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Warum Konstantin Maximians Tochter Fausta heiratete. Der Sohn des Schwiegersohnes wird zum Schwiegersohn

Referat (Ausarbeitung) 2016 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Rücktritt Maximians, Proklamation Konstantins

II. Die Erhebung des Maxentius und die Rückkehr Maximians

III. Drei Chronologien. Drei Geschichten.

IV. Heirat Konstantins mit Fausta

Resümee

Bibliographie
Quellen
Literatur

Einleitung

Im Frühjahr des Jahres 307 n. Chr. heiratete Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, nicht nur Fausta, die Tochter seines Adoptivgroßvaters Maximian, sondern wurde auch noch von diesem adoptiert. Die folgende Arbeit will die, dieser Heirat, vorausgehenden Ereignisse nicht nur wiedergeben, sondern auch dazu nutzen zu versuchen einen kleinen Einblick in die Beweggründe der beiden Hauptakteure, Konstantin und Maximian, zu gewinnen. Die Ereigniskette, die schließlich zu dieser politischen Allianz führte, begann aber bereits mit dem Rücktritt der beiden Augusti Maximian und Diocletian.

I Rücktritt Maximians, Proklamation Konstantins

Am 1. Mai 305 n. Chr. erfolgte der Rücktritt von Maximian und Diocletian der von den kaiserlichen Münzstätten mit den Providentia Deorum Quies Augusti Prägungen und noch von den Panegyrikern 307 und 310 n. Chr. als geplanter Akt propagiert wurde.[1] Dieser offiziellen Propaganda entgegenlaufend gibt es auch andere antike Erklärungen für den Rücktritt.[2] Aber auch die wissenschaftlichen Werke sind sich, nicht zuletzt aufgrund der späteren Wirren, darin uneins ob und wenn ja wann der Beschluss zum Rücktritt gefasst wurde.[3] Dass Maximian nur unwillig zurücktrat legt zumindest der Anonymus von 307 n. Chr. nahe, da er berichtet, Maximian sei nur auf Zurede des kränkelnden Diocletian zurückgetreten.[4]

Wie dem auch sei, dem tetrarchischen System gemäß wurden nun die beiden Caesares Galerius und Constantius zu neuen Augusti, zu deren neue Caesares wurden im Westen Flavius Valerius Severus und im Osten Maximinus Daia, ein Neffe des Galerius.

Da sowohl Daia als auch Severus aus dem Umfeld des Galerius stammten vermutet Schmitt, dass dieser mit Constantius eine Abmachung bezüglich der Einbindung seines ältesten Sohnes in das Herrschaftssystem getroffen habe und dafür Galerius Zugeständnisse bei der Machtverteilung gemacht habe.[5] Darum sei Konstantin auch 305 n. Chr. zu seinem Vater gekommen.

Die, zumeist auf Lactanz basierenden Historiographen vermitteln hingegen das Bild einer Flucht Konstantins, oder zumindest widerwilligen Reiseerlaubnis durch Galerius und berichten, dass Konstantin nur durch Glück bzw. göttliche Vorsehung seinen Vater entweder vor dessen Aufbruch[6] oder vor dessen Tod in Eboracum erreicht habe.[7]

Unbezweifelt aber ist die Tatsache, dass Konstantin am 25./26. Juli 306 n. Chr. in Eboracum sich zum Herrscher ausrufen hat lassen, die Quellen sprechen zumeist vom Augustus-, in der modernen Forschung wird mittlerweile aber vom Caesartitel gesprochen. Erstaunlicherweise mobilisierten aber weder Galerius, noch Severus ihre Truppen als sie von Konstantin über seine Proklamation unterrichtet wurden, ja Severus nahm Konstantin als seinen Caesar an! Dies ist insofern verwunderlich als es eigentlich Severus, dem neuen Augustus des Westens, zugestanden hätte seinen Caesar auszusuchen und nicht den Legionen des verstorbenen Constantius. Konstantin war nun offiziell in das tetrarchische System eingebunden.

Dadurch aber wird die oben erwähnte These Schmitts, über eine Absprache zwischen Constanius und Galerius[8] unterstützt. Wenn diese vermutete Absprache Realität ist, und wenn, wie Schmitt behauptet, auch Diocletian an dieser Abmachung beteiligt war, wäre bereits mit dem Ende der Ersten Tetrarchie das tetrarchische System durch das dynastische Prinzip, von seinem Begründer selbst, durchbrochen worden![9] Und wenn die Herrschaftsregelung des Diocletian eines deutlich macht, dann dass Diocletian dem blutsdynastischem Prinzip abgeneigt gegenüber stand.[10]

Außerdem ist wie bei allen Theorien die Beweisbarkeit das größte Problem. Und konkrete Beweise sind es eben die Schmitt fehlen, sodass seine ganze Theorie nur zu einem Indizienprozess führt. Auch wenn die Indizien, zumindest für eine Absprache zwischen Constantius und Galerius, aber ohne Diocletian, einiges an Wahrscheinlichkeit beinhalten.

II. Die Erhebung des Maxentius und die Rückkehr Maximians

Wie wir gesehen haben, hatte die Machergreifung Konstantins keine Schwächung des Reiches durch einen Bürgerkrieg zur Folge. Im Oktober desselben Jahres sollte es aber zu einem solchen kommen.

Am 29. Oktober 306 n. Chr. lies sich der Sohn des Maximian, Maxentius, der bis dahin mit seiner Frau Valeria Maximilla, der Tochter des Galerius, als Privatmann gelebt hatte, von den Prätorianern, den Stadtkohorten, der Legio II Parthica und im Namen von Senat und Volk von Rom zum Princeps ausrufen.[11] Angeblich hatte die Proklamation Konstantins und die geplante Besteuerung Roms und eine weitere Verkleinerung der Prätorianer durch Galerius diesen Aufstand provoziert.[12]

Bald nahm auch Maximian, den Purpur wieder auf, und es ist Schmitt folgend anzunehmen, dass er bereits bei der Erhebung seinen Einfluss zugunsten seines Sohnes wirken hatte lassen.[13]

Severus kam nun mit seinem Heer aus Pannonien herbei, und musste vor Rom angekommen feststellen, dass das Gros seiner Truppen bereit war, zu ihrem ehemaligen Feldherrn Maximian, überzuwechseln. Als er sich daraufhin, mit dem ihm verbliebenen loyalen Truppenteilen, nach Ravenna zurückzog, wurde er von Maximian, der inzwischen den Purpur genommen hatte, gefangen genommen. Ob durch List oder auf freien Entschluss, darüber sind sich die Quellen uneinig.

Nach der Niederlage bzw. Gefangennahme des Severus und der Selbsterhebung des Maxentius zum Augustus, eilte nun Galerius nach Italien. Falls Severus gefangengenommen und als Verhandlungspfand gehalten wurde, ist es vermutlich richtig, mit Schmitt anzunehmen, dass als klar wurde, dass Galerius keine Verhandlungen führen würde, Severus beseitigt wurde.[14]

Konstantin war, wenn man dem Anonymus von 307 n. Chr. glauben darf, mit der erfolgreichen Bekämpfung fränkischer Plünderer beschäftigt, schien aber auch keine Hilfsaufforderung von Severus oder Galerius erhalten zu haben.[15]

Da für die Beurteilung der nun kommenden Ereignisse die Chronologie eine außerordentlich große Rolle spielt sollen nun kurz drei Chronologiekonzepte vorgestellt werden.

III. Drei Chronologien. Drei Geschichten.

Zuerst die gängige Chronologie am Beispiel Elisabeth Herrmann-Otto:

Maximian reist nach dem Rückzug des Galerius zu Konstantin, der sich während der ganzen Angelegenheit neutral verhalten hatte, nach Trier. Dort kommt es nicht nur zur Adoption durch Maximian und dem Eheschluss mit Tochter Fausta sondern auch zu beidseitiger Augustusernennung. Nach der Rückkehr des Maximian von Trier tritt ein Zerwürfnis mit Maxentius ein und Maximian muss nach Trier fliehen.[16] Auf der Kaiserkonferenz zu Carnuntum wird am 18. 11. 308 n. Chr. Licinius zum Augustus des Westens ernannt.[17]

Dieser Chronologie zufolge wäre folgende These möglich: Nachdem Severus als Augustus im Westen verstorben war, wollte Konstantin natürlich zum neuen Augustus ernannt werden. Da von Galerius bis Herbst 307 n. Chr. aber keine derartige Nachricht bei Konstantin eingetroffen war, sah dieser sich nach einem anderen Weg zum “legalen“ Augustustitel um.

Die Alternative fand er in Maximian der als Gegenleistung für den Augustustitel, die Anerkennung der eigenen Autorität forderte. Die Heirat mit Fausta, und die Adoption durch Maximian war dann einerseits der tetrarchischen Tradition geschuldet, andererseits übliches Mittel zur Bildung politischer Allianzen.

Nun hätte man erwarten dürfen, oder wenn man Galerius war, befürchten müssen, dass Konstantin seinen Schwager und Adoptivbruder Maxentius zu seinem Caesar ernennen würde. Diesem Plan machte aber einerseits der Ehrgeiz des Maxentius einen Strich durch die Rechnung, denn dieser dachte gar nicht daran sich dem etwa gleich alten Konstantin als Caesar unterzuordnen weshalb es zum Bruch zwischen Vater und Sohn kam. Andererseits unterband das von Galerius initiierte Kaisertreffen von Carnuntum auf dem Licinius von Diocletian adoptiert und zum Augustus erhoben wurde jedes weitere bemühen um eine Einigung.[18]

[...]


[1] Paneg. VII/6 9,2; Paneg. VI/7 15,3-6; Auch wenn hier die Planung des Rücktrittes eher durch die Umstände als durch den Willensakt veranlasst wird. Frank Kolb: Diocletian und die erste Tetrarchie. Improvisation oder Experiment in der Organisation monarchischer Herrschaft? Berlin, 1987 S. 150.

[2] S.d. Kolb, 1987 S. 128-129.

[3] Oliver Schmitt: Constantin der Große (275-337). Leben und Herrschaft. Stuttgart, 2007 S. 63-64; Jörn Kobes: Maximian. In: Manfred Clauss (Hrgs.): Die römischen Kaiser. München, 1997 S. 275; Für einen umfassenden Überblick über die tetrarchische Regelung und die Nachfolgeüberlegungen siehe: Frank Kolb: Herrscherideologie in der Spätantike. Berlin, 2001 S. 128-158.

[4] Paneg. VII/6 9,3-5.

[5] Schmitt, 2007 S. 95-101; Hingegen Klaus Rosen: Konstantin der Große. Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion. Suttgart, 2013.S. 76-77 geht mit der antiken Überlieferung, besonders Lactanz, konform, dass eigentlich alle, auch Konstantin selbst, mit Konstantin als Caesar gerechnet hätten. Inkonsequenterweise stellt Rosen aber die These über „[...] Galeriu´s heimliches Bemühen, vorweg die Offiziere für die Neuregelung zu gewinnen.“ (S. 76) auf. Wenn denn wirklich erst auf Bemühungen des Galerius der Severus vorgezogen wurde und dazu zuerst die Zustimmung der Offiziere gewonnen wurde, dann hätte Konstantin davon erfahren müssen und er, oder sein Vater hätten entsprechende Schritte dagegen unternehmen können!

[6] Paneg. VI/7 7,5.

[7] Aur. Vic. Caes 40, 3.

[8] Schmitt, 2007 S. 100-101; 105-106.

[9] Schmitt, 2007 S. 107.

[10] Kolb, 1987 S. 142.

[11] Aur. Vic. 40, 5.

[12] Rosen, 2013 S. 107.

[13] Schmitt, 2007 S. 109-110.

[14] Schmitt, 2007 S. 112.

[15] Schmitt, 2007 S. 118-119; Wie Schmitt richtig ausführt gestaltet sich die Erstellung einer Chronologie, für diesen kurzen Zeitraum, aufgrund der Quellenlage äußerst kompliziert.

[16] Elisabeth Herrmann-Otto: Konstantin der Große. Darmstadt, 2007 S. 29.

[17] Herrmann-Otto, 2007 S. 30; Rosen, 2013 S. 111; Dieser Datierung schließt sich auch Heinrich Chantraine: Die Erhebung des Licinius zum Augustus. In: Hermes. Bd. 110 1982 S 478 an.; Aur. Vic. Caes. 40, 8; Eutrop. 10, 4,1; Anon. Vales. I, 13; Oros. 7, 28,11.

[18] Chantraine, 1982 S. 484-485.

Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668515444
ISBN (Buch)
9783668515451
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374210
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde
Note
1,0
Schlagworte
Konstantin Maximian Tetrarchie Maxentius Gallienus Fausta

Autor

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