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Über Aristides de Sousa Mendes. Der "Schindler" von Portugal

Wissenschaftlicher Aufsatz 2017 11 Seiten

Romanistik - Portugiesische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Die deutsche Besetzung Frankreichs

2. Die äußeren Umstände in Europa vor der Ernennung Aristides de Sousa Mendes zum Konsul Portugals in Bordeaux

3. Der portugiesische Konsul in Bordeaux

4. Der ungehorsame portugiesische Konsul

5. Die Bestrafung des Konsuls in der Heimat

6. Die späte Rehabilitierung des portugiesischen Konsuls

7. Resumo

8. Literatur

9. Internet

O Senhorépara Portugal a melhor das propagandas, éuma honra para a sua pátria. Todos aqueles que o conheceram louvam a sua coragem, o seu grande coração, o seu espírito cavalheiresco, e acrescentam: se os portugueses se parecem com o Cônsul Geral Mendes, são um povo de cavalheiros e de heróis.“[1]

0. Einleitung

Was geht in einem Menschen vor, wenn vor seiner Haustür Tausende von Flüchtlingen stehen, die er vor der Vernichtungsmaschinerie der deutschen Besatzungsmacht im okkupierten Frankreich bewahren kann? „Wer ein Leben rettet, rettet die Welt“ – diese Inschrift auf dem Grabstein von Sousa Mendes – war in Portugal jahrzehntelang der einzige Hinweis auf die Verdienste des Mannes, der 1940 als portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux 30.000 Menschen verschiedenster Nationalitäten, darunter 10.000 Juden, durch Ausstellung von Visa vor den Nazis in Sicherheit gebracht hatte.

Wer war dieser ungewöhnliche Mann? Aristides de Sousa Mendes do Amaral e Abranches war ein portugiesischer Diplomat. Er gilt als der „portugiesische Schindler“ und wird als einer der „Gerechten unter den Völkern“ geehrt.

1. Die deutsche Besetzung Frankreichs

Die deutsche Eroberung von Paris hatte in Frankreich am 16. Juni 1940 die Ersetzung der Regierung Reynaud durch die Regierung Pétain zur Folge, die erklärtermaßen eine Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges durch Frankreich für aussichtslos hielt. Sie schloss am 22. Juni 1940 mit Hitlerdeutschland den Waffenstillstand von Compiègne. Dieser teilte das französische Staatsgebiet in eine besetzte und eine unbesetzte Zone. Einer deutschen Militärverwaltung unter dem „Militärbefehlshaber in Frankreich“, mit Sitz in Paris, General Otto von Stülpnagel, unterstand Nord- und Westfrankreich mit den wichtigen Industriegebieten im Norden sowie der gesamten Kanal- und Atlantikküste bis zur spanischen Grenze. Die nördlichen Départements wie Nord und Pas-de-Calais wurden dem deutschen Militärbefehlshaber, General Alexander von Falkenhausen mit Sitz in der belgischen Hauptstadt Brüssel unterstellt. Das Territorium des Reichslandes Elsass-Lothringen, das Deutschland 1919 im Friedensvertrag von Versailles an Frankreich hatte abtreten müssen, wurde den Gauleitern der Reichsgaue Baden und Saarpfalz als die Gebiete „Elsass“ bzw. „Lothringen“ unterstellt. In Frankreichs unbesetzten Süden war der Badeort Vichy im Département Allier ab Juli 1940 der Sitz der neuen französischen Regierung mit dem Staatsoberhaupt und Ministerpräsidenten Marschall Henri Philippe Pétain.

Das Vichy-Regime entwickelte rasch eine Politik der Kollaboration mit den Deutschen. Dieses Regime beteiligte sich aktiv am Kampf gegen den französischen Widerstand – die Résistance – und führte wie die deutschen Behörden in der Nordzone auch selbst eine Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der unbesetzten Zone im Süden Frankreichs („Südzone“) durch. Während der Besatzungszeit wurde der besetzte Osten in fünf verschiedene Verwaltungsbereiche eingeteilt und in das Deutsche Reich eingegliedert sowie einer Militärverwaltung (Sitz des Militärbefehlshabers in Paris) unterstellt. In jedem „Verwaltungsbezirk“ des durch Hitler-Deutschland besetzten Frankreich wurden wiederum eine „Feldkommandantur“ sowie „Kreiskommandanturen“ installiert. Einer der Verwaltungs-bereiche der deutschen Besatzungsmacht war der Bezirk Bordeaux.

(Vgl. de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Besetzung_Frankreichs_im_Zweiten_Weltkrieg; www.media.offenes-archiv.de/ha2_2_5_1_thm_2361.pdf)

2. Die äußeren Umstände in Europa vor der Ernennung Aristides de Sousa Mendes zum Konsul Portugals in Bordeaux

1938 ernannte die Regierung Salazar in Portugal, die seit 1932 im Amt war, Aristides de Sousa Mendes zum Generalkonsul in Bordeaux. Dieser Ernennung waren in Deutschland im Jahre 1933 die Machtergreifung Hitlers, 1935 die antisemitischen Nürnberger Gesetze (15. September 1935, die „Kristallnacht“, 9./10. November 1938) vorausgegangen. Diese grausamen Tatsachen waren die Hauptgründe für den jüdischen Exodus aus Deutschland in Richtung Frankreich, Österreich, die Schweiz und die Tschechoslowakei. Zwischen 1933 und 1937 hatten etwa 130.000 Juden Deutschland verlassen. Mit der deutschen Annexion Österreichs im März 1938 entstand eine komplizierte Situation sowohl für Europa als auch für die USA, die das Hauptzielland der Emigranten aus Europa waren. Auf der Konferenz von Evian (6.–15. Juli 1938) wurde aufgrund des amerikanischen Vorschlags das ICR (Intergovernmental Commitee on Refugees) gegründet. Während dieser Konferenz machte sich – ungeachtet dieser ernsthaften Situation – der Unwillen der dort repräsentierten Länder bemerkbar, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. In Abwesenheit Portugals wurde über eine mögliche Ansiedlung der jüdischen Flüchtlinge in den portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik diskutiert. Die Situation verschärfte sich, als am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg ausbrach, und die Inhalte dieser Diskussionen durch den Verlauf der Geschichte hinfällig wurden.

3. Der portugiesische Konsul in Bordeaux

Aristides de Sousa Mendes hatte Jura an der Universität von Coimbra studiert und nach Abschluss des Studiums im Jahre 1908 seine Cousine und Jugendliebe, Maria Angelina Ribeiro de Abranches geheiratet. Kurz nach seiner Heirat trat Sousa Mendes in den diplomatischen Dienst ein. Seine Laufbahn führte ihn durch verschiedene Länder wie Britisch-Guayana, Sansibar, Brasilien und die USA.

1929 wurde er zum Generalkonsul in Antwerpen ernannt. Die Jahre in Antwerpen schienen ein Höhepunkt in Sousa Mendes’ Karriere zu werden. Man ernannte ihn zum Doyen des Diplomatischen Corps, sein Haus wurde zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Antwerpen. Überschattet wurde diese Zeit vom Tod seines Sohnes Manuel. Dieses Ereignis dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass Sousa Mendes um seine Versetzung nach Ostasien bat. Doch der Diktator António de Oliveira Salazar ernannte de Sousa Mendes im August 1939 – gegen dessen ausdrücklichen Wunsch – zum Generalkonsul Portugals in Bordeaux /Frankreich.

[...]


[1] Auszug aus einem Brief von Gisèle Allotini, einer Flüchtigen, die in Bordeaux von Aristides de Sousa Mendes ein Visum erhielt und in Portugal ansässig wurde.

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668544987
ISBN (Buch)
9783668544994
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374593
Note
Schlagworte
über aristides sousa mendes schindler portugal

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Titel: Über Aristides de Sousa Mendes. Der "Schindler" von Portugal