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Bestseller. Zur Geschichte und Theorie am Beispiel von Stephen King

Masterarbeit 2015 86 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Bestseller“, Begriff und Geschichte
2.1 Definitionen
2.2 Anwendungsbereiche
2.3 Geschichte und Entwicklung
2.4 Bestseller in Deutschland, Großbritannien und den USA

3. Bestsellerlisten
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Bestsellerlisten vs. Bestenlisten
3.3 Funktionen von Bestsellerllisten
3.3.1 Die Spiegel-Bestsellerlisten
3.3.2 Amazon-Bestsellerlisten

4. Theorien
4.1 Erläuterungen nach Werner Faulstich
4.1.1 Was ist das - ein Bestseller?
4.1.2 Der Bestseller als Listen-Bestseller
4.1.3 Der Äechte“ Bestseller
4.1.4 Der literarische Bestseller
4.1.5 Bestseller als Buchmarktphänomen
4.2 Erfolgsbedingungen

5. Die Qualität des Bestsellers
5.1 Wertung und Wirkung
5.2 Sind Bestseller Ägute Literatur“?

6. Stephen King - Der Bestsellerautor
6.1 Zur Person
6.2 Die Erfolgsgeschichte - Was macht King individuell?
6.3 Carrie
6.3.1 Besonderheiten und Erfolgsmerkmale
6.4 Shining
6.4.1 Das Unnatürliche und das Fremde
6.4.2 Provokation als Erfolgsgeheimnis?

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff Bestseller ist innerhalb der heutigen Gesellschaft sicherlich kein Fremdwort mehr und scheint im ersten Moment selbsterklärend und eindeutig. Man begegnet ihm sehr häufig und nimmt sein Dasein zwar bewusst wahr aber gleichzeitig auch einfach als gegeben hin ohne zu hinterfragen was uns dieses Wort genau sagen möchte oder was dahinter steckt. Aber was ist ein Bestseller und woher kommt dieser Begriff? Wie wird ein Bestseller zum Bestseller und wer entscheidet, dass es so weit kommt? Werden nur Bücher als Bestseller bezeichnet oder auch andere Waren? Sind Bestseller lediglich die am literarisch wertvollsten Bücher auf dem gegenwärtigen Buchmarkt oder gibt es auch qualitativ weniger gute Bestseller? Weshalb lassen wir uns von Bestsellerlisten leiten und wieso tauchen bestimmte Autoren immer wieder auf diesen Listen auf? Was machen sie anders oder gar besser als andere Autoren? Und warum ist Stephen King jedem bekannt, auch wenn man vielleicht noch gar nichts von ihm gelesen hat? Wie gelingt es schließlich bestimmten Werken, Genres oder Autoren, sich im kulturellen Gedächtnis der Menschheit zu verankern? All dies sind Fragen mit denen sich die vorliegende Arbeit eingehend beschäftigen wird, um das Phänomen Bestseller allgemein verständlicher zu machen und um einen Überblick über die Entwicklung desselben zu geben.

Zunächst wird der Begriff Bestseller näher erläutert, wobei unterschiedliche Definitionen herangezogen werden, um letztlich eine genaue Vorstellung von der tatsächlichen Bedeutung und dem eigentlichen Gebrauch des Wortes zu erhalten. Die Verwendung des Wortes Bestseller begrenzt sich zudem nicht ausschließlich auf den literarischen Sektor, sondern wird auch in einigen weiteren Bereichen genutzt, die in der vorliegenden Arbeit ebenfalls kurz erläutert werden. Der Bestseller ist außerdem kein plötzlich entstandenes Phänomen sondern bringt eine lange Entwicklungsgeschichte mit sich, die fernerhin betrachtet wird, um anschließend auch kulturelle Unterschiede auszumachen. Hier wird der Fokus auf einem Vergleich zwischen Deutschland, Großbritannien und den USA liegen.

Der zweite Teil der Arbeit wird sich eingehend mit den verschiedenen Arten des Bestsellers beschäftigen und hierbei die zahlreichen Theorien des Medienwissenschaftlers Werner Faulstich zu Rate ziehen. Dieser unterteilt den Bestseller in verschiedene Kategorien und erklärt ausführlich die Unterschiede untereinander. Eine entscheidende Rolle bei der Betrachtung des Phänomens Bestseller spielen letztlich die verschiedensten Voraussetzungen sowie die äußeren Einflüsse auf ein Werk. Hierbei wird näher betrachtet weshalb bestimmte Bücher den Status Bestseller erlangen und andere wiederum nicht. Entscheidend ist dabei auch, ob einem Buch der Sprung auf eine bekannte Liste gelingt und ihm dies zu einem schnelleren Erfolg verschafft. Die Bestsellerliste des Spiegel, sowie die sich stetig ändernde Amazon-Bestsellerliste werden dazu näher beleuchtet und deren Auswirkung auf das Lesepublikum und deren Kaufverhalten dargestellt.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Qualität eines Bestsellers, wobei ausgearbeitet wird, ob Bestseller stets Ägute Literatur“ sind oder ob auch Werke auf den Listen auftauchen, die literarisch weniger angesehen sind oder gar als nicht gelungen bezeichnet werden können. Bei dieser Betrachtung liegt der Fokus auf dem Erfolgsautor Stephen King, der seit Beginn seiner Karriere mit fast jedem seiner Werke einen Bestsellerstatus erreichte. Dieses Phänomen wird anhand seiner beiden sehr bekannten Bücher Carrie und Shining erläutert. Dabei wird jeweils genau auf das Werk an sich, seine Besonderheiten und seine Wirkung eingegangen, um letztlich unmissverständlich belegen zu können, weshalb bei beiden Werken der Status des Bestsellers gerechtfertigt ist.

Abschließend werden die Erkenntnisse der Arbeit noch einmal kurz zusammengefasst und der Zusammenhang zwischen den theoretischen und geschichtlichen Erläuterungen zum Begriff Bestseller mit den Ergebnissen der Analyse rund um Stephen King und den zwei ausgewählten Werken dargestellt.

2. „Bestseller“, Begriff und Geschichte

Bei dem Wort Bestseller handelt es sich um einen englischen Begriff, der aus zwei Wortteilen zusammengesetzt wird. Best ist der Superlativ von good, folglich gut und seller bedeutet Verkäufer oder auch Verkaufsschlager.1 Der Wortherkunft zufolge, ist ein Bestseller demnach zunächst eine Ware, die sich überdurchschnittlich gut verkauft. Dass sich ein Anglizismus in der deutschen Sprache etabliert, ist heutzutage nicht mehr außergewöhnlich sondern ein Phänomen, das zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Der Begriff Bestseller fand in Deutschland jedoch schon ausgesprochen früh Verwendung, um besonders erfolgreiche und absatzstarke Literatur zu kennzeichnen. Über den genauen geschichtlichen Hintergrund wird in Kapitel 2.3 berichtet. Es wird vorerst erläutert welche unterschiedlichen Definitionen des Begriffs durch verschiedene Autoren und Wissenschaftler bereits bestehen und wie man diese letztlich auf einen Punkt bringen kann. Dies geschieht, um es für den weiteren Verlauf der Arbeit besser nachvollziehbar zu machen was mit der Verwendung des Begriffs Bestseller genau gemeint ist und um eine universelle Definition zu erarbeiten.

2.1 Definitionen

ÄBei näherer Untersuchung des Begriffs wird deutlich, dass es sich weniger um einen konkreten Terminus als vielmehr um ein komplexes Phänomen des modernen, ausdifferenzierten Marktes handelt, das in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen zu erfassen ist.“2

Diese Beschreibung von David Wieblitz verdeutlicht schon sehr genau die Schwierigkeit einer eindeutigen Definition des Begriffs Bestseller. Der Begriff wird nämlich nicht immer gleich gedeutet, denn die zahlreichen Definitionen des Wortes beziehen viele unterschiedliche Aspekte mit ein, weshalb es nicht die eine allumfassende und allgemein gültige Definition für den Begriff geben kann. Daher werden im Folgenden verschiedene Begriffsbestimmungen erläutert und verglichen, um am Ende dieses Teilkapitels eine, zumindest für den hier vorliegenden Text, gültige Definition zu erhalten. Im Lexikon Der Knaur findet man beispielsweise eine sehr knappe und nicht allzu aussagekräftige Bezeichnung: ÄBestseller [engl.], Buch, Schallplatte u.a. Waren, die in kurzer Zeit einen großen Verkaufserfolg erzielen.“3 Hier wird bereits darauf hingewiesen, dass es sich bei einem Bestseller nicht zwingend um ein Buch handeln muss, so wie meist angenommen, sondern im allgemeinen Sprachgebrauch auch weitere verkaufsstarke Waren damit betitelt werden. Dies wird im nächsten Teilkapitel näher erläutert.

Der Germanist Ernst Fischer verdeutlicht in seinem Artikel Bestseller in Geschichte und Gegenwart bereits mit der Überschrift ÄDefinitionsprobleme“ die Schwierigkeit einer Definition des Begriffs Bestseller, die generell und problemlos genutzt werden kann. Er bringt folgenden Vorschlag:

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird als Bestseller jedes Buch […] bezeichnet, das einen besonderen Verkaufserfolg erzielt. Im engeren Sinn des Begriffs versteht man unter Bestseller ein belletristisches Werk oder ein Werk der populären Sachliteratur, das einen vergleichsweise weit überdurchschnittlichen Verkaufserfolg innerhalb eines begrenzten Zeitraums und eines bestimmten Absatzgebietes erzielt. Im Sinne dieses relationalen Begriffs eines statistisch ermittelbaren Bucherfolges stellt der Bestseller ein Phänomen des 20. Jhs. dar […].4

Ernst vereint in seiner Definition einige wichtige Aspekte, die man bei der Beschreibung des Bestseller-Begriffes sicherlich bedenken muss. Nicht nur der Verkaufserfolg an sich spielt eine entscheidende Rolle, damit ein Buch den Status Bestseller erreicht, sondern auch die zeitlichen sowie räumlichen Bedingungen. Ein Buch muss demnach innerhalb einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Gebiet eine bestimmte Verkaufszahl erreichen, um als Bestseller betitelt werden zu dürfen. Interessant ist jedoch auch, dass Ernst den Begriff im engeren Sinn auf den Bereich der belletristischen Werke und die Sachliteratur bezieht und keine weiteren Formen der Literatur oder gar andere Waren mit einbezieht, anders als zuvor die Definition im Knaur-Lexikon. Der Buchwissenschaftler David Oels bezeichnet Bestseller ferner als Äeinen relationalen Begriff, der wenig über die tatsächlichen Verkaufszahlen aussagt. […] Ein Buch [gilt] als Bestseller, wenn es in einem bestimmten Gebiet und während eines bestimmten Zeitraums besser verkauft wurde als alle anderen.“5 Auch wenn diese Beschreibung sehr vereinfacht ausgeführt ist, weisen alle bisherigen Definitionen offensichtlich einige Gemeinsamkeiten auf, die es auf den Punkt zu bringen gilt. Sonja Marjasch liefert in ihrem Werk Der amerikanische Bestseller hierzu schließlich eine sehr gelungene theoretische Definition des Bestseller-Begriffs:

Gesamthaft bezeichnet das Wort ‚bestseller‘ […] einen Massenartikel, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, in einem bestimmten Absatzgebiet, im Vergleich zu den übrigen Büchern derselben Warengattung (während der gleichen Zeit am gleichen Ort) eine Höchstzahl an verkauften Exemplaren erreicht hat.6

Marjasch greift hier noch einmal auf, dass es sich bei einem Bestseller nicht zwingend um ein Buch handeln muss, sondern schlicht um einen Artikel, der in größeren Massen verkauft wird und währenddessen bestimmte Rahmenbedingungen wie Zeit und Ort erfüllt.

Dass ein Bestseller, so wie der Begriff innerhalb des Literatursektors gebraucht wird, ein Buch von überaus großem Erfolg ist, dürfte zu diesem Zeitpunkt unumstritten sein. Auch der Schriftsteller Frank Thiess beschäftigt sich Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Problematiken der genauen Begriffsbestimmung und konzentriert sich in einem seiner zahlreichen Artikel auf die Entstehung des Bucherfolgs.

Was ein Bucherfolg ist, weiß jedermann. Es wäre so überflüssig wie unstatthaft, über etwas, das jedermann weiß, zu referieren, wenn die allgemeine Vorstellung, welche sich mit dem Worte ÄBucherfolg“ verknüpft, uns zu einer sauberen Definition verhülfe. Ein Buch hat Erfolg. Aber was heißt Erfolg? Welche Art von Erfolg ist gemeint? Der Verkaufserfolg natürlich. Warum ‚natürlich‘? Aber bleiben wir dabei. Ein Buch hat Erfolg, wenn es viel verkauft wird. Ist mit dem Wörtchen ‚viel‘ eine Zahl gemeint? Wenn ja, welche Zahl?7

Genau diese Frage gilt es noch zu beantworten. Dass ein Buch ein Bestseller ist wenn es einen hohen Verkaufserfolg aufweist, ist nun augenscheinlich. Doch ab welcher Verkaufszahl innerhalb welchen Zeitraums kann man heutzutage bedenkenlos von einem Bestseller sprechen? Im Internet stößt man dazu gewiss auf zahlreiche Antworten. Auf den meisten Seiten und deren Artikeln zum Thema findet man jedoch stets die gleiche Angabe. Auf einer Homepage, die Tipps rund um das Thema Literatur gibt sowie Buchempfehlungen ausspricht, heißt es dazu: ÄEin Bestseller ist ein Buch dann, wenn es sich häufiger als 100.000 Mal verkauft hat.“8 Diese Festlegung stammt von den Sachverständigen für die Ermittlung von Buch-Bestsellern und wurde als allgemein gültige untere Absatzgrenze festgelegt, ab welcher ein Buch offiziell als Bestseller betitelt werden darf. Dieser Wert stellt immer die Zahl der verkauften Exemplare des Originaltitels dar.9 Auch Ernst Fischer schreibt, dass die Schwelle zum Bestseller in den vergangenen Jahrzehnten immer auf eine absolute Zahl, nämlich 100.000, festgesetzt wurde.10 Der Zeitraum innerhalb welchem diese Zahl erreicht werden muss, wird selten genannt. Sonja Marjasch schreibt hierzu, dass ein Buch dann ein Bestseller ist, Äwenn seine Verkaufszahl innerhalb eines Jahres in seinem Gesamtabsatzgebiet im Verhältnis zu den Verkaufsziffern aller übrigen Bücher desselben Jahres in demselben Land an der Spitze steht.“11 Sie grenzt sich somit von einer exakten Verkaufszahl ab und sieht den Bestseller schlichtweg als das absatzstärkste Buch innerhalb eines Jahres.

Zudem existieren weitere Differenzierungen innerhalb des Bestsellerbegriffs, die ebenfalls von der Autorin Sonja Marjasch ausgeführt werden und die nun kurz erläutert werden, um noch einmal die Schwierigkeit einer präzisen Definition des Begriffs Bestseller zu verdeutlichen und seine Mehrdeutigkeit zu bestätigen. Die bislang dargestellte Form des Bestsellers, bei dessen Betrachtungsweise die Verkaufshöchstzahl eines Buches innerhalb einer bestimmten Zeit im Mittelpunkt des Interesses steht, beschreibt man als statistische Bestseller.12 Berücksichtigt man lediglich entweder die Zahl der verkauften Exemplare oder die Zahl der verlegten Exemplare oder die Zahl der Leser und verzichtet man auf eine Messzeit, spricht man von einem soziologischen Bestseller.13 Wenn sich ein Buch Äwährend einer individuell variablen Messzeit vor oder nach 1900 oder innerhalb der Gegenwart oder Vergangenheit, in einem bestimmten Land, […] einer großen Beliebtheit […] erfreut“14, nennt man dieses einen ästhetischen Bestseller. Als psychologischen Bestseller bezeichnet man letztlich die Bücher, die zwar die Merkmale eines ästhetischen Bestsellers aufweisen, deren genaues Verbreitungsgebiet jedoch unbestimmt bleibt.15 Der Begriff Bestseller wird mit all seinen Kategorien und Facetten schließlich stets schwer zu definieren sein, da er in den unterschiedlichsten Kontexten auftreten kann und somit mehrere Bedeutungen aufweist. Für die vorliegende Arbeit soll daher die geläufigste Beschreibung verstanden werden wenn es um den Ausdruck Bestseller geht. Ein Bestseller ist demnach eine Ware, in diesem Fall ein Buch, die sich durch eine sehr hohe Verkaufszahl innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einem bestimmten Gebiet auszeichnet und sich somit von seiner direkten Konkurrenz abhebt.

2.2 Anwendungsbereiche

Wie bereits erwähnt, wird der Begriff Bestseller nicht allein für das Medium Buch verwendet, sondern findet auch in zahlreichen weiteren Bereichen Gebrauch, die in diesem Unterkapitel kurz erläutert werden. Generell konzentriert sich der Einsatz des Begriffs insgesamt auf den allgemeinen Mediensektor, wie Literatur, Musik und Film. Neben den Buch-Bestsellern existieren unter anderem auch Comic-Bestseller, Hörspiel-Bestseller, Kino-Bestseller, Fernseh-Bestseller sowie Bestseller-Popsongs.16 Bei jedem einzelnen dieser Bereiche wird der Bestsellerstatus durch einen überdurchschnittlichen Verkauf hervorgerufen und bringt somit eine große Bekanntheit mit sich. Dass der Begriff Bestseller schließlich auf weitere Bereiche und nicht ausschließlich für die Kategorie Bücher verwendet wird, macht deutlich, dass es sich um einen Ausdruck handelt, der trotz seiner komplexen und mehrdeutigen Definition seinen festen Platz im allgemeinen Sprachgebrauch hat und von der Gesellschaft grundsätzlich verstanden wird.

Es gibt jedoch auch noch weitere Kategorien, die die Bezeichnung Bestseller erlangen können. John Sutherland fasst für den Zweig der Literatur Folgendes zusammen: Ä‘Bestseller‘ can refer to books, a style of books or an author of books.“17 Es handelt sich hierbei also nicht mehr nur um eine gegenständliche Ware wie das Medium Buch, das als Bestseller definiert werden kann, sondern schließt weitere Unterkategorien mit ein. So hat es sich beispielsweise ergeben, dass man heutzutage auch ganz selbstverständlich von Bestsellerautoren spricht. Dies sind schlicht gesagt Autoren, die mit ihren Werken schon mehrmals oder auch ständig Bestsellerstatus erreicht haben und der Erfolg der Bücher mit der Person dahinter letztlich gleichgesetzt wird.

Die sogenannten Bestsellerautoren stehen mit ihrem Namen stellvertretend für die von ihnen produzierte Warengattung von Literatur. Sie gelten als sichere ‚literarische Banken‘ für den Erfolg ihrer Texte und produzieren ihrer Leserschaft die erwartete ‚Lesekost‘ durch gezieltes Auswählen bewährter literarischer Ingredienzien. Dadurch erzeugt der Erfolg bestimmter Autoren wieder neuen Erfolg.18

Allein der Name eines solchen Autors steht demnach als Garant für einen weiteren Bestsellererfolg. Hier kann man etwa Autoren wie Joanne K. Rowling, Dan Brown und zweifelsohne auch Stephen King nennen. In seltenen Fällen genügt jedoch auch ein einzelner Bestsellererfolg um den Titel Bestsellerautor zu erhalten, wie zum Beispiel bei Patrick Süskind mit seinem Welterfolg Das Parfum aus dem Jahr 1985. Süskind hat sich mit seinem spannenden und schaurigen Roman einen Namen gemacht und stand als bisher einziger Autor durchgehend insgesamt neun Jahre mit dem gleichen Werk auf der Bestsellerliste des Spiegels.19 Dass sein Name und der Titel seines Buches schließlich weltweit bekannt wurden und auch heute noch darüber gesprochen wird, ist daher nicht weiter erstaunlich.

2.3 Geschichte und Entwicklung

Auch die Geschichte des Bestsellers kann nicht eindeutig von ihrem Beginn bis zu ihrem Ende wiedergegeben werden, da sie sich stets weiterentwickelt und ebenso facettenreich ist wie die Definition des Wortes an sich. ÄConcepts such as ‘pulp fiction‘ or the ‘bestseller‘ do not have clear critical histories or rather their critical histories are still in the process of being made.“20, schreiben die beiden Professoren David Glover und Scott McCracken hierzu. Dennoch wird dieses Kapitel einen umfangreichen Einblick in den Verlauf der Geschichte des Bestsellers liefern, um nachvollziehen zu können wie sie sich von Beginn bis zur Gegenwart verändert hat und unter welchen Einflüssen dies geschehen ist.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Bestseller erstmalig für besonders erfolgreiche und angesehene Bücher gebraucht und ist ein Ausdruck aus dem Amerikanischen. In der New Yorker Zeitschrift The Bookman wurde bereits im Jahr 1895 zum ersten Mal eine Liste auf Grundlage von empirischen Studien veröffentlicht, in der die aktuellen Bestseller, also die Werke, die den gegenwärtig größten Verkaufserfolg erzielten, abgedruckt waren. Hier erhielt der Begriff zum ersten Mal Einzug in die Welt der Literatur. Zu diesem Zeitpunkt fand außerdem eine zunehmende Ökonomisierung der Gesellschaft statt, die einen erhöhten Konsum von Literatur mit sich brachte, und durch die der moderne Buchmarkt seinen bisherigen Höhepunkt verzeichnete. Erstmals wurde literarischer Erfolg anhand hoher Verkaufszahlen ausgemacht. Da das Angebot der vorherrschenden Literatur massentauglich war und die Bedürfnisse der Leserschaft voll und ganz erfüllte, stiegen die Absatzzahlen der sogenannten Listenbestseller immer weiter.21 Vor allem die Mittelschicht der Gesellschaft trug dazu bei. Ä[D]uring the first decades of our century the middle class made up the bulk of the novel-buying and novel-borrowing public.“22 Lesen war also nicht mehr nur ein Privileg der Akademiker und Bildungsbürger, sondern fand schließlich auch Einzug in die Mittelschicht des Bürgertums, die den Absatz der Bücher stark beeinflusste und die Verkaufszahlen folglich enorm steigerte.

Weitere Belege datieren den erstmaligen Gebrauch des Bestsellerbegriffs nach seinem ersten Aufkommen zunächst wieder auf das Jahr 1905, das sind zehn Jahre nach der Nennung in The Bookman. 1905 wurde er schließlich in der englischen Zeitschrift The Athenaeum verwendet.23 Dies verdeutlicht, dass sich der neue und sehr modere Begriff Bestseller in den ersten Jahren nicht vollständig durchsetzen konnte, weder im englischsprachigen Raum noch in Deutschland. ÄIn Deutschland etablierte sich der Begriff in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre, nachdem 1927 im Rahmen eines Preisausschreibens der Literaturzeitschrift ‘Die Literarische Welt‘ ohne Erfolg nach einem deutschen Synonym gesucht worden war.“24 Nach 32 Jahren hat der Begriff Bestseller also schließlich seinen Weg in die deutsche Sprache gefunden, auch wenn der englische Ausdruck zu Beginn durchaus nicht gerne angenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren Anglizismen noch nicht so geläufig wie heutzutage und innerhalb der Gesellschaft nahm es im Vergleich zu heute eine längere Zeit in Anspruch bis sich derer angenommen wurde. Ein Beleg dafür ist, dass der Ausdruck Bestseller und seine Definition selbst in der Brockhaus Enzyklopädie erst im Jahr 1953 aufgenommen wurde, das sind weitere 26 Jahre nach der eigentlichen Anerkennung des Begriffs.25 Bis der Begriff Bestseller schließlich problemlos verwendet werden konnte, vergingen demnach einige Jahre. Heute könnte man ihn sich nicht mehr aus dem allgemeinen Sprachgebrauch wegdenken.

Selbstverständlich gab es auch schon vor der Einführung des Bestsellerbegriffs Werke, die anhand ihrer hohen Verkaufszahlen im Nachhinein als solche bezeichnet werden können und die man als Vorläufer des Bestseller-Phänomens betiteln kann. Man kann prinzipiell sagen, dass die Geschichte großer Verkaufserfolge innerhalb der Literatur schon mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert beginnt. Über die ganz frühen erfolgreichen Werke um diese Zeit gibt es jedoch keine genauen Daten. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und dem Erreichen eines neuen Lese-Publikums, ist es dem Buchmarkt schließlich gelungen, sich weiter zu etablieren und seine Produktions- und Verkaufszahlen zu steigern.

Die fortschreitende Alphabetisierung, die Eroberung neuer, ‘bürgerlicher‘ Leserschichten, vor allem auch des weiblichen Publikums, sowie der Wandel der Lesegewohnheiten in der ‘ersten Leserevolution‘ im ausgehenden 18. Jh. schufen mit der Hinwendung zur extensiven Novitätenlektüre die Voraussetzung für die Entstehung moderner, auf literarische Moden abgestellter Buchmarktstrukturen.26

Somit lässt sich sagen, dass es bereits seit ungefähr dem Jahr 1700 Bücher gibt, die den Bestsellerstatus durch ihren großen Erfolg auch nachträglich erreichten und die meist unter der Kategorie ‚schöngeistige Literatur‘ zu finden waren, was bei einem Anstieg des weiblichen Publikums nicht weiter verwunderlich ist. Zu dieser Literatur zählen unter anderem Werke wie Daniel Defoes Robinson Crusoe (1719), Jonathan Swifts Gullivers Reisen (1726) oder auch Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1774.27 Dies sind jedoch nur wenige Beispiele erfolgreicher Literatur, die auch heute noch durchaus bekannt sind und die gegenwärtig weiterhin verkauft werden.

Da alle Buch-Erscheinungen im Vergleich immer über einen jeweils spezifisch langen Zeitraum sehr gut, gut oder weniger gut verkauft werden, hat Sonja Marjasch eine Abstufungstabelle entwickelt, die sie als ‚Stufenleiter des Ruhms‘ bezeichnet. Eine Einordnung in die jeweilige Kategorie erfolgt für die einzelnen Bücher wiederum über den Umsatz und über die Zeit, in der dieser erreicht wird.28 Die jeweiligen Unterbegriffe orientieren sich allerdings weniger an genauen Verkaufszahlen. Die Werke lassen sich hier eher nach einer ungefähren Messzeit, nach dem Umsatz oder der Umsatzdauer eingliedern. Dies verdeutlicht die folgende Tabelle von Marjasch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: ÄStufenleiter des Ruhms“ nach Sonja Marjasch29

Zweifellos handelt es sich bei diesen sechs Begriffen um rein theoretische, die sich nicht an exakten Zahlen festmachen lassen und zu denen es keine eigene Entstehungsgeschichte gibt, da sie von Marjasch selbst entwickelt wurden. Dennoch verdeutlicht die Tabelle abermals, dass der Ausdruck Bestseller ein sehr vielfältiger ist und ein breites Spektrum umfasst und mit einbezieht oder wie in diesem Fall einige Ableitungen ausgehend vom Begriff Bestseller ausgearbeitet werden können.

Im 19. Jahrhundert führte der sogenannte Kolportagebuchhandel zu einem weiteren Aufschwung innerhalb der Literaturgeschichte, auch wenn dies nicht von jedem innerhalb der Buchbranche gerne gesehen wurde, und brachte wiederum einige Bestseller mit sich.

Der Kolportagebuchhandel war ein zentraler Geschäftszweig, über den die großen Verlage ihre Stellung gegenüber den Einzelhändlern stärken wollten und Monopolisierungsbestrebungen im Buchgeschäft vorantrieben. Die Sortimenter fürchteten durch eine Stärkung des Kolportagebuchhandels eine Verschlechterung der Geschäftsbedingungen und einen allgemeinen Verfall der Preise im Buchhandel.30

Einzelne Bücher wurden hierbei massenhaft verbreitet und zwar nicht mehr über die Einzelhändler sondern mittels Hintermänner der jeweiligen Verlage, die den Verkauf beispielsweise an Haustüren durchführten und bestimmte Bücher zu geringeren Preisen verkauften als sie im Buchhandel angeboten wurden. Das brachte den Verlagen zwar mehr Ansehen und Bekanntheit, die Buchhändler jedoch verloren Kundschaft und mussten um ihre Existenz bangen. Doch auch diese Phase nahm bald ein Ende als das Problem zur öffentlichen Debatte wurde und sich die Kolportagebuchhändler zurückzogen, da ihr Vorgehen schließlich einen grundsätzlich negativen Eindruck hinterließ.31 Dennoch konnte man selbstverständlich auch im 19. Jahrhundert einige Bestseller vorweisen, wie unter anderem das Kinderbuch Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann, das es auch heute noch in fast unveränderter Form zu kaufen gibt.32 Nach Marjasch und ihrer Abstufungstabelle wäre dieses Werk schließlich ein geeignetes Beispiel für einen ‘steady seller‘, da es über einen sehr langen Zeitraum hinweg durchweg gut verkauft wurde und auch immer noch wird.

Mit dem 20. Jahrhundert wird es schließlich etwas problematischer einzelne Bücher hervorzuheben, die einen Bestsellererfolg vorzuweisen haben. Dies liegt jedoch in keinem Fall daran, dass es keine oder nur wenige erfolgreiche Bücher gab, sondern genau im Gegenteil - an der Masse - der Buchmarkt wurde regelrecht überhäuft von Literatur, die hohe Absatzzahlen mit sich brachte und somit den Status Bestseller erlangten. Grund dafür war vor allem die große Menge an Nachkriegsliteratur, die den Autoren oft als Verarbeitung der schrecklichen Ereignisse diente. Dennoch gibt es bei all der Auswahl Bücher, die genannt werden sollten und die auch heute noch von großer Bedeutung sind.

Geradezu das Paradigma des Bestsellers in Deutschland stellt jedoch Erich Maria Remarques ‘Im Westen nichts Neues‘ dar: 1929 erschienen, erreichte das Buch innerhalb kurzer Zeit eine Auflage von fast einer Million, in den Übersetzungen in insgesamt 28 Sprachen erzielte es eine Gesamtauflage von 3,5 Millionen.33

Remarque gelang mit diesem einen Werk ohne Frage der weltweite Durchbruch. Das lag vor allem daran, dass ÄRemarques Roman Anschlußmöglichkeiten [sic!] für die Erfahrungen bot, die von der Mehrzahl der Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg gemacht wurden.“34 Das verdeutlicht noch einmal, dass die Aufarbeitung der Geschehnisse im Krieg mittels der gegenwärtigen Literatur von großer Bedeutung war. Grundsätzlich ist jedoch zu erwähnen, dass sich die großen Bucherfolge gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch auf einige weitere Genres verteilen. Hier kann man unter anderem den Zeitroman wie etwa Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin aus dem Jahr 1929 nennen, aber gleichzeitig auch Werke aus der Unterhaltungsliteratur wie beispielsweise Vicki Baums Menschen im Hotel aus dem gleichen Jahr. Zudem erreichten ebenso Bücher mit dichterischem Anspruch von Autoren wie Stefan Zweig, Arthur Schnitzler oder auch Hermann Hesse ein großes Lesepublikum.35 Die Auswahl und das Angebot an verschiedenster Literatur waren demnach enorm und fanden überall in der Gesellschaft Anklang, da die Bedürfnisse und Wünsche jedes einzelnen zufrieden gestellt werden konnten.

Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgte schließlich eine weitere Neuerung auf dem Buchmarkt, die Ävöllig neue Voraussetzungen für den Massenabsatz von Büchern“36 schuf - die Einführung des Taschenbuchs. Auch wenn weiterhin die Originalausgaben der Bücher im Hardcover-Format im Mittelpunkt des Interesses standen, entwickelte sich die Popularität der Taschenbücher spätestens mit dem Erscheinen der Spiegel-Bestsellerlisten im Jahr 196137, bei der es seit Beginn zwei Ranglisten, eine für Taschenbücher und eine für Hardcover-Ausgaben gibt. Ein Vorteil der Taschenbücher ist bis heute, dass sie meist deutlich günstiger sind als die Ausgaben im Hardcover. Da die Herausgabe eines Buches als Taschenbuch im Regelfall jedoch erst weit nach dem Erscheinen des Originals im Hardcover erfolgt, werden auch heute noch trotz des höheren Preises in allen Bereichen der Literatur enorm viele Originalausgaben verkauft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geschichte des Bestsellers bisher bereits mehrere Jahrzehnte und mit den erwähnten Vorläufern im weiteren Sinne sogar Jahrhunderte umfasst. Das Phänomen Bestseller kam in all den Jahren nicht aus der Mode und war zudem stets Gegenstand aktueller Untersuchungen und Forschungen. Da ein großes Interesse am Gegenstand Bestseller besteht, scheint es unwahrscheinlich, dass es eines Tages keine Bestseller mehr geben wird.

Im Blick auf eine sich immer weiter ausdifferenzierende Medienlandschaft und auf ein rasch wachsendes Medienangebot liegt vielmehr die Annahme nahe, daß [sic!] aufmerksamkeitslenkende, komplexitätsreduzierende Strategien, wie sie dieses Bestsellersystem […] repräsentiert, eher noch an Bedeutung gewinnen werden.38

Auch für Ernst Fischer steht schließlich fest, dass das Phänomen Bestseller weiterhin bestehen bleibt und stets von Bedeutung sein wird.

2.4 Bestseller in Deutschland, Großbritannien und den USA

International gesehen, ist das Phänomen Bestseller wie auch seine Erforschung durch die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen gekennzeichnet. Während Bestseller in den USA in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts längst als ein selbstverständlicher Teil des Buchmarktes akzeptiert waren, tat man sich zur selben Zeit in der deutschsprachigen Literaturszene und Literaturwissenschaft damit schwer.39

Die Literaturwissenschaftlerin Ingrid Tomkowiak veranschaulicht mit dieser Aussage bereits, dass das Phänomen Bestseller im Bereich der Literatur im internationalen Vergleich nicht überall zur gleichen Zeit aufkam, sondern sich von Land zu Land unterschiedlich entwickelte. Das Zitat verdeutlicht vor allem, dass die Entwicklung in den USA schon früher stattfand als in Deutschland. Auch wenn der Begriff Bestseller in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts anerkannt wurde, dauerte es bis zu seiner totalen Akzeptanz noch etwas länger. Erst mit der Einführung einer regelmäßig erscheinenden Bestsellerliste erreichte er ein breites Publikum.

In den USA entstehen viele Bestsellerromane, die den Bestsellerstatus schließlich auch nach einer Übersetzung und der Veröffentlichung in Deutschland oder anderen Ländern erreichen. ÄAbsolut gesehen sind amerikanische Literatur-Bestseller quantitativ weltweit offenbar dominant.“40 Der beste Beweis hierfür ist Mario Puzos Roman The Godfather aus dem Jahr 1969, der die Bestsellerliste in den USA mit zwölf Millionen verkauften Exemplaren im Sturm eroberte.41 Die deutsche Übersetzung mit dem Titel Der Pate war nicht weniger erfolgreich und erschien 1970 auf Platz fünf der Spiegel-Jahresbestsellerliste.42 Folglich hielt sich das Werk das gesamte Jahr über mehrere Wochen hinweg unter den besten zehn Werken, sonst hätte es die Platzierung auf der Gesamtjahresliste nicht erreicht, da diese aus den Daten aller wöchentlichen Bestsellerlisten des Spiegels gewonnen werden.

Es existieren jedoch nicht nur Bestseller, die in den jeweiligen Zeitschriften der verschiedenen Länder in Form von Listen auftauchen, sondern auch sogenannte Buchgemeinschafts-Bestseller, die in separaten und für jede Gemeinschaft individuellen Listen aufgeführt werden. ÄBuchgemeinschaften und Buchclubs erwerben von Verlagen das Copyright für Bücher und bieten diese ihren Mitgliedern in veränderter Ausstattung, zeitversetzt und mit erheblichem Preisvorteil in speziellen Prospekten an.“43 In Amerika haben diese Buchgemeinschaften einen hohen Stellenwert innerhalb der Literaturbranche. Die Titel, die den Mitgliedern der Gemeinschaften zur Verfügung gestellt werden, sind jedoch vorab ausgewählt worden und umfassen nur eine kleine Prozentzahl der Bücher, die es zu diesem Zeitpunkt auf dem allgemeinen Buchmarkt zu kaufen gibt. Deshalb können diese Listen in keiner Relation zu den Listenbestsellern der einzelnen Zeitschriften stehen, da diese wiederum alle auf dem Markt erhältlichen Bücher und deren Verkaufszahlen mit einbeziehen.

Im Vergleich hierzu beschränkte sich das Phänomen Bestseller in England auf die dort vorherrschenden Bestsellerlisten, die einen Monopolcharakter44 einnahmen. ÄZwar gab es eine gewisse Anzahl von Buchgemeinschaften, aber deren Mitgliedzahlen waren 1970 noch eher klein, d.h. die Auswahl- und Empfehlungsbände hatten nicht jene exorbitanten Auflagen wie in den USA oder auch in Deutschland.“45 Auch in den späteren Jahren bis heute wurden bei der Recherche keine Buchgemeinschaften in England ausgemacht, die von besonderer Größe und damit erwähnenswert wären, da sie keinen Einfluss auf die Literaturbranche nahmen. Auffällig in England ist jedoch, dass ein und dieselben Autoren sehr häufig mit verschiedenen Werken den Bestsellerstatus erreichen. Ä[D]ie Bestätigung der Veränderung vom Bestseller als Einzeltitel zum Bestseller als Bestseller-Autor“46 ist hier schließlich zum ersten Mal gegeben.

ÄGegenüber Amerika und England stellt sich die Situation in der Bundesrepublik Deutschland teilweise ganz anders dar.“47 Dies nimmt hauptsächlich Bezug auf die Buchgemeinschaften. Diese waren im Vergleich zu England und Amerika in Deutschland besonders stark vertreten und verfügten über einen hohen Anteil am Buchverkauf. ÄDie wahren Bestseller in der Bundesrepublik werden nicht vom traditionellen Buchhandel, sondern von den Buchgemeinschaften lanciert.“48 Nach der Blütezeit der Buchgemeinschaften in den 70er und 80er Jahren, hat sich die Herrschaft derselben über den Buchmarkt bis heute jedoch wieder stark relativiert. ÄMit dem Aufkommen von Bücher-Kaufhäusern in den 80er Jahren verlieren die Buchgemeinschaften an Attraktivität, zumal immer weniger Kunden bereit sind, sich auf die Abnahmeverpflichtungen einzulassen.“49 Heute existieren schließlich nur noch sehr wenige Buchgemeinschaften und Buchclubs, da die stets fortschreitende Konkurrenz zu einflussreich ist und der Kauf von Büchern im Einzelhandel dem Kunden eine größere Entscheidungsfreiheit gibt als eine Mitgliedschaft in einer Buchgemeinschaft, da dort die Werke vorgegeben werden, die man dann zu günstigeren Preisen erwerben kann.

Des Weiteren waren im Gegensatz zu England und Amerika in Deutschland rund um die 70er Jahre auch Fortsetzungsromane von großer Bedeutung.50 Hierbei wurde in einem bestimmten Intervall ein Roman Stück für Stück, meist kapitelweise, in einer Zeitschrift abgedruckt, was einerseits die Spannung für den Leser steigerte und andererseits den Zeitschriften einen hohen Absatz einbrachte, da der Roman schließlich von Anfang bis Ende gelesen werden wollte.

Der Fokus der Bestseller in den verschiedenen Ländern lag demnach immer auf einem anderen Teilgebiet innerhalb der Literaturbranche und deren Veröffentlichungen der Bestseller-Ränge. In Amerika lagen einerseits die Bestsellerlisten der Zeitschriften und andererseits auch gleichzeitig die Buchgemeinschaftslisten im Mittelpunkt des Literaturbetriebs. In England hingegen wurde sich hauptsächlich auf die Bestsellerlisten gestützt, die in Zeitschriften und Zeitungen erschienen. Buchgemeinschaften existierten hier nur sehr sporadisch. Für Deutschland waren die Bestsellerlisten gleichermaßen von Bedeutung wie die Buchgemeinschaftslisten.

Allein für das Jahr 1970 konnten […] in den drei Ländern Amerika, England und Bundesrepublik Deutschland insgesamt nicht weniger als 87 verschiedene Listen oder listenähnliche Angaben ermittelt, dokumentiert und ausgewertet werden. […] Ein erstes Hauptergebnis besteht demnach in der Erkenntnis, daß [sic!] das Phänomen der Bestseller-Listen bereits 1970 außerordentlich [sic!] verbreitet war.51

Auch wenn das Phänomen Bestseller letztlich überall zu einem ähnlichen Zeitpunkt den Weg in das öffentliche Interesse fand und schnell an Bedeutung gewann, entwickelten die einzelnen Länder schließlich verschiedene Methoden, um Bestsellerromane mittels diverser Listen an die Öffentlichkeit zu bringen.

3. Bestsellerlisten

Der Begriff Bestsellerliste wurde bis hierin bereits mehrmals erwähnt. Doch was genau verbirgt sich dahinter und welche Funktionen haben diese Listen? Dieses Kapitel soll klären, wie die Bestsellerlisten innerhalb von Deutschland entstanden sind, welche Bücher warum in die Listen aufgenommen werden und was genau dahinter steckt. Die wohl bedeutendste und bekannteste Liste ist die der Zeitschrift Spiegel. Doch nicht nur solche, auf tatsächlichen Verkaufszahlen basierende, sondern auch weitere, sich stetig verändernde Listen, sind innerhalb von Deutschland im Umlauf.

3.1 Entstehungsgeschichte

Ä[I]n Deutschland wurde die erste Bestsellerliste erst im September 1927 von der Literaturzeitschrift ‘Die Literarische Welt‘ veröffentlicht. Sie beruhte auf Mitteilungen von Sortimentern […].“52 Damit war Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise den USA ein Nachzügler. Dort erschienen die ersten Listen schon am Ende des 19. Jahrhunderts. Dennoch wurde das Veröffentlichen der Listen nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Erst die Zeit veröffentlichte nach dem Zweiten Weltkrieg einmal pro Monat einen sogenannten ÄSeller-Teller“, einen Artikel in dem die aktuell beliebtesten Bücher aufgeführt wurden und in einigen weiteren Zeitschriften und Zeitungen wurden zudem Listen abgedruckt, die jedoch relativ unregelmäßig erschienen.53 ÄErst seit den sechziger Jahren kam es in Deutschland wieder zur regelmäßigen Ermittlung der Buchverkaufserfolge; die bekannteste und dauerhafteste Bestsellerliste ist jene des Magazins Der Spiegel. Sie erschien erstmals im Herbst 1961 […].“54 Bis heute ist die Spiegel-Bestsellerliste eine der geläufigsten und am meisten verbreitetsten Listen auf dem Markt, weshalb sich ihrer in einem der nächsten Unterkapitel näher angenommen wird. Selbst in den verschiedenen Buchhandlungen gibt es mittlerweile Bereiche für den Aufbau der Bücher nach Bestsellerrang, angelehnt an die Listen des Spiegel mit einem Aushang derselben.

Es stellt sich die Frage nach welchen Kriterien solche Listen geschaffen werden und in welchem Intervall sie erscheinen. ÄDas Gebiet, das zur Erstellung der Bestsellerlisten berücksichtigt wird, umfasst meist eine Nation, der Zeitraum eine Woche. Zum Ende eines Jahres werden zusätzlich die Jahresbestseller zusammengestellt.“55 Demnach erscheinen gute und anerkannte Listen wie die des Spiegel wöchentlich, sie veröffentlichen jedoch auch zum Ende des Jahres eine Liste mit den über das Jahr hinweg erfolgreichsten Büchern. Die Bücher, die demnach am häufigsten innerhalb der Wochenlisten aufgetaucht sind, erhalten zusätzlich zu ihrem Status als Bestseller auch noch die Bezeichnung des Jahresbestsellers. Die Zahlen, die zum Erstellen der Listen benötigt werden, werden von den Buchhändlern selbst geliefert. ÄBestsellerlisten werden entwickelt, indem innerhalb eines bestimmten Zeitraums (Woche, Monat, Jahr) und innerhalb eines bestimmten geographischen Raumes (zumeist national) Buchhändler nach ihren Bücherverkaufszahlen befragt werden.“56 Da jedoch nicht jeder einzelne Buchhändler befragt werden kann, sondern sich das Einholen der Zahlen meist auf eine bestimmte Anzahl größerer Buchhandlungen beschränkt, dürfen die Titel der Bestsellerlisten nicht als absolute und tatsächliche Verkaufsschlager gesehen werden. Natürlich handelt es sich vor allem im Vergleich zu anderen Werken um überdurchschnittlich erfolgreiche und verkaufsstarke Bücher, die Zahlen der Erhebungen sind jedoch niemals absolut verlässlich. Ä[A]uf Umfrageergebnissen beruhende Bestsellerlisten […] [können] nicht als zuverlässige Auskunftsmittel über tatsächliche Verkaufserfolge von Büchern gelten, zumindest müssen sie als fehlerbehaftet angesehen werden.“57 Dennoch sind Bestsellerlisten ein wichtiger Bestandteil des Literaturbetriebs, die auch trotz der nicht hundertprozentigen Genauigkeit überaus repräsentativ sind und einen umfassenden Überblick über das aktuelle Geschehen und die Interessensentwicklung innerhalb der Buchbranche liefern.

Ein weiteres Merkmal von Bestsellerlisten ist, dass sie für verschiedene Kategorien und Bereiche erstellt werden. Es gibt demnach nicht eine allumfassende Liste für jegliche Bücher auf dem Markt, sondern mehrere Listen, die sich immer einem bestimmten Gebiet annehmen.

Bestsellerlisten werden in Deutschland, abgesehen von der stillschweigenden Unterscheidung in Hardcover und Taschenbücher, in Belletristik und Sachbuch unterteilt. Es existieren aber auch Listen für Kochbücher, Krimis, Hörbücher, Bilderbücher oder Kinder- und Jugendliteratur.58

Die zuletzt genannten Listen sind für diese Arbeit zwar nicht von Belang, es ist aber dennoch äußerst interessant zu sehen, dass der Begriff Bestseller tatsächlich und bis in die Gegenwart für eine breite Auswahl an Bereichen und Genres innerhalb der Literaturbranche angewendet wird. Eine Aufteilung der aktuellen Bestseller in unterschiedliche Kategorien, nämlich einerseits nach der Haptik entscheidend in Hardcover- und Taschenbuch-Bestseller und andererseits entsprechend der Gattungen Belletristik und Sachbuch, ist aus mehreren Gründen sinnvoll. In der Regel ist eine Taschenbuchausgabe eine Neuauflage eines bereits im Hardcover erschienenes Original-Buches, das nach einer gewissen Zeit der Veröffentlichung durch die letztlich deutlich günstigere Variante des Taschenbuchs unterstützt wird. Kommt die Ausgabe in diesem Format auf den Markt und war die Ausgabe im Hardcover schon erfolgreich oder sogar ein Bestseller, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch das Taschenbuch einen Bestsellererfolg erreicht. Platziert man nun Taschenbücher sowie Hardcoverausgaben auf nur einer Liste, könnte der Fall eintreten, dass ein bereits veröffentlichter Titel als Taschenbuchausgabe noch einmal einen Listenplatz erreicht und neue Bücher im Hardcover-Format mit dem Potential auf einen Bestsellerstatus davon verdrängt. Trennt man beide Ausgabearten jedoch, stehen sich neue und alte Titel nicht gegenseitig im Weg.

Eine Separierung der Belletristik-Werke von den Sachbüchern ist ebenfalls von Vorteil. Beide Gattungen haben stets eine überaus große Anzahl an Neuerscheinungen und diese müssen somit nicht direkt miteinander um einen Listenplatz konkurrieren. Zudem unterscheiden sich die Werke selbstverständlich auch inhaltlich enorm, weshalb es für den Käufer angenehmer ist, sich nur die Liste vornehmen zu können, die auch seine bevorzugte Art von Büchern aufführen. Die Unterteilung in zwei Listen ist demnach eine gute Stütze für den Kauf eines Buches, da man unmittelbar auf die gewünschte Gattung aufmerksam gemacht wird und somit eine lange Suche nach dem präferierten Produkt ausbleibt.

Trotz einiger Vorteile und Vereinfachungen, die die Bestsellerlisten mit sich bringen, gibt es immer noch Kritiker, die auf deren Ungenauigkeit pochen und Bestsellerlisten nicht gutheißen. ÄBestsellerlisten [sind] umstritten, weil sie keineswegs abbilden, was in Deutschland an Büchern verkauft wird. Alle Bestsellerlisten unterliegen verschiedenen, mehr oder weniger deutlichen Unschärfen.“59 Kritisiert wird vor allem, dass nur ein minimaler Anteil der Buchhändler ihre Verkaufszahlen darlegen und die Zahlen somit niemals absolut sein können. Demnach erhalten Bücher einen Rang auf der Bestsellerliste, die in Buchhandlungen, deren Daten für die Erhebungen irrelevant sind, möglicherweise keine guten Verkaufszahlen erreichen. Von daher ist es äußerst schwierig die Listen als allgemeinen Überblick oder gar als Abbildung des totalen Geschehens des gesamten Literaturbetriebs zu sehen.

Im Gegensatz dazu existieren selbstverständlich auch Befürworter der Listen, sonst würden diese nicht seit gut 50 Jahren eine so wichtige Rolle innerhalb der Literaturbranche einnehmen können. Einerseits erleichtern die Listen dem Endabnehmer, also dem Käufer, die Entscheidung einer Neuanschaffung eines Buches, da er die vermeintlich Äbesten“ Bücher direkt vorgelegt bekommt. Dies ist natürlich nicht immer der Fall, denn viele Leser gehen gezielt in eine Buchhandlung, um sich Bücher ganz nach ihrem individuellen Geschmack auszusuchen und lassen sich nicht von Bestsellerlisten leiten. ÄUntersuchungen haben ergeben, daß [sic!] der von Bestsellerlisten ausgehende Kaufimpuls begrenzt bleibt: Unter den Motiven und Anregungen zum Buchkauf rangieren die Bestsellerlisten regelmäßig erst an 6. oder 7. Stelle. Relativ am größten ist der Einfluß [sic!] bei Weniglesern.“60 Das lässt sich damit erklären, dass Wenigleser keinen genauen Überblick über das Angebot auf dem Buchmarkt haben und sich die Suche nach geeigneter Literatur, oft vermutlich lediglich für den Urlaub oder als Geschenk, vereinfachen, indem sie eines der Bücher auswählen, das als Bestseller ausgezeichnet ist. Denn dies impliziert schließlich, dass es sich um ein gutes Buch handeln muss, welches schon bei vielen anderen Lesern Anklang fand.

Alles in allem sind Bestsellerlisten demnach ein stets umstrittenes Feld in der Literaturbranche, welches dennoch bis heute besteht und von den Kritikern bisher nicht verdrängt werden konnte. Bestsellerlisten vermitteln trotz der nicht hundertprozentigen Genauigkeit eine Vorstellung von dem, was aktuell auf dem Buchmarkt zu finden ist und was bei den Lesern am meisten Anklang findet. Die Erstellung unterschiedlicher Listen, je nach Ausgabeformat und Gattung, erleichtert zudem eine schnelle Orientierung innerhalb der Bücherflut, die mittlerweile überall vorherrscht.

3.2 Bestsellerlisten vs. Bestenlisten

Zusätzlich zu den Bestsellerlisten existieren auch sogenannte Bestenlisten, deren Erstellung sich erheblich von den weit verbreiteten und allgemein bekannteren Bestsellerlisten abhebt.

Während Bestsellerlisten als bloße Verkaufsstatistiken fungieren, lassen Bestenlisten die effektiven Verkaufszahlen nicht als einziges Kriterium zur Bewertung eines Buches zu. Auf Grundlage der Bewertungen einer Jury aus Literaturkritikern werden mittels Punktvergabe Empfehlungen zu Buchtiteln vorgenommen. Dies beabsichtigt z.B. die SWF- bzw. SWR-Bestenliste, welche 1975 von Jürgen Lodemann gegründet wurde […]. Dazu dienen die Bewertungen einer heute 30 köpfigen Jury aus Literaturkritikern, die sich monatlich mit aktuellen Titeln auseinandersetzen und sich insbesondere auf weitgehend unbekannte Bücher und Literaten konzentrieren.61

Der Schriftsteller Jürgen Lodemann hat hiermit einen sehr wichtigen Zweig für die Literaturbranche geschaffen, denn bei den Büchern auf den Bestenlisten geht es nicht mehr darum, dass sie so häufig wie möglich verkauft werden, sondern dass sie sich mittels angesehener Kritiken einen Namen machen und aufgrund ihrer, durch Literaturkritiker bescheinigten, Qualität gekauft werden. Die Anzahl der Kritiker der SWR-Bestenliste schwankt dabei jedoch kontinuierlich. Im Jahr 2014 waren es beispielsweise nur noch 26 Personen. Eine davon ist Sigrid Löffler, die an der Seite des wohl bekanntesten Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki auch bereits Teil der Literatursendung Das Literarische Quartett war.62 Die Bücher, die auf der SWR-Bestenliste erscheinen sind jedoch nicht gleichzeitig auch Bestseller, können es aber durch die Verbreitung und Bekanntmachung mittels der Bestenliste werden. Für die Erstellung der Bestenliste wählt jedes Mitglied der Jury jeden Monat vier Werke nach dem eigenen Geschmack aus allen Buch-Neuerscheinungen des Bereiches der Belletristik aus, die sie aufsteigend nach Listen- Wunschplatz mit den Punktzahlen 3, 6, 10 und 15 bewerten und somit in eine Rangliste setzen. Diese Liste basiert demnach auf subjektiven literaturästhetischen Vorlieben.63 Das Buch mit der aus allen Beurteilungen ausgewerteten höchsten Punktzahl belegt schließlich Platz eins und so weiter. Die SWR-Bestenliste umfasst insgesamt zehn Plätze und wird jeden Monat veröffentlicht.64

Bestsellerlisten dürfen demnach in keinem Fall mit Bestenlisten gleichgesetzt werden, da bei letzteren die Empfehlungen der Jury die entscheidende Rolle für den Erhalt eines Listenplatzes spielen und nicht die reinen Verkaufszahlen eines einzelnen Buches. Es handelt sich demzufolge nicht um eine Massenumfrage, wie es bei den Erhebungen von Bestsellerlisten der Fall ist, sondern um Auswertungen einer kritischen Jury, die ganz individuell jeden Monat pro Person die vier geeignetsten Werke auswählt und dabei eine Liste ihrer zehn aktuell besten Bücher erstellt. Zudem wird den Bestsellerlisten unterstellt, dass Äsie das Kaufinteresse [stimulieren], da die Massenauflage als Garantie für Qualität und Aktualität aufgefaßt [sic!] wird.“65 Im Vergleich dazu geht man bei den Werken auf den Bestenlisten von tatsächlicher literarischer Qualität aus, da diese schließlich von einem Kreis aus angesehenen Kritikern zusammengestellt wird.

Ein Vergleich der zwei Listenarten ist demnach insofern interessant als dass sich beide mit den gegenwärtigen Büchern auf dem Markt beschäftigen, jedoch völlig unterschiedliche Zwecke erfüllen. Eine Bestsellerliste bildet die aktuell verkaufsstärksten Bücher des Marktes ab und führt diese je nach Gattung in verschiedenen Listen auf. Diese vermitteln dem Käufer, dass es sich hierbei um die derzeit beliebtesten Bücher handelt. Eine Bestenliste hingegen führt die Bücher auf, die laut einer fachkundigen Jury aus Literaturkritikern die aktuell Besten sind und die nach deren Ansicht eine Verkaufsförderung mittels eines Listenplatzes verdient haben. Man kann vereinfacht sagen, dass die Jury die Werke wählt Ädenen sie ‚möglichst viele Leser und Leserinnen‘ wünschen.“66

Ernst Fischer erklärt die Entstehung der Bestenliste außerdem wie folgt:

[D]urch die Bestsellerlisten [werden] einige wenige Titel in das Rampenlicht gestellt […] und viele andere unverdienterweise in den Hintergrund treten. Um dieser unerwünschten Wirkung entgegenzutreten und den Kommerzialisierungstendenzen am Buchmarkt Gesichtspunkte der literarischen Qualität entgegenzustellen, sind ‘Bestenlisten‘ geschaffen worden.67

Den Büchern auf einer Bestenliste wird demnach zugeschrieben qualitativ hochwertiger zu sein als die Werke auf einer Bestsellerliste, deren einziges Kriterium für einen Listenplatz ausschließlich überdurchschnittliche Verkaufszahlen bedeuten. Dass es also weiterhin beide Arten von Listen gibt, ist von Vorteil, da somit alle Kaufpräferenzen der Leserschaft erfüllt werden können, ganz gleich ob sie bei ihrer Suche nach einem geeigneten Buch nach der Qualität oder nach der allgemeinen Beliebtheit eines Buches gehen.

3.3 Funktionen von Bestsellerlisten

Es existieren selbstverständlich noch etliche weitere Listen neben den bereits genannten, sowohl im Bereich der Bestseller- als auch der Bestenlisten. Jede einzelne aufzuzählen würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen und ist darüber hinaus nicht von Belang, da die jeweiligen Funktionen der einzelnen Listenarten sehr ähnlich sind. Ab diesem Unterkapitel wird es sich zudem ausschließlich um Bestsellerlisten handeln wenn von Listen die Rede ist, da die doch ziemlich im Hintergrund stehenden und weniger einflussreichen Bestenlisten für den weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht weiter relevant sind.

[...]


1 http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/englisch-deutsch/seller (zuletzt aufgerufen am 23.06.15)

2 Wieblitz, David: Geniale Bestseller, S. 9.

3 Der Knaur: Universallexikon, Bd. 2, S. 582.

4 Fischer, Ernst: Bestseller in Geschichte und Gegenwart. In: Medienwissenschaft: Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen, S. 764.

5 Oels, David: Bestseller. In: Das BuchMarktBuch: Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen, S. 47.

6 Marjasch, Sonja: Der Amerikanische Bestseller: sein Wesen und seine Verbreitung unter besonderer Berücksichtigung der Schweiz, S. 12.

7 Thiess, Frank: Der Bucherfolg: Ursprung und Wandel, S. 81.

8 http://www.literaturtipps.de/topthema/thema/die-geheimformel-fuer-bestseller.html (zuletzt aufgerufen am 23.06.15)

9 Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bestseller (zuletzt aufgerufen am 25.06.2015)

10 Vgl.: Fischer, S. 764.

11 Marjasch, S. 18.

12 Vgl. Ebd., S. 19.

13 Vgl. Ebd., S. 19f.

14 Vgl. Ebd., S. 20.

15 Vgl. Ebd., S. 21.

16 Vgl.: Faulstich, Werner / Strobel, Ricarda: Bestseller als Marktphänomen, S.7f.

17 Sutherland, John: Bestsellers: Popular fiction of the 1970s, S. 6.

18 Wieblitz, S. 18f.

19 Vgl.: http://diogenesverlag.tumblr.com/post/115107709455/30-jahre-das-parfum-ein-erfolg-mit-folgen (zuletzt aufgerufen am 29.06.15)

20 Glover, David / McCracken, Scott: The Cambridge Companion to Popular Fiction, S.5.

21 Vgl.: Wieblitz, S. 7.

22 Cockburn, Claud: Bestseller: the books that everyone read 1900-1939, S. 3.

23 Vgl.: Lauterbach, Burkhart R.: Bestseller: Produktions- und Verkaufsstrategien, S. 8.

24 Fischer, S. 764.

25 Vgl.: Keuschnigg, Marc: Das Bestseller-Phänomen: Entstehung von Nachfragekonzentration in Buchmarkt, S. 18.

26 Fischer, S. 765.

27 Vgl.: Faulstich, Werner: Bestandsaufnahme Bestseller-Forschung: Ansätze - Methoden - Erträge, S. 30.

28 Vgl.: Marjasch, S. 15.

29 Marjasch, S. 16.

30 Spree, Ulrike: Das Streben nach Wissen: Eine vergleichende Gattungsgeschichte der populären Enzyklopädie in Deutschland und Großbritannien im 19. Jahrhundert, S. 141.

31 Vgl. Ebd.

32 Vgl.: Fischer, S. 765.

33 Ebd., S. 766.

34 Ebd.

35 Vgl. Ebd.

36 Ebd., S. 767.

37 Vgl. Ebd.

38 Ebd., S. 774.

39 Tomkowiak, Ingrid: Schwerpunkte und Perspektiven der Bestsellerforschung, S. 51.

40 Vgl.: Faulstich / Strobel, S. 33.

41 Ebd.

42 Vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43380555.html (zuletzt aufgerufen am 02.07.15)

43 http://www.wirtschaftslexikon24.com/e/buchgemeinschaften/buchgemeinschaften.htm (zuletzt aufgerufen am 03.07.15)

44 Vgl. Faulstich / Strobel, S. 77.

45 Ebd., S. 62.

46 Ebd., S. 74.

47 Ebd., S. 79.

48 Ebd., S. 100.

49 http://www.mz-web.de/kultur/buechergilde-gutenberg-buchgemeinschaften-fuehren- nischendasein,20642198,27801896.html (zuletzt aufgerufen am 03.07.15)

50 Vgl.: Faulstich / Strobel, S. 108.

51 Ebd., S. 297.

52 Fischer, S. 771.

53 Schütz, Erhard: Das BuchMarktBuch: Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen, S. 49.

54 Fischer, S. 771.

55 Schütz, S. 47.

56 Wieblitz, S. 12.

57 Fischer, S. 771.

58 Schütz, S. 47.

59 Ebd., S. 49.

60 Fischer, S. 772.

61 Wieblitz, S. 20 f.

62 Vgl.: http://www.swr.de/swr2/literatur/bestenliste/ueberuns/jury/die-jury/- /id=4226242/did=4232296/nid=4226242/l5yva/index.html (zuletzt aufgerufen am 14.07.15)

63 Fischer, S. 772.

64 Vgl.: http://www.swr.de/swr2/literatur/bestenliste/ueberuns/jury/die-jury/- /id=4226242/did=4232296/nid=4226242/l5yva/index.html (zuletzt aufgerufen am 14.07.15)

65 Fischer, S. 771.

66 http://www.boersenverein.de/de/portal/Bestenlisten/189775 (zuletzt aufgerufen am 15.07.15)

67 Fischer, S. 772.

Details

Seiten
86
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668520950
ISBN (Buch)
9783668520967
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374566
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,1
Schlagworte
Literatur Bestseller Stephen King Theorie Buch Film Analyse

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Titel: Bestseller. Zur Geschichte und Theorie am Beispiel von Stephen King