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Das Fleisch der Zukunft. Bieten fleischlose Alternativen realistische Lösungsansätze für durch Massentierhaltung entstehende Problematiken?

Hausarbeit 2017 12 Seiten

Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Massentierhaltung
Begriff und Problematiken
Lösungsansätze

III. In-Vitro-Fleisch
Begriff und Hintergründe
Vorteile
Gegenstimmen

IV. Entomophagie
Begriff und Hintergründe
Vorteile
Gegenstimmen

V. Gegenüberstellende Beurteilung der Zukunftsfähigkeit der Lösungsansätze

VI. Quellenverzeichnis

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Auch wenn die Anzahl der Vegetarier und Veganer stetig ansteigt (vgl. Precht 2016, S. 14), so ist Fleischkonsum in unserer aktuellen Gesellschaft nicht wegzudenken. Fest steht allerdings auch, dass die Art und Weise der Fleischproduktion negative Folgen für unseren Planeten und unsere Gesundheit nach sich zieht (vgl. PETA 2014, o.S.). Zunächst werden in dieser Hausarbeit die Problematiken benannt und beschrieben.

Anschließend wird sich die Arbeit den Lösungsansätzen widmen. Vegetarismus und Veganismus als Lösung liegen auf der Hand, doch es gibt bereits alternative Ideen.

Erst kürzlich polarisierte Richard David Precht in einer Talkshow von Markus Lanz mit den Worten: „In zehn Jahren werden es unsere Kinder pervers finden, dass wir noch lebende Tiere gegessen haben.“ Hierbei bezieht er sich auf die In-Vitro-Methode, mit welcher beispielsweise einer Kuh Stammzellen entnommen werden, um diese dann im Labor zu Fleisch zu entwickeln. Somit wäre ressourcenschonender Fleischkonsum ohne Tierleid möglich – Utopie oder realistische Zukunftsvision? Erste Probanden sind zwiegespalten vom Konzept des „Gen-Burgers“.

Neben der Auseinandersetzung mit diesem Lösungsansatz wird sich die Arbeit mit Entomophagie beschäftigen – einem Gebiet, in dem Massentierhaltung um einiges einfacher und umweltschonender ist: Die Rede ist von Insektennahrung. Was in Entwicklungs- und Schwellenländern längst etabliert ist, ruft in unseren Kulturkreisen größtenteils Ekel hervor. Dem werde ich auf den Grund gehen und abschließend beide Lösungsansätze ihrer Zukunftsfähigkeit nach beurteilen.

II. Massentierhaltung

Begriff und Problematiken

Massentierhaltung, oder auch Intensivtierhaltung, bezeichnet das Streben der modernen Landwirtschaft danach, „[…] eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und preisgünstig wie möglich zu produzieren – und das bei minimaler Platzanforderung“ (PETA 2014, o.S.). Derart motiviertes Handeln führt sowohl kurz- als auch langfristig zu schwerwiegenden Problematiken.

In den westlichen Teilen Europas existieren mittlerweile „[…] mehr Massentierhaltung, mehr Legebatterien und mehr industrielles Tierleid als je zuvor“ (Precht 2016, S. 14). Auf deutschem Boden sterben in der Intensivtierhaltung circa 753 Millionen Tiere pro Jahr (vgl. Albert Schweitzer Stiftung 2016, o.S.). § 2 des Tierschutzgesetzes konstatiert die Pflicht, Tiere angemessen und artgemäß zu halten und zu verpflegen, allerdings werden diese Bestimmungen regelmäßig verletzt (vgl. Precht 2016, S. 368).

Zusätzlich zu den tierethischen und moralischen Problemen der Massentierhaltung kommen ökonomische Missstände. Lokale Bauernhöfe können sich in der Konkurrenz zu globalen Billigfabriken nicht halten und die industrielle Tierhaltung „[…] vernichtet Jahr um Jahr Arbeitsplätze und verseucht Böden und Gewässer in einem solchen Maße, dass alle Gewinne nicht ausreichen würden, die ökologischen Schäden zu bezahlen, die wir künftigen Generationen aufzwingen“ (Precht 2016, S. 372). Diese Umweltverschmutzung entsteht durch von Düngemittel und Tierausscheidungen verunreinigtem Abwasser.

Die Antibiotika, welche die Masttiere präventiv in hohem Maße verabreicht bekommen, hinterlassen Rückstände, die die Gesundheit des Menschen beim Konsum von Fleischprodukten erheblich beeinträchtigen können (vgl. PETA 2014, o.S.). Außerdem ist das konventionell angebaute Soja zur Fütterung der Nutztiere zum größten Teil gentechnisch verändert, was aber auf den verarbeiteten Endprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern nicht kennzeichnungspflichtig ist (vgl. ebd.).

Neben den gesundheitlich negativen Folgen entstehen zudem Probleme für das Klima. Die Massentierhaltung verursacht die meisten Treibhausgase weltweit, insbesondere Methan und CO2. Grund dafür ist sowohl die Flatulenz von Kühen, als auch der Anbau vom Futtermittel Soja. Laut einer Studie des WWF ist „[a]llein die landwirtschaftliche Produktion […] für elf bis vierzehn Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich“ (Endres 2012, S. 1). Der Konsum von Fleisch hat in Deutschland zehn Prozent der durchschnittlich verursachten Pro-Kopf-Emissionen zu verantworten (vgl. ebd.). Zudem ist die Viehzucht einer der Hauptfaktoren der Regenwaldzerstörung, da für Weideflächen „[…] viele Millionen Hektar Urwald gerodet […] werden“ (Precht 2016, S. 374).

Die soeben aufgezeigten Problematiken fordern umgehendes Handeln und Lösungen, vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in Zukunft die Nachfrage nach Fleisch auch in Schwellen- und Entwicklungsländern steigen wird. Der Jahresdurchschnitt des Fleischkonsums liegt weltweit „bei 12 Kilo pro Person [,] in Indien hingegen sind es erst vier bis viereinhalb Kilo“ (Thurn & Kreutzberger 2014, S. 164). Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen geht davon aus, dass sich „[z]wischen 2000 und 2050 […] die globale Fleischproduktion verdoppeln [wird]“ (Precht 2016, S. 373).

Lösungsansätze

Der wohl bekannteste Lösungsansatz ist der Verzicht auf Fleisch oder generell auf tierische Produkte. Seinen Ursprung hat der Vegetarismus und Veganismus bereits circa 500 Jahre vor Christus unter Pythagoras. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Ideologie von zahlreichen Philosophen und Tierrechtlern geprägt (vgl. Thurn & Kreutzberger 2014, S. 155).

Der Anteil von Vegetariern und Veganern wächst stetig, „[n]ach einer Umfrage des Allensbacher Instituts aus dem Jahr 2015 gibt es in Deutschland inzwischen 7,8 Millionen Vegetarier und 900 000 Veganer“ (Precht 2016, S. 14). Motiviert sind sie größtenteils von Gründen wie Ethik, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Prognosen legen nahe, „dass die aktuell landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Erde bei ausschließlich vegetarischer Ernährung zur Versorgung von zehn Milliarden Menschen ausreicht“ (Thurn & Kreutzberger 2014, S. 154). Ausschlaggebend hierfür sei vor allem die Aufgabe von industriellem Futteranbau und massenhafter Viehproduktion (vgl. ebd.).

Doch Motivationen wie „Schönheit, Fitness, Gesundheit und Tierliebe sind meist auf einen Nahhorizont beschränkt“ (Precht 2016, S. 14). Solange Ernährung und das Verhältnis zu Tieren von den Menschen als Privatsache aufgefasst wird, wird die gesellschaftliche Akzeptanz von Grausamkeit an Tieren trotz besseren Wissens stets verhältnismäßig hoch bleiben (vgl. ebd.).

Ein anderer Lösungsansatz, der keinen Verzicht auf tierische Produkte beinhaltet, ist das Kaufen von Produkten aus Biohaltung. Diese garantiert zumeist mehr Auslauffläche, Zugang nach draußen und kein gentechnisch verändertes Futter (vgl. PETA 2014, o.S.). Allerdings ist der Wettbewerb groß, und „[l]ediglich 2-4% der Tiere in Deutschland stammen überhaupt aus der Bio-Landwirtschaft“ (PETA 2014, o.S.). Nicht zuletzt unterscheidet sich der Tod im Schlachthof nicht von dem der konventionell gehaltenen Tiere. Biobauernhöfe, die von Landesregierungen teilweise subventioniert werden, „kaschieren nur das Elend, weil sie einen Ausweg vorgaukeln, der keiner ist“ (Precht 2016, S. 372).

Aus diesem Grund wird an weiteren Lösungsansätzen gearbeitet, die Alternativen zu konventionellem Fleisch aus Massentier- und auch Biohaltung darstellen könnten. Zwei realistische und vielversprechende Visionen werden im weiteren Verlauf dieser Arbeit vorgestellt und auf ihre Umsetzungsfähigkeit beurteilt.

III. In-Vitro-Fleisch

Begriff und Hintergründe

Der Niederländer Mark Post präsentierte im August 2013 in London eine Innovation, die ebenso befremdlich wie revolutionär erschien: Ein Stück Hackfleisch, für das kein Tier hatte sterben müssen – gezüchtet aus der Nackenmuskel-Stammzelle einer Kuh (vgl. Precht 2016, S. 372). Der Physiologe hat die Vision, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein solches „In-Vitro“-Fleisch (lat. „in vitro“ = „im Glas“) Alltag in den Supermärkten sein und konventionelles Fleisch von geschlachteten Tieren verdrängen wird.

Dies ist allerdings keine von Grund auf neue Idee, denn schon Winston Churchill in den 1930er Jahren erhoffte sich „[…] eine Zeit, in der wir nicht mehr das ganze Huhn züchten müssen, sondern einfach nur die Hühnerbrust, die wir essen“ (Thurn & Kreutzberger 2014, S. 251). Mit Beginn der Stammzellenforschung ist dieses Ziel immer wieder von verschiedenen namhaften Wissenschaftlern angestrebt worden. Post und seinem Team gelang der erste „No-Meat“-Burger nach fünf Jahren Arbeit und einer Summe von zwei Millionen Euro (vgl. Precht 2016, S. 373). Einer der prominenten Sponsoren ist Google-Mitgründer Sergey Brin. Der Preis für 80 Gramm Laborfleisch beläuft sich aktuell auf 250 000 Euro, jedoch rechnet Post mit einer Preissenkung auf 50 Euro pro Kilo, sobald die Technologie verbessert und Massenproduktion in großen Laboren ermöglicht werden kann.

In-Vitro-Fleisch soll auf lange Sicht kein Luxusgut, sondern für jeden erschwinglich sein (vgl. Thurn & Kreutzberger 2014, S.254).

Das benötigte Gewebe lässt sich mittels einer Spritze dem entsprechenden Tier entnehmen. Anschließend werden diese Fleischfasern mit einem Kulturmedium und einem embryonalen Serum vermischt und zur Zellvermehrung für drei Wochen in den Inkubator gestellt. Auf diese Weise lassen sich aus einer Zelle Milliarden Zellen heranzüchten, die für mehrere tausend Kilo Kulturfleisch ausreichen (vgl. Thurn & Kreutzberger 2014, S. 252). Allerdings fehlen hierbei noch sowohl die Geschmacksträger als auch das Myoglobin, welches für die Farbe des Fleisches verantwortlich ist. Deshalb müssen zusätzlich Fettzellen hergestellt werden, um den Geschmack zu verbessern. Das „Cultured Meat“ schmecke laut Post „heute schon so gut wie ein schlechter Burger einer bekannten Fast-Food-Kette“ (Schalk 2016, o.S.). Es sei zu erwarten, dass in ungefähr fünf bis zehn Jahren Geschmack, Nährwerte und technologische Möglichkeiten derart verbessert sein werden, dass das Kulturfleisch im Supermarkt angeboten werden könne (vgl. ebd.).

Vorteile

Dass kein Tier für das In-Vitro-Fleisch leiden und sterben muss, ist nicht der einzige damit verbundene Vorteil. Die Erzeugung von Laborfleisch ist darüber hinaus um einiges klimafreundlicher, da die Methanemissionen, welche die Viehhaltung unter Anderem so umweltschädlich machen, wegfallen. Es werden „90 Prozent weniger Land […], 90 Prozent weniger Wasser, 70 Prozent weniger Energie und 60 bis 70 Prozent weniger Nährstoffe [verbraucht]“ (Thurn & Kreutzberger 2014, S. 253). Während gegenwärtig 70 Prozent des weltweit geernteten Getreides ausschließlich an Tiere verfüttert werden, so könnte bereits bei einer Halbierung dieses Prozentsatzes dem Welthunger leichter und schneller entgegengewirkt werden (vgl. ebd.). Recherchen der University of Oxford haben ergeben, dass „[…] die Umstellung vom gezüchteten Tier zum gezüchteten Fleisch nur noch ein Prozent des Landes benötigen [würde], das gegenwärtig mit Rindern [und] Schweinen besetzt ist“ (Precht 2016, S. 375). Ebenso würde sich der Wasserverbrauch zur Tierhaltung und der Einsatz von Antibiotika verringern. Das Risiko von Krankheits- und Schadstoffübertragung durch Fleisch würde minimiert werden (vgl. ebd.).

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Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668525986
ISBN (Buch)
9783668525993
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374512
Institution / Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
1,3
Schlagworte
fleisch zukunft bieten alternativen lösungsansätze massentierhaltung problematiken

Autor

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