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Strategische Optionen aus der Bargeldsubstitution im Zahlungsverhalten

Empirische Analyse aus Sicht der Schweizer Telekommunikationsunternehmen

Masterarbeit 2017 131 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Danksagung

Abstract

1 Einleitung
1.1 Phänomen
1.2 Relevanz
1.3 Fragestellung
1.4 Abgrenzung
1.5 Aufbau der Masterarbeit
1.5.1 Theorieteil
1.5.2 Methodenteil
1.5.3 Resultate
1.5.4 Diskussion und Beantwortung der Fragestellung
1.5.5 Fazit und Handlungsempfehlungen

2 Aktueller Stand der Theorie
2.1 Herausforderungen im Endkundenmarkt
2.1.1 Ansichten und Prognosen der Europäischen Branche
2.1.2 Erste Versuche m Zahlungsmarkt
2.2 Das veränderte Zahlungsverhalten
2.2.1 Der Stellenwert von Bargeld
2.2.2 Nutzen und Sicherheit
2.2.3 Nachhaltigkeit, Vertrauen und Teilen
2.3 Mobile Payments
2.3.1 Mobile Wallets
2.3.2 Entwicklung und Potenzial
2.3.3 Der Vergleich mit anderen Ländern
2.4 Kryptowährungen und Mining
2.4.1 Was ist „Bitcoin" und „Blockchain"?
2.5 Neue Spielregeln im Zahlungsmarkt
2.6 Strategische Partnerschaften
2.7 Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der bestehenden Theorie

3 Methodenteil
3.1 Qualitatives Vorgehen
3.1.1 Begründung der Methodenwahl
3.2 Experteninterview
3.2.1 Expertenauswahl
3.2.2 Erfolglose Interviewanfragen
3.2.3 Interviewvorbereitung
3.2.4 Der Interviewleitfaden
3.2.5 Durchführung der Interviews
3.2.6 Transkription
3.3 Qualitative Inhaltsanalyse
3.4 Gütekriterien der Forschungsarbeit

4 Resultate
4.1.1 Verteilung der Kategorien pro Experte
4.2 Zusammenfassung der Haupt- und Subkategorien
4.2.1 Kundennutzen
4.2.2 Wettbewerb
4.2.3 Innovation
4.2.4 Strategische Kooperationen
4.2.5 Kommunikation
4.2.6 Regulatorien
4.2.7 Prognosen
4.3 Kernaussagen basierend auf den Annahmen

5 Diskussion und Empfehlungen
5.1 Diskussion Theorie und Forschungsresultate
5.1.1 Herausforderungen im Endkundenmarkt
5.1.2 Erste Versuche im Zahlungsmarkt
5.1.3 Das veränderte Zahlungsverhalten
5.1.4 Mobile Payments
5.1.5 Vergleich mit anderen Ländern
5.1.6 Kryptowährungen und Mining
5.1.7 Neue Spielregeln im Zahlungsmarkt
5.1.8 Strategische Partnerschaften
5.2 Beantwortung der Fragestellung und Handlungsempfehlungen
5.2.1 Auswirkungen der Digitalisierung
5.2.2 Die Bedeutung des Bargeldes
5.2.3 Erfahrungen von Telekommunikationsunternehmen in anderen Ländern
5.2.4 Strategische Kooperationen
5.2.5 Regulatorische Veränderungen im Zahlungsverkehr
5.3 Beantwortung der Hauptfrage
5.4 Bedeutung dieser Arbeit für die Branche

6 Fazit
6.1 Handlungsempfehlungen
6.1.1 Empfehlungen im eigenen Markt
6.1.2 Empfehlungen zu Mobile Payments
6.1.3 Empfehlungen zu Kryptowährungen
6.1.4 Strategische Kooperationen
6.2 Konklusion
6.3 Kritische Würdigung der Arbeit
6.4 Ausblick

7 Quellenverzeichnis

8 Anhang
8.1 Transkripte der Experteninterviews
8.2 Interviewcodierungen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite OTT-Player Landschaft - Bekannte Anbieter

Abbildung 2: Veränderungspotenzial an Geschäftsmodell und operativen Strukturen

Abbildung 3: Differenzierungspotenzial aus Sicht Europäischer Anbieter

Abbildung 4: Transaktionsvolumen pro Jahr aus Mobile Payments

Abbildung 5: Anzahl bekannter Mobile Payments Anbieter pro Kontinent 2010

Abbildung 6: Wertschöpfungskette Mobile Payments

Abbildung 7: Ausschnitt eines codierten Experteninterviews

Abbildung 8: Anzahl Kotierungen pro Kategorie und Experte

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kategoriensystem mit Verwendungshäufigkeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Danksagung

Vorab möchte ich mich herzlich bedanken bei den Einflussnehmern und Unterstützen, die diese Arbeit ermöglicht haben.

Herrn Dino Brazzoni danke ich für die Unterstützung während der Entstehung dieser Arbeit. Dank wertvoller Hinweise konnte die Arbeit an Qualität gewinnen.

Bei Herrn Dr. Stephan Truninger möchte ich mich dafür bedanken, dass er das wissenschaft­liche Arbeiten als Materie, welche für einen Nicht-Wissenschaftler wie mich vorher nicht rele­vant war, auf eine Weise vermitteln konnte, dass der Sinn und Nutzen klar rübergekommen ist.

Bei beiden Herren möchte ich mich ausserdem für die Beurteilung dieser Arbeit bedanken.

Bei meinen Mitstudierenden möchte ich mich für 2 interessante Jahre bedanken und für den Austausch, welchen wir während dieser Zeit hatten. Es war sehr spannend zu beobachten, dass Problemstellungen in den verschiedensten Unternehmen und Branchen und auch auf verschiedenen Führungsebenen trotzdem häufig dieselben Ursachen haben können.

Bei der Kalaidos Fachhochschule möchte ich mich bedanken für einen sehr interessanten Lehrgang, welcher mich als Führungsperson meiner Ansicht nach weitergebracht hat.

Nicht zuletzt möchte ich mich bei meiner Ehefrau dafür bedanken, dass sie während dieser Zeit Verständnis dafür hatte, dass ich keine Zeit für andere Dinge aufbringen konnte und mir sehr viel alltägliche Arbeit abgenommen hat.

Drazenko Ilic

Abstract

Die Herausforderungen, um im Endkundenmarkt weiterhin erfolgreich zu bleiben, werden für die Telekommunikationsanbieter weltweit und auch in der Schweiz immer grösser.

Viele Anbieter fragen sich, was sie tun sollen, um ihre bestehenden Privatkunden zu halten und neue gewinnen zu können. Häufig identifizieren die Telekommunikationsunternehmen dabei dieselben Handlungsfelder wie die Konkurrenz. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich die Branche damit, mehr Fokus auf den Kunden zu legen und die eigene Qualität zu optimieren. Als neue Innovationsfelder gelten das „Internet der Dinge" („internet of things") und „Big Da­ta". Die Anbieter befassen sich intensiv mit diesen Themen, wissen jedoch häufig noch nicht, wie sie sich in diesen Bereichen gewinnbringend etablieren können. Da viele Unternehmen auch punkto Innovation die gleichen Wege einzuschlagen versuchen, wird die Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben wieder geschmälert.

Ein nicht so intensiv betrachtetes mögliches Geschäftsfeld ist der branchennahe Zahlungs­markt, welcher diverse Opportunitäten für die Telekommunikationsbranche bietet. Hier knüpft diese Masterarbeit an. Es wird zunächst auf den vorhandenen Erkenntnissen aufgebaut. Da diese häufig auf europäischem Niveau gewonnen wurden, versucht diese Arbeit, diese Er­kenntnisse auf den Schweizer Markt abzuleiten.

Es wird zunächst dargelegt, wieso sich der Zahlungsmarkt in eine Richtung verändert, wel­che ihn für die Telekommunikationsunternehmen immer interessanter werden lässt. Dafür wird das heutige und künftige Nutzerverhalten, so wie die veränderten Rahmenbedingungen genauer durchleuchtet.

Im empirischen Teil dieser Arbeit, werden diese relevanten Themengebiete mit Experten aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern behandelt. Viele Erkenntnisse daraus bestätigen die An­nahmen des Autors und bereits gewonnene Erkenntnisse aus früheren, meist internationalen Arbeiten. Auch die Bestätigungen sind ein wertvolles Resultat für die Schweizer Branche. Es wird häufig angenommen, dass sich der Schweizer Markt stark von den anderen Ländern unterscheidet. In dieser Arbeit wird häufig festgestellt, dass die Problemfelder zumindest auf Europäischem Niveau häufig die gleichen sind wie in der Schweiz. Trotzdem konnte zusätz­liches Wissen generiert werden, welches für die hiesige Telekommunikationsbranche span­nend ist. Daraus werden konkrete strategische Handlungsempfehlungen generiert, welche primär von kleineren Telekommunikationsunternehmen gewinnbringend umgesetzt werden können. Ebenfalls wird klar, was die Anbieter künftig im eigenen Markt nicht mehr tun sollen, um bestehende Kunden zu halten und neue zu gewinnen. Ein genauer Fahrplan konnte pro Unternehmen nicht festgelegt werden und war auch nicht der Zweck dieser Arbeit.

1 Einleitung

1.1 Phänomen

Die Telekommunikationsbranche ist im Umbruch. Internet-, Telefonie- und TV-Produkte aus einer Hand sind nicht mehr so attraktiv wie früher und der Markt ist schon längst gesättigt. Mittlerweile sind der Mehrwert und die Services, welche z. B. auf einer Internetleitung auf­bauen ausschlaggebend, wobei auch dies nicht pauschal als Erfolgsfaktor gilt. Die Tele­kommunikationsanbieter können diesen Markt jedoch nicht mehr nur für sich selbst bean­spruchen. Internationale Anbieter drängen in den Schweizer Markt und bedrohen das alte Kerngeschäft im Endkundenbereich.

Deshalb suchen vor allem die grösseren Provider in der Schweiz wie Swisscom, Sunrise oder UPC nach Möglichkeiten, neue Märkte zu erschliessen oder sich in den bestehenden von den Mitbewerbern besser zu differenzieren. Neben anderen Märkten suchen vereinzelte Anbieter bereits nach Möglichkeiten, unter anderem auch in den Zahlungsmarkt einzustei­gen. Doch was machen die mittleren und kleinen Anbieter? Die Schweizer Telekommunikati­on besteht aus mehreren hundert Anbietern, die sich ähnliche Fragen stellen müssen.

Der Endkunde verändert sich. So auch in seinem Umgang mit Finanz- und Zahlungsmög­lichkeiten. Bargeld entwickelt sich langsam zu einem Relikt vergangener Zeiten. Die Digitali­sierung hat längst auch schon bei den Zahlungsmitteln und -möglichkeiten Einzug gehalten. Das ist nichts Neues. Digitale Währungen, digitale Bezahlsysteme, „Mobile Payments" etc. etablieren sich allmählich und werden in Zukunft zum Alltag des Verbrauchers gehören.

Trotzdem besteht das Bargeld weiterhin und ist ein fester Bestandteil des Alltags für viele Menschen. Obwohl man durch die Nutzung digitaler Zahlungsmöglichkeiten viel mehr von sich preisgibt, als manch ein Durchschnittsverbraucher annimmt, wird häufig als Grund ge­gen die Digitalisierung verwendete Privatsphäre bei digitalen Zahlungsmöglichkeiten weit besser gewahrt, als beim teilweise unüberlegten und schwach abgesicherten Umgang mit sozialen Medien und zum Beispiel mit dem Hochladen privater Fotos.

Die komplette Abschaffung des Bargeldes steht mittlerweile im Diskurs und könnte Schritt für Schritt eines Tages realisiert werden. Wann genau ist jedoch unklar und stark umstritten. Mit diesen Eventualitäten wird sich diese Arbeit jedoch nicht beschäftigen.

Die Telekommunikationsbranche in der Schweiz, wie auch jene in den meisten anderen Ländern weltweit, sind direkte Nutzniesser der Digitalisierung. Das bedeutet aber nicht, dass sie davon profitieren können, ohne auch etwas dafür zu tun. Die Digitalisierung erfordert auch von ihnen ein Umdenken.

Die Datenmengen und der Datenverkehr steigen immer weiter und werden ein immer zentra­lerer Bestandteil, sowohl im B2B-Bereich als auch für private Konsumenten. Dies übt zusätz­lichen Druck auf die Netzanbieter unter den Telekommunikationsunternehmen aus. Das be­deutet, dass sie sicherstellen müssen, dass ihre Netze diesen Datenverkehr weiterhin tragen können.

Der Endkunde sucht immer mehr nach Individualität und Vereinfachung. Sein Nutzerverhal­ten basiert immer mehr auf Mobilität und Konnektivität. Dies sind zwei Kernelemente der Telekommunikation.

Obwohl es nun so klingt, als hätten die Telekommunikationsunternehmen für die Zukunft ausgesorgt, erhöht sich die Komplexität der Wertschöpfung und der daraus abgeleiteten strategischen Geschäftsfelder. In der eigenen Branche wird es immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen.

Davon ausgehend, dass ein signifikanter Anteil der Kundenbasis von Telekommunikations­anbietern nach wie vor mehrheitlich auf neue Zahlungsmöglichkeiten und -mittel verzichtet, eröffnen sich vielfältige Opportunitäten und strategische Optionen für die Provider, um sich mit der voranschreitenden Bargeldsubstitution entlang der Wertschöpfungskette des Zah­lungsmarktes zu positionieren und auszudehnen. Ausserdem können die immer höher wer­denden Datenvolumina - auch wenn nur in anonymisierter Form von hoher Bedeutung sein für „Consumer Brands", wie auch für die Bankenindustrie, welche direkt in die Bezahlsyste­me und deren Prozesse von Telekommunikationsdienstleistungen eingebunden werden können.

Diese Arbeit soll aus Sicht der Telekommunikationsunternehmen die Möglichkeiten oder wie bereits erwähnt die Optionen aufzeigen, welche sich aus der bereits stattfindenden Entwick­lung aufzeigen und als Grundlage für strategische Massnahmen dienen können.

1.2 Relevanz

Der Telekommunikationsmarkt in der Schweiz ist klein und wird durch dessen Sättigungs­grad immer umkämpfter. Waren die Margen vor ein paar Jahren noch so hoch, dass sowohl grosse Provider, als auch Telekommunikations-KMUs genug daran verdienen konnten, herrscht heute - primär im Endkundensegment (B2C) - immer mehr ein Verdrängungsmarkt, Preiskampf und Niedergang oder Auslagerung ganzer Unternehmensbereiche bis hin zur Schliessung nicht mehr überlebensfähiger Firmen in dieser ehemals gut situierten Branche. Der Grund dafür sind neben den Aktivitäten der Telekommunikationsanbieter selbst, global agierende Anbieter internetbasierter Dienstleistungen - so genannte „Over-the-Top" (OTT)- Dienstleister. Diese konnten in den letzten Jahren von regulatorischen Änderungen im Schweizer Telekommunikationsmarkt profitieren und gewinnen immer mehr Marktanteile gegenüber den lokalen Anbietern. Das Aufkommen neuer Dienstleistungen der genannten internationaler Anbieter, lässt ehemals sehr ertragreiche Geschäftsfelder wie die Festnetzte­lefonie immer überflüssiger werden. Die Kunden verwenden zum Beispiel nicht mehr das klassische Telefon, sondern verwenden Gratis-Telefonie-Lösungen über die Internetleitung.

Darum müssen in erster Linie die grösseren Telekommunikationsanbieter sich immer mehr Gedanken machen, wie sie ihren immer schneller schrumpfenden Kundenbestand halten können, weil die Unannehmlichkeiten eines Providerwechsels von früher, längst nicht mehr vorhanden oder überschaubar sind. Die Kunden haben die Wahlmöglichkeit und sind nicht mehr so loyal wie früher. Ausser, sie sind mit ihrem aktuellen Anbieter zufrieden. Dann ist es wiederum sehr schwierig für andere Anbieter, diese Kunden abzuwerben.

Die Bargeldsubstitution ist an sich kein vollkommen neues strategisches Geschäftsfeld, wel­ches sich ausschliesslich für Telekommunikationsanbieter eröffnet. Anbieter in anderen Län­dern haben sich bereits im Zahlungsmarkt erfolgreich positioniert. Das Thema sollte trotzdem strategisch durchleuchtet und bearbeitet werden, um mittel- bis langfristig als mögliche Opti­on dienen zu können, damit den Schwund der „alten" Dienstleistungen abzufedern, die Posi­tionierung gegenüber den Kunden zu verbessern und dadurch einerseits Kunden von Kon­kurrenten abzuwerben und handkehrum die Kündigungsrate der eigenen Kunden zu reduzie­ren.

Möglicherweise haben einige Strategieabteilungen der relevanten Schweizer Unternehmen dieses Thema bereits behandelt. Für alle anderen Anbieter könnte diese Arbeit zumindest im Ansatz Aufschluss über die Möglichkeiten, neue Erkenntnisse schaffen und sie dadurch möglicherweise sogar zum Handeln bewegen.

1.3 Fragestellung

Diese Masterarbeit behandelt die Fragestellung „Welche strategischen Optionen ergeben sich für Schweizer Telekommunikationsunternehmen aus der Bargeldsubstitution im Zah­lungsverhalten?", und soll diese am Ende auch beantworten können. Daraus abgeleitet er­geben sich folgende Sub-Fragen:

- Wie wirkt sich die Digitalisierung auf das Zahlungsverhalten von Verbrauchern aus?
- Verliert das Bargeld im relevanten Nutzerverhalten an Bedeutung?
- Welche Veränderungen durchläuft die Telekommunikationsbranche in der Schweiz?
- Besteht die Möglichkeit zur Bildung neuer Alleinstellungsmerkmale im bestehenden Markt?
- Welche Erfahrungen haben Telekommunikationsunternehmen in anderen Ländern gemacht, wo die Bargeldsubstitution bereits weitervorangeschritten ist und können diese für den Schweizer Markt angewendet werden?
- Sind strategische Allianzen im Zahlungsmarkt sinnvoll und mit welchen Anbietern könnten diese gebildet werden?
- Welche rechtlichen Aspekte müssen im Zusammenhang mit dem Zahlungsverkehr berücksichtigt werden und wie wirken sich diese auf den Markt aus?

1.4 Abgrenzung

Es gibt diverse Möglichkeiten, wie sich Unternehmen der Schweizer Telekommunikation wei­terentwickeln können, um mittel- bis langfristig erfolgreich zu bleiben. Diese werden jedoch nicht alle konkreter beleuchtet. Die Relevanz dieser Arbeit richtet sich primär an den End­kundenbereich (B2C). Andere bekannte Geschäftsfelder der Telekommunikation wie z. B. der Geschäftskundenbereich werden hierbei nicht betrachtet. Im Geschäftskundenbereich herrschen ausserdem andere Herausforderungen als im Privatkundengeschäft.

Diese Arbeit behandelt nicht die Evolution des Geldes und den aktuellen politischen Diskurs über die Veränderung des Geldsystems. Im Zusammenhang mit Geld werden das Bezahl­verhalten und die möglichen Entwicklungen basierend auf Studien betrachtet. Es werden nötigenfalls Statistiken hinzugezogen, welche aufzeigen, welchen Anteil alternative Zah­lungsmethoden an allen Geldtransaktionen einnehmen und wie sich dieser Anteil in Zukunft verändern wird.

Im Zusammenhang mit dem Paymentmarkt werden die Finanzdienstleister als mögliche Partner erwähnt. Die Banken an sich werden jedoch nicht weiter betrachtet und die Finanz­dienstleistung an sich ist ebenfalls nicht Bestandteil dieser Arbeit. Es geht auch nicht darum, wie Telekommunikationsdienstleister Banken ersetzen können. Die Rollen im Finanzmarkt werden im Zusammenhang mit den Neuerungen im Zahlungsmarkt betrachtet.

Die Digitalisierung wird primär im Zusammenhang mit Bezahlsystemen und -möglichkeiten betrachtet. Zusammenhänge zu einem „digitalisierten“ Alltag werden wo nötig tangiert. Stra­tegieoptionen bilden gleichzeitig eine Handlungsempfehlung zu dieser Fragestellung. Die Fragestellung bezieht sich explizit auf die Schweizer Telekommunikation. Es wird aber ver­sucht, die Erfahrungen von Telekommunikationsanbietern anderer Länder mit einer weiter fortgeschrittenen Digitalisierung des Zahlungsverkehrs einzubinden. Dies soll das mögliche Potenzial für die lokalen Anbieter aufzeigen. Es wird kein detaillierter Plan ausgearbeitet, wie oder über welchen Zeitraum diese Optionen umgesetzt werden sollten.

Die Fragestellung soll Handlungsempfehlungen aus Branchensicht aufstellen. Da dies be­reits ein sehr breites Spektrum bildet, werden bei den Handlungsempfehlungen fokussiert kleinere Telekommunikationsdienstleister angesprochen. Aus Sicht der vier grössten Anbie­ter im Schweizer Markt (Swisscom, UPC, Sunrise, Salt) wären die Empfehlungen möglicher­weise zu generisch, da diese Anbieter über ganze Strategieabteilungen verfügen, die sich mit Strategieoptionen befassen. Ausserdem verfolgen diese vier Firmen teilweise schon sehr komplexe, teils internationale Strategien, welche nicht gleichgestellt werden können mit den Bemühungen der zahlreichen kleineren Anbieter.

Obwohl das Ziel der Arbeit die Formulierung von Handlungsempfehlungen in Form von Stra­tegieoptionen ist, wird darauf verzichtet, das Thema Strategie eingehend zu behandelt. Ob­wohl die Strategieentwicklung (vgl. Lombriser & Abplanalp, 2015, S. 267) von keinem Unter­nehmen vernachlässigt werden sollte, ist dies nicht Bestandteil dieser Arbeit. Es wird darauf verzichtet, damit der Fokus auf den eigentlichen Inhalt nicht verloren geht.

1.5 Aufbau der Masterarbeit

Die Gliederung der Masterarbeit soll aufzeigen, wie verfahren wurde und auf welcher Basis die Beantwortung der Fragestellung vorgenommen und die Handlungsempfehlungen formu­liert werden konnten. Die Reihenfolge wurde deshalb wie folgt gewählt:

1.5.1 Theorieteil

Hier werden möglichst alle wichtigen Informationen und Begrifflichkeiten zum relevanten Themengebiet gesammelt und behandelt. Daraus werden die Informationen nochmals ver­dichtet und Annahmen (Hypothesen) gebildet. Der Autor versucht, sich auf aktuelle, wesent­liche und relevante Literatur und Studien zu fokussieren, da das Themengebiet aus mehre­ren Modulen besteht. Die einzelnen Elemente sind als solche in der Theorie sehr breit aus­gelegt. Wo möglich, versucht der Autor Literatur zu bearbeiten, welche sich auch mit dem Schweizer Markt befasst. Ansonsten wird Literatur für andere Märkte verwendet und daraus werden Annahmen für den Schweizer Markt abgeleitet. Basierend auf den gebildeten An­nahmen wird anschliessend der Methodenteil aufgebaut.

1.5.2 Methodenteil

In diesem Abschnitt wird erklärt, wie die Informationen, welche aus der Theorie nicht gewon­nen werden konnten, erhoben werden. Es wird ebenfalls begründet, wieso die jeweilige Me­thode gewählt wurde. Die Annahmen, welche am Ende des Theorieteils gebildet werden konnten, bilden die Basis für die Interviewleitfäden für die Befragung der Experten. Die ein­zelnen Fragen werden in diesem Kapitel formuliert und begründet. Anschliessend wird die Verarbeitung und Analyse der Daten beschrieben und erklärt.

1.5.3 Resultate

Die aus dem Methodenteil gewonnen Erkenntnisse werden in diesem Kapitel beschrieben. Die Daten aus den Experteninterviews werden paraphrasiert und generalisiert. Die nach dem Theorieteil gebildeten Annahmen werden darauf basierend verfeinert. Daraus werden Kern­aussagen gebildet, um die teilweise ausschweifenden Antworten der Experten auf die we­sentlichen Inhalte zu verdichten.

1.5.4 Diskussion und Beantwortung der Fragestellung

Die Kombination aus Theorie und Forschungsergebnissen ermöglicht eine Gegenüberstel­lung und Diskussion. Dies wird in diesem Kapitel umgesetzt. Es sollen auch Unterschiede, mögliche Unstimmigkeiten und Schwachstellen aufgezeigt und kritisch beurteilt werden.

Schliesslich sind genügend Erkenntnisse gesammelt, um die Hauptfragestellung inklusive Unterfragen in diesem Kapitel beantworten zu können. Abschliessend werden die Ergebnis­se aus praktischer bzw. aus Branchensicht beurteilt.

1.5.5 Fazit und Handlungsempfehlungen

Im letzten Kapitel werden auf der Basis der beantworteten Fragestellungen Handlungsemp­fehlungen für die Zielgruppe abgegeben. Diese werden die im Theorie- und Forschungsteil bearbeiteten Themen umfassen. Anschliessend wird ein Fazit über die gesamte Arbeit gezo­gen, die Arbeit kritisch gewürdigt und ein Ausblick darauf gegeben, womit sich künftige wis­senschaftliche Arbeiten, an diese Arbeit anknüpfend, befassen sollten.

2 Aktueller Stand der Theorie

In diesem Kapitel werden die bestehende Theorie zu den Themengebieten und Begrifflich- keiten erklärt und aufgearbeitet. Daraus soll hervorgehen, welche Erkenntnisse bereits ge­wonnen wurden. Als Resultat werden eine Zusammenfassung der Erkenntnisse und die Bil­dung von Annahmen für den Methodenteil hervorgehen. Anschliessend können diese im Resultateteil den Ergebnissen aus dem Forschungsteil gegenübergestellt und im Zusam­menhang mit der Hauptfragestellung und den Sub-Fragen diskutiert werden.

Über die einzelnen Elemente der zentralen Fragestellung wie auch den Subfragen gibt es bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und Studien. Diese kommen jedoch primär aus dem europäischen Raum oder wurden sogar weltweit durchgeführt. Schweizer Literatur und Studien mit dem gleichen Kontext wurden nicht gefunden. Einzelne Themenfelder werden jedoch aus Sicht des Schweizer Marktes behandelt. Diese werden im Theorieteil mit berück­sichtigt. Die Vorhandenen Arbeiten fokussieren sich aber nur auf kleine Teilstücke der für diese Masterarbeit relevanten Materie. Häufig wird zum Beispiel die Digitalisierung als solche und deren Potenzial auf einem relativ hohen Niveau betrachtet. Vom Bund durchgeführte Arbeiten befassen sich nicht mit spezifischen Themen aus Sicht der Telekommunikationsan­bieter. Sie betrachten jedoch die Infrastruktur und die technischen Fortschritte in der Tele­kommunikation, wie zum Beispiel die Fortschritte mit dem „Internet der Dinge" als wichtigen Bestandteil für die politische Strategie für eine „digitale Schweiz" (vgl. Strategie „Digitale Schweiz", 2016, S. 5)

Bei der Verwendung der internationalen Studien wird davon ausgegangen, dass die Er­kenntnisse für den Schweizer Markt die gleichen oder zumindest ähnlich sind.

Europa- und weltweit befassen sich zahlreiche Bücher und Studien mit den aktuellen Prob­lemstellungen und möglichen Weiterentwicklungen in der Telekommunikation. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Masterarbeit waren keine expliziten wissenschaftlichen Arbeiten für die Schweizerische Telekommunikationsbranche bekannt oder zugänglich. Aus diesem Grund wird davon ausgegangen, dass die europäischen wie globalen Faktoren auch auf den Schweizer Markt zutreffen. Um dies zu validieren, werden entsprechende Annahmen (siehe 2.6) aufgestellt und im empirischen Teil dieser Arbeit erforscht. Als weitere Annahme gilt, dass der Schweizerische Markt vor allem gut mit dem deutschen und österreichischen Markt verglichen werden kann.

Ein aktuelles Whitepaper der Unternehmensberatung KPMG (Amberg et al, 2016) befasst sich unter anderen digitalen Innovationsfeldern auch mit „Fintech" und den „disruptiven" Möglichkeiten (Amberg et al, 2016, S. 12). Dabei sprechen sie aber primär über die Standor­tattraktivität der Schweiz und die Potenziale der Branche auf einem internationalen Niveau.

Der Theorieteil wurde zur besseren Erarbeitung in mehrere Module aufgeteilt, welche alle zur übergeordneten Fragestellung beitragen.

2.1 Herausforderungen im Endkundenmarkt

Die Telekommunikationsbranche muss sich verändern. Die Jahre, in welchen leichtes Geld verdient wurde mit einer einfachen Wertschöpfungskette sind vorbei (vgl. Vogt 2016). Immer mehr Anbieter mit immer ähnlicheren Angeboten haben den Markt gesättigt und komplex werden lassen. Der Wettbewerb in diesem Markt findet vorwiegend nur noch über den Preis statt (Krüssel, 2014, S. 10)

Der Telekommunikationsmarkt war noch nie so stark umkämpft wie heute (vgl. Hahn, 2015). Manche Autoren schreiben von einem „besonderen Veränderungsprozess“ (Bub et al, 2011, S. 253). Ein besonderes Augenmerkt gilt dieser Aussage aus Sicht der Endkunden. Andere Geschäftsfelder sind für Telekommunikationsanbieter weiterhin durchaus lukrativ. Für diese Arbeit ist eine Ausführung zu diesen Bereichen jedoch nicht weiter relevant.

Das klassische Angebot - auch bekannt als Produkte-Bundle -, bestehend aus TV, Internet und Festnetztelefonie ist ein Modell, welches mittlerweile von vielen Anbietern in der Schweiz angewendet wird (vgl. Vogt 2016). Das TV-Produkt wird als emotionalster Bestand­teil der Telekommunikationsportfolios bezeichnet, was bedeutet, dass der Kunde mit einer darauf ausgerichteten Werbung am besten adressiert werden kann. Einige Anbieter versu­chen sich deshalb fokussiert bei diesem Produkt von den anderen Providern zu differenzie­ren.

Durch das Aufkommen internetbasierter TV-Angebote, hat eine starke Verschiebung in die­sem Teilmarkt stattgefunden. Vor diesem Wandel teilten die Kabelnetzanbieter die TV- Kunden noch unter sich auf. Mittlerweile hat die Swisscom die meisten TV-Kunden in der Schweiz - über 1,4 Millionen (Stand: September 2016) (vgl. Vogt 2016).

Bei den Endverbrauchern können die Anbieter nur noch Kunden gewinnen, indem sie diese von der Konkurrenz abwerben. Man spricht dabei von einem Verdrängungsmarkt (vgl. Hess- ler & Steingröver, S. 33).

Auf der anderen Seite steigen die Anforderungen an die Basisdienstleistungen der Anbieter. Die Endverbraucher beanspruchen im Alltag immer mehr Bandbreite beim „Surfen“ im Inter­net. Das hat zur Folge, dass die Unternehmen, welche über ein eigenes Netz verfügen und Internetdienstleistungen anbieten, entsprechend investieren müssen, um die Netze aus­bauen zu können und die benötigten Kapazitäten gewährleisten zu können.

Die Digitalisierung eröffnet Möglichkeiten, um sich wieder besser differenzieren zu können und möglicherweise neue Geschäftsmodelle anzubieten. Es bestehen naheliegende Mög­lichkeiten für Telekommunikationsdienstleister, davon zu profitieren. Dies wird erschwert durch das Eindringen globaler OTT-Anbieter (vgl. Hessler & Steingröver, 2015, S. 33) in den Schweizer Markt. Als Beispiel können Apple, Google, Amazon oder Netflix genannt werden.

Diese Anbieter können als „Segen und Fluch" für die Telekommunikation betrachtet werden. Einerseits haben die Telekommunikationsanbieter in den vergangenen Jahren stark von den attraktiven Entwicklungen der OTT-Anbieter profitieren können (vgl. Dörflinger & Heuermann, 2015, S. 46). Der Nutzen von einem schnelleren Breitbandanschluss oder von einem Flatra- te-Mobile-Abo konnte dem Endverbraucher einfach aufgezeigt werden und dadurch konnten die Telekommunikationsanbieter auch in der Schweiz wachsen. Nun dringen aber ebendiese OTT-Anbieter in die Bereiche ein, welche früher für die Telekommunikationsanbieter im End­kundenbereich mitunter der ertragreichste Bestandteil waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Weltweite OTT-Player Landschaft - Bekannte Anbieter

Quelle: Darstellung entnommen aus Dörflinger & Heuermann, 2015, S. 49

OTT-Anbieter beanspruchen die internetbasierten Inhalte wie z. B. Voice-over-IP oder TV- Streaming-Dienste immer mehr für sich. Dadurch entfällt ein bedeutender Anteil am Umsatz, welchen die Telekommunikationsdienstleister bisher für sich beanspruchen konnten (vgl. Dörflinger & Heuermann, 2015. S. 45). Erträge z. B. aus Sprachtelefonie, SMS und TV- Zusatzpaketen werden dadurch stark substituiert und entfallen immer weiter.

Die Angebote der OTT-Anbieter werden über die Netze der Telekommunikationsanbieter bereitgestellt. So ist es auch in der Schweiz. Die OTT-Anbieter können ihre Angebote jedoch über die Schweizer Netze anbieten, ohne dafür Investitionen oder zwingende Partnerschaf­ten mit den Schweizer Telekommunikationsanbietern eingehen zu müssen. Der Grund dafür ist die in der Schweiz vorhandene Netzneutralität (vgl. Hessler & Steingröver, 2015, S. 37). Hessler & Steingröver (2015) befassen sich eingehend mit der Problematik, dass mit dieser neuen Situation ein Ungleichgewicht entsteht, welches von den Telekommunikationsunter­nehmen getragen werden muss.

Sie zeigen auf, dass es von regulatorischer Seite ein Eingreifen erfordert, welches „den Netzbetreibern ein Überleben (...) ermöglicht (Hessler & Steingröver, 2015, S. 36). Ihre Er­kenntnisse fordern von regulatorischer Seite eine Neubeurteilung und darauf basiert Anpas­sungen der Verpflichtungen durch die Netzneutralitätsvorgaben.

Es soll ausserdem überprüft werden, ob die „Bereitstellung spezieller (kostenfreier) OTT- Dienste" (Hessler & Steingröver, 2015, S. 40) einen negativen Effekt auf den Telekommuni­kationsmarkt ausübt und ob darauf basierend von regulatorischer Seite eingegriffen werden muss.

„Insbesondere große Telekommunikationsunternehmen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in Produktinnovationen vorgenommen, die weit über die klassischen Telekommunikationsdienste hinausgingen." (Markova & Schnitter, 2015, S. 76) Diese Aus­sage trifft ebenfalls für den Schweizer Telekommunikationsmarkt zu. Genau wie von Mar­kova & Schnitter (2015) beschrieben, haben auch die grösseren Schweizer Anbieter zuerst versucht, sich gegen die OTT-Anbieter zu wehren. Mittlerweile haben die Anbieter aber er­kannt, dass die Möglichkeiten stark begrenzt sind, um alleine gegen diese grossen internati­onalen Player antreten zu können. Aus diesem Grund wurden bei vielen Anbietern diese Bemühungen wieder stark reduziert, da sie die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Stattdes- sen versuchen sie mittlerweile, mit den OTT-Anbietern in irgendeiner Form zu kooperieren.

Auch Dörflinger & Heuermann (2015) zeigen Handlungsoptionen auf, wie die Telekommuni­kationsanbieter mit den OTT-Angeboten umgehen können. Diese reichen von nichts tun bis hin zur Kooperation.

In der Schweiz versuchen vor allem die grösseren Anbieter wie Swisscom, UPC und Sunrise bereits mit globalen OTT-Anbietern Kooperationen einzugehen. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation mit Netflix. Deren Service wird neuerdings in verschiedenen Ausprägungen von den genannten Providern in ihrem Portfolio mit angeboten. Dadurch erhoffen sie sich einen Mehrwert bzw. mehr Attraktivität ihrer Angebote für die Endkunden. Aus Sicht von Netflix wurde dadurch ein Zugang zu noch mehr Endkunden ermöglicht und die Telekommunikati- onsanbieter erhofften sich dadurch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der direkten Kon­kurrenz. Fraglich ist, ob die Anbieter davon ausgegangen sind, dass Netflix nur einen Partner in der Schweiz sucht. Denn schlussendlich wurde die Kooperation mit den drei grössten An­bietern eingegangen, wodurch diese untereinander kein Alleinstellungsmerkmal gewinnen konnten.

Für kleinere Schweizer Anbieter sind solche Kooperationen unwahrscheinlich. Sie verfügen nicht über die Marktanteile, welche für die grossen OTT-Anbieter interessant wären, um eine Partnerschaft einzugehen, statt die Kunden der kleineren Anbieter direkt zu adressieren.

Partnerschaften zwischen Telekommunikationsanbietern und lokalen OTT-Diensteistern wie zum Beispiel „Teleboy" oder „Wilmaa" bestehen bereits und sind für beide Seiten.

2.1.1 Ansichten und Prognosen der Europäischen Branche

2014 wurde eine Studie über die Zukunft der Branche durchgeführt mit Kaderleuten der füh­renden Telekommunikationsanbieter Europas (Dickgreber et al, 2014). Einleitend bestätigen sie die Aussage von Vogt (2016): „Die Boom-Jahre sind vorbei." (vgl. Dickgreber et al, 2014, S. 2)

Zwei Aussagen von Dickgreber et al (2014) werden im Zusammenhang mit dem Endkun­denmarkt als besonders wichtig erachtet:

1. Neukunden akquirieren, um Marktanteile zu gewinnen ist nicht mehr so wichtig, wie die Pflege der Bestandskunden. Die Strategie zur Marktanteilsgewinnung sei nicht nachhaltig. Es wird aber auch festgehalten, dass Anbieter europaweit diese Aussa­gen bereits seit mehreren Jahren. Ein „Kurswechsel" (vgl. Dickgreber et al, 2014, S. 4) habe bisher in den meisten Fällen aber nicht stattgefunden. Ausserdem sehen die Führungskräfte - abgesehen von der Kostensenkung im operativen Bereich - vor al­lem Potenzial in der Erschliessung neuer Geschäftsfelder (siehe Abbildung 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Veränderungspotenzial an Geschäftsmodell und operativen Strukturen

Quelle: Darstellung entnommen aus Dickgreber et al, 2014, S. 3

Der Autor geht davon aus, dass die Aussagen der europäischen Führungskräfte sich mit den Meinungen im Schweizer Markt grösstenteils decken. Jedoch muss die Situa­tion bzw. die Verteilung der Marktanteile in der Schweiz speziell betrachtet werden. Hier hat der grösste Anbieter enorme Marktanteile. Nach Ansicht des Autors haben die kleineren Anbieter dadurch nach wie vor die Möglichkeit, Marktanteile auch durch andere Massnahmen als durch Preissenkungen zu gewinnen. Ein höherer Fokus auf die Bestandskunden sollte gleichzeitig auch im Schweizer Markt angestrebt werden. Beide Punkte werden im empirischen Teil der Arbeit hinterfragt.

Das Potenzial, welches die Führungskräfte im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Geschäftsfelder sehen, steht im direkten Zusammenhang mit Fragestellung. Diese Aussage begünstigt die Annahme des Autors, dass Telekommunikationsanbie­ter sich auch mit dem Zahlungsmarkt befassen sollten.

2. Differenzierungspotenzial sehen die Anbieter vor allem über die Qualität ihrer Netze (siehe Abbildung 3). Da sie ebenfalls versuchen wollen, die operativen Ausgaben zu senken, steht dies im direkten Zielkonflikt. Sie sehen jedoch eine Erleichterung die­ses Umstandes durch die Umstellung auf „reine IP-Netze" (vgl. Dickgreber et al, 2014, S. 5). Für die Zukunft erachten die Anbieter vor allem die Markenführung, Kun­dendienst und Vertrieb als die grössten Handlungsfelder, um sich vom Wettbewerb abgrenzen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Differenzierungspotenzial aus Sicht Europäischer Anbieter

Quelle: Darstellung entnommen aus Dickgreber et al, 2014, S. 6

Der Autor wird im empirischen Teil auf diese Aussagen eingehen und versuchen, diese mit Schweizer Experten zu validieren. Es wird davon ausgegangen, dass die gleichen Hand­lungsfelder auch für Schweizer Telekommunikationsanbieter relevant sind.

2.1.2 Erste Versuche m Zahlungsmarkt

Der grösste Telekommunikationsanbieter der Schweiz, die Swisscom, hat vor mehreren Jah­ren eine Lösung namens „Easypay" (vgl. Mobiles Zahlen, 2016) eingeführt. Dank dieses Dienstes kann ein Swisscom Kunde diverse Dienstleistungen über seine Handyrechnung bezahlen. Swisscom investierte seit geraumer Zeit nennenswerte Ressourcen in die Entwick­lung weiterer mobiler Zahlungslösungen, mit welchen auch Direkt- und Sofortzahlungen oh­ne den Umweg über die Mobiltelefonrechnung möglich wurden. mit ihrer Bezahl-App „TWINT" (vgl. Raymann, 2016) hat Swisscom die letzten grossen Schritte im Paymentmarkt

unternommen. Mitte 2016 wurde dann aber bekannt, dass dieses Produkt mit anderen Lö­sungen von Schweizer Banken zusammengelegt und 2017 neu lanciert wird. Swisscom spielt dabei keine öffentlich bekannte Rolle mehr. Somit ist zurzeit unklar, ob Swisscom End­kunden mit neuen Payment Lösungen bedienen möchte oder nicht. Zurzeit fokussieren sie sich auf „Banking" Lösungen (vgl. Banking, 2016), welche sie im Geschäftskundenbereich zur Verfügung stellen. Sie befassen sich mit strategischen Optionen aus Sicht der Banken (vgl. „Bank der Zukunft"). Auf dieser Basis versuchen sie, Banken als Kunden und Partner zu gewinnen. Es wird angenommen, dass sich die Swisscom anhand dieser Entwicklung nicht weiter als Anbieter eigener Lösungen für Mobile Payments befassen möchte.

Andere und vor allem kleinere Telekommunikationsanbieter könnten sich unter Erfüllung der Richtlinien des Finanzmarktes aber nach wie vor auch positionieren und mit ihren Wertange­boten (Value Proposition) (vgl. Osterwalder & Pigneur 2010, S. 26) differenzieren. Zum Bei­spiel können sie sich so direkt im Markt als Anbieter für Bezahllösungen positionieren.

Abgesehen von den bereits erwähnten Möglichkeiten, bestehen unter Finanz- und Tele­kommunikationsdienstleistern bereits verschiedene Kooperationen. Diese adressieren aus Sicht der Telekommunikationsanbieter aber nicht direkt den Endkundenmarkt. Kellmereit & Narielvala (2014) bestätigen, dass diverse Anbieter diesen Weg bereits eingeschlagen ha­ben. Die Telekommunikationsunternehmen fokussierten sich in diesen Kooperationen primär auf ihre eigene Kernkompetenz.

Einige haben dafür ganze Abteilungen gebildet, um dieses neue Geschäftsfeld zu betreuen, andere haben Unternehmen dieser Branche aufgekauft, um schneller am Markt zu sein und Kompetenzen besser zusammenführen zu können. (vgl. Kellmereit & Narielvala, 2014, S. 135)

2.2 Das veränderte Zahlungsverhalten

2.2.1 Der Stellenwert von Bargeld

Gem. Lerner (2013) wird das Bargeld immer mehr durch immaterielles, elektronisches Geld ersetzt. Darauf basierend geht er davon aus, dass die weltweiten Zahlungsabläufe sich immer weiter transformieren werden. Diese Annahme hat sich seither vor allem bei mobilen Zahlungsmethoden bestätigt, wie im weiteren Verlauf dieses Kapitels erläutert wird.

Heute wird immer noch der Grossteil aller Transaktionen mit Bargeld getätigt. In rund 79% aller Zahlungen verwenden die Konsumenten noch immer Bargeld (vgl. Zwanzig, 2016, S. 326).

Ein Argument, welches global für die Abschaffung des Bargeldes spricht ist die Unterbindung oder Eindämmung der kriminellen Aktivitäten Geldwäsche und Steuerhinterziehung, welche heute primär mit Bargeld stattfinden (vgl. Kainz, 2015). Dies werde durch die „Anonymität des Bargeldes" begünstigt.

Dieses Argument wird jedoch auch gegen Alternativen bzw. Digitalwährungen verwendet Handkehrum befassen sich viele Länder mit den rechtlichen Konsequenzen durch so einen Eingriff (vgl. Hirdina, 2016, S. 1). Hier herrscht ein Widerspruch in der Literatur zwischen Befürwortern und Gegnern von Bargeld bzw. Digitalwährungen.

Es ist unwahrscheinlich, dass das Bargeld in absehbarer Zeit komplett abgeschafft werden kann und wird. Gem. Beck & Prinz (2015) kann dies unter anderem noch nicht geschehen, da die Akzeptanz bzw. das Vertrauen in der Bevölkerung für „Cybergeld" noch nicht genügend vorhanden ist. Wahrscheinlicher sei, dass Bargeld und Digitalwährungen koexistieren, solange es die Bürger wünschen.

Gem. Rösl & Seitz (2015) sei die komplette Abschaffung des Bargeldes „nicht praktikabel" solange die Datensicherheit und die Wahrung der Privatsphäre nicht explizit gewährleistet werden kann. Sie erkennen die Möglichkeit einer vollkommenen Überwachung durch den Staat.

„Der digitale Wandel und der Megatrend Konnektivität heben gesellschaftliche und ökonomi­sche Systeme auf eine neue Evolutionsstufe..."(Huber et al, S. 10), was bedeutet, dass eine bedeutende Veränderung in der Gesellschaft stattfindet. Die Veränderung findet nicht in ab­rupten Schritten statt, sondern in einem kontinuierlichen Prozess. In einem grösseren Kon­text betrachtet, nimmt der bereits erwähnte digitale Wandel Einfluss auf den gesamten Alltag der Gesellschaft und das Bezahlen ist nur ein - wenn auch bedeutendes - Bindeglied darin.

Huber et al (2014) wägen in einem Ausblick die Substitution des Bargeldes ab. Sie gehen davon aus, dass die klassische Bankberatung und die Transaktionen über die Banken gänz­lich an Bedeutung verlieren werden. Des Weiteren erwähnen sie die Möglichkeit, dass An­stelle von Bargeld Zeit als Währung positioniert werden könnte. Wie dies umgesetzt werden könnte, wird jedoch nicht dargestellt.

Sie stellen fest, dass Bargeld heute jährliche Kosten in Höhe von 200 Milliarden verursacht. Das aktuell bestehende Thema der Negativzinsen führt zur Annahme, dass Bankkunden ihr Vermögen in Form von Bargeld von ihren Konten nehmen und somit das Geld-System weiter belasten (vgl. Huber et al, 2014, S. 32).

Das „neue", digitale Geld basiert auf dem Vertrauen in der Gesellschaft, wie es heute das Bargeld tut (vgl. Huber et al, 2014, S. 23). Ein entscheidender neuer Faktor ist hingegen die

Konnektivität oder wie von Huber et al (2014) formuliert „die Vernetzung". Die Internetverbin­dung und Mobilität ist dabei nebst der Einfachheit in der Handhabung stets das Kernelement.

Da die Telekommunikationsanbieter vielfach auch Anbieter von Internetprodukten sind, müsste dies per se als eine fast einmalige Gelegenheit betrachtet werden. Die Herausforde­rung dabei wird die Positionierung der Internetverbindung als solche sein. Diese wird bereits heute als selbstverständlich betrachtet und bietet unter den Anbietern so gut wie keine Al­leinstellungsmerkmale mehr.

Cimiotti (2016) fasst eine Studie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2015 zusammen. Die Kernaussage ist, dass Bargeld nach wie vor das wichtigste Zahlungsmittel beim Einkau­fen ist und dass sich das Zahlungsverhalten der Verbraucher nicht von einem Tag auf den anderen verändern wird.

Neue Zahlungsmöglichkeiten an sich werden das bisherige Verhalten eines Kunden nicht automatisch verändern. Die Anbieter dieser Produkte werden einen hohen Aufwand in Kauf nehmen müssen, um die Kunden zu einer Nutzung der neuen Zahlungsmöglichkeiten zu bewegen (vgl. Cimiotti, 2016, S. 128). Gleichzeitig wird erwähnt, dass diese Aussage nicht für die jüngeren Generationen zutrifft. Dies wiederum bedeutet, dass sich mit diesen Genera­tionen das Zahlungsverhalten sehr wahrscheinlich elementar verändern wird. Inwiefern dies belegbar ist, kann heute schwer eingeschätzt werden. Aktuelle Studien (vgl. Stanton, 2016) belegen zumindest entsprechende Trends.

Dadurch, dass das Smartphone immer zentraler im Alltag des Nutzers integriert ist, gewin­nen die Technologieunternehmen wie Apple, Samsung etc. immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Erfolg können erwähnte Unternehmen auch immer mehr Ressourcen in neue Pro­dukte investieren. Diese Produkte wiederum können sich negativ auf die Marktanteile von Telekommunikationsdienstleistern auswirken. Oder auch förderlich sein, wenn diese in ir­gendeiner Form an der Entwicklung und/oder Umsetzung dieser Produkte teilnehmen kön­nen.

Trotz seiner bereits dargelegten Erkenntnisse, kommt Cimiotti (2016) auch zum Schluss, dass dank dieser Entwicklung Telekommunikations- und Technologieunternehmen auch die Möglichkeit erhalten, in den Zahlungsverkehrsmarkt einzutreten (vgl. Cimiotti 2016, S. 126).

Telekommunikationsanbieter profitieren unter anderem durch ihre Mobiltelefonieangebote indirekt immer mehr und können mit einer durchdachten Kundenkommunikationsstrategie und Werbung ihre Produkte im Nutzerverhalten als zentrales Element positionieren. Tele­kommunikationsdienstleister ohne ein Mobiltelefonieportfolio haben dieses Potenzial nicht oder können sich auf die Applikationsentwicklung fokussieren, welche Produkte hervorbringt, die den Mobiltelefonienutzern dienlich sein könnten.

2.2.2 Nutzen und Sicherheit

Im Zentrum des künftigen Nutzerverhaltens steht Mobilität, Einfachheit und Sicherheit. Durch die Verwendung von Applikationen wird den Nutzern in Zukunft der Alltag in den ver­schiedensten Weisen erleichtert. In Bezug auf Zahlungen haben zahlreiche Anbieter bereits Anwendungen zur Verfügung gestellt, welche zum Beispiel mobiles Bezahlen ermöglichen.

Kunden scheinen sich immer mehr Gedanken über die Wahrung der Datensicherheit und ihres Persönlichkeitsschutz zu machen. Trotzdem wird die Nützlichkeit zum Beispiel bei den „Mobile Payments" höher gewichtet, als die Sicherheitsbedenken (vgl. Huber et al, 2014, S. 36). Diese Aussage sollte kritisch hinterfragt werden.

Gemäss von Blumröder (2014) wird die grösste Herausforderung für Anbieter von innovati­ven Produkten darin bestehen, ihre potenziellen Nutzer vom Mehrwert ihres Dienstes zu überzeugen. Gleichzeitig müssen sie die Gewissheit schaffen können, dass ihr Verfahren die Sicherheitsbedürfnisse der Nutzer abdeckt.

Er bestätigt im Weiteren die Aussage von Huber et al (2014), dass das Sicherheitsbedürfnis an Bedeutung verliert, wenn der Mehrwert für den Nutzer genug hoch ist. Trotzdem wird bei der Entwicklung neuer Verfahren stets darauf geachtet, dass die Sicherheit stets gewährleis­tet ist. Es wird angenommen, dass in verschiedenen Märkten das Sicherheitsbedürfnis eben­falls variiert. Weiter wird angenommen, dass Schweizer Nutzer einen hohen Wert auf Si­cherheit legen und die Funktionalität dieses Bedürfnis nicht abschwächt. Die Sicherheit bleibt ein zentraler Aspekt. Diese Annahme wird im Forschungsteil validiert.

Dharmapalan et al (2014) haben Gründe identifiziert, welche Endkunden dazu bewegen würden, eine alternative Zahlungsmethode zu wählen. Sie haben dabei unterschieden zwi­schen Geldüberweisungen und Zahlungen mit mobilen Geräten vor Ort. Diese Unterteilung wurde hier nicht berücksichtigt, da in beiden Fällen die gleichen Gründe genannt wurden:

1. Einfache Handhabung
2. Gutes Preis-Leistungsverhältnis
3. Sicherheits- und Datenschutzmerkmale
4. Vertrauenswürdiger Anbieter
5. Verständlicher Kundennutzen
6. Klare Preismodelle, welche die Kundenbedürfnisse abdecken
7. Einwandfreie Kompatibilität mit PC- und internetbasierten Zahlungslösungen Mit dieser Aufstellung wird der Fokus der Endnutzer noch einmal bestätigt.

2.2.3 Nachhaltigkeit, Vertrauen und Teilen

Die „Future Values" der Gesellschaft (vgl. Huber et al 2014, S. 58) deuten darauf hin, dass sich der Stellenwert von Besitz und somit auch von Bargeld drastisch verschieben wird. Fi­nanzierungen werden in sozialen Netzwerken vorgenommen (vgl. Huber et al 2014, S.60). Durch die starke Vernetzung und Globalisierung wird wieder ein Trend zur Regionalisierung und Autonomie festgestellt (vgl. Huber et al 2014, S. 62). Huber et al (2014) halten ausser­dem fest, dass sich ab der Generation der „Digital Natives" der Fokus auf Nachhaltigkeit und „Shared Economy" manifestieren wird.

Diese Faktoren werden in Zukunft einen wichtigen Einfluss auf die aktuellen Geschäftsmo­delle vieler Branchen und Firmen haben. So auch auf die Telekommunikation. Eine wichtige Aussage von Huber et al (2014) ist jedoch, dass diese Thesen auf einer starken Konnektivi­tät basieren. Dies wiederum sind ein zentraler Aspekt und eine Kernkompetenz der Tele­kommunikation. Über welchen Zeitraum dieser Wandel stattfinden wird, ist schwer prognosti­zierbar. Aus diesem Grund wird dieser Abschnitt nicht als direkte Konsequenz für die Hand­lungsempfehlungen berücksichtigt.

Die Aussagen zu den „Future Values" sind nachvollziehbar. Inwiefern sie jedoch belegbar sind ist nicht abschätzbar. Es muss hinterfragt werden, ob diese Werte so auch auf die Schweizer Gesellschaft zutreffen. Dies ist jedoch nicht Bestandteil dieser Arbeit.

Bauer (2012) behandelt ein weiteres Kernthema im Zusammenhang mit der Bargeldsubstitu­tion durch alternative Zahlungsmethoden. Sie erklärt die Zusammenhänge zwischen Geld und Vertrauen, konkreter im Zusammenhang mit dem „Bezahlprozess" „Geld erhält seine Rolle und Notwendigkeit aufgrund der Existenz einer intrapersonellen Wertidee." (Bauer, 2012, S. 14). Bauer (2012) stellt fest, dass das Vertrauen in Geld primär auf dem Vertrauen in das Geldsystem basiert. Da Bargeld schon seit sehr langer Zeit existiert, ist dies ein enor­mer Faktor, welcher nicht in absehbarer Zeit durch alternative Bezahlmöglichkeiten wettge­macht werden kann. Es wird jedoch bestätigt, dass Mobile Zahlungsmöglichkeiten das Po­tenzial haben, das nötige Vertrauen bei den Verbrauchern aufzubauen.

Bestehende und künftige Anbieter müssen daher Wege finden, um das Vertrauen in Mobile Zahlungsmöglichkeiten zu steigern. Gemäss Bauer (2012) sei es ein begünstigender Faktor, wenn die Endnutzer bereits ein Vertrauensverhältnis mit dem Anbieter bzw. mit dessen Mar­ke haben.

2.3 Mobile Payments

Mobile Geräte wie Smartphones, Tablets und Laptops werden immer mehr zu „digitalen Con­tainern" der Verbraucher. Verschiedenste Aktivitäten im Alltag können durch solche Geräte unterstützt und vereinfacht werden. So auch das Bezahlverfahren in Form von „Digital Pay­ments" (vgl. Higginson et al, 2015, S. 17).

Mobile Payments sollen in der Abwicklung so einfach wie möglich sein. Unterteilt man Mobile Payments in zwei Nutzungskategorien, ergeben sich daraus „Proximity" und „Remote"- Varianten (vgl. v. Blumröder, 2014, S. 8). Proximity kommt dort zum Einsatz, wo stationäres Zahlen erforderlich ist und physische Akzeptanzstellen, zum Beispiel in Form von Terminals, vorhanden sind. Das bedeutet, der Kunde kann zum Beispiel im Kiosk oder in einem beliebi­gen Laden an der Kasse statt mit Bargeld oder einer Kreditkarte, mit seinem Smartphone bezahlen. Bei entsprechenden Lösungen braucht er dafür nur das Smartphone in die Nähe eines solchen Terminals zu halten und der Bezahlvorgang wird dadurch durchgeführt. Je nach Betrag besteht die Möglichkeit, dass der Kunde zusätzlich noch eine persönliche Ken­nung eingeben muss.

Bei Remote-Varianten werden die Zahlungen zum Beispiel in Webshops getätigt oder an andere Endnutzer. Im Falle eines Webshops bezahlt der Kunde mit einer digitalen Briefta­sche seinen Einkauf.

Bei beiden Varianten steht die Bedienerfreundlichkeit im Vordergrund. (vgl. v. Blumröder, 2014, S. 9). Gem. von Blumröder (2014) besteht vor allem im Proximity-Bereich sehr hohes Wachstumspotenzial, da bereits zahlreiche Remote-Lösungen von diversen Anbietern be­stehen. Es handelt sich dabei häufig um die bereits mehrfach thematisierten OTT-Anbieter.

Ein für Proximity-Zahlungen geeignetes Verfahren ist die Near Field Communication (NFC) (vgl. Huber et al, 2014, S. 35; vgl. Lerner, 2013, S. 48). Da es ein gängiger Standard ist und die Benutzerfreundlichkeit im kontaktlosen Bezahlen sehr hoch ist, geht man davon aus, dass sich dieses Verfahren weiter etablieren wird. Die grössten Smartphone-Hersteller ha­ben sich bereits nach dem NFC Standard ausgerichtet und die Akzeptanzstellen werden ebenfalls stetig ausgebaut (vgl. v. Blumröder, 2014, S. 27). Somit kann NFC als fester Be­standteil für künftige Mobile Payments Lösungen angesehen werden.

V. Blumröder (2014) unterscheidet im Weiteren die Mobile Payments bzw. Wallets von Digi­tal Wallets. Die Unterscheidung ist im Kontext dieser Masterarbeit relevant, da bereits etab­lierte OTT-Dienstleister diverse Lösungen für Digital Wallets anbieten. Deshalb kann zu­sammengefasst werden, dass Mobile Payments im Zusammenhang mit Proximity Lösungen für Telekommunikationsanbieter ein attraktiveres Geschäftsfeld darstellen würden.

Darauf basierend haben US-Amerikanische Mobilfunkanbieter 2011 ein neues Zahlungssys­tem als „Digital Wallet" lanciert. (vgl. Lerner, 2013, S. 98). 2015 wurde diese Lösung von Google gekauft, weshalb das Zahlungssystem nicht mehr in den Händen von Telekommuni­kationsanbietern ist. Dieses Beispiel zeigt auf, das Telekommunikationsanbieter auch über die technologischen Mittel verfügen, um ein Bezahlsystem aufzubauen. In der Schweiz ist dies jedoch nicht so einfach möglich, da es bereits eine Vielzahl an spezialisierten Unter­nehmen gibt, welche diesen Bedarf abdecken. Ein ähnliches Szenario wäre nur möglich, wenn sich die Schweizer Provider zu diesem Zweck zusammenschliessen. Andernfalls kön­nen Anbieter mit Know-how über die Near Field Communication in branchenübergreifenden Partnerschaften (siehe Kapitel 2.8) ebenfalls noch eine Mobile Payments Lösung erarbeiten.

„Jede Bezahlung, bei welcher ein mobiles Gerät für die Initiierung, Aktivierung und/oder Be­stätigung der Zahlung verwendet wird, ist ein Mobile Payment" (vgl. Geva, 2016, S. 272). Mobile Payment als solches kann man nicht als Produkt oder Dienstleistung positionieren oder kommunizieren. Gem. Lerner (2013) sind Mobile Payments bereits ein eigenes „Busi­ness-Ökosystem (vgl. Lerner, 2013, S. 63). Andere Autoren bestätigen diese Aussage.

2.3.1 Mobile Wallets

Im Bereich des Mobilen Zahlungsverkehrs gibt es verschiedene Ausprägungen der so ge­nannten „Wallets". Der englische Begriff steht im Deutschen für die Brieftasche.

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen den Mobile Wallets und den Digital und Mobile Wallets. (vgl. v. Blumröder 2014, S. 12).Bei den Mobile Wallets unterscheiden Reichl et al (2014) zwischen „Distanzgeschäft" und „Vor Ort Geschäft".

Gem. von Blumröder (2014, S. 13) können die Wallet Varianten punkto „Nutzungskontext", „Übertragungstechnologie" und „Lokationskontext" unterschieden werden.

Während die Digital Wallets primär für den Onlinehandel genutzt werden können, liegt der Hauptnutzen der mobilen Variante in so genannten „Proximity"-Szenarien (vgl. v. Blumröder 2014. S. 8). Das Mobile Gerät kann dabei mittels der bereits erwähnten NFC-Technologie durch Annäherung an eine physische Zahlstation als Zahlungsinstrument verwendet werden. Ausserdem können so auch so genannte „Peer-to-Peer"(P2P)-Zahlungen vorgenommen werden. Dabei ein Betrag von einem Nutzer zum anderen transferiert, ohne dass dafür ein Umweg über eine Bank gemacht werden muss (vgl. v. Blumröder 2014, S. 24). Die Transak­tion erfolgt so in Echtzeit. Für diese Methode gibt es auch in der Schweiz bereits diverse Dienste und Anbieter.

Diese Abgrenzung zeigt auf, dass aus Sicht der Telekommunikationsanbieter vor allem die Mobile Wallets interessant sind. Der Grund dafür ist einerseits, weil sich die bereits genann­ten OTT-Anbieter auf Digital Wallets fokussiert haben. Mit Apple Pay ist jedoch ein starker Wettbewerb auch in diesem Markt bereits vertreten. Im Zusammenhang mit den Mobile Wal­lets könnten zur besseren Differenzierung gegenüber Anbietern wie Apple Pay beispielswei­se auch so genannte „loyalty schemes" mit eingebaut werden (vgl. Dhamapalan et al, 2014, S. 6) Das bedeutet, dass die Mobile Wallet nicht nur rein auf den Bezahlvorgang ausgelegt wird, sondern zum Beispiel auch diverse Kundenkarten von beispielsweise Detailhandelsun­ternehmen und anderen Dienstleistern mit digitalisiert werden. Der Verbraucher hätte dann eine nahezu komplette digitale Brieftasche.

Dharmapalan et al (2014, S. 5) identifizieren im Zusammenhang mit Mobile Payments weite­re relevante Services:

- Device-based credit card processing solutions
- Direct carrier billing
- Salary payments
- Microfinance
- Insurance services

Diese Tätigkeiten erfordern ein noch spezifischeres Verständnis des Bankwesens, welches für Telekommunikationsanbieter nicht so naheliegend ist, wie Mobile Payments. Aus Telekommu­nikationsanbietern können nicht einfach Banken werden. Sie können sich höchstens dieses Knowhow einkaufen. Dann wiederum wird es noch schwieriger, den Kunden den Mehrwert dieser Dienstleistung gegenüber dem einer Bank aufzuzeigen. Aus diesem Grund ist es nicht weiter relevant, diese Services als potenzielle Dienstleistungen von Telekommunikationsan­bietern zu betrachten. Nicht ausgeschlossen wird die Zusammenarbeit mit Finanzdienstleis­tern, welche die genannten Services anbieten.

Auch wenn dies ausser Acht gelassen würde, liegen diese Services schon zu weit von der Bargeldsubstitution im Zahlungsverhalten (der Endverbraucher). Somit kann dies als weiterer Grund zur Ausgrenzung dieser Punkte betrachtet werden.

2.3.2 Entwicklung und Potenzial

Das Wachstum der Anteile am Zahlungsverkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen und hat weiterhin hohes Potenzial. Bis 2019 wird ein Transaktionsvolumen von über einer Bil­lion USD geschätzt (Siehe Abbildung 4; Anmerkung zur Achsenbeschriftung durch die Quelle: „Billion" steht im amerikanischen Sprachgebrauch für „Milliarde".)

Trotzdem ist es noch unklar, welche Lösung bzw. Methode sich durchsetzen wird (vgl. Barsch, 2016, S. 182). Die grossen Anbieter wie Apple, Google, Amazon etc. (vgl. Barsch, 2016, S. 183) sowie bereits bestehende bekannte Player wie zum Beispiel PayPal) haben sich bereits sehr gut positioniert und können sich weltweit grosse Marktanteile sichern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Transaktionsvolumen pro Jahr aus Mobile Payments

Quelle: Darstellung entnommen aus TrendForce; NFC World+, 2016

Im Schweizer Markt besteht jedoch weiterhin ein hohes Potenzial, dass sich unter anderem auch Telekommunikationsanbieter mit „No Name"-Produkten positionieren können, Da für die Endverbraucher das Thema Datensicherheit ein sehr wichtiger Faktor ist und die Schweizer Anbieter damit punkten könnten, dass die Kundendaten nicht für anderweitige Zwecke in andere Länder transferiert werden. Der Autor nimmt an, dass Nutzer ein lokales Produkt einer Lösung internationaler Anbieter vorziehen würden. Diese Annahme gilt es im empirischen Teil zu validieren.

Gem. Reichl et al (2014) ist der Mobile Paymentsmarkt noch in einer frühen Entwicklungsphase wodurch die Strukturen im Markt noch nicht gefestigt sind. Er hält ausserdem fest, dass dank der immer stärker werdenden Marktdurchdringung der Smartphones auch das Potenzial für Mobile Payments immer weiter wächst.

Gem. Stanton (2016) ist vor allem die Generation Z, also Menschen zwischen 18 und 24 Jahren empfänglich für Mobile Payments. Während bei den älterern Generationen nur rund 3% aller Besitzer von mobilen Geräten dieses auch für Zahlungen nutzen, sind es bei der erwähnten Generation Z bereits über 7%. Ältere Generationen seien hingegen sehr stark besorgt um die Sicherheit der persönlichen Daten. Es wird angenommen, dass die Ausprägungen sehr ähnlich für Europa anwendbar sind und somit auch für den Schweizer Markt.

Darauf basierend wird angenommen, dass Anbieter von mobilen Zahlungslösungen in der Werbung vor allem die jüngeren Generationen abholen können. Die Sicherheitsbedenken der älteren Bevölkerungsgruppen - abgesehen von der Generation Z - müssen in irgendeiner Form kommunikativ behoben werden, wenn einerseits die Akzeptanz und andererseits die Verwendung von Mobile Payments erhöht werden soll.

Dharmapalan et al (2014) identifizieren Mobile Payments als „nächste Wachstumswelle“ für Telekommunikationsanbieter. Um dies zu realisieren, sehen sie vier strategische Erfolgsfaktoren vor:

1. Verwendung der eigenen Marke zur Sicherstellung des Vertrauens in das Mobile Payments Produkts:

Der Vorteil bei Bestandskunden ist, dass sie den Telekommunikationsanbieter bereits kennen und dadurch ein gewisses Vertrauen zu ihm aufgebaut haben. Die Anbieter müssen versuchen, den Kunden auf dieser Basis kommunikativ abzuholen.

2. Erhöhung der Payment-relevanten Kompetenzen innerhalb der Organisation:

Dies ist essenziell, um ein solches Angebot im eigenen Portfolio aufnehmen zu können. Dharmapalan et al (2014) schlagen vor, dass diese neu aufgebauten Kompetenzen in einer neu gebildeten Geschäftseinheit konsolidiert werden sollen.

3. Neue Arten der Interaktion mit Kunden, Lieferanten und Anspruchsgruppen:

Um in einem neuen Geschäftsfeld erfoglreich zu werden, müssen die Interaktionen mit den genannten Parteien neu definiert werden, um den bestmöglichen Fokus auf das Endkundenerlebnis zu erreichen.

4. Berücksichtigung und Überprüfung potenzieller Zukäufe, um schneller und besser am Markt auftreten zu können.

2.3.3 Der Vergleich mit anderen Ländern

Die Schweiz gilt in vielen Bereichen als äusserst innovativ. Sie ist auch punkto Digitalisierung bereits weit fortgeschritten.

Im Europäischen Bereich jedoch hat Schweden die Pionierrolle inne, wenn es um die „sukzes­sive Abschaffung des Bargeldes" (Jaeger, 2014, S. 32) geht. Der Fortschritt der Umsetzung basiert auf der staatlichen Unterstützung durch entsprechende Werbekampagnen und auf der Unterstützung durch die Bankenlobby im Land. Die Bargeldmenge wurde in 8 Jahren nahezu halbiert (Schulte, 2016)

Zuletzt hat sich Schweden überlegt, eine neue Digitalwährung einzuführen (vgl. „Schweden plant digitale Währung") und diese auch für die Bevölkerung verfügbar machen möchte.

Noch vor Schweden und den anderen westlichen Ländern, die ähnlich ausgerichtet sind, hat Kenia das System „M-Pesa" als mobiles Finanzmittel eingeführt. Der initiale Grund dafür war die „Inklusion der ärmsten Bevölkerungsschicht des Landes" (Huber et al, 2014, S. 35).

Orientiert man sich an den Entwicklungen in den Ländern, mit einer weit vorangeschrittenen Veränderung im Zahlungsverhalten zugunsten der Digitalisierung, ergibt sich die relevante Frage: Wie konnten die Telekommunikationsunternehmen in diesen Ländern davon profitie­ren?

„Safaricom (ein kenianischer Ableger von Vodafone), der mit annähernd 80%igem Marktanteil dominierende Mobilfunkanbieter des Landes, führte im März 2007 nach einer vorherigen Pi­lotphase einen der erfolgreichsten Dienste zur Übertragung von Geld über Mobiltelefone und mobilem Zahlungsverkehr, das SMS-/USSD-basierte System „M-PESA", ein. „M" steht dabei für „mobil" und „PESA" in Suaheli für „Geld". Der Service ermöglicht Nutzern, Geld auf ein Handykonto zu übertragen, Guthaben über USSD-/SMS-Technik auch an fremde Nutzer zu verschicken und schließlich das Guthaben auf dem Mobiltelefon in „echtes" Geld umzutau­schen." (Lerner, 2013, S. 69)

Dieses Beispiel zeigt, dass ein Telekommunikationsunternehmen es geschafft hat, sich mit Mobile Payments so zentral wie möglich im Zahlungsmarkt zu positionieren. Dadurch profitie­ren sie mittlerweile auch von erfolgreichem Cross-Selling. Im Beispiel von Safaricom bedeutet dies einen Anstieg im Verkauf von Gesprächsguthaben (Lerner, 2013, S. 32).

Ein weiteres erfolgreiches Beispiel findet man bereits im Jahr 2004 mit dem Provider „NTT- Docomo", welcher mit „Osaifu-Keitai" (eine Art Mobile Wallet) (Lerner, 2013, S. 85) ein eige­
nes Business-Ökosystem aufgebaut hat und dieses anderen Teilnehmern an der Wertschöp­fung Stück für Stück aufbauen musste (Lerner, 2013, S. 88). Dieses System basierte auf einer alten Lösung der Japanischen Eisenbahnen und Sony und war nicht eine komplett eigene Erfindung des Telekommunikationsunternehmens. Es konnte sich aber bis heute erfolgreich im Japanischen Markt halten.

Des Weiteren muss der wichtige Aspekt berücksichtigt werden, dass Mobile Payments in den vergangenen Jahren primär in den Entwicklungsländern erfolgreich waren. Der naheliegende Grund dafür ist, dass diese Lösungen in den Entwicklungsländern fehlende Finanzdienstleis­tungen substituiert haben (vgl. Lerner, 2013, S. 16).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Anzahl bekannter Mobile Payments Anbieter pro Kontinent 2010

Quelle: Darstellung entnommen aus Lerner, 2013, S. 15

In der Schweiz wie auch in Westeuropa konnte dieses Phänomen nicht beobachtet werden. Finanzdienstleistungen werden hier durch eine Vielzahl von Banken erbracht. Das Ökosystem ist ausserdem weit komplizierter aufgestellt, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch erläu­tert wird. Deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, dass Telekommunikationsunter­nehmen in Europa oder konkret in der Schweiz so ein Modell kopieren können.

2.4 Kryptowährungen und Mining

Eine Alternative, welche aus Sicht der Telekommunikationsanbieter betrachtet werden sollte sind die Kryptowährungen (vgl. Sixt, 2016, S. 9). Wie bereits im Kapitel 2.3 (Verändertes Zah­lungsverhalten) erwähnt, entwickelt sich mit alternativen Zahlungsmitteln neues Potenzial. Telekommunikationsanbieter, welche über genügend Rechenleistung oder eigene Infrastruktur in Form von Rechenzentren verfügen, sollten prüfen, inwiefern dies für sie strategisch relevant ist. Des Weiteren verfügen Telekommunikationsanbieter bereits über eine grosse Kundenba­sis, welche über eine entsprechende Affinität für alternative Zahlungsmethoden verfügt (vgl. Dapp et al, 2013, S. 15). In dieser Arbeit werden nicht alle Kryptowährungen analysiert. Stell­vertretend wird geprüft, welches Potenzial die derzeit populärste Währung „Bitcoin“ in diesem Zusammenhang aufweist.

2.4.1 Was ist „Bitcoin“ und „Blockchain“?

Blockchain - zu Deutsch Blockkette (vgl. Rohner et al, 2016) ist eine Technologie, welche unter anderem Kryptowährungen ermöglicht. Gemäss Rohner et al (2016) stellt die Blockchain eine Art „Handelsbuch“ dar welches „in chronologischer Reihenfolge Betrag, Zeitpunkt sowie Absender und Empfänger jeder Zahlung ersichtlich sind. Im Gegensatz zum Handelsbuch ist die Bitcoin-Blockkette jedoch öffentlich einsehbar. Sie wird über das Internet verteilt und je­dermann kann eine Kopie davon speichern. Allerdings sind es nicht die Personalien der Besit­zer, die öffentlich sind, sondern nur deren Kontonummern. Insofern ist das System pseudo­nym.“

Die Blockchain an sich wird von vielen Autoren nicht einheitlich als Datenbank oder explizit im Zusammenhang mit Kryptowährung erläutert. Blockchain wird im Ausmass seiner Möglichkei­ten mit dem Internet verglichen (vgl. Antonopolous, 2016).

Die heute bekannteste und am weitesten verbreitete Kryptowährung ist Bitcoin (vgl. Rohner et al, 2016). Sie bildet jedoch nur einen kleinen Bestandteil der Blockchain. Allein für Telekom­munikationsunternehmen gibt es verschiedene Anwendungsbeispiele, welche interessant sein könnten für deren künftige Wertschöpfung (vgl. Sallaba et al, 2017, S. 6). Auf diese wird diese Arbeit nicht weiter eingehen. Entsprechende weiterführende Forschungsarbeiten aus Sicht der Schweizer Telekommunikationsanbieter wären sinnvoll. Im Kontext der Bargeldsubstitution werden die sonstigen Möglichkeiten der Blockchain nicht weiter berücksichtigt.

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Details

Seiten
131
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668523937
ISBN (Buch)
9783668523944
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374193
Institution / Hochschule
Kalaidos Fachhochschule Schweiz – Departement Wirtschaft
Note
5.6
Schlagworte
Strategie Telekommunikation Digital Payments Bargeld Mobile Payments Strategische Geschäftsfelder Digitalisierung Experteninterviews OTT

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Titel: Strategische Optionen aus der Bargeldsubstitution im Zahlungsverhalten