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Bildung von Kindern im Zuge der nachhaltigen Entwicklung

Wie können bereits Kinder für die nachhaltige Entwicklung sensiblisiert werden?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 19 Seiten

Pädagogik - Hochschulwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Die UN- Dekade“ Bildung für nachhaltige Entwicklung“

2. Nachhaltige Entwicklung

3. Bildung für nachhaltige Entwicklung

4. Bildung für nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich

5. Ziele für Bildung im Elementarbereich

6. Handlungsfelder im Elementarbereich

7. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft

8. Ausblick

Literaturverzeichnis

Vorwort

Weltweit beschäftigen sich Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft mit der Frage, wie den jetzt lebenden und künftigen Generationen ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit ermöglicht und die ökologische Tragfähigkeit der Erde bewahrt werden kann. Für den Zeitraum von 2005 bis 2014 haben die vereinten Nationen die UN- Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz BNE, ausgerufen. Dabei geht es weltweit um die Verbesserung ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Lebensbedingungen. Dabei ist Bildung der Schlüssel für alle Menschen. Wir und unsere Kinder sollen befähigt werden, globale, wie auch lokale Probleme hervorzusehen, sich ihnen zu stellen und sie zu lösen. Das tragende Element ist dabei, das Bewusstsein für den Zusammenhang von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt eine Herausforderung dar, zum einen Bildung für alle Menschen auf der Erde zugänglich zu machen und zum anderen Bewusstheit über das eigene Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. (Vgl. Theorie und Praxis der Sozialpädagogik (TPS), 7/2012) „Frühkindliche Bildungsprozesse sowie die Institutionen und Bedingungen frühkindlicher Bildung haben in den vergangenen Jahren eine stark gestiegene Aufmerksamkeit erfahren. Neben der gestiegenen öffentlichen Wahrnehmung zählt dazu auch ein steigendes Interesse der Universitäten und Fachhochschulen, an denen sich eine zunehmende Zahl von Instituten mit frühkindlicher Bildung beschäftigen, darunter auch solche aus der Hirnforschung und den Wirtschaftswissenschaften. Frühkindliche Bildung ist auch angesichts einer demographischen Entwicklung, in der Kinder einen immer kleineren Teil unserer Gesellschaft ausmachen, zu einer gesellschaftlichen Ressource geworden. Unternehmen investieren zunehmend Projekte zur Förderung frühkindlicher Bildung […]. Manche dieser Projekte zielen explizit darauf, bei Kindern ein Interesse für naturwissenschaftliche oder technische Berufe zu wecken.“ (Pütz, Schweer, Logemann 2013, Seite 144) In Deutschland ist Bildung für nachhaltige Entwicklung als übergreifende Aufgabe für alle Bildungsbereiche formuliert. Die UNESCO- Kommission gibt Empfehlungen für eine Umsetzung von BNE in Kindertageseinrichtungen und knüpft an die Grundlagen der Bildungs- und Erziehungsaufgaben in Kindertagesstätten an. Wie können Kinder bereits im Elementarbereich für nachhaltige Entwicklung sensibilisiert werden? Meine vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Sie beinhaltet theoretische Hintergründe, sowie die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich. Möglichkeiten und Handlungsfelder für die Umsetzung und Kritik an der Programmatik werden aufgezeigt. Ein abschließendes Fazit fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen.

1. Die UN- Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

„1992 verabschiedete die Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro die Agenda 21, ein politisches Aktionsprogramm, in dem sich 178 Staaten zu einer Politik der nachhaltigen Entwicklung verpflichten. 2002 riefen die Vereinigten Nationen auf dem Weltgipfel Rio+ 10 in Johannesburg für 2005 bis 2014 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aus.“ (Fritz, Schubert, 2014, Seite 7) Die „Deutsche UNESCO- Kommission“ erhielt den Auftrag, die deutschen Aktivitäten zur UN- Dekade zu koordinieren. Ziel ist es, BNE in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, verschiedene Akteure zu vernetzen, das Konzept weiterzuentwickeln und in den unterschiedlichen Bildungsbereichen von der Kita bis zur Hochschule zu etablieren. Geplant ist ein Weltaktionsprogramm, als Fortführung der UN- Dekade. Hierbei soll der Schwerpunkt auf der strukturellen Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen liegen. Folgende Ziele wurden für den Elementarbereich formuliert: Implementierung von BNE in den Bildungsplänen konsequent weiterverfolgen, BNE in die Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte integrieren, Kontakt zu Trägern von Einrichtungen aufnehmen und sie in Netzwerke zu BNE einbinden, sowie die Förderung von Projekten und Strukturen, die eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ermöglichen. Die deutsche Bundesregierung hat sich bereits für das Weltaktionsprogramm und eine aktive Beteiligung an seiner Umsetzung ausgesprochen. (Vgl.Fritz, Schubert, 2014, Seite 7)

2. Nachhaltige Entwicklung

„Die ursprüngliche Definition des Begriffs Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft: „Nachhaltigkeit der Nutzung“ bezeichnet hier die Bewirtschaftung eines Waldes, bei der immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann. David Munro, Generaldirektor der Internationalen Naturschutzunion, verwendete den Begriff „substainalble development“ erstmals im Jahr 1980. Später fand diese Formulierung den Weg in die Agenda21, der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, und schließlich in die Umweltpolitik als „nachhaltige Entwicklung“.“ (Wolf, 2013, Seite 10) „Hinter dem Begriff Sustainability oder Nachhaltigkeit […] steht die Vorstellung, dass die gegenwärtige Generation ihren Bedarf befriedigen soll, ohne künftige Generationen in ihrer Bedarfsbefriedigung zu beeinträchtigen. Dabei geht es nicht naiv darum, Schnabeltier und Schachtelhalm zu erhalten. Vielmehr basiert der Grundgedanke nachhaltiger Entwicklung auf der Forderung, dass ökonomische, ökologische und soziale Entwicklungen nicht voneinander getrennt oder gegeneinander ausgespielt werden dürfen.“ (Fischer, Kehnen 2002, Seite 4) Dies ist auch im Drei- Säulen- Modell der nachhaltigen Entwicklung veranschaulicht. Es zeigt, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Ökonomische Nachhaltigkeit steht dafür, dass eine Gesellschaft wirtschaftlich nicht über ihre Verhältnisse leben sollte, da dies zwangsläufig zu Einbußen für die nachkommenden Generationen führen würde.
- Die Ökologische Nachhaltigkeit orientiert sich am stärksten am ursprünglichen Gedanken, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben.
- Soziale Nachhaltigkeit meint, dass sich ein Staat oder eine Gesellschaft so organisiert sein sollte, dass sich die sozialen Spannungen in Grenzen halten und Konflikte nicht eskalieren, sondern auf friedlichem und zivilem Wege ausgetragen werden können.

Zunehmend plädieren engagierte Fachleute für eine Weiterentwicklung des Drei- Säulen- Modells, weil bei diesem die Ökonomie immer noch dominierend sei. (Vgl. Wolf 2013, Seite 11) Das Modell des ökologischen Fußabdrucks wurde 1994 von Matthias Wackernagel und William Rees entwickelt. Es gibt in Hektar an, wie viel Fläche jemand aufgrund seines Konsumverhalten zur Befriedigung seiner Bedürfnisse benötigt. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion von Kleidung, Nahrung und anderen erforderlichen Dingen beziehungsweise zur Bereitstellung von Energie benötigt werden. Der World Wide Fund of Nature (WWF) veröffentlicht alle zwei Jahre den globalen Umweltbericht „Living Planet Report“. Der Bericht beschreibt die Artenvielfalt, unseren ökologischen Fußabdruck und den Wasserverbrauch. Derzeitiger Stand: Es dauert eineinhalb Jahre, bis unsere Erde die natürlichen Ressourcen ersetzen kann, die wir in einem halben Jahr konsumieren. Wir brauchen also derzeit einen halben Planeten mehr, als wir zur Verfügung haben. Nach heutigem Stand werden wir bis 2030 zwei Planeten für unseren Konsum brauchen, 2050 drei Planeten. (Vgl. Worldwatch Institute 2010, Seite 15- 20) Nachhaltigkeit betrifft das Leben aller Menschen und kann nicht einfach politisch vorgegeben werden. Es liegt in der Ausgestaltung eines jeden einzelnen Menschen in seinem Lebensumfeld. Verwirklicht werden soll dies durch die Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Nationale Aktionsplan der Deutschen UNESCO- Kommission führt Prinzipien auf. Beispielsweise, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung jeden betrifft, es ein andauernder und kontinuierlicher Prozess ist, zur Akzeptanz für Veränderungsprozesse in der Gesellschaft beiträgt, die Lebenswelt der Menschen verbessert, individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunftschancen aufzeigt und die globale Verantwortung fördert. (Vgl. Werner 2010, S. 36 nach Deutsche UNESCO- Kommission 2008)

3. Bildung für nachhaltige Entwicklung

In der Pädagogik sind Bildungsprozesse eng mit der Selbsttätigkeit eines Individuums verbunden. Dabei hat Bildung einen umfassenden Anspruch. Sie integriert Denken und Handeln, Wissenschaft und Kunst. Bildung stellt keine Anhäufung in Wissenserwerb dar, sondern eine Form von „Selbst“- Gestaltung, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, die immer wieder neu ausbalanciert und in der Auseinandersetzung mit kultureller und sozialer Wirklichkeit gewonnen wird. (vgl. Werner 2010, S.14ff.) Bildung wird im Bereich der Frühpädagogik eng mit Selbstbildungsprozessen der Kinder verknüpft. Kinder werden als Künstler und Konstrukteure (Laewen, Andres 2002) und Forscher und Weltenentdecker (Elschenbroich 2001) gesehen. Darüber hinaus rücken zwei Bildungstheorien in der Diskussion um frühkindliche Bildung in den Fokus: die Theorie der Selbstbildung von Gerd E. Schäfer und die Theorie der Ko-Konstruktion und Kompetenzbildung von Wassilos E. Fthenakis. (vgl. Wyrobnik 2010, S. 122-125) Gerd Schäfer formuliert es wie folgt: „Bildung hat, im Gegensatz zum Lernen, etwas mit „ Bildeprozessen “ zu tun: „Ich bilde mir etwas“, d. h. selbst suchen, selber sehen und selbst ordnen lernen.“ (Schäfer 2012, S. 17) Fthenakis meint:„ Ko-Konstruktion als pädagogischer Ansatz heißt, dass Lernen durch Zusammenarbeit stattfindet, also von Fachkräften und Kindern gemeinsam ko-konstruiert wird. Der Schlüssel dieses Ansatzes ist die soziale Interaktion. Die Ko-Konstruktion hat sich aus dem philosophischen Ansatz des Konstruktivismus herausgebildet, nach dem man die Welt interpretieren muss, um sie zu verstehen.“ (Fthenakis 2009, S. 6) Dabei sieht er die Erzieherinnen und Erzieher als Moderatoren der Bildungsprozesse der Kinder. 1998 wurde das Konzept der Gestaltungskompetenz von De Haan und Hardenberg entwickeltet. Dies zielt darauf ab, dass sich Menschen aktiv an der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen wie zum Beispiel den Auswirkungen des Klimawandels, des Wassermangels, der Armut des Aussterben beteiligen zu können. Ziele sind die Persönlichkeitsbildung, der Umgang mit Nicht- Wissen und Komplexität, sowie die Fähigkeiten zum vorsorgenden Handeln, zur Beteiligung, zum vorausschauenden Denken und das Wissen um Zusammenhänge. (Vgl. Fritz, Schubert 2014, Seite 4 und 5) „Das Konzept orientiert sich an Werten des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung wie zum Beispiel Gerechtigkeit und Verantwortung. Es ermöglicht Menschen, sich mit dem Mensch- Natur- Verhältnis auseinanderzusetzen und sich für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu engagieren. Damit dies gelingt, werden sogenannte Schlüsselthemen aufgegriffen wie Energie, Wasser, Ernährung und Mobilität. Also Themen, die heute und in Zukunft von Bedeutung sind und diese, die Ressourcen der Erde betreffen. So entstehen Gelegenheiten, Gestaltungskompetenz zu erweitern, was bedeutet, sich Wissen zu den unterschiedlichen Themenfeldern, aber auch Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen, die für eine lebenswerte Zukunft gebraucht werden.“ (Fritz, Schubert 2014, Seite 5)

4. Bildung für nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich

Nachhaltigkeit ist zu einem Schlüsselthema in der Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und in der Pädagogik geworden. Es ist also kein Wunder, dass dieses Thema in der Schule (Grundschule bis hin zur beruflichen Ausbildung) bereits eine große Rolle spielt. Nun ist es auch im Kindergarten angekommen. Passgenau zur Agenda21 gibt es nun die Kita21.

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Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668511156
ISBN (Buch)
9783668511163
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373817
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,0
Schlagworte
BNE Naturpädagogik Pädagogik Bildung für nachhaltige Entwicklung

Autor

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Titel: Bildung von Kindern im Zuge der nachhaltigen Entwicklung