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Untersuchung verschiedener Einflüsse auf die Bereitschaft zum Ehrenamt

Eine Quantitative Analyse

Hausarbeit 2017 47 Seiten

Mathematik - Statistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. THEORETISCHE EINBETTUNG
2.1 THEORIE
2.2 FORSCHUNGSSTAND
2.3 HYPOTHESENABLEITUNG

III. DATEN, VARIABLEN UND METHODEN

IV. EMPIRISCHE ANALYSE
4.1 DESKRIPTIVE AUSWERTUNG:
4.2 BIVARIATE ZUSAMMENHÄNGE:
4.3 LOGISTISCHE REGRESSION:

V. DISKUSSION UND AUSBLICK

VI. LITERATURVERZEICHNIS

VII. ANHANG

ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1: QUOTENPLAN
ABBILDUNG 2: DESKRIPTIVE STATISTIK
ABBILDUNG 3: BIVARIATE STATISTIK
ABBILDUNG 4: LOGISTISCHE REGRESSION

I. EINLEITUNG

In Deutschland gibt es etwa 600.000 eingetragene Vereine, circa 16.000 Stiftungen, zahlrei- che Organisationen und verschiedene Formen bürgerschaftlichen Engagements. Etwa 30,9 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich (Priller et al. 2009, S. 5). Der Anteil der Personen, die sich freiwillig engagieren, ist in den letzten Jahren um knapp zehn Prozent- punkte gestiegen, was man als Ausdruck einer vitalen Zivilgesellschaft werten kann (Tesch- Römer et al. 2016, S. 15).

Der zahlenmäßige Zuwachs an freiwillig engagierten Personen lässt sich auf gesellschaftliche Veränderungen, wie die zunehmende Individualisierung, den Verlust sozialer Bindungen oder soziale Desintegration, aber auch auf das gestiegene öffentliche Interesse seitens Medien und Politik zurückführen (Priller et al. 2009, S. 5). Gerade die Politik fördert und unterstützt ehrenamtliche Aktivitäten, weshalb sich freiwilliges Engagement zu einer Form der sozialen Teilhabe entwickeln konnte (Tesch-Römer et al. 2016, S. 15).

Das Phänomen Ehrenamt war bislang vornehmlich im kommunalen Bereich und auf Lan- desebene präsent und hat sich in den letzten Jahren als ein wichtiges Thema der Bundespo- litik etabliert. Viele Parteien haben Maßnahmen und Vorschläge für eine politische Unterstüt- zung und Förderung im freiwilligen Ehrenamt ausformuliert (Olk et al. 2010, S. 11). Aufgrund des gestiegenen Interesses an der Thematik des bürgerschaftlichen Engagements ist es wichtig, verschiedene Einflussfaktoren in diesem Bereich zu analysieren. Sowohl für zivilgesellschaftliche Akteure, als auch für die Politik sind Ergebnisse über die Verbreitung und den Wandel des Ehrenamts wertvoll, um angemessen darauf reagieren zu können (Tesch-Römer et al. 2016, S. 5). In dieser Hausarbeit liegt der Fokus auf der Bereitschaft zum Ehrenamt. Es sollen verschiedene Aspekte untersucht werden, die einen Einfluss da- rauf haben, ob Personen bereit sind, sich in Zukunft ehrenamtlich zu betätigen. Der erste Teil der Arbeit widmet sich der theoretischen Herangehensweise und dem Stand der Wissenschaft. Darauf aufbauend werden die Arbeitshypothesen abgeleitet, die als Grundlage der empirischen Analyse dienen. Das darauffolgende Kapitel ist auf die Beschrei- bung der Variablen, Daten und Methoden fokussiert. Im vierten Kapitel wird mithilfe statisti- scher Zusammenhangsmaße und einer Regressionsanalyse die empirische Analyse durch- geführt und dargestellt. Ziel dieser Arbeit ist es, verschiedene Zusammenhänge zwischen der Bereitschaft zum Engagement und ausgewählten Variablen aufzuzeigen. Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung diskutiert und kritisch betrachtet.

II. THEORETISCHE EINBETTUNG

2.1 THEORIE

Vor der Analyse der verschiedenen Einflüsse auf die Bereitschaft zum Ehrenamt ist eine Auseinandersetzung mit dem begrifflichen Instrumentarium notwendig. Daher gilt es „Ehren- amt“ sowie „Bereitschaft zum Ehrenamt“ klar zu definieren und zu differenzieren. In diesem Kapitel werden die in der Literatur diskutierten Definitionen vorgestellt und dahingehend ana- lysiert, welche von ihnen den Anforderungen sowie dem Spektrum dieser Arbeit am besten entsprechen.

Laut Definition des „Brockhaus“ bedeutet der Begriff Ehrenamt ein “öffentliches Amt, das ohne Entgelt ausgeübt wird, teils als Plicht (Schöffe), teils freiwillig (Gemeindeämter)“ (Adams 2010, S. 260). Entgegen dieser Definition wird ein sogenanntes Pflicht-Ehrenamt in dieser Arbeit nicht behandelt. Nur das freiwillige Ehrenamt soll näher betrachtet werden. Hierbei handelt es sich um ein gemeinwohlorientiertes und freiwilliges Engagement, das un- bezahlt oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung ausgeübt wird. Es lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen und ist in den unterschiedlichsten Teilbereichen der Ge- sellschaft anzutreffen (BMFSFJ 2016, 5 ff.). Auch die Ziele und Motivationen hinter einem freiwilligen Engagement sind sehr vielseitig, jedoch zählt der Kontakt zu Mitmenschen, sowie die Unterstützung durch Menschen, die sich in einer ähnlichen Lebenslage befinden, zu den relevantesten Gründen (Tesch-Römer et al. 2016, S. 25). Zur weiteren begrifflichen Bestim- mung ist es notwendig, die Bereiche des Ehrenamts zu erläutern, welche mittels Fragebogen abgefragt wurden. Sie reichen von Kinder-, Jugend- und Bildungsarbeit, Berufliche/ Studenti- sche Interessensvertretung, Politische Interessensvertretung, Sport und Bewegung, Kultur und Musik, Freizeit und Geselligkeit, Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Feuerwehr und Ret- tungsdienste, Lokales Bürgerengagement, Sozialer Bereich (Pflege und Gesundheit) bis zu Kirche und Religion. In dieser Definition wird zwischen keinem gesellschaftlichen Bereich des Ehrenamts unterschieden.

Folgt man der Definition des „Freiwilligen Survey“ sind für die Bereitschaft zum Ehrenamt das Nicht-Engagement oder ein früheres Engagement Voraussetzung. Personen, die noch nie ein ehrenamtlichen Amt übernommen haben, werden als „externes Engagementpotenti- al“ bezeichnet (Gensicke et al. 2006, S. 68). Als „internes Engagementpotential“ werden jene Personen angesehen, die bereits einmal engagiert waren. Personen, die bereits engagiert sind und bereit sind das Engagement noch zu erweitern, bezeichnet man laut „Freiwilligen Survey“ ebenfalls als das „interne Engagementpotential“ (Tesch-Römer et al. 2016, 151 ff.; Gensicke et al. 2006, 68 f.). Aufgrund der Filterführung ist eine solche Unterscheidung mit den vorhandenen Daten nicht möglich. Es kann nur zwischen Personen unterschieden wer- den, die einerseits noch nie ehrenamtlich aktiv waren und andererseits den Befragten, die schon einmal engagiert waren und dieses Ehrenamt aufgegeben haben. Für die Definition ist vor allem das Verhältnis zur Bereitschaft zum Ehrenamt von Bedeutung. Diese Bereitschaft lässt sich in „nicht bereit“ und „bereit“ unterteilen. Für die empirische Analyse dieser Arbeit sind vor allem die Personen interessant, die zum Engagement bereit wären.

2.2 FORSCHUNGSSTAND

Die Ergebnisse des „Freiwilligen Survey“ 2014 dienen als Grundlage der vorliegenden Ana- lyse. Sie wurden in einem Bericht zusammengefasst veröffentlicht. Aus diesen Ergebnissen lassen sich viele Erkenntnisse zur Bereitschaft zum Ehrenamt ableiten. Der Schwerpunkt dieser empirischen Analyse wird auch im Bericht zum Freiwilligensurvey zentral bearbeitet, allerdings eher im Zusammenhang mit früherem Engagement (Tesch-Römer et al. 2016). Im Sammelband „Psychologie der Freiwilligenarbeit“ werden Freiwilligenarbeit als Arbeitstä- tigkeit, die Motivation zum Ehrenamt sowie die Gestaltung und Organisation thematisch be- handelt. Aus der Analyse dieses Buches lassen sich viele Erkenntnisse über die Bereitschaft älterer Personen zum Ehrenamt oder die Motivation zum Engagement gewinnen (Wehner und Güntert 2015).

Der Fokus des Berichts der Enquete-Kommission liegt auf ehrenamtlichem Engagement und Erwerbsarbeit. Darin werden vielfältige Zusammenhänge zwischen Freiwilligenarbeit und Erwerbsarbeit dargestellt und vor allem auch die Notwendigkeit des Ehrenamts in der Zu- kunft thematisiert. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, wird in diesem Teil der Schriftreihe auch hinsichtlich der Erwerbstätigkeit bearbeitet (Hans Böckler Stiftung 2002). Ein weiterer zentraler Forschungsaspekt dieser Studie ist der Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad und der Freiwilligenarbeit. Die Relevanz des Bildungsgrades ist im Hinblick auf die Bereitschaft zum Engagement ebenfalls von Bedeutung (Hans Böckler Stiftung 2002).

Im Bericht „Motivation und Haltekraft im Ehrenamt“ wird die Bereitschaft zum Ehrenamt ana- lysiert. Der Fokus dieses Berichts liegt auf einem ausgewählten Engagementbereich, näm- lich dem der Freiwilligen Feuerwehr und des THW. Hier gehen die Autoren zentral auf die soziologischen Hintergründe für die Motivation und Bereitschaft zum Ehrenamt ein (Wenzel et al. 2015).

Victor Feiler konzentriert sich in seinem Buch „Funktionslogiken organisierten freiwilligen Engagements“ zwar nur auf das Ehrenamt im Kolpingwerk Deutschland, jedoch wird das Thema „Bereitschaft zum Ehrenamt“ hinsichtlich des Engagements von Familienmitgliedern behandelt. Da das Thema auch in dieser Analyse eine gewisse Bedeutung hat, können vom Engagement der Kolpingfamilie Rückschlüsse auf die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, gezogen werden (Feiler 2016).

Der ausgewählte Stand der Forschung zeigt im Allgemeinen, dass zentrale und relevante Aspekte des Themas zwar untersucht wurden, ohne sich jedoch mit den Einzelaspekten ge- nauer auseinander gesetzt zu haben. Die meisten diesbezüglichen Berichte, Studien oder Analysen von Staat, Universitäten oder freiwilligen Organisationen behandeln das Thema des Ehrenamts und widmen lediglich ein Unterkapitel der Bereitschaft zum Engagement. Auffallend ist, dass sich die wenigsten Forschungen auf die Aspekte, welche die Bereitschaft beeinflussen, konzentrieren. Eine Auseinandersetzung mit der Relevanz der Bereitwilligkeit ist daher notwendig, da die daraus entstehenden Erkenntnisse für das zukünftige Ehrenamt von Bedeutung sein können.

2.3 HYPOTHESENABLEITUNG

Statistische Hypothesen sind formalisierte Aussagen zur Überprüfung präziser Annahmen, die durch statistische Verfahren überprüft werden sollen. Eine Hypothese muss so formuliert werden, dass sie auch widerlegt werden kann. Eine Alternativhypothese (ܪଵ) ist eine formu- lierte Aussage, mit welcher ein Phänomen oder Zusammenhang offen gelegt werden soll. Die Nullhypothese (ܪ଴) ist die formale Gegenhypothese zur Alternativhypothese. Das ist eine Negativhypothese, die besagt, dass die komplementäre Aussage zur Alternativhypothese richtig ist (Kuckartz et al. 2013, S. 145). Nachfolgend werden die Alternativhypothesen auf- gestellt, die im empirischen Teil dieser Arbeit mittels Chi²-Teststatistik überprüft werden sol- len.

H1: Es ist davon auszugehen, dass die Geschlechterzugehörigkeit einen Einfluss auf die Bereitschaft zum Ehrenamt hat. Demnach sind Männer eher bereit sich ehrenamtlich zu engagieren als Frauen (Hollstein 2015, 43 f.).

H2: Gerade ältere Personen sind häufiger im freiwilligen Engagement anzutreffen und beginnen auch im höheren Lebensalter neue ehrenamtliche Aktivitäten (Kohli et al. 1993, S. 182; Kubisch 2016, 35 f.). Sich im Alter ehrenamtlich zu engagieren ist demnach verbreitet. Deshalb sind ältere Personen eher bereit sich freiwillig zu engagieren als jüngere Personen (Kohli et al. 1993, 275 ff.).

H3: Der Bildungsgrad ist im Ehrenamt besonders von Bedeutung. Höher gebildete Personen sind vermehrt im Ehrenamt vorzufinden (Hollstein 2015, S. 58). Ein hoher Bildungsstatus kann daher der Auslöser für freiwilliges Engagement sein. Daraus lässt sich ableiten, dass höher gebildete Personen eher bereit sind sich zu engagieren, als weniger gebildete (TeschRömer et al. 2016, S. 149).

H4: Des Weiteren ist davon auszugehen, dass Personen ohne partnerschaftliche Bindung eher bereit sind, sich freiwillig zu engagieren. Da es nur eine eingeschränkte, gesellschaftli- che Sphäre gibt, in der der Prozess der Partnersuche erfolgen kann, stellen Vereins- und Freizeitaktivitäten einen hohen Anteil davon dar (Priller et al. 2009, S. 123). Aus diesem Grund kann das Ehrenamt gerade für Singles attraktiver sein als für Personen in einer festen Partnerschaft. Daher sind Personen ohne festen Partner eher bereit sich zu engagieren, als Personen, die in einer Partnerschaft leben (Häring 2014, 131 ff.).

H5: Auch die Freizeit hat Einfluss auf die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nehmen berufliche, soziale und private Aspekte den Alltag einer Person vollkommen ein, so ist diese weniger bereit, eine weitere Aktivität auszuüben (Hondrich et al. 1988, S. 7). Bewertet eine Person hingegen ihre Freizeit als ausreichend, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie sich einem weiteren Hobby oder einer ehrenamtlichen Aufgabe widmet. Personen mit ausreichend Freizeit sind eher bereit sich zu engagieren, als Personen mit nicht ausreichender Freizeit (Wehner und Güntert 2015, S. 9).

H6: Wenn Familienmitglieder über ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Ehrenamt berichten, entsteht dadurch ein erstmaliger Kontakt bzw. Zugang zu ehrenamtlichen Aktivitäten. Der Einfluss der Familienmitglieder und der erleichterte Zugang zum freiwilligen Engagement bewirkt, dass Personen mit engagierten Verwandten eher dazu bereit sind, sich ehrenamtlich zu betätigen, als Personen ohne ehrenamtlich aktive Verwandte (Tesch-Römer et al. 2016, S. 167). Aus diesem Grund sind Personen, deren Familienmitglieder bereits ehrenamtlich aktiv sind, eher bereit sich zu engagieren, als Personen mit Familienmitgliedern, die nicht ehrenamtlich tätig sind (Wehner und Güntert 2015, S. 240).

III. DATEN, VARIABLEN UND METHODEN

Die empirische Analyse dieser Arbeit basiert auf dem, im Modul „Quantitatives Forschungs- praktikum Teil I“ der Universität Rostock, konstruierten Fragebogen, bestehend aus 60 Fra- gen. Die einzelnen Fragen sind in sechs verschiedene Themenblöcke unterteilt und die Be- arbeitungszeit liegt zwischen 20 und 30 Minuten. Der Fragebogen beginnt mit dem An- schreiben, durch welches dem Befragten Anonymität und Datenschutz zugesichert werden sollen (Anhang 1: Anschreiben). Daran schließt die Eingabe der Kennung des Interviewers, sowie die Angaben zu Alter und Geschlecht an. Die Kennung des Interviewers diente der Erfassung der Anzahl der Befragten pro Student. Beginnend mit drei Fragen zu Freizeit, Me- diennutzung & Zeitverwendung wird das Engagement erfragt. Darauf folgen, je nach Anga- be, die Fragen zum freiwilligen Engagement oder die Fragen an Personen, die kein freiwilli- ges Ehrenamt ausüben. Dies wurde mittels Filterführung gesteuert. Des Weiteren beantwor- ten ab dem Fragenteil C wieder alle Probanden die gleichen Fragen. Der dritte Fragenblock enthält acht Fragen zur familiären Situation & dem sozialen Umfeld. Im Teil D des Fragebo- gens werden zwölf soziodemographischen Merkmale erfragt. Zu den Themen Gesundheit, Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit gibt es vier Fragen. Im letzten Teil des Fragebogens werden zwölf Fragen zu Persönlichkeitsmerkmalen, Einstellungen und Werte & Normen ge- stellt. Im Fragebogen sind verschiedene Fragetypen enthalten. Es wurden Filter-, Einstel- lungs-, Überzeugungs-, und Verhaltensfragen verwendet. Diese Fragetypen wurden in Form von geschlossenen, offenen und halboffenen Fragen gestellt. Insgesamt haben 1024 Perso- nen diesen Fragebogen abgeschlossen. Für die empirische Analyse werden die 1006 Da- tensätze verwendet, die die letzte Seite des Fragebogens erreicht haben, weniger als 21% fehlende Antworten beinhalten und der Altersstruktur des Quotenplans entsprechen. Vor der Erhebung der Daten wurde ein Pretest durchgeführt, um die Filterführung zu überprüfen und weitere Fehlerquellen auszuschalten. Der Fragebogen wurde durch die teilnehmenden Stu- dierenden des Forschungskolloquiums vom 22.07.2016 bis zum 18.10.2016 über einen Link im Internet gezielt an Personen aus dem persönlichen Umfeld verschickt. Die Datenaufberei- tung und -auswertung erfolgt mithilfe der Analysesoftware SPSS. Es sollten etwa 2-3 Pro- banden pro 5-jähriger Altersgruppe und Geschlecht befragt werden. Pro Student wurden zusätzlich drei persönliche Interviews durchgeführt. Damit alle Altersgruppen in etwa gleich stark in der Grundgesamtheit vertreten sind, wurde ein Quotenplan erstellt (Diekmann 2016, S. 391):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 1: QUOTENPLAN

QUELLE: ZENSUS 2014 UND GE 2016 (EIGENE BERECHNUNGEN)

Die Soll-Quoten wurden aus aktuellen Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamts generiert. Die Ist-Quoten ergeben sich aus den erhobenen Daten und sind im Vergleich zu den Soll-Quoten in den höheren Altersgruppen ab der Kategorsie der „30-34 jährigen“ deut- lich unterrepräsentiert. Aufgrund dieser Verzerrung im Analyse Sample ist eine Gewichtung der Altersgruppen notwendig. Verzerrungen entstehen aufgrund einer Über- bzw. Unterer- fassung bestimmter Bevölkerungsgruppen und lassen deshalb keine Rückschlüsse und Übertragbarkeit auf die Grundgesamtheit zu (Schnell et al. 2014, 390 f.). Bei den verwende- ten Daten handelt es sich zum einen um eine Übererfassung von jüngeren Altersgruppen (20-24 jährige und 25-29 jährige Personen) zum anderen um eine Unterfassung der restli- chen Altersgruppen (30-59 jährige Personen). Die Gewichtung der Altersvariable nach Ge- schlecht dient dem Ausgleich von Verzerrung. Sie erfolgte nachträglich (Redressment) und wurde an das Analyse-Sample des Quotenplans angeglichen (Diekmann 2016, S. 427). Hierbei wird der Anteil der Soll-Quote durch den Anteil der Ist-Quote dividiert. Diese Vorge- hensweise ist in der Syntax im Anhang nachvollziehbar (Anhang 2: Syntax). Die Ist-Anzahl des Quotenplans enthält 924 Fälle. Aufgrund der Untererfassung der älteren Altersgruppen, wurden zusätzlich höhere Altersklassen als 55-59 jährige Personen mit in das Analyse- Sample mit aufgenommen, weshalb sich die Fallzahl auf 1024 Probanden erhöht.

Die abhängige Variable „Bereitschaft zum Engagement“ wurde dichotomisiert mit den Aus- prägungen „Ja“ und „Nein“, die Kategorien „Keine Angabe“, „Nicht beantwortet“ und „System- Missings“ wurden aus dem Datensatz gelöscht (Schnell et al. 2014, S. 12). Die erste unab- hängige Variable Geschlecht ist in „weiblich“ und „männlich“ unterteilt. Das Alter wurde in vier Antwortkategorien zusammengefasst. Die Altersgruppen umfassen nun die „18-29 jähri- gen“, „30-44 jährigen“, „45-59 jährigen“ und „60-80 jährigen“. Die unabhängige Bildungsvari- able wurde in drei neue Kategorien unterteilt. Niedrige Bildung umfasst „keinen Schulab- schluss“ und „Volks- oder Hauptschule/ Abschluss 8. Klasse“, Mittlere Bildung besteht aus „Mittlere Reife/ Abschluss 10. Klasse (POS) während sich Hohe Bildung aus „Fachhoch- schulreife“, „Abitur/ Hochschulreife (EOS)“ sowie „Abgeschlossenes Hochschulstudium“ zu- sammensetzt. Die Fälle aus der Antwortkategorie „Keine Angabe“ wurden aus dem Daten- satz entfernt. Die Partnerschafts-Variable ist dichotom in „Ja“ und „Nein“ unterteilt und die Kategorien „Keine Angabe“ sowie „Nicht Beantwortet“ wurden erneut aus dem Datensatz gelöscht. Die fünfte Variable erfragt die Einschätzung der eigenen Freizeit. Die Kategorien sind in „ausreichend“, „nicht ausreichend“ und „Fehlend“ unterteilt. In diesem Fall wurden die Missings nicht gelöscht, da die Anzahl zu groß ist. Aus vier eigenständigen Variablen wurde die letzte verwendete Variable generiert. Diese vier erfragen allesamt das Engagement von Familienmitgliedern und wurden zu einer dichotomen Variable zusammengefasst, die ehren- amtliche Aktivitäten von Vater, Mutter, Geschwistern und weiteren Familienmitgliedern in sich vereint.

Nach dem Löschen einiger Missings enthält der Datensatz 718 Fälle, mit denen die Chi²- Teststatistik sowie die logistische Regression durchgeführt werden kann. Zur Überprüfung der Hypothesen werden die Chi²-Teststatistik, das Zusammenhangsmaß Phi, Cramers V sowie die Logistische Regression genutzt. Die aufgestellten Hypothesen werden mittels der Chi²-Teststatistik überprüft. Dieser Test stellt eine statistische Abhängigkeit bzw. Unabhän- gigkeit durch die Abweichung der erwarteten und beobachteten Häufigkeiten fest (Kuckartz et al. 2013, S. 92). Damit ist es möglich, aus der Beobachtung Rückschlüsse auf die gesam- te Bevölkerung zu ziehen. Vor der Durchführung des Chi²-Tests wird der Wert des Signifi- kanzniveaus bestimmt. Er gibt an, ob die Arbeitshypothese bestätigt oder widerlegt werden kann (Kuckartz et al. 2013, 95 ff.). Für die Berechnung des Chi²-Tests ist folgende Formel notwendig:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei diesem Test werden summiert im Zähler die beobachtete Anzahl mit der erwarteten An- zahl subtrahiert und danach quadriert. Im Nenner des Bruchs steht die jeweilige erwartete Häufigkeit für die einzelnen Spalten. Bei einem Signifikanzniveau von p kleiner gleich 0,01 kann der Test als signifikant eingestuft werden (Kuckartz et al. 2013, S. 94). Darauf aufbau- end kann man die Stärke des Zusammenhangs mittels des Koeffizienten Phi ermitteln. Der Koeffizient Phi basiert auf dem Wert des Chi²-Tests und ist für Variablen ab dem nomi- nalen Skalenniveau angemessen. Für die Berechnung wird folgende Formel verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierfür wird der Wert des Chi²-Tests durch die Gesamtfallzahl dividiert. Abschließend wird von diesem Ergebnis die Wurzel gezogen. Der Wertebereich dieses Koeffizienten liegt zwi- schen -1 und 1. Je näher der Wert an -1 bzw. 1 liegt, desto stärker ist der Zusammenhang und je näher er zu 0 tendiert, umso schwächer kann der Zusammenhang eingestuft werden. Dieser Koeffizient gilt allerdings nur für zwei Variablen einer Vierfeldertabelle (Rasch et al. 2010, S. 197; Diekmann 2016, S. 690). Bei Variablen mit mehr als zwei Ausprägungen wird der Kontingenzkoeffizient Cramers V verwendet, um die Stärke des Zusammenhangs zu messen. Dieser Koeffizient gilt für nominalskalierte Variablen mit mindestens zwei Ausprä- gungen und wird folgendermaßen berechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierbei wird der Wert des Chi²-Tests durch das Produkt der Gesamtanzahl der Fälle (n) und dem Minimum der Zeilen- (I) und Spaltenanzahl (J) abzüglich 1 dividiert. Anschließend wird von diesem Ergebnis die Quadratwurzel gezogen. Der Wertebereich liegt zwischen 0 und 1 (Rasch et al. 2010, S. 194).

Die Logistische Regression (auch Logit-Modell genannt) ist eine Regressionsanalyse, mit der die Verteilung der diskreten abhängigen Variablen modelliert wird. In der hier verwendeten empirischen Analyse ist die abhängige Variable dichotomisiert und daher handelt es sich um eine binomiale logistische Regression. Das Skalenniveau der unabhängigen Variablen kann beliebig sein. Da mittels der klassischen linearen Regressionsanalyse keine Einflüsse auf diskrete Variablen untersucht werden können und wesentliche Voraussetzungen, wie die Normalverteilung der Residuen sowie Homoskedastizität nicht gegeben sind, wurde das Mo- dell der logistischen Regression entwickelt (Backhaus et al. 2016, S. 18). Grundlage der lo- gistischen Regression ist das Quoten- und Chancenverhältnis (Odds Ratio). Hierfür wird die Chance der Auswahlgruppe durch die Chance der Referenzgruppe dividiert. Damit wird die Chance bzw. das Risiko, dass ein Ereignis einer speziellen Gruppe eintritt, mit einer vorher festgelegten Referenzgruppe verglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ist das Ergebnis des Zusammenhangsmaßes Odds Ratio kleiner als eins, so hat die Auswahlgruppe eine geringere Chance bzw. niedrigeres Risiko als die Referenzgruppe. Bei einem Ergebnis mit dem Wert eins besitzt die Auswahlgruppe die gleiche Chance wie die Referenzgruppe. Eine höhere Chance als die Referenzgruppe hat die Auswahlgruppe, wenn der Wert des Odds Ratio größer als eins ist. Des Weiteren gilt es, die Signifikanz des Unterschiedes zu beachten. Sofern diese kleiner als 0,01 ist, ist der Unterschied von der Auswahlgruppe zur Referenzgruppe signifikant (Backhaus et al. 2016, S. 295). Die Formel für die logistische Regression für den Zwei-Variablen-Fall lautet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Regressionskoeffizienten (a und b) bezeichnet man als „Logit-Koeffizienten“. Sie werden mit dem Maximum des Odds Ratio unter der Verwendung der Stichprobendaten geschätzt. Die Regressionskoeffizienten müssen hierfür so geschätzt werden, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Daten maximal ist (Diaz-Bone und Künemund 2003, S. 5).

IV. EMPIRISCHE ANALYSE

Im Folgenden werden die verschiedenen Einflüsse in Bezug auf die Bereitschaft zum freiwilligen Ehrenamt vorgestellt und konkrete Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der Forschung in diesem Themengebiet herausgearbeitet. Die empirische Analyse gliedert sich in deskriptive, bivariate und logistische Auswertungsformen.

4.1 DESKRIPTIVE AUSWERTUNG:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 2: DESKRIPTIVE STATISTIK

QUELLE: GE 2016, GEWICHTET (EIGENE BERECHNUNGEN)

In dieser Graphik lassen sich die unterschiedlichen Fallzahlen der Ausprägungen der Variab- len nachvollziehen. Die Gesamtanzahl beträgt 718. Die Fälle in der abhängigen Variable „Bereitschaft zum Ehrenamt“ sind ungleich verteilt, da deutlich mehr Personen dazu bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Etwa 71 Prozent der Befragten geben an, dass sie bereit wären, sich freiwillig zu engagieren, wohingegen etwa 29 Prozent das verneinen. Von den 718 Personen, die die abhängige Variable Bereitschaft zum Ehrenamt beantwortet ha- ben, sind 50,6 Prozent der Probanden weiblich und 49,4 Prozent männlich. Zum Zeitpunkt der Erhebung befinden sich etwa 27 Prozent in der Altersgruppe der 18- 29 jährigen, etwa 31 Prozent sind zwischen 30 und 44 Jahre alt, etwa 37 Prozent geben ihr Alter zwischen 45 und 59 Jahren an und etwa 5 Prozent gehören zu den 60 - 80 jährigen. 4,3 Prozent der befrag- ten Personen haben eine niedrige Bildung und 32,8 Prozent geben an, einen mittleren Bil- dungsabschluss zu besitzen. Von den 718 Befragten haben etwa 63 Prozent einen hohen Bildungsabschluss erlangt. Die Angaben zu einer Partnerschaft ergeben eine ungleiche Ver- teilung. Etwa drei Viertel der Befragten geben an, sich in einer festen Partnerschaft zu befin- den. Lediglich 24 Prozent haben keinen festen Partner. Ein anderes Bild zeigt sich in Bezug auf die Freizeit, denn von den 718 Befragten geben etwa 51 Prozent an, dass sie ihre Freizeit als ausreichend bewerten würden. Etwa 43 Prozent empfinden ihre Freizeit als nicht ausreichend. Lediglich 4 Prozent haben eine Antwort auf diese Frage verweigert, weshalb sie in der Kategorie „Fehlend“ geführt werden. Von den befragten Personen sind etwa 55 Prozent der Familienmitglieder bereits ehrenamtlich aktiv. Circa 45 Prozent der Familienmitglieder der Befragten engagieren sich nicht ehrenamtlich.

4.2 BIVARIATE ZUSAMMENHÄNGE:

Im Folgenden werden die verschiedenen Einflüsse in Bezug auf die Bereitschaft zum Ehrenamt vorgestellt, die mittels des Chi²-Tests überprüft wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 3: BIVARIATE STATISTIK

QUELLE: GE 2016, GEWICHTET (EIGENE BERECHNUNGEN)

H1: Zwischen der Bereitschaft zum Ehrenamt und den beiden Geschlechtern besteht ein höchst signifikanter Zusammenhang. Dessen Stärke wurde mittels des Assoziationsmaßes Phi berechnet und zeigt, dass es sich hierbei um einen schwachen Zusammenhang handelt. H2: Laut den Ergebnissen des Chi²-Tests existiert ein äußerst signifikanter Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement und dem Alter. Die Stärke des Zusammenhangs wurde mithilfe des Zusammenhangsmaßes Cramers V ermittelt und besagt, dass es sich um einen schwachen, aber signifikanten Zusammenhang handelt. H3: Zwischen der Bereitwilligkeit sich freiwillig zu engagieren und der Höhe des Bildungsgrades gibt es einen statistisch höchst signifikanten Zusammenhang. Dem Zusammenhangsmaß Cramers V zufolge, ist die Stärke des Zusammenhangs als mittel, bei einem Signifikanzniveau kleiner gleich 0,001, einzustufen.

H4: Der Chi²-Test zeigt, dass zwischen der Bereitschaft zum Ehrenamt und der Partner- schaftsvariable ein starker signifikanter Zusammenhang besteht. Mittels des Assoziations- maßes Phi lässt sich beweisen, dass die Stärke dieses Zusammenhangs als schwach be- wertet werden kann.

H5: Laut dem Ergebnis des Chi²-Tests besteht ein schwacher Zusammenhang zwischen der Bereitschaft sich freiwillig zu engagieren und der Einschätzung der Freizeit. Das Zusammenhangsmaß Cramers V gibt an, dass es sich um einen schwachen und gering signifikanten Zusammenhang handelt.

H6: Einen signifikanten Zusammenhang gibt es zwischen der Bereitschaft zum Ehrenamt und dem Engagement der Familienmitglieder. Bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 0,019 sind Personen mit einem ehrenamtlich aktiven Umfeld eher bereit sich zu engagieren, als Personen ohne freiwillig engagierte Verwandte. Das Zusammenhangsmaß Phi zeigt, dass dieser Zusammenhang von schwacher Art ist.

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Details

Seiten
47
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668517875
ISBN (Buch)
9783668517882
Dateigröße
883 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374538
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Soziologie und Demographie
Note
2,0
Schlagworte
untersuchung einflüsse bereitschaft ehrenamt eine quantitative analyse

Autor

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Titel: Untersuchung verschiedener Einflüsse auf die Bereitschaft zum Ehrenamt