Lade Inhalt...

Die heiligen Gänse der Juno als Helden der römischen Frühgeschichte. Eine Übersetzung zur Förderung der kulturellen Kompetenz und zur Einübung des Pronomens „ipse“

Unterrichtsentwurf 2012 19 Seiten

Latein

Leseprobe

Inhalt

1. Analyse der pädagogischen Situation

2. Didaktisch – methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe

3. Didaktisch – methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde

4. Ausblick

5. Literatur

1. Analyse der pädagogischen Situation

Die Lerngruppe, in der ich seit Beginn des Schuljahres 2011/2012 eigenverantwortlichen Unterricht erteile, ist eine achte Klasse (G8) an einem Mittelstufengymnasium[1]. Latein wird in der achten Klasse mit vier Wochenstunden unterrichtet (Mittwoch 5. Std., Donnerstag 3./4. Std., Freitag 1. Std.). Die enge Taktung der Stunden beeinflusst ein kontinuierliches Arbeiten positiv. Der Lateinkurs besteht aus neunzehn Schülerinnen und neun Schülern[2] und setzt sich aus zwei unterschiedlichen Klassen zusammen. Das stark unterschiedliche Verhältnis von Jungen und Mädchen hat grundsätzlich keine Auswirkungen auf das Unterrichtsgeschehen.[3]

Der Lateinkurs hat zu Beginn des neuen Schuljahres zwei neue SuS hinzugewonnen.[4] Beide SuS haben sich in kurzer Zeit in den Kurs integrieren können. Dies spiegelt sich in einem stets freundlichen und hilfsbereiten Umgang wider. Die SuS haben in der sechsten Klasse Latein als zweite Fremdsprache aufgenommen. Demzufolge kennen sie sich bereits gut und bilden für den gemeinsamen Lateinunterricht eine ausgezeichnete Arbeitsgemeinschaft. Ihre stark ausgeprägte soziale Kompetenz[5] zeigt sich in einem freundschaftlichen und respektvollen Miteinander. Ich fühle mich als Lehrerin in dieser Klasse sehr wohl und akzeptiert. Das zeichnet sich für mich in einem positiven Lehrer–Schüler–Verhältnis, welches durch gegenseitiges Vertrauen geprägt ist, sowie durch eine gute Lernatmosphäre ab.

Den SuS steht das Lehrbuch „Felix“ zur Verfügung (Ausgabe A).[6] Die SuS befinden sich im dritten Lernjahr und somit in der Spracherwerbsphase, in welcher die Förderung der Sprachkompetenz eine zentrale Rolle spielt. Es kann konstatiert werden, dass der überwiegende Teil der Klasse über eine gut ausgeprägte Sprach- und Textkompetenz verfügt. Nur ungefähr ein Viertel der SuS zeigt Defizite im Bereich der Sprachkompetenz und Texterschließung. Als sehr leistungsstark sind x,y und z einzuordnen. Diese Schülergruppe arbeitet zügig und ist sehr präzise in Übersetzungsphasen. Ihre Fähigkeiten, unbekannte Texte in ein gutes und zielsprachenorientiertes Deutsch zu übertragen, wurden in Klassenarbeiten, Präsentationen und eingesammelten Hausaufgaben deutlich. Außerdem können sie neue grammatikalische Phänomene schnell durchdringen und haben keine Schwierigkeiten diese in einem Satz zu erkennen, zu bestimmen und zu übersetzen. Da diese Schülergruppe über ein vergleichsweise hohes Arbeitstempo verfügt, führte dies in der Vergangenheit zu einem eigenständigen Weiterarbeiten.[7] Diesem versuche ich mit verschiedenen Maßnahmen der inneren Differenzierung entgegenzuwirken. Erstens stehen den SuS in der Regel Zusatzaufgaben (Sternchenaufgaben) zur Verfügung, die aber nicht als Strafe für ihre Schnelligkeit verstanden werden sollen, sondern als Motivation und Herausforderung.[8] Zweitens wurde das Prinzip „Schüler helfen Schülern“[9] eingeführt. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden in einem gemeinsamen Gespräch „Patrone“ gewählt, die allen anderen (Klienten) beratend zur Verfügung stehen, sobald die Patrone ihre Aufgaben beendet haben.[10] In den vergangenen Stunden kristallisierten sich bereits feste Patron- und Klientenverhältnisse heraus.[11] Das Gros der Klasse liegt im guten Leistungsbereich. Darunter sind y, z und x zu zählen. Die schriftlichen und mündlichen Leistungen dieser Schülergruppe sind konstant im guten Bereich. Hervorzuheben sind an dieser Stelle x, y, und z. Diese Schülergruppe konnte aufgrund einer stark ausgeprägten Motivation und durch gezielte Maßnahmen der Förderung[12] ihre Defizite im Bereich der Sprachkompetenz erheblich verringern, sodass ihre schriftlichen Leistungen im befriedigenden bis guten Bereich liegen.

Die Schülergruppe um x, y[13], und z zeigt mündlich stabile und kontinuierliche Leistungen und zeichnet sich durch ihren Arbeitswillen, ihr Interesse an inhaltlichen Aspekten und konzentriertes Arbeiten aus. Jedoch kristallisiert sich bei der Sichtung der Hausaufgaben und Klassenarbeiten sowie im Unterrichtsgeschehen heraus[14], dass für die Formenlehre partiell Defizite vorliegen, die sich wiederum auf die Texterschließung auswirken.[15] Zu den leistungsschwächsten SuS zählen x, y, z und nach der ersten Klassenarbeit und Sichtung der Schülerakte auch x.[16] Bei dieser Schülergruppe sind zum Teil erhebliche Defizite im Bereich der Sprach- und Textkompetenz zu diagnostizieren. Im Unterrichtsgeschehen und in der letzten Klausur wurde deutlich, dass die Schwächen der SuS in der mangelnden Kenntnis der Formen liegen. Zudem signalisierte mir ein Diagnosetest zu Beginn des Schuljahres, dass diese SuS Schwierigkeiten haben, die im vergangenen Schuljahr thematisierten Schwerpunkte[17] zu erkennen, zu unterscheiden und in ein angemessenes Deutsch zu übersetzen.[18] Des Weiteren konnte ich in Partner- und Stillarbeitsphasen beobachten, dass diese SuS, besonders aber x und y, wesentlich geringere Arbeitstempi haben als der Rest des Kurses. Aufgrund der dargelegten Schwierigkeiten sind für diese SuS verschiedene Differenzierungsmaßnahmen.[19] erforderlich. Gut ausgeprägt ist bei allen SuS das Interesse und die Kenntnis in Bezug auf kulturelle Aspekte. Die SuS bringen ein Fundament an Wissen aus dem Geschichtsunterricht der Jahrgangstufe sieben[20] mit und zeigen großes Interesse an politischen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Fragen.

2. Didaktisch – methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe „Helden der römischen Frühgeschichte“ befasst sich auf der inhaltlichen Ebene mit zentralen Persönlichkeiten und den geschichtlichen Ereignissen dieser Epoche. Die vom Lehrwerk „Felix“ vorgegebene Unterrichtsreihe[21] erstreckt sich auf die Lektionen 35 bis 40 und ist stark an die Vorlage des Geschichtsschreibers Livius[22] (ab urbe condita) angelehnt. Thematisiert werden in Lektion 35[23] die außergewöhnliche „pietas“, „virtus“ und die „amor patriae“ des Horatius Cocles, der die Eroberung Roms durch Porsenna aufgrund seines heldenhaften Einsatzes verhinderte. Als nächster römischer Held betritt C. Mucius Scaevola in Lektion 36[24] die Bühne, der ebenfalls durch seine „virtus“, die „amor patriae“ und seinen Wagemut (audacia) beeindruckte, indem er beschloss den feindlichen Etruskerkönig Porsenna zu töten, der Rom belagerte. In Lektion 37[25] ist L. Quinctius Cincinnatus der Held. Er wird vom Pflug weg zum Diktator ernannt, besiegt die Aequer und legt sein Amt nach 16 Tagen wieder nieder. Auch er verfügt über die römischen Tugenden wie den Sinn zur Pflichterfüllung und Bescheidenheit. In der darauf folgenden Lektion 38[26] sind die Gänse und Manlius Capitolinus die Helden der Geschichte. Der eine, weil er die Gallier von der Burg des Kapitols abwehrte und die anderen, weil sie den eben genannten durch ihr Geschnatter warnten. Daher können ihnen die Tugenden wie Wachsamkeit, Mut und Tapferkeit zugeschrieben werden. In den letzten beiden Lektionen 38 und 39[27] wird Hannibals Zug über die Alpen beschrieben sowie die dazugehörige Vorgeschichte.[28] Die Grundproblematik der im Lehrwerk (G9) vorgegebenen Unterrichtsreihe liegt erstens in der schwierigen Anbindungsmöglichkeit an den neuen Lehrplan (G8) und zweitens in der für die SuS mangelnden Kohäsion der Lehrbuchtexte.[29] Daher erachte ich es als sinnvoll, die in der vorangegangenen Lektion 34[30] eingeführten Begriffe in Bezug auf Fähigkeiten und Eigenschaften[31], die ein tüchtiger Römer besitzen soll, in der neuen Unterrichtseinheit mit Leben zu füllen. Die „abstrakten“ Tugenden (virtutes)[32] sollen an beispielhaften Handlungen und konkreten Personen[33], den Helden, greifbar gemacht werden. Dies soll geschehen, um den SuS einen roten Faden zu bieten, Sinnhaftigkeit zu stiften, Transparenz zu gewährleisten, Motivation auszulösen und das Interesse zu wecken. Die Erweiterung der Unterrichtsreihe um den Begriff „Helden“ bietet für die SuS ein spannendes Inhaltsfeld und Anknüpfungsmöglichkeiten an ihre Lebenswelt und macht demzufolge einen Vergleich mit den antiken Vorstellungen von Helden möglich. Der Begriff Held findet in der Lebenswelt der SuS eine Verankerung[34], jedoch wird dieser geläufige Begriff nicht kritisch hinterfragt. Daher sollen die SuS in dieser Reihe zu einem kritischen Denken angeregt werden, weil auch heute noch die Eigenschaften der Helden der Frühgeschichte wie Standhaftigkeit, Mut, Bescheidenheit, Klugheit etc., die sich unter den Oberbegriff „virtus“ fassen lassen, ihre Gültigkeit haben. Heute sprechen wir jedoch eher von der Zivilcourage oder den „Helden des Alltags“. Als Einstieg in die Unterrichtseinheit wurde durch ein Brainstorming erhoben, welche Assoziationen[35] die SuS mit dem Begriff Helden haben und sie sollten Bilder von Personen oder Figuren mitbringen, die sie für Helden halten.[36] Grammatisch differieren die Lektionen um ein Vielfaches mehr. Gegenstand der Lektionen 35/36 war der Ablativus Absolutus[37]. In der darauf folgenden Lektion 37 haben die SuS die Flexionsformen des unregelmäßigen Verbs „ire“ in den verschiedenen Tempora kennen gelernt.[38] Die Pronomina „ipse“ und „idem“ zu erkennen und zu übersetzen, bildet den grammatischen Schwerpunkt der Lektion 38. Beide zählen wie auch „hic“, „ille“, „is“ und „iste“ zu den Pronomina demonstrativa, den hinweisenden Fürwörtern.[39] „Idem“[40] ist im Deutschen mit „(eben) derselbe“ wiederzugeben und „ipse“ mit „selbst“. Das Identitätspronomen „ebenderselbe“ oder „der nämliche“ ist zu gebrauchen, wenn von demselben Begriff eine neue, sei es gleichartige oder gegensätzliche[41] Aussage getroffen wird.[42] „Ipse“ dient zur nachdrücklichen Betonung eines Begriffes im Gegensatz zu anderen[43], z.B. ipsa spes, die bloße Hoffnung.[44] „Die Betonung des Gegensatzes zu anderen kann jedoch schwinden und ipse gebraucht werden, wenn von verschiedenen Gegenständen die gleiche Aussage gemacht wird (dt. „gleichfalls, ebenso“).“[45] Für die SuS könnten bei den beiden Pronomina Verwechslungsmöglichkeiten auftreten.[46] Daher habe ich mich im Sinne einer didaktischen Reduktion dazu entschlossen, die Pronomina getrennt voneinander einzuführen und einzuüben, sodass der grammatische Schwerpunkt in Lektion 38 zunächst auf dem Pronomen „ipse“ liegt. Die zentralen grammatikalischen Elemente der Lektion 39 und 40 liegen bei den Verben „velle“ und „nolle“[47] und dem Idenfinitpronomen „aliquis“. Die SuS haben in den vergangenen Wochen in Einzel- Partner- und Gruppenarbeit[48] gearbeitet. Dies geschah durch die Expertenrunde, die ego/tu/nos – Methode und das Lerntempoduett (Forum Mutationis). Insgesamt sind die zentralen Anliegen der Unterrichtsreihe: Die SuS sollen in ihrer Sprach- und sprachbezogenen Textkompetenz gefördert werden, indem sie erstens den Ablativus Absolutus und die Formen der unregelmäßigen Verben „ire“, „velle“ und „nolle“ im Präsens (Ind.), Perfekt (Ind.), Imperfekt (Ind.) und Futur erkennen, bestimmen und in ein angemessenes Deutsch übersetzen können und zweitens die Flexionsformen der Pronomina „ipse“ und „idem“ in einem Satz erkennen, bestimmen und übersetzen können. Die SuS sollen in ihren kulturellen Kompetenzen gefördert werden, indem sie erstens die thematisierten Helden der Frühgeschichte kennen und deren Taten beschreiben können. Zweitens den Begriff „virtus“ im Kontext der Helden und ihren Taten erläutern können und drittens durch den Vergleich der antiken Vorstellung von Helden mit den heutigen einen existentiellen Transfer leisten können, indem sie den Begriff Held kritisch hinterfragen. (Lebensweltbezug)

3. Didaktisch – methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde

Die Stunde steht bezogen auf die inhaltlichen und sprachlichen Thematiken in der Mitte der Unterrichtsreihe.[49] Grammatisch wurde der Fokus in der letzten Stunde auf das Demonstrativpronomen „ipse“ gerichtet. Die SuS haben das Pronomen und seine Verwendung durch eine induktive Verfahrensweise[50] anhand eines Textes kennen gelernt und eigenständig deren Verwendung herausgearbeitet. Die Stunde hat die Intention, dass die SuS anhand einer ausgewählten Textstelle der Lektion 38 üben, das Pronomen „ipse“ zu erkennen und zu übersetzen. Thematisiert wurde in der letzten Stunde der von Livius beschriebene Einfall der Gallier in Italien.[51] Die SuS sollen in der geplanten Stunde erkennen, dass die Gänse durch ihre Tugend der Wachsamkeit, die Stadt Rom gerettet haben und demzufolge auch als Helden zu sehen sind.[52]

Das Thema der Stunde ist mit dem gleichnamigen Titel der Zeitung „Römisches Tageblatt“ zu benennen: „Die heiligen Gänse der Juno retten die Stadt“. Die von mir konzipierte Zeitung ist fiktiv, jedoch lehnt sich der Text[53] stark an die Vorgaben des Geschichtsschreibers Livius aus dem Werk ab urbe condita an. Der ausgewählte Textabschnitt handelt von der heldenhaften Rettung Roms durch das Schnattern der heiligen Gänse der Juno.[54] Die Auswahl des Textes liegt erstens darin begründet, dass die SuS durch das Erkennen und Übersetzen von „ipse“ in ihrer Sprachkompetenz gefördert werden können. Zweitens vermittelt der Abschnitt kulturelles Basiswissen. Drittens stellt diese Textpassage nur die Gänse als Helden vor, sodass im Sinne einer didaktischen Reduktion Manlius Capitolinus in der darauf folgenden Stunde thematisiert werden kann. Viertens schien es mir aufgrund der möglichen Verwechslung sinnvoll, den Schwerpunkt zunächst auf ein Pronomen zu legen. Da in der Lektion - bis auf den ausgewählten Abschnitt - zwei Demonstrativpronomina in den Fokus gerückt werden. Die Schwierigkeiten der ausgewählten Textpassage liegen erstens in einer hohen Anzahl von neuen Vokabeln. Zweitens könnte die Wendung ne…quidem für die SuS eine Hürde darstellen, weil diese bisher wenig Verwendung fand. Das Gleiche gilt für den Ablativ ea re.[55] Der Einstieg in die Stunde erfolgt über das von mir konzipierte Titelblatt der Tageszeitung[56]. Die SuS müssen an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es sich um eine fiktive Zeitung handelt, wie sie in Rom hätte erscheinen können. Den SuS wird die Zeitung auf Folie präsentiert[57] und der deutsche Vorspann soll von einem Klassenmitglied laut vorgelesen werden. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen für diesen Einstieg entschieden. Erstens gehört die Zeitung als Einstieg zu den festen Ritualen und wird von den SuS gut angenommen. Zweitens bietet dieser Einstieg durch die aufgebaute Spannung eine Motivation und weckt das Interesse der SuS. Drittens leistet der Einstieg eine grundlegende Transparenz über den Inhalt der Stunde. Viertens zentriert die Visualisierung die Aufmerksamkeit der SuS und der Unterricht kann gemeinsam begonnen werden.[58] Im Anschluss an das Vorlesen des Vorspanns soll es eine Textvorentlastung[59] geben, um das spätere Übersetzen zu erleichtern. Dazu werde ich den SuS den lateinischen Text (sinntragend) laut vorlesen.[60] Aufgrund der hohen Anzahl neuer Vokabeln, möchte ich den SuS drei zentrale Vokabeln erläutern canis, fallere und anser. Auf die Vokabel anser (Gans) kann durch das vorhandene Bild verwiesen werden. Die SuS sollen danach in einem ersten Schritt die vorhandenen Eigennamen, Orte und Personen herausarbeiten, die sie im Text finden können. In einem zweiten Schritt sollen sie die vorhandenen Formen von „ipse“ isolieren, bestimmen und in einem Satz die Verwendung von „ipse“ erläutern.[61] Darauf werden die SuS von mir über den weiteren methodischen und zeitlichen Verlauf der Stunde anhand eines „Fahrplans“[62] informiert, um den SuS eine höchst mögliche Transparenz über das Ziel der Stunde zu bieten. Der vorliegende Text soll von den SuS anschließend in Partnerarbeit übersetzt werden. Die SuS übersetzen in Partnerarbeit, da sich diese Form des Arbeitens vor allem für die schwächeren Sus bewährt hat[63]. Die SuS übersetzen arbeitsgleich, erhalten jedoch aufgrund der ausgeprägten Heterogenität verschiedene Angebote zur Differenzierung.[64] Erstens stehen Texte zur Verfügung, in denen bereits Subjekt und Prädikat unterstrichen worden sind.[65] Zweitens existiert in der Klasse ein „Tafelorakel“[66]. Das Orakel beinhaltet den neuen Wortschatz,[67] Namen und Orte, die im Text Schwierigkeiten bereiten könnten, sowie hilfreiche Tipps zur Syntax und Grammatik. Zudem hat das „Tafelorakel“ die Intention langwieriges Nachschlagen von Vokabeln, Namen und Formen zu vermeiden.[68] Drittens findet das Prinzip „Schüler helfen Schülern“ in Form des Patron- und Klientensystems seinen Einsatz.[69] Beide Formen der Differenzierung haben sich etabliert und werden von den SuS auch eingefordert. Diese Arbeitsweisen zählen daher zu den festen Ritualen für die Übersetzungsarbeit. Nach der Übersetzung in Partnerarbeit soll es besonders für die schwächeren SuS eine Gruppenarbeitsphase[70] geben, damit sie ausreichend Hilfe erhalten und sich für die Plenumsphase gut vorbereitet und sicher fühlen. Diese Gruppenarbeitsphase soll als erste Ergebnissicherung[71] dienen. Außerdem können die SuS in der Gruppe in einem für sie geschützten Raum arbeiten, während sie sich über ihre Übersetzung austauschen und die Präsentation der Ergebnisse auf Folie vorbereiten. Ich erhoffe mir dadurch, dass vor allem die stillen SuS dazu ermutigt werden sich zu melden. Die Ergebnissicherung[72] erfolgt im Plenum. Jeweils eine der doppelt besetzten Gruppen stellt ihre Übersetzung auf Folie kurz vor. Die SuS sollen an dieser Stelle die vorgelegte Übersetzung mit ihrer eigenen vergleichen und ggf. korrigieren. Hier soll genug Raum und Zeit sein, um Fragen zu klären. Nach dem Übersetzungsvergleich sollen die SuS die Übersetzung kurz in eignen Worten wiedergeben, sodass sichergestellt werden kann, dass alle SuS den Inhalt auch durchdrungen haben.[73] Im Anschluss sollen die SuS kurz überlegen, ob sie die Gänse für Helden halten und mit welcher der ihnen bekannten Tugenden sie dies begründen würden. Abschließend sollen die SuS überlegen, ob sie noch andere tierische Helden[74] kennen. Die SuS sollen zu Hause ihre Tabelle zu den Helden der römischen Frühgeschichte[75] mit den gewonnenen Erkenntnissen der Stunde weiter ausfüllen. Insgesamt sind die zentralen Anliegen der Stunde: Die SuS sollen in ihrer Sprach- und sprachbezogenen Textkompetenz gefördert werden, indem sie die Flexionsformen des Pronomens „ipse“ in einem Satz erkennen, bestimmen und übersetzen können. Die SuS sollen in ihren sozialen Kompetenzen gefördert werden, indem sie sachgerecht mit ihren Mitschülern kommunizieren können. Die SuS sollen in ihrer kulturellen Kompetenz[76] gefördert werden, indem sie erkennen, dass die Gänse durch ihre Tugend der Wachsamkeit, die Stadt Rom gerettet haben und demzufolge auch als Helden zu sehen sind.

[...]


[1] _

[2] Im Folgenden mit SuS abgekürzt.

[3] Die SuS befinden sich im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren. Ihre körperliche Entwicklung ist stark heterogen ausgeprägt. Jedoch sind sie von ihrer geistigen Reife relativ gleich weit entwickelt.

[4] x wiederholt die achte Klasse freiwillig und y hat die Klasse gewechselt.

[5] Kooperationsfähigkeit und sachliche Kommunikationsfähigkeit.

[6] Anzumerken ist, dass dieses Lehrbuch für G9 Klassen konzipiert wurde und aufgrund des älteren Erscheinungsdatums keine Ansätze zur Kompetenzorientierung bietet. Zudem weist es nur partiell Angebote für differenziertes Arbeiten auf (additiv durch ein Mehr an Aufgaben), sodass die Bereiche der Kompetenzorientierung und Differenzierung auf den Lehrer zurückfallen.

[7] Ein eigenständiges Weiterarbeiten am Lektionstext hätte zur Folge, dass eine Zusammenführung der Ergebnisse schwierig wird.

[8] Scholz, Ingvelde, Es ist normal verschieden zu sein. Unterrichten in heterogenen Klassen, in: AU 1/2008, S. 6. Beispiele aus der Praxis können im Rahmen des Reflexionsgespräches näher erörtert werden.

[9] Sorrentino, Wencke; Linser, Hans Jürgen; Paradies, Liane, 99 Tipps, Differenzieren im Unterricht, 2. Auflage, Berlin 2010, S. 114ff.

[10] Alle Patrone haben von mir „Ausweise“ erhalten, sodass für die Klienten erkennbar ist, wen sie ansprechen können. Zusätzlich gibt es ein „offizielles Verzeichnis der Patrone“ an der Klassentür. (siehe Anhang)

[11] Die Chancen und Grenzen dieses Prinzips können gerne von mir im Rahmen des Reflexionsgesprächs näher erörtert werden.

[12] Den SuS wurden gezielte Übungen zu grammatischen Phänomenen zur Verfügung gestellt.

[13] x leidet unter einer Hörschädigung. Daher trage ich im Regelfall ein Mikrofon. Die Sitzordnung wurde bereits zugunsten von x geändert, sodass er in der Nähe des Fensters und (aus akustischen Gründen) in der letzten Reihe sitzt. Über einen Nachteilsausgleich ist noch in der Klassenkonferenz abzustimmen.

[14] Bezug nehme ich hier auf die Schülergruppe um x, y und z.

[15] Daher wurden auf ausdrücklichen Wunsch der SuS Maßnahmen zur Förderung der Sprachkompetenz ergriffen.

[16] Ein Gespräch mit dem Fachkollegen bestätigte diese Diagnose.

[17] AcI, PPP, PPA.

[18] Ausgehend von dieser Diagnose wurde in den ersten Wochen eine Lerntheke zur Verfügung gestellt. Diese Methode sollte den SuS die Möglichkeit eröffnen, individuell und selbstgesteuert an ihren Defiziten zu arbeiten.

[19] Differenzierung nach Anforderungsniveau/Sozialform. Die Möglichkeiten dieser Differenzierungsformen können im Reflexionsgespräch von mir gerne näher erörtert werden.

[20] Kulturelle Kompetenz.

[21] Der Titel der UE wurde von mir pointierter formuliert. Im Felixbuch lautet sie „Römische Frühgeschichte“.

[22] Vgl. Felix, Das Lateinbuch, Ausgabe A, 3. Auflage Bamberg 1999, S. 101, 103, 105.

[23] „Ein Mann, auf den die Römer stolz waren“.

[24] „Bereit zum Mord – bereit zum Tod“.

[25] „Ein Bauer wird Diktator“.

[26] „Die wachsamen Gänse“.

[27] „Hannibals Hass auf die Römer“, „Hannibals Siegeslauf“.

[28] Obwohl Hannibal einer der größten Feinde des Imperiums war, wurden ihm dennoch römische Tugenden wie Besonnenheit, Klugheit, Tapferkeit und Mut zugeschrieben.

[29] Die Erzählungen von Livius wirken im Lehrbuch aneinandergereiht. Durch den Oberbegriff virtus und die Ergänzung der Reihe um den Begriff „Held“ entsteht für die SuS eine klare Verbindung.

[30] „Vom richtigen Leben“.

[31] virtus, pietas, fides, vitam simplicem agere, fortiter se agere.

[32] Hessisches Kultusministerium, Lehrplan Latein, Gymnasialer Bildungsgang, Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe, 2010, S. 41. Vorgesehen ist der Grundbegriff virtus für Klasse sieben, jedoch durch die Vorgehensweise des Lehrbuchs Felix erst in Klasse acht zu verwirklichen.

[33] Horatius Cocles, C. Mucius Scaevola, L. Quinctius Cincinnatus, etc.

[34] Z.B. durch Filme wie „Helden in Strumpfhosen“ (1993) oder „Wir waren Helden“ (2002).

[35] Die SuS nannten folgende Assoziationen: mutig, tapfer, klug, stark, populär, schnell, gerecht, tatkräftig, hilfsbereit.

[36] Die SuS sehen folgende Persönlichkeiten als Helden: Nelson Mandela, Caesar, Odysseus, St. Martin, Mutter Theresa, James Bond, Herkules, Martin Luther King.

[37] Aufgrund der Schwierigkeit einen Ablativus Absolutus sicher erkennen und übersetzen zu können, wurde an dieser Stelle ein Schwerpunkt gesetzt.

[38] Die Einübung fand erstens über den Lektionstext und zweitens mit Hilfe von Lernspielen statt.

[39] Rubenbauer/Hofmann, Lateinische Grammatik, München 1995, S. 54ff.

[40] Idem ist entstanden durch die Zusammensetzung von is und dem, vgl. Rubenbauer/Hofmann, Lateinische Grammatik, München 1995, S. 54ff.

[41] dennoch, trotzdem, gleichwohl.

[42] Rubenbauer/Hofmann, Lateinische Grammatik, München 1995, S. 231ff.

[43] „er selbst und kein anderer“.

[44] Rubenbauer/Hofmann, Lateinische Grammatik, München 1995, S. 232.

[45] Ebd.

[46] Besonders in der deutschen Wiedergabe durch „ebenderselbe“ und „selbst“.

[47] Hessisches Kultusministerium, Lehrplan Latein, Gymnasialer Bildungsgang, Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe, 2010, S. 42.

[48] Vgl. Analyse der pädagogischen Situation.

[49] Vgl. didaktisch – methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe.

[50] Keip, Marina; Doepner Thomas, Interaktive Fachdidaktik Latein, Göttingen 2010, S. 35ff.

[51] Nach Livius verließen die Gallier um das Jahr 400 v. Chr. aufgrund von Ernährungsproblemen ihr Land. Nach dem Überqueren der Alpen und dem Sieg über die Etrusker wurde die Gefahr, die durch die Gallier drohte, lange vom Senat unterschätzt. Es folgte eine vernichtende Niederlage für die Römer an der Allia. Dem Gallierfürsten Brennus fiel die Stadt kampflos in die Hände und große Teile der Stadt wurden zerstört und geplündert. Das Kapitol konnten die Gallier jedoch nicht erobern. Vgl. Felix, Ausgabe A, S. 103.

[52] Förderung der kulturellen Kompetenz, vgl. Analyse der pädagogischen Situation.

[53] Die Textpassage ist der Lehrbuchlektion 38 entnommen.

[54] Zum Hintergrund: „Nachdem die Gallier zu ihrer eigenen Überraschung einen großen Sieg errungen hatten und die Römer ihr Heil in der Flucht suchten, vermuteten die Gallier zunächst einen Hinterhalt. Da sie aber nirgendwo einen Feind bemerkten, rückten sie auf die Stadt zu. Die Römer hingegen wurden von großer Furcht ergriffen und zogen sich auf die Burg zurück, um sich von dort zu versteigen. Als es Nacht wurde, war die Burg jedoch in großer Gefahr, weil die Gallier jene bestiegen. Sie konnten die Wachen täuschen und auch die Hunde. Die Gänse fingen aber an zu schnattern, weckten Manlius aus dem Schlaf und haben somit die Römer gerettet.“

[55] Daher werden diese Wendungen im Tafelorakel angegeben.

[56] Den SuS ist diese Zeitung bereits bekannt, denn sie erscheint immer dann, wenn in Rom ein Ereignis eingetreten ist, das eine breite Öffentlichkeit berührt, z.B. „Frisör ermordet Sklaven“ und „Dramatische Ereignisse in Pompeji“.

[57] Vgl. die Beiträge „Einstiege“, „Materialpräsentation“ von Bäcker, Notburga, „Motivation“, in: Keip, Marina; Doepner Thomas, Interaktive Fachdidaktik Latein, Göttingen 2010, S. 196.

[58] Alternativ wäre ein Einstieg mit einem Bild möglich gewesen. Die Textvorentlastung durch eine bildliche Darstellung erweist sich als positiv für die weitere Texterschließung der SuS, jedoch schien mir die Auswahl der zur Verfügung stehenden Abbildungen nicht passend genug.

[59] „Textlinguistische (Vor-) erschließung“, vgl. Keip, Marina; Doepner Thomas, Interaktive Fachdidaktik Latein, Göttingen 2010, S. 99ff.

[60] In dieser Stunde soll nicht die Förderung der Lesekompetenz im Vordergrund stehen. Zudem eignet sich eine weitere Vorerschließung über den Inhalt des Textes nicht, da zu viele unbekannte Vokabeln im Text vorliegen.

[61] In der letzten Stunde wurden die Formen von „ipse“ eingeführt, sodass es an dieser Stelle einen Rückgriff auf die letzte Stunde gibt.

[62] Die einzelnen Phasen der Stunde werden den SuS auf einer Folie präsentiert und kurz erläutert.

[63] Differenzierung nach Sozialform, vgl. Sorrentino, Wencke; Linser, Hans Jürgen; Paradies, Liane, 99 Tipps, Differenzieren im Unterricht, 2. Auflage, Berlin 2010, S. 26-27.

[64] Vgl. Analyse der pädagogischen Situation. Gedacht habe ich an dieser Stelle an SuS wie x, y und z.

[65] Dieses Differenzierungsangebot ist speziell für x, y und z gedacht. Vgl. Analyse der pädagogischen Situation.

[66] Dieses wird an der Rückseite der Tafel angebracht.

[67] Die Entscheidung, den neuen Wortschatz im Tafelorakel anzugeben, liegt darin begründet, dass die SuS die Vokabeln nicht im Voraus lernen, sondern anhand des Textes. Vgl. Schirok, Edith, „Wortschatzarbeit“, in: Keip, Marina; Doepner Thomas, Interaktive Fachdidaktik Latein, 2. durchgesehene Auflage, Göttingen 2010, S. 18.

[68] Eine weitere Funktion des Tafelorakels liegt in dem Angebot, sich während des Unterrichts bewegen zu können. Bei diesem Punkt habe ich primär an Konrad gedacht.

[69] Gedacht ist dieses Prinzip für SuS wie x, y und z, die sehr hohe Arbeitstempi ausweisen. Vgl. Analyse der pädagogischen Situation.

[70] Die SuS wurden zu Beginn der Unterrichtsreihe in feste Gruppen eingeteilt. Daher ist ihnen die Zuordnung bereits bekannt. Die Klasse wurde in sechs Gruppen eingeteilt und mit den Namen der Helden betitelt, sodass die SuS eine feste Zuordnung haben. Die Gruppen sind jeweils doppelt besetzt, damit die Anzahl der SuS in den Gruppen überschaubar bleibt.

[71] Sollten SuS wie x, y und z aufgrund ihrer Arbeitstempi nicht in der vorgegebenen Zeit mit der Übersetzung fertig geworden sein, dient die Gruppenarbeit gleichzeitig als Kompensation.

[72] Vorstellbar wäre mit einer Musterübersetzung zu arbeiten. Ich habe mich gegen diese Alternative entschieden, da eine Visualisierung der Schülerübersetzungen sinnvoll erscheint und eine Musterübersetzung dazu führen kann, dass richtige Schülerübersetzungen als falsch angesehen werden.

[73] An dieser Stelle wäre das Normalziel der Stunde erreicht.

[74] Durch diese Überlegung soll für die SuS ein lebensweltlicher Bezug hergestellt werden.

[75] Siehe Anhang.

[76] Vgl. Analyse der pädagogischen Situation.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668512337
ISBN (Buch)
9783668512344
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373860
Note
2
Schlagworte
Pronomina Differenzierung Mythen

Autor

Zurück

Titel: Die heiligen Gänse der Juno als Helden der römischen Frühgeschichte. Eine Übersetzung zur Förderung der kulturellen Kompetenz und zur Einübung des Pronomens „ipse“