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Inwiefern ist das Label "Made in Germany" im Zeitalter der Globalisierung noch relevant?

Hausarbeit 2016 17 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtlicher Hintergrund

3 Grundlagen der Produktkennzeichnung
3.1 Kennzeichnungspflicht von Waren „Made in Germany"
3.2 Rechtsgrundlagen

4 Wirtschaftliche Bedeutung

5 Die Zukunft von „Made in Germany"

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Merkmale der deutschen Wirtschaft

Abbildung 2: Wichtigkeit von „Made in Germany" für eine Kaufentscheidung

Abbildung 3: Der große Deutschland-Check

1 Einleitung

Viele stellen sich heutzutage die Frage, ob „Made in Germany" noch ein Top-Label ist? Was ist diese Kennzeichnung noch wert? Das VW-Skandal führt erneut zur die­sen Diskussionen. In den Medien berichtet man von einem Imageverlust für die ge­samte deutsche Wirtschaft. Insbesondere die Automobilindustrie, die einst ein Sinn­bild der herausragenden deutschen Ingenieurkunst und hoher Qualität symbolisierte, leistete einen schweren Fehler, dessen Folgen noch nicht absehbar sind. Die Ge­schichte zeigt jedoch, dass auch frühere Pannen den Gütesiegel „Made in Germany" nicht grundlegend ins schlechte Licht gerückt haben und auch solche Skandalen mit Jahren in die Vergessenheit geraten.

Qualität ist der entscheidende Erfolgsfaktor für den internationalen wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen. „Made in Germany" gilt nach wie vor als Zeichen für Qualität. Im Inland schätzen die Menschen jedoch das Label weniger stark ein.[1]

Kennzeichnung „Made in Germany" hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen sind im Zeitalter der Globalisierung die korrekten Angaben der Warenherkunft sehr wichtig, um z.B. Zölle zu bestimmen oder dem Verbraucher zusätzliche Information zu geben. Zum anderen übt es eine besondere Werbekraft auf den Verbraucher aus. Die höhere Preisbereitschaft für ein „Made in Germany" Produkt wird bis auf 10% geschätzt.[2]

Im Rahmen dieser Arbeit wird zuerst ein Überblick über den geschichtlichen Hinter­grund, die Entstehung und den Bedeutungswandel der Kennzeichnung gegeben. Des Weiteren werden die Grundlagen der Produktkennzeichnung erläutert. Dabei geht man auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Kennzeichnungspflichten ein. Anschließend wird die wirtschaftliche Bedeutung von „Made in Germany" disku­tiert. Am Schluss werden drei unterschiedliche Standpunkte zu den möglichen Zu­kunftsentwicklungen von diesem Qualitätssiegel vorgestellt.

2 Geschichtlicher Hintergrund

Der Begriff „Made in Germany" ist auf die sogenannte Mechandise Marks Act zu­rückzuführen. Dieses vom britischen Unterhaus verabschiedetes Gesetz im Jahre 1887 war zur Bekämpfung unlautereren Wettbewerbs entwickelt und beinhaltete die Vorschriften über die Kennzeichnungspflichten für Waren.[3] Demnach sollten die Wa­ren, darunter solche aus dem Ausland, welche eine Bezeichnung trugen, die dem Namen oder dem Warenzeichen eines englischen Fabrikanten, Händlers oder Kauf­manns entsprach oder diesem ähnlich war, beschlagnahmt werden konnten, soweit nicht durch einen entsprechenden Hinweis über die tatsächlicher Herkunft der Ware aufgeklärt wurde. Ab diesem Zeitpunkt galt eine Kennzeichnungspflicht mit der Auf­schrift „Made in Germany" für die aus Deutschland stammenden Waren.[4] Das gilt als die Geburt von bis heute gebrauchten Warensiegel.

Der Hintergrund dieses Gesetzes war die damalige wirtschaftspolitische Situation in England. Die frühere Industrialisierung machte England zu einem wichtigsten Aus­fuhrland, zentralem Finanzplatz und einen bedeutenden Umschlagplatz für Waren aus aller Welt. Die deutschen Unternehmer führten später die Industrialisierung durch und waren nicht konkurrenzfähig gegenüber englischen Erzeugnissen. Damals wa­ren deutsche Waren häufig Nachahmungen der englischen Produkte. Die deutschen Hersteller brachten viele billige Massenwaren auf den Markt und englische Regie­rung wollte diesen Andrang beschränken. In Deutschland nahm man das Gesetz als ein Handelshemmnis wahr, das sich gegen die deutschen Unternehmen richtete.[5]

Die preisgünstige Produktion und gleichzeitig qualitativ minderwertige Waren gaben den deutschen Waren einen Ruf „billig und schlecht". Dabei erkannten deutsche Un­ternehmen, dass kein Erfolg auf lange Sicht mit dieser Strategie zu erzielen war. Mit der Kennzeichnungspflicht mussten die deutschen Erzeugnisse sogar als damals minderwertige geltenden Zusatz „Made in Germany" tragen. Die staatlichen Förder­maßnahmen seit dem Jahr 1877 führten zu starkem Wachstum der Industrie in Be­reichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie. Zusätzliche Gründung techni­scher Schulen und Hochschulen trieben die Forschungen weiter an. Im Ausland wur­den die Namen Krupp, Siemens, Höchst und Bayer bekannt und stellvertretend für die deutsche Wertarbeit.[6]

Der Umbruch von „billig und schlecht" auf „günstig und gut" wurde auch in Großbri­tannien wahrgenommen. Die deutschen Güter waren von hoher Qualität und hatten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Kennzeichnungspflicht, die eigentlich eine Abschreckfunktion hatte, wandelte sich zu eine kostenlosen Empfehlung der briti­schen Regierung. Nicht nur die Inlandsgeschäfte litten darunter, sondern auch die Exportanteile, da andere Länder die guten und preiswerten Waren direkt aus Deutschland bezogen hatten.[7] Auch die vorübergehende Aufhebung des Gesetzes im Jahr 1898 konnte ebenfalls an diesen Tatsachen nichts mehr ändern. Die ur­sprünglich als eine Warnfunktion gedachte Kennzeichnung wurde zu einer Werbung für deutsche Erzeugnisse und einem ungeschriebenen Qualitätssigel.[8]

3 Grundlagen der Produktkennzeichnung

3.1 Kennzeichnungspflicht von Waren „Made in Germany“

Grundsätzlich ist die Kennzeichnungspflicht „Made in ..." von Waren liegt in der Ent­scheidung des jeweiligen Landes. Die Länder können diese Angabe einfordern oder es dem Hersteller überlassen. Dabei gibt es Unterschiede in der Markierungspflicht zwischen der Kennzeichnung an der Waren, an der (Um-)Verpackung oder Pack­stück/Kolli. Zusätzlich müssen die ergänzenden Hinweise beachtet werden. Diese können einer Übersicht von z.B. IHK Region Stuttgart entnommen werden.[9]

Kennzeichnung innerhalb von Deutschland Die Markierung von Waren mit „Made in Germany" erfolgt auf die Verantwortung des Herstellers und wird von einer Institution in Deutschland überwacht oder auf Richtig­keit geprüft. Innerhalb Deutschland gibt es keinen Zwang zur Nutzung von Ur­sprungsangaben. Die Kennzeichnung der Ware ist freiwillig. Importiere Waren ande­rer Länder müssen bislang ebenfalls mit dem Herstellungsland versehen werden.[10]

Kennzeichnung innerhalb der EU Die Regelungen innerhalb der EU sind noch identisch zu den deutschen. Jedoch gel­ten einigen Ausnahmen von der Markierungsfreiheit, die es insbesondere bei den Lebensmitteln gibt. Diese können in den jeweiligen Nachschlagewerken nachgelesen werden.[11]

Das EU-Parlament startete 2010 einen Vorschlag einer Pflichtmarkierung für in die EU importierte Waren. Dieses Vorhaben hätte zu zahlreichen Bürokratischen Prob­lemen geführt und wurde von der EU-Kommission im Jahr 2013 zurückgezogen.

Am 15. April 2014 beschloss, dass EU-Parlament eine Regelung zur Markierungs­pflicht mit dem Ursprungsland für alle Konsumgüter. Diese Regelung greift deutlich härter durch als die im Jahr 2013 zurückgezogene. Der Europäische Rat hat jedoch eine Sperrminorität dagegen eingelegt und diese eingefroren.[12] Wann die Thematik wieder diskutiert wird, ist nicht bekannt.

Kennzeichnung weltweit

Außerhalb der EU wird die Warenmarkierung „Made in “ ausdrücklich von zahlrei­chen Staaten der Welt vorgeschrieben. Fehlt die Kennzeichnung kann es von Tole­rierung über Geldstrafen bis zur Forderung der Nachetikettierung mit anschließender Freigabe geahndet werden. In extremen Fälle und bei wiederholten Verstößen droht in manchen Ländern sogar das Einfuhrverbot.[13]

Die Gestaltung und inhaltliche Voraussetzungen der Warenmarkierung müssen ei­gentlich von dem Empfangsland definiert werden. Da das in der Regel mit einem sehr hohen Aufwand verbunden ist, werden die abgegeben Ursprungsmarkierungen akzeptiert.

3.2 Rechtsgrundlagen

Zwar ist die Kennzeichnung an sich nicht gesetzlich geregelt, so müssen einige ge­setzliche Bestimmungen trotzdem bei der Kennzeichnung von Produkten mit „Made in Germany“ beachtet werden.

Madrider Abkommen

Bei den Fragen der korrekten Warenkennzeichnung im grenzüberschreitenden Wa­renverkehr gilt das Madrider Abkommen von 1891 als eine der wichtigsten Regelun­gen. Dort werden die Verwendung von Länderkennzeichnungen, geografischen Her­kunftsangaben (z.B. Nürnberger Bratwürste) und Firmierungen geregelt. Der Zoll wird bei Missachtung dieses Abkommens durch falsche oder irreführende Kennzeichnung die Waren beschlagnahmen.[14]

Zollrecht

Im Zollrecht Artikel 24 des Zollkodex wird beschrieben, wann die Ware zollrechtlich zur Ursprungsware eines Landes zählt. Die Grundlage dieser Regelung ist aus han­delspolitischer Sicht. Dabei wird als Ursprungsland das Land angesehen, in dem der letzte wesentliche und wirtschaftlich gerechtfertigte Be- oder Verarbeitungsvorgang in einem dazu eingerichteten Unternehmen stattfand.[15]

Wettbewerbsrecht

Im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb gibt es keine konkrete nationale Rege­lung zu „Made in Germany". Jedoch schreibt der Gesetzgeber vor, dass die Waren­markierung den Kunden nicht über den Ursprung des Erzeugnisses täuschen darf, da dadurch möglicherweise falsche Erwartungen bezüglich der Qualität und Zuver­lässigkeit geweckt werden. Eine Werbung mit falschen geografischen Herkunftsan­gaben ist grundlegend verboten.[16]

„Made in Germany" kann besondere Kundenerwartungen erzeugen und den Produk­ten vorbehalten, die für die Produktqualität einen entscheiden Schritt in Deutschland gemacht haben.

Markengesetz

Das Markengesetz nimmt national Bezug auf die Regelungen von Madrider Abkom­men und beschreibt näher das Thema der geografischen Herkunftsangaben, sowie die Folgen irreführender Markierungen.

4 Wirtschaftliche Bedeutung

Die Betrachtung der wirtschaftlichen Bedeutung von „Made in Germany" erfordert eine vielseitige Sichtweise auf dieses Qualitätssigel. Die theoretische Fundierung wird auf dem abstrakten Verständnis des Wesens und der Funktionsweise dieses Labels aufgebaut. Die Grundlage für jegliche wirtschaftliche Interaktion liegt in der Information und diese beeinflusst zugleich den Wert eines Handelsgutes. Besteht zwischen dem Anbieter und Nachfrager ein Informationsungleichgewicht, dass der Anbieter nahezu vollständig aber der Nachfrager nur unvollständig informiert ist, kommt es zur Informationsasymmetrie.[17] Fehlen die entscheidungsrelevanten Infor­mationen auf der Seite von Nachfrager, führt es zu einer Unsicherheit. Dabei ist der Grad der Unsicherheit bei den einfachen Sachgütern, deren Qualität vor dem Kauf festgestellt werden kann, niedriger als bei den komplexen Erfahrungs- und Vertrau­ensgüter, deren Überprüfung erst nach dem Kauf oder ggf. gar nicht stattfinden kann.[18]

Grundsätzlich hilft „Made in Germany" dem Käufer allgemeine Einschätzung vorzu­nehmen, ob das Produkt qualitative Erwartungen erfüllen wird. Eine nähere Untersu­chung der Qualität wird dabei nicht vorgenommen, da das zum Teil auch nur fach­männisch durchgeführt werden kann. Ein Qualitätssigel hilft vor allem den Anbietern von Vertrauensgüter den Abnehmer von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen.[19] So kann man auch eine Entscheidung treffen an einem bestimmten Standort zu pro­duzieren, um dabei einen höheren Vertrauenskapital bei dem Kunden zu erhalten.[20] „Made in Germany" transferiert dem Kunden, dass durch hohe Ausgaben für qualifi­zierte Angestellte und Arbeiter, sowie strenge Sicherheits- und Umweltstandards, qualitativ hochwertige Produkte herstellt werden. Zusätzlich kann angenommen wer­den, dass der Staat einen Teil der Einnahmen für die weitere Verbesserung der Pro­duktion durch höhere Bildungsausgaben und Investitionen in die Infrastruktur.[21]

[...]


[1] vgl. Bohrer, H. (2012), S. 27

[2] vgl. Dück, H. (2015), S. 1 4

[3] vgl. Wulf, J. (1995), S. 3

[4] vgl. Breitrück, R. (1895), S. 29ff.

[5] vgl. Dück, H. (2015), S. 9 5

[6] vgl. Wulf, J. (1995), S. 7

[7] vgl. Gastrell, W. S. H. (2010), S. 33f

[8] vgl. Hilger, S. (2009), S. 4

[9] vgl. IHK Region Stuttgart (2015b), S. 1ff

[10] vgl. Engelhardt, N. (2009), S. 2 6

[11] vgl. Engelhardt, N. (2009), S. 2

[12] vgl. IHK Region Stuttgart (2015a), S. 2

[13] vgl. IHK Region Stuttgart (2015a), S. 3 7

[14] vgl. Ahrens, S, (2015), S. 65f

[15] vgl. Andrée, W. (2010), S. 93f

[16] vgl. Boesche, K. V. (2011), S. 221ff 8

[17] vgl. Rauffus, G. (2010), S. 70

[18] vgl. Adler, J. (1996), S. 41ff

[19] vgl. Manta, M. (2012), S. 10

[20] vgl. Becker, T., Benner, E. (2005), S. 2f

[21] vgl. Haucap, J.; Wey, C. (1999), S. 314ff 9

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668511439
ISBN (Buch)
9783668511446
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373627
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,3
Schlagworte
Made in Germany Produktkennzeichnung Kennzeichnungspflicht Markierung von Waren Madrider Abkommen Zollrecht Wettbewerbsrecht Markengesetz

Autor

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