Lade Inhalt...

Ein systematischer Vergleich von Gesundheitssystemen in Deutschland

von Christina Wiese Gabriel Iff Nadine Wiesli

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Medizin - Gesundheitswesen, Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundsätzliche Einordnung des Systems

2 Eckpunkte im Gesundheitsökonomischen „Dreieck“
2.1 Finanzierung
2.2 Leistungseinkauf und Kostenvergütung
2.2.1 Krankenhausfinanzierung
2.2.2 Ambulanter Bereich
2.3 Medizinische Versorgung
2.3.1 Versorgungssystem
2.3.2 Leistungskatalog
2.4 Regulierung (Governance)
2.4.1 Das Bundesministerium für Gesundheit
2.4.2 Der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA)
2.4.3 Korporatismus im deutschen Gesundheitssystem
2.4.4 Regulierung auf Landesebene
2.4.5 Regulierung medizinischer Produkte und Leistungen
2.4.6 Das Sozialgesetzbuch

3 Fazit
3.1 Wichtigste Elemente des Systems
3.2 Internationaler Vergleich
3.3 Wichtigste Unterschiede zum System Schweiz

Abbildungsverzeichnis

4 Literaturverzeichnis

1 Grundsätzliche Einordnung des Systems

Das in 16 Bundesländer aufgeteilte Deutschland war ein Pionier hinsichtlich seines Gesundheitssystems. 1883 wurde das heute immer noch in seinen Grundzügen bestehende Bismarksche Sozialversicherungssystem eingeführt. Dazumal bestand noch keine Versicherungspflicht und „nur“ rund 10 – 20 % der Bevölkerung waren versichert (Brügger, Maurer, Vogel, 2014, S. 8). Heute sind über 85 % der Bevölkerung durch eine obligatorische Krankenversicherung versichert, weitere 11% durch private Versicherer (Busse und Blümel, 2014, S. xxii).

Die Gewaltenteilung im deutschen Gesundheitswesen liegt traditionell zwischen dem Staat und den einzelnen Bundesländer. Dabei wird ein grosser Teil der Verantwortung im Rahmen der sogenannten gemeinsamen Selbstverwaltung an die verschiedenen Akteure des Gesundheitssystems delegiert. Dabei übernehmen verschiedenste korporatistische Akteure auf Zahler-und Leistungserbringerseite bis hinunter auf die Regionale Ebene verschiedenste Aufgaben wie etwa Vertragsverhandlungen über Vergütungstarife (Busse und Blümel, 2014, S. 19). Die Bundesländer können so prinzipiell alle Lücken, die das bestehende Gesetz lässt, selbst schliessen (Busse und Blümel, 2014, S.37).

Eine der Hauptcharakteristika nebst dem Versicherungsobligatorium ist die Finanzierung des Systems. Die Finanzierung geschieht hauptsächlich über einen Gesundheitsfonds, der durch die Beitragszahler und Steuerzuschüsse finanziert wird und über die selbstverwaltenden Akteure umverteilt wird.

2 Eckpunkte im Gesundheitsökonomischen „Dreieck“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesundheitsökonomisches Dreieck Deutschland

2.1 Finanzierung

Deutschland gibt eine beträchtliche Summe für Gesundheitsleistungen aus, im Jahre 2012 waren es 300.4 Milliarden Euro was 11.4% des Bruttoinlandsprodukts entspricht.[1] „Im internationalen Vergleich liegt Deutschland beim Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt im oberen Drittel und bei den Ausgaben je Einwohner im Mittelfeld der OECD-Staaten“ (Koch-Institut, 2009, S. 38).

Die Finanzierung des Gesundheitswesens fusst auf der deutschen Sozialversicherung, welche aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der sozialen Pflegeversicherung, der gesetzlichen Rentenversicherung und der gesetzlichen Unfallversicherung besteht. Diese Versicherungen sind Zwangsversicherungen und nach dem Sozialprinzip geregelt (Koch-Institut, 2009, S. 28). In der vorliegenden Arbeit wird sich auf die Finanzierung aus der gesetzlichen Krankenversicherung fokussiert, da eine detailliertere Betrachtung der weiteren Bestandteile der deutschen Sozialversicherung im vorgebenden Umfang der Arbeit nicht realisierbar ist.

Für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen gilt ein einheitlicher Beitragssatz, welcher im Jahr 2017 14,6% des Bruttoeinkommens bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von 57‘600 Euro entspricht. Dieser Beitragssatz wird zur Hälfte vom Arbeitnehmer und zur Hälfte vom Arbeitgeber gezahlt. Gemäss dem Solidarprinzip nehmen Alter und Gesundheitszustand keinen Einfluss auf die Höhe des Beitrags (Niemann & Burghardt, 2016, S. 55). Familienangehörige ohne eigenes Einkommen sind beitragsfrei mitversichert. Die gesetzliche Krankenversicherung sorgt somit für eine Umverteilung von höheren Einkommen zu den niedrigen Einkommen und Familien (Koch-Institut, 2009, S. 28). Die Beiträge werden über die gesetzlichen Krankenkassen eingezogen und taggleich an den Gesundheitsfonds weitergeleitet, woraus dann wiederum entsprechend dem Schweregrad der Diagnosen und dem Alter der Versicherten an die Krankenkassen zurückverteilt wird (Niemann & Burghardt, 2016, S. 55). Dies nennt man den Risikostrukturausgleich, welcher dazu dient, die unterschiedlichen Risiken auf Grund von Einkommens- und Morbiditätsunterschieden der Versicherten der Kassen auszugleichen. Für Versicherte mit besonders behandlungsaufwendigen Diagnosen und somit teuren Erkrankungen werden den Krankenkassen seit der Reform 2009 höhere Finanzmittelzuweisungen zugeteilt als zuvor (Gerlinger, 2012).

„Die private Krankenversicherung orientiert sich bei ihrer Prämienkalkulation dagegen vor allem am Individual- und Risikoäquivalenzprinzip. Die Prämienberechnung erfolgt auf Basis der vereinbarten Versicherungsleistungen, des Alters und Geschlechts sowie den Vorerkrankungen jeder/jedes einzelnen Versicherten. Die Berücksichtigung des Geschlechts als Risikofaktor wurde zwischenzeitlich aufgrund eines entsprechenden Urteils des Europäischen Gerichtshofes abgeschafft“ (Koch-Institut, 2009, S. 29). Die Möglichkeit zur privaten Krankenkasse zu wechseln gibt es erst ab einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze oder für Beamtinnen oder Beamte (Koch-Institut, 2009, S. 33).

Das zentrale Steuerungsinstrument der Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems bildet also der Gesundheitsfonds, der seit dem 01. Januar 2009 in Kraft ist. Wie in Abbildung 1 auf Seite 4 zu sehen, wird der Gesundheitsfonds nicht nur aus den Beiträgen zur gesetzlichen Krankversicherung gespeist sondern ebenfalls mit einem Bundeszuschuss aus Steuermitteln bezuschusst. Bereits 2012 erreichte die Höhe des Bundeszuschusses die zunächst geplante Höchstsumme von 14 Milliarden Euro jährlich. 14 Milliarden Euro entsprechen rund acht Prozent des heutigen Ausgabenvolumens der gesetzlichen Krankenversicherung. Seither hat sich der Betrag zwischen 11 und 13 Milliarden eingependelt (Gerlinger, 2012).

Neben den bruttolohnbezogenen Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, und einem steuerfinanzierten Zuschuss des Bundes müssen die Leistungsempfänger noch im Rahmen von zu erbringenden Eigenleistungen einen Teil der Kosten finanzieren. Im englischsprachigen Raum hat sich für diese Form der Beteiligung der Begriff »Out-of-pocket payments« durchgesetzt. Diese Beteiligungen gestalten sich in unterschiedlichen Formen, welche hier nur exemplarisch aufgelistet werden:

- Gesetzlich fixierte Zuzahlungen gemäss § 61 des 5. Sozialgesetzbuches: Dies betrifft z.B. Medikamente sowie Heil- und Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte. Diese Zuzahlungen betragen mindestens 5€ und sind auf maximal 10€ gedeckelt. Gleichzeitig wird eine jährliche Belastungsgrenze nicht überschritten.
- Leistungen wie z. B. die Versorgung mit Zahnersatz durch die gesetzliche Krankenversicherung haben eine gesetzlich fixierte finanzielle Obergrenze. Liegen die tatsächlichen Kosten über dieser Grenze, so müssen die Versicherten diese Kosten aus eigener Tasche übernehmen.

Zuzahlungen zu den Versicherungsleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung werden in Form von festen Euro-Beträgen oder als prozentuale Anteile an den Kosten gezahlt (Koch-Institut, 2009, S. 35-36).

Die Verwendung der Mittel werden im Kapitel 2.2 Leistungseinkauf und Kostenvergütung vorgestellt.

[...]


[1] Eigene Übersetzung: „Germany spends a substantial amount of its wealth on health care. According to the Federal Statistical Office, which provides the latest available data on health expenditure, total health expenditure was €300.4 billion in 2012. This corresponds to 11.4% of GDP.” (Busse & Blümel, 2014, S. 107)

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668541559
ISBN (Buch)
9783668541566
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374454
Institution / Hochschule
ZHAW - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften – Ïnstitut für Gesundheitsökonomie
Note
1.5
Schlagworte
vergleich gesundheitssystemen deutschland

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Ein systematischer Vergleich von Gesundheitssystemen in Deutschland