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Fernsehdeutsch. Heidi Klums zwei Gesichter in "Germany’s Next Topmodel"

Die perfekte Inszenierung

Hausarbeit 2011 27 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heidi Klum als „Marke“

2 Inszenierung der Person Heidi Klum bei Germany's Next Topmodel
2.1 „natürliches“ Image innerhalb der Kommunikationskreise
2.1.1 Präsentation in alltäglichem Umgang mit Kandidatinnen
2.1.2 Auftreten in der Live-Finalshow
2.2 „kaltes“ Image als Strategie zum Spannungsaufbau
2.2.1 sprachliche Besonderheiten
2.2.2 nonverbale Kommunikation

3 „Markenverluste“ in Gegenwart und Zukunft

Literaturverzeichnis

1 Heidi Klum als „Marke

Sie strahlt über das ganze Gesicht und gibt dabei bereitwillig Auskunft über ihr perfektes Privatleben und die stetig wachsenden beruflichen Erfolge (vgl. Ellen). Dies ist das Bild, welches sich international bei den Rezipienten der massenmedialen Print- und TV-Medien einprägt - oder zumindest einprägen soll. Denn Heidi Klums jährliches Einkommen von mehreren Millionen Euro (vgl. Wirtschafts-Woche) basiert auf dem emo­tionalen Zustand des Publikums, der sich mit einem Wort zusammenfassen lassen kann: Bewunderung. Schließlich arbeitet Klum seit Jahren daran, im Zuge des öffentlichen Diskurses als Leitbild der idealen Mutter, Ehe- und Karrierefrau wahrgenommen zu werden. Genau dieses Image ist nämlich die Grundlage dafür, dass Heidi Klum auch heute noch, v.a. in Deutschland und den USA ein gutbezahltes und gerngesehenes Gesicht in den modernen Medien ist.

Eine erste publike Wahrnehmung ihrer Person erreichte die heute 38­Jährige im Jahr 1992 durch die Teilnahme an einem Model-Wettbewerb in der Fernsehsendung Gottschalk Late Night (vgl. heidiklum.com). Dem Wohnortwechsel nach New York City folgte 6 Jahre später, dank dem Titelbild der amerikanischen Zeitschrift Sports Illustrated, das Klum 1998 bekleidete, auch die Steigerung des internationalen Bekanntheitsgrades (vgl. ebd). Die intensivste Karriereförderung erfuhr sie jedoch durch das Arbeitsverhältnis mit der Damenunterwäsche vertreibenden Marke Victoria’s Secret (vgl. ebd.). Denn die mediale Aufmerksamkeit, welche Heidi Klum durch die Auftritte unter jenem Lingerienamen zukam, beschert ihr bis in die Gegenwart viele Werbeaufträge für Produkte aus unter­schiedlichen Verkaufssegmenten. So repräsentierte sie bisher unter anderem die Außenwirkung von Birkenstock, Katjes, Taft oder Volkswagen (vgl. ebd.), denn sowohl orthopädisches Schuhwerk, als auch Süßwaren, Kosmetikerzeugnisse und Automobile lassen sich besser verkaufen, wenn sie von der Zielgruppe mit dem potenziell nachahmenswerten Lebensstil verbunden werden, welcher durch Klum personifiziert wird. Aus diesem Grund vermarktet sich das ehemalige Laufstegmodel inzwischen auch durch die Produkte zahlreicher Verkaufsschienen der Heidi Klum GmbH & Co. KG selbst (vgl. ebd.). Hierbei können als Produkte sowohl im physischen Sinne an sich, beispielsweise die unter dem Namen „Heidi Klum" beworbenen Parfüms, Rosen oder Schmuckstücke, als auch die imageaufbauenden Auftritte, wie bei öffentlichen Veranstaltungen oder in US-amerikanischen Talkshows, in denen sie persönlich als werbendes „Produkt" in Erscheinung tritt, verstanden werden (vgl. heidiklum.com). Nebenbei versucht sie sich außerdem gelegentlich als Schauspielerin[1], Sängerin[2] und Autorin[3] - und all das, gemessen an Einschaltquoten und Verkaufszahlen, mit Erfolg (vgl. Witschafts-Woche).

Privat ist Klum seit 2005 mit dem Sänger Seal verheiratet. Zusammen mit ihren vier Kindern zwischen zwei und sieben Jahren wohnen sie in den Vereinigten Staaten (vgl. heidiklum.com). Medienberichterstattungen ist zu entnehmen, dass es Heidi Klum hierbei gelingt, trotz harter und effektiver Arbeit an der Karriere (vgl. Vogue), eine „Bilderbuch-Ehe" (Gala) mit einem „aufregenden Liebesleben" (ebd.) zu führen, dabei einer konsequenten Kindererziehung (vgl. Promi Magazin) nachzugehen und gleichzeitig in disziplinierter Weise für einen makellosen Körper (vgl. Bunte) zu trainieren. In der restlichen verfügbaren Zeit engagiert sie sich schließlich noch für Themen wie den Umweltschutz (vgl. Prominent 24).

Kurz: Heidi kann alles. Sie schafft alles - und das auch noch gut gelaunt. In welch einem öffentlichem Zusammenhang sie sich nämlich auch immer zeigt, ihr Wesen ist stets geprägt von Unbeschwertheit und Humor (vgl. Ellen). Genau jenes Bild ist es eben aber auch, das bei dem dispersen Publikum der Massenmedien hängen bleiben muss, denn nur wenn dieses Image aufrecht erhalten bleibt, funktioniert die Marke Heidi Klum. Ohne die allgemeine Bewunderung gegenüber der Person und ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten wäre der Erfolgsweg zu Ende, da Klum ihr Augenmerk mittlerweile neben den zahlreichen parallel laufenden Kampagnen vor allem auf die Moderation legt. Diese übernimmt sie in den USA im Zuge der beiden Fernsehsendungen Seriously Funny Kids und Project Runway. In Deutschland ist es das kommerzielle Format Germany’s Next Topmodel auf dem privaten Sender Pro Sieben, in welchem sie als Jurorin unter jungen weiblichen Kandidatinnen - nach ihrem Vorbild - das „nächste Topmodel" sucht. Und gerade in der Moderation ist es nun von entscheidender Bedeutung für das Gelingen des TV-Konzeptes, ob und in welcher Weise die geplante Inszenierung auch die Wirkung bei den Zuschauern erreicht.

2 Inszenierung der Person Heidi Klum bei Germany's Next Topmodel

Betrachtet man die Art und Weise der Eigendarstellung von Heidi Klum in dem Format Germany’s Next Topmodel nun genauer, so lassen sich zwei stark voneinander abweichende „Gesichter", bzw. Stilausprägungen herauskristallisieren, da Klum in ein und derselben Funktion als Moderatorin und Kommunikationspartnerin der Kandidatinnen ihre Sprache und das Auftreten allgemein zwischen „natürlich" sympathisch und spannungs­geladen „kalt" variiert. Es kann demnach ein gegensätzlicher Stil in Erscheinung treten, da in einem charakteristischen kommunikativen Kontext, wie der der Castingshow, mehrere verbale und nonverbale Wahlmöglichkeiten vorhanden sind. Denn: „Nur wo gewählt werden kann, lässt sich von Stil sprechen" (vgl. Eroms 2008: 39).

2. 1 „natürliches“ Image innerhalb der Kommunikationskreise

Zum einen spiegelt sich das anfangs dargestellte „allgemeine" Image Heidi Klums in ihren Wahlentscheidungen hinsichtlich Sprache und Körperlichkeit wider. Das heißt, sie tritt so auf, dass bei den Rezipienten im Idealfall Sympathie mit jener Frau geweckt wird, welche so inszeniert werden soll, wie sie im „Alltag" auch durch das Leben geht.

Dieses „natürliche" Verhalten und Sprechen ist in allen Auftritten der Selbstdarstellung Klums, wie in jenem am 18. Juni 2011 in der ZDF-Sendung Wetten dass...!?, aufzufinden (vgl. Wetten dass...!?). Dabei konstituiert sich das Image in üblicher Weise aus dem Zusammenspiel zwischen Mimik, bzw. Gestik und sprachlichen Auffälligkeiten.

Der lebensfrohe Charakter von Heidi Klum wird mimisch durch das einprägsame breite Strahlen im Gesicht und viel Gestik inszeniert. Sie wirkt auch in der Show von Thomas Gottschalk gut gelaunt und lustig. Dass Klum „für jeden Spaß zu haben" ist, zeigt sich spätestens beim sogenannten „Wett-Watscheln"[4] (Wetten dass...!?), welchem sie sich mit Elan anschließt. Neben den zur Schau gestellten kindlich leichtsinnigen Zügen, wird aber auch ihre professionelle und disziplinierte Einstellung betont. Denn, wie Klum erklärt, ist sie „hier mal eben [für einen Tag] hingeflitzt" (ebd.), obwohl sie sich gerade in den laufenden Dreharbeiten zu ihrer Sendung Project Runway befindet. Trotzdem mache ihr dies aber „Spaß" (ebd.) und ihr Lächeln klingt auch dann nicht ab, wenn eine für sie unangenehme Interviewfrage gestellt wird (vgl. ebd.).

Heidi Klum spricht außerdem überdurchschnittlich viel und schnell (vgl. ebd.). Der charakteristische Satz „Die Mode ändert sich natürlich immer wieder, aber die Mädchen, vor allen Dingen die deutschen Mädchen, sind wunderhübsch und die Lena is ja grade auch erst mal, wie alt ¡sse, vielleicht 23, hat auch Immer noch ne riesengroße Karriere vor sich, klar" (ebd.) zeigt zudem typische stilistische Merkmale der „privaten Heidi" auf. Einerseits lässt sich erkennen, dass es sich bei dem von Heidi Klum Gesprochenen um Alltagssprache handelt, andererseits kann man aber auch individuelle charakteristische Merkmale herausfiltern. Ellipsen und wertende Determinativkomposita wie wunderhübsch oder riesengroß, sowie Markierungen des Mündlichen, beispielsweise ne oder auch isse, sind der Alltagssprache zuzuordnen. Doch jener Satz inkludiert auch die signifikante persönliche Note der Sprache Heidi Klums in Form des langen, verschachtelten und unlogischen Satzbaus mit vielen Einschüben. Denn ihr Ziel ist es nun mal, ungezwungen, frei und „natürlich" zu wirken. Dabei lassen sich auch Absichten erkennen, mit Hilfe von Sprache unter der offensichtlichen Oberfläche Botschaften zu vermitteln. Heidi Klum ist nämlich darauf bedacht, jegliche Kritik an ihrer Person und der Sendung Germany’s Next Topmodel entgegen zu wirken, indem sie stets mit positiven Adjektiven die Kandidatinnen und deren Eigenschaften, bzw. Möglichkeiten hyperbolisch wertschätzt. So liegt aus pragmatischer Sicht eine konversationale Implikatur vor, indem sie die ehemalige Teilnehmerin Lena Gercke mit dem Lexem wunderschön beschreibt, da sie somit stillschweigend mitbehauptet, also von ihr unterschwellig „mitgemeint wird" (vgl. Busch/Stenschke 2008: 220), dass die im Vorfeld medial verbreitete Aussage, ihre Erwartungen an die Mädchen seien zu hoch, nicht realitätstreu sei. Das heißt also, dass, auch wenn die Äußerungen Heidi Klums auf den ersten Blick verwirrend und unüberlegt wirken, das Gesagte imageverbessernde Maßnahmen beinhaltet. Unterstützt und bestätigt wird die Strategie außerdem von Gottschalk selbst, welcher Klum als „unsere Heidi" (ebd.), die soeben eine „erfolgreiche Staffel" (ebd.) Germany’s Next Topmodel hinter sich gebracht hat, vorstellt und ihr somit eine gelungene Karriere und die Sympathie von Seiten des deutschen Publikums zuspricht.

Betrachtet man diese Art von Inszenierung in Klums Castingsendung genauer, fällt auf, dass sie in komplexen Kommunikationssituationen in Erscheinung tritt.

Bei TV-Formaten ist nämlich zu jeder Zeit zu berücksichtigen, dass die beteiligten Personen „nicht nur miteinander, sondern immer auch im Hinblick auf das zuhörende/zuschauende Publikum" (Burger 2005:19), sprechen. Aus diesem Grund wurde die Metapher des „Kommuni­kationskreises" eingeführt (vgl. ebd.). Ein solcher kann aus einem inneren Kreis „des dialogischen Geschehens" (ebd.: 20) oder aus einem äußeren Kreis „der Beziehung zwischen den Dialogteilnehmern des inneren Kreises und dem Publikum" (ebd.) bestehen. Deshalb findet bei den Kandi­datinnen, wie bei Heidi Klum eine „Doppeladressierung" (ebd.) der Kommunikation im inneren Kreis statt. Denn das Gesagte erreicht nicht nur die direkten Dialogpartner, sondern auch das beiwohnende Publikum. Aufgrund von Erfahrungswerten und den geplanten Kommunikations­situationen, findet die zweifache Gerichtetheit von Seiten Klums bewusst statt, da ja ihr Auftreten, sowie die Sprache, Teil der strategisch durchdachten Narrativik ist. Die Mädchen hingegen handeln in der Regel weniger vorgefertigt, da ihnen nicht unbedingt klar ist, in welchen Situationen sie wie von außen wahrgenommen und innerhalb des Format­Konzeptes platziert werden. Schließlich ist es auch von Seiten der Produzenten möglich und gewünscht, die jungen Frauen beispielsweise mit Hilfe von Montagen oder Kommentaren aus dem Off in ein bestimmtes inszeniertes Licht zu rücken.

[...]


[1] u.a. in Desperate Housewives (2010) (vgl. heidiklum.com)

[2] Single Wonderland (2006) (vgl. heidiklum.com)

[3] u.a. Buch Natürlich erfolgreich (2005) (vgl. heidiklum.com)

[4] „Wett-Watscheln" = Wettbewerb im Laufen in Schwimmflossen

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668510425
ISBN (Buch)
9783668510432
Dateigröße
942 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373339
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
2,0
Schlagworte
Heidi Klum Germanys Next Topmodel Fernsehdeutsch Kommunikation Inszenierung Sprache nonverbale Kommunikation Image Marke Moderation Fernsehen Medien

Autor

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Titel: Fernsehdeutsch. Heidi Klums zwei Gesichter in "Germany’s Next Topmodel"