Lade Inhalt...

Wasser als Ursprung. Sind die Aussagen des Thales von Milet bereits philosophisch oder noch mythologischen Ursprungs?

Hausarbeit 2017 9 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Wasser als Ursprung des Lebens
2.2 Der mythologische Ursprung des Sein

3 Zusammenfassung und Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits Aristoteles sieht Thales von Milet als ersten Philosophen, weil er sich, nach seiner Ansicht, von mythischen Erklärungen in seiner Argumentation löste. In der einschlägigen Literatur wird Thales „zum Begründer einer rationalen Theoriebildung“[1] hervorgehoben. Vor Thales wurde die Entstehung von allem durch Mythen erzählt. „Mit Thales setzt eine neue Bewegung ein, die den Wechsel des Entstehens und Vergehens der Dinge sowie ihren umwandelbaren Urgrund erforschen wollte.“[2] Doch ist das tatsächlich so? Kann Thales wirklich als Begründer des philosophischen Denkens genannt werden? Dieser Frage gehe ich in der vorliegenden Arbeit nach. Mit Hilfe einer kleinen Auswahl an Fachliteratur versuche ich zu analysieren, ob der aus Milet stammende und im 6. Jahrhundert v. Chr. Wirkende zu recht als der erste Philosoph bezeichnet werden kann, so wie es uns Aristoteles überliefert hat. Aristoteles war es auch, der berichtete, dass „die meisten unter denen, die zuerst angefangen haben zu philosophieren, die Ursprünge im Bereich des Materiellen suchten“.[3] Dies ist auch der Ansatz der von Ruffinger vertreten wird, nachdem sich Thales bemühte „ein Grundprinzip der Natur nicht mehr im zeitlichen Sinne, sondern im Sinne eines Urgrundes oder Urstoffes zu finden.“[4] Nach Aristoteles sollen diese Urgründe das eigentliche Wesen der Dinge ausmachen: „aus ihnen würden sie entstehen und in sie wieder zurückkehren. Sie wären darum die Elemente.“[5] Doch zieht man zu der Aussage über das Wasser den Satz des Thales hinzu, in dem er behauptet, dass alles voll mit Göttern sei, so wird ein Widerspruch in dem erkennbar, was die Autoren in die materiellen Gedankengänge interpretierten. Hier wird die ganze Tragweite des Dilemmas zwischen neuartig nämlich philosophischen Denken und mythologischer Tradition erkennbar. Einer der größten Zweifler an der Theorie, dass Thales der erste Philosoph war, ist Weischelde. Er stellt die Frage, ob Thales den Widerspruch seiner Aussagen eventuell gar nicht bemerkt haben könnte und stellt selbst die These auf, dass die „Unvereinbarkeit (…) vom Ursprung aus dem Wasser im modernen naturwissenschaftlichen Sinne deutet, (…) und das man sie damit nicht ihrem wahren, zeitgenössischen Sinne verstehe“[6] Also müsste nicht aus heutiger Sicht auf die Theorie des Thales geschaut werden, sondern die Weltsicht der Menschen des sechsten Jahrhunderts v. Chr. bei der Interpretation berücksichtigt werden.

2 Hauptteil

2.1 Wasser als Ursprung des Lebens

Aus den Überlieferung des Aristoteles wissen wir, das Thales das Prinzip von allem im Wasser gesehen hat. Warum gerade im Wasser, wusste Aristoteles selbst nicht mehr sicher. Wir wissen heute, dass Wasser eine chemische Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff ist. Doch das konnte Thales noch nicht wissen. Auch nicht, dass der menschliche Körper zu über 70 % aus Wasser besteht und auch nicht, dass der größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist. Obwohl man unter Berücksichtigung seines Lehrspruchs, dass die Erde auf dem Wasser wie eine Holzschale ruhe, davon ausgehen müsste, dass er bereits erahnte, dass der größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist. Er ging vermutlich eher von der Bedeutung des Wassers als Grundvoraussetzung für das Leben aus und dass ein Mangel an Wasser bei vielen Lebewesen zu gravierenden gesundheitlichen Problemen führt, so auch beim Menschen. Aus seinen Beobachtungen sah Thales sicherlich, dass ohne Wasser keine Landwirtschaft möglich ist. In Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und auch dem alten Ägypten sind damals bereits recht fruchtbar Regionen und weisen bereits seit Ende des vierten Jahrtausends bedeutende technologische Errungenschaften zur effektiven Bewässerung der Felder auf. Daraus konnten sich erstmals größere Städte herausbilden. Ohne diese Bewässerung hätte das niederschlagsarme Gebiet keine erfolgreiche und produktive Landwirtschaft unterhalten können. Die Menschen nutzen folglich das Wasser der Flüsse und brachten es auf ihre Felder. Thales könnten dies sicherlich erkannt haben und brachte den Kornreichtum mit der Wassernutzung in Zusammenhang. In „Die philosophische Hintertreppe“ beschreibt Weichedel die Grundgedanken des Thales als ausgesprochen Materialistisch: „Das Wasser, ein materieller Soff, wird zum Urprinzip gemacht.“[7] Betrachtet man die These des Thales isoliert von seinen weiteren Gedanken, so würde tatsächlich der Eindruck entstehen, dass er einen materiellen Stoff zum Urprinzip gemacht hat. Weichedel stellt zurecht die Frage, ob es tatsächlich sein kann, dass all die „Fülle der Weltgestalten“ die wir vor Augen haben, „jene Berge, Sterne und Tiere, wir selbst und der Geist, der in uns wohnt,“[8] von etwas so Materiellem wie Wasser stammen sollte. Einen viel tieferen Blick unternimmt Ruffing in seiner „Einführung in die Geschichte der Philosophie“, in dem er behauptet, dass für Thales „das Wasser kein toter Stoff, sondern ein die Natur durchströmendes und sie belebendes Element“ sei.[9] Auch wenn beide Interpretationen sich nicht gegenseitig ausschließen und nicht zwingend einen Widerspruch darstellen, so bleiben doch Bedenken, ob die Aussage des Thales tatsächlich richtig verstanden wurde.

2.2 Der mythologische Ursprung des Sein

Wendet man sich einer weiteren Aussage von Thales zu, so werden die Bedenken noch größer, denn in einem zweiten überlieferten Satz sagte er, dass „alles voller Götter sei“. Jetzt offenbart sich allerdings auf den ersten Blick ein Widerspruch zu der eher rationalen Aussage, dass Wasser das Urprinzip von allem sei. Beide Sätze stehen offensichtlich im Gegensatz zueinander. Einerseits geht Thales davon aus, dass der Urstoff aus dem alles entstanden ist ein materieller Stoff ist und andererseits besteht er darauf, dass alles aus mythologischen Blickwinkel betrachtet werden muss, indem er überall Götter sieht. Dazu hat Weischedel eine einfache Erklärung. Er meint, „der Mensch begreife die Welt nicht richtig, wenn er meint, was er um sich sieht, seien einfache vorhandene Dinge; er (der Mensch) muss einsehen: es ist das Wesen der Dinge, dass in ihnen Göttliches waltet.“ Doch damit würden wir den philosophischen Pfad, der rein auf Logik gestützten Analyse verlassen und einen auf Mythologie gestützten Glaubenspfad betreten. Hirschberger geht in der „Geschichte der Philosophie“ einen anderen Weg. Erst wenn man beide Sätze des Thales zusammenhält ergibt sich ein logischer Zusammenhang. Indem er ausschließt, dass kein „förmliches Bekenntnis zum Pantheismus oder Monismus“ vorliegen muss, sondern vielmehr könne man der Äußerungen entnehmen, „wie das archaische Philosophieren immer geneigt ist, die Welt vom Menschen her zu deuten, d. h. durch Kategorien zu ordnen, die dem Menschen von seinem spezifischen Eigenleben her bekannt sind.“[10] Damit weißt Hirschberger auf die gesellschaftlichen Zwänge hin, die für Thales bestanden. Thales konnte nicht einfach losgelöst von der vorherrschenden griechischen Mythologie ein vollkommen neues Weltbild schaffen. Auch wenn mit Thales eine abendländische Philosophie des Denkens begann haben könnte, so hat er dennoch nicht die mythologische Bedeutung des Wassers außer acht gelassen.

[...]


[1] Ruffing, Reiner: Einführung in die Geschichte der Philosophie, UTB, 2. Auflage, Paderborn 2007, S. 18-20

[2] Ruffing, Reiner: Einführung in die Geschichte der Philosophie, UTB, 2. Auflage, Paderborn 2007, S. 18-20

[3] Hirschberger: Geschichte der Philosophie, Band 1: Altertum und Mittelalter, 12. Auflage, Herder, Freiburg im Breisgau 1980, S. 18-20

[4] Ruffing, Reiner: Einführung in die Geschichte der Philosophie, UTB, 2. Auflage, Paderborn 2007, S. 18-20

[5] Hirschberger: Geschichte der Philosophie, Band 1: Altertum und Mittelalter, 12. Auflage, Herder, Freiburg im Breisgau 1980, S. 18-20

[6] Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe – Die großen Philosophen in Alltag und Denken, 27. Auflage, DTV, München 1997, S. 11-18

[7] Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe – Die großen Philosophen in Alltag und Denken, 27. Auflage, DTV, München 1997, S. 11-18

[8] Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe – Die großen Philosophen in Alltag und Denken, 27. Auflage, DTV, München 1997, S. 11-18

[9] Ruffing, Reiner: Einführung in die Geschichte der Philosophie, UTB, 2. Auflage, Paderborn 2007, S. 18-20

[10] Hirschberger: Geschichte der Philosophie, Band 1: Altertum und Mittelalter, 12. Auflage, Herder, Freiburg im Breisgau 1980, S. 18-20

Details

Seiten
9
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668543249
ISBN (Buch)
9783668543256
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374682
Note
2,4
Schlagworte
thales philosophie geschichte mythologie milet aristoteles hirschberger ruffert weischedel

Autor

Zurück

Titel: Wasser als Ursprung. Sind die Aussagen des Thales von Milet bereits philosophisch oder noch mythologischen Ursprungs?