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Das Tier als pädagogisch-therapeutischer Helfer. Der Einsatz von Pferden in tiergestützten Interventionen bei Kindern und Jugendlichen

Bachelorarbeit 2017 69 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Mensch-Tier-Beziehung
2.1 Erklärungsansätze zur Wirkung der Mensch-Tier-Beziehung
2.1.1 Konzept der Du-Evidenz
2.1.2 Biophilie-Hypothese
2.1.3 Bindungstheorie
2.2 Verhaltensaspekte der Mensch-Tier-Beziehung
2.2.1 Die Anthropomorphisierung
2.3 Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier
2.3.1 Die Interaktion zwischen Mensch und Tier
2.4 Die besondere Beziehung von Kindern zu Tieren
2.4.1 Im Kleinkindalter
2.4.2 Im Grundschulalter
2.4.3 In der Pubertät

3 Tiergestützte Interventionen
3.1 Begriffliche Klärung der Bereiche Tiergestützter Interventionen
3.1.1 Begriffe im anglo-amerikanischen Raum
3.1.1.1 Animal-Assisted Activities (AAA)
3.1.1.1 Animal-Assisted Therapy (AAT)
3.1.2 Begriffe im deutschsprachigen Raum
3.1.2.1 Tiergestützte Aktivität (TG A)
3.1.2.2 Tiergestützte Förderung (TG F)
3.1.2.3 Tiergestützte Pädagogik (TG P)
3.1.2.4 Tiergestützte Therapie (TG T)
3.1.2.5 Resümee Tiergestützter Interventionen im deutschsprachigen Raum
3.2 Interaktionsformen der Tiergestützten Therapie
3.2.1 Organisationsformen der Interaktion
3.2.1.1 Die freie Interaktion
3.2.1.2 Die gelenkte Interaktion
3.2.1.3 Die ritualisierte Interaktion
3.2.2 Funktionsformen der Interaktion
3.3 Einwirkungsbereiche und Fördermöglichkeiten bei Tiergestützter Intervention
3.4 Zielgruppe der Tiergestützten Intervention
3.5 Das Tier im pädagogische-therapeutischen Einsatz
3.5.1 Tierschutz und Tierethik
3.5.2 Warum ist das Pferd so gut geeignet?
3.5.3 Die Auswahl eines geeigneten Pferdes
3.5.4 Die Ausrüstung

4 Der Einsatz von Pferden in unterschiedlichen Praxisfeldern
4.1.1 Die Hippotherapie
4.1.2 Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd
4.1.2.1 Heilpädagogisches Voltigieren
4.1.2.2 Heilpädagogisches Reiten
4.1.3 Ergotherapeutische Behandlungen mit dem Pferd
4.1.4 Der Behindertenreitsport
4.2 Ein Praxisbeispiel

5 Diskussion und Fazit

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In Deutschland sind in jedem dritten Haushalt Haustiere vertreten (Industrieverband Heimtierbedarf, 2016). Der Industrieverband Heimtierbedarf nennt in dieser aktuellen Studie von 2016, dass Heimtiere sogar in 44 % aller Haushalte in Deutschland leben. Dabei lässt sich ein jährlicher Wachstumstrend beobachten. Die Zahl tendiert zu der Hälfte aller Haushalte. Als besonders interessanter Aspekt dieser Studie wurde gleichzeitig gemessen, wie das Verhältnis bei Familien mit Kindern beeinflusst wird. Die Anwesenheit der Tiere in Familien mit Kindern, im Vergleich zu Tieren in Familien ohne Kinder, steigt auf 61 % sehr signifikant an.

Dieser Wachstumstrend spiegelt sich auch bei der Präsenz von Tieren im pädagogischen und therapeutischen Einsatz wieder (Buchner-Fuchs & Rose, 2012, S. 12-13). In Einrichtungen und Projekten werden Tiere immer beliebter. Ebenso steigt die Zahl der gezielt durchgeführten Tiergestützten Interventionen. Diese Tendenz bringt die Frage mit sich, inwieweit Menschen, schwerpunktmäßig Kinder und Jugendliche, Nutzen aus dem Umgang mit Tieren ziehen können, aber ebenso welche Risiken oder Grenzen damit verbunden sind.

Um dieser Frage wissenschaftlich nachzugehen, muss vorrangig die Mensch-Tier-Beziehung analysiert werden. Um zu zeigen, dass Kinder enge Beziehungen zu Tieren eingehen können, welche auf rätselhafte Weise einen heilenden Einfluss auf sie haben, wird an dieser Stelle ein Fallbeispiel (Julius, Beetz, Kotrschal, Turner & Uvnäs-Moberg, 2014, S.13) vorgestellt, von denen es unzählige ähnliche Berichte gibt:

- Tim, ein siebenjähriger Junge

Tim verlor beide Elternteile, nachdem sie eine Überdosis Heroin genommen hatten. Nach dem Tode der Eltern lebte Tim in einem Heim. Zur Behandlung seines schweren Traumas begann er eine spieltherapeutische Behandlung. In den ersten beiden Monaten zog er sich innerhalb dieser Therapie vollkommen zurück. Er war in der Lage über das Geschehene zu sprechen, konnte allerdings keinerlei Emotionen zeigen. Als der Hund des Therapeuten in einer Therapie anwesend war, veränderte sich alles. Der Hund begrüßte Tim freudig und dieser änderte schlagartig sein Verhalten. Tim streichelte den Hund und umarmte ihn. Er bat den Therapeuten von sich aus, den Hund zur nächsten Sitzung erneut mitzubringen. Immer wieder streichelte Tim den Hund und nahm ihn in den Arm. Als der Hund in einer Sitzung anfing ihm die Wange zu lecken, fing der Junge an zu weinen. Er nahm den Hund erneut in den Arm und weint eine halbe Stunde. In dieser Zeit erzählte er dem Hund alles über den Tod seiner Eltern. In den weiteren Sitzungen gelang es dem Therapeuten daran anzuknüpfen und eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Jungen aufzubauen. Diese Beziehung gab dem Jungen die nötige Sicherheit, die Trauer um den Verlust seiner Eltern wahrnehmen zu können und letztendlich auch zu verarbeiten.

Wie so oft in der Tiergestützten Intervention, ist dies ein sehr emotionales Beispiel. Es ist für den Leser eindeutig, dass der Hund, bzw. die Beziehung zu dem Hund dem Jungen zu dem Durchbruch verholfen hat. Aber wie diese Beziehung funktioniert und warum sie so heilsam ist, geht daraus nicht hervor.

Genau daran knüpft diese Arbeit an. Die Mensch-Tier-Beziehung soll großflächig beleuchtet werden, indem zunächst ihre verschiedenen Erklärungsansätze vorgestellt werden. Anschließend werden die Verhaltensaspekte der Mensch-Tier-Beziehung analysiert, hierbei liegt der Fokus auf der Kommunikation.

Als spezifische Zielgruppe innerhalb dieser Arbeit, wurden Kinder und Jugendliche ausgewählt. Um dem gerecht zu werden, wird die besondere Beziehung von Kindern zu Tieren herausgearbeitet. Die Zielgruppe wird unterteilt in Kleinkindalter, Grundschulalter und Pubertät.

Um den Einfluss der Mensch-Tier-Beziehung auf konkrete Tiergestützte Interventionen wissenschaftlich untersuchen zu können, wird im nächsten Teil die Begrifflichkeit der Tiergestützten Intervention näher beschrieben. Da in Deutschland noch keine allgemein anerkannte Begrifflichkeit herrscht, werden die eindeutigeren Begriffe aus dem anglo- amerikanischen Bereich mit aufgenommen. Das Kapitel bezieht auch die Interaktionsformen der Tiergestützten Intervention, sowie deren Zielgruppe und die dafür geeigneten Tiere mit ein. Da wir die Tiere für den therapeutischen Zweck „ausnutzen“ wird an dieser Stelle ein kleiner Einblick in das sehr wichtige Thema Tierschutz und Tierethik gewährt.

Diese Arbeit möchte mit ihren Forschungen und Ergebnissen nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern einen tieferen Einblick gewährleisten. Daher wird in dem begrenzten Rahmen, nach der Nennung möglicher Therapiebegleittiere, lediglich das Pferd als Medium der Tiergestützten Intervention weiter erforscht.

Dazu wird in dem letzten theoretischen Teil der Einsatz des Pferdes in unterschiedlichen Praxisfeldern vorgestellt. Genannt werden innerhalb des therapeutischen Reitens vier große Felder, der Fokus wird allerding auf der Heilpädagogischen Förderung liegen. Zur besseren Differenzierung wird die Hippotherapie, eine der drei anderen Bereiche, auch ein wenig beleuchtet.

Abschließend werden in einer Diskussion die, auf der Grundlage der Mensch-Tier­Beziehung, durch das Tier entstehenden Möglichkeiten und existierenden Grenzen reflektiert.

Vor Beginn sei hier noch erwähnt, dass Tiere oft in Abschlussarbeiten aus dem sozialen Bereich integriert sind. Viele warnen aber davor, dass eine schwierige Literaturlage herrscht, die die Studierenden auf Abwege führen kann (Buchner-Fuchs & Rose, 2012, S. 11). Spies (2012, S. 115) gibt zudem zu bedenken, dass solche Abschlussarbeiten häufig zu unbefriedigenden Ergebnissen führen.

Womöglich scheint einiges das Verfassen einer Bachelorarbeit in diesem Bereich daher als zu gewagt.

Vorweg soll aus diesem Grund hier angemerkt sein, dass diese Arbeit keine Anleitung oder Leitfaden darstellt. Ziel dieser Arbeit ist es vielmehr, die positive Einwirkung der Tiere auf Kinder und Jugendliche, auf Basis der Mensch-Tier-Beziehung aufzuzeigen, die aktuelle Situation zu beschreiben und die Ergebnisse abschließend kritisch zu diskutieren.

2 Die Mensch-Tier-Beziehung

Die Forschung beginnt mit der Fragestellung, aus welchen Gründen Menschen eine Beziehung zu einem Tier suchen und aufbauen, obwohl sie diese auch mit einem Mitmenschen erlangen könnten. Otterstedt (2001, S. 17) erklärt: „Der Mensch scheint instinktiv den Kontakt zu einem Lebewesen zu suchen, welches allein durch sein Dasein auf ihn beruhigend, versöhnlich wirkt“.

Mark Twain formulierte bereits im 19. Jahrhundert die treffende Lebensweisheit „Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht“.

Als weiteren Vorteil der Mensch-Tier-Beziehung beschreibt Familienpädagogin Virginia Satir (2002) den Nutzen, den der Umgang mit Tiere mit sich bringt:

„Tiere bewerten nicht, Tiere lehren nonverbale (analoge) Kommunikation, sprechen eine „ehrlichere“ Sprache, bei der Ausdruck und das, was gemeint ist, einander entsprechen. Sie sprechen die uralte Sprache, die unsere Mutter schon mit uns gesprochen hat. Es ist die Sprache der Liebe, der Trauer, des Kampfes, der Wut. Sie folgt nicht Regeln von Syntax, Logik oder Grammatik, sondern drückt Empfinden für den anderen verstehbar aus. Es ist die Sprache der Beziehung“ (Satir, 2002, zitiert nach Pottmann-Knapp, 2013, S. 5).

Allerdings ist die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Laufe der Zeit teils sehr unbeständig und kontrastreich. Von Körner (1996, S. 32) wird ihre Geschichte passend beschrieben: „Sie bewegt sich zwischen diesen beiden Polen: der Verwendung, der Kontrolle einerseits und der Sehnsucht nach dem 'Bruder-Tier', der Hingabe andererseits“.

Bergler (2009, S. 21) beschreibt in seinem Werk, dass die Erforschung der Beziehungen zwischen dem Menschen und seinen Heimtieren mit Einzelfallstudien begann. Auch heute gibt es noch keine eindeutige Theorie, da noch ein beachtliches Defizit an einer systematischen, empirischen Forschung der Zusammenhänge besteht.

Der Begriff Mensch-Tier-Beziehung wird gerne durch den der Mensch-Tier-Interkation ersetzt, dadurch soll die Aktivität innerhalb der Intervention betont werden und gleichzeitig das Beziehungsdilemma umgangen werden (Zink, 2004, S. 24-26).

In der Literatur lassen sich viele Hinweise finden, dass Tiere einen positiven oder gar heilenden Einfluss haben können. Verschiedene Erklärungsansätze versuchen diesen Einfluss zu untermauern. Einen spezifischen Grund oder ein allerklärendes Modell lässt sich nicht herausarbeiten. Keines der Modelle kann eigenständig die besondere Wirkung der Tiere auf den Menschen erklären, sondern lediglich Teilaspekte dieser Beziehung beleuchten. Es gibt Modelle, die sich auf die direkte Wirkung von Tieren auf den Menschen beziehen. Diese zeigen auf, warum ein Tier dem Menschen unmittelbar gut tun kann. Andere veranschaulichen warum Tiere auch einen indirekten Effekt haben.

Beispielsweise können Tiere uns den Kontakt zu anderen Menschen erleichtern. In diesem Fall ist zwar möglicherweise die Interaktion mit dem anderen Menschen das Heilsame, das Tier ebnet uns aber (indirekt) den Weg dorthin (Germann-Tillmann, Merklin & Stamm Näf, 2014, S. 25).

2.1 Erklärungsansätze zur Wirkung der Mensch-Tier-Beziehung

Um diese besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier zu verstehen, gibt es bereits viele unterschiedliche Erklärungsansätze aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen. Um die Untersuchung nicht nur auf einem Ansatz basieren zu lassen, werden im Folgenden drei dieser wissenschaftlichen Erklärungsansätze zur Entstehung der Mensch-Tier-Beziehung, bezugnehmend auf die Möglichkeiten Tiergestützter Interventionen, vorgestellt. Ziel ist, zu verstehen, wie Tiere auf das Wohlbefinden der Menschen Einfluss nehmen, oder warum sie in der Lage sind Pädagogen und Therapeuten zu unterstützen und somit auch dem Patienten helfen seine Probleme zu bewältigen. Die Ansätze ergänzen sich teilweise, können sich aber auch gegenseitig ausschließen. Letztendlich entsteht aber ein Bild dessen, was die Beziehung zwischen Mensch und Tier ausmacht und warum sie so heilsam ist.

2.1.1 Konzept der Du-Evidenz

Mit der Du-Evidenz bezeichnen Greiffenhagen und Buck-Werner „die Tatsache, dass zwischen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, die denen entsprechen, die Menschen unter sich bzw. Tiere unter sich kennen“ (Greiffenhagen & Buck-Werner, 2011, S. 22).

Die Du-Evidenz ist von großer Bedeutung für die Mensch-Tier-Beziehung, denn ohne sie kann keine erfolgreiche Tiergestützte Intervention stattfinden. Die Du-Evidenz zwischen Mensch und Tier lässt eine noch tiefergreifendere Beziehung zu, als die zwischen Tier-Tier oder Mensch-Mensch (Bachmann, 2016, S. 16).

Gotthart Teutsch (1987, S. 40) erklärt in seinem Lexikon der Tierschutzethik die Du-Evidenz folgendermaßen: „Die Du Evidenz bedeutet, dass einem Lebewesen ein zunächst beliebiges Wesen durch intensive Begegnung zum individuellen, unverwechselbaren und insofern auch unersetzlichen Partner wird“.

Für Greiffenhagen (2007, S. 24) bildet die Du-Evidenz

„die unumgängliche Vorrausetzungen dafür, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch helfen können. Dabei reicht die Breite der durch die Du-Evidenz nahegelegten Zuwendung von Betrachten und Füttern der Aquarienfische bis zu einer Partnerschaft, welche kaum noch Unterschiede zu zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen lässt“.

Diese starke Ähnlichkeit zu zwischenmenschlichen Beziehungen findet sich besonders oft bei der Kind-Tier-Beziehung. Das Kind scheint dem Tier aus verschiedenen Gründen näher zu sein als der Erwachsene. Als möglichen Ursprung unterteilt Helmut Schelsky die Erkenntnis des Menschen in die Ich-Subjektivität und die Du-Subjektivität. Nietzsche (o.J. zitiert nach Greiffenhagen & Buck-Werner) wies darauf hin, dass das Du früher ist als das Ich: „Bevor das Kind sich selbst kennt als ein Ich, versteht es die Mutter und bald auch den Hund als ein Du“. Daher sind Kinder aufgeschlossener für Du-Evidenzen als Erwachsene (Greiffenhagen & Buck-Werner, 2007, S. 24).

Saint-Exupery (2000, S. 56) umschreibt in seinem Werk "Der kleine Prinz" diesen Prozess leicht verständlich:

„Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge[...]. Ich bin für dich nur ein Fuchs[...]. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt".

Dem zufolge wird die Du-Evidenz durch eine Interaktion aufgebaut. Sie bildet die unabdingbare Basis für die pädagogisch-therapeutische heilende Wirkung von Tieren auf den Menschen (Greiffenhagen, 1991, S. 28).

Die Mensch-Tier-Beziehung kann sich am besten entfalten, wenn Mensch und Tier sich in Hinblick auf den körpersprachlichen Ausdruck, Beweggründen und Empfindungen sowie bei spezifischen Bedürfnissen (bspw. Bedürfnis nach Nähe, Bewegung, Kommunikation oder Interaktion) stark ähneln. Auf dieser Basis kann man sich gegenseitig als „Du“ wahrnehmen und so eine Beziehung miteinander aufbauen (Vernooij, Schneider, 2013, S. 8).

2.1.2 Biophilie-Hypothese

Im vorangegangen Abschnitt wurde durch die Du-Evidenz die Bezogenheit der Menschen auf das individuelle Tier beschrieben. Die Biophilie-Hypotese erläutert als Grundlage dafür die natürliche Verbundenheit zwischen Mensch und Tier.

Die Hypothese der Biophilie geht davon aus, dass Menschen seit Millionen von Jahren eine tiefe, innere und biologisch begründete Verbundenheit mit der Natur und den dort beheimateten Lebewesen haben (Vernooji & Schneider, 2008, S. 4).

Das Konzept der Biophilie wurde erstmals 1984 von dem Verhaltensbiologen und Begründer der Soziologie Edward O. Wilson entwickelt.

In seinem Werk „Biophilia and the Conservation Ethic“ beschreibt er sie wie folgt:

„Biophilia, if it exists, and I believe it exists, is the innately emotional affiliation of human beings to other living organisms. Innate means hereditary and hence part of ultimate human nature.[...] Biophilia is not a single instinct but a complex of learning rules that can be teased apart and analyzed individually” (Wilson 1993, p. 31).

Wilson hält die Biophilie also für eine vererbte emotionale Affinität/Zugehörigkeit zu anderen lebenden Organismen. Er behauptet, dass angeboren in diesem Fall als erblich anzusehen ist und die Biophilie daher als Teil der menschlichen Natur betrachtet wird. Dabei ist sie nicht als einzelner Instinkt sondern vielmehr als ein komplexes Regelsystem zu verstehen (Wilson 1993, p. 31).

2.1.3 Bindungstheorie

Zuvor wurde die Bezogenheit des Menschen auf das Tier, sowie die Verbundenheit zu dem Tier erläutert. In diesem Abschnitt stellt sich die Frage, ob die Mensch-Tier-Beziehung möglich ist und welche Perspektiven sie im pädagogisch-therapeutischen Kontext mit sich bringt.

Die Bindungstheorie wurde von dem britischen Kinderpsychiater John Bowlby und der kanadischen Psychologin Mary Ainsworth entwickelt (Bowlby, 1977, S. 421-431).

Psychologin Andrea Beetz (2003) versucht Aspekte der Bindungstheorie zur Erklärung der Mensch-Tier-Beziehung zu nutzen. Bevor nun die Möglichkeit der Bindung zwischen Mensch und Tier erforscht wird, werden vorerst grundlegende Erkenntnisse zu Bindungen aus der Humanpsychologie erläutert.

Mit dem Begriff der Bindung wird die Neigung eines Kleinkindes beschrieben, die Nähe zu bestimmten Personen zu suchen und sich in deren Gegenwart sicherer zu fühlen (Smith, Nolen-Hoeksema, Fredrickson & Loftus, 2007, S. 117).

Nach Rauh (2002, S. 201) besagt das Konzept der Bindungstheorie, „dass die frühen sozial­emotionalen Interaktionsverfahren eine Erwartungsfolie oder ein Erwartungsmodell für künftige Beziehungen zu möglichen Vertrauenspersonen bilden. Dieses anfängliche Arbeitsmodell reichert sich im Verlauf der Entwicklung des Kindes an; bei bedeutsamen emotionalen Erfahrungen kann es sich verändern“.

Beetz (2003, S. 81) überträgt die Bindungstheorie auf die Mensch-Tier-Beziehung und behauptet zum einem, dass Tiere und Menschen gegenseitige Bindungsobjekte darstellen und zum anderen, dass der Mensch positive Bindungserfahrungen mit einem Tier auf soziale Situationen mit seinen Mitmenschen übertragen kann. Folglich könnte in der Mensch-Tier­Beziehung ein bisher kaum erkanntes Potential für Bindungserfahrungen liegen. Mit dessen Wirkung könnte man, insbesondere bei Kindern, ungünstige Bindungsmuster durchdringen bzw. neu formen.

Beetz (2003, S. 76-84) vertritt die Thesis, dass auch Tiere Bindungspartner für Menschen darstellen können. Sie folgert, dass Kinder in der Lage sind, die mit einem Tier erlebten, positiven Bindungserfahrungen, auf zwischenmenschliche Begenungen zu übertragen. Für Kinder mit schlechten Bindungserfahrungen, die kein Vertrauen mehr aufbauen können, bieten Tiere eine intensive alternative Beziehung. Durch das positive Erleben einer funktionalen Beziehung mit dem Tier, werden Kinder dazu angeregt, sich auch Mitmenschen gegenüber zu öffnen.

Mit ihren Schlussfolgerungen aus der Bindungstheorie erklärt Beetz also nicht wie bei den vorangegangen Konzepten der Du-Evidenz und Biophilie die natürliche Verbundenheit des Menschen zur Natur, eher ergänzt sie diese Ansätze. Ihre Bindungstheorie kann als Basis, zur Erklärung dieser Verbundenheit, betrachtet werden. Hieraus ergibt sich, auf Basis der Mensch-Tier-Beziehung, ein gewiss sehr vielversprechender Ansatz für die Tiergestützte Intervention.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass insbesondere Kinder und Jugendliche mit ungünstigen Bindungsmustern durch die Mensch-Tier-Beziehung eine gute Basis für ein neues Arbeitsmodell haben. Die positiven neuen Bindungserfahrungen durch das Medium Tier können sie auf die Interkation mit anderen Menschen übertragen.

2.2 Verhaltensaspekte der Mensch-Tier-Beziehung

Die Mensch-Tier-Beziehung umfasst durch ihre Komplexität eine Vielzahl von Verhaltensaspekten. Vernooij und Schneider (2013, S. 14) haben aus der umfangreichen Literatur die drei Wesentlichen herauskristallisiert. Es sind die Aspekte der Anthropomorphisierung, Kommunikation und Interaktion. Im Folgenden werden diese drei hintereinander vorgestellt.

2.2.1 Die Anthropomorphisierung

Die Anthropomorphisierung stellt das wohl bekannteste Phänomen der Mensch-Tier­Beziehung dar. Es ist die Neigung des Menschen, Tiere wie zu Menschen behandeln. Die Anthropomorphisierung wird besonders häufig bei Haustieren entdeckt. Haustiere erhalten nicht nur ihren eigenen Namen, ihnen werden auch menschliche Gefühle und Eigenschaften zugeschrieben. Demzufolge spricht der Mensch mit seinem Tier, fühlt sich mit ihm so sehr verbunden wie mit seinen Mitmenschen und betrauert seinen Tod ebenso sehr (Vernooij, Schneider, 2013, S.14).

„Die Anthropomorphisierung des Tieres durch den Menschen ist unmittelbarer Ausdruck der allen höher entwickelten Säugetieren eigenen Fähigkeit zur Übertragung des eigenen Körperschemas auf Vertreter einer anderen Art, begleitet von rudimentären, motorischen Nachahmungsprozessen“ (Brockmann, 2002, S. 140).

Brockmann (2002) schreibt, diesem Zitat zufolge, auch Tieren diese Fähigkeit zu. In der Literatur lassen sich sowohl positive als auch negative Meinungen über die Anthropomorphisierung finden. Positiv wird sie betrachtet als Grundlage für den Beziehungsaufbau zwischen Mensch und Tier, sowie zur Entwicklung des erforderlichen Einfühlungsvermögens (Vernooij, Schneider, 2013, S. 15).

Auch Renfordt (2002, S. 149) beschreibt die Wirkung der Anthropomorphisierung, bzw. des daraus entstehenden Denken und Handels als positiv für Kind und Tier:

„Sollte es sich bei der Tendenz des Menschen - besondere des Kindes - zur Anthropomorphisierung von Tieren um einen Fehler handeln, so wäre es in jedem Fall ein guter Fehler. Einmal liegt er im objektiven Interesse des Tieres, zum anderen im Interesse der psychischen Entwicklung des Kindes, die dadurch potentiell um eine weitere soziale Beziehung bereichert wird.“

Die Anthropomorphisierung ist von großer Bedeutung innerhalb der Tiergestützten Intervention, und sollte insbesondere in der Tiergestützten Pädagogik sowie in der Tiergestützten Therapie genutzt werden. Die kritischen Stimmen bezogen auf die Anthropomorphisierung warnen jedoch vor einer hemmungslosen Vermenschlichung der Tiere, welche zur Missachtung ihrer Bedürfnisse führen kann (Vernooij & Schneider, 2013, S. 15).

Laut Russel (1956, S. 29) kann die Anthropomorphisierung zu einer bedrohlich niedrigen Hemmschwelle in Umgang mit dem Tier führen. Zuschreibungen von gefährlichen oder unerwünschten menschenähnlichen Eigenschaften des Tieres, können zur Legitimation führen, das Tier zu töten: „In diesem Zusammenhang wird das Tier häufig zur Projektion unserer eigenen dunklen Motive und Begierden, zum Symbol der Bestie, die drohend im Dickicht der menschlichen Psyche lauert“.

2.3 Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier

Die Kommunikation ist ein solch wichtiger Bestandteil der Mensch-Tier-Beziehung, dass sie ausführlicher betrachtet werden muss und daher im Folgenden besondere Beachtung findet.

Rosenbusch und Schober (1994, S.16 ff.) formulieren: „Allgemein ist unter Kommunikation eine gerichtete Informationsübertragung und damit ein Einfluss von einem Sender-System auf ein Empfänger-System zu verstehen“, sowie „als kommunikativ wird Verhalten bezeichnet, das vom Sender eindeutig beabsichtigt gezeigt wird, um eine spezifische Botschaft an den Empfänger zu übermitteln“.

In der Kommunikation lässt sich zwischen verbaler und non-verbaler Kommunikation unterscheiden (Vernooij, 2004, S. 12): „Während die verbale Kommunikation Informationen vorwiegend auf der Sach- bzw. Inhaltsebene vermittelt, spricht die nonverbale Kommunikation eher die subjektiv-emotionale, die Beziehungsebene an.“

Vernooij und Schneider bestätigen (2013, S. 17): „Die Kommunikation zwischen zwei Lebewesen, bei denen eine gedanklich geordnete Weitergabe von Sachinhalten nicht wechselseitig möglich ist, ist weitgehend auf den Beziehungsaspekt verwiesen“.

Nonverbale Kommunikation meint Signale die in der zwischenmenschlichen Sprache als sprachbegleitende Signale bezeichnet werden. Eine Auflistung der nonverbalen Signale (Tabelle 1) in verschiedenen Unterteilungen zeigt, wie vielfältig die nonverbale Kommunikation sein kann (Vernooij & Schneider, 2013, S. 16).

Tabelle 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Differenzierte Auflistung nonverbaler Kommunikation (Vernooij & Schneider, 2013, S. 16)

Prothmann (2008, S. 38): „Erst durch nonverbale Signale machen wir dem Gegenüber ob gewollt oder ungewollt klar, wie eine verbal vermittelte Information zu verstehen ist. Wir regulieren über nonverbale Kommunikation Beziehungen und klären unsere Positionen“.

Sowohl die innerartliche, als auch die zwischenartliche Kommunikation haben einen großen Stellenwert bei der Pädagogik und Therapie mit Tieren. Nur, wenn wir in der Lage sind die Sprache eines Tieres zu verstehen, kann eine Aktion und ein Dialog zwischen Mensch und Tier entstehen (Otterstedt, 2007, S. 38-39).

Vernooij und Schneider (2013, S. 17-18) kommen zu dem Schluss, dass Tiere zwar nicht sprachlich mit Menschen kommunizieren können, jedoch trotz fehlender verbaler Kommunikation ein Informationsaustausch stattfindet. Das heißt Mensch und Tier sind fähig sich miteinander zu verständigen, es gelingt ihnen Informationen auszutauschen. Dieser Austausch von Informationen ist nicht an ein Sprachsystem gebunden, sondern gelingt über nonverbale Systeme, wie bestimmte Zeichen und Signale. Die These, dass Tiere fähig sind auch aus der Lautsprache des Menschen Informationen erschließen können und darauf mit ihren nonverbalen Ausdrucksweisen reagieren, ist allgemein anerkannt.

Geht man tiefer auf die Aspekte der Kommunikation ein, so stellt Paul Watzlawick (1969) einen der bedeutendsten Forscher der Kommunikation dar. Er war Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Soziologe, Philosoph und Autor. Er stellte fünf Grundregeln (pragmatische Axiome) der menschlichen Kommunikation auf, von denen sich drei auch für die Kommunikation zwischen Mensch und Tier eignen. Diese drei Regeln formuliert er wie folgt (Watzlawick, Beavin & Jackson, 1969, S.50-51):

1. Man kann nicht nicht kommunizieren
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
3. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Die Hauptaussagen dieser drei Regeln werden im Folgenden kurz präsentiert.

- Man kann nicht nicht kommunizieren

Es spielt keine Rolle, ob man sich verbal äußert oder schweigt, durch das non-verbale Verhalten wird immer etwas mitgeteilt. Diese Tatsache macht sich beim Umgang mit höheren Tieren (z.B. Pferd und Hund) nützlich, auch hier werden wechselseitig non-verbale Informationen mitgeteilt (Vernooij & Schneider, S. 17).

Olbrich (2003, S.84-85) schildert, dass Tiere und Menschen anscheinend von der jeweils anderen Sprache genug verstehen, um eine gemeinsame Bindung eingehen zu können.

Dieser Grundsatz formt die Basis der gelingenden Mensch-Tier-Beziehung Watzlawick et al. (1969, S. 51) formulieren:

„Man kann sich nicht nicht verhalten. Wenn man also akzeptiert, dass alles Verhalten [...] Mitteilungscharakter hat, das heißt Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man [...] nicht nicht kommunizieren kann. Handeln oder nichthandeln, Worte oder Schweigen haben Mitteilungscharakter. Sie beeinflussen andere und diese können ihrerseits nicht nicht aus diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst“.

So hat jedes Verhalten einen Mitteilungscharakter. Dadurch, dass es unmöglich ist nicht zu kommunizieren und jeder Mensch auf seine eigene Art und Weise kommuniziert, bildet die Kommunikation einen wichtigen Faktor der Mensch-Tier-Beziehung als Grundlage für den pädagogisch-therapeutischen Einsatz von Tieren.

- Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Watzlawick et al. (1969, S. 53) kommen zu dem Ergebnis, dass jede Kommunikation, unabhängig von ihrer Form, einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt beinhaltet. „Der Inhaltsaspekt vermittelt die 'Daten', der Beziehungsaspekt weist an, wie diese Daten aufzufassen sind“ (Watzlawick et al., 1969, S. 55).

Bei der Kommunikation zwischen zwei Lebewesen (Mensch und Tier), ist kein wechselseitiger, gedanklich strukturierter Austausch der Sachinhalte möglich. Hier läuft die Kommunikation weitgehend über den Beziehungsaspekt. Über ein Signalsystem werden bei der Kommunikation Mensch-Tier neben den Beziehungsaspekt auch einfache Formen der Sachinformation vermittelt. Tiere, insbesondere Pferde, Hunde und Katzen lernen, diese Signale äußerst sensibel wahrzunehmen und darauf zu ragieren (Schneider & Vernooij, 2013,S. 17-18).

Körner (1996, S. 121) beschreibt:

„Tiere nähren die Illusion von einer quasi menschlichen Kommunikation. Die äußerst präzisen Wahrnehmungen des Hundes, der die feinsten Signale für sich auswerten, der Stimmungen sensibel wahrnimmt und mikroskopische Bewegungen erkennt, wecken zuweilen die Hoffnung auf eine genaue sprachlose Verständigung, wie sie nicht einmal unter Menschen vorkommt“.

Diese Gegebenheit macht die Kommunikation so wichtig für diese Ausarbeitung. Innerhalb des pädagogisch-therapeutischen Einsatzes von Pferden erleichtert sie den Kontaktaufbau. Das Kind wird durch die feinfühligen Reaktionen des Pferdes ermutig, sich auf das Pferd einzulassen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

- Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Die Zeichen- und Signalsysteme innerhalb der Beziehungsebene verleiten zu einer weiteren Differenzierung. Es wird zwischen der analogen und der digitalen Kommunikation unterschieden. Die digitale Kommunikation kann nur stattfinden wenn alle Teilnehmer dieselbe Sprache beherrschen, bzw. dasselbe Verständnis von Wörtern und Symbolen vorliegt. Die analoge Kommunikation hingegen ist überall und mit allen Lebewesen möglich. In der Regel wird die analoge Form immer richtig verstanden, auch zwischen Mensch und Tier. Sie bedient sich unterschiedlicher nonverbaler Ausdrucksmittel, wie Gestik, Mimik, Körperhaltung und -bewegung, Stimmmodulation, Berührungen, sowie Geschmack und Geruch (Vernooij, Schneider, 2013, S. 18-19).

Watzlawick et al. (1969, S. 63) sprechen von der Existenz eines weiten Gebietes, „auf dem wir uns fast ausschließlich der analogen Kommunikation bedienen, die wir von unseren tierischen Vorfahren übernommen haben. Dies ist das Gebiet der Beziehungen“. Die digitale Kommunikation erscheint Watzlawick et al. (1969, S. 64) in Hinblick auf den Beziehungsaspekt fast bedeutungslos. Die analoge Kommunikation wirkt ehrlicher und aufrichtiger: „Es ist leicht, etwas mit Worten zu beteuern, aber schwer, eine Unaufrichtigkeit auch analogisch glaubhaft zu kommunizieren. Eine Geste oder eine Miene sagt mehr darüber, wie ein anderer über uns denkt, als hundert Worte“ (Watzlawick, et al., 1969, S. 64).

Menschen und Tier kommunizieren folglich miteinander über die analoge Kommunikation. Das Pferd deutet zwar einen Teil der verbalen Sachinformation, reagiert aber im Wesentlichen auf den nonverbalen Anteil der Kommunikation. Dabei ist davon auszugehen, dass Tiere nicht das Wort an sich, oder dessen Bedeutung verstehen, sondern vielmehr auf jedes noch so kleine analoge Signal (Veränderung von Tonfall, Stimmmodulation, Lautstärke, Gestik und Mimik oder Körperhaltung) reagieren (Vernooij, Schneider, 2013, S. 20).

„Was das Tier versteht, ist offensichtlich nicht die Bedeutung der Worte, sondern die zahlreichen Analogiekommunikationen, die im Ton der Sprache und der sie begleitenden Gestik enthalten sind“ (Watzlawick et al., 1969, S. 64).

Da Tiere nicht werten oder Vorurteile haben, sondern sich über analoge Kommunikation ehrlich äußern, empfinden Menschen die Kontaktaufnahme oder die damit verbundene Kommunikation mit Tieren als leichter und gleichzeitig heilsam. Die Tiere geben dem Menschen die Chance, sich so zu zeigen wir er wirklich ist, dadurch kann er seine Gefühle zulassen und offen zeigen. Nur so kann sich nach und nach eine vertrauensvolle Mensch­Tier-Beziehung aufbauen. Innerhalb einer Tiergestützten Intervention lässt sich diese womöglich auf die Beziehung zwischen Empfänger (bspw. Kind) und den Anbieter (bspw. Pädagoge) übertragen. Das Tier dient hier als Brückenfunktion, welche im späteren Verlauf näher betrachtet wird/beleuchtet wird. Tiere erleichtern somit das pädagogische und therapeutische Arbeiten und die Kommunikation zwischen Mensch und Tier kann folglich als Einstieg für weitere pädagogisch-therapeutische Schritte angesehen werden (Vernooij, Schneider, 2013, S. 21).

2.3.1 Die Interaktion zwischen Mensch und Tier

Bei der Interaktion liegt der Schwerpunkt auf der Handlung, in Form von aufeinander bezogenem Handeln. Dabei meint Interaktion eine Handlung, welche durch Bedürfnisse, Ziele und Wünsche, von sich selbst und anderen, gelenkt ist (Vernooij & Schneider, 2013, S. 22).

Die im Vorfeld beschriebene Kommunikation stellt die wichtigste Form der Interaktion dar, sowohl verbal, als nonverbal. Der verbale Aspekt beinhaltet die „symbolische Interaktion“ oder „digitale Interaktion“, der nonverbale fasst die „Signal-Interkation“ oder „analoge Interaktion“ (Vernooij, Schneider, 2013, S. 22).

Eine Interaktion setzt das Bewusstsein von sich selbst und der Subjektivität des Gegenübers voraus. Vernooij und Schneider (2013, S. 23) erklären:

„Auch wenn Tiere nicht über ein Bewusstsein im Sinne eines gefestigten, dauerhaften Wissens um sich selbst, um Objekte und Prozesse verfügen, so haben sie doch auf den Augenblick bezogene Vorformen des Bewusstseins, die in der Interaktion mit dem Menschen zum Tragen kommen und unter Umständen zur Erweiterung ihres Verhaltensrepertoires führen können. Der Mensch lernt dabei gleichermaßen alternative Formen der Interaktion, die auch für den zwischenmenschlichen Umgang bedeutsam sein bzw. nutzbar gemacht werden können“.

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Details

Seiten
69
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668520769
ISBN (Buch)
9783668520776
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373795
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12 Punkte
Schlagworte
Mensch-Tier-Beziehung Tiergestützte Intervention Pferd Therapeutisches Reiten pädagogisch therapeutisch Einsatz von Pferden Heilpädagogische Förderung

Autor

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Titel: Das Tier als pädagogisch-therapeutischer Helfer. Der Einsatz von Pferden in tiergestützten Interventionen bei Kindern und Jugendlichen