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Chancen und Grenzen psychosozialer Onlineberatung von Jugendlichen

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausdifferenzierung der Onlineberatung
2.1 Definitionen
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.3 Beratungsbedarf

3. Besonderheiten der Onlineberatung

4. Grenzen der Onlineberatung
4.1 Allgemeine Risiken
4.2. Qualitätsmerkmale

5. Fazit

1. Einleitung

Das Internet nimmt heutzutage einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft ein. Unsere alltägliche Kommunikation ist mittlerweile fest mit Online-Angeboten verbunden und die Präsenz des Computers in Form von sozialen Netzwerken wie Facebook alltäglich. Insbesondere in der Jugend lässt sich eine zunehmende ,,Mediatisierung der Alltagswelten'' (Reindl 2015, S. 56) feststellen. Das Statistik-Portal statista verzeichnet zur Verbreitung und Nutzung des Internets in Deutschland im Jahr 2016 bei den 14- bis 19-jährigen eine Nutzungsrate von 100%. Die tägliche Dauer der Internetnutzung von Jugendlichen liegt bei 200 Minuten. (vgl. statista)

Das Internet ist längst zu einer zentralen Informationsquelle geworden. Immer präsenter wird es daher auch für Ratsuchende, die sich Informationen und Unterstützung bei verschiedenen Problemen erhoffen. Die Lebensphase der Jugend ist eine Zeit, in der erhebliche Entwicklungsprozesse ablaufen, was nicht immer störungsfrei funktioniert. Beratung kann Unterstützung bieten und eine Orientierungshilfe für Jugendliche darstellen. Schleiffer schreibt, dass die Einrichtung spezieller Institutionen der psychosozialen Vorsorge darauf hindeutet, ,,dass mit der Entwicklung hin zur funktional ausdifferenzierten Gesellschaft sowohl eine Zunahme psychischer Problemlagen, als auch eine Sensibilisierung für diese einherging''. (Schleiffer 2010, S. 1019)

Unter Berücksichtigung der Lebensweltorientierung von Beratungsansätzen ist es somit eine logische Schlussfolgerung, dass Unterstützungsmöglichkeiten mit dem Angebot der Onlineberatung erweitert werden. (vgl. Nestmann et. al. 2007, S. 36) Dieses internetbasierte Beratungsangebot ist überwältigend und hat sich in den letzten Jahren zu einem eigenständigen Beratungszweig entwickelt. Neben der Beratung durch Einzelpersonen haben sich virtuelle Beratungsstellen zu spezifischen Themenkomplexen etabliert. Auch immer mehr große Institutionen der Wohlfahrtspflege wie der Deutsche Caritasverband e.V. ergänzen ihr Angebot durch internetbasierte Inserate. (vgl. Reindl 2015, S. 55f)

Aufgrund der rasanten Entwicklungen im Beratungssektor einerseits und in der Mediennutzung andererseits erscheint es wichtig zu untersuchen, welche Chancen durch die Onlineberatung geboten werden und welche Risiken damit einhergehen. Dieser Frage geht die vorliegende Ausarbeitung nach. Im Fokus steht dabei die Zielgruppe der Jugendlichen.

Im ersten Teil der Arbeit werden einige themenspezifische Definitionen erläutert sowie die rechtlichen Grundlagen der Onlineberatung vorgestellt. Daraufhin folgt eine Analyse des derzeitigen Bedarfs sowie der tatsächlichen Inanspruchnahme durch Heranwachsende. Im darauffolgenden Teil wird auf die Besonderheiten der internetbasierten Beratung eingegangen. Zunächst erfolgt eine Darlegung der positiven Aspekte des Angebotes, anschließend folgt die Betrachtung der allgemeinen Grenzen sowie der die Qualitätssicherung und technische Standards betreffenden Risiken. Es folgt ein abschließendes Fazit.

2. Ausdifferenzierung der Onlineberatung

In diesem Kapitel erfolgt als Einstieg zunächst die Definition einiger für die Arbeit zentraler Begriffe. Anschließend stehen die gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen im Fokus. Es folgt eine kurze Analyse des vorhandenen Beratungsbedarfs sowie der tatsächlichen Inanspruchnahme, um einen Überblick über die Grundlagen der Beratung und deren Stellenwert für Heranwachsende zu geben.

2.1 Definitionen

Unter Beratung versteht man nach Sickendiek et. al (2008) ,,eine Interaktion zwischen zumindest zwei Beteiligten, bei der die beratende(n) Person(en) die Ratsuchende(n) – mit Einsatz von kommunikativen Mitteln – dabei unterstützen, in Bezug auf eine Frage oder auf ein Problem mehr Wissen, Orientierung oder Lösungskompetenz zu gewinnen.'' (S. 13) Dabei richtet sich die Interaktion ,,auf kognitive, emotionale und praktische Problemlösungen […] sowohl in lebenspraktischen Fragen wie auch in psychosozialen Konflikten und Krisen'' (ebd.) und kann ,,präventive, kurative und rehabilitative Aufgaben erfüllen'' (ebd.).

Beratung differenziert sich in vier verschiedene, ineinander übergreifende Teilbereiche. Dazu zählen die psychologische Beratung, in der Einstellungen in Bezug auf individuelle oder soziale Problembereiche im Vordergrund stehen, die soziale Beratung, in der hingegen alltags- und lebensweltorientierte Beratung geleistet wird sowie die pädagogische Beratung, in der sogenannte Wirklichkeitseinsicht fokussiert wird. (vgl. Sickendiek et. al 2008, S. 15ff) Der vierte Bereich, die psychosoziale Beratung, steht in dieser Arbeit im Vordergrund und betrachtet das Erkennen von Belastungen und Einschränkungen. Dabei impliziert diese Beratungsform ,,ein Menschen- und Gesellschaftsbild, das psychische und soziale Befindlichkeiten in Verbindung zu sozialen Lebens- und Umweltbedingungen setzt.'' (vgl. ebd. S. 19) Im Vordergrund stehen somit die Hervorhebung individueller Ressourcen statt einer Defizitorientierung sowie die Wechselwirkung und potenzielle Diskrepanzen zwischen Individuum und Umwelt.

Den Prozess der Zielerreichung unterteilen die AutorInnen um Sieckendiek unabhängig von der Beratungsdisziplin in drei Schritte. Im ersten geht es um die Klärung des Problems und die Ausgangslage des Klienten / der Klientin, im zweiten um die Planung von Teilzielen sowie langfristigen Zielen und im dritten Schritt steht die Planung und Reflexion von Handlungsschritten im Fokus. (vgl. ebd. S. 13ff)

Beratung ist in der Regel multimethodisch und elektiv-integrativ orientiert. Darunter wird verstanden, dass aus verschiedenen Beratungsformen einzelne Aspekte für individuell angepasste Interventionsstrategien ausgewählt und bewusst kombiniert sowie integriert werden. Es ist daher notwendig, dass BeraterInnen ,,das Wichtigste aus verschiedenen Konzepten kennen und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Ratsuchenden anwenden können.'' (Belardi et. Al 2005, S. 71)

Onlineberatung ist ein virtuelles Setting, in der Regel in Schriftform als textbasierte Kommunikation, das nicht face-to-face und nicht zwingend synchron abläuft. Die Instrumente reichen dabei von öffentlichen Formen wie der Forenberatung über passive Formen wie Informationsbeschaffung über Frequently Asked Questions auf Internetseiten bis hin zu interaktiv-kommunikativer Einzelberatung in asynchroner Form per E-Mail, wo Nachrichten erst nach einem mehr oder weniger langen Zeitintervall rezipiert werden, oder in synchroner Form mit unmittelbarer Reaktion eines Gegenübers im Chat als direktes virtuelles Gespräch. (vgl. Helmert 2008, S. 5ff)

Zu den Besonderheiten der computervermittelten Kommunikation gibt es eine Reihe von Theorien, deren Ausführung an dieser Stelle zu weit führen würde. Daher liegt der Fokus in dieser Arbeit auf den für die Bewertung von Onlineberatungsangeboten relevanten Kriterien der internetbasierten Beratungsprozesse. Kinder und Jugendliche richten sich in der Regel mit einem bestimmten Anliegen an Beratungsangebote. Die Themenbereiche sind vielfältig und reichen laut Eisenbach-Heck und Weber von Konflikten in Beziehungen, Freundschaften oder der Familie über Essstörungen, Depression, selbstverletzendes Verhalten sowie das Vorhandensein eines geringen Selbstwertgefühls bis hin zur Suche nach dem Sinn des Lebens. (vgl. 2003, S. 77f) Die beispielhaften Auswertungen der bke-Jugendonlineberatung listen vier dominante Thematiken auf. Demnach stehen für jede/n zweite/n Ratsuchende/n seelische Probleme im Vordergrund, gefolgt von familiären Problemen mit 10%, schulischen Belastungen mit 9% und Auffälligkeiten im Sozialverhalten mit 7%. (vgl. Menne et. al 2009, S. 3)

Die Lebensphase der Jugend ist nach Romig gekennzeichnet von einer Zeit persönlicher Umbrüche, psychosozialer Abgrenzung vom Elternhaus und der ,,Identitätssuche in komplexen, schnell wandelnden Gesellschaften'' (2009, S. 64), die daher Konfliktpotenzial birgt. Schleiffer schreibt dahingehend von der Notwendigkeit, ,,zu einer multidisziplinären und multiperspektivischen Betrachtung der kinder- und jugendspezifischen Probleme zu gelangen'' (2010, S. 1035). Andresen und Hurrelmann konstatieren, dass beispielsweise soziale Benachteiligung innerhalb der Familie durch Probleme wie ,,Geldmangel, monotone[...] Freizeitangebote[...], Arbeitslosigkeit, soziale[...] Isolation, mangelnde Unterstützung aus der Nachbarschaft und zu wenige[...] stimulierende[...] Umweltimpulse[...] im Elternhaus'' (2010, S. 157) hinderlich für eine optimale Entwicklung des Kindes sein können. Durch die zunehmende Ablösung vom Elternhaus fallen wichtige Bezugspersonen weg, die zuvor Probleme der Jugendlichen als erste AnsprechpartnerInnen aufgefangen haben und somit eine Inanspruchnahme von professioneller Beratung in den Hintergrund haben rücken lassen.

2.2 Rechtliche Grundlagen

Da der Beratungssektor einem stetigen Wandel unterliegt, scheint es wichtig, die Beratung mit Rechten und Gesetzen abzusichern. Im Sozialgesetzbuch (SGB) ist festgehalten, dass jede/r Bürger/in einen Anspruch auf rechtliche Beratung oder die Beratung in einer persönlichen Angelegenheit hat. Zusätzlich enthält das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) umfangreiche Rechte zu Prävention, Hilfeleistung und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen und sieht vor, dass jeder junge Mensch ein ,,Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit'' (§1 Absatz 1) hat. Dadurch wurde ein eigenständiger fachlich beratender Bereich geschaffen, der für Vorsorge und Unterstützung von Heranwachsenden in Krisensituationen zuständig ist. Unter anderem ist im KJHG das Recht auf kostenfreie Beratung vermerkt, die ,,ohne Kenntnis des Personensorgeberechtigten'' (§8 Absatz 3) erfolgen kann, ,,wenn die Beratung aufgrund einer Not- oder Konfliktlage erforderlich ist'' (ebd.). Darüber hinaus haben sich explizite gesetzliche Grundlagen in Bezug auf mediale Beratungsangebote bisher nicht durchgesetzt.

2.3 Beratungsbedarf

In diesem Abschnitt der Arbeit wird ein Überblick über die Nachfrage an Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten sowie über die tatsächliche Inanspruchnahme von Onlineberatungsangeboten von Seiten der Jugendlichen gegeben. Ein Vergleich internationaler Studien weist eine durchschnittliche Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Heranwachsenden von rund 18% nach. (vgl. Ihle/Esser 2002, S. 159) Die Shell-Jugendstudie von 2010 hält fest, dass rund ein Viertel der Jugendlichen teils zufrieden bis teils unzufrieden ist. (vgl. S. 191) Der eigentliche Beratungsbedarf von Kindern und Jugendlichen lässt sich allerdings nur schwer erfassen, da viele Krisen im Verborgenen bleiben und gar nicht nach außen getragen, sondern ohne Unterstützung durchlaufen werden. (vgl. Scheithauer et. al 2008, S. 241)

Langer und Langer (2005) arbeiten die Gefahr des passiven Aussitzens von Schwierigkeiten beziehungsweise das Verdrängen von Problemen heraus und halten fest, dass das soziale Netzwerk von Jugendlichen der Funktion als elementarer Ansprechpartner nicht immer gerecht werden kann, weshalb die Zuständigkeit an Beratungsinstitutionen weitergereicht wird. Unterstützt sehen sie dieses Ergebnis dadurch, dass der Suizid in Deutschland die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen bei Heranwachsenden ist und Suizidversuche noch deutlich häufiger sind. Diese beschreiben sie als Ausdruck von Krisen bei besonders schwerwiegenden seelischen Belastungen. (vgl. S. 41ff)

Hurrelmann (2010) weist darauf hin, dass Jugendliche ,, professionelle Beratung bei Weitem nicht in dem Maße aufsuchen, wie es ihrer tatsächlichen psychischen Anspannung und körperlichen Belastung angemessen wäre'' (S. 204) und sie Hilfe in dieser Form häufig erst erreicht, wenn sie bereits auffällig geworden sind. Das deutet auf eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage hin. Wie kann man also erreichen, dass junge Menschen sich bereits bei der Entstehung von Problemen, bevor Sachverhalte sich chronifizieren, Hilfe suchen? Generell ist eine steigende Tendenz der Inanspruchnahme im Bereich der Onlineberatung für die Zielgruppe von Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen, weshalb im weiteren Verlauf der Arbeit auf dieses Angebot eingegangen wird. (vgl. Bock/Lemmen 2007, S. 5)

3. Besonderheiten der Onlineberatung

In diesem Kapitel folgt eine Darlegung der Chancen von Onlineberatung als innovativer und zeitgemäßer Form der psychosozialen Beratung. Ein wichtiger Vorteil dieser Beratungsdisziplin ist die Standortunabhängigkeit. Die einzige Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist ein Internetzugang, wobei nicht relevant ist, ob dieser privat oder öffentlich ist. Somit eignet sich Onlineberatung beispielsweise auch für Menschen mit körperlicher Behinderung oder aus strukturärmeren Gegenden, in denen ansonsten aufgrund einer mangelhaften sozialen Infrastruktur kein Zugang zu Beratungsangeboten gewährleistet werden kann. Ortsgebundene Zugangsschwierigkeiten werden somit weitestgehend aufgehoben. Ruf (2015) sieht gerade aufgrund der derzeit steigenden Immigrationszahlen außerdem den Vorteil, ,,Menschen mit Migrationshintergrund auf Distanz Zugang zu einem muttersprachlichen Beratungsangebot zu ermöglichen'' (S. 6), da dies nicht alle Einrichtungen vor Ort gewährleisten können. (vgl. Helmert 2008, S. 10ff; Romig 2009, S. 96; Ruf 2015, S. 5f)

Über die räumliche Unabhängigkeit hinaus sind Onlineberatungsangebote im Gegensatz zu konventionellen Einrichtungen jederzeit nutzbar, gekennzeichnet durch zeitliche Flexibilität und mit nur geringen Wartezeiten verbunden. Schramm und Schramm (2003) schreiben dahingehend, dass Jugendliche ,,im hier und jetzt Probleme [wahrnehmen] und […] sich sofort einen schnellen Rat [wünschen] und nicht erst ein paar Wochen später, wenn ihr Problem nicht mehr relevant ist'' (S. 264).

Durch asynchrone Angebote wie E-Mails wird die Notwendigkeit der Kopräsenz der KommunikationsteilnehmerInnen überwunden. Es ist keine Terminvereinbarung mehr erforderlich und die vorhandenen Kapazitäten der beratenden Institution rücken in den Hintergrund. Reale Präsenz ist oft mit einem sehr viel höheren Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Auch wenn Kinder und Jugendliche gesetz dem Kinder- und Jugendhilfegesetz §8 ein Anrecht auf kostenlose Beratung haben, nutzen sie aus Unwissenheit über diesen Anspruch häufig eher Beratungsangebote im Internet. Zudem können durch das aktive Aufsuchen einer Beratungsinstitution Fahrtkosten auf sie zukommen. Somit lässt sich durch die einfache und schnelle Informationsvermittlung, auch bei vorausgehenden Fragen nach der Zuständigkeit oder dem Recht auf bestimmte Hilfeleistungen, die Reichweite der Beratung verbessern. (vgl. Romig 2009, S. 101f)

Des Weiteren ist die Anonymität im virtuellen Setting positiv zu bewerten, da Angst vor möglicher Stigmatisierung außer Kraft gesetzt wird. BeraterInnen können vorurteilsfrei arbeiten und Schutz auch bei rechtlichen Grauzonen wie Rechtsradikalismus ist gewährleistet. (vgl. Helmert 2008, S. 10ff) Definiert wird diese Anonymität durch ,,die Möglichkeit des unerkannt Bleibens, der Unmöglichkeit, Sachverhalte gezielt zu überprüfen sowie das Fehlen habitueller Zusatzinformationen (Kleidungsstil, Mimik, Gestik, Sprache usw.)''. (Weinhardt 2009, S. 156) Während in der face-to-face-Beratung oftmals nur eine formale Anonymität durch Nicht-Nennung von Name, Adresse und weiteren persönlichen Daten realisierbar ist, handelt es sich in der Onlineberatung um eine komplette Anonymität, die durch die Wahl eines Pseudonyms ermöglicht wird. Rückschlüsse auf ratsuchende Personen sind somit nicht möglich, was das Ansprechen von schambesetzten Themen in Bezug auf intrapersonelle oder interpersonelle Probleme erleichtert. Höflich beschreibt den Computer in diesem Kontext als ein ,,egalisierendes Medium, bei dem Ansehen und Aussehen in ihrer Bedeutung zurücktreten'' (2003, S. 49) und auch Knatz greift diesen Aspekt auf, indem er schreibt, dass Ratsuchende ,,im Schutze der Anonymität in vollem Maße ihre Autonomie und Entscheidungsfreiheit [wahren], ohne sozialem Erwartungsdruck oder gar Zwangsmaßnahmen ausgesetzt zu werden.'' (2009b, S. 62)

Als weiterer hier aufzugreifender wichtiger Aspekt sei deshalb die Selbstbestimmung erwähnt, die unter anderem durch das selektive Preisgeben von Informationen gegeben ist. Durch den unverbindlichen virtuellen Kontakt entsteht zudem der Eindruck, vermehrt Einfluss auf den Beratungsprozess nehmen zu können. Durch die Asynchronität der meisten virtuellen Beratungsangebote haben sowohl Ratsuchende als auch Beratende die Möglichkeit zur Reflexion und Überarbeitung ihrer Texte. Es besteht keine Notwendigkeit unmittelbar zu reagieren, wodurch Beratende sich außerdem weiteres Wissen zu entsprechenden Thematiken aneignen oder Hilfe holen können. Das Verfassen von Texten und Niederschreiben von Gedanken kann zudem der Problemstrukturierung dienen. Durch die Verschriftlichung erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Thematik, was schon eine Entlastung zur Folge haben kann. (vgl. Helmert 2008, S. 10ff)

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Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668518377
ISBN (Buch)
9783668518384
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373210
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,4
Schlagworte
Onlineberatung Jugend Medien

Autor

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Titel: Chancen und Grenzen psychosozialer Onlineberatung von Jugendlichen