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Richard Wagners Mythen. Der Mythos in "Der Ring des Nibelungen"

Hausarbeit 2013 10 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Richard Wagner als Mystiker

2. Natur und Mythos

3. Kunst und Mythos

4. Religion und Mythos

5. Drama und Mythos

6. Mythos in „Der Ring des Nibelungen“

7. Quellenverzeichnis

1. Richard Wagner als Mystiker

Thomas Mann zufolge ist der Mythos für Wagner „die Sprache des noch dichterisch-schöpferischen Volkes, [… der] Einfalt, Bildungsfremdheit, Erhabenheit, Reinheit – kurz, das, was er das ‚Rein-Menschliche‘ nennt und was zugleich das einzig Musikalische ist. Mythus und Musik, das ist das Drama, das ist die Kunst selbst, denn nur das Rein-Menschliche erscheint ihm kunstfähig […]. Die Sage genügte ihm nicht: es musste der Ur-Mythus sein.“[1]

Kurt Hübner schreibt in seinem Buch Die Wahrheit des Mythos, dass um den Zugang zu Wagners Mythos zu finden, durch seine germanische Schale hindurch auf seinen griechischen Kern gestoßen werden müsse.[2]

Aus diesen beiden Zitaten lässt sich bereits erkennen, dass Wagners Werk vom griechischen Mythos geprägt wurde – wobei die beiden Tragiker Aischylos und Sophokles einen großen Einfluss auf seine Werke hatten.[3]

Wagner selbst sprach über die griechische Tragödie: „[…] nur der griechischen Weltanschauung konnte bis heute noch das wirkliche Kunstwerk des Dramas entblühen. Der Stoff dieses Dramas war aber der Mythos, und aus seinem Wesen können wir allein das höchste griechische Kunstwerk und seine uns berückende Form begreifen“.[4] Er stellte die These von der Gründung des dramatischen Kunstwerks im Mythos auf. Wagner war davon überzeugt, die für das Drama unverzichtbare, mythisch begründete Einheit von Stoff und Form, sowie von Inhalt und Anschauungsform zu finden.[5]

Wagner befasste sich mit unterschiedlichen Ansätzen zum Thema Mythos. So etwa mit den Aspekten Natur und Mythos, Kunst und Mythos, Religion und Mythos sowie Drama und Mythos, die im Folgenden einer näheren Betrachtung unterzogen werden, um dann mit dem Ring des Nibelungen, Lohengrin und Parsifal konkrete Beispiele seiner mythologischen Veroperung zu erörtern.

2. Natur und Mythos

Mythos entsteht für Wagner in der Begegnung des Menschen mit der Natur. Stets aus „Natürlichen Erscheinungen“ entstehen mythische Gestalten. Der Mythos bezieht sich „ auf eine Wirklichkeit, die im Raum zwischen Himmel und Erde durch beständige Wiederkehr ebenso gegenwärtig und sinnlich wahrnehmbar ist, wie die historische Wirklichkeit in der Zeit ungegenwärtig und unanschaulich ist“. [6]

Wagner setzt erkenntnistheoretische Überlegungen voraus um die Art und Bedeutung des Mythos zu erklären.[7] Ein wichtiger Aspekt dieser ist, dass er die Tätigkeit des Gehirns – „ die von ihrer Naturwirklichkeit losgelösten Erscheinungen zu den umfassendsten neuen Bildern zu gestalten“ [8] – als Phantasie benennt. Das Gesehene, wie es die Augen erfassen können, bedeutet meist etwas ganz anderes als tatsächlich wahrgenommen wird.[9] „Die mythenbildende Phantasie nimmt die äußeren Erscheinungen unter Loslösung von ihrer „Naturwirklichkeit“ in Analogie zur perspektivischen Verschiebung von Gegenständen im Raum nach einem verjüngten Maße auf, um sie hernach zu den umfassendsten neuen Bildern zu gestalten.“[10]

Anzumerken sei auch, dass Wagner nicht grundlegend zwischen dem griechischen Mythos und der europäischen Sage unterscheidet. Dazu meint er, dass der Mythos der mitteleuropäischen Völker, „wie der hellenischen, aus der Naturanschauung zur Bildung von Göttern und Helden“ entstand. Unterscheidungen findet Wagner nur aufgrund der verschiedenen Aspekte des Mythos als Anschauungsform, die seiner Meinung nach wegen der unterschiedlichen kulturgeschichtlichen Hintergründe auftreten.[11]

3. Kunst und Mythos

Der Ursprung der Kunst liegt für Wagner im Mythos. Er sieht in der Kunst das mythische Prinzip der „Verdichtung“. Die Kunst dient somit als Ort und Mittel, womit beim „Verfahren des Mythos“ Wirklichkeit angeschaut, erlebt und erkannt werden kann. Zur Anwendung komme es rezeptiv als auch reproduktiv und zwar dergestalt, wie auch der Mensch „auf zwiefache Weise Dichter sei: in der Anschauung und in der Mitteilung“.[12]

4. Religion und Mythos

Nach Wagner erfolgte ein Verlust des mythischen Denkens – seiner Meinung nach durch die vermehrte christliche Weltanschauung der Menschen. Somit wurde laut Wagner die mythisch-religiöse Naturanschauung durch die christliche Weltanschauung ersetzt. Er äußerte sich hierzu:[13] „Durch das Christentum waren alle Völker, die sich zu ihm bekannten, von dem Boden ihrer natürlichen Anschauungsweise losgerissen und die ihr entsprossenen Dichtungen zu Gaukelbildern für die fessellose Phantasie umgeschaffen worden.“[14] Wagner versucht neben der christlichen Vorstellungswelt – die beispielsweise die Spaltungen der Wirklichkeit von Diesseits und Jenseits, in Mensch und Gott beschreibt – die Einheit des Natürlichen und Übernatürlichen in diversen Gestalten und Ereignissen zu finden. Beispielsweise im Göttermythos bemerkt er die Individualisierung der Naturmächte zu Göttergestalten. Die Götter besaßen menschliche Eigenschaften, aber der Inhalt war von übermenschlicher und übernatürlicher Art geprägt. Wagner versucht die Figuren des Mythos zu analysieren und historisch zu bestimmen, sowie aus ihnen Götter in menschlicher Gestalt zu machen.[15]

5. Drama und Mythos

Wagners Überzeugung ist, dass aus einem Kunstwerk, wenn dies eine mythische Grundlage besitze, sehr einfach ein Drama konstruiert werden könne.[16] Jedoch ist für ihn sowohl das Drama vom Mythos sowie umgekehrt, der Mythos vom Drama abhängig. Dies liegt in der Verbindung des griechischen Mythos und der Tragödie verankert, denn für Wagner existierte nur aus der griechischen Weltanschauung das wirkliche Kunstwerk des Dramas. Wichtig dabei ist die Einheit zwischen Oper und Drama – er lehnt sich dabei an Aristoteles Poetik. Die Einheit der Handlung sieht er als ausschlaggebendes Merkmal der dramatischen Gattung.[17] An anderer Stelle ist wiederum zu lesen, dass Wagner sich nicht so sehr mit dem Gattungsbegriff aufhalten lies. Für ihn war es wichtiger eine mythische Grundlage zu finden, um weiter zum Drama zu gelangen. Diese entdeckte er im mittelalterlichen Roman, indem er den Ursprung des Romans im Mythos verankerte.[18]

[...]


[1] Mann, Thomas, Im Schatten Wagners. Thomas Mann über Richard Wagner. Texte und Zeugnisse, S. 93

[2] Hübner, Kurt, Die Wahrheit des Mythos, S. 408

[3] Vgl. Dersch, Mythos und das Oratorium der Erlösung, S. 45

[4] Wilberg, Petra-Hildegard, Richard Wagners mythische Welt, S. 225

[5] Vgl. Wilberg, S. 225

[6] Wilberg, S.225-226

[7] Vgl. Wilberg, S. 227

[8] Wilberg, S. 226

[9] Vgl. Wilberg, S. 226-227

[10] Wilberg, S. 227

[11] Vgl. Wilberg, S. 228-229

[12] Vgl. Wilber, S. 230-231

[13] Vgl. Wilber, S. 233

[14] Wilber, S.233

[15] Vgl. Wilber, S.235-236

[16] Vgl. Ingenhoff, S. 86

[17] Vgl. Wilber, S. 264-265

[18] Vgl. Ingenhoff, S. 87

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668519701
ISBN (Buch)
9783668519718
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374734
Institution / Hochschule
Universität Wien – Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Wagner Oper Musiktheater Mythen Richard Wagner

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Titel: Richard Wagners Mythen. Der Mythos in "Der Ring des Nibelungen"