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Evaluation und Vertrauen in der Mediation. Zur Wirksamkeit von Wirtschaftsmediation

Fachbuch 2017 151 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildung I Tabellen

Textinhalt der Masterarbeit

1. Einleitung
1.1. Themenauswahl
1.2. Wirksamkeit der Mediation
1.3. Wissenschaftliches Arbeiten
1.4. Beschreibung des Mediationsverfahrens
1.5. Abgrenzung zur juristischen Methode
1.6. Vorteile der Mediation im Vergleich zu einem Gerichtsverfahren
1.7. Vorteile der Mediation im Detail
1.8. Zielsetzung der Mediation generell / im konkreten Verfahren
1.8.1. Service-Delivery-Projekt:
1.8.2. Access-to-Jusitice-Projekt:
1.8.3. Individual-Autonomy-Projekt:
1.8.4. Reconciliation-Projekt:
1.8.5. Gesellschaftliche Veränderung (Social-Transformation- Projekty.

2. Wirtschaftsmediation
2.1. Beschreibung der Wirtschaftsmediation
2.2. Arten von Wirtschaftsmediationen
2.2.1. Wirtschaftsmediation zwischen Unternehmen
2.2.2. Mediation im Unternehmen
2.3. Ziele der Wirtschaftsmediation
2.4. Messgrößen der Ziele der Wirtschaftsmediation
2.5. Einflussfaktoren auf die Ziele der Wirtschaftsmediation
2.6. Erfolgsparameter
2.7. Art und Weise der Einwirkung
2.8. Der Paternoster der Konfliktlösung

3.0 Hypothesenaufstellung: Subsumiertes Ergebnis der Mediation: eine Verhaltensänderung der Medianten
3.1. Verhaltensänderung in der Mediation
3.2. Kritische Würdigung zu 3.1.

4. Transtheoretisches Modell
4.1. Beschreibung des Transtheoretischen Modell
4.2. Stadien der Verhaltensänderung
4.3. Veränderungsprozesse
4.3.1. Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse
4.3.2. Die fünf verhaltensorientierten Prozesse
4.4. Selbstwirksamkeitserwartung

5. Evaluation- Evaluierungsanforderungen
5.1. Begriffsklärung
5.2. Überblick
5.3. Wortherkunft
5.4. Abgrenzung
5.5. Modelle
5.5.1. Methodenorientierte Evaluation:
5.5.2. Nutzenorientierte Evaluation
5.5.3. Bewertungsorientierte Evaluation
5.6. Methoden
5.6.1. Explorative Methoden.
5.6.2. Populationsbeschreibende Methoden.
5.6.3. Hypothesenprüfende Methoden.
5.6.4. Gütekriterien nach Andreas Gruschka
5.7. Methoden zur Datengewinnung und Datenverarbeitung
5.7.1. Methoden zur Datengewinnung und Datenverarbeitung
5.7.2. Bereiche
5.7.2.1. Qualitätsmanagement
5.7.2.2. Bildung
5.7.2.3. Umwelt
5.7.2.4. Internationale Entwicklungszusammenarbeit
5.7.2.5. Organisationen

6. Vertrauen als Basis für den Erfolg einer Mediation
6.1. Vertrauensdefinition
6.2. Vertrauensdimensionen
6.3. Grundlagen der Vertrauensbeziehung
6.4. Situationsbasiertes Vertrauen
6.5. Eigenschaftsbasiertes Vertrauen
6.6. Identifikationsbasiertes Vertrauen
6.7. Vertrauen in der Soziologie
6.8. Vertrauen als Mechanismus der Reduktion von Komplexität
6.9. SwiftTrust
6.10. Vertrauen und Kontrolle
6.11. Vertrauen in den Wirtschaftswissenschaften und benachbarten Disziplinen
6.11.1 Im Kontext der Entscheidungstheorie
6.11.2. Im Kontext der Organisation
6.12. Vertrauen in anderen Disziplinen
6.13. Spiritualität
6.14. Vertrauen und Mediation

7. Exkurs zur Mediationsforschung
7.1. Forschungsgegenstand Mediation
7.2. Vom Exkurs zur Mediationsforschung zum Thema dieser Masterarbeit
7.3. Über die Chancen der Mediationsforschung
7.4. Konfliktmediation als Gegenstand der Evaluationsforschung
7.5. Evaluierungsgegenstand
7.6. Kenntnisse über Evaluierungsmethoden
7.7. Evaluationsforschung
7.8. Mediation als Gegenstand einer evaluierenden Bewertung
7.9. Die Erfolgsparameter der Mediation
7.10. Ablaufschema einer idealtypischen Evaluierung (in Anlehnung an
7.11. Beispiele gelungener Evaluierungen
7.11.1. Beispiel 1: Mediation im Konflikt um den Flughafen Wien­ Schwechat.
7.11.2. Beispiel 2: Konfliktmanagement in Schulen

8. Was macht Wirksamkeitsforschung in der Mediation so schwierig?
8.1. Evaluierung von Verhaltensänderung: Welche Konzepte gibt es? Gegenüberstellung und Bewertung im Sinne der Mediation (rezitiert aus
8.2. Bestandsaufnahme: Ansätze zu einer Evaluation von Beratungen in Organisationen
8.3. Auswahl eines am geeignetsten Konzeptes - mit Begründung
8.4. Rahmenbedingungen für die Evaluationsforschung in Mediationsverfahren

9. Welchen Nutzen bietet Evaluationsforschung in der Mediation?

10. Psychologische Diagnostik
10.1. Zwei Wege der psychologischen Diagnostik
10.1.2. Deduktiv-theoretischer Zugang
10.1.3. Induktiv-theoretischer Zugang
10.2. Psychologische Diagnostik im Rahmen der Mediationsforschung im Sinne der Verhaltensveränderung
10.3. Verzerrungstendenzen
10.3.1. Hofeffekt oder Überstrahlungseffekt
10.3.2. Positions-Effekt
10.3.3. Milde-Effekt, Strenge-Effekt
10.3.3.1. ZentraleTendenz
10.3.3.2. Kontrastfehler, Ähnlichkeitsfehler
10.3.4. Erwartungs-Effekt (self-fullfilling prophecy)
10.3.5. Eingriff in den Untersuchungsablauf
10.3.6. Verzerrungstendenzen speziell bei der Verhaltensbeobachtungen

11. Diagnostik sozialer Kompetenzen
11.1. Soziales Kompetenz - Definition und Abgrenzung
11.2. Soziale Kompetenz und sozial kompetentes Verhalten
11.3. Dimensionen allgemeiner sozialer Kompetenzen
11.4. Systematisierung diagnostischer Methoden
11.5. Selbstbeobachtungen in natürlichen Settings
11.6. Verhaltensbeschreibung
11.7. Individuenbezogene Selbstbeschreibung
11.8. Inventar sozialer Kompetenzen (ISK)
11.9. Ausblick

12. Hypothese - Neu
12.1. Neue Hypothese 1:
12.2. Neue Hypothese 2:
12.3. Neue Hypothese 3:

13. Synthese

14. Die nächsten Schritte
14.1. In Richtung Messung von Verhaltensänderungen
14.2. In Richtung Messung der Emphatie
14.3. In Richtung Messung des Vertrauens

15. Ergebnis der Masterarbeit

16. KritischeWürdigung des Ergebnisses

17. Erklärung

Anlagen
Anlage 1: Die Prinzipien der Mediation Anlage 2: Die verschiedenen Mediationen
Anlage 3: Sichtung und Analyse bereits getätigter Wirksamkeitsbetracht­ungen in Bezug auf die, durch die Mediation wirkenden Faktoren auf die Zielbeeinflussung.
Anlage 4: Operationalisierung und Messung der Empathie

Literaturverzeichnis

Abbildung I Tabellen

Abbildung 1 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 26

Tabelle 1 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 21- Abbildung 4

Tabelle 2 Eigene Darstellung

Tabelle 3 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 66 - Tabelle 4

Tabelle 4 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 77 - Tabelle 8 (Auszugsweise, wie im Vorfeld der Tabelle beschrieben)

Tabelle 5 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 89 - Tabelle 9 (exemplarisch nur eine Skala dargestellt)

Tabelle 6 Quelle: /70/ Diagnostik sozialer Kompetenzen, Band 4, Kanning, Hogrefe Verlag, 2. Auflage, Seite 98 - Tabelle 11

1. Einleitung

1.1. Themenauswahl

Ich habe das Thema vor dem Hintergrund gewählt allen vor der Wahl Stehenden, Delegation einer Entscheidung an einen dritte Person oder selbst Hand anzulegen, eine Hilfestellung bei ihrer Entscheidung zu geben. Ferner ist es mein Anliegen den Versuch zu wagen, konkrete messbare Ergebnisse aus der Mediation, einem kommunikativen Prozess, zu ermöglichen. Neben diesen Beweggründen die sich konkret mit der Mediation und ihrer Wirkung beschäftigen geht es mir auch einen Beitrag zu meinem Haupttagesgeschäft für meine Kunden zu leisten, der kommunikativen Weiterbildungsmaßnahmen einen berechenbare Wirkung in Form eines ReturnOnlnvestment (ROI) (siehe Definition) zu ermöglichen. Ich schließe mich somit gerne jedoch unbeabsichtigt der Autorinnen Heidi Ittner und Elisabeth Kais an, die ebenso wie ich von der Evaluierung von Interventionsmaßnahmen überzeugt sind. Aktuell wird von Wirksamkeit in vielsichtiger Art und Weise gesprochen. Dabei ist die Wirksamkeit, dass die Parteien wieder miteinander - wenn auch über den Mediator reden -, bzw. dass sie gegenseitig zu hören und die Sichtweisen ertragen, dass gemeinsam an Lösungen gearbeitet und diese verhandelt und verabschiedet werden, bis hin zur Konfliktbeendigung und -befriedung. D.h. die Wirksamkeit wird an konkreten Ergebnissen definiert. Doch ist die Lösung, wie sie durch den beschriebenen Prozess tatsächlich die beste Lösung, das beste Ergebnis, ist es die Wirksamste? Es wird davon ausgegangen. Meiner Ansicht nach stimmt das nur, wenn auch eine emotionale Komponente sich verändert hat. Denn diese emotionale Komponente, dazu später mehr, ist ja der Antrieb für die Lösungsoption. Diese Idee will ich versuchen näher zu kommen.

1.2. Wirksamkeit derMediation

Diese Masterarbeit soll die Wirksamkeit der Mediation wissenschaftlich untersuchen. Es soll ein Beitrag zur Qualitätssicherung, zur Auswahlhilfe für Mediaten und ein Nachweis in Bezug zur Wirksamkeit erbracht werden. Dieser Nachweis soll auch einen Beitrag zur Verbreitung der Mediation leisten, um den gesellschaftlichen Anspruch aus der Mediation: „Veränderung der Beziehung der Parteien in Richtung auf eine Versöhnung (.Reconciliation-Projekt) und Gesellschaftliche Veränderung (Social- Transformation-Projekt)“im zu flankieren. Die Welt wird in der Zukunft enger zusammenrücken. Das bedeutet für alle Menschen, ob im privaten Alltag oder in der Arbeitswelt ein großes Konfliktpotential. Ferner soll ggf. eine Basis für eine vertiefende Untersuchung erstellt werden, um in einer eigenen Dissertation das Thema weiterzuverfolgen.

1.3. Wissenschaftliches Arbeiten

„Das wissenschaftliche Arbeiten beschreibt ein methodisch-systematisches Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden objektiv nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Das bedeutet, Quellen werden offengelegt (zitiert) und Experimente so beschrieben, dass sie reproduziert werden können. Wer eine wissenschaftliche Arbeit liest, kann stets erkennen, auf Grundlage welcher Fakten und Beweise der Autor zu seinen Schlussfolgerungen gelangt ist, auf welche Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler er sich beruft (Zitation) und welche (neuen) Aspekte von ihm sind.“/2/ Neben einer schlüssigen Grobgliederung, auf deren Grundlage eine Sichtung der relevanten Literatur (Primär- und Sekundärliteratur) erfolgt, bedeutet der zweite Schritt: „überschaut er das Material und vergleicht Quellen und Literatur. Ziele dabei sind das Aufdecken von Unstimmigkeiten und das Entwickeln einer eigenen Meinung. Diese „eigene Meinung“ darf jedoch nicht mit der Wiedergabe der eigenen Emotionen oder der subjektiven Wahrnehmung eines Themas verwechselt werden. Der Autor nimmt vielmehr einen fundierten wissenschaftlichen Standpunkt ein, den er durch intensive Beschäftigung mit seinem Forschungs­gegenstand erreicht hat.“/3/ Der dritte Schritt ist das Erstellen der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit. „Dabei stellt er mehr oder minder kurz dar, was er an Veröffentlichungen bereits vorgefunden hat und was sie zum eigenen Projekt beitragen können.“/4/ In jedem Fall muss die Herkunft eines Gedankens, Begriffs, Idee oder empirischen Zahl benannt werden. Beim Nachweis unterscheidet man Zitate (wörtliche Übernahmen) und Entlehnungen (nicht wörtliche, sinngemäße Übernahmen). In beiden Fällen werden die Quellen in wissenschaftlichen Anmerkungen (oft in Form einer Fußnote) angegeben.

Bei Zitaten werden Autor, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und die Seite(n) angegeben, die man verwendet hat; bei Entlehnungen wird der Quelle zumeist ein „siehe“ oder „vgl.“ vorangestellt. Entsprechendes gilt auch für Quellen aus dem Internet. Jede Internetseite ist eine Quelle oder Literatur, die im eigenen wissenschaftlichen Werk angegeben werden muss (URL und Kalenderdatum des Abrufs).“/5/ „Die genaue Herkunftsangabe ist für die Belegbarkeit einer Behauptung wichtig. Eine Aussage muss bis hin zur Quelle zurückverfolgbar und damit überprüfbar sein.“/6/ „In einem vierten Schritt entwickelt der Wissenschaftler seine eigene Idee; diese Fragestellung legt das Erkenntnisinteresse des Autors offen und hat unmittelbar Einfluss auf den Aufbau seiner Argumentation. Hierfür trägt er Fakten oder Beispiele zusammen und stellt dar, was er aus den vorgelegten Fakten oder Beispielen schließt. Dabei bemüht er sich, für jede Behauptung einen Beweis bzw. Beleg vorzulegen und jedes Argument zu begründen. Der Argumentationsgang in einer wissenschaftlichen Arbeit folgt den Regeln der Logik. Unverzichtbar ist zuletzt eine Ergebnissicherung in Form eines Fazits (oft „Ergebnis“, „Schluss“ oder „Schlussfolgerungen“ genannt) oder einer „Zusammenfassung“. Bei einer Zusammenfassung ist zu beachten, dass hier keine neuen Gedanken oder Probleme eingeführt werden dürfen. Im Falle einer Veröffentlichung wird häufig ein Abstract vorangestellt, d. h. eine kurze zusammenfassende Wiedergabe von Konzept, Methode(n) und Ergebnis(sen) der Arbeit. Die dargestellte Reihenfolge ist allerdings schematisch. In der Realität überschneiden sich das Entwickeln eigener Thesen und die Lektüre von Quellen oft.“/7/

1.4. Beschreibung des Mediationsverfahrens

Der wesentliche Unterschied zu juristischen Konfliktlösungen ist bei der Mediation, dass sie zukunftsorientiert und nicht vergangenheitsorientiert ist. Ebenfalls entfällt die Suche nach gesetzlichen Anspruchsgrundlagen in Gesetzen. Es geht bei der Mediation um die Suche nach tragfähigen und langfristig ausgerichteten Lösungen zur Beseitigung des Konfliktes. D.h. es gibt keine externe Entscheidung für oder gegen eine Partei, sondern es geht um die Herbeiführung von Lösungen, die die Konfliktparteien gemeinsam und vollverantwortlich erarbeiten.

D.h. auch, dass die Lösungsfindung und die Lösungsrealisierung in der vollen Verantwortung der beiden Konfliktparteien liegt. Die Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit sind weitere generelle Kennzeichen der Mediation. Wie bei einer juristischen Auseinandersetzung reden die Konfliktparteien über Dritte. In der Mediation ist dies der Mediator. Im Vergleich zu einer juristischen Auseinandersetzung ist es die Aufgabe des Mediators, in einem strukturierten Verfahrensablauf die Konfliktparteien zu einer Interaktion zu bringen, d.h. sie sollen wieder miteinander reden. Sucht der Jurist für die Handlung eine gesetzliche Anspruchsgrundlage, sucht der Mediator die Interessen (die Antriebe für ein bestimmtes Verhalten/Handeln) hinter den verschiedenen Positionen (das Verhalten/das Handeln). Ebenso ist es die Rolle des Mediators die Lösungsfindungsinteraktion anzuleiten und für eine konstruktive Gesprächsatmosphäre zu sorgen, und Impulse für die Lösungsfindung zu geben, quasi eine Art Starthilfe zu geben, oder wie ein Navigationssystem mögliche kommunikative Blockaden (so wie die Baustellen im Straßenverkehr) oder Engpässe (Staus im Straßenverkehr) durch alternative Routen zu umfahren. D.h. in der Mediation geht es nicht um Recht oder Unrecht, richtig oder falsch. Die Konfliktexperten (die Medianten) durch flankierende kommunikative Maßnahmen für die jeweilige Sichtweise des Anderen öffnen, und eine gemeinsame Lösungs­findung in deren Hände zu legen. D.h. der Mediator ist neutral und allparteilich, was die Inhalte des Konfliktes, die Lösungen und die daraus abgeleiteten Maßnahmen angeht, und ist nur „Herr über das formale Verfahren“.^/ Formal, d.h., wie oben dargestellt, über das Prinzip der Selbstverantwortung der jeweiligen Konfliktparteien. Das formale Verfahren erfüllt weitere Prinzipien. Neben dem Prinzip der Selbstverantwortung gibt es noch das Prinzip der Freiwilligkeit. D.h. alle beteiligte Personen (Mediator und Medianten) sind aus freien Stücken bereit, ein Mediationsverfahren zu einer bestimmten Konfliktsituation durchzuführen. D.h. zu beginnen und jederzeit auch zu beenden. Darüber hinaus gibt es noch das Prinzip der Vertraulichkeit. D.h. es handelt sich um ein nicht­öffentliches Verfahren. „Das heißt jeder von uns verpflichtet sich dazu, Informationen, die er im Verlauf des Verfahrens gewinnt, vertraulich zu behandeln, und nicht in einer möglichen Gerichtsverfahren zu verwenden“/9/. Dieses wird in einer Mediationsvereinbarung geregelt, ebenso, dass der Mediator nicht als Zeuge gewählt werden kann.

Das formale Mediationsverfahren sieht vor, dass ggf. laufende gerichtliche Verfahren für die Zeit der Mediation ausgesetzt werden sollen. Wichtig für den Erfolg einer Mediation ist das Prinzip der Informiertheit. D.h. ,, Wenn beide Seiten (geändert, im Original: Sie) in einem fairen Verfahren gute Entscheidungen treffen und damit den (geändert, im Original: Ihren) Konflikt lösen möchten, brauchen beide Seiten (geändert, im Original: Sie beide) alle relevanten Informationen über diesen Konflikt auch in rechtlicher Hinsicht“/io/. Das sind die relevanten Prinzipien für das Mediations­verfahren. „Mediation ist Teil der sogenannten ADR-Verfahren. ADR bedeutet "alternative dispute resolution" und somit frei übersetzt Alternative Streitbeilegung“/ii/. Die Historie zu ADR ist sehr lang und reicht bis in die amerikanische Bürgerrechtsbewegung zurück. Es geht hierbei den herkömmlichen Konfliktlösungsmöglichkeiten eine weitere Alternative zu bieten, um gerade den innerhalb der Gesellschaft vorliegenden Machtungleichgewichten ein Gegengewicht zu bieten. Spannend ist auch, dass neben dieser Idee auch eine Art Entwicklung der gesellschaftlichen Konfliktlösung außerhalb der Gerichte entsteht bzw. initiiert wird. Anstelle einer Art Schiedsrichters, an den die Entscheidung delegiert wird, sollen die Parteien selbst aktiv handeln. Die Idee an für sich ist eine Gute. Doch wer kann entscheiden, richtig seriös entscheiden, ob beide Parteien über diese Fähigkeiten verfügen? Der Mediator kann dieses zwar im Rahmen der Vorsondierung für sich erörtern, doch ob er objektiv entscheiden kann, steht auf einem anderen Blatt. Auch können eigene finanzielle Interesse des Mediators den Blick für die eigentlichen Verhandlungsfähigkeiten der Mediaten drüben. Die Grundidee der Mediation ist die Findung von Interessen hinter den Positionen. Mittels des Mediationsverfahrens an sich und dem Verhandeln nach der Harvard Methode soll ein konstruktives Miteinander zu einer Win-Win-Situation führen, d.h. die Kontrahenten werden gleichberechtigte Partner im Problemlösungsprozess. Daraus gibt es drei Kritikpunkte: die Idee des Harvard Verhandelns ist geprägt von einer amerikanischen bzw. einer unsrigen Wertvorstellung. Hilft das immer? Was ist, wenn die Mediaten aus anderen Kulturen kommen? Dieses ist nur zu lösen, wenn im Vorfeld eine genaue Analyse durch den Mediator in Richtung diese Wertvorstellung vorgenommen wurde. Leider gibt es dazu kein eigentliches Prinzip oder eine Vorgehensweiseempfehlung. Weiter ist kritisch zu hinterfragen, wie es mit den verfügbaren Ressourcen (Zeit, Kosten, Durchhaltevermögen, Durchsetzungskonsequenz) bei den Beteiligten aussieht. Auch wenn im Verfahren die Anzeichen für die vorhandenen Ressourcen erkennbar sind, kann das schon ganz anders aussehen, wenn die Medianten in der neu zu gestaltenden Realität angekommen sind. Denn erst die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen (und wir nehmen einmal an, es sind auch erfolgreiche Maßnahmen für den Konflikt) führt zur Konfliktlösung, der sogenannten eigentlichen Win-Win- Situation. Die Autoren Robert A. Baruch Bush und Joseph P. Folger (1994) formulierten, unter dem Begriff ‘Transformative Mediation' eine Alternative zu dem auf der Win-Win-Lösungen ausgerichteten ADR-Konzeption. Statt des auf das sachliche Ergebnis fokussierenden Konzepts von Konfliktvermittlung als Problembearbeitung, das seinen Anspruch auf Zufriedenheit der Beteiligten in vielen Konflikten gar nicht einzulösen vermag, stellen sie die Arbeit an den Beziehungen zwischen den Konfliktparteien in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Vor allem der Prozess einer auf Ermächtigung der Einzelnen und ihre gegenseitige Anerkennung zielenden Vermittlung habe

- ganz gleich, wie die Ergebnisse schließlich aussehen
- einen die Konfliktparteien und ihre gestörten Beziehungen transformierenden Charakter. Diese drei kritischen Punkte will man lösen. Transformation der Beziehungen überhaupt sei die Grundlage, um haltbare Ergebnisse auf der Sachebene herzustellen, so die Sichtweise der beiden genannten Autoren. Zwar wird dieses auch bei der uns bekannten Mediation durch die methodische Vorgehensweise oder dem Rollen­verständnis des Mediators und die Auswahl seiner Methoden (z. B. der Mediator kommt aus dem Systemischen Ansatz) durch den Mediator ansatzweise realisiert, doch es bleibt in der Hand des Mediators und seiner Rolle. Das Mediations-Verfahren kennt hier keine Vorgaben. Das heißt, dass ich als Mediant eben das Glück haben kann, oder das Pech, dass ich auf eben einen solchen Mediator treffe, der aufgrund seines Rollenverständnisses oder seiner gewählten Methoden diesen eher beziehungsorientierten Weg sucht, oder auf den Mediator treffe, der dieses Rollenverständnis nicht hat oder die Methoden nicht kennt. Das Verfahren der Mediation, die Ausbildung des Mediators und die gesetzlichen Grundlagen mögen vergleichbar sein.

Doch für den Mediaten gilt ebenso auch für sich den geeigneten Mediator zu finden. Hier gibt es leider wenig, was den Mediaten hilft den richtigen Mediator zu finden.

1.5. Abgrenzung zur juristischen Methode

Unser Rechtssystem geht davon aus, dass ein Konflikt durch eine übergeordnete Instanz für die Konfliktparteien nach Gesetzen entschieden wird. Die Mediation wählt einen anderen Ansatz. Die Mediation sieht die Selbstverantwortung der Konfliktparteien im Vordergrund, d.h. weg von gerichtlicher Verantwortung. Ein Gerichtsverfahren führt zu einer Entscheidung von oben, vom Richter. Entsprechend sind alle daraus entstehenden Vereinbarungen von oben veranlasst. Das kann zu einem unangenehmen Gefühl bei den Betroffenen führen. Vor Gericht sprechen die Anwälte für die Parteien, im Mediationsverfahren sprechen die Konfliktparteien miteinander. Somit sind alle Emotionen und Argumente ungefiltert für alle Beteiligten transparent. Auch haben die Konfliktparteien somit den Ablauf in der eigenen Hand, und gestalten selbst mit. Das Mediationsverfahren setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der Konflikt­parteien, mit dem Ziel den Konflikt durch einen Konsens zu lösen, anstelle der Anwendung von Gesetzen. Es soll die gerichtlichen Verfahren nicht ablösen, sondern kann eine sinnvolle Alternative sein. Wichtig ist, dass immer die Interessen der Beteiligten im Vordergrund stehen, um darauf aufbauend den sinnvollsten Weg zur Konfliktlösung zu finden. Wenn von gerichtlicher Auseinandersetzung gesprochen wird, erfolgt eine Streitentscheidung mittels der juristischen Methode. Das bedeutet, dass in Anspruchsdenken gearbeitet wird. Die Juristen versuchen nach einer grundsätzlichen Idee einen Ansatz für die Streitentscheidung zu finden. Das heißt, sie versuchen zu klären, ob es für ein bestimmtes Verhalten eine Rechtsnorm gibt, die verwendet werden kann, um eine bestimmte Handlung einzufordern. Kurzgesagt heißt das, dass die Juristen in den Rechtsnormen etwas Passendes zu finden versuchen, um einen gerichtlichen Anspruch zu haben. Dieser soll dann vor Gericht entschieden werden. Jeder Anwalt sucht auf seine Art und Weise etwas Passendes. Der Richter selbst überprüft diese Anspruchsgrundlagen und bestätigt mit seiner Entscheidung die eine oder die andere Argumentation bzw. ergänzt/verändert diese.

Es kommt zu einem Urteil, lediglich auf der Grundlage der vorgetragenen Argumente und der Anwendung der Gesetze. Durch diese Vorgehensweise bleiben alle anderen Aspekte, wie nachbarschaftliche Situation, die Vergangenheit, die Beziehung untereinander, sowie wirtschaftliche Fragen völlig unberücksichtigt. Das gesamte „Menschliche“ bleibt dabei unberücksichtigt; und somit auch die Zukunft. Die Juristen fragen nicht, wie geht es jetzt nach dem Urteil weiter? Die Mediation will die Zukunft mit berücksichtigen, ja mitgestalten durch die Art des Konsenses. Die Juristen interessiert die Faktenlage, die Sachlage. Das große Ganze des Konflikts wird in einen eigenen juristischen Sachverhalt umformuliert, um die Anspruchsgrundlagen in den Gesetzen finden zu können. Hier geht es lediglich um das Begründen, dass die eigene Anspruchsgrundlage zutreffend ist. Die Mediation fragt: Wie ist es dazu gekommen? Was ist passiert? Weshalb verhalten sich die Parteien so und so? Was wollen sie erreichen? Was steckt dahinter? Weshalb ist das Gewünschte so wichtig? Die gerichtliche Auseinandersetzung geht davon aus, dass Recht einen Anspruch voraussetzt. Ferner sagen die Juristen, dass jeder der Parteien seine Wahrheit hat, und nur eine Wahrheit erhält vom Richter letztendlich Recht zu gesprochen. Vor Gericht wird der Konflikt durch einen Gewinner und einen Verlierer gelöst. Hier grenzt sich die Mediation ab. Die Mediation will den Konflikt für die Zukunft klären. Sie will verstehen, was sind die Gründe hinter dem Konflikt, die Interessen. Mit Verlassen des Gerichtes, wird es einen Gewinner und einen Verlierer geben. Es ist völlig klar, dass der Konflikt so nicht vollends geklärt ist. Er schwelt weiter. Diesen Schwelbrand will die Mediation löschen. Auch in der zeitlichen Betrachtungsweise unterscheiden sind die gerichtliche Auseinandersetzung von der Mediation. Die Vergangenheit ist für die Juristen interessant. Dort wird nach Ereignissen gesucht, die die Wahrheit der einen Partei belegen. Die Mediation sucht hier die Gründe für den Konflikt. Je mehr Details der Jurist finden kann, um diese Wahrheit zu belegen, um stärker ist sein Wahrheitsfundament. Die Mediation sucht nach den Beweggründen (den Interessen) für bestimmte Forderungen/ bestimmtes Verhalten (Positionen). Die Mediation nutzt die Erkenntnis der Psychologie, dass bestimmtes Verhalten (Forderungen, Wünsche, Taten etc.) durch ein Bedürfnis/einen Beweggrund initiiert werden. Den Juristen interessiert dieser Aspekt nicht.

Für die Mediation ist diese Suche nach den Interessen grundlegend, da in dieser Ebene für beide Seiten die Antriebe zum Konfliktverhalten liegen (die Interessen werden nicht berücksichtigt, daher verhalte ich mich konfliktmäßig). Erkennen beide, was beide antreibt, finden beide Parteien womöglich gemeinsame Interessen und es entsteht ein Konsens und das konfliktmäßige Verhalten wird abgebaut. Das Verhalten der beiden Parteien wird konfliktvermeidend. Der Jurist denkt, dass nur ein Richter einen Konflikt lösen kann. So sehr vergangenheits- und detailbezogen die Juristen vorgehen, so versuchen sie auch durch das Finden von Fehlern die Korrektheit der anderen Argumentation anzuzweifeln. Diese Suche nach Fehlern vermeidet die Mediation. Stattdessen sucht sie nach Lösungen, um einen Weg zu finden, der es ermöglicht, dass die Konfliktparteien in der Zukunft sich so verhalten, dass alle Interessen gewahrt werden können. Der Unterschied zwischen dem Gerichtsverfahren und einem Mediationsverfahren lässt sich weiterführend wie folgt beschreiben: Die juristische Logik führt zu einem Nullsummenspiel, bei dem es nur ein entweder oder gibt. Die Mediation erlaubt eine Denkweise, die Widersprüche nicht aufzulösen hat und deshalb eine kooperative Vorgehensweise ermöglicht. Man kann von einem Positivsummenspiel sprechen, bei dem es ein sowohl als auch geben kann. Die Lösungsfindung ist zwingend durch die Parteien kooperativ zu erarbeiten. Die Grundidee der Mediation ist die, dass der Verlust des Einen nicht zwingend vom Gewinn des Anderen abhängig ist. Die Mediation verfolgt die Vorstellung, dass die Gerechtigkeit des Einen nicht zwingend auch die Gerechtigkeit des Anderen bedeutet und das die Gerechtigkeit des Einen ebenso wenig zwingend die Ungerechtigkeit des Anderen bedeutet. Das ist wohl der wesentlichste Unterschied der Mediation gegenüber den juristischen Verfahren. Denn dort kann es nur eine Gerechtigkeit geben. Die Mediation ist ein verhandelter Vermittlungsprozess. Die Vermittlung bezieht sich nicht auf die Lösung, sondern auf das Verstehen der Hintergründe und Motive des Streits einer jeden Partei. Somit soll der Weg in ein Abwägen der Fürs und Wider gefunden werden, bei dem mittels einem wechselseitigem Verständnis eine gemeinsame Lösung verhandelt gefunden wird. Während bei gerichtlichen Verfahren der Konflikt durch einen Dritten mittels seiner Rolle beendet wird, so soll bei der Mediation der Konflikt durch eine gemeinsame Lösungsfindung durch die Beteiligten erfolgen. In einem Gerichtsprozess erfolgt die Kommunikation durch die Anwälte.

Emotionen kommen gar nicht oder nur gefiltert vor. Doch gerade die Emotionen also die Hinweise auf Motive und Beweggründe (Interessen, mehr dazu später) sind entscheidend, um eine kooperative und damit tragfähigere Lösungsfindung zu ermöglichen. In der Mediation sprechen die Beteiligten ganz offen über Ihre Verhalten und Ihre Motive. Das Gericht nimmt die Entscheidung in die Hand. In der Mediation liegt es in der Eigenverantwortung der Konfliktparteien. Mediation soll Gerichte nicht ersetzen, es ist eine sinnvolle Ergänzung der vorhandenen juristischen Verfahren. Wichtig ist herauszufinden, weshalb ein bestimmtes Konfliktthema so relevant ist, und was sie antreibt den Konflikt auszutragen und sich ggf. so im Konflikt festzufahren, dass es externer Hilfe bedarf. Interessant ist, dass in der Regel es den Beteiligten nicht bewusst ist, was sie zum Streit antreibt. „Weshalb ihre Positionen den Parteien wichtig sind, wird nicht immer „freimütig“ offenbart und ist den Parteien auch nicht immer bewusst, d.h., man gesteht sich selbst die Gründe nicht ein.“/4/ Es gibt sehr viele Konfliktgründe und deren Motive. Wichtig ist, dass es nicht nur zu einer Beendigung des Konfliktes kommt, sondern zu einer wirklichen und langfristigen Beilegung. D.h. beide Parteien haben einen gemeinsam erarbeitet Konsens erreicht. In der Mediation wird z.B. mittels dem Harvard­Konzept (Vorgehensweise zur Findung und Trennung in Interessen und Positionen) eine gemeinesame Lösung für den Konflikt verhandelt. Dabei soll die Zukunft für beide Parteien gestaltet werden, frei von Ansprüchen. Im Rahmen einer positiven Kommunikation sollen die Parteien die Motive für das eigene Handeln selbst erkennen bzw. die des anderen kennenlernen. Ferner sollen sie selbstbestimmend, und nach beiden Seiten offen die für die Zukunft optimalen Lösungsoptionen erarbeiten und die tragfähigsten vereinbaren. Gerade der Kommunikationsprozess ist dabei entscheidend. Wichtig ist das, rational über die Lösungsoptionen verhandelt wird. Dadurch ist die Berücksichtigung aller Informationen eher möglich. Dieses ist essentiell für den erforderlichen Perspektivwechsel. Allein, dass über den Konflikt gesprochen wird, ist schon Teil der Konfliktlösung. Missverständnisse werden durch die Anwendung kommunikativer Werkzeuge aufgezeigt und geklärt. Durch die Trennung der Fakten von den Gefühlen wird die Kommunikation präzisiert. Gerade die eigenen Gefühle sollen bekannt und mitgeteilt werden. Erst in einer so geführten Kommunikation (und das ist die Aufgabe des Mediators, für eine solche Kommunikation zu sorgen) gelingt es den Konfliktparteien ihre eigene Beteiligung am Konflikt zu erkennen und den Einfluss damit auf den anderen dadurch zu verstehen. Ziel ist es zu erkennen, was das eigene Verhalten beim anderen auslöst. Nur so ist es möglich sein eigenes Verhalten zu verändern. Davon ausgehend, dass die Parteien den Konflikt lösen wollen, hilft es zu verstehen, wie die andere Seite denkt, fühlt und handelt. Vor diesem Hintergrund entwickeln die Beteiligten das notwendige Einfühlungsvermögen, um an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten. Jeder Mensch hat von einer Situation eine eigene Wirklichkeit. D.h. es gibt kein Richtig oder falsch im objektiven Sinne, sondern nur in einem subjektiven Sinne, und das für jeden Medianten. „Eine Lösung eines Konfliktes scheint nur möglich, wenn beide Parteien freiwillig einem dritten Konstrukt zustimmen, das möglichst viele der beiden Konstrukte enthält“/5/. Mit der gegenseitigen Erkenntnis, weshalb ein anderer von einem anderen ein bestimmtes Verhalten erwartet, kann eine Einsicht folgen, die eine tragfähige Lösungsgestaltung ermöglicht. Erst diese Einsicht ermöglicht es, dass bei willigen Personen ein Loslassen von Positionen möglich wird.

1.6. Vorteile der Mediation im Vergleich zu einem Gerichtsverfahren

Dem Ziel der Mediation folgend geht es in erster Linie um die einvernehmliche, außergerichtliche Lösung eines Konfliktes - möglichst durch den wechselseitigen Austausch über die Konflikthintergründe (Interessen). Die gerichtliche Variante der Konfliktlösung ist eine Entscheidung auf Basis von gesetzlichen Anspruchsgrundlagen, die dazu führen das ein bestimmtes Verhalten richterlich angeordnet wird. Die Mediation dabei ist nicht auf das begrenzt, was objektiv als Anspruchsgrundlage gegeben ist, sondern bezieht allgemeinere individuelle und gemeinsame Interessen aller Parteien ein. Sucht das Gericht die Fehler in der Vergangenheit, so will die Mediation die Zukunft konfliktfrei gestalten. Bei Gericht gibt es einen Gewinner und einen Verlierer. Die Mediation hat im Blick, dass alle Interessen der Beteiligten sich in der Konfliktlösung wiederfinden (win-win-Situation). Weiter ist zu unterscheiden zwischen der Beendigung des Konfliktes und einer Konfliktbeilegung: Die Beendigung, in der Regel erfolgt dieses per Gerichtsverfahren, eines Konfliktes wirkt nicht notwendigerweise friedensstiftend, sie kann durchaus den Abbruch der Beziehungen und/oder Revanchegelüste zur Folge haben. Eine Konfliktbeilegung ist mitunter nur unter Einbeziehung der Tiefenstruktur des Konfliktes herbeizuführen; das Ziel der Mediation. Können die tieferen Ursachen für einen Konflikt erfolgreich bearbeitet werden, so kann mitunter das zwischenmenschliche Verhältnis der Parteien für die Zukunft nachhaltig verbessert werden. Bei einer Mediation steht im Gegensatz zum Gerichtsverfahren die Frage nach einer eventuellen Schuld nicht im Vordergrund. Veränderungen im Verhalten der Mediationsteilnehmer untereinander werden nur insoweit gefördert, als sie für die verbindliche Lösung des Konflikts notwendig sind. Im Gerichtsverfahren bleiben viele Themen unberücksichtigt, zum Beispiel die schon genannte Interessenlagen. Ferner werden die Verfahrenskosten und mögliche Konfliktfolgekosten reduziert. Das Mediationsverfahren ist ein unbürokratisches und flexibles Verfahren. Die Schonung der personellen und betrieblichen Ressourcen sind ebenso hilfreich und ein weitere Vorteil der Mediation. Die Mediation ist nicht in der Öffentlichkeit, d.h. es gibt daher auch keine Berichte in den Massenmedien. Mittels der Mediation lernen die beiden Seiten auch für die Zukunft, wie sie unabhängig selbst Konflikte lösen/vermeiden können. Der Faktor Zeit ist ebenfalls ein wichtiger Grund. Hier sind alleine die Kalender der beteiligten Personen entscheiden und keine formalen Abläufe. Es kann schneller begonnen werden und geht daher auch schneller.

1.7. Vorteile der Mediation im Detail

Ein gerichtliches Verfahren bietet nicht für jeden Konflikt eine sachgerechte Lösung. Die Konfliktparteien müssen im Prozess einen konkreten Antrag stellen und so konkret Position beziehen. Berücksichtigt wird nicht die Interessenslage hinter dieser Position; Also der Antrieb bzw. das persönliche Wertesystem, die eigene Motivation. Die Darlegung der eigenen Position führt zwangsläufig zu Gegenpositionen. Ein vor Gericht ausgetragene Konflikt ist so etwas wie ein Kampf. Dadurch steigt die Gefahr von Verhärtungen und die Zerstörung menschlicher und gesellschaftlicher Beziehungen. Gerichtliche Urteile fallen häufig nach dem Grundsatz „alles oder nichts“ aus.

Hier grenzt sich die Mediation ab. An dieser Grundsatzfrage: „Alles oder nichts?“ - dieser Schwachstellen - setzt das Mediationsverfahren an. Die Mediation geht davon aus, dass Vereinbarungen, die durch eigene Initiative und selbstbestimmt zustande gekommen sind, haltbarer sind, als Entscheidungen die durch Urteil ergangen sind. Zumal man im Verlauf auch die Motive (Interessen) des Anderen kennen und verstehen lernt. Unparteiischen Mediatoren helfen den Konfliktparteien, eine einvernehmliche Lösung ihrer Konflikte zu finden. Aufgabe der Mediatoren ist es nicht, einen Schiedsspruch oder ein Urteil zu sprechen. Im Vergleich zur juristischen Auseinandersetzung, hier wird ein Urteil oder ein Vergleich durch einen Dritten dargestellt. Vielmehr liegt es an den Konfliktparteien selbst, eine ihren Interessen optimal entsprechende Problemlösung zu erarbeiten. Alle sollen durch die Übereinkunft "gewinnen". Diese konstruktive Konfliktlösung wird durch ein Mediationsverfahren ermöglicht. In der Mediation können im Unterschied zum gerichtlichen Verfahren genau auf den eigenen Fall bezogene spezielle Lösungen vereinbart werden. Die getroffenen Vereinbarungen haben damit die gleiche Verbindlichkeit wie eine in einem gerichtlichen Verfahren erzielte Regelung. Die Methode der konstruktiven Konfliktlösung durch Mediation ist universell ersetzbar. Es gibt Bereiche, in denen Mediation erfolgreich angewendet wird. D.h. es wird eher von mediationstauglichen Situationen gesprochen, als von Konfliktsituationen. Wenn bestimmte Voraussetzungen vorhanden sind, steigt die Chance für eine erfolgreiche Mediation. Das Verfahren der Mediation ist für alle geeignet, die die innere Bereitschaft haben, gemeinsame Probleme auch gemeinsam lösen zu wollen. Die sich zum Konflikt bekennen und die Akzeptieren, dass ohne Hilfe, hier in Form einer Mediatorfunktion, der Konflikt nicht gelöst werden kann. Diese Hilfe einer dritten, unparteiischen Person macht es möglich eigenverantwortlich Lösungen zu entwickeln. Auch die Bereitschaft zur Mitarbeit an Lösungsoptionen ist wichtig und kann als eine Art Eignungsvoraussetzung durchaus verwendet werden. Für alle die den Konflikt nicht nach dem Motto "Gewinner oder Verlierer bzw. Sieg oder Niederlage" regeln wollen, sondern die eine praktikable und faire Lösung suchen, die für alle Beteiligten akzeptabel ist, für diese ist das Mediationsverfahren geeignet. Mediation ist eine konstruktive Konfliktlösung. Sie basiert auf Freiwilligkeit und bietet die Möglichkeit, schnell, effektiv und nachhaltig für Klärung zu sorgen.

1.8. Zielsetzung der Mediation generell I im konkreten Verfahren

„Die Ziele von Mediation lassen sich idealtypisch in folgende, grundlegende Ausrichtungen oder „Mediations-Projekte“ unterteilen:

- Hilfe bei der schnellen und effizienten Beilegung des konkreten Konflikts (Service-Delivery-Projekt),
- Abbau der (Macht-)Nachteile schwächerer Parteien, zu ihrem Recht zu kommen (Access-to-Justice-Projekt),
- Vorrang der selbstbestimmten Konfliktlösung und Vermittlung persönlicher Fähigkeiten, sowohl im Umgang mit dem aktuellen Konflikt als auch hinsichtlich zukünftiger Konfliktsituationen (Individual-Autonomy-Projekt),
- Veränderung der Beziehung der Parteien in Richtung auf eine Versöhnung (Reconciliation-Projekt) und
- Gesellschaftliche Veränderung (Social-Transformation-Projekt).“/v

1.8.1. Service-Delivery-Projekt:

Hier geht es um eine schnelle und wirksame, und somit wirtschaftliche Konfliktbeilegung. Schnell und einfach, d.h. eine pragmatische und sofort umsetzbare Konfliktlösung steht hier im Vordergrund. Im Vergleich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen bietet sich dadurch eine schnellere, auf die Konfliktsituation zu geschnittene und kostengünstigere Alternative. Eine dritte Person soll helfen, schnell zu einer tragfähigen Lösung des Konfliktes zu kommen. „Den emotionalen Komponenten des Konflikts kommt keine eigenständige Bedeutung zu; vielmehr werden Emotionen eher als Hindernis auf dem Weg zu einer Einigung gesehen und werden in diesem Sinne möglichst vermieden.“/i2/ Diese hier dargestellte grundlegende Unterscheidung stellt den Mediationsansatz „Service­Delivery-Projekt“ im Vergleich zur eigentlichen Intension der Mediation in Frage. Die Anwendung der Idee des Service-Delivery-Projekts wird von Gruppen oder Personen bevorzugt, bei denen es um schnelle Lösungen geht, ggf. zur Entlastung von Gerichten. Die oben zitierte Aussage ist sicherlich richtig auch im Sinne einer möglichen Blockade von Lösungsansätzen, durch Emotionen. Jedoch gerade das Lösen dieser emotionalen Blockaden und das Öffnen für neue/andere Sichtweisen und dem Gestalten der Zukunft mit allen Informationen, seien sie emotional oder rational, führt erfahrungsgemäß zu einer optimalen Lösung. Schnell ist nicht immer gut.

1.8.2. Access-to-Jusitice-Projekt:

Die Idee dieses Ansatzes ist es, bestimmten Personengruppen einen leichteren Zugang zu einem wirksamen Konfliktlösungsansatz zu ermöglichen. Hilfe zu Recht, auch wenn Wissen und Mittel nicht zur Verfügung stehen, und dennoch dazu einen Weg zur Durchsetzung der eigenen Interessen zu haben, so kann man die grundlegende Idee des Access-to-Jusitice-Projekt beschreiben. Der Unterschied liegt dabei im Zugang zu einem Rechtssystem und nicht unbedingt auf schnell und kostengünstig, wie beim Service-Delivery-Projekt. Sicherlich gelten die genannten Vorteile auch im Fall des Access-to-Justice-Projekt, doch es ist nicht der Kern der Idee. Hier steht die Qualität vor der Geschwindigkeit im Vordergrund. „Während der Service-Delivery-Anspruch dahin zielt, das justizförmige Verfahren durch eine bessere Alternative zu ersetzen, in dem eher Effizienz als „Justice“ der wesentliche Maßstab für die Qualität der herbeizuführenden Einigung ist, will der Access-to-Justice-Ansatz das Gerichtsverfahren ergänzen, den Anspruch auf eine gerechte Konfliktlösung aber beibehalten.“/13/ Die Idee des Access-to-Justice wird z.B. gelebt in den Schieds- und Schlichtungsverfahren.

1.8.3. Individual-Autonomy-Projekt:

„Das Individual-Autonomy-Projekt betont einen elementaren Wesenszug von Mediation, nämlich dass die Parteien über den Ausgang des Konfliktes entscheiden, dass eine Einigung in ihren Händen liegt und nicht ein Dritter die Entscheidung trifft. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt im Individual-Autonomy-Ansatz weniger darauf, dass die Mediatoren durch ihr Mitwirken eine Einigung erzielt, sondern mehr darauf, dass die Parteien und ihre Interessen sich sowohl im Konfliktlösungsprozess als auch in seinem Ergebnis spiegeln.“/i4/ Hervorzuheben ist, dass die eigen­verantwortliche Herbeiführung, nicht die letztendliche Einigung, das charakteristische Merkmal ist. Geht es bei den beiden im Vorfeld genannten Ansätzen, einmal um die schnelle und kostengünstige Einigung, und beim zweiten Ansatz um den Zugang zu einer Art Rechtsqualität für bestimmte Personen-gruppen, zeigt sich jetzt einer der Kerngedanken der Mediation: Durch das gemeinsame Lösen erhalten die Parteien die erforderliche Konfliktlösungskompetenz, für den aktuellen Fall und für mögliche zukünftige Konflikte.

1.8.4. Reconciliation-Projekt:

Hier steht die Versöhnung der Konfliktparteien im Vordergrund. Die Versöhnungsqualität reicht von absoluter Versöhnung, über Herstellen der Kommunikation bis zur Respektierung des anderen Standpunktes. Sicherlich ist jegliche Art von Versöhnung, um in den Abstufungen zu bleiben, eine Verbesserung der Beziehungsqualität zwischen den Konfliktparteien, doch das ursprüngliche Ziel ist es nur bedingt. Wichtig bei der Mediation ist die Konfliktlösung für die Zukunft, die Versöhnung kann und darf nicht das alleinige Ziel sein. Eine Versöhnung im Sinne die Standpunkte zu verstehen und zu respektieren ist hilfreich, doch es geht um den aktuellen Konflikt und dessen Lösung (Befriedung) und die dafür erforderlichen Ideen und Maßnahmen, wie der aktuelle Konflikt gelöst werden kann, und wie Konflikten in derZukunftvorgebeugtwerden können, bzw. wie bei möglichen anderen Konflikten umzugehen ist. Das Ziel der Mediation ist es, eine selbstbestimmte Entscheidung zur Befriedung des Konfliktes zu ermöglichen. Der Versöhnungserreichungsdruck arbeitet gegen die Selbstbestimmung.

1.8.5. Gesellschaftliche Veränderung (Social-Transformation- Projekt):

Hierbei geht es um den Konflikt im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Ziel ist es den gesellschaftlichen Umgang mit Konflikten zu verändern. Gerade bei Konflikten im sozialen und politischen Umfeld bedarf es einer gesamtheitlichen Betrachtung. Gerade wegen der Selbstbestimmung der Konfliktparteien ist es wichtig, den Bezug und die Auswirkungen zur Gesellschaft zu berück-sichtigen. Es wird in zwei generelle Ausrichtungen im Sinne der gesellschaftlichen Veränderung unterschieden. Zum einen wird der Mediator derjenige, der durch sein Verhalten eine bestimmte gesellschaftliche Veränderung initiiert. D.h. externe Einflüsse stehen dabei im Vordergrund, und nehmen Einfluss. Hierdurch wird die Neutralität des Mediators stark in Mitleidenschaft gezogen. Eine andere Denkrichtung ist die, dass der Mediator lediglich Denkanstöße gibt, die in der Lösungsfindung ggf. berücksichtigt werden.

Dieses wäre dann im Sinne des Prinzips der Selbstbestimmung und - Verantwortung, da die Umsetzung der Denkanstöße und der Gestaltungsspielraum in den Händen der Konfliktparteien liegt.

3. Wirtschaftsmediation

3.1. Beschreibung derWirtschaftsmediation

„Wirtschaftsmediation ist Mediation wie Familienmediation oder Mediation im Täter-Opfer-Ausgleich: Von den Grundregeln her also nichts Neues. Das Besondere an der Wirtschaftsmediation ist einzig, dass sie in einem wirtschaftlichen Umfeld stattfindet oder dass die Parteien Unternehmen, Unternehmer oder Manager sind. Dadurch wird der Charakter solcher Mediationen geprägt.“/15/

3.2. Arten von Wirtschaftsmediationen

Es wird in zwei Arten von Wirtschaftsmediationen unterschieden.

3.2.1. Wirtschaftsmediationzwischen Unternehmen

Zum einen: Wirtschaftsmediation zwischen Unternehmen. Als Alternative zu einem Gerichtsverfahren versuchen die Verantwortlichen eines Unternehmens mit ihren Anwälten einen Konflikt zwischen den Unternehmen zu lösen. „Dabei wird versucht, diesen Konflikt durch Interessensausgleich (Mediation) zu lösen. Diese Mediationen laufen meistens vor einem juristischen Hintergrund als BATNA (Best Alternative to Negotiated Agreement) ab: Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, ist der Prozess im Regelfall die Alternative.“/16/ Da Anwälte bereits involviert sind, und die Alternative der juristische Weg ist, wird auch von der Anwaltsmediation oder der juristischen Mediation gesprochen. Im eigentlichen Sinne der Mediation an für sich falsch.

3.2.2. Mediation im Unternehmen

Die andere Art derWirtschaftsmediation ist die Mediation im Unternehmen, „in welcher meistens Manager oder Mitarbeiter ein und desselben Unternehmens versuchen, einen vertikalen (die Beteiligten befinden sich auf verschiedenen Hierarchieebenen) oder horizontalen (die Beteiligten sind auf der gleichen Hierarchieebene, z.B. Teamkonflikte) zu lösen, der meist nicht vor einem juristischen Hintergrund abläuft.“imi Ausnahme können Mediationen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat sein. Das besondere an der Mediation im Unternehmen ist, dass es sehr stark beziehungsbetonte Konflikte sind. Hinter Sachthemen sind ggf. schon seit längerem schwelende emotionalen Befindlichkeiten versteckt, die das miteinander arbeiten und reden extrem erschweren. Da die Kündigung die letzte Konsequenz ist, ist die Zielsetzung die weitere Zusammenarbeit zu ermöglichen, letztendlich sind die Beteiligten aufeinander angewiesen oder leisten einen Erfolgsbeitrag für das Unternehmen, bzw. einen Misserfolgsbeitrag für das Unternehmen, wenn der Konflikt nicht gelöst wird. D.h. die Auswirkungen treffen Unbeteiligte.

3.3. Ziele derWirtschaftsmediation

„Die Wirtschaftsmediation richtet sich mehr nach ökonomischen als nach dogmatischen Prinzipien.“/18/ In derWirtschaftsmediation „geht es nicht um die richtige oder falsche Weltansicht. Wohl auch, anders als bei der Familienmediation, dass es bei einer Wirtschaftsmediation, wenn die Parteien in Zukunft nicht mehr miteinander agieren, nicht so sehr darauf ankommt, dass die Parteien sich verstehen, sondern dass der Konflikt erfolgreich beendet wird. Die Messkriterien sind hier nicht richtig oder falsch, sondern erfolgreich oder erfolglos. Dies gilt insbesondere für so genannte distributive Mediationen, bei denen der Kuchen nicht größer gemacht werden kann, sondern einzig und alleine um eine faire Teilung.“ /19/ Geht es bei anderen Mediationen um das ehrbare Ziel der Befriedung, geht es bei der Wirtschaftsmediation zu ersten um die Beendigung; folgt dann auch noch eine Befriedung, dann ist das ein tolles on-top-Ergebnis. Zusammenfassend ist zu sagen: „Bei der Wirtschaftsmediation geht es nicht um richtige oder falsche Vorgehensweisen, sondern um effiziente Verfahren oder ineffiziente Verfahren, um Verfahren also, die etwas leisten oder solche, die nichts leisten. Erfolg oder Misserfolg ist Unterscheidung und nicht richtig oder falsch. Unter ökonomischen Gesichtspunkten, unter denen die Wirtschaft steht, werden selbstverständlich die Verfahren vorgezogen, die etwas leisten und Erfolg versprechen. Es werden also solche Verfahren bevorzugt, die bessere Resultate liefern als andere.“/i8/

3.4. Messgrößen der Ziele der Wirtschaftsmediation

Einfach gesagt: erfolgreich bzw. nicht erfolgreich. Wann ist eine Wirtschaftsmediation erfolgreich? Gibt es dabei einen Unterschied zur „normalen“ Mediation, wenn diese auch erfolgreich bzw. nicht erfolgreich war? Orientiert sich eine „normale“ Mediation an einen 5-Phasen-Modell, folgt die Wirtschaftsmediation einem 7-Phasen-Modell (siehe auch /19/):

1. „Opening (Die Medianten hören sich die Regeln des Verfahrens an; Denk-Prozess wird aktiviert - 3rd position (siehe Definitionen)
2. Positionen (Die Erwartungen an die andere Seite werden verbalisiert; der Fühlen-Prozess wird aktiviert - 1st position (Siehe Definitionen)
3. Risikoanalyse (Wirtschaftsmediation) (Die Medianten sollen überlegen, für was sie sich entscheiden/was sie verwirklichen wollen; der Denken/Erkennen-Prozess wird aktiviert - 3rd und 4th position (siehe Definitionen)
4. Interessen (Die Medianten sollen sich ihrer intrinsischer Antreiber bewusst werden; der Fühlen/Einfühlen-Prozess wird aktiviert - 1st Und 2nd position (Siehe Definitionen)
5. Gemeinsame Vision/Mission (Wirtschaftsmediation) (Es heißt nun Gemeinsamkeiten zu finden; der denken/erkennen - Prozess wird in den einfühlen/fühlen-Prozess transportiert; von 3rd + 4th zu 2nd + 1st position
6. Optionen (Der Mediator führt in die Fähigkeiten-Ebene zurück und durch alle Wahrnehmungspositionen. Es ergeht die Aufforderung eine für alle Wahrnehmungspositionen passende und nachhaltige Lösungsoption auszuwählen, d.h. eine win-win-win-win-Option
7. Lösungen“ WiMed Teil 1, S 45 (Zurückführen in die Umwelt­/Verhaltens-Ebene in die 1st position (fühlen). Auswahl der gefühlt besten Lösungsoption für die Realität.

Alle diese Phasen haben eines gemeinsam: Die Phase ist nur dann erfolgreich, wenn es zu Aktivitäten kommt. Daher ergibt sich eine grundsätzliche Gemeinsamkeit zur „normalen“ Mediation. Es geht immer um eine Verhaltensänderung. Reiner Ponschab und Adrian Schweizer beschreiben im /20/, die einzelnen Phasen sehr genau und bietet hilfreiche Verhaltenstechniken und Methoden für den Mediator an.

Ob eine Mediation erfolgreich ist (gilt für die „normale“ Mediation und die Wirtschafts-mediation) ist davon abhängig, ob es zu einer Verhaltensänderung durch die Veränderung der Gefühle kommt. Konkret bedeutet dieses: „Der Schritt von den Positionen zu den Interessen darf nicht ein kognitiv durchgeführt werden, wenn er einen Erfolg bringen soll, der über den, durch die „mediative Allianz (Siehe Definitionen) herbeigeführt wird, herausgehen soll. Er muss die Emotionen, welche die eigenen Positionen und die dahinterliegenden Interessen induzieren ergänzen durch das Nachfühlen der fremden Positionen und der dahinter liegenden Interessen!“/21/ Davon auszugehen, dass eine erforderliche Verhaltensänderung erreicht wird, wenn die Parteien die Mediation als gerecht empfinden, könnte ein allgemeines, für beide Mediationen (normale Mediation und Wirtschaftmediation) Wirkungsmodell folgendes sein:

Verfahren ist gerecht - ich bin bereit mein Verhalten zu verändern - durch diese Verhaltensänderung werden Lösungsoptionen verhandelt - dadurch werden die Ziele erreicht

AIS gerecht empfunden Wird, wenn (teilweise rezitiert aus /22/):

- Alle Parteien erhalten gleiches Gehör zur Darstellung ihrer jeweiligen Sichtweise und gewinnen den Eindruck, dass ihre Sicht aufgenommen, verstanden und erwogen wurde
- Entscheidungen werden nicht arbiträr (siehe Definitionen), sondern auf Grund von objektiven Kriterien getroffen
- Wahrheiten sind nachprüfbar
- Konsistente Anwendung von Prinzipien
- Neue Erkenntnisse ermöglichen neue Entscheidungen
- Ethnische Prinzipien flankieren die Entscheidungsfindung

„Dies alles erleben die Parteien wohl als Unparteilichkeit der Autoritäten und Entscheidungsgremien und beurteilen die Entscheider als fair, das Verfahren als gerecht, auch wenn das Ergebnis hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt. Von besonderer Bedeutung ist der sog. Just procedure effect (Greenberg/Folger, 1983, Van den Bos et. AI., 1997), der besagt, dass auch Entscheidungen (inklusive Strafurteile) von den Betroffenen als gerecht angesehen werden,

wenn sie das Verfahren als fair einschätzen.“/23/ Vor diesem Hintergrund könnte eine empirische Evaluation in die Richtung gehen, Mediator­verhalten (hier sind Verhaltensmuster zu definieren) und das Evaluationsergebnis: Mediation war gerecht/ungerecht. Sozusagen als kleiner Wirkhebel für die gesamte Mediation. Ein Beispiel für Verhaltensmuster: „Eine andere Linie der Forschung über Verfahrensgerechtigkeit wurde von Tom Tyler initiiert (Lind/Tyler, 1988). Sie haben beobachtet, dass schon eine respektvolle Behandlung vor Gericht von den Betroffenen als Fairness interpretiert wird. Auch angeklagte Straftäter erleben ein Verfahren, in dem sie respektvoll und höflich behandelt werden, eher als fair und gerecht (Tyler, 1991; Lind, 1994; Haller/Machura/Bierhoff, 1995)“/24/ Ebenso sehen dieses Gewalttäter in Bezug zu den Strafurteilen, d.h. diese werden eher akzeptiert (siehe 22). Diese o.g. Informationen können unter dem Arbeitstitel Prinzipien der psychologischen Verfahrensgerechtigkeit zusammengefasst werden und sind Bestandteil jeder Mediation. In der Mediation werden diese Prinzipien in den sogenannten Kommunikationsregeln zusammen­gefasst und sind für alle bindend. Ein Beispiel für diese Kommunikations­regel sind in /22/ aufgeführt. Im Rahmen einer Wirksamkeitsevaluierung könnte jetzt zum Beispiel gefragt werden: Wurde gemeinsame

Kommunikationsregeln vereinbart und wurde die Umsetzung eingehalten? Je nach Ausfall der Antworten ergibt sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein Einfluss auf die Gerechtigkeitswahrnehmung der Beteiligten und somit auf die Qualität der eigene Mitarbeit an der Konfliktlösung und somit eine Bezug zur Wirksamkeit des Verfahrens. Darauf aufbauend könnten auch die Inhalte des Mediator Aufgabenkataloges, (siehe /22/ s. 12), als Verhaltenskriterien weiter geschärft werden, damit diese konkret beobachtbar und somit evaluierbar sind. Auf dieser Basis könnte dann eine verfeinerte Evaluierung durchgeführt werden. Nachfolgend ein Auszug aus dem erwähnte Aufgabenkatalog mit einem abschließenden exemplarischen Wirkungsmodell: „die normative Erwartungen der Parteien zu artikulieren, zu reflektieren und deren alleinige Geltung zu relativieren“/25/ Diese Aufgabenbeschreibung des Mediators ist insofern wichtig, da die von einer Partei erlebte Verletzung der eigenen und somit subjektiven Wertvorstellung, die jedoch als normativ angesehen wird, für den sozialen Konflikt sorgt. Daraus entwickelt diese Partei eine Position, deren Ursprung in einem verletzten Interesse liegt. Gelingt es in der Mediation nicht die Position von den Interessen zu trennen, bzw. letztere herauszufinden, ist der Kern der Mediation nicht getroffen und die Erfolgswahrscheinlichkeit sinkt. Der Mediator hat für diese Aufgaben einen Werkzeugkasten mit kommunikativen Werkzeugen (Fragetechnik, aktives hören, Kontrollierter. Dialog etc.) und div. Techniken um die Interessen herauszufinden (Aufstellungsmethode, Skalierung etc.) sowie Kreativitätstechniken um Lösungsoptionen zu generieren, die beide Interessen bedienen. Das Wirkungsmodell daraus abgeleitet könnte folgendes sein:

Kommunikative Techniken angewendet - Positionen von Interessen dadurch erkenn- und trennbar - Kreativitätstechniken angewendet - eine Vielzahl von Lösungsoptionen - Mediation war erfolgreich ja/nein

3.5. Einflussfaktoren auf die Ziele der Wirtschaftsmediation

Das konkrete Ziel der Wirtschaftsmediation: Es war eine erfolgreiche Mediation! Bei den sogenannten distributiven Mediationen, d.h. der Kuchen konnte nicht vergrößert werden, sondern die Aufteilung/Verteilung wird als fair, als gerecht empfunden. In anderen Wirtschaftsmediationen gilt der Wunsch der Beteiligten sich und ihr Wissen und ihre Fertigkeiten in das Verfahren einzubringen, und dass sie somit auf einen zügigen Abschluss einen Einfluss nehmen können.

3.6. Erfolgsparameter

Damit ergeben sich folgende Erfolgsfaktoren:

1.) Faire/gerechte Kuchenverteilung

2.) „Gefühlte“ eigene Einflussnahme auf Lösungsinhalte und zeitlichen

Ablauf (Gefühlt, da es keine objektive Größe gibt, sondern nur eine eigen subjektive Wahrnehmung)

Wie dargestellt reden wir über einen „gefühlten“ Erfolg, immer aus Sicht der Beteiligten. D.h. einen objektiven Erfolg gibt es nur in der eigenen Wahrnehmung der einzelnen Partei, ggf. in der Summe aus beiden Einzelwahrnehmungen.

Durch die Mediation (Verfahren, Mediator) wirkende Faktoren auf die beschriebenen Einflussfaktoren. Es ist zu klären, auf welche Art und Weise eine Mediation (als Verfahren) und/oder der Mediator in seinem Verhalten einen positiven Erfolgsbeitrag für eine, in der Wahrnehmung der Konfliktparteien, erfolgreiche Mediation geleistet hat. Der Versuch der Beschreibung einer Erfolgsformel: Die Konfliktparteien bemerken, dass sie sich selbst verändern. Sie verstehen die Konfliktauslösung als im Kern entstanden, aber nicht durch andere ausgelöst, sondern durch die eigene Betrachtungsweise bezogen auf anderen. „Um dieses erkennen zu können bedarf es der Verhaltensänderung sich in andere einzufühlen und zu erkennen, dass man selbst Ursache und Wirkung in einem interaktiven System ist, und somit zum Gestalter wird; positiv wie negativ. D.h. je schneller eine einfühlende Verhaltensänderung erreicht wird, umso schneller werden die Verhaltensmuster abgelegt, die das System instabil machen.

3.7. Art und Weise der Einwirkung

Diese genannten Verhaltensänderung ist das Ergebnis eines durch den Mediator kommunikativ flankieren Mediationsprozess nach dem 7-Phasen- Modell. Für die innerbetriebliche Mediation im Rahmen einer Wirtschaftsmediation wird das 3-Phasen-Modell vorgeschlagen:

1. „Investigation (Einzelgespräche führen die jeweilige Sicht des Konfliktes, der Ursachen und die Lösungsoptionen zum Vorschein)
2. Design (mittels dem Paternoster (wird nachfolgend beschrieben) wird ein Konfliktlösungskonzept gestaltet)
3. Solution (Umsetzung des Konfliktlösungskonzeptes nach Bestätigung der Umsetzung durch den Auftraggeber)“^/
3.8. Der Paternoster der Konfliktlösung

Der Paternoster der Konfliktlösung (nach Schweizer/Dilts/Wilber/Einsten), (siehe /15/ Seite 46ff). Es ist ein Konzept, welches auf 6 Modellen basiert.

Modell der logischen Ebenen (siehe/26/) - Von Positionen zu Interessen zu Optionen.

- Erfolgsbeitrag des Mediators: Diese Ergebnisse in kürzester Zeit erreicht. Beitrag der Konfliktparteien: aktive Mitarbeit, d.h. eine Verhaltensänderung Albert Einsteins Hypothese, dass Probleme nicht auf derselben Ebene gelöst werden können, auf der sie entstanden sind (siehe /27/)
- Erfolgsbeitrag des Mediators: Die Konfliktparteien lassen sich auf diese Interaktionsrichtung ein: Verhaltensänderung Modell der 9-Haupt-lnteressen. Definition von Interessen und die Zielsetzung des Interessensausgleichs (siehe/28/)
- Erfolgsbeitrag des Mediators: Interessen als gemeinsame Basis erkennen und den Ausgleich der Interessen gemeinsam voranzutreiben: Verhaltensänderung Modell der 4-Wahrnehmungspositionen: Mediaten verknüpfen Gefühle und Gedanken zu einem Lernprozess, d.h. emotionales und rationales Verhandeln kann im Sinne der Lösung Lösungsorientierung verwendet werden
- Erfolgsbeitrag des Mediators: lösungsorientiertes Handeln: Verhaltensänderung

3. Hypothesenaufstellung: Subsumiertes Ergebnis der Mediation: eine Verhaltensänderung der Medianten

Das Verlassen der eigenen Position und das Zulassen von Diskussionen. Das Reflektieren, Verstehen und Abstrahieren von anderen Positionen und die dahinter stehenden Interessen lässt sich durch eine veränderte Einstellung beschreiben.

3.1. Verhaltensänderung in der Mediation

D.h. im Rahmen der Mediation wird die Perspektive geändert und führt zu einem anderen Verhalten. D.h. das Mediationsergebnis an sich ist eine Verhaltensänderung, welche sich durch nachfolgende Kriterien (eine kleine beobachtbare Auswahl; eine detailierter Darstellung ist in der Literatur aktuell nicht recherchiert worden), beschreiben lässt:

- Minimierung von Zwischenrufen
- Minimierung von Pauschalisierungen, ggf. Beleidigungen, in Abrede stellen etc.
- Veränderung der Körpersprache, weg von der konfrontativen hin zu offenen Körperhaltung
- Änderung der Dialogrichtung, weg von der Kommunikation über Dritte hin zu einer Kommunikation zur anderen Partei
- Aktives hören steht im Vordergrund
- Reflektieren, Abstrahieren, Verstehen, Verständnis für andere Positionen und Interessen
- Steigerung der Emphatie
- Beziehungsaufbau, Vertrauensaufbau
- Einbringen von qualitativen Lösungsoptionen
- Einlassen auf neue Lösungsoptionen, Bewertungskriterien etc.
- Einsicht für eine entschiedene Lösungsoption
- Eigenes Einbringen von Ressourcen (Zeit, Geld, Motivation) zur Realisierung der ausgewählten Lösungsoption

3.2. Kritische Würdigung zu 3.1.

Dieses ist eine vereinfachte Darstellung der einzelnen Verhaltensweisen. Leider liegt keine vollständige Darstellung aller relevanten Verhaltens­weisen bzw. deren Messgütekriterien und Kausalitäten vor. Das könnte ebenfalls ein weiteres Thema sein, was zu erforschen ist, um ein belastbares Wirkungsmodell der Mediation darzustellen und die Wirkungshebel isoliert zu erforschen um das Ergebnis (also die Wirkung der Mediation) zu beeinflussen. Der Begriff Verhaltensänderung wird im Transtheoretischen Modell beschrieben und in Phasen dargestellt. Demzufolge wirkt das Mediationsverfahren auf diese sechs Phasen (Stadien der Verhaltensänderung).

4. Transtheoretisches Modell (komplett rezitiert)

4.1. Beschreibung des Transtheoretischen Modell

„Das Transtheoretische Modell (TTM, „Transtheoretical Model“) ist ein Konzept zur Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung von intentionalen Verhaltensänderungen. Das von James O. Prochaska von der University of Rhode Island und seinen Kollegen entwickelte Modell basiert auf der Annahme, dass Änderungsprozesse mehrere qualitativ unterschiedliche und sukzessive aufeinander aufbauende Stufen durchlaufen. Deshalb wird das Transtheoretische Modell auch als Stufenmodell der Verhaltensänderung bezeichnet ("Stages of Change“). Das Modell wurde auf unterschiedliche Gesundheitsverhaltensweisen, z. B. Tabakrauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Bewegung/ Sporttreiben adaptiert.

4.2. Stadien der Verhaltensänderung

Im Kern postuliert das Modell sechs Stadien der Verhaltensänderung ("Stages of Change"):

1. Im Absichtslosigkeitsstadium („Precontemplation“) haben Personen keine Absicht, ein problematisches Verhalten zu verändern.
2. Im Absichtsbildungsstadium („Contemplation“) haben Personen die Absicht, irgendwann das problematische Verhalten zu verändern.
3. Im Vorbereitungsstadium („Preparation“) planen Personen konkret, demnächst ihr problematisches Verhalten zu ändern und unternehmen erste Schritte in Richtung einer Verhaltensänderung.
4. Im Handlungsstadium („Action“) vollziehen Personen eine Verhaltensänderung.
5. Im Aufrechterhaltungsstadium („Maintenance“) haben Personen seit einem längeren Zeitraum das problematische Verhalten aufgegeben.
6. Im Abschlussstadium („Termination“) ist das alte Verhalten dauerhaft aufgegeben, das neue Verhalten ist verinnerlicht und wird aufrechterhalten.

Das 6. Stadium ist in der Originalliteratur von Prochaska und di Clemente nicht enthalten. Es wurde später von anderen Autoren vereinzelt hinzugefügt und ist nicht für alle Anwendungsfelder gleich sinnvoll (Sucht, Bewegung).

4.3. Veränderungsprozesse

Weiterhin beinhaltet das TTM Veränderungsprozesse („Processes of Change“), definiert als Aktivitäten und Ereignisse, die ein problematisches Verhalten und damit zusammenhängende Kognitionen und Emotionen beeinflussen und verändern. Die Veränderungsprozesse ermöglichen und fördern das Durchlaufen der Stadien der Änderungsbereitschaft, d. h. sie beschreiben, wie Personen von einem Stadium in das nächste fortschreiten. Es wurden zehn Veränderungsprozesse identifiziert, die sich entlang zweier Dimensionen als auf das Erleben bezogene, kognitiv­affektive Prozesse („Cognitive-affective Processes“) und verhaltens­orientierte Prozesse („Behavioral Processes“) kategorisieren lassen.

4.3.1. Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse

Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse sind

- „Steigern des Problembewusstseins“ („Consciousness Raising“),
- „Emotionales Erleben“ („Dramatic Relief“),
- „Neubewertung der persönlichen Umwelt“ („Environmental Réévaluation“),
- „Selbstneubewertung“ („Self-Reevaluation“), und
- „Wahrnehmen förderlicher Umweltbedingungen“ („Social Liberation“),

4.3.2. Die fünf verhaltensorientierten Prozesse

Die fünf verhaltensorientierten Prozesse sind

- „Gegenkonditionierung“ („Counterconditioning“),
- „Kontrolle der Umwelt“ („Stimulus Control“),
- „Nutzen hilfreicher Beziehungen“ („Helping Relationships“),
- „(Selbst-) Verstärkung“ („Reinforcement Management“), und
- „Selbstverpflichtung“ („Self-Liberation“).

Neben den Stadien und Prozessen enthält das Modell die Entscheidungsbalance („Decisional Balance“) und die Selbstwirksamkeitserwartung („Self-Efficacy“). Die Entscheidungsbalance thematisiert die wahrgenommenen Vorteile („Pros“) und Nachteile („Cons“) einer Verhaltensänderung.

4.4. Selbstwirksamkeitserwartung

Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt zum einen die Zuversicht ("Confidence"), ein erwünschtes Verhalten in schwierigen Situationen ausüben zu können, und zum anderen die Versuchung ("Temptation"), in schwierigen Situationen das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Drei generelle Arten von Versuchungssituationen lassen sich unterscheiden, nämlich Situationen mit positivem Affekt oder soziale Situationen („Positive Affect/Social Situations“), Situationen mit negativem Affekt oder emotionalem Stress („Negative Affect Situations“), sowie habituelle Situationen oder Gewohnheit („Habitual/Craving Situations“). Im TTM werden für die Veränderungsprozesse, die Vor- und Nachteile, sowie die Selbstwirksamkeitserwartung charakteristische Verläufe über die Stadien der Änderungsbereitschaft hinweg postuliert. Kognitiv-affektive Prozesse sind besonders in frühen Änderungsstadien, verhaltensorientierte Prozesse besonders in den späten Änderungsstadien von Bedeutung. Über die Stufen hinweg nimmt die Gewichtung wahrgenommener positiver Handlungsergebniserwartungen zu, wohingegen die Gewichtung negativer Aspekte einer Verhaltensänderung abnimmt. D.h. es entsteht eine positive Balance zugunsten der wahrgenommenen Vorteile einer Verhaltens­änderung. Der Zeitpunkt, an dem sich das Negativ-Positiv-Verhältnis umkehrt ist in etwa nach der 3. Phase (Vorbereitungsphase) anzusiedeln. Also im Übergang von präaktional (siehe Definitionen) zu aktional. Die Versuchung soll vom Absichtslosigkeits- bis zum Aufrechter­haltungsstadium kontinuierlich absinken, die Zuversicht soll entsprechend ansteigen. Das TTM hat in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eine umfassende empirische Überprüfung erfahren. Auch durch Interventionsstudien (vor allem zum Tabakrauchen) konnte die Nützlichkeit und Praktikabilität des Modells belegt werden.

Die Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald forscht im Institut für Sozialmedizion und Prävention an Verhaltensinterventionen zur Verminderung von Morbidität und Mortalität bei häufigen Erkrankungen zu ermöglichen. In wie weit hier weitere Hinweise bzw. Kausalitäten gefunden werden können, muss noch weiter geklärt werden, wird den Rahmen dieser Arbeit sicherlich sprengen. Doch es scheint vielversprechend zu sein, ein belastbares Modell zu kennen, welches den Prozess der Verhaltensänderung beschreibt, in die Mediation zu transportieren. Beschreibung des erforderlichen Verhaltens (die Verhaltensänderung) zur Realisierung der Lösungsoptionen, unter der Annahme, dass die ausgewählten Lösungsoptionen das tatsächlich beste Ergebnis darstellt. D.h. die Wirksamkeit der Mediation wird unter der Annahme betrachtet, das die Verhaltensänderung das eigentliche Ergebnis des Mediations­verfahrens ÌSt.“/29/ 5. Evaluation- Evaluierungsanforderungen (komplett rezitiert)

5.1. Begriffsklärung

„Evaluation oder Evaluierung (aus lateinisch valere „stark, wert sein“) bedeutet sach- und fachgerechte (Untersuchung und) Bewertung.

5.2. Überblick

Unter Evaluation wird meist die Bewertung bzw. Begutachtung von Projekten, Prozessen und Organisationseinheiten verstanden. Dabei können Kontext, Struktur, Prozess, Aufwand und Ergebnis einbezogen werden. Im Allgemeinen lässt sich als Evaluation auch die grundsätzliche Untersuchung begreifen, ob und inwieweit etwas geeignet erscheint, einen angestrebten Zweck zu erfüllen. Im Sprachgebrauch werden auch Evaluation, Untersuchung und Analyse gleichbedeutend im Sinne einer Bestandsaufnahme ohne besondere Zweckorientierung gebraucht. Anwendungsbereiche der Evaluation sind etwa Bildung, Soziale Arbeit, Verwaltung, Wirtschaft oder Politikberatung. Für eine Evaluation werden Daten methodisch erhoben und systematisch dokumentiert, um die Untersuchung, das Vorgehen und die Ergebnisse nachvollziehbar und überprüfbar zu machen. Standardverfahren zur internen und externen Datenerfassung sind Befragung,

Beobachtung, Monitoring, Test, Fragebogen, und Materialanalyse. Die Bewertung erfolgt durch den Vergleich der ermittelten Ist-Werte mit vorher explizit festgelegten, operationalisierten und begründeten Soll-Werten anhand festgelegter Indikatoren. Evaluation muss bestimmte Gütekriterien erfüllen: neben den Grundvoraussetzungen Nützlichkeit und Objektivität sind dies Reliabilität, Validität, Ökonomie und Normierung. Evaluation dient der rückblickenden Wirkungskontrolle, der vorausschauenden Steuerung und dem Verständnis von Situationen und Prozessen. Anhand der Evaluationsdaten können untersuchte Prozesse angepasst und optimiert werden. Man unterscheidet abhängig vom Einsatzzeitpunkt antizipatorische oder prospektive Evaluation (vor), prozessbegleitende formative Evaluation (während) und ergebnis-bewertende summative Evaluation (nach). Mit der Forschung verbindet Evaluation das Bemühen um empirische Überprüfbarkeit, allerdings untersucht sie konkrete Einzelfälle und ist praxisorientiert.

5.3. Wortherkunft

Das Wort Evaluation (Bewertung, Auswertung) wurde zuerst im 19. Jahrhundert im Französischen verwendet, mit Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Englischen. In den USA ist es im modernen Verständnis seit den 1930er Jahren gebräuchlich (seit der Eight-Years-Study 1933-1941 von Ralph W. Tyler u. a.). Tylers verhaltensorientiertes Konzept wurde nach dem Sputnikschock 1957 in der danach einsetzenden Bildungsreform kritisiert und verändert. In Deutschland wurde das englische Wort Evaluation Ende der 1960er Jahre aus dieser amerikanischen Tradition übernommen; wichtig dafür wurde eine von Christoph Wulf herausgegebene Sammlung von Übersetzungen englischsprachiger Publikationen v. a. im Kontext der Curriculumsforschung. Die Wortbedeutung „Bewertung“ wurde dabei zunächst verengt auf die Bewertung insbesondere der Arbeit von Bildungsinstitutionen (die Curriculum-Entwicklung seit den 30er-Jahren). Inzwischen wird, wie in den USA seit langer Zeit, auch in anderen sozialen Handlungsbereichen in Deutschland „evaluiert“.

5.4. Abgrenzung

Professionell durchgeführte Evaluationen unterscheiden sich nach Balzer durch folgende Kriterien von alltäglicher Bewertung:

- Auf klar definierten Gegenstand bezogen
- Von Experten durchgeführt
- Bewertung anhand präzise festgelegter und offengelegter Kriterien (Evaluations-/Bewertungskriterien)
- Informationsgewinnung durch empirische Datenerhebung
- Systematische Informationsbewertung anhand bestimmter Regeln

Balzer unterscheidet: „Evaluation ist ein Prozess, ... bei dem nach zuvor festgelegten Zielen und explizit auf den Sachverhalt bezogenen und begründeten Kriterien ein Evaluationsgegenstand bewertet wird. Dies geschieht unter Zuhilfenahme sozialwissenschaftlicher Methoden durch Personen, welche hierfür besonders qualifiziert sind. Das Produkt eines Evaluationsprozesses besteht in der Rückmeldung verwertbarer Ergebnisse in Form von Beschreibungen, begründeten Interpretationen und Empfehlungen an möglichst viele Beteiligte und Betroffene, um den Evaluationsgegenstand zu optimieren und zukünftiges Handeln zu unterstützen.“ Die Beurteilung von Personen oder Institutionen, die mit (oftmals negativen) Sanktionen verbunden ist, ist zu unterscheiden von der Beurteilung von Maßnahmen, die auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden und als Evaluation im eigentlichen Sinne bezeichnet werden können. Auf der Basis einer Zielvereinbarung wird eine Ausgangserhebung durchgeführt, es werden daraufhin Maßnahmen geplant, mit denen die Ziele erreicht werden sollen. Dann müssen Messinstrumente / Beurteilungskriterien entwickelt werden, mit denen man überprüfen kann, ob die Maßnahmen zum Erfolg geführt haben. Eventuell nach Zwischenerhebungen während der Durchführung wird in einer Schlusserhebung der Erfolg der Maßnahme überprüft, um daraus neue Zielvereinbarungen zu treffen und erneut in den Kreislauf einzutreten. Betroffene sollen zu Beteiligten werden, so dass der Prozess konsensual verläuft und nicht durch fremde Interessen und unklare Kriterien bestimmt wird.

5.5. Modelle

Es gibt im Wesentlichen drei verschiedene Richtungen in der Evaluation:

5.5.1. Methodenorientierte Evaluation:

- Objectives-Oriented Evaluation (R. Tyler)
- The methodological View (Donald T. Campbell)
- Evaluative Research (E. A. Suchman)
- Causal Generalization (T. Cook)
- Theory Driven Evaluation (H.-T. Chen)
- Evaluation as Art (L. J. Cronbach)

5.5.2. Nutzenorientierte Evaluation

- CIPP Model (D. L. Stufflebeam)
- Evaluation Research, Political Context & Enlightment (C. H. Weiss)
- Utilization-focused Evaluation (M. Q. Patton)
- The Four Levels (Donald Kirkpatrick)
- Empowerment Evaluation (D. Fettermann)

5.5.3. Bewertungsorientierte Evaluation

- Valuing (M. Scriven)
- Responsive Evaluation (R. E. Stake)
- 4th Generation - Constructivist Evaluation (Guba & Lincoln)
- Adversery Evaluation (Owens & Wolf)
- Connoisseurship Model (E. W. Eisner)

[...]

Details

Seiten
151
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668510852
ISBN (Buch)
9783668510869
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374602
Note
Schlagworte
evaluation vertrauen mediation wirksamkeit wirtschaftsmediation nachhaltigkeit verhaltensänderung evaluationsforschnung personalentwicklung returnoninvestment roi

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Titel: Evaluation und Vertrauen in der Mediation. Zur Wirksamkeit von Wirtschaftsmediation