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Darstellung von Unternehmensakquisitionen im Konzernabschluss nach IFRS

Bachelorarbeit 2017 49 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Bedeutung von Unternehmensakquisitionen und Problemstellung
1.1 Einleitung
1.2 Ziel und Abgrenzung
1.3 Aufbau

2 Grundlagen der Konzernrechnungslegung nach IFRS
2.1 Definitorische Abgrenzung und gesetzliche Grundlagen
2.2 Ziel und Funktion des Konzernabschlusses
2.3 Bestandteile des Konzernabschlusses
2.4 Grundlagen des bilanziellen Aufstellungsprozesses
2.5 Die Aufstellungspflicht
2.6 Das Beherrschungskonzept
2.7 Der Konsolidierungskreis
2.8 Konsolidierungsvorbereitung
2.8.1 Vereinheitlichung der Abschlussstichtage
2.8.2 Vereinheitlichung des Bewertungs- und Bilanzansatzes
2.8.3 Vereinheitlichung der Währung

3 Fallbeispiel von Unternehmensakquisitionen
3.1 Bilanzielle Darstellung im Konzernabschluss
3.1.1 Vollkonsolidierung
3.1.1.1 Erwerbsmethode bei 100 % -iger Beteiligung
3.1.1.2 Erwerbsmethode bei Vorhandensein von Minderheiten
3.1.2 Behandlung von Unterschiedsbeträgen
3.1.2.1 Geschäfts- oder Firmenwert
3.1.2.2 Passivischer Unterschiedsbetrag
3.1.3 Abgrenzung latenter Steuern
3.1.4 Ermittlung und Ausweis latenter Steuern anhand des Fallbeispiels
3.1.5 Equity-Methode
3.2 Darstellung in weiteren relevanten Bestandteilen des Konzernabschlusses
3.2.1 Gesamtergebnis- und Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung
3.2.2 Konzernkapitalflussrechnung
3.2.3 Konzernanhang
3.2.3.1 Pflichtangaben in Folge von Unternehmensakquisitionen
3.2.3.2 Zusätzliche Angaben ausgewählter Standards
3.2.3.3 Zusätzliche Angaben für deutsche IFRS-Anwender

4 Abschließende Betrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Kritische Beurteilung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Pflichtbestandteile des Konzernabschlusses im Sinne der IFRS

Abb. 2: Möglichkeiten der Verfügungsgewalt über einen Investee

Abb. 3: Vorgehensweise bei der Umrechnung von Fremdwährungs- abschlüssen

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: HB II der Unternehmen als Ausgangssituation

Tab. 2: HB III der H-GmbH bei 100 % -iger Beteiligung

Tab. 3: Neubewertungsmethode bei 100 % -iger Beteiligung

Tab. 4: Neubewertungsmethode bei 70 % -igem Anteilsbesitz

Tab. 5: Full Goodwill-Methode bei 70 % -igem Anteilsbesitz

Tab. 6: Passivischer Unterschiedsbetrag bei 70 % -igem Anteilsbesitz unter der Anwendung der Neubewertungsmethode

Tab. 7: Ermittlung latenter Steuern

Tab. 8: Neubewertungsmethode bei 100 % -iger Beteiligung unter der Berücksichtigung latenter Steuern

Tab. 9: Auszug aus der Konzernkapitalflussrechnung

Tab. 10: Konzernanhangsangaben bei Unternehmensakquisitionen

Tab. 11: Nebenrechnung der Bilanzierung nach der Equity-Methode

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Bedeutung von Unternehmensakquisitionen und Problem­stellung

1.1 Einleitung

„Es schadet nichts, wenn Starke sich verstärken,”[1]

Mit diesen Worten schuf Goethe 1831 einen der heute viel zitierten Leitsätze deutscher Unternehmen. Ob mittelständische Wirtschaftsberatung oder Großbank, allen scheint die Parallele zwischen militärischer Taktik in der Schlacht damals und der Ausrichtung der eigenen Unternehmenspolitik auf dem globalen Wirtschaftsmarkt heute, treffend. Bereits 2015 wurde mit einem Volumen von ca. fünf Trillionen US-Dollar, der bisher höchste gemessene Fusions- und Akquisitionsrekord aus dem Jahr 2007, eingestellt.[2] Das Niedrigzinsniveau macht Investitionen für Unternehmen attraktiver und insbesondere Unternehmensakquisitionen können in Zeiten volatiler Märkte ein interessantes Instru­ment für die Unternehmensführung darstellen. Die Ausschöpfung von Ertrags- und Kostensynergien sowie eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit oder die Eröffnung neuer Märkte, sind nur ein paar denkbare Motive, die für große Konzerne ebenso eine Rolle spielen wie für kleinere Unternehmen. In der weltweiten Unternehmenslandschaft sind es jedoch speziell die kapitalmarktorientierten Gesellschaften, die über 80 % der weltweiten Umsätze generieren und somit den Großteil der Weltwirtschaft bestimmen.[3] Ebendiese Unternehmen sind nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) dazu verpflichtet einen Konzernabschluss aufzustellen, der einem breiten Adressatenkreis als Grundlage wirtschaftlichen Handelns dient. Der Darstellung von Unternehmens­akquisitionen in Konzernabschlüssen kommt aus diesem Grunde eine besondere Bedeutung zu.

1.2 Ziel und Abgrenzung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Abbildung von Unternehmensakquisitionen im Rahmen der erstmaligen Einbeziehung im Konzernabschluss unter Betrachtung der IFRS zu unter­suchen und anhand einer fiktiven Fallstudie anzuwenden. Dafür werden zunächst die relevanten Regelungen und Methoden der bilanziellen Darstellung eingegrenzt und
darüber hinaus die sonstigen betroffenen Bestandteile auf Darstellungspflichten unter­sucht. Um die umfassenden theoretischen Standards zu verdeutlichen wird an aus­gewählten Stellen ein Fallbeispiel von Unternehmensakquisitionen einbezogen. Damit soll die vorliegende Arbeit für Investoren, Gläubiger, Lieferanten und Mitarbeiter eines Konzerns einen übersichtlichen Leitfaden darstellen, mithilfe dessen die Bilanzanalyse aber auch die Aufstellung eines Konzernabschlusses maßgeblich erleichtert werden soll.

Der Untersuchungsbereich dieser Arbeit erstreckt sich auf die Darstellungsparameter, die im Zuge von Unternehmensübernahmen im Konzernabschluss abgebildet sein müssen. Durch den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit, ist es jedoch nicht möglich, auf alle Ausprägungen der Darstellung einzugehen. Da die IFRS grundsätzlich durch nationales Recht bedingt sind, gelten die Untersuchungen dieser Arbeit vorrangig für kapital­marktorientierte Unternehmen mit Hauptsitz innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten.[4] Angemerkt sei, dass die Arbeit auf Grundlage von hauptsächlich deutschsprachiger Literatur verfasst wurde und der Normen-, Rechts- und Literaturstand von Ende Juni 2016 zugrunde liegt.

1.3 Aufbau

Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, liegt der Arbeit folgender Aufbau zugrunde. In dem Kapitel Zwei werden zunächst die definitorischen und gesetzlichen Grundlagen der IFRS vorgestellt. Der Fokus liegt auf der Klärung der Fragen, wann ein Unternehmen konzernrechnungslegungspflichtig wird und wie es einen Konzernabschluss aufstellen muss. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem dritten Kapitel. In diesem werden die einzelnen Pflichtbestandteile auf die Darstellung von Unternehmensakquisitionen geprüft und anhand eines fiktiven Fallbeispiels prägnant aufgezeigt. Die Arbeit schließt mit einer finalen Zusammenfassung der gewonnenen Ergebnisse ab.

2. Grundlagen der Konzernrechnungslegung nach IFRS

2.1 Definitorische Abgrenzung und gesetzliche Grundlagen

In der wissenschaftlichen Literatur ist die Verwendung des Begriffs Akquisition oftmals in der Konstellation Mergers & Acquisitions (M&A) zu finden.[5] Übersetzt steht M&A im deutschen Sprachgebrauch für Fusionen & Akquisitionen bzw. Übernahmen. Zur Verwendung des Begriffes als Teil des Untersuchungsgegenstandes dieser Arbeit ist eine definitorische Eingrenzung im Vorfeld der Betrachtungen unabdingbar. Grundsätzlich bezeichnet eine Akquisition zum einen den Erwerb von Unternehmensteilen, wie einzelnen Sparten oder rechtlich unabhängigen Beteiligungsgesellschaften von Konzer­nen, und zum anderen den Erwerb von ganzen Unternehmen.[6] Ab welchem Anteilsbesitz am Beteiligungsunternehmen in dieser Folge allerdings von einer Akquisition gesprochen werden kann, ist in den wissenschaftlichen Quellen umstritten. Deswegen klassifiziert diese Arbeit jeden Unternehmenszusammenschluss, auf welchen IFRS 3 anwendbar ist, als Akquisition. Der definitorische Grenzwert kann dabei nicht quantitativ festgelegt werden, da IFRS 3.A Unternehmenszusammenschlüsse von der Beherrschung eines Geschäftsbetriebs abhängig macht und diese nicht eindeutig zu bestimmen ist.[7]

Differenziert werden weiterhin Anteilserwerbe (share deals), die zu einer klassischen Mutter-Tochterbeziehung führen, von Unternehmenskäufen (asset deals), bei denen ein Unternehmen ein anderes, oder zumindest wesentliche Teile eines Unternehmens erwirbt und Unternehmenszusammenschlüsse durch Fusionen (legal mergers). Auf alle drei Formen werden auf Konzernabschlussebene die Vorschriften gem. IFRS 3 angewandt.[8]

Verantwortlich für die Entwicklung und die Veröffentlichung der International Financial Reporting Standards (IFRS), die aus den eigentlichen Rechnungslegungsstandards und - interpretationen bestehen, ist das International Accounting Standards Board (IASB). Das IASB stellt das wichtigste Organ der IFRS-Foundation dar, die als unabhängige, gemeinnützige Stiftung agiert.[9] Aus dem IFRS 10 ergehen die gesetzlichen Regelungen zur Darstellung und Aufstellung von Konzernabschlüssen.

2.2 Ziel und Funktion des Konzernabschlusses

Der Zweck von Konzernabschlüssen besteht, ganz gleich ob auf nationaler oder internationaler Ebene betrachtet, in dem Informations-, Dokumentations- und Entschei­dungscharakter. Dabei kommt insbesondere dem Grundsatz der "decision usefulness", nachdem maßgebliche unternehmensspezifische Informationen für Investoren, Kredit­geber und sonstige Gläubiger enthalten sein müssen, eine herausragende Bedeutung zu. Den Ausgangspunkt der Konzernrechenlegung bilden die jeweiligen Einzelabschlüsse der in den Konsolidierungskreis einzubeziehenden Unternehmen. Das Ziel eines solchen Konzernabschlusses ist es, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (VFE-Lage) von allen Beteiligungsunternehmen in einem kollaborativen Abschluss als eine wirtschaft­liche Einheit und den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend (fair presentation), darzustellen.[10] Die Volkswagen AG formuliert in ihrem Konzernlagebericht von 2014 folgendes Ziel:

„ Den nachhaltigen Erfolg des Volkswagen Konzerns und die konsequente Umsetzung der Strategie 2018 können wir nur sicherstellen, indem wir die Risiken und Chancen aus unserer Geschäftstätigkeit frühzeitig identifizieren, zutreffend bewerten sowie effektiv und effizient steuern.“[11]

Abstrahiert betrachtet kann für den Konzernabschluss ein ähnliches Ziel formuliert werden. Den internen und externen Bilanzadressaten wird der potenzielle Erfolg des Unternehmens unter Berücksichtigung des verbundenen Risikos aufgezeigt, um allen Involvierten eine bestmögliche Entscheidungsgrundlage für ihre jeweilige Beziehung zum Konzern zu ermöglichen.[12]

2.3 Bestandteile des Konzernabschlusses

Die Vorschrift der Bestandteile eines Konzernabschlusses nach internationalen Rech­nungslegungsstandards ist in IAS 1.10 geregelt. Anders als nach deutschem Handelsrecht differenzieren die IFRS bei den Bestandteilen nicht zwischen Einzel- und Konzern­abschluss.[13] Daher besteht ein vollständiger Abschluss aus den nachfolgend in blau dargestellten Positionen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Pflichtbestandteile des Konzernabschlusses im Sinne der IFRS

Quelle: Gekürzte und leicht abgeänderte Darstellung der Abbildung. Vgl. Steiner; Orth; Schwarzmann (2010), S. 224.

Nimmt ein Unternehmen rückwirkend eine Änderung der Rechnungslegungsmethode oder Anpassungen, Berichtigungen bzw. Umgliederungen von Abschlussposten vor, so ist dem Konzernabschluss zusätzlich eine Bilanz zu Beginn der vorangegangenen Periode beizufügen.[14] In Hinsicht auf den Informationsgehalt für die zuvor schon erwähnte VFE- Lage eines Unternehmens, dienen Konzernbilanz und Konzerneigenkapitalverän­derungsrechnung der Einordnung in die Vermögenslage. Aufschluss über die Finanzlage können die Bilanzadressaten über die Konzernkapitalflussrechnung erhalten und die Ertragslage wird durch die Kennzahlen der Konzerngesamtergebnisrechnung quanti- fizierbar.[15] Um den Anspruch eines bestmöglichen Einblicks in die tatsächliche Unter­nehmenslage zu gewährleisten, schließt der Konzernanhang die Lücke zu den mathe­matisch abstrakten Angaben der zuvor genannten Rechenwerke. Der Zusatz einer Segmentberichtserstattung ist dabei nur bei börsennotierten Gesellschaften nötig.[16] Außerdem lassen die IFRS den Unternehmen ein Wahlrecht in Bezug auf die zusätzliche Veröffentlichung eines durch das Management erstellten Berichtes über die Unterneh­menslage. Dieser gleicht dem Lagebericht nach dem Handelsgesetzbuch (HGB).[17]

2.4 Grundlagen des bilanziellen Aufstellungsprozesses

Um ein Verständnis für die relevanten Bestandteile des Konzernabschlusses, die bei den Akquisitionen von Unternehmen betroffen sind, zu erlangen, ist zunächst ein grund­legender Einblick in den Aufstellungsprozess der Abschlüsse von besonderer Bedeutung.

Ein Konzernabschluss stellt ein fiktives Gebilde, den Konzern dar und kann theoretisch in zwei verschiedene Aufstellungstechniken, der originären und der derivativen Ab­schlusserstellung, differenziert werden. Der originären Konzernabschlusserstellung zur Folge, müsste ein eigenes Konzernrechnungswesen den Konzernabschluss, analog zur Vorgehensweise des Einzelabschlusses, über sämtliche Einzelbuchungen erstellen.[18] Bei der derivativen Vorgehensweise hingegen wird der Konzernabschluss aus den Einzel­abschlüssen aller einzubeziehenden Unternehmen gebildet. Diese sind rechtlich dazu verpflichtet, einen einzelgesellschaftlichen Abschluss (HB I) zu erstellen, der für den derivativen Konzernabschluss als Ausgangspunkt gilt. Im praktischen Anwendungs­bereich hat sich die originäre Methode jedoch nicht durchgesetzt, so dass hauptsächlich die derivative Abschlusserstellung praktiziert wird.[19]

Als zweiten Schritt in der Abschlusserstellung führt die Anwendung der konsolidierungs­vorbereitenden Maßnahmen auf die HB I, zu der Aufstellung der Handelsbilanzen II (HB II)[20]

Im Anschluss an die Vereinheitlichung der Rechnungslegung erfolgt durch die Neube­wertung des Vermögens der Tochterunternehmen und die mögliche Aufdeckung stiller Reserven und Lasten, die Erstellung der Handelsbilanz III (HB III). Es ist jedoch auch möglich, dass die Neubewertung schon in den Jahresabschlüssen der Beteiligungs­unternehmen Anwendung fand oder zu einem späteren Zeitpunkt, im Rahmen der Konsolidierung ausgeführt wird.[21]

Im Folgenden werden durch die Queraddition aller einzubeziehenden HB III sämtliche Vermögenswerte und Schulden in einem Summenabschluss dargestellt.[22]

Nach der Erstellung des Summenabschlusses ist es die Aufgabe der Konsolidierung, konzerninterne Kapitalverflechtungen zu eliminieren und mögliche Doppelerfassungen zu vermeiden. Die Konsolidierung kann dabei in die Bestandteile Kapital- und Schulden­, Aufwands- und Ertragskonsolidierung sowie der Zwischenergebniseliminierung unter­schieden werden.[23]

Nach dem Aufstellen der Konzernbilanz müssen für einen vollständigen Konzernab­schluss außerdem mindestens noch die weiteren Pflichtbestandteile erstellt werden. (siehe Abb. 1)

2.5 Die Aufstellungspflicht

Dem Anwendungsbereich nach den geltenden IFRS 10.4 i.V.m. IFRS 10.A zur Folge, setzt die Aufstellungspflicht eines Konzernabschlusses ein bestehendes Unternehmens­gefüge aus einem Mutterunternehmen (parent entity, Investor) und einem oder mehreren Tochterunternehmen (subsidiery, Investee), voraus. Nach der IAS/IFRS-Verordnung der EU sind kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen mit Sitz in der EU dazu verpflichtet, einen Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen.[24] Zudem schließt die Negativabgrenz­ung in IFRS 10.4 Unternehmen von der Aufstellung eines Konzernabschlusses in folgenden Fällen aus:

1) Ein Investor ist nicht kapitalmarktorientiert, ist selbst ein Investee in einem mehrstufigen Konzern und ein ihm übergeordneter Investor veröffentlicht einen Konzernabschluss entsprechend der IFRS;
2) Keine Anwendung finden Versorgungspläne gegenüber Arbeitnehmern;
3) Ein Mutterunternehmen ist nach IFRS 10.A eine Investmentgesellschaft.[25]

2.6 Das Beherrschungskonzept

Liegt keiner der zuvor genannten Ausschlusskriterien vor, muss der Investor im Weiteren feststellen, ob er die Definition des Mutterunternehmens, eine oder mehrere Tochter­gesellschaften nach IFRS 10.5 zu beherrschen, erfüllt.[26] Die Grenzen des beherrschungs­orientierten Ansatzes (Control-Konzept) werden dabei durch den Grad an Einflussnahme in den Investee (Power-Kriterium) und die Möglichkeit, daraus einen Nutzen zu ziehen (Return-Kriterium), abgesteckt.[27] Eine Beherrschung über ein Beteiligungsunternehmen liegt vor, sofern alle folgenden Eigenschaften zutreffen:

1) Verfügungsgewalt: Der Investor verfügt über die Fähigkeit und das Recht, über die maßgeblichen Aktivitäten des Investee zu entscheiden, die einen erheblichen Einfluss auf die Rückflüsse des Investee haben (power);
2) Variable Rückflüsse: Der Investor hat in vielfältiger Weise Anspruch auf positive aber auch negative Rückflüsse des Investee. (returns) Wenngleich zu den Rück­flüssen auch monetäre und monetär bewertbare "returns" wie Dividenden oder potenzielle Synergieeffekte zählen, so müssen auch der Nutzung von im­materiellen Vermögenswerten durch den Investor, in Form von Patenten oder der Erlangung von Lizenzen, Beachtung geschenkt werden;[28]
3) Verknüpfung zwischen Verfügungsgewalt und Rendite: Der Investor kann mittels der Stimmrechte über den Investee verfügen und besitzt die Entschei­dungsgewalt, um die Höhe der eigenen "returns" zu beeinflussen (link between power and returns).[29]

Ob im konkreten Einzelfall eine Beherrschung über ein Unternehmen vorliegt, muss eine Analyse unter der wirtschaftlichen Würdigung aller geschäftlichen Sachverhalte und Umstände aufzeigen.[30] Dafür ist ein ausgeprägtes Verständnis über die explizite Unternehmensstruktur und den Unternehmenszweck unerlässlich. Einen weiteren zu erläuternden Sachverhalt stellt der verwendete Begriff "Stimmrechte" dar, der maß­geblich für die Entscheidungsgewalt über ein Unternehmen ist. Nach IFRS 10 benötigt es nicht zwangsweise die Stimmrechtsmehrheit um ein Unternehmen zu beherrschen:[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Möglichkeiten der Verfügungsgewalt über einen Investee

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an, Vgl. Gräfer; Scheld (2012), Grundzüge der Konzernrechnungslegung, S. 55-56 und Hans-Böckler-Stiftung (2014), IFRS 10: Konzernabschlüsse, S. 89.

In dem Fall, in dem der Investor die Mehrheit der Stimmrechte besitzt, hat er grundsätzlich die Verfügungsgewalt über den Investee. Ausnahmen können hier aber gegeben sein, wenn maßgebliche Aktivitäten des Unternehmens, z.B. satzungsbedingt nur über qualifizierte Mehrheiten (75% Stimmrechtsanteil), begründet werden können und der Investor lediglich über eine formale Stimmrechtsmehrheit von mehr als 50% verfügt. Eine weitere Ausnahme liegt vor, wenn die Stimmrechte eines Investors nicht substanziell sind und der Investee gegenwärtig, z.B. durch einen Insolvenzverwalter oder ein Gericht, beherrscht wird. Im weiteren Fall kann ein Mutterunternehmen über ein Beteiligungsunternehmen auch ohne absolute Stimmrechtsmehrheit herrschen. Beispiele hierfür wären bestehende vertragliche Vereinbarungen mit weiteren Stimmrechts­inhabern oder eine durch nachhaltige Präsenzmehrheit des Investors auf der Haupt­versammlung, geltende faktische Verfügungsmacht.[32]

2.7 Der Konsolidierungskreis

Im Zuge der Abgrenzung des Konsolidierungskreises wird geprüft, welche Unternehmen in welchem Umfang in den Konzernabschluss integriert werden müssen. Die IFRS differenzieren dabei in den Vollkonsolidierungskreis und sonstige einzubeziehende Unternehmen, wonach zu letzteren Gemeinschaftsunternehmen, assoziierte Unternehmen und die einfachen (Finanz-) Beteiligungen zählen. Zu dem Vollkonsolidierungskreis zählen das Mutterunternehmen sowie alle von der Konzernmutter beherrschten Tochterunternehmen.[33]

Nach dem Grad der Beherrschung chronologisch abnehmend aufgelistet, bilden die vollkonsolidierten Tochterunternehmen, die mit Minderheitenausweis in den Konzern­abschluss integriert werden, den engsten Konsolidierungskreis. Die zweite Kategorie, beginnend mit den Gemeinschaftsunternehmen und gefolgt von den assoziierten Unternehmen, wird mittels der Equity-Methode bilanziert. Die einfachen (Finanz-) Beteiligungen sind als ein finanzieller Vermögenswert i.S.d. IAS 39 zu erfassen.[34] Nachdem im vorangestellten Gliederungspunkt schon aufgezeigt wurde, wann ein Unternehmen beherrscht wird und somit eine Mutter-Tochter-Beziehung vorliegt, sollen im Folgenden die übrigen Unternehmen nach IFRS kurz definiert werden.

Nach IFRS 11.16 ist ein Gemeinschaftsunternehmen eine kooperative Vereinbarung, bei der die führenden Parteien der Vereinbarung, die Rechte am Nettovermögen gemein­schaftlich haben.

In IAS 28.3 i.V.m. IAS 28.5 werden assoziierte Unternehmen als Unternehmen determiniert, bei denen die Eigentümer über einen direkten oder indirekten Einfluss von mindestens 20 % (maßgeblich) verfügen.

Als eine einfache Beteiligung wird nach IAS 39 ein Unternehmen mit einer Beteiligung von weniger als 20 % an den Stimmrechten bezeichnet, das als finanzieller Vermögens­wert in dem Konzernabschluss dargestellt wird.[35] Die vorliegende Arbeit sieht keine weitere Betrachtung von einfachen Beteiligungen vor, da diese nur in den seltensten Fällen unter die definitorische Abgrenzung der Akquisition fallen.[36]

2.8 Konsolidierungsvorbereitung

Nach der Feststellung der Konzernrechnungspflicht und der Eingrenzung des Konsoli­dierungskreises müssen im Vorfeld der Neubewertung einige konsolidierungsvor­bereitende Maßnahmen getroffen werden, um die einzelnen Jahresabschlüsse der beher­rschten Beteiligungsunternehmen an den Abschluss der Konzernmutter anzugleichen:

1) Vereinheitlichung der Abschlussstichtage;
2) Vereinheitlichung des Bilanzansatzes und der Bewertungsmethoden;
3) Vereinheitlichung der Währung.

Die aufgelisteten Maßnahmen werden in den nachfolgenden Gliederungspunkten näher erläutert. Diese sind, unabhängig des Grades der Beherrschung aus dem vorigen Gliederungspunkt, für den Vollkonsolidierungskreis, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen gleichermaßen anzuwenden.[37]

2.8.1 Vereinheitlichung der Abschlussstichtage

Im Rahmen dieser konzernabschlussvorbereitenden Maßnahme erfolgt eine Prüfung der jeweiligen Abschlussstichtage der einzubeziehenden Unternehmen, wobei grundsätzlich der Stichtag des Mutterunternehmens den Stichtag des Konzernabschlusses festlegt. Ferner müssen nach IFRS 10.B92 die Abschlüsse der Unternehmen auf einen Stichtag mit dem Mutterunternehmen fallen.

In den Fällen von divergenten Enden der Berichtszeiträume sind die Tochterunternehmen gesetzlich dazu angehalten, „zu Konsolidierungszwecken zusätzliche Finanzangaben ” zu machen, die in der einschlägigen Literatur als „Zwischenabschluss'’ bezeichnet werden.[38]

Ist die Aufstellung eines Zwischenabschlusses „praktisch nicht durchführbar”, werden die entsprechenden Tochterunternehmen nach IFRS 10.B93 mittels des letzten Einzel­abschlusses konsolidiert, sofern die Differenz der Abschlussstichtage von Mutter und Tochter nicht drei Monate übersteigt. Zudem müssen unter Beachtung der Wesentlichkeit wirtschaftlich relevante Vorgänge und Posten, die zwischenzeitlich erfolgten, einbezogen oder korrigiert werden.

2.8.2 Vereinheitlichung des Bewertungs- und Bilanzansatzes

Neben der Assimilation der Abschlussstichtage müssen nach IFRS 10.19 zudem die Ansatz- und Bewertungsmethoden gleichartiger Geschäftsvorfälle unter vergleichbaren Umständen innerhalb des Konzerns einheitlich sein. Weicht ein Tochterunternehmen von der Vorgehensweise des Mutterunternehmens ab, muss eine Anpassung innerhalb der HB II erfolgen, um eine Methodenstetigkeit im Konzernabschluss zu erreichen. Daraus resultiert, abweichend von der Einzelabschlussebene, ein erneutes Wahlrecht in Hinsicht auf die Bilanzierungs-, Bewertungs- und Ausweiswahlrechte im Konzernabschluss, welches gem. IAS 8.13 dem Grundsatz der Stetigkeit unterliegt.[39] Eine Ausnahmeregel von der Angleichung der Methoden sehen die IFRS prinzipiell nur bei einer unwe­sentlichen Auswirkung auf die VFE-Lage vor.

Auf eine Darstellung ausgewählter Wahlrechte wird in dieser Arbeit verzichtet, da sich hinreichend wissenschaftliche Literatur spezifisch mit der Analyse von Bewertung und Bilanzierung befasst.[40]

2.8.3 Vereinheitlichung der Währung

Als abschließende konsolidierungsvorbereitende Maßnahme wird der Währungsum­rechnung eine wichtige Position beigemessen. Nach dem IFRS gilt explizit das sogenannte „Weltabschlussprinzip”.[41] Demnach werden in den Konzernabschluss sämtliche Tochterunternehmen, unabhängig von ihrem jeweiligen Sitz, einbezogen. Nach § 298 (1) i.V.m. § 244 HGB ist der IFRS-Konzernabschluss eines deutschen kapital­marktorientierten Mutterunternehmens jedoch zwingend in der in Deutschland gültigen Währung (Euro) aufzustellen. Vor der Einbeziehung müssen so die Einzelabschlüsse der zu integrierenden Tochterunternehmen mit abweichenden Währungen zunächst in die Berichtswährung Euro umgerechnet werden.[42] Die maßgeblichen Regelungen hierfür sind in IAS 21 aufgelistet, wonach die „funktionale Währung” von der „Darstellungswährung” zu differenzieren ist.

[...]


[1] Vgl. Holzinger (Hrsg.) (2013), Faust - Eine Tragödie, S. 319.

[2] Vgl. J.P. Morgan, (2016), 2016 M&A Global Outlook.

[3] Vgl. Berk; DeMarzo (2011), Grundlagen der Finanzwirtschaft, S. 21.

[4] Vgl. RBS IFRS-Portal (2015), Was sind IFRS / IAS.

[5] Vgl. Schüppen; Walz in: Ballwieser; Beyer; Zelger (Hrsg.) (2014), S. 52 ff.; Wirtz (2003), Mergers & Acquisitions Management, S. 10.

[6] Vgl. Jansen (2008), Mergers & Acquisitions, S. 92.

[7] Vgl. Becker (2014), Überschussliquidität des Käufers als strategischer Faktor bei Unternehmensakquisitionen, S 7 f.; Pellens; Fülbier; Gassen; Sellhorn (2011), Internationale Rechnungslegung, S. 627 f.; Kapitel 2, Gliederungspunkt 2.6.

[8] Vgl. Lüdenbach; Hoffmann (2013), IFRS Kommentar, S. 1907.

[9] Vgl. IFRS Foundation (2016), Constitution, S.11 Abs. 24-27.

[10] Vgl. Küting; Weber (2010), Der Konzernabschluss, S. 97.

[11] Vgl. Volkswagen Aktiengesellschaft (2015), Konzernlagebericht, S. 160.

[12] Aufstellung einer Zieldefinition von Konzernabschlüssen unter zu Hilfenahme von Vgl. Vgl. Küting; Weber (2010), Der Konzernabschluss, S. 97 ff.

[13] Vgl. Verhofen in Matschke; Hering; Olbrich, Klingelhöfer, Brösel (Hrsg.) (2016), Konzernabschlusspolitik nach IFRS, S. 10.

[14] Vgl. IAS/IFRS-Texte (2016), IAS 1.10 (f).

[15] Vgl. Verhofen in Matschke; Hering; Olbrich; Klingelhöfer; Brösel (Hrsg.) (2016), Konzernabschlusspolitik nach IFRS, S. 11.

[16] Vgl. Vgl. Küting; Weber (2010), Der Konzernabschluss, S. 621 ff.

[17] Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2011), Der Konzernabschluss nach Handelsgesetzbuch (HGB) und International Financial Reporting Standards (IFRS), S. 9.

[18] Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S. 84 unter Verweis auf Pelka (1994), Konzernbuchführung, S.4.

[19] Vgl. Kessler; Strickmann in: Küting (Hrsg.) (2008), SHBB, S. 873 f.

[20] Vgl. Steiner; Orth; Schwarzmann (2010), Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS, S. 90 i.V.m. S. 127 ff., Kapitel 2, Gliederungspunkt 2.8.

[21] Vgl. Buchholz (2012), Internationale Rechnungslegung, S. 227.

[22] Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S.272.

[23] Vgl. Wöhe; Döring (2010), Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S. 878 ff.

[24] Vgl. Europäische Komission (2016), IAS-Verordnung, (EG) Nr. 1606/2002.

[25] Vgl. IAS/IFRS-Texte (2016), IFRS 10.4.

[26] Vgl. Hoffmann; Lüdenbach (Hrsg.) (2016), IAS/IFRS-Texte, IFRS 10.A.

[27] Vgl. Gräfer; Scheld (2012), Grundzüge der Konzernrechnungslegung, S. 53.

[28] Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2014), IFRS 10: Konzernabschlüsse, S. 8.

[29] Vgl. Gräfer; Scheld (2012), Grundzüge der Konzernrechnungslegung, S. 55.

[30] Vgl. Hoffmann; Lüdenbach (Hrsg.) (2016), IAS/IFRS-Texte, IFRS 10.8 i.V.m. SIC 12.9.

[31] Vgl. Hoffmann; Lüdenbach (Hrsg.) (2016), IAS/IFRS-Texte, IFRS 10.B35.

[32] Vgl. Gräfer; Scheld (2012), Grundzüge der Konzernrechnungslegung, S. 55 f.

[33] Vgl. Verhofen in Matschke; Hering; Olbrich, Klingelhöfer, Brösel (Hrsg.) (2016), Konzernabschlusspolitik nach IFRS, S. 19 ff. unter Verweis auf: Baetge/Kirsch/Thiele (2013), Konzernbilanzen, S. 126 ff.; Pellens/Füllbier/Gassen/Sellhorn (2014), Internationale Rechnungslegung, S. 122 ff.

[34] Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S. 163.

[35] Vgl. Verhofen in Matschke; Hering; Olbrich, Klingelhöfer, Brösel (Hrsg.) (2016), Konzernabschlusspolitik nach IFRS, S. 19 ff.

[36] Vgl. Kapitel 2, Gliederungspunkt 2.1.

[37] Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S. 221, 225 und 237.

[38] Vgl. Steiner; Orth; Schwarzmann (2010), Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS, S. 64; Vgl. Gräfer; Scheld (2012), Grundzüge der Konzernrechnungslegung, S. 53; Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S. 232.

[39] Vgl. Steiner; Orth; Schwarzmann (2010), Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS, S. 71-72.

[40] hierzu weiterführend: Vgl. Buchholz (2012), Internationale Rechnungslegung, S. 101 ff.; Coenenberg, Haller, Schultze (2016), Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, S. 153ff.

[41] Vgl. Thiel; Lüdtke-Handjery (2005), Bilanzrecht, S. 340.

[42] Vgl. Küting; Weber (2012), Der Konzernabschluss, S. 237.

Details

Seiten
49
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668505216
ISBN (Buch)
9783668505223
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373098
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,5
Schlagworte
Aquisitions and Mergers Unternehmensübernahmen Konzernabschluss IFRS Bilanzierung Unternehmensakquisitionen

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