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Friedrich Rochlitz Werkkritik der 3. Sinfonie im Vergleich zu E.T.A. Hoffmanns Besprechung der 5. Sinfonie Beethovens

Rezensionen im Vergleich

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Dritte Sinfonie in Es-Dur Beethovens: Eroica
2.1. Friedrich Rochlitz als Rezensent
2.2. Rezension

3. Die fünfte Sinfonie Beethovens: Opus 67.
3.1. E.T.A. Hoffmann als Rezensent
3.2. Besprechung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei Rezensionen über Werke Beethovens. Beide wurden in der Allgemeinen musikalischen Zeitung abgedruckt. Dabei sollen besonders Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.

Die Arbeit wird anfangs kurz allgemein das Werk beschreiben. Daraufhin wird der Rezensent mit seiner Kritik vorgestellt. Abschließend soll eine Besprechung der Rezension vorliegen. Die gleiche Reihenfolge wird anschließend auch beim zweiten Rezensenten vorgenommen. Daraufhin folgt als Fazit der Vergleich der beiden Veröffentlichungen.

Das erste Werk wird die Dritte Sinfonie in Es-Dur (Eroica) von Beethoven sein, denn für die musikalische Rezensionsgeschichte ist das Werk sehr bedeutend. Kaum ein anderes spaltete die Meinungen der Rezensenten wie diese Sinfonie.

Friedrich Rochlitz hatte durch seine Arbeit bei der Allgemeinen musikalischen Zeitung großen Einfluss auf die zeitgenössische Musikszene. Er gilt als ein wichtiger Meilenstein für die Bekanntheit und Förderung Beethovens.[1] Daher wird seine Rezension der Dritten Sinfonie in dieser Arbeit betrachtet. Einige Zeit nach seiner eigenen Analyse beauftragte Rochlitz E.T.A. Hoffmann damit, eine Besprechung von Beethovens 5. Sinfonie zu schreiben. Auch diese soll zunächst beschrieben und abschließend mit der Rezension von Rochlitz verglichen werden.

Die Allgemeine musikalische Zeitung [2] war die erste Musikzeitschrift, die die Musik als Bildungsgegenstand betrachtete und dies einem breiten Publikum aus Kennern und Musikliebhabern nahezubringen versuchte. Sie hatte ein halbes Jahrhundert großen Erfolg damit und gilt auch heute noch als eine der umfassendsten und wichtigsten Zeitungen der Musikgeschichte. Sie erschien von 1798 bis 1848 wöchentlich.[3]

Ziel der Arbeit soll sein, die Rezensionen zu verstehen, vergleichen und einordnen zu können.

2. Die Dritte Sinfonie in Es-Dur Beethovens:Eroica

Beethoven begann 1802 die Sinfonie Eroica zu schreiben, ihre Veröffentlichung war erst 4 Jahre später. Dieser Abschnitt gilt damit als einer der längsten Zeiträume eines einzelnen Musikstückes von der ersten Idee bis zur Publikation.[4]

Mit der Sinfonie betrat Beethoven seiner Zeit durchaus Neuland. Es ist ein rein instrumentales Werk, welches rund 2000 Takte umfasst und in der Originalversion knapp eine Stunde andauert. Vor der Uraufführung gab es mehrere Probeaufführungen im Palais des Fürsten Franz Joseph von Lobkowitz in Wien, der als einer der bedeutendsten Wiener Musikförderern um 1800 galt. Dies bot Beethoven die Gelegenheit einige Änderungen vorzunehmen. Dass er sich über die Komplexität des Stückes bewusst war, zeigt sein Briefverkehr mit seinem Bruder und Konzerthäusern. Dort empfiehlt er, das Stück am Anfang eines Konzertes spielen zu lassen, wenn das Publikum noch konzentriert ist.[5]

Ursprünglich sollte das Werk Napoleon Bonaparte gewidmet sein. Doch der Beethoven-Schüler Ferdinand Rieß berichtete, wie sein Lehrer 1804 vor seinen Augen das Titelblatt des Werkes zerrissen habe, nachdem er ihm berichtete, dass Napoleon sich zum Kaiser krönte.[6]

Die Französische Revolution und ihre Nachbeben prägten sich stark auf deutsche Künstler um 1800 aus. Sie veränderte unterschiedliche Bereiche des Denkens und auch die Kunstproduktion. Dazu zählt Beethovens Eroica als eines der berühmtesten Werke. 1809 erschien die Partitur unter dem Titel Sinfonia eroica composta per festeggiare il sovvenire di un grand Uomo. Ob mit dem „großen Manne“ immer noch Napoleon gemeint war, ist in der Literatur umstritten. Nachdem er sich zum Kaiser gekrönt hatte, verlor Beethoven die Bewunderung zu ihm. Vermutet wird, dass der deutsche Patriot Prinz Louis Ferdinand von Preußen gemeint sein könne, der im Widerstand gegen den napoleonischen Imperialismus gefallen war.[7]

Die Sinfonie beginnt nach zwei gewaltigen Forteschlägen nicht mit einem periodisch geschlossenen Hauptthema, sondern mit einem einfachen Dreiklangsmotiv in den Celli, das bereits nach wenigen Takten chromatisch abgleitet (vgl. Takt 7). Im weiteren Verlauf der Sinfonie erklingt dieser Grundgedanke in vielen Varianten und wird insbesondere in der Reprise und der umfangreichen Coda immer weiter ausgedehnt und gesteigert. Doch selbst die letzten Formulierungen dieses Gedankens auf dem Höhepunkt der Coda (vgl. T. 631 ff.) bringen in ihrer harmonischen Offenheit keine endgültige Abrundung.[8] Das „fortdauernde, immer steigernde Treiben und Drängen“, das E.T.A Hoffmann in der Rezension zur fünften Sinfonie als ein Wesensmerkmal Beethovens beschreibt, dauert hier bis in die Schlusstakte des Satzes fortlaufend an.

Die Eroica markierte nicht nur bei Beethovens Schaffen einen Wendepunkt, sondern auch in der Rezensionsgeschichte.

2.1. Friedrich Rochlitz als Rezensent

Der Musikschriftsteller Friedrich Rochlitz gehörte zu einem der wichtigsten Wegbereiter Beethovens. Er prägte seine Werke durch Rezensionen und Förderungen im wesentlichen Maße. Hervorzuheben sind auch seine zahlreichen namenhaften Bekanntschaften seiner Zeit, wie beispielsweise Goethe, Schiller und auch E.T.A Hoffmann.

Rochlitz war Literat und Musikschriftsteller in einer überwiegend freiberuflichen Stellung und machte sich durch seine veröffentlichten Werke bereits einen Namen. Bekannt wurde er über Leipzig hinaus 1798 als erster Redakteur der neu gegründeten Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung, die unter den Verlegern Breitkopf und Härtel lief und sich schnell zu der führenden Musikfachzeitschrift etablierte.[9]

Der Redakteur verfolgte bei seinen Rezensionen ein klares Konzept: Die Musik solle zur Wahrung nationaler Identität und zur Hebung der Volksbildung beitragen. Ebenfalls müsse sie neben anderen Künsten und Wissenschaften gleichberechtigt anerkannt werden. Er machte den Gegensatz zwischen klassischem Tiefsinn der deutschen Tondichter und der modischen Ebene italienischer Opernkomponisten von Anfang an zu seinem zentralen Thema. Rochlitz förderte Beethoven sowohl regional als auch überregional und organisierte in großen Teilen den Transfer seines Werkes von Wien nach Leipzig. Die beiden ersten Berichte der Wiener Korrespondenten der AmZ über die Eroica waren eher distanziert und warnten den Hörer vor einer Überforderung.[10]

Rochlitz entwickelte einen klaren Aufbau der abgedruckten Rezensionen in der AmZ: Die Anlage, der Umfang, die Grundhaltung (sachbezogen, verständlich, begründet) und die Zweckbestimmung (prüfen, einordnen, erläutern, anleiten zum richtigen Hören) sollten die Rezensionen möglichst präzise vorzeichnen. Jeder weitere Rezensent hielt sich an diesen Aufbau seiner Kritiken. Für den Leser entstand nun verstärkt ein kritisches Forum, das sich als eine einheitliche und kontinuierliche Beurteilung etablierte.[11]

2.2. Rezension

Die Eroica gehört besonders in der Anfangsphase der Aufführungszeit zu den meist umstrittenen Werken der Rezensionsgeschichte. Der Wiener Korrespondent der AmZ schrieb zu einer halböffentlichen Aufführung:

„Diese lange, für die Ausführung äußerst schwierige Komposition ist eigentlich eine sehr weit ausgeführte, kühne und wilde Phantasie. Es fehlt ihr gar nicht an frappanten und schönen Stellen in denen man den energischen, talentvollen Geist ihres Schöpfers erkennen muß: sehr oft aber scheint sie sie sich ganz ins Regellose zu verlieren […] Referent gehört gewiss zu Herrn van Beethovens aufrichtigsten Verehrern; aber bey dieser Arbeit muss er doch gestehen, des Grellen und Bizarren allzuviel zu finden, wodurch die Übersicht äusserst erschwert wird und die Einheit beynahe ganz verloren geht.“[12]

Rochlitz beschrieb bereits die erste Sinfonie Beethovens als eine „geistreiche, kräftige, originelle und schwierige Sinfonie.“[13] Ob ihm da schon klar war, dass er einmal einer der größten Bewunderer und Wegbereiter Beethovens wird? Zum Teil wahrscheinlich schon, denn die Menge an lobenden Adjektiven ist bei Rochlitz Rezensionen eher eine Ausnahme und sicher nicht zufällig.

Auch in der Rezension über die zweite Sinfonie berichtete Rochlitz von einem kolossalen Werk und lobte die Tiefe und Schwierigkeit des Stückes. Anders war es bei der dritten Sinfonie, die Eroica. Hier wurde schon die erste Aufführung sorgfältig vorbereitet und das Publikum bereits orientiert. Rochlitz besorgte aus Wien eine handgeschriebene Partitur und bereitete die Aufführung in Leipzig sehr gewissenhaft vor. Dies war in der damaligen Zeit außergewöhnlich, denn eine Sinfonie galt als eine einfache Sinfonie und nichts weiter. Dass Rochlitz sich sehr um sie bemühte, erschien doch mehr als ungewöhnlich.[14] Somit ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die ersten Beschreibungen von Aufführungen der Eroica auf Rochlitz Initiative geschrieben wurden. Der Leipziger Berichterstatter der AmZ schrieb:

„Ein solches Werk macht eine besondere Zurüstung von Seiten des Orchesters, so wie einige Vorkehrungen in Absicht auf ein gemischtes Publikum nöthig, wenn ihm bey der Ausführung und Aufnahme, sein volles Recht wiederfahren soll; und an beydem liess man es hier keineswegs fehlen. Man hatte das Auditorium nicht nur durch eine besondere Anzeige auf den gewöhnlichen Konzertzetteln, sondern auch durch eine kurze Charakteristik jedes Satzes, vornämlich in Ansehung der vom Komponisten beabsichtigten Wirkung aufs Gefühl, aufmerksam gemacht, und es, so viel möglich, vorbereitet, gerade das zu erwarten, was ihm geboten wurde. Damit erreichte man seinen Zweck vollkommen: die gebildetsten Kunstfreunde der Stadt waren sehr zahlreich versammelt, eine wirklich feyerliche Spannung und Todtenstille herrschte und erhielt sich – nicht nur während der ganzen (bekanntlich fast eine Stunde dauernden) ersten Aufführung, sondern auch während der zweyten und dritten, die auf vielfältiges Begehren in wenig Wochen erfolgten; jeder Satz wirkte unverkennbar, wie er wirken soll, und am Ende des Ganzen machte sich jedesmal der wohlbegründete Enthusiasmus in lauten Beyfallsbezeugungen Luft.“[15]

Dieser Artikel bereitete Beethoven einen erfolgreichen Empfang in Leipzig. Daraufhin gehörte die Eroica, noch bevor sie in anderen Städten aufgeführt wurde, dort schon zum Standartrepertoire.[16]

Am 18. Februar 1807 veröffentlichte Rochlitz seine Rezension der Eroica in der AmZ. Es war eine fast sechzehn Spalten lange und besonders ausführliche Besprechung. Eine gründliche Zergliederung von Werken hatte es bereits gegeben, doch diese Beurteilung stellte in ihrer Länge, Zahl der Notenbeispiele und vorausgesetztes Fachwissen einen ersten Höhepunkt der Rezensionsgeschichte dar. Eine solch detaillierte Analyse war neu. Das Werk konnte sich dadurch sehr vielschichtig anbieten und es genügte als Hörer nicht nur es auf sich wirken zu lassen, sondern man musste es fachkundig studieren. Durch die Zeitschrift und die Rezensionen konnte ein breites Publikum angesprochen werden, um für die Sinfonie und auch für die Zeitung zu werben – was beides bei den Zeitgenossen ankam und funktionierte.[17]

Rochlitz druckte die Besprechung an die erste Stelle der Ausgabe – somit bekam sie den Rang des Leitartikels. Er war sich über die Wirkung der Zeitschrift durchaus bewusst und kommentierte die Rezension gleich zu Beginn:

„Es ist über dieses merkwürdige und kollossale Werk, das weitläufigste und kunstreichste unter allen, die Beethovens origineller, wunderbarer Geist erschaffen hat, schon mehrmals und nach verschiedenen Ansichten desselben in diesen Blättern gesprochen worden. Zuerst haben die Leser von Wien aus Nachrichten von seiner Existenz und Beschaffenheit im Allgemeinen, so wie von dem Eindrucke, den es bey verschiedenen Aufführungen daselbst auf das Publikum gemacht, erhalten; einige andere Mitarbeiter habend sodann […] ähnliche Relationen noch manche in das Einzelne eindringende Bemerkungen beygefügt über seinen Zweck, Charakter, und die Gründe des Eindrucks, den es macht. Jetzt scheint es die Eigenheit und der reiche Gehalt des Werks zu verlangen, dass man auch einmal zunächst seinen technischen Theil ernsthaft und fest ins Auge fasse, und von dieser, so wie von der angrenzenden mechanischen Seite her, dem Verfasser genau, Schritt vor Schritt folge – ein Verfahren, zu welchem die Gründlichkeit der Ausarbeitung dieser Komposition selbst auffordert, und welches, wenn es einer Rechtfertigung bedürfte, diese in dem Nutzen finden würde, den junge Künstler aus solchen Analysen ziehen, und in dem erhöhten Vergnügen, da gebildete Liebhaber hernach bey dem Anhören des Werks selbst empfinden können. Vielleicht fasset dann einmal jemand alles das zusammen und führet es auf den Mittelpunkt; geschähe das aber auch nicht, so ziehet sich schon von selbst – wenigstens das jetzt nicht mehr unbestimmte, zweifelhafte Gefühl ein genügendes Urtheil ab, das sodann allmählich in die allgemeine Meynung übergeht und so den Stand des Kunstwerks, seinen Einfluss in das Ganze, sein Schicksal bestimmt.

[...]


[1] Vgl. M. Geck, Geschrieben auf Bonaparte. Beethovens Eroica; Revolution, Reaktion, Rezeption, 1989, S.207.

[2] Fortlaufend mit AmZ abgekürzt.

[3] Vgl. M.Geck ,Geschrieben auf Bonaparte. Beethovens Eroica: Revolution, Reaktion, Rezeption, 1989, S.207f.

[4] Vgl. M.Geck, P.Schleuning,: Geschrieben auf Bonaparte. Beethovens Eroica: Revolution, Reaktion, Rezeption., 1989, S.78.

[5] Vgl. ebda., Geschrieben auf Bonaparte, 1989, S.200.

[6] Vgl. C. Dahlhaus, Ludwig van Beethoven und seine Zeit, 2002, S.52.

[7] Vgl. ebd., S. 48-59.

[8] Vgl. L.v.Beethoven, Sinfonie Nr.55, Partitur.

[9] Vgl. M.Geck, Geschrieben auf Bonaparte, 1989, S. 207.

[10] Vgl. ebda. S. 209.

[11] Vgl. P.Schnaus, E.T.A. Hoffmann als Beethoven-Rezensent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung, München-Salzburg 1977, S. 19.

[12] Vgl. M.Geck, Geschrieben auf Bonaparte, S.200.

[13] Vgl. Zit. nach H.Ehinger, Fridrich Rochlitz als Musikschriftsteller, Basel 1927, S.65.

[14] Vgl. M.Geck, Geschrieben auf Bonaparte, S.209.

[15] Vgl. zit. nach M.Geck, Geschrieben auf Bonaparte, S. 210.

[16] Vgl. ebda., S.211.

[17] Vgl. ebda. S. 211.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668514676
ISBN (Buch)
9783668514683
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373783
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,4
Schlagworte
friedrich rochlitz werkkritik sinfonie vergleich hoffmanns besprechung beethovens rezensionen

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