Lade Inhalt...

Der Vergleich und die Darstellung von deutschen und englischen Sätzen in der X-bar-Theorie

Hausarbeit 2017 13 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die X-bar-Theorie

3. Der Satz im X-bar-Schema
3.1. Inflectional-Phrase
3.2. Complementizer-Phrase
3.3 Transformationen
3.4 Spuren

4. Der Satz im Englischen

5. Der Satz im Deutschen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der amerikanische Linguist Noam Chomsky hat die von ihm erstmals 1965 vorgestellte Theorie der Transformationsgrammatik (vgl. Chomsky 1965), welche mittlerweile als Standardtheorie bekannt ist, selbst noch mehrfach überarbeitet. Auf sie gefolgt ist die Government-Binding-Theorie (GB-Theorie) (vgl. Chomsky 1981), welche im Deutschen als „Rektions- und Bindungstheorie“ oder auch als „Prinzipien- und Parametertheorie“ (PPT) bezeichnet wird. Ein Teilbereich, die X-bar-Theorie, stellt mit dem X-bar-Schema eine universelle Abbildungsmöglichkeit für den Aufbau beliebiger Phrasen in allen Sprachen bereit. Entwickelt wurde sie, da die Phrasenstrukturregeln der vorangehenden Standardtheorie redundant infinit und unökonomisch sind (vgl. Grewendorf 2002b: 33).

In dieser Arbeit wird die X-bar-Theorie vorgestellt. Es wird darauf eingegangen, wie sich die Realisierung von Sätzen im X-bar-Schema verhält und die Funktionen einzelner Komponenten werden erläutert. Außerdem wird die Bildung der englischen und deutschen Sätze im X-bar-Schema betrachtet. Ziel soll es sein, anhand von Beispielen, die miteinander verglichen werden, Unterschiede in der Darstellung des Satzes im X-bar-Schema herauszuarbeiten.

2. Die X-bar-Theorie

In der X-bar-Theorie werden zur Darstellung der syntaktischen Kategorien weiterhin die aus der Standardtheorie bekannten ‚Phrasemarker’, also Phrasenstrukturbäume, verwendet (vgl. Chomsky 1965). Jedoch löst die X-bar-Theorie die Phrasenstrukturregeln ab und stellt ein universelles Schema für den Aufbau beliebiger Phrasen aller Sprachen bereit. Hierzu gilt die folgende Regel (vgl. Dürscheid 2012: 130-131):

(1) XP à ... X0 ...

Die Variable X0 repräsentiert den funktionalen oder den lexikalischen Kopf einer Phrase, also z. B. eine der lexikalischen Kategorien Verb (V), Nomen (N), Adjektiv (A) oder Präposition (P). Mit den Pünktchen wird eingeräumt, dass weitere Konstituenten zusammen mit X0 auftreten können. Die Variable XP steht ihrerseits für eine Phrase wie z. B. Verbalphrase (VP), Nominalphrase (NP), Adjektivphrase (AP) oder Präpositionalphrase (PP).

Ihren Namen gegeben hat der X-bar-Theorie jedoch eine weitere Ebene, die zwischen Kopf und Phrase angenommen wird. Diese wird als X’ bezeichnet und wird teilweise als ein X mit einem darüber liegenden Querbalken (engl. ‚bar’) dargestellt.

Durch sie erhält die XP die Möglichkeit, unter Beibehaltung eines binären Aufbaus eine dritte Komponente abzubilden. Es werden demnach drei Ebenen pro Phrase angenommen: X0, X’ und XP. Diese werden entsprechend hierarchisch dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(2) Beispiel in Anlehnung an Grewendorf 2002a: 43

Als Komplement wird die Schwester der X0-Kategorie bezeichnet, also eine Kategorie, die auf der gleichen hierarchischen Ebene liegt wie der Kopf. Die Schwester der von X0 und einem potentiellen Komplement gebildeten X’-Kategorie wird Spezifikator (Spec) genannt. Beide Positionen können ausschließlich Phrasen aufnehmen, die jedoch von einer anderen Kategorie als X0 sein dürfen. (bspw. eine NP und eine PP).

Ausgangspunkt für die Entwicklung der X-bar-Theorie ist die Beobachtung, dass die vier Phrasentypen VP, NP, AP und PP – genauso wie alle anderen Phrasen – gleich aufgebaut sind: Jede Phrase entspricht der maximalen Projektion ihres Kopfes, da sie endozentrisch ist, d. h. sie ist auf ihren Kopf ausgerichtet, der seinerseits seine Eigenschaften auf die gesamte Phrase projiziert (vgl. Dürscheid 2012: 130). X’ als Zwischenebene ist ebenfalls eine Projektion von X0 und ebenso endozentrisch, wodurch sie die Eigenschaften von X0 aufweist. Es lässt sich hierdurch nun formulieren, dass die Phrase einer lexikalischen oder funktionalen Kategorie die höchstmögliche Komplexität aufweist und das „jede komplexe Kategorie [...] als unmittelbare Konstituente eine Kategorie desselben Typs haben [muss], deren Komplexitätsgrad eine Ebene tiefer liegt“ (Grewendorf 2002a: 42). Dem folgend ist X’ weniger komplex als XP, aber komplexer als X0 und kann deshalb ausschließlich zwischen den Beiden angenommen werden.

Mit der Hypothese, dass jede Phrase endozentrisch ist, wurde die erste der vier Beschränkungen für die Regel des X-bar-Schemas (s. (1)) im Vergleich zur Standardtheorie und ihren Phrasenstrukturregeln vorgestellt, die Günther Grewendorf in „Aspekte der deutschen Syntax“ formuliert (Grewendorf 2002a: 42-46). Hierdurch werden alle Strukturregeln ausgeschlossen, die keine endozentrischen Konstruktionen erzeugen.

Als zweite universelle Beschränkung nennt er, dass an der Stelle des Spezifikators und an der des Komplements ausschließlich maximale Projektionen, also Phrasen, vorkommen können.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Bestimmung der Satzglieder mithilfe eines Konstituententests wie dem Distributionstest oder dem Substitutionstest nicht fehlschlägt, wie die folgenden Beispiele[1] zeigen:

(3) (a) *Peter [V’ [V liebt] [N Autos] und [N Motorräder]].

(b) *Peter [V’ [V liebt] [A schnelle] [N Autos]].

(c) Peter [V’ [V liebt] [NP schnelle Autos und Motorräder]].

Die Beispiele (3)(a) und (3)(b) wurden hier mit einem Asterisk (*) als inkorrekt analysiert gekennzeichnet, da Autos und Motorräder in (3)(a) und schnelle Autos in (3)(b) jeweils z. B. durch Autos substituiert werden kann. Zudem würde der Tilgungstest ungrammatische Sätze wie *Peter liebt und Motorräder ((3)(a)) oder *Peter liebt schnelle ((3)(b)) zum Ergebnis haben. Dies legt nahe, dass es sich um subkategorisierte Konstituenten der VP handeln muss, diese sind dementsprechend wie in (3)(c) zu analysieren.

Die dritte und vierte universelle Beschränkung, die das Bilden von ungrammatischen Sätzen in jedweden Sprachen zu verhindern versuchen, lassen sich gut zusammen erläutern. Der Kopf nimmt die – je nach Sprache – linke oder rechte Randposition innerhalb von X’ ein. Subkategorisierte Komplemente gehören an die freie andere Stelle in X’, also auf die gleiche hierarchische Ebene wie X0 (s. Bsp. (2)). Es folgen zwei Beispiele[2] in ihrer zu analysierenden Form:

(4) (a) Peter ist [A’ [NP seiner Frau] [A treu]].

(b) Peter hat seine Frau [P’ [P wegen] [NP des Geldes]] geheiratet.

Durch die eingangs genannte Regel und diese vier Restriktionen versucht die X-bar-Theorie einen finiten Regelsatz zur Grammatikbildung universell für alle Sprachen bereitzustellen. Zusätzlich zu den Einschränkungen lässt sie jedoch einige Dinge offen, um ihrem Ziel gerecht zu werden und tatsächlich universell zu sein. Beispielsweise ist die Wortabfolge innerhalb der NP in Beispiel (3)(c) ohne weiteres möglich, sie ist jedoch nicht determiniert (vgl. Grewendorf 2006: 148), um auch für eine Sprache wie dem Französischen Gültigkeit zu haben, in der das Attribut dem Objekt folgt:

(5) [NP [N voitures][A rapides] et [N motos]].

Dies zeigt den „parametrischen Charakter des X-bar-Schemas“ (Grewendorf 2006: 148). Bereits angesprochen wurde, dass der Kopf – dasselbe gilt äquivalent für Spezifikator und Komplement – in der linken oder rechten Position stehen kann, abhängig von den in jeder Sprache individuellen Parametern. Im Englischen beispielsweise gehen Nomina, Verben, Adjektive und Präpositionen ihren Objekten voraus, während sie z. B. im Japanischen ihren Objekten folgen. Das Deutsche wiederum zeigt sich hier als topologisch inkonsistente Sprache, da es sich um eine Mischform handelt (vgl. Grewendorf 2006: 148-149).

3. Der Satz im X-bar-Schema

Das universelle Schema der X-bar-Theorie wurde durch Chomsky fünf Jahre nach seiner ersten Publikation auf den Satz (S) ausgeweitet (vgl. Chomsky 1986). Zuvor hatte Chomsky die folgenden Regeln zur Satzbildung aufgestellt (vgl. Chomsky 1981: 19):

(6) (a) S à NP VP

(b) S à NP INFL VP

Diese Regeln entsprechen jedoch nicht dem Aufbau des X-bar-Schemas. Daher führte Chomsky, um den Regularien und Restriktionen des X-bar-Schemas zu genügen, zwei neue Kategorien ein: Die funktionalen Kategorien Inflection (INFL) und Complementizer (COMP). Zwar gab es die INFL-Kategorie bereits (s. (6)(b)), sie wurde jedoch erweitert. Gemäß dem X-bar-Schema können die beiden Kategorien – genau wie ihre lexikalischen Pendants – ebenfalls komplex sein und ihre maximalen Projektionen, welche ebenfalls endozentrisch sind, werden entsprechend Inflectional-Phrase (IP) und Complementizer-Phrase (CP) genannt. Sie werden im Folgenden ausführlicher erläutert.

3.1. Inflectional-Phrase

Die Einführung der neuen funktionalen Kategorien ist nicht ausschließlich deshalb nötig gewesen, um die Satzanalyse dem X-bar-Schema anzupassen. Auch andere Merkmale wie die Subjekt-Verb-Kongruenz, anhand derer sich u. a. grammatische von ungrammatischen Sätzen unterscheiden lassen, sollen berücksichtigt werden. Ein Satz besteht also nicht nur aus einer komplexen nominalen (NP) und einer komplexen verbalen Kategorie (VP). Günther Grewendorf formuliert hierzu treffend:

„Was einen Satz ausmacht, ist vielmehr die Verknüpfung von beidem, normalerweise das die Kongruenz von Subjekt und Prädikat tragende Merkmal der Finitheit. Es wird in einem eigenen Knoten INFL (Inflektions-Knoten) repräsentiert.“ (Grewendorf 2002a: 47)

[...]


[1] Beispiele in Anlehnung an Grewendorf 2002a: 45

[2] Beispiele aus Grewendorf 2002a: 45, Schreibweise angeglichen: NP statt NMax

Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668513464
ISBN (Buch)
9783668513471
Dateigröße
893 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v374094
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Deutsche Sprache und Literatur
Note
1,0
Schlagworte
x-bar government-binding-theorie syntax

Autor

Zurück

Titel: Der Vergleich und die Darstellung von deutschen und englischen Sätzen in der X-bar-Theorie