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Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Fremdsprachenunterricht. Wenn Sprache lernen zum Problem wird und wie man damit umgeht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 24 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition LRS
2.1 Abgrenzung LRS - Legasthenie
2.2 Charakteristik von LRS
2.2.1 Im Lesen und Leseverständnis
2.2.2 Rechtschreibung
2.2.3 Weitere Auswirkungen

3. Diagnostische Methoden zur Feststellung von LRS
3.1 Testverfahren
3.1.1 Testverfahren zur Lesekompetenz
3.1.2 Testverfahren zur Rechtschreibkompetenz
3.2 Beobachtungsverfahren

4. LRS im Fremdsprachenunterricht
4.1 Schwierigkeiten von LRS-Betroffenen im Fremdsprachenunterricht
4.1.1 Fehlertypen im Spracherwerbsprozess einer Fremdsprache
4.1.2 Probleme von LRS-Betroffenen beim Erlernen einer Fremdsprache
4.1.3 Gibt es eine spezifische Fremdsprachen-LRS?
4.2 Vorschläge zum Umgang mit LRS im Fremdsprachenunterricht
4.3 Gibt es eine LRS-freundliche Fremdsprache?
4.3.1 Schwierigkeiten im Englischen
4.3.2 Schwierigkeiten im Französischen
4.3.3 Schwierigkeiten im Lateinischen

5. Schlussbetrachtung / Fazit

Literaturverzeichnis

Um eine bessere Lesbarkeit der vorliegenden Arbeit zu gewährleisten, wird durchgehend die männliche Sprachform von Personengruppen und einzelnen Personen verwendet. Natürlich sind damit auch immer Frauen und Mädchen gemeint, sprich Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler etc.

1. Einleitung

Schriftsprachliches Material begegnet uns tagtäglich in unserem Alltag und die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Lesens und Schreibens sind bedeutsamer denn je. Sie sind die Grundfertigkeiten, die uns helfen informiert zu bleiben, zu kommunizieren und nehmen einen großen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Es gibt praktisch keinen Lebensbereich, beruflich oder privat, der ohne Schrift denkbar ist. Jedoch bleibt die Gewissheit durch internationale Schulvergleiche wie der PISA-Studie, dass sowohl Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene weder das Lesen noch das Schreiben in ausreichendem Maß beherrschen und dabei starke Schwierigkeiten aufweisen. Ebenso ist das Beherrschen von Fremdsprachen heutzutage durch stetig wachsende internationale Verflechtungen zur Notwendigkeit geworden. Auch hier gelingt dieser Fremdspracherwerb aber einer Reihe von Menschen nicht befriedigend, obwohl sie ausreichend Fleiß und Intelligenz vorweisen, wofür ein schwerwiegender Grund die Lese- Rechtschreibschwäche ist (vgl. Sellin 2008, 11). Durch ihre andersartigen Lernvoraussetzungen ist für sie der Erwerb einer Fremdsprache mit mehr Schwierigkeiten verbunden, als für andere - scheinbare Willkür von Lauten und deren Schreibweise machen diesen Lernern das Erwerben einer Fremdsprache sehr schwer.

Die Absicht dieser Hausarbeit ist es, einen allgemeinen Überblick über Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zu geben und den Leser über verschiedene bedeutende Aspekte wie Auswirkungen und Diagnoseverfahren zu informieren. Dabei liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf der Fragestellung, wie sich LRS auf das Erlernen einer Fremdsprache auswirkt, wie mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten beim Erlernen einer Fremdsprache umgegangen wird, welche Problematiken dabei auftreten und wie man als Fremdsprachen-Lehrkraft dieser Thematik auf angebrachte Art und Weise begegnen kann.

2. Definition LRS

2.1 Abgrenzung LRS - Legasthenie

Bevor diese Hausarbeit sich mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten und deren Auswirkungen auf den Fremdspracherwerb beschäftigen kann, soll geklärt werden, mit welchen Begriffen gearbeitet wird. Denn „ [ … ] die Bezeichnungen für das Phänomen der Leserechtschreibschwäche, -schwierigkeit, -störung, Legasthenie oder Dyslexie sind so vielfältig wie das Problem selbst. “ (vgl. Thomé 2004, 9). Es gibt nicht nur eine terminologische Vielfalt, auch konzeptuell zeigen sich Differenzen. Die Abgrenzung der Begrifflichkeiten ist oft unpräzise und vor allem in Deutschland das Thema kontroverser Diskussionen. Bei vielen Menschen herrscht Unsicherheit darüber, ob Legasthenie und LRS ein und dieselbe Sache bezeichnen - eine weit verbreitete Meinung ist, dass es sich bei LRS lediglich um eine schwächere Form der Legasthenie handelt. Dies ist jedoch irreführend, denn bei LRS und Legasthenie handelt es sich um zwei Begriffe für dieselbe Problematik (vgl. Schipperges 2015, 8). Um eine Unterscheidung von Lese- Rechtschreibschwierigkeiten (kurz LRS) und Legasthenie vorzunehmen, sollte man die Ursachen betrachten. Während man sagt, dass die LRS durch Ursachen psychischer und physischer Art hervorgerufen wird, geht man bei Legasthenie von einer genbedingten Ursache aus, die als Anlage vorhanden ist und vererbt wird (vgl. LRS Portal 2017). Legasthenie ist hierbei der ältere Begriff und man spricht bei dem Auftreten von Auffälligkeiten in drei Bereichen von Legasthenie: Auffälligkeiten in der Aufmerksamkeit, die Differenzierung der Sinneswahrnehmung und entsprechende Fehlersymptomatik (vgl. DVLD 2017) Leider werden in Deutschland diese verschiedenen Begriffe selten bis nie unterschieden und in Folge auch von Fachleuten, Schulbehörden und Autoren synonym gebraucht, da eine endgültige wissenschaftlich fundierte Möglichkeit zur Abgrenzung der Begriffe bisher nicht formuliert worden ist. Da der Begriff der Legasthenie in der Vergangenheit oft als „ krankheitsähnliches Phänomen “ benannt wurde und eine negative Etikettierung Betroffener vornahm, werde ich im Rahmen dieser Arbeit den Begriff der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten verwenden, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen. Dieser Begriff wird in den meisten Werken verwendet, ist kurz, praktisch und weniger vorbelastet. „ Wenn es um das Thema Legasthenie geht, sind Diskussionen nach wie vor zu oft von Vorurteilen statt Wissen geprägt. “ ( vgl. Geist 2015, 3).

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich also von LRS sprechen - es ist jedoch zu betonen, dass in verschiedenen Literaturen die unterschiedlichen Begrifflichkeiten wie LRS und Legasthenie immer wieder divers und verschieden erklärt werden und eine einheitliche Definition und Abgrenzung bisher noch nicht existiert.

2.2 Charakteristik von LRS

Lernen beruht auf der Aktivität der Sinne sowie der Vernetzung der Informationen und ihrer Speicherung im Gedächtnis. Es geht um grundlegende Prozesse der Reizverarbeitung und Wahrnehmung. Die Lauterkennungs-, Lautunterscheidungs- und Lautproduktionsfähigkeiten, die hierfür benötigt werden, sind bei LRS Betroffenen häufig herabgesetzt (Vgl. Sellin 2008, 33).

Um der sachlichen Aufklärung über die LRS gerecht zu werden, möchte ich mit einer wissenschaftlich anerkannten Einordnung der LRS beginnen. Eine offizielle LRS- Definition erarbeitete die Weltgesundheitsorganisation im ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Hier wird die LRS in Kapitel F81 genannt und unter Umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten gelistet. Die Definition lautet wie folgt: „ Die [ … ] Lese-Rechtschreibschwäche bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklungs-, Milieu-, oder Unterrichtsbedingungen geklärt werden kann. Vielmehr ist die [LRS] das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und/oder durchäu ß ere, schädigende Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörungen von Teilfunktionen des zentralen Nervensystems handelt. “ (vgl. Sellin 2008, S.34)

Man spricht von einer Lese-Rechtschreibschwäche (kurz LRS), wenn ein Schüler das Lesen oder Schreiben in der dafür vorhergesehenen Zeit nicht oder nur unzureichend erlernt hat. Ein weiteres distinktives Merkmal sind die deutliche Diskrepanz in der eigenen Leistung im Vergleich zu den Leistungen der Peers, sowie vor allem die stetig andauernden Schwierigkeiten in der Schriftsprache (vgl. Klicpera 2007, 119f). Es gibt also keine speziellen Fehlertypen, die LRS charakterisieren, sondern vor allem die kontinuierlichen hohe Fehleranzahl, die auch durch regelmäßiges Üben nicht behoben werden kann, zeichnet eine LRS aus. Die betroffenen Schüler „ [ … ] vertauschen, verdrehen, ersetzen und lassen Buchstaben, Wortteile oder sogar ganze Wörter weg “ (vgl. Schleider 2009, 16). Dadurch werden sinntragende Unterschiede in Wörtern oft nicht erkannt und dies wiederum führt zu Problemen beim Textverständnis, Gelesenes kann nicht korrekt wiedergegeben werden und das Erkennen von Zusammenhängen wird deutlich erschwert.

Es ist zudem von großer Bedeutung zu beachten, dass hier eine klare Eingrenzung durch das Abgrenzen zu Lernbehinderungen geschieht: LRS Betroffene verfügen über einen durchschnittlichen IQ, der Einfluss von fehlerhaftem Unterricht und unzureichender Erziehung werden ausgeschlossen. Des Weiteren werden auch Teilleistungsstörungen oft im Zusammenhang mit LRS genannt: „ wenn Teile der Lernvoraussetzungen, [ … ] eingeschränkt sind, nicht aber die Intelligenz in ihrem gesamten Umfang, spricht man von Teilleistungsstörungen “ (vgl. Sellin 2008, 28). Teilleistungsstörungen liegen in unterschiedlicher Zusammensetzung und Stärke einer LRS zugrunde, jeder Betroffene weißt ein individuelles Störungsmuster auf - LRS ist also multifaktoriell und multikausal. Die allgemeine Form der LRS betrifft laut Forschungen bis zu 20% der Schülerinnen und Schüler (vgl. Gerlach 2015, 140).

2.2.1 Im Lesen und Leseverständnis

Die ersten Schwierigkeiten tauchen direkt bei der Entschlüsselung von Buchstaben zu Wörtern auf. Gerlach (2015, 143) beschreibt als typisches Problem im Lesen und im Leseverständnis die deutlich herabgesetzte Lesegeschwindigkeit durch das Phänomen des Zusammenschleifens einzelner Laute und Silben zu einem Wort - der Leseprozess eines lese-rechtschreibschwachen Lerners passiert durch schrittweises Dekodieren der einzelnen Buchstaben, eine direkte Erfassung eines Wortes ist nicht möglich. Das buchstabenweise Erlesen von Wörtern führt zu einem verlangsamten Lesetempo, dass durch die Entwicklung von Ratestrategien zu kompensieren versucht wird (vgl. Schleider 2009, 16).

Beim Lautlesen wird des Weiteren deutlich, dass es den LRS Betroffenen sichtbar schwer fällt, gewissen Buchstabenkombinationen die korrekte Lautrealisation zuzuordnen. Gerlach (2015, 143) drückt diese Problematik folgendermaßen aus: „ Hierbei gilt insbesondere die phonologische Bewusstheit als Schlüsselfähigkeit bei der Unterscheidung oder Zuordnung gewisser Laute und ihrer Umsetzung von geschriebenen Buchstaben in Laute und umgekehrt, der phonologischen Rekodierung. “

2.2.2 Rechtschreibung

Diese Schwierigkeiten drücken sich in durchgängig auftauchenden Fehlern in der Rechtschreibung aus, sowohl beim ungeübten als auch beim geübten Arbeiten. Es kommt so zu LRS-typischen Rechtschreibfehlern (vgl. Schleider 2009, 17):

Verwechslung ähnlich aussehender Buchstaben (z.B. b - d, p - q, u - n) Weglassen von Buchstaben (z.B. Ban statt Bahn)

Vertauschen der Buchstaben innerhalb eines Wortes (z.B. Breif statt Brief) Falsches Einfügen von Buchstaben (z.B. wegseln statt wechseln) Keine Beachtung von Groß- und Kleinschreibung Häufiges Auftreten von Grammatik- und Interpunktionsfehlern Es ist wichtig zu betonen, dass es bei einer LRS kein festgefahrenes Fehlermuster gibt, also keine speziellen Fehler, die immer und immer wieder falsch gemacht werden: viel mehr gibt es Fehler mit großer Streubreite: das heißt, ein Wort kann innerhalb desselben Textes in verschiedenen Schreibweisen auftauchen, es werden für dasselbe Wort immer wieder unterschiedliche Fehler gemacht.

2.2.3 Weitere Auswirkungen

LRS hat nicht nur konkrete Auswirkungen auf den Erfolg des Lesens und Schreibens im Unterricht, viel mehr bringen diese Schwierigkeiten noch weitreichendere Folgen mit sich und ziehen ihr gesamtes Umfeld in Mitleidenschaft (vgl. Thomé 2004, 9). So ziehen sich Schwierigkeiten nicht nur durch das Fach Deutsch, sondern beeinflussen auch den schulischen Erfolg in anderen Fachbereichen: durch das fehlende Textverständnis können Aufgabenstellungen nicht richtig verstanden werden und bearbeitet werden, Antworten können nicht verschriftlicht werden. Verlust von Motivation durch diese anhaltenden Misserfolge und Überforderung, auch die daraus resultierende Vermeidung von Lesen und Schreiben an sich können Folgen sein. Ebenso kann sich durch anhaltende Misserfolge trotz dauernden Übungen ein negatives Selbstbild entwickeln. Benötigte Zeit für Förderung außerhalb der Schulzeit kann zudem für soziale Isolation und emotionale Probleme sorgen (vgl. Schleider 2009, 19). Um diese Folgen, die sich durch die gesamte Schullaufbahn ziehen können, zu vermeiden, ist eine frühzeitige Diagnose umso wichtiger, um entsprechende Fördermaßnahmen vornehmen zu können.

3. Diagnostische Methoden zur Feststellung von LRS

Um nach der Feststellung einer Lese-Rechtschreibschwäche passende Interventions- und Fördermaßnahmen aussuchen, planen und realisieren zu können, ist eine wissenschaftlich fundierte Diagnose von Nöten, die sich mit den spezifischen Stärken und Schwächen des Kindes auseinandersetzt (vgl. Pflister 2014, 4). „ Die Grundsätze der KMK zum Problem LRS von 2003/2007 (S.1) stellen klar, dass die Verantwortung für Diagnose und darauf aufbauende Beratung und Förderung der Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben zu den Aufgaben der Schule gehört. “ (vgl. Klicpera 2003, 54). Das heißt, dass eine möglichst frühe diagnostische Beobachtung der Lernschritte eines Kindes innerhalb eines schulischen Settings nötig ist und die entsprechenden Ergebnisse in Förderplänen festgehalten werden und regelmäßig überprüft werden sollten, um eine differenzierte Einsicht in den Lernprozesses eines betroffenen Kindes zu erlangen. Denn eine differenzierte Diagnostik bildet die Basis für eine angemessene, individualisierte Förderung.

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Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668542488
ISBN (Buch)
9783668542495
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373264
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Schlagworte
lese- rechtschreibschwierigkeiten fremdsprachenunterricht sprache problem fremdsprache fremdspracherwerb sprachunterricht leseschwäche legsthenie leserechtschreibschwäche mehrsprachigkeit

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