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Der Begriff des Bösen bei Kant. Der Hang zum "Bösen" oder das selbstverschuldete Annehmen "böser" Maximen

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Der Begriff des „Bösen“
1.1 Die Moralität
1.2 Definitionsproblem

2. Der Hang zum „Bösen“ oder die Selbstverschuldung der Annehmung „böser“ Maximen
2.1 Der „subjektive Grund“
2.2 Das radikale Böse
2.3 Warum sind alle Menschen Böse? – Eine apriorische Erklärung

3. Nachwort

4. Literaturnachweis

Einleitung

Mit der im Titel gestellten Frage nach dem Begriff des „Bösen“ bei Immanuel Kant, behandelt diese Arbeit die praktische Philosophie des Königsbergers. Neben der Begriffserklärung, wird auch nach der moralischen Wertung Kants für die menschliche Gattung zu fragen sein.

1. Der Begriff des „Bösen“

In dem „Wörterbuch zum leichtern Gebrauch der Kantischen Schriften“, dessen erste Auflage 1786 erschien, definiert der Kantschüler Carl Christian Erhard Schmid die „Bösartigkeit“ folgendermaßen:

Bösartigkeit oder Verderbtheit, Verkehrtheit der menschlichen Natur oder des menschlichen Herzens, ist der Hang zur Annehmung böser d.i. solcher Maximen, worinn die Triebfeder aus dem moralischen Gesetze andern, nicht moralischen Triebfedern nachgesetzt wird.[1]

Nach der Begriffsbestimmung Schmids ist die menschliche Natur und das menschliche Herz Synonyme, die durch den Hang zur Nachsetzung nicht moralischer Triebfedern in dem moralischen Gesetz, zur Verkehrtheit der menschlichen Natur bzw. des menschlichen Herzens und somit zur Bösartigkeit führt. Es soll zum besseren Verständnis zunächst der Begriff des „Moralischen“ erläutert werden.

1.1 Die Moralität

Der Begriff des „Bösen“ ist ein Begriff aus der Moral und somit von der physischen Natur abstrahierend. Die „Natur [ist] im allgemeinsten Verstande die Existenz der Dinge unter Gesetzen“[2], diese befolgt nur den „Plane der Vollkommenheit“[3] und entspricht somit allein den Naturgesetzen. Kant bezeichnet die Moralität als „das Verhältnis der Handlungen zur Autonomie des Willens“[4]. Moral ist dem Menschen, als intellektuell-vernunftbegabtes Wesen, durch „praktische Intelligibilität“[5] gegeben, die durch einen „Willen“, „innerer Gesetzgebung“ und „Freiheit“ definiert wird. Die „innere Gesetzgebung“ unterscheidet sich von den Naturgesetzen insofern, als dass die „innere Gesetzgebung“ nicht von der Kausalität der Naturgesetze bestimmt wird, sondern sie ist selbstbestimmt und entstammt dem reinen Willen eines praktisch vernünftigen Wesens. Nach Kant ist der reine Wille ohne Einschränkungen „gut“, es ist sogar das einzige, was für absolut „gut“ gehalten werden kann[6]. Nur ein nicht affizierter Wille, also der Wille, der das „Wünschen“ oder „Möchten“ abstrahiert und somit lediglich von der „inneren Gesetzgebung“ bestimmt wird und de facto sich selbst bestimmt, gilt als moralisch. Der reine Wille ist moralisch, weil die „innere Gesetzligkeit“ objektiv ist. Das „innere Gesetz“ ist das „moralische Gesetz“ oder das „Sittengesetz“[7] selbst, dass die Vernunft vorraussetzt und unabänderlich ist. Das Bewusstsein dieses objektiven Gesetzes ist ein „Factum der Vernunft“[8].

1.1.1 Der kategorische Imperativ

Mit der Autonomie des Willens entsteht die Notwendigkeit der Befolgung der eigenen Gesetzgebung. Diese Notwendigkeit verfasst Kant in einem Befehl, bei dem es darum geht, was geschehen soll, um moralisch zu handeln. Dieser Befehl, schreibt die Anpassung der subjektiven Willensbestimmung an die objektive „innere Gesetzgebung“ vor. Kant bezeichnet diesen Befehl als den „kategorischen Imperativ“.

Er betrifft nicht die Materie der Handlung und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und das Prinzip, woraus sie selbst folgt, und das Wesentlich-Gute derselben besteht in der Gesinnung, der Erfolg mag sein, welcher er wolle. Dieser Imperativ mag der der Sittlichkeit heißen.[9]

Es gibt verschiedene Formulierungen des Imperativs, doch es gibt nur einen einzigen und auf Grund des gesetzten Rahmens dieser Arbeit, soll dieser nur in seiner Grundformulierung vorgestellt werden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“[10] Dieser Imperativ impliziert das Verständnis des Selbstzwecks. Jede Handlung kann also nur dann moralisch sein, wenn nicht Aufgrund einer Gegenleistung oder eines anderen Zwecks, als allein aus der „Pflicht“ heraus begangen wird.

1.1.2 Pflicht und Freiheit

„Pflicht soll praktisch-unbedingte Notwendigkeit der Handlung sein; sie muß also für alle vernünftigen Menschen (auf die nur überall ein Imperativ treffen kann) gelten, und allein darum auch für allen menschlichen Willen ein Gesetz sein“[11]. Mit diesem Satz festigt Kant die zwingende Verbindlichkeit des „kategorischen“, also unbedingten Imperativs. Für die Ausführung des kategorisch-imperativischen Prinzips ist die „Freiheit“ notwendig. Wir können den positiven Begriff der „Freiheit“ nicht a priori bestimmen[12], doch ist es gerade dieser Begriff, auf dem die praktische Vernunft basiert. Kant begründet:

Der Wille ist eine Art von Kausalität lebender Wesen, sofern sie vernünftig sind, und Freiheit würde diejenige Eigenschaft dieser Kausalität sein, da sie unabhängig von fremden sie bestimmenden Ursachen wirkend sein kann: so wie Naturnotwendigkeit die Eigenschaft von Kausaität aller vernunftlosen Wesen, durch den Einfluß fremder Ursachen zur Tätigkeit bestimmt zu werden.[13]

Der Begriff der Freiheit im Bereich der praktischen Vernunft, muss ein positiver sein, denn die Handlung aus Pflicht und somit die Befolgung des „kategorischen Imperativs“ kann nur dann einen moralischen Wert haben, wenn diese aus der eigenen „Freiheit“ entschieden wird. Kant schafft einen geschlossenen Gedankenzirkel, bei dem die „Freiheit“ zum positiven Begriff wird, durch die Wirksamkeit der Sittlichkeit, die widerum von der „Freiheit“ vorausgesetzt wird. „Wir nehmen uns in der Ordnung der wirkenden Ursachen als frei an, um uns in der Ordnung der Zwecke unter sittlichen Gesetzen zu denken, und wir denken uns nachher als diesen Gesetzen unterworfen, weil wir uns die Freiheit des Willens beigelegt haben“[14]. Mit dem Bewusstsein der menschlichen Freiheit entsteht erst die Verbindlichkeit an das moralische Gesetz, an das sich jedes vernunftbegabte Wesen, um moralisch zu handeln, pflichtgemäß aus eigener Gesinnung heraus bekennen muss.

1.2 Definitionsproblem

[...]


[1] Carl Christian Erhard Schmid: Wörterbuch zum leichtern Gebrauch der Kantischen Schriften. Hg. Norbert Hinske, 3. Auflage. Darmstadt 1998, S. 132

[2] Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Hg. Karl Vorländer. Hamburg 1993, 74

[3] Immanuel Kant: Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels in: Immanuel Kant Werke in sechs Bändern. Hg. Wilhelm Weischedel: Band I. Wiesbaden 1960, S. 235

[4] Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Hg. Theodor Valentiner. Stuttgart 2008, 439

[5] Vgl. Georg Römpp: Kant leicht gemacht – Eine Einführung in seine Philosophie. Köln 2005, S. 165

[6] Vgl. GMS: 393

[7] Vgl. KpV: 56

[8] Ebd.

[9] GMS: 416

[10] GMS: 421

[11] GMS: 425

[12] U.a. KpV: 56

[13] GMS: 446

[14] GMS: 450

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668516205
ISBN (Buch)
9783668516212
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373175
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Kant Böse moral kategorischer imperativ

Autor

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Titel: Der Begriff des Bösen bei Kant. Der Hang zum "Bösen" oder das selbstverschuldete Annehmen "böser" Maximen