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Martin Opitz und Sibylla Schwarz. Vergleich des petrarkistischen Mustersonettes "Francisci Petrarchae" mit einem antipetrarkistischen Gegenstück, "Ist Lieben keusch?"

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literatur des 17. Jahrhunderts
2.1 Der historische Kontext
2.2 Der Petrarkismus

3. Martin Opitz und Sibylla Schwarz
3.1 Martin Opitz, „Vater der deutschen Poetik“
3.2 Sibylla Schwarz, die „pommersche Sappho“

4. Analyse und Interpretation der Gedichte
4.1 Francisci Petrarchae
4.2 Diachroner Vergleich zu „Ist Lieben keusch?“

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll ein Vergleich zwischen den beiden Gedichten „Francisci Petrarchae“ von Martin Opitz und „Ist Lieben keusch?“ von Sibylla Schwarz gezogen werden. Hierzu wird im zweiten Kapitel der historische Kontext, sowie die Liebe zur damaligen Zeit thematisiert, wozu auf die Stilrichtung des Petrarkismus eingegangen wird. Im Anschluss daran sollen im dritten Kapitel die beiden Dichter Martin Opitz und Sybilla Schwarz vorgestellt werden, bevor im vierten Kapitel das Sonett „Francisci Petrarchae“ mit Hilfe einiger Werke der Literaturforschung analysiert und interpretiert wird. Diese Analyse bildet zusammen mit dem folgenden diachronen Vergleich des Gedichtes von Sybilla Schwarz den Kern der Hausarbeit. Der Vergleich bildet sogleich den rahmenden Abschluss der Hausarbeit, bevor im folgenden Resümee kurz die Erkenntnisse zusammengefasst werden. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es in dieser Arbeit um den Vergleich eines petrarkistischen Mustersonettes des sehr bedeutenden deutschen Barockdichters Martin Opitz mit der antipetrarkistischen Nachahmung der etwas weniger bekannten Dichterin Sybilla Schwarz geht. Als Quellen dienen einige Bücher über den Barock, Martin Opitz und seine Werke, worüber es nicht an Literatur mangelt und wenige Aufsätze über Sybilla Schwarz, aber beispielsweise auch das Buch von der Deutschen Poeterey, in welchem Opitz die Regeln der deutschen Dichtkunst niederschrieb, an welchen sich auch Schwarz orientierte.

2. Literatur des 17. Jahrhunderts

2.1 Der historische Kontext

Gefangen zwischen einerseits den Schrecken und Wirren des Dreißigjährigen Krieges und andererseits dem Fortschrittsglauben und der kulturellen Blütezeit, lässt sich der Barock als eine von extremen Gegensätzen geprägte Epoche beschreiben. So stehen sich die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen und Aufstände, wie die Kriege Frankreichs gegen Spanien, die Nordischen Kriege, die Revolution und der Bürgerkrieg in England, der spanische Erbfolgekrieg, sowie der wohl für Deutschland am verheerendste Dreißigjährige Krieg mit den damit einhergehenden Hungersnöten, Verwüstungen und Epidemien und wiederum die positive Einschätzung des Jahrhunderts als Modernisierungsphase der Gesellschaft gegenüber. Als herausragend konstituierend für die Frühe Neuzeit wird hierbei der Westfälische Frieden angesehen, welcher für die Staaten Europas vor allem politisch prägend ist, aber es auch erlaubt den Konfessionalismus zu überwinden. In Deutschland besinnt man sich einer Kulturnation mit eigener Sprache, Literatur und Musik. Auch Frankreich, Spanien oder die Niederlande erleben eine nationale, kulturelle Blütezeit. Bahnbrechende Erfindungen und Entdeckungen, wie die des Blutkreislaufs, oder ebenfalls die Etablierung von Zeitungen, prägen das Leben der nachfolgenden Generationen.

Diese Widersprüche schlagen sich auch in der Literatur nieder, so etwa in Gestalt der Antithetik oder in der Metrik durch den Alexandriner mit Mittelzensur. Geprägt wird diese weiterhin durch die das Leben dominierenden Dualismen, wie Diesseits und Jenseits, Ewigkeit und Hölle, die Gräuel der Kriege gegen den Prunk am Hof und das Fortwirken mittelalterlicher Theologie gegen die Neuorientierung in Kultur Philosophie, Wirtschaft oder Politik.[1]

2.2 Der Petrarkismus

Im Deutschland des 17. Jahrhunderts vor allem durch Übersetzungen und Nachdichtungen bekannt geworden, ist diese Form der Liebeslyrik auf den Italiener Francesco Petrarca zurückzuführen, welcher von 1304 bis 1374 lebte. Den Ursprung findet dieser in den 366 Gedichten des „Canzoniere“, welche Petrarca seiner Geliebten Madonna Laura widmete und hauptsächlich in Sonettform niederschrieb. Das Hauptmerkmal des Petrarkismus bildet das Motiv der antinomischen Konfiguration Liebender und Geliebte, welche für den Liebenden von göttlicher Schönheit und stets unerreichbar erscheint. Dieser erhofft sich wiederum Mitleid von ihrer Seite. Als charakteristisch sind weiterhin die Stilmittel der Antithese, Oxymoron, Hyperbel, Paradoxon und des Chiasmus anzusehen. Zusammen mit den festgelegten Motiven, der stets verwendeten Naturmetaphorik, der Beschreibung von Rückzugsorten und dem spielerischen Charakter der Lyrik bilden diese das petrarkistische System. Hervorgehoben werden außerdem in vielen Sonetten einzelne Körpermerkmale der Angebeteten. Die Liebe bleibt dabei stets unerfüllt. Gekoppelt wird diese Sehnsucht an antithetische Motive, wie Befreiung und Verfallenheit, Leben und Sterben, die heiß empfundene Liebe und die Kälte der Geliebten, Sinnlichkeit und Tugend. Als ein immer wieder übertragenes Gedicht sticht das Sonett CXXXII hervor, welches in 14 Übersetzungen, auch von Martin Opitz ins Deutsche, in ganz Europa bekannt wurde. In Deutschland entstanden mit dem weltlichen Petrarkismus (unter anderem bei Fleming), dem geistlichen (zum Beispiel bei Spee) und dem erotischen Petrarkismus, etwa bei Hoffmannswaldau, sowie dem Antipetrarkismus bei Opitz verschiedene Ausprägungen des petrarkistischen Systems.[2]

3. Martin Opitz und Sibylla Schwarz

3.1 Martin Opitz, „Vater der deutschen Poetik“

Martin Opitz wurde am 23. Dezember 1597 in Bunzlau als Sohn eines Fleischers geboren. Auf eine ausgezeichnete Ausbildung an der Bunzlauer Stadtschule folgte zunächst ein Besuch der Maria Magdalenen-Schule in Breslau und schließlich der, einer hochrangigen Privatschule in Beuthen. Zu dieser Zeit entstanden seine ersten lateinisch-poetischen Dichtungen, zusammengefasst in einem Sammelband mit lateinischen Gelegenheitsgedichten für 17 Bunzlauer Bürger. Im Jahr 1617 veröffentlichte er eine Universitätsrede, den „Aristarchus“, in welchem einige seiner ersten deutschen Gedichte abgedruckt sind. Gekennzeichnet ist die Rede durch Opitz’ Kritik am Neulatein und seine formulierten Prinzipien für die Gestaltung der Alexandriner und die Anwendung der Akzentregel, wodurch die gehobene Kunstpoesie in deutscher Sprache in Konkurrenz zu ausländischen Dichtungen treten könne. Die dort verfassten Forderungen tauchen auch im 1624 verfassten „Buch von der Deutschen Poeterey“ wieder auf, welches durch besser durchdachte Regeln und überzeugendere Beispiele wirken konnte. So ist Martin Opitz bis heute als Vater der deutschen Poetik bekannt. Nach Veröffentlichung seiner „Poeterey“ und seiner „Teutschen Poemata“ 1625, wird ihm schließlich der Eintritt in die Fruchtbringende Gesellschaft gewährt. Weitere wichtige Lebensstationen waren zum Beispiel Heidelberg, wo er studierte und Freundschaft mit Julius Wilhelm Zincgref schloss, das holländische Leyden, wo er Bekanntschaft mit Heinsius machte und Danzig, wo er 1639 einer Pesterkrankung erlag und starb.[3]

3.2 Sibylla Schwarz, die „pommersche Sappho“

Ists nicht ein Wunderding? Von noch nicht achtzehn Jahren Ein zartes Jungfräulein (dergleichen man erfahren Von keiner Mannsperson) hat solche Vers geschrieben / So (Gott sei lob) zum Glück der Nachwelt sind verblieben.[4]

Sibylla Schwarz, Barockdichterin der Opitzschen Schule, wurde am 14. Februar 1621 in Greifswald als jüngste Tochter des dortigen Bürgermeisters geboren. Ihr gesamtes Leben weilte der dreißigjährige Krieg, unter welchem sie und ihre Familie stark zu leiden hatten, denn erst wurde sie durch Wallenstein aus Greifswald vertrieben, später musste sie vor schwedischen Truppen nach Stralsund fliehen, wo sie im Alter von nur 17 Jahren am 31. Juli 1638 an den Folgen der Ruhr starb. In dieser kurzen Lebenszeit verfasste sie einige Sonette, Gelegenheitsgedichte, ein Susanna-Drama nach biblischem Vorbild und eine bukolische Novelle.[5] Ihr Lehrer Samuel Gerlach veröffentlichte 1650 postum eine große Anzahl ihrer Gedichte. Der Poetikprofessor Daniel Georg Morhof bezeichnete sie als ein „Wunder ihrer Zeit“[6], allerdings geriet die Dichterin, welche eine Zeit lang als "die pommersche Sappho" berühmt war, im 18. Jahrhundert in Vergessenheit und wurde erst im 19. Jahrhundert wieder als eine der wenigen Frauen der Barocklyrik von der Literaturforschung beachtet.[7]

[...]


[1] Dirk Nifanger: Barock. Lehrbuch Germanistik. Stuttgart/Weimar 2000.

[2] Ebd.

[3] Hans-Gert Roloff: Martin Opitz - 400 Jahre! Ein Festvortrag. Aus: Thomas Borgstedt/Walter Schmitz (Hgg.): Martin Opitz (1597-1639). Nachahmungspoetik und Lebenswelt. Tübingen 2002.

[4] Johan Reginchom: Widmungsgedicht zum 2. Teil der „Deutschen Poëtischen Gedichte“

[5] Hans Wolf Jäger: Sibylla Schwarz, die pommerische Sappho. Aus: Danzig und der Ostseeraum. Sprache, Literatur, Publizistik. Hg. von Holger Böning, Hans Wolf Jäger Andrzej Katny und Marian Szczodrowski. Bremen 2005. S. 20-32

[6] Daniel Georg Morhof: Unterricht von der Teutschen Sprache und Poesie. 1720 pass. (Repr. 1969) 218f.

[7] Adolf Häckermann: Schwarz, Sibylla. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 33. Duncker & Humblot. Leipzig 1891. S. 248 f.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668517998
ISBN (Buch)
9783668518001
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374428
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Sonett 17. Jahrhundert Martin Opitz Sybilla Schwarz Francisci Petrarchae Petrarkismus

Autor

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Titel: Martin Opitz und Sibylla Schwarz. Vergleich des petrarkistischen Mustersonettes "Francisci Petrarchae" mit einem antipetrarkistischen Gegenstück, "Ist Lieben keusch?"