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Unterrichtsentwurf einer Französischstunde für die Grammatikform "Je Veux"

Unterrichtsentwurf 2016 15 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Unterrichtseinheit, Stundenthema, Lehr- und Lernvoraussetzungen

Die Doppelstunde ‚ Qu’est-ce qu’il faut pour être heureux? ‘ bildet den Einstieg in die mehrwöchige Unterrichtsreihe ‚ À la recherche du bonheur ‘, die sich über verschiedenste mediale und methodische Zugänge der Frage nach dem Glück widmet. Aufgrund des attraktiven Themas, das viele Sprechanlässe schafft und zu dem sich jeder Lernende äußern kann, eignet sich diese Reihe gut für den Beginn des Französischunterrichts der Oberstufe auf Grundkursniveau. Die Schülerinnen und Schüler[1] werden durch die Fokussierung der Doppelstunde auf Hörverstehen und Sprachproduktion gefordert was dem Sprachniveau im mindestens dritten Lernjahr gerecht wird.

In der ersten Hälfte der Doppelstunde wird das Chanson Je veux von Zaz mithilfe einer Hörverstehensaufgabe sprachlich und inhaltlich erfasst. In diesem Zusammenhang werden die Wortfelder le bonheur und le luxe erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Stunde dienen als Grundlage für die hier im Detail vorgestellte zweite Hälfte der Doppelstunde, die in einer Podiumsdiskussion den Fokus auf die kreative Sprachproduktion der SuS legt. Sie müssen eigenständig Argumente in der Fremdsprache formulieren, diese flüssig vortragen und auf gegensätzliche Positionen reagieren. Die Lerngruppe ist mit diesem Konzept der Podiumsdiskussion bereits vertraut. Zudem sind die SuS geschult in der selbstständigen Benutzung eines zweisprachigen Wörterbuchs. Die Sitzordnung der Klasse ist die weit verbreitete Hufeisen-Sitzordnung.

2. Didaktische Begründung des Themas

Die Beschäftigung mit dem Reihenthema ‚ À la recherche du bonheur ‘ lässt sich durch die Vorgaben des rheinland-pfälzischen Lehrplans begründen. Hier wird im Rahmen des vorgeschlagenen fiktionalen Themas einer Unterrichtseinheit ‚ Le regard de l’autre – le regard sur l’autre ‘ die Fokussierung ‚ À la recherche du bonheur ‘ vorgeschlagen (vgl. Lehrplan Französisch 2014, 21). Auch in den vom Lehrplan vorgegebenen Themenkomplex ‚ Qui suis-je ? ‘ (vgl. Lehrplan Französisch 2014, 20) lässt sich die Beschäftigung mit der Frage nach dem Glück integrieren, da es hier um die Suche nach der individuellen Identität und die Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Realität und der Suche nach Werten geht (vgl. Lehrplan Französisch 2014, 20).

Doch nicht nur curriculare Vorgaben legen die Beschäftigung mit dem Thema Glück im Unterricht nahe. Die jugendlichen SuS befinden sich gerade in einer Lebensphase, die hochgradig von einem Selbstfindungsprozess geprägt ist. Als Teenager steht jeder Mensch vor der Herausforderung, sich selbst als Persönlichkeit gegenüber den Eltern, Gleichaltrigen und anderen Personen im Umfeld zu definieren. Eng mit diesem Prozess verwoben ist die Frage, nach welchen Normen man leben und welche Ziele man im Leben verfolgen möchte. Mit Beginn der schulischen Oberstufe steht das Abitur bevor und die Entscheidung für eine bestimmte berufliche Laufbahn rückt für die Lernenden immer näher. Sie müssen entscheiden, was ihnen im Leben wichtig ist: Neben fachlichen Präferenzen spielt hier auch das Abwägen zwischen den Komponenten Karriere und Familie, Geld und Glück eine Rolle. Auch sind die 16- bis 17-jährigen Lernenden naturgemäß stark vom Materialismus der heutigen Zeit geprägt. Ob in aktuellen Filmen, Werbung oder der Musikindustrie, überall werden die SuS mit einem bestimmten Schönheitsideal konfrontiert, das eng mit Kleidung bestimmter Marken, teuren Make-Up-Produkten und Prestigeobjekten wie Sportwagen und vor allem Smartphones zusammenhängt. Der Französischunterricht kann hier als Anlass für die SuS dienen, kontrovers über dieses Thema zu diskutieren und wertvolle Anregungen auch über das Schulleben hinaus mitzunehmen. Das Thema ist somit nah an der Lebenswelt der SuS und wird daher ihr Interesse wecken und ihre Bereitschaft stärken, sich aktiv in der Fremdsprache am Unterricht zu beteiligen. Somit liegt die Fokussierung des übergreifenden Reihenthemas ‚ À la recherche du bonheur ‘ auf den Teilaspekt ‚ Qu’est-ce qu’il faut pour être heureux? ‘ in der ersten Doppelstunde nahe.

Der Lehrplan schlägt im Zusammenhang mit der recherche du bonheur die Verwendung eines Chansons vor (vgl. Lehrplan Französisch 2014, 21). Es bietet sich an, das Lied Je veux als Ausgangspunkt der Einstiegsdoppelstunde der Unterrichtsreihe zu nehmen, da seine zentrale Thematik genau zu den obigen Überlegungen passt: Es geht um die Frage, wie die Sängerin das Glück für sich selbst definiert, um die Anprangerung des Materialismus und der Oberflächlichkeit und um die Feier der Natürlichkeit. Je veux bietet hier eine Möglichkeit, vielfältige Sprechanlässe zu schaffen und „kreative Schreibprozesse“ (Nieweler 2006, 220) zu initiieren.

Zudem ist das Lied nicht unbekannt, es ist im Gegenteil weit über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt und feierte insbesondere in Deutschland Erfolge. Auf die Verwendung im Französischunterricht bezogen bedeutet dies, dass zusätzlich zu dem motivierenden Effekt von Musikproduktionen allgemein (vgl. Thiele 2012, 84) für dieses spezielle Lied eine noch verstärkte Schülermotivation angenommen werden kann. Auch wenn natürlich nie der individuelle Musikgeschmack jedes einzelnen Lernenden mit einem einzigen Musikstück befriedigt werden kann (vgl. Leupold 2004, 336), bietet doch die allgemeine Popularität dieses Liedes die Chance, einen Großteil der SuS anzusprechen. Als Teil des Mainstreams ist Je veux nah an der Lebenswelt der SuS. Jeder hat es schon einmal gehört, was dazu führt, dass das Lied den Lernenden zugänglicher erscheint als beispielsweise ein älteres Chanson. Eng verbunden mit der Popularität des Liedes sind seine lebhafte Melodie und der mitreißende Rhythmus. Diese machen Je veux als Unterrichtsgegenstand umso attraktiver, da ein schnelles, fröhliches Lied die SuS mehr fesselt als es ein langsames, trauriges Lied könnte. Popularität, Melodie und Rhythmus sind jedoch für die Behandlung einer Musikproduktion im Fremdsprachenunterricht nur Beiwerk zur Motivationsförderung, wobei sie natürlich auch im späteren Unterrichtsverlauf zu Sprechanlässen werden können. Von zentraler Bedeutung für die Auswahl eines Musikstückes sind hingegen neben dem bereits erwähnten Textinhalt die sprachliche Komplexität und akustische Verständlichkeit des fremdsprachlichen Textes, da mit diesen Elementen direkt sprachlich gearbeitet wird. Auch in dieser Hinsicht ist Je veux bestens für den Französischunterricht im Grundkurs geeignet. Vokabular und verwendete Grammatik sind nicht allzu komplex und die Sängerin singt, abgesehen vom gelegentlichen umgangssprachlichen Verschlucken von Silben, sehr deutlich. Infolgedessen kann der Text auch durch Lernende in nur wenigen Durchgängen auditiv erfasst werden.

3. Sachanalyse

Das Lied Je veux der französischen Künstlerin Zaz, die 1980 als Isabelle Geffroy geboren wurde, verhalf dieser in den Jahren 2010/2011 zu ihrem internationalen Durchbruch. Nicht nur in Frankreich, auch in verschiedenen anderen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, hielt sich das Lied über Wochen, teilweise sogar über Monate hinweg in den Charts (vgl. https://www.offiziellecharts.de/titel-details-692208, Zugriff am 25. Mai 2015/ http://lescharts.com/showitem.asp?interpret=Zaz&titel=Je+veux&cat=s, Zugriff am 25. Mai 2015). Bis heute gehört Je veux in Deutschland zum Repertoire großer Radiosender und ist somit auch nach Abklingen des ersten Erfolges noch Teil der deutschen Mainstream-Kultur.

In Je veux spricht das lyrische Ich den Hörer direkt an und definiert, was aus seiner Sicht Glück ist. Dies geschieht vor allem durch mehrere Gegenüberstellungen. Bereits die erste Strophe beinhaltet in jedem einzelnen Vers eine Gegenüberstellung, die im ersten Teil aus einem impératif (z.B. „Donnez-moi“ (Z. 1)) und einem Begriff aus dem Bereich des Luxus besteht (z.B. „une suite au Ritz“ (Z. 1)) und im zweiten Teil eine Aussage der persönlichen Ablehnung dieses Angebots enthält („je n’en veux pas“ (Z.1, 2), „j’en ferais quoi?“ (Z. 3, 4, 6), „ce n’est pas pour moi“ (Z. 5)). Die Gegenüberstellung in der ersten Strophe erfolgt also einerseits zwischen dem durch den impératif suggerierten vous und dem je und andererseits zwischen den – zum größten Teil speziell auf Frankreich bezogenen – Luxusbegriffen une suite au Ritz, des bijoux de chez Chanel, une limousine, du personnel, un manoir à Neufchâtel, la Tour Eiffel (Z. 1-6) und der persönlichen Ablehnung des lyrischen Ichs.

Den in der ersten Strophe sehr präsenten, wenn auch direkt verneinten, Luxusbegriffen werden im Refrain die zentralen Werte entgegengestellt, die das lyrische Ich für wichtig erachtet: „d’l’amour, d’la joie, de la bonne humeur“ (Z. 7), „crever la main sur le coeur“ (Z. 9) und „ma liberté“ (Z. 10). Diese Begriffe kontrastieren jedoch nicht nur mit den Luxusbegriffen der ersten Strophe, sondern auch mit der neuen und direkteren Aussage „Ce n’est pas votre argent qui f’ra mon bonheur“ (Z. 8). Auch auf der Ebene des Sprachniveaus distanziert sich das lyrische Ich im Refrain immer mehr von der gehobenen Gesellschaft, die durch die Luxusbegriffe personifiziert wird: Das Verschlucken der Silben in „d’l’amour, d’la joie“ (Z. 7) und der Ausdruck „crever“ (Z. 9) gehören zur langage familier. Diese Vorgehensweise wird in der zweiten Strophe fortgesetzt, in der die Umgangssprache immer dominanter wird: „J’en ai marre“ (Z. 12, 16), „j’suis comme ça“ (Z. 13, 18), „j’parle fort“ (Z. 14), „moi j’me casse de là“ (Z. 15), „toute manière j’vous en veux pas“ (Z. 17). Auch wird die Haltung des lyrischen Ichs gegenüber dem vous in dieser zweiten Strophe aggressiver. Während in der ersten Strophe nur das simple Nicht-wollen („je n’en veux pas“ (Z. 1, 2)) bzw. ein gewisses Unverständnis („j’en ferais quoi?“ (Z. 3, 4, 6)) konstatiert wurde, verwendet das lyrische Ich nun stärkere Ausdrücke wie en avoir marre de qc und se casser, unterstellt dem vous „l’hypocrisie“ (Z. 15) und „langues de bois“ (Z. 16) und schleudert ihm ein ironisches „excusez-moi“ (Z. 14) entgegen.

Ein Höhepunkt des Liedes ist, neben dem viermal zu hörenden Refrain, das Ende der zweiten Strophe, als die Sängerin zweimal widerholt: „j’suis comme ça“ (Z. 18). Dies kann als Quintessenz des Liedes angesehen werden. Es ist wichtig, so zu sein wie man ist und sich nicht zu verstellen. Nur so kann die wahre, im Refrain besungene Lebensfreude erreicht werden.

4. Didaktische Transformation des Themas, Lernziele und Kompetenzen

Die Sachanalyse zeigt, dass sich das Lied hervorragend eignet, um eine detaillierte Analyse der Vorgehensweise des lyrischen Ichs bei der Vertretung seines Standpunktes durchzuführen. Allerdings würden bei einem solchen Vorgehen im Unterricht die in der didaktischen Begründung geschilderten motivationalen Vorteile des Liedes nicht angemessen genutzt. Daher konzentriert sich die zweite Doppelstundenhälfte rein auf die zentrale Botschaft des Liedes, die bereits in der ersten Stunde erarbeitet wurde. Der Transfer des Liedinhaltes auf verschiedene Perspektiven schafft gleichzeitig erweiterte Sprechanlässe für die SuS und ermöglicht eine vollständigere Durchdringung der Thematik. Neben der intensiven Beschäftigung mit dem Liedinhalt und dessen Übertragung auf andere Perspektiven wird auch die Grundstruktur des Liedes in Form eines Lückentextes verwendet, um die kreative Spracharbeit und Wortschatzerweiterung der SuS zu fördern.

Hauptziel der Unterrichtseinheit ist die Erweiterung der kommunikativen Kompetenz der SuS durch das Führen einer Podiumsdiskussion zum Thema „ Qu’est-ce qu’il faut pour être heureux ?“. Hierbei übernehmen die SuS die Positionen fiktiver Persönlichkeiten und schulen somit ihre affektive Kompetenz. Durch das multiperspektivische Arbeiten wird eine tiefere inhaltliche Auseinandersetzung der SuS mit dem Thema ermöglicht. Darüber hinaus wird die methodische Kompetenz der Informationsbeschaffung trainiert, da die SuS selbstständig ein zweisprachiges Wörterbuch nutzen. In der Gruppenarbeitsphase werden zudem soziale Kompetenzen geschult.

5. Tabellarischer Verlaufsplan der Stunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Didaktisch-methodische Begründungen

Lernschritt 1: Die Einstiegsphase dieser Unterrichtseinheit stellt gleichzeitig eine Übergangsphase von der ersten zur zweiten Hälfte der Doppelstunde dar. Daher gibt es zu dieser Unterrichtseinheit keine vorbereitende Hausaufgabe. Trotzdem bildet die erste Doppelstundenhälfte durch die Erarbeitung der Grundthematik des Liedes und das erste Sammeln von Vokabular die Basis, auf der die hier vorgestellte Stunde aufbaut. Nach der 5-Minuten-Pause, die die beiden Hälften der Doppelstunde trennt, erfolgt der Einstieg in die zweite Stunde über den stummen Impuls der Einstiegsfolie (siehe Anhang). Die Folie zeigt sechs sehr verschiedene Charaktere, die jeweils mit einer Sprechblase mit dem gleichen Inhalt versehen sind: „Je veux…!“. Die Charaktere sind absichtlich so gewählt, dass sie extreme und sich stark voneinander unterscheidende Positionen vertreten: Der Macho, die Entwicklungshelferin, der Geldgierige (Mr. Burns), das junge Liebespaar, die unschuldigen Kinder und die Tussi. Somit wird der Übergang in die Multiperspektivität der zweiten Doppelstundenhälfte bereits im Einstieg eingeleitet. Dadurch, dass die erste Stunde mit einer Zusammenfassung des Inhaltes des Liedes Je veux endet, wird es den SuS nicht schwerfallen, anhand der Einstiegsfolie zur zweiten Stunde den Zusammenhang zu erkennen. Es ist eine Aussage von Schülerseite zu erwarten, dass wir im Lied zwar eine Meinung gehört haben, dass aber jede einzelne Person einen eigenen Charakter und somit eine andere Meinung hat. Somit ist die Überleitung in die Multiperspektivität geschaffen.

[...]


[1] Im Folgenden wird der Ausdruck ‚Schülerinnen und Schüler‘ mit ‚SuS‘ abgekürzt.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668511477
ISBN (Buch)
9783668511484
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373847
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
hörverstehen je veux zaz chanson französisch

Autor

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