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Was ist moralisches Handeln? Ein Sprengstoffanschlag und weitere Fälle für mutmaßlich unmoralisches Verhalten

Unterrichtsentwurf 2016 18 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Längerfristiges Unterrichtsvorhaben – Unterrichtskontext
1.1 Darlegung und Begründung des längerfristigen Unterrichtsvorhabens
1.1.1 Curriculare Verordnungen
1.1.2 Unterrichtskontext
1.2 Synopse des Unterrichtsvorhabens

2. Kompetenzbezogene Zielsetzung
2.1 Schwerpunktziel
2.2 Kompetenzorientierte Zielsetzungen

3. Didaktisch-methodische Entscheidungen
3.1 Didaktische Reduktion: Potenzial und Relevanz des Themas und des Gegenstands
3.2 Methodische Entscheidungen

4. Verlaufsplan

5. Literatur

6. Anhang
6.1 Impulsfall „Der Sprengstoffanschlag“ (M1)
6.2 Impulsbogen mit verschiedenen Fällen (M2)
6.3 Arbeitsblatt „Was bedeutet ´moralisch`?“ (M3)

1. Längerfristiges Unterrichtsvorhaben – Unterrichtskontext

1.1.1 Curriculare Verordnungen

Das hier vorgestellte Unterrichtsvorhaben behandelt eine Unterrichtsreihe zu dem Thema „Ethik – vernünftig und frei handeln“. Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen ist für das Fach Katholische Theologie ein fester Bestandteil des Lehrplans Sek II. NRW im Inhaltsfeld 5 Verantwortliches Handeln aus christlicher Motivation zum inhaltlichen Schwerpunkt „Charakteristika christlicher Ethik“[1]. Das schulinterne Curriculum verordnet das Thema als Teil der Inhaltsfelder Der Mensch in christlicher Perspektive (IF 1) und Verantwortliches Handeln aus christlicher Motivation (IF 5) mit den dazugehörigen inhaltlichen Schwerpunkten „Der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes“ und „Charakteristika christlicher Ethik“. Der Schwerpunkt liegt im schulinternen Curriculum auf der Handlungs- und der Urteilskompetenz.

Im Sinne des didaktischen Perspektivenwechsels von der Inhaltsorientierung (Input-Orientierung) zur Kompetenzorientierung (Output-Orientierung)[2] soll bei der vorliegenden kompetenzorientierten Unterrichtsreihe das Lernen der Schülerinnen in den Mittelpunkt gestellt werden, so dass die Reihe insgesamt darauf abzielt, Andreas Feindts und René Herbigs sechs Merkmale eines kompetenzorientierten Unterrichts umzusetzen[3] und neben der Kompetenzorientierung mit den Prinzipien der Schülerorientierung[4], der Elementarisierung[5] und der Korrelation[6] einher zu gehen.

Die einführende Sequenz greift das Thema „Ethik“ anhand einer Bewegungsübung zu schwierigen Situationen aus dem Schülerinnenalltag auf: Die Schülerinnen werden gebeten, sich entsprechend im Raum aufzustellen, wenn sie in bestimmten Situationen eine Lüge für gerechtfertigt (linke Raumecke) bzw. ungerechtfertigt (rechte) halten. Der korrelative Einstieg über Anwendungssituationen aus der Lebenswelt der Schülerinnen macht den Lebensweltbezug der Reihe deutlich (lebensweltliche Anwendung) und ermöglicht gleichzeitig dem Unterrichtenden eine erste Einschätzung der Ausgangsvoraussetzungen der Schülerinnen, welche sich auf die Schwerpunktsetzung und Vertiefung der weiteren Elemente der Reihe auswirken können (Diagnose). Das Grundanliegen ist die konsequente Verknüpfung der wissenschaftspropädeutischen Auseinandersetzung mit den in der Reihe behandelten Gegenständen mit den Fragen der Schülerinnen. Die Schülerinnen sollen dabei stärker in ihrem individuellen Lernprozess wahrgenommen und begleitet werden (Individuelle Lernbegleitung): Hierzu gehören die bewusste Wahrnehmung der Lernausgangslage (Vorwissen, Kompetenzen, persönlicher Bezug zur Thematik, subjektive Theorien) und passende, individuelle Lernangebote sowie die sorgfältige Beobachtung jeder einzelnen Schülerin im Laufe des Lernprozesses. Im zweiten Teil der 1. Sequenz („Der Sprengstoffanschlag)“ werden Schülerintuitionen zur Verwendung der Begriffe „Moral“ bzw. „moralisch“ ermittelt und später mit Hilfe von weiteren moralisch relevanten Fällen vertieft.

In der zweiten Sequenz werden zentrale Begriffe der Ethik (z.B. „deskriptiv – normativ - präskriptiv“) geklärt, (u.a.) anhand des Kurzfilmes „Sommersonntag“ (der Tatort-Schauspieler Axel Prahl steht vor dem Trolley-Problem) und anhand des Mercedesspots „ADOLF“ (ein Mercedes überfährt bewusst Hitler als Kind). Neben der Sachkenntnis um die Begriffe wird die Urteilskompetenz geschult. Wie vom schulinternen Lehrplan zu den methodischen Akzenten des Vorhabens erklärt, sollen die Schritte ethischer Urteilsfindung aus der Auseinandersetzung mit Dilemmata bestehen. Die Auseinandersetzung mit Dilemmata dient ebenfalls der Übung / Überarbeitung: Unterrichtsstoff (in diesem Fall die urteilsförderliche Methode der Dilemmaanalyse) wird nicht einmal behandelt, sondern regelmäßig geübt und Ergebnisse aus dem Unterricht – z.B. in späteren Sequenzen – überarbeitet und vertieft.

Mithilfe der dritten Sequenz werden drei bedeutende Positionen der Ethik erarbeitet – die deontologische, teleologische und die hermeneutische Argumentation. Der Fokus liegt dabei auf der Anwendung der Theorien, weniger auf der theoretischen Grundlegung. Geleitet werden die Schülerinnen dabei einerseits von Erkenntnissen aus der Auseinandersetzung mit biblischen und theologischen Texten, sollen aber auch ihre eigenen Ideen und Standpunkte einbringen. Diese Sequenz akzentuiert im Prozess der Urteilsbildung insbesondere Positionen christlicher Ethik in katholischer Perspektive. Es beleuchtet Konsequenzen, die sich für ein Leben aus dem christlichen Glauben ergeben.[7] An dieser Stelle ist eine Zwischenüberprüfung zur Metakognition in Form einer Collage oder einer Mind-Map zu einem aktuellen Problem geplant: Die Metakognition, also die bewusste Wahrnehmung und Reflexion des eigenen Lernprozesses, ist ein wesentliches Element eines selbst gesteuerten, individuellen Lernprozesses. Die Schülerinnen üben sich darin, ihre eigenen Stärken und Schwächen bewusst einzuschätzen und Lernschritte zur Verbesserung ihrer Kompetenzen zu planen.

In der vierten Sequenz vertiefen die Schülerinnen ihre Urteils- und Dialogkompetenz, indem sie sich anhand von Dilemmasituationen mit philosophischen und christlichen Modellen der ethischen Urteilsfindung auseinandersetzen. Hier kann eine Vernetzung stattfinden: Über die Schuljahre hinweg erfolgt ein systematischer Aufbau von Wissen und Können (vertikale Vernetzung). Ferner wird erworbenes Wissen immer auch auf andere Kontexte übertragen (horizontale Vernetzung). Diese Sequenz dient ebenfalls der kognitive Aktivierung: Sie aktiviert immer bereits vorhandenes Wissen und bereits vorhandene Kompetenzen und verlangt ihren Transfer und ihre Verwendung in einer neuen Anforderungssituation.

Auch hier sollen die erworbenen Kompetenzen am Ende der Reihe helfen, eine Anforderungssituation zu meistern, die gleichzeitig zur Kompetenzüberprüfung der gesamten Reihe dient. Gegen Ende der Sequenz sollen die Lernenden in der Lage sein, mit ihren im Unterricht erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten eine problemhaltige lebensweltliche Anforderungssituation zu bewältigen. In dieser sollen sie ihr Wissen und Können beweisen (Performanz).[8] Dazu benötigen sie die in der Lernausgangslage beschriebenen Sach- und Urteilskompetenzen[9]. Aus diesem Grund erstellen die Schülerinnen am Ende in einer ganzheitlichen Projektarbeit entweder ein Portfolio mit einer selbstständig ausgewählten ethischen Fragestellung aus dem Bereich des Umgangs mit Leben oder bearbeiten schriftlich und eigenständig eine Dilemmageschichte als Evaluation des Lernfortschritts. Die Lernergebnisse der Reihe könnten anschließend anhand eines Evaluationsbogens von den Schülerinnen festgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Kompetenzbezogene Zielsetzung

2.1 Schwerpunktziel

Indem die Schülerinnen anhand der Situation „Der Sprengstoffanschlag“ ihre Intuitionen zur Frage nach einem moralischen relevanten Handeln skizzieren (AFB I) und weitere Fälle unter derselben Fragestellung gezielt analysieren (AFB II), können sie wesentliche Eigenschaften einer moralisch relevanten Handlung erörtern und als Plakat entwerfen (AFB III).

Auf diese Weise erweitern die Schülerinnen ihre Urteilskompetenz.

Thema: „Orientierung finden“ – Wie wir verantwortlich handeln können

Inhaltsfelder:

IF 1: Der Mensch in christlicher Perspektive

IF 5: Verantwortliches Handeln aus christlicher Motivation

Inhaltliche Schwerpunkte: Der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes, Charakteristika christlicher Ethik

Übergeordnete und konkretisierte Kompetenzerwartungen:

Sachkompetenz:

- Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Fragen nach Grund und Sinn des Lebens sowie der eigenen Verantwortung (SK 1),
- erläutern an ausgewählten Beispielen ethische Herausforderungen für Individuum und Gesellschaft und deuten sie als religiös relevante Entscheidungssituationen,
- erläutern die Verantwortung für sich, für andere und vor Gott als wesentliches Element christlicher Ethik.

Methodenkompetenz:

- beschreiben Sachverhalte sprachlich angemessen und unter Verwendung relevanter Fachbegriffe (MK 1).

Urteilskompetenz:

- erörtern im Kontext der Pluralität unter besonderer Würdigung spezifisch christlicher Positionen ethische Fragen (UK 3),
- erörtern, in welcher Weise biblische Grundlegungen der Ethik zur Orientierung für ethische Urteilsbildung herangezogen werden können,
- erörtern verschiedene Positionen zu einem ausgewählten Konfliktfeld unter besonderer Berücksichtigung christlicher Ethik in katholischer Perspektive.

Handlungskompetenz:

- nehmen die Perspektive anderer Personen bzw. Positionen ein und erweitern dadurch die eigene Perspektive (HK 2),
- treffen eigene Entscheidungen in ethisch relevanten Zusammenhängen unter Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes (HK 4).

3. Didaktisch-methodische Entscheidungen

3.1 Didaktische Reduktion: Potenzial und Relevanz des Themas und des Gegenstands

Was muss ich tun? Was sollen wir tun? Was soll gelten? Beim ethischen Lernen der vorliegenden Reihe „Ethik – vernünftig und frei handeln“ beschäftigen sich die Schülerinnen mit Fragen rund um Werte und Normen. Inhalt ethischen Lernens sind die Wertvorstellungen, die persönlich, kirchlich und gesellschaftlich vertreten werden. Ziel ethischen Lernens ist die Fähigkeit, praktische Wertdiskurse zu führen und ein Urteilsvermögen zu entwickeln, das zu verantworteten Entscheidungen befähigt.

[...]


[1] MINISTERIUM FÜR SCHULE UND WEITERBILDUNG: http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_SII/kr/KLP_GOSt_Religionslehre_ka.pdf (S.12) (vom 11.7.15).

[2] MICHALKE, LEICHT, Wolfgang (Hg.): „Kompetenzorientiert unterrichten. Das Praxisbuch für den Religionsunterricht“; München 2011, S. 10f.

[3] FEINDT, Andreas/ HERBIG, René: „Hosentaschen-Skript zum kompetenzorientierten Religionsunterricht“; Bonn – Bad Godesheim 2009, S. 2.

[4] ZIEBERTZ, Hans-Georg: „Ethisches Lernen“; in: HILGER, Georg (hg.) (u.a.): Religionsdidaktik – ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf“ (4. Aufl.); München 2007, S. 153ff.

[5] NIPKOW, Karl Ernst: „Elementarisierung“; in: BITTER, Gottfried/ ENGLERT, Rudolf (Hg.) (u.a.): „Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe“ (2. Aufl.), München 2006, S. 451-454.

[6] Ebd. S. 319ff.

[7] MINISTERIUM FÜR SCHULE UND WEITERBILDUNG (S. 19) (vom 11.7.15).

[8] GNANDT, Michael; in: http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/erzbistum/schule-hochschule/religionspaedagogik/steinfeld/vortraege/2010/gnandt/GNANDT_Kompetenzorientierter_RU.pdf (vom 12.7.15).

[9] Ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668517240
ISBN (Buch)
9783668517257
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374477
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Schlagworte
Sprengstoff Moralisches handeln Unterrichtsentwurf Intuition Schule Schüler Spontan Ethik

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