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Ukraine. Ein Land zwischen zwei Welten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Ukraine
2.1 Die Geschichte der Ukraine bis 2010
2.2 Die Geschichte der Ukraine nach 2014

3. Auswirkungen auf die ukrainische Bevolkerung und die Wirtschaft

4. Die Teilung der Ukraine als Losung fur den Konflikt

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,Die Geschichtliche Erfahrung lehrt, dass ein machtpolitisches Vakuum nur begrenzte Zeit ein Vakuum bleibt, bis es in die Anziehungskraft einer starkeren Einheit geratA[1] Die Worte, die der ehemalige Bundesprasident Egon Bahr 2005 so treffend uber die Ukraine formulierte, gleichen einer Prophezeiung.

Spatestens seit den Protesten auf dem Maidan-Platz der Ukraine und der daraus resultierenden Krim-Krise im Jahr 2014, ist weltweit bekannt, wie zwiegespalten die Bevolkerung der Ukraine in ihren politischen Ansichten ist.

Wahrend Ukrainer und Separatisten sich um den Verbleib ihrer Regierung und um die moglichen Bundnisse mit der NATO oder Russland streiten, sitzen europaische Politiker zwischen den Stuhlen. Einerseits soll den Opfern der Volksaufstande geholfen werden, andererseits wird ein neuer Kalter Krieg befurchtet, sollte weiterhin keine Einigung fur den Konflikt gefunden werden. Erneut streiten sich West und Ost um ein Land, das sowohl geografische Vorteile aufweist, als auch als Statement fur den Einfluss der jeweiligen Regierung dienen konnte.

Wie kam die Zeruttung eines ganzen Landes zustande? Welche Auswirkungen hat die Teilung auf die Bevolkerung? Und wie wahrscheinlich ist es, dass in der naheren Zukunft eine anerkannte Losung fur dieses Problem gefunden wird?

Um zu verstehen, wie es zur politischen Teilung der Bevolkerung kam, muss zunachst die Geschichte der Ukraine betrachtet werden.

2. Die Geschichte der Ukraine

2.1 Die Geschichte der Ukraine bis 2010

Man konnte zunachst annehmen, dass die Ausschreitungen in der Ukraine eine uberraschende Eskalation sei, die allein durch die Rivalitat Putins mit dem Westen entstand. Fakt ist jedoch, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine schon vor der Grundung der Ukraine bestand, wie es im Folgenden erlautert wird.

Ahnlich wie das ehemalige deutsche Reich, entstand auch die Ukraine aus einem Vielvolkerstaat.[2] Einflussreiche Volker waren unter anderem die Slawen, finnisch-, turk- und baltischsprachige Volker.[3] Das Reich der sogenannten Kiewer Rus’ wurde im 13. Jahrhundert gespalten, nachdem das Heer der Mongolen unter Batu Khan in das Gebiet einmarschierten.[4]

Nachdem Polen im 14. Jahrhundert die Herrschaft uber die Ukraine erlangte, wurden Kiewer Rus’ sowohl von dem polnischen Furstentum, als auch der katholischen Kirche unterdruckt.[5] Es entstanden erste kulturelle Unterschiede in der Bevolkerung.

In den Steppen der Ukraine bildete sich ein Widerstand, die sogenannten Kosaken, die als Reitervolk eine machtige Einheit gegen die polnische Herrschaft bildeten.[6] Dennoch konnten sie sich nie die Souveranitat zuruck erkampfen.[7]

Aufstande wurden mehrfach niedergeschlagen, weshalb sich die Rus’ an den russischen Zaren Alexei Michailowitsch wandten. 1654 wurde der Vertrag von Perejaslaw unterschrieben, in dem sich der Zar zum Schutz der Ukraine verpflichtete.[8] Um diesem Treueeid nachzukommen, sollte er gegen Polen in den Krieg ziehen.

Dieser Vertrag wird heutzutage von beiden Parteien unterschiedlich interpretiert.[9]

Die Historiker der Ukraine sehen den Vertrag von Perejaslaw als einen Bund zwischen zwei souveranen Staaten.[10] Er diente keinesfalls der Annektion an Russland, sondern lediglich als Protektorat.[11] D.h., dass die Ukraine unter dem Schutz der russischen Regierung steht. Da das Land durch den Vertrag unter die russische Herrschaft gelangte, wird Bohdan Chmelnyzkyj, der Anfuhrer der Kosaken, heutzutage scharf kritisiert.[12]

Russland hingegen feiert den Vertrag als Wiedervereinigung mit der Ukraine.[13] Fur russische Historiker war die Unabhangigkeit der Ukraine unnaturlich und ein Sonderfall.[14]

1793 konnte Russland den Krieg fur sich entscheiden und Polen wurde geteilt. Doch anstatt die Souveranitat zuruck zu erlangen, fiel die Ukraine nun unter die Herrschaft des Zaren und Osterreich.[15] Die Spaltung des Gebiets der Ukraine bot erneut unterschiedliche Einflusse auf die Bevolkerung.

Der russische Teil der Ukraine erfuhr eine Transkulturation: Der Bevolkerung war es verboten, ukrainisch zu sprechen. Stattdessen war von nun an Russisch die offizielle Amtssprache.[16]

Das osterreichische Gebiet der Ukraine konnte seine Autonomie weitestgehend beibehalten.[17] Das Herrschaftshaus Habsburg-Lothringen unter Maria Theresia und Franz I liefi den sogenannten Ruthenen sowohl die Sprache als auch die Religion.[18] Durch die kulturelle Freiheit entfachte der Wunsch nach einer Wiedervereinigung mit der russischen Ukraine. Daraus entstand im 19. Jahrhundert letztendlich die ukrainische Nationalbewegung.[19] Im Gegensatz zum osterreichischen Galizien, das die Nationalbewegung tolerierte und die Ukraine als Nation anerkannte, versuchte das russische Regime weiterhin die Impulse der Bevolkerung zu unterdrucken.[20]

Als 1917 die Februarrevolution in Russland das Zarentum beendete, formten sich die Ukrainische Volksrepublik.[21] Am 22. Januar 1919 wurden sie zusammengeschlossen und wurde zur unabhangigen Ukrainischen Volksrepublik ernannt.[22] Da das Gebiet allerdings noch immer unter der Herrschaft Polens, Russlands, Rumanien und der Tschechoslowakei stand und die noch junge Regierung bereits unter dem anarchistischen Aufstand der Machno-Bewegung zu kampfen hatte, eroberte die russische Regierung im Russischen Burgerkrieg weite Teile der Ukraine.

Als dann im Dezember 1922 die Sowjetunion gegrundet wurde, wandelte sich das Land in die Ukrainisch Sozialistische Sowjetrepublik, kurz USSR.[23]

1933 leitete die Sowjetunion eine durch Politik hervorgerufene kunstliche Hungersnot in der Ukraine ein.[24] Sie wird auch der Holodomor genannt und sollte zur Kollektivierung der Landwirtschaft dienen.[25]

Wahrend des zweiten Weltkrieges blieb die USSR unter der Fuhrung der Sowjetunion und bot den Schauplatz vieler Hinrichtungen. Zu dieser Zeit wurde ebenfalls die polnische Bevolkerung aus der Ukraine vertrieben.[26] Zusatzlich konnte, durch einen Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Russland von 1939, der polnische Teil der Ukraine an das Land angeschlossen werden.[27] Im Deutsch-Sowjetische Nichtangriffspakt, auch Hitler-Stalin-Pakt genannt, versprach der damalige Prasident der Sowjetunion Josef Stalin dem deutschen Diktator Adolf Hitler, nicht in einen Krieg gegen Polen einzugreifen.[28] Im Gegenzug konnte Stalin, dank eines geheimen Zusatzprotokolls, sein Interesse fur verschiedene ehemalige Gebiete der Sowjetunion aussprechen. Diese sollten bei eine territorial-politischen Umgestaltung an die Sowjetunion verteilt werden.[29]

Anlasslich des 300-jahrig bestehenden Vertrag von Perejaslaw, schenkte Russland 1954 der USSR die Krim-Halbinsel.[30]

Erst nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion 1991 erlangte die Ukraine ihre Souveranitat zuruck.[31]

Da das Land wahrend der beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg unter Russlands Fuhrung stand, begann die Unabhangigkeit bereits mit grofien wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Problemen.

Einen Schritt in Richtung der westlichen Politik machte die ukrainische Regierung 1995. In diesem Jahr traten sie in den Europarat ein.[32]

Im selben Jahr fand die Prasidentschaftswahl der Ukraine statt. In einer Stichwahl traten die beiden Kandidaten Wiktor Janukowytsch und Wiktor Juschtschenko gegeneinander an. Juschtschenko zeichnete sich durch ein EU-freundliche Regierungssystem aus. Janukowytsch konnte den ersten Wahlgang fur sich entscheiden.[33] Allerdings wurde ihm Wahlbetrug vorgeworfen. Aufgrund mehrerer Proteste wurde das Wahlergebnis offiziell angezweifelt und die Wahlen mussten wiederholt werden.[34] Die Proteste und Demonstrationen werden unter dem Namen „Orange Revolution44 zusammengefasst.

Den zweiten Wahlgang gewann Juschtschenko am 26. Dezember 2004.[35]

[...]


[1] Bahr, E. (2005) S. 18

[2] Vgl. Kappeler, A., Abschnitt 6.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Danyliv, O. (2014), S. 44.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Kappeler, A. (2008), S.59.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Prokopovych, M. S.15.

[10] Vgl. Kappeler, A. (2008), S. 58.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Prokopovych, M. S.14.

[13] Vgl. Prokopovych, M. S.15.

[14] Vgl. Kappeler, A. (2008), S.58.

[15] Vgl. Urban, T. (2003), S.33.

[16] Vgl. Kappeler, A. (2008), S. 64.

[17] Vgl. Grelka, F. (2005), S.48.

[18] Vgl. Grelka, F. (2005), S.49.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Grelka, F. (2005), S.47 f.

[21] Vgl. GrelkaF. (2005), S.61.

[22] Vgl. Grelka, F. (2005), S.81.

[23] Vgl. Grelka, F. (2005), S.117.

[24] Vgl. Schneider-Deters, W. Etal (2008), S.259.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. Landesrat fur politische Bildung Baden-Wurtemberg (2016)

[27] Vgl. Schneider-Deters, W. Etal (2008), S. 251.).

[28] Vgl. Kuhlmann, M. (2015), S.3.

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. Sasse, G. (1998), S.5.

[31] Vgl. Grelka, F. (2005), S.47.

[32] Vgl. Alexandrova, O. (1996), S.24.

[33] Vgl. Strasser, F. (2006), S.13.

[34] Vgl. Strasser, F. (2006), S.13ff.

[35] Vgl. Strasser, F. (2006), S.15.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668540491
ISBN (Buch)
9783668540507
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374553
Note
2,0
Schlagworte
Ukraine Krim-Krise Krim Putin Krieg Politik

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