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Emotionale Intelligenz. Eine Anforderung an Führungskräfte, die an Bedeutung zunimmt?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 32 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Definitionen
2.1. Emotion
2.2. Intelligenz
2.3. Führungskraft

3. Emotionale Intelligenz
3.1. Bedeutung und Dimensionen nach Goleman
3.2. Kritische Betrachtung der Emotionalen Intelligenz

4. Kompetenzen einer Führungskraft
4.1. Der Wandel der Zeit
4.2. Anforderungen an Führungskräfte

5. Brauchbarkeit im Arbeitsprozess
5.1. Emotionen im Arbeitskontext
5.2. Kosten der Emotionalen Intelligenz

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: ZUSAMMENGEFASSTE GEBURTENZIFFER NACH ALTERSGRUPPEN

ABBILDUNG 2: KRANKHEITSTAGE DURCH DAS BURN-OUT-SYNDROM 2004 BIS 2011 JE 1000 BKK-MITGLIEDER, OHNE RENTNER 20

1. Einführung

Flexible Arbeitszeiten wie Gleitzeit, Teilzeit, Arbeitszeitkonten, Sonderurlaub, Freistellungsregelungen usw. ermöglichen Mitarbeitern berufliche und familiäre Verpflichtungen z.B. Kindererziehung oder Altenpflege zu koordinieren (vgl. Kast, 2012, S. 30). Durch die Globalisierung haben Mitarbeiter die Möglichkeit, international beschäftigt zu werden. Nach erfolgreichem Auslandsaufenthalt besteht im Zuge des Global Employment-Cycles die Möglichkeit, sich für weitere Auslandsaufenthalte zu bewerben. (vgl. Hummel / Zander, 2011, S. 243) Zudem steht heutzutage nicht mehr die hierarchische und kontrollierende Führungskraft im Fokus, sondern der Vorgesetzte, der sein Augenmerkmal auf Führung mit kollektivem Charakter legt (vgl. Werther / Brodbeck, 2013, S. 22). Trotz dieser positiven Entwicklungen leiden immer mehr Mitarbeiter aufgrund der hohen Arbeitsbelastung unter dem Burn-out-Syndrom, Stress oder Depressionen. Gründe hierfür sind u. a. Leistungsdruck, technischer Fortschritt, sozialer Wandel und das schnelle Leben. Zwischen dem Jahr 1998 und 2009 stiegen die psychisch bedingten Erkrankungen auf einen Wert von 76% kontinuierlich an. (vgl. Simon, 2013, S. 40) Die Unternehmensleitung fordert ein höheres, quantitativ messbares Ergebnis von Führungskräften. Mitarbeiter hingegen erwarten, dass die Führungskraft sich für ihre Interessen und Bedürfnisse einsetzt und diese vertritt. (vgl. Braun / Peus, 2013, 28) Doch der Idealtyp einer Führungskraft existiert nur auf dem Papier, nicht in der Realität (vgl. Malik, 2013, S. 89).

Mit dieser Arbeit soll geprüft werden, inwieweit sich emotionale Intelligenz bei Führungskräften auf die Leistung und die Zufriedenheit der Mitarbeiter auswirkt, ob emotionale Intelligenz zukünftig an Bedeutung zunehmen wird und inwiefern von einer emotionalen Intelligenz gesprochen werden kann.

Um diese Fragestellungen zu beantworten, werden zunächst die Begriffe Emotion, Intelligenz und Führungskraft für das allgemeine Verständnis definiert. Anschließend wird das Konzept der emotionalen Intelligenz des Psychologen Daniel Goleman erklärt und kritisch beleuchtet. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden Veränderungen aufgrund der Globalisierung und die damit verbundenen Anforderungen an Führungskräfte geschildert. Abschließend wird die Wichtigkeit von Emotionen im Arbeitsalltag geprüft und auf die Konsequenzen emotionaler Unbildung eingegangen. Abgerundet wird das Thema durch ein Fazit.

2. Definitionen

Im Folgenden werden die Begriffe Emotion, Intelligenz und Führungskraft für das allgemeine Verständnis definiert.

2.1. Emotion

Der Begriff „Emotion“ wird in vielen verschiedenen Spezialgebieten wie der Psychologie, Philosophie, Medizin, Wirtschaft, usw. verwendet. In der Literatur liegen zahlreiche Definitionen und Definitionsansätze von Wissenschaftlern aus den oben genannten Gebieten vor. Eine allgemeingültige Definition existiert bislang noch nicht.

Das Wort Emotion stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "heraus bewegen", "in Bewegung setzen", "in einen erregten Zustand versetzen". Diese Umschreibungen geben die Eigenschaften von Emotionen wieder. Menschen sind durch Emotionen berührt oder erregt und werden hierdurch in eine bestimmte Richtung geleitet. (Rothermund / Eder, 2011, S. 165)

In der Philosophie wird unter dem Begriff eine Gefühlsbewegung verstanden und auf das Wort Gefühl verwiesen (Ulfig, 2003, S. 102). Aus psychologischer Sicht wird die Emotion nicht mit dem Begriff Gefühl gleichgestellt. Es wird unterschieden zwischen dem Erleben, z.B. bei einer Äußerung der Angst (Gefühl) und dem körperlichen Zustand bzw. dem Ausdruck (Emotion). (Schmidt-Atzert, 1996, S. 18)

Im Großen und Ganzen werden Emotionen in positiv und negativ klassifiziert. Durch Korrelationen zwischen einem Gefühl und z.B. bestimmten Verhaltensmerkmalen, Erfahrungen, Umgebungen, Umständen oder Personen kann eine eindeutig zutreffende Gruppierung nicht vorgenommen werden. Präziser ist die Aussage, dass Gefühle zu einem eher konstruktiven oder destruktiven Verhalten führen. (Izard, 1994, S. 25)

Durch das Entstehen der Emotion durch ein Gefühl werden die beiden Begriffe im Verlauf dieser Arbeit bedeutungsgleich verwendet.

2.2. Intelligenz

Der Begriff „Intelligenz“ ist seit langem umstritten und weist eine Vielzahl von Definitionen auf. In vielen Fällen wird Intelligenz als Fähigkeitskonstrukt mit einem Bezug auf die kognitive Leistungen gesehen. Diese werden als wichtigste Voraussetzungen für Schulleistungen, Bildungsniveau und beruflichen Erfolg verstanden. (vgl. Schuler, 2002, S. 138) Einige Autoren sind der Meinung, dass bei der Intelligenz nicht von einem einheitlichen Merkmal gesprochen werden kann, sondern von einem mehrdimensionalen Fähigkeitskonzept (vgl. Oswald, 1998, S. 80).

Aufgrund der Mehrdimensionalität und des Strebens nach einer genaueren Definition, zerlegen Wissenschaftler die Intelligenz in verschiedene Intelligenzarten. Bereits 1920 weicht Edward L. Thornidke den Intelligenzbegriff in drei Arten auf. Unter mechanischer Intelligenz ist das Verstehen und Handhaben von Gegenständen und Mechanismen zu verstehen. Die soziale Intelligenz weist das Verhalten in zwischenmenschliche Beziehungen auf. Der Umgang mit Ideen und Symbolen wie chemischen Zeichen oder Nummern ist als abstrakte Intelligenz zu verstehen. (vgl. Thornidke, 1920, S. 228)

Howard Gardner befasst sich ebenfalls mit der Begriffsdefinition. In seiner Theorie der multiplen Intelligenz beschreibt er sieben verschiedene Intelligenzformen (vgl. Gardner, 1991, S. 252). Unter linguistischer Intelligenz ist die verbale Sprache, die geschriebene Sprache und die Kommunikation durch Gestik und Mimik zu verstehen. Durch die Bestimmung der Bedeutung einzelner Töne und dem Erzeugen von Tonfolgen entsteht ebenfalls Kommunikation, die der musikalischen Intelligenz zugeordnet wird. (vgl. Gardner, 1991, S. 98) Die Auseinandersetzung mit der Welt der Objekte ist als logisch-mathematische Intelligenz bezeichnet (vgl. Gardner, 1991, S. 124). Räumliche Intelligenz äußert sich in der richtigen Wahrnehmung der virtuellen Welt und der Wiedergabe dieser Welt aus der Erinnerung (vgl. Gardner, 1991, S. 163). Die körperlich-kinästhetische Intelligenz bringt die Körperbeherrschung eines Individuums zum Ausdruck (vgl. Gardner, 1991, S. 192). Die Entdeckung sowie Einordnung der eigenen Gefühle und die Entscheidung, sich auf das Gefühl einzulassen oder sich diesem zu entziehen, ist als personale Intelligenz bezeichnet (vgl. Gardner, 1991, S. 218).

Die Kritik an der multiplen Intelligenz durch Detlef H. Rost in dem Artikel „Multiple Intelligenzen, multiple Irritationen“ oder durch Heinz Schuler in dem Artikel „Emotionale Intelligenz - ein irreführender und unnötiger Begriff“ verdeutlicht, dass eine allgemeingültige und eindeutige Definition in der Wissenschaft nicht existiert. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird Intelligenz als geistige Fähigkeit eines Individuums und als Fähigkeitskonstrukt gesehen.

2.3. Führungskraft

„Führungskräfte“ sind Mitarbeiter eines Unternehmens, die hochqualifizierte Arbeit selbstständig und mit einer hohen Verantwortlichkeit ausführen. Sie treffen Entscheidungen über Sachvorgänge im Unternehmen und tragen Personalverantwortung. Führungskräfte sind ebenfalls Personen, die eine besondere Position im Unternehmen haben, in der das Bestehen und die Entwicklung des Unternehmens zu verantworten ist. Nachfolger, die derartige Positionen in Zukunft übernehmen, sollen ebenfalls in die Definition der Führungskraft fallen. (vgl. Schieffer, 1998, S. 41 f.)

In der Literatur werden u.a. drei Führungskräftetypen unterschieden. Die autoritäre Führungskraft gibt die zu erreichenden Ziele vor und teilt ihren Mitarbeitern die Aufgaben zu. Die Führungskraft an sich hat nur einen geringen Anteil an dem Arbeitsprozess. Sie sieht ihre Aufgabe eher im Loben und Tadeln der am Prozess beteiligten Mitarbeiter. Die demokratische Führungskraft bezieht Mitarbeiter in die Entscheidungen mit ein und lässt die Gruppe über die Aufgabenverteilung entscheiden. Der Vorgesetzte ist hierbei ein Teil der Gruppe. Bei dem Laissez- faire-Führer haben Mitarbeiter völlige Freiheit. Sie bestimmen ihre Aufgaben und ihre Arbeit selbstständig. Die Mitarbeiter erhalten wenig Hilfe, aber auch wenig Kritik von der Führungskraft, da sich der Vorgesetzte nur sehr gering am Geschehen beteiligt. (vgl. Rahn, 2008, S. 26)

Nach § 5 Abs. 3 BetrVG sind leitende Angestellte auch Mitarbeiter ohne Personalverantwortung. In dieser Arbeit werden unter Führungskraft Personen verstanden, die Mitarbeiterverantwortung haben und diesen aufgrund Ihrer Position Weisungen geben können (vgl. Lieber, 2007, S. 6). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass im Laufe der Jahre immer mehr Begriffe aus der englischen Sprache in die deutsche Sprache eingeführt wurden, aus dem Grund wird das Wort Manager und Führungskraft, ebenso wie Management und Führung in dieser Arbeit gleichbedeutend verwendet (vgl. Malik, 2013, S. 44 f.).

3. Emotionale Intelligenz

3.1. Bedeutung und Dimensionen nach Goleman

In diesem Kapitel wird verdeutlicht, dass das Beeinflussen und Manipulieren von Mitarbeitern, der ergebnisreiche Verkauf von Gütern durch Beeinflussung oder die erfolgreiche Abschließung von Kundenverträgen nicht das Ziel und nicht die Bedeutung von emotionaler Intelligenz ist. Im Fokus steht nicht das Verhalten und die Gefühle eines Individuums bzw. einer Gruppe zu dirigieren oder zu durchdringen, sondern sich mit den eigenen Gefühlen und den Gefühlszuständen anderer auseinanderzusetzen und diese zu verstehen.

In Anlehnung an Peter Salovey und Howard Gardner definiert Daniel Goleman die emotionale Intelligenz anhand von vier Dimensionen (vgl. Goleman, 1996, S. 65).

Der Grundstein ist zunächst die Selbstwahrnehmung. Das heißt, die eigenen Gefühle zu beobachten, zu erkennen und sich selbst zu verstehen (vgl. Goleman, 1996, S. 65). Um den eigenen Gemütszustand wahrzunehmen und zu analysieren hilft eine Anwendung, die in Asien als Tradition gilt: Die Achtsamkeit (vgl. Goleman, 1996, S. 67). Hierbei steht die Beobachtung der Atmung, der Körperhaltung und der Körpertätigkeit im Fokus. Um einen ganzheitlichen Blick zu erhalten, können Fragestellungen hilfreich sein. Sind die Atemzüge tief und langsam oder kurz und schnell? Ist der Körper nach vorne gebeugt oder ist der Gang aufrecht? Ist der Blick nach vorne oder auf den Boden gerichtet? Steht mein Körper still oder wechselt das Gewicht von dem rechten Bein auf das linke und wieder zurück? Zudem ist zu erfahren, in welcher Qualität sich die Gefühle zurzeit befinden. Sind diese angenehm, unangenehm oder neutral? Darüberhinaus kann die Stimmungslage bzw. der Geisteszustand beobachtet werden. Dominiert gerade die Freude oder empfinde ich Wut in meinem Körper? (vgl. Buchheld / Walach, 2004, S. 32 f.) Durch Achtsamkeit und den dadurch entstehenden unmittelbaren Kontakt zu sich selbst, werden kleinste Veränderungen im Körper, in den Gedanken und in der Stimme wahrgenommen. Aber auch die Wahrnehmung anderer Menschen und Objekte nimmt dadurch zu. (vgl. Eppler, 2013, S. 13) Nachdem die eigene gegenwärtige Gefühlslage analysiert wurde, können bestehende oder sich einschleichende Gefühle wie Angst, Wut und Trauer reduziert werden, um ein angemessenes Gefühl zu erlangen (vgl. Goleman, 1996, S. 65). Diese Gefühlsüberschwankungen können durch innere Kommunikation abflachen. Der Mensch kommuniziert nicht ausschließlich mit anderen Menschen, sondern führt häufig innere Dialoge. Selbstgespräche lösen gewisse Gefühle im menschlichen Körper aus, die zu gewissen Stärken oder zu Schwächen führen können. Dabei ist die Art und Weise der inneren Kommunikation bedeutend, da diese Einfluss darauf hat, in welche Richtung sich die Gefühlsstimmung entwickelt. (vgl. Kaufmann, 1993, S. 102 ff.)

Gefühle können nicht nur abgemildert, sondern ebenfalls durch Handlung auf ein angestrebtes Ziel gelenkt werden (vgl. Goleman, 1996, S. 125 - 126). Ein Beispiel hierfür ist die Angstsituation vor einer Prüfung oder einer Rede. Das negative Gefühl kann als Motivator dienen und dazu führen, dass eine intensive Vorbereitung auf das bevorstehende Ereignis erbracht wird, um den Erfolg zu sichern. (vgl. Goleman, 1996, S. 113) Ein weiteres Beispiel ist das optimistische Denken. Optimismus ist analog zur Hoffnung eine feste Überzeugung, dass sich eine Situation trotz Rückschläge oder Enttäuschung zum positiven wendet. Durch diese Denkweise können Apathie, Hoffnungslosigkeit oder Depression vermindert werden. (vgl. Goleman, 1996, S. 113)

Eine weitere Dimension der emotionalen Intelligenz ist die Empathie (vgl. Goleman, 1996, S. 127). Empathisches Verhalten zeichnet sich aus durch den Versuch einer Person, Äußerungen, Verhaltensweisen oder Emotionen anderer Personen zu erkennen, zu verstehen und nachzuvollziehen. Hierbei ist es wichtig, dass der Zuhörer versucht das vom Sprecher gemeinte zu verstehen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da die verbal geäußerten Aussagen nicht immer mit den vom Sprecher gemeinten Aussagen übereinstimmen. (vgl. Sachse, 2005, S. 25 f.) Menschen, die nicht wissen, was sie empfinden, haben auch kein Feingefühl für die Empfindungen der Personen in deren Umfeld. Sie sind nicht in der Lage, Klänge aus gesprochen Worten zu filtern und Änderungen der Körperhaltung wahrzunehmen. Die Unfähigkeit, Gefühle anderer aufzunehmen und zu verstehen, ist ein Mangel an emotionaler Intelligenz und Menschlichkeit. (vgl. Goleman, 1996, S. 127)

Die fünfte Dimension der emotionalen Intelligenz ist der Umgang in und mit Beziehungen oder anders ausgedrückt: die soziale Kompetenz. Hierzu gehört das angemessene Verhalten anderen Menschen gegenüber und das Äußern der eigenen Gefühle. (vgl. Goleman, 1996, S. 147)

In einem Interview mit Daniel Goleman zum Thema „Emotionale Intelligenz“ wurde die Frage gestellt, ob Frauen emotional intelligenter seien als Männer. Seiner Meinung nach liegen die Stärken einer Frau in der Empathie und im Beziehungsmanagement. Männer hingegen können ihre Emotionen besser kontrollieren. Dies heißt aber nicht, dass ein Geschlecht dem anderen überlegen ist. Des Weiteren wurde Goleman auf das Thema „Emotionale Intelligenz“ bei Führungskräften angesprochen. Lt. dem Psychologen können heutige Führungskräfte nicht mehr zuhören und wissen nicht, was den Mitarbeitern wichtig ist. Hierbei können persönliche Gespräche helfen, in denen Vorgesetzte die Emotionen der Mitarbeiter lesen und darauf eingehen könnten. Emotionale Intelligenz zu erlernen ist möglich, benötigt jedoch viel Zeit, Übung und Motivation. Die größere Barriere ist jedoch der Mangel der Selbstwahrnehmung. (vgl. o. V., 2012, S. 7)

Daniel Goleman, ein Psychologe, hat einen Schritt in den Bereich des Managements gemacht, indem er die emotionale Intelligenz in die Arbeitswelt einführte (vgl. o.V., 2012, S. 7).

3.2. Kritische Betrachtung der Emotionalen Intelligenz

Im vorherigen Kapitel wurden die emotionale Intelligenz und ihre Dimensionen nach Goleman erklärt. Einige Autoren haben zu den Ansichten und Ausarbeitungen von Goleman Stellung genommen und Kritik geäußert.

Heinz Schuler bezeichnet die emotionale Intelligenz als Erfindung und pseudowissenschaftliche Errungenschaft. Sowohl die biologische als auch die psychologische Wissenschaft haben den Begriff Intelligenz brauchbar kategorisiert und die Ergebnisse der Theorie somit vereinfacht. Goleman dehnt den Begriff erneut aus und erzeugt durch sein Konzept einen Rückschritt in der Wissenschaft. Darüberhinaus wird kritisiert, dass die Inhalte bereits in vielen Lehrbüchern der differentiellen Psychologie theoretisch fundiert vorliegen und somit keine neuen Erkenntnisse geschaffen wurden. Lt. Schuler ist der Intelligenz-Begriff irreführend und dient lediglich zur Förderung der Aufmerksamkeit. Befürworter der emotionalen Intelligenz übersehen dabei zwei Probleme. Zum einen weist Goleman keine brauchbaren empirischen Belege für sein Konzept vor. Zum anderen existieren bereits Versuche aus der Vergangenheit, die emotionale Intelligenz als eigenständiges Konstrukt darzustellen. Diese Versuche sind jedoch gescheitert. Schuler sieht den Weg des Konzeptes in die Psychologie als unwürdig und rufschädigend. Er ist der Ansicht, dass die Aufnahme der emotionalen Intelligenz durch Laien verständlich ist, nicht jedoch durch ausgebildete und erfahrende Fachleute. (vgl. Schuler, 2002, S. 138 ff.)

Ein weiterer Kritiker ist Jens B. Asendorpf, der sowohl den Missbrauch des Intelligenzbegriffs als auch die Popularisierung der multiplen Intelligenz von Gartner (Kap. 2.2 dieser Arbeit) kritisiert. Durch den fehlenden Bezug zur allgemeinen bzw. kognitiven Intelligenz bezeichnet Asendorpf den Umgang mit Emotionen als emotionale Kompetenz. Da es eine Vielzahl unterschiedlicher, situationsspezifischer emotionaler Kompetenzen gibt, ist die allgemeine und einheitliche Fähigkeit im Umgang mit Gefühlen die von Goleman beschrieben wird, fragwürdig. Die Erfassung von Emotionen ist kein einfacher Prozess. Die Voraussetzung für die Erfassung emotionaler Kompetenzen ist die Auslösung emotionaler Situationen und deren Beobachtung. Rollenspiele versuchen zweckmäßig diese Situationen künstlich zu erzeugen. Bei der Erfassung durch Tests besteht das Problem der Validität, da das abgefragte Verhalten für die tatsächlichen Emotionen unklar ist. (vgl. Asendorpf, 2002, S. 180 f.)

Zur Erläuterung seines Konzepts bezieht sich Goleman unter anderem auf den Mischel-Test. Hierbei wurden Süßigkeiten an Vierjährige verteilt. Die Kinder konnten entscheiden, ob sie die Süßigkeit augenblicklich empfangen oder warten und anschließend zwei Süßigkeiten erhalten. Über ein Jahrzehnt später wurden bei den Kindern klare soziale Unterschiede festgestellt. Diejenigen, die sich sofort für eine Süßigkeit entschieden haben, waren unsicher, unreif, eifersüchtig und schnitten in der Schule schlechter ab als die zweite Gruppe.

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Details

Seiten
32
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668517349
ISBN (Buch)
9783668517356
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374363
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Schlagworte
Emotionale Intelligenz Emotional Intelligenz Führungskräfte Personalwesen Personal immaterielle Vermögensgegenstände künstliche Intelligenz Goleman

Autor

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