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Die Prozesstheorien der Motivation in der Physiotherapie. Können die Erkenntnisse der VIE-Theorie und der Zielsetzungstheorie zur Verbesserung der Adhärenz beitragen?

Studienarbeit 2017 20 Seiten

Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abstract

1 Einführung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Adhärenz
2.1.1 Begriffserklärung und aktueller Forschungsstand
2.2 Prozesstheorien der Motivation
2.2.1 Begriffserklärung und Abgrenzung zu anderen Motivationstheorien
2.2.2 Das Valenz-Instrumentalitäts-Modell nach Vroom
2.2.3 Die Zielsetzungstheorie nach Locke und Latham
2.2.4 Kritische Würdigung der Theorien

3 Forschungsfrage und Hypothesen

4 Methode

5 Ergebnisse

6 Diskussion der Ergebnisse und praktische Relevanz

7 Kritische Würdigung

8 Fazit und Ausblick

9 Literaturverzeichnis

10 Anhang
10.1 Fragebogen
10.2 Tabellen
10.2.1 Test auf Normalverteilung
10.2.2 Zusammensetzung der Stichprobe
10.2.3 Aktuelle Adhärenz der Stichprobe

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Test auf Normalverteilung (eigene Darstellung)

Tab. 2: Deskriptive Statistik: Zusammensetzung der Stichprobe (eigene Darstellung)

Tab. 3: Deskriptive Statistik: Aktuelle Adhärenz der Stichprobe (eigene Darstellung)

Tab. 4: Deskriptive Statistik: Items (eigene Darstellung)

Tab. 5: Hypothesentestung (eigene Darstellung)

Abstract

Schätzungen zufolge entstehen allein in Deutschland jährlich ca.10 Milliarden Euro Kosten, die direkt auf Nicht-Einhaltung der ärztlichen/therapeutischen Therapieratschläge zurückzuführen sind (Gräf, 2007). Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob die Erkenntnisse der Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie (VIE-Theorie) nach Vroom und die Zielsetzungstheorie nach Locke und Latham zur Verbesserung der Adhärenz in der Physiotherapie beitragen können. Überprüft wird die Fragestellung anhand von 7 Hypothesen. Die zugrundeliegende Stichprobe umfasst 32 Personen, die sich zum Zeitpunkt der Befragung alle in physiotherapeutischer Behandlung befanden. Die Daten wurden mittels eines schriftlich, anonymisierten Fragebogens erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass sich klar formulierte Therapie-Ziele (V = 528; p = <.005; d = 3.12), regelmäßiges Feedback (V = 528; p = <.005; d = 3.35) und eine hoch eingeschätzte Ziel-Eintrittswahrscheinlichkeit (V = 405; p = <.005; d = .54) positiv auf die Adhärenz auswirken. Zudem wird ersichtlich, dass die erfahrene und die verbal erläuterte Beziehung zwischen Therapieeinhaltung und Therapieziel (V = 519; p = <.005; d = 1.41) zur Steigerung der Adhärenz beitragen. Nicht repliziert werden konnten die Erkenntnisse aus den Prozesstheorien, dass sich Zielschwierigkeit und Zielwichtigkeit positiv auf die Motivation auswirken. Der Mangel an bisherigen Studien und die signifikanten Ergebnisse dieser Arbeit zeigen die Notwendigkeit weiterführender Forschungen auf diesem Gebiet.

1 Einführung

Die durch Nicht-Einhaltung der Therapieratschläge entstandenen Kosten zeigen, dass die Verbesserung der Adhärenz nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus gesellschaftlicher und ökonomischer Perspektive sehr sinnvoll ist. Die Notwendigkeit zur Intervention im physiotherapeutischen Kontext wird anhand der Studie von Campbell (2001) deutlich. Diese besagt, dass sich bis zu 50% aller Patienten nicht an die erteilten Therapieratschläge halten. Die beeinflussenden Faktoren der Adhärenz wurden in vielen Studien bereits untersucht. Dabei konnte die Motivation der Patienten als eine Determinante bereits mehrfach identifiziert werden (Dellande, Gilly & Graham, 2004; Grossklaus, Heller, Nüscheler & Stammler, 2014; Jayanti & Burns, 1998; Landgraf, Huber & Bartl, 2006; Miller, Wikoff & Hiatt, 1992). Allerdings wurde bisher nie näher auf das Konstrukt der Motivation eingegangen. So gibt es bisher keine Untersuchungen, die den direkten Zusammenhang von Prozesstheorien der Motivation und der Adhärenz untersucht haben. Die vorliegende Arbeit trägt einen Teil zur näheren Untersuchung bei und geht dabei der Frage nach, ob die Erkenntnisse der Valenz-Instrumentalitäts-Theorie (VIE) nach Vroom und der Zielsetzungstheorie nach Locke und Latham zur Verbesserung der Adhärenz beitragen können. Nach einer kurzen Einführung in den theoretischen Hintergrund wird dabei auch auf die praktische Relevanz der Ergebnisse und deren Umsetzung in die physiotherapeutische Arbeit eingegangen.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Adhärenz

2.1.1 Begriffserklärung und aktueller Forschungsstand

Die Bereitschaft eines Patienten zur aktiven Mitwirkung und Einhaltung therapeutischer Maßnahmen wird in der Literatur mit den Begriffen Compliance und Adhärenz beschrieben. Der länger bestehende Begriff Compliance ging ursprünglich von einer passiven Rolle des Patienten aus. Die aktuelle, zeitgemäße Bezeichnung Adhärenz beinhaltet hingegen die aktive Zusammenarbeit von medizinischen Experten und Patienten im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und Therapiezielvereinbarung (Schäfer, 2011). In der Literatur werden beide Begriffe häufig als Synonym verwendet. Eine einheitliche Definition beider Begriffe gibt es weder in deutscher, noch in englischer Sprache. Als weitgehend akzeptierte Definition der Adhärenz gilt die Formulierung der Word-Health-Organisation (WHO), die auch auf den Begriff Compliance angewendet wird (Schäfer, 2011). Laut WHO ist Adhärenz „the extent to which a person’s behaviour – taking medications, following a diet, and/or executing lifestyle changes, corresponds with agreed recommendations from a health care provider“ (Weltgesundheitsorganisation, 2003, S. 3). In dieser Arbeit wird zur Vermeidung der Irreführung im Weiteren der Begriff Adhärenz mit der Definition der WHO verwendet. Adhärenz besteht laut WHO aus 5 Dimensionen: Dem Gesundheitssystem, dem sozial-ökonomischen Faktor, dem therapiebezogenen Faktor, dem konditionsbezogenen Faktor und dem patientenbezogenen Faktor (Weltgesundheitsorganisation, 2003). Diese Arbeit beschäftigt sich mit den patientenbezogenen Faktoren und dabei - aufgrund des begrenzten Umfangs - ausschließlich mit dem Einfluss der Erkenntnisse der VIE-Theorie nach Vroom und der Zielsetzungstheorie nach Locke und Latham. Studien zu diesem konkreten Forschungsfeld gibt es bisher keine. Alle bestehenden Studien beschäftigen sich mit dem Konstrukt Motivation im Allgemeinen (Dellande et al., 2004; Grossklaus et al., 2014; Jayanti & Burns, 1998; Landgraf et al., 2006; Miller et al., 1992).

2.2 Prozesstheorien der Motivation

2.2.1 Begriffserklärung und Abgrenzung zu anderen Motivationstheorien

Unter Motivation wird das „ (…) Zusammenspiel einer Person (…) mit einer Situation, in der bestimmte Bestandteile so wahrgenommen werden, dass sie zu Anreizen werden, die die Motive in der Person aktivieren und dadurch das Verhalten in seiner Intensität, Richtung, Form und Dauer bestimmen“ (Rosenstiel, 2007, S. 241) verstanden. Die Leistungsmotivation im Speziellen lässt sich in zwei Kategorien einteilen. Zum einen die Inhaltstheorien (Ursache-Wirkung) Theorien und zum anderen die Prozesstheorien (Erwartung-Wert Theorien). Erste Gruppe versucht zu erklären, „was“ den Menschen motiviert. Die Prozesstheorien hingegen versuchen zu erklären, „wie“ ein bestimmtes Verhalten erzeugt, gelenkt, erhalten und abgebrochen werden kann. Die wichtigsten Vertreter der Prozesstheorien sind die VIE-Theorie von Vroom, die Zielsetzungstheorie von Locke/Latham, das Motivationsmodell nach Porter und Lawler, das Rubikon-Modell nach Heckhausen, die Risiko-Wahl nach Atkinson, die Gerechtigkeitstheorie nach Adams und das Verhaltensmodell von Lutz von Rosenstiel (Nerdinger, Blickle & Schaper, 2014; Rosenstiel, Molt & Rüttinger, 2005). Die vorliegende Arbeit befasst sich aufgrund des beschränkten Umfangs ausschließlich mit den personenbezogenen Determinanten der Adhärenz. Viele der Prozesstheorien befassen sich u.a. auch mit situativen oder kontextbezogenen Determinanten der Motivation. Die VIE-Theorie und die Zielsetzungstheorie spiegeln den personenbezogenen Kontext am besten wieder, weshalb diese als theoretische Grundlage dieser Arbeit ausgewählt wurden. Zudem ist in der Physiotherapie die Frage nach dem (Behandlungs-)Ziel bereits Teil vieler Anamnesebögen, wodurch sich die Zielsetzungstheorie als theoretische Grundlage besonders gut eignet.

2.2.2 Das Valenz-Instrumentalitäts-Modell nach Vroom

Nach der VIE-Theorie nach Vroom besteht die Wahl für eine Handlungsalternative aus drei Komponenten: Der Valenz (V), der Instrumentalität (I) und der Erwartung (E). Die „Valenz“ stellt den Wert eines Objektes/Endergebnisses dar, dieser kann eine anziehende oder eine abstoßende Wirkung haben. Die Valenz zeigt somit die Stärke des individuellen Verlangens an, dass die Person gegenüber dem Ziel/Endresultat empfindet (Nerdinger et al., 2014). Dieses Ziel kann i.d.R. über verschiedene Handlungswege erreicht werden. Um die Wahl für eine Handlungsalternative erklären zu können, unterscheidet Vroom zwischen Handlungsergebnis (z.B. Muskelaufbau nach Einhaltung der Therapieempfehlung) und Handlungsfolge (z.B. Schmerzfreies Wandern durch Steigerung der muskulären Kraft). Die Beziehung zwischen dem Handlungsergebnis und der Handlungsfolge wird durch die „Instrumentalität“ beschrieben. Mit „Erwartung“ ist die subjektive Einschätzung gemeint, dass das verfolgte Ziel tatsächlich eintritt (Nerdinger et al., 2014). Das Modell ermöglicht zum einen eine Vorhersage darüber, welche Handlungsalternative gewählt wird bzw. lässt Rückschlüsse zu, warum eine bestimmte Handlungsalternative gewählt wurde. Zum anderen gibt das Modell Aufschluss über das Anstrengungsniveau dieser Handlungen (Rosenstiel, 2007).

2.2.3 Die Zielsetzungstheorie nach Locke und Latham

Zentraler Forschungsgegenstand von Locke und Latham ist der Einfluss von Zielen auf das Leistungsverhalten einer Person. Die Forscher gehen davon aus, dass die Leistung umso höher ausfällt, je anspruchsvoller und spezifischer ein Ziel formuliert ist. Voraussetzung für die Anreizwirkung ist dabei jedoch, dass die gesetzten Ziele aus Sicht der Person als realistisch und erreichbar angesehen werden. Durch die Zielsetzung wirken sog. Mediatoren (Wirkmechanismen) die es ermöglichen, dass ein Ziel in eine Handlung übersetzt wird. Dazu zählen die Ausdauer, die Anstrengung, die Handlungsrichtung und aufgabenspezifische Strategien. Die Moderatoren hingegen beeinflussen die Ziel-Leistungs-Performance direkt. Zu den Moderatoren zählen die Selbstwirksamkeit, die Wichtigkeit, die Zielbindung, die Rückmeldung und die Aufgabenkomplexität. Besonders hohe Leistung erbringt eine Person demnach, wenn die eigenen Fähigkeiten als hoch eingeschätzt werden, das Ziel eine hohe Wertigkeit besitzt, die Entschlossenheit zur Zielerreichung hoch ist, die Person Rückmeldung im Zusammenhang mit der Zielerreichung erhält und die Aufgabe wenig komplex ist. Der positive Zusammenhang zwischen Zielsetzung und Anstrengungsgrad konnte in über 400 Studien repliziert werden.

(Locke & Latham, 2002).

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Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668508668
ISBN (Buch)
9783668508675
Dateigröße
1003 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373445
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Motivationstheorie Valenz-Instrumentalitäts-Theorie Zielsetzungstheorie Physiotherapie Adhärenz Compliance

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