichzeitig die Hauptstimme ist – ein Stilmittel auch, um musikalisch mehrschichtige Bedeutungsebenen zu ermöglichen. Die Oper wurde ein solcher Erfolg, dass Mozart daraufhin den Auftrag für Don Giovanni erhielt.

Der Sinn für das Menschliche wird bei Mozart bereits bei seinem frühen Werk Mithridates, König von Pontos aus dem Jahre 1770 deutlich. Dabei handelt es sich um ein Repräsentationsstück, das den König und das gesamte Adelsgeschlecht in ein positives Licht rücken und so das Vertrauen des Volkes wecken sollte. Das humanistische Prinzip und die Psychologisierung spielen hier eine wichtige Rolle und Mozart konnte zeigen, dass es für ihn nicht primär von Bedeutung war, politisch aufrührerisch, sondern viel eher ein guter Komponist zu sein – wobei die politische Brisanz seiner Werke bzw. der dazugehörigen Libretti zumindest unterschwellig politische Wirkung an den Tag legen sollte, da jede direktere Ausdrucksweise riskant gewesen wäre.

[...]


[1] Sven Oliver Müller, Jutta Toelle, Bühnen der Politik. Die Oper in europäischen Gesellschaften im 19. und 20. Jahrhundert, Wien: Oldenburg 2008, S. 9.

[2] Ebd., S. 14.

[3] Sven Oliver Müller, Philipp Ther, Jutta Toelle, Gesa zur Nieden (Hg.), Die Oper im Wandel der Gesellschaft. Kulturtransfers und Netzwerke des Musiktheaters in Europa , Wien (u.a.): Böhlau 2010, S. 27.

[4] Vertiefendes dazu im Kapitel 3.1.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668520820
ISBN (Buch)
9783668520837
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374736
Institution / Hochschule
Dresden International University
Note
1,0
Schlagworte
oper musiktheater politik kulturpolitik

Autor

  • Anonym (Autor)

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Titel: Die politische Dimension der Kunstform Oper