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Franz Joseph I und seine Außenpolitik. Ein Integrationsfaktor für den Bestand Österreich-Ungarns

Masterarbeit 2015 119 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der österreichisch-ungarische Ausgleich 1867

3. Franz Joseph und seine Familie
3.1. Franz Joseph
3.2. Seine Ehefrau Kaiserin Elisabeth
3.3. Sein Bruder Maximilian
3.4. Sein Sohn Kronprinz Rudolf
3.5. Sein Neffe Franz Ferdinand

4. Franz Joseph und seine Völker
4.1. Ungarn
4.2. Südslawen
4.3. Tschechen
4.4. Deutsche

5. Franz Josephs Außenpolitik
5.1. Conrad, Aehrenthal und Berchtold
5.2. Bosnische Annexionskrise 1908/09
5.3. Balkankriege 1912/13
5.4. Julikrise 1914

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Literatur: Monographien
7.3. Literatur: Aufsätze

1. Einleitung

68 Jahre lang. Von 1848 bis 1916 stand Franz Joseph I. als Monarch an der Spitze der Habsburgermonarchie. 1848 wurde er mit gerade einmal 18 Jahren Kaiser von Österreich, noch während der Wirren der Revolution von 1848. 1867 wurde er zusätzlich auch noch nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich zum König von Ungarn gekrönt. Bis zu seinem Tod 1916 im Alter von 86 Jahren übte er seine beiden monarchischen Ämter aus. Als er starb, stand sein Reich mitten im Ersten Weltkrieg und hatte bis zu seinem Untergang nur noch zwei Lebensjahre.

Allein die Lebenszeit seiner Herrschaft macht deutlich, dass er bedeutender war als es heute allgemein angenommen wird. Zwar ist er heute noch auch bei kaum geschichtsinteressierten Bürgern bekannt, dies liegt jedoch vor allem an dem legendären Ruf seiner Ehefrau Elisabeth, die im Volksmund meist „Sisi“ genannt wird. Immerhin ist inzwischen bekannter, dass die romantische Verliebtheit in dieser Ehe nicht lange anhielt und die Eheleute jahrzehntelang nur eine sehr distanzierte Fernbeziehung führten, obwohl die Sissi-Filme mit Romy Schneider etwas anderes nahelegen.

Die Herrschaft und Persönlichkeit Franz Josephs ist aber auch jenseits seiner Ehe sehr interessant. Die Ermordung seiner Frau Elisabeth 1898 in Genf war nicht der einzige Schicksalsschlag für Franz Joseph. Sein Bruder Maximilian wurde nach seiner Absetzung als Kaiser von Mexiko 1867 erschossen, sein Sohn Kronprinz Rudolf brachte sich mit seiner Geliebten 1889 in Mayerling um und sein Neffe Franz Ferdinand wurde am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet.

War ein Reich, dessen Fürsten aus der Herrscherfamilie reihenweise ermordet wurden und sich oft auch noch zerstritten, überhaupt überlebensfähig? War ein Kaiser, der von so viel Pech verfolgt wurde, überhaupt offen für Fortschritt und Zukunft? Das ist oft in Frage gestellt worden, aber auch hier stellt sich die Gegenfrage, ob nicht der von gelassenem Pflichtgefühl geprägte Herrschaftsstil Kaiser Franz Josephs genau das war, was ein konfliktgeprägter Reich wie Österreich-Ungarn brauchte.

Österreich-Ungarn war kein Nationalstaat, sondern ein Vielvölkerreich, weswegen es im Interesse des Kaisers lag, das Reich so gut wie möglich zusammenzuhalten. Das war oft nicht einfach, denn neben den in jedem Staat vorhandenen weltanschaulichen Gegensätzen kamen in diesem Fall noch die höchst unterschiedlichen Interessen der Völker Österreich-Ungarns dazu. Allein in diesem Reich zu Völkerverständigung und Interessenausgleich zu kommen, war nicht einfach und eine besondere Herausforderung.

Österreich-Ungarn war aber dazu auch noch ein bedeutsamer Faktor in den internationalen Beziehungen. Das Ziel serbischer Nationalisten, einen slawischen Staat unter Einschluss von Gebieten Österreich-Ungarns zu schaffen, bedrohte Bestand und territoriale Integrität der österreichisch-ungarischen Monarchie existenziell, zumal die panslawistischen Bestrebungen immer sichtbarer die Unterstützung Russlands besaßen. Dies wurde zu einem kaum zu überwindenden Interessengegensatz zwischen Österreich-Ungarn und Russland. Ganz anders als Russland war das Deutsche Reich spätestens seit dem Zweibund von 1879 der engste Verbündete Österreich-Ungarns. Dieses Bündnis vertiefte sich noch, je mehr der deutsche Gegner Frankreich und der österreichisch-ungarische Gegner Russland enger zusammenarbeiteten.

Was für eine Rolle spielte Franz Joseph in der Außenpolitik? Nahm er Einfluss, und wenn ja, in welcher Form, direkt oder indirekt? Was für außenpolitische Prioritäten setzte der Monarch? Inwieweit setzte er sich für die Erhaltung des Friedens ein und inwiefern sah er möglicherweise einen Krieg als notwendig oder unvermeidbar an? Diese Fragen sollen im Vergleich mit anderen wichtigen außenpolitischen Entscheidungsträgern in Österreich-Ungarn mit Schwerpunkt auf der Zeit ab 1908 untersucht werden.

Die Arbeit soll nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut sein. Anhand von fünf Aspekten will der Autor untersuchen, inwieweit der Kaiser und König Einfluss hatte, das Reich zusammenhielt und mit anderen machtvollen Personen und Gruppen interagierte. Die exemplarischen Beispiele sollen in den gesamthistorischen Zusammenhang eingeordnet werden. Dabei wird der Schwerpunkt der Arbeit auf der Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges liegen. Die Regierungszeit Franz Josephs ist zu komplex, um sie chronologisch nachzuerzählen. Dabei würde auch der rote Faden der Fragestellung im Sumpf der Detailfakten untergehen.

Im ersten inhaltlichen Beispiel möchte ich auf den Ausgleich eingehen. Seine Entstehung werde ich nur kurz schildern, und mich dann auf seine Inhalte und seine praktischen realen Auswirkungen zu konzentrieren. Im zweiten inhaltlichen Beispiel möchte ich auf Franz Joseph als Familienoberhaupt eingehen. Dabei soll auf die Personen Maximilian, Rudolf, Elisabeth, Franz Ferdinand und ihre Tötungen jeweils kurz eingegangen werden. Etwas näher soll das jeweilige Verhältnis Franz Josephs zu diesen Figuren beleuchtet werden.

So ist bekannt, dass Franz Joseph zu allen vier Verwandten ein mehr oder weniger gespanntes Verhältnis hatte. Elisabeth entfloh dem strengen Spanischen Hofprotokoll am Wiener Hof und drückte sich weitgehend vor ihren Pflichten als Kaiserin. Maximilian wollte sich beweisen und wurde gegen den Willen seines Bruders Kaiser von Mexiko, was mit seinem Tod endete. Rudolf war unglücklich verheiratet und fand keinen Draht zu seinem Vater, aber auch nicht zu seiner ihm sehr ähnlichen Mutter. Franz Ferdinand wiederum ging gegen den Willen Franz Josephs eine nicht standesgemäße Ehe ein, weswegen der Thronfolger für seine Kinder auf den Thron verzichten musste und seine Frau von weiten Teilen von Familie und Hof missachtet wurde.

Im dritten Beispiel soll es um das Zusammenleben der Völker gehen. Am Beispiel der Ungarn, Tschechen, Südslawen und Deutschen soll das konfliktreiche Zusammenleben verdeutlicht werden. Dabei soll es natürlich zentral um die Frage ging, inwieweit dem Kaiser ein identitätsstiftendes Zusammenhalten des Reiches noch gelang.

Auch der unterschiedliche Umgang mit den Völkern in der österreichischen und der ungarischen Reichshälfte soll verglichen und analysiert werden. Während die Österreicher in ihrer Hälfte mehr auf Ausgleich und Kompromiss bedacht waren, setzten die Ungarn mehr auf autoritäre Zucht und das Überstülpen der eigenen Kultur. Hätte sich das Reich durch eine Reichsreform, wie sie Franz Ferdinand im Fall seiner Krönung geplant hatte, in der Lage gewesen, das Reich zu retten? Oder hätte es das Reich gesprengt und hätte damit Franz Joseph nicht Recht gehabt, die behutsame Verwaltung des Status quo nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen?

Lange Zeit war unter Historikern die vorherrschende These, dass das Habsburgerreich wegen seines Charakters als Vielvölkerstaat sowieso dem Untergang geweiht gewesen war. Diese These wurde in letzter Zeit vermehrt in Frage gestellt, darunter auch vom Historiker Christopher Clark, der in seinem Bestseller „Die Schlafwandler“ die Ergebnisoffenheit und Fortschrittoffenheit der Entwicklung Österreich-Ungarns betont. Es sei auch zukunftsfähig gewesen, wenn es nicht nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegern aufgelöst worden wäre. Daher wird die Frage, ob das Habsburgerreich von seiner Natur und Struktur her eine grundsätzliche Überlebenschance hatte, erörtert werden.

Im vierten Beispiel soll es um die Außenpolitik gehen. Dabei soll es ausschließlich um die internationalen Krisen in den letzten 9 Jahren vor Kriegsausbruch gehen. Ein Schwerpunkt wird auf den Balkankrisen (Bosnien-Annexionskrise 1908/09, Balkankriege 1912/13) liegen. Die 1908 von Österreich-Ungarn vorgenommene Annexion Bosnien-Herzegowinas, das seit dem Berliner Kongress von 1878 unter österreichisch-ungarischer Verwaltung stand, löste eine europäische Krise aus. Serbien und Russland protestierten massiv, Österreich-Ungarn konnte sich nur auf die Rückendeckung des Deutschen Reiches verlassen. Doch war hier Österreich-Ungarn der dreiste Störenfried oder spielte eher die russische Politik ein falsches Spiel?

Ein gesamteuropäischer Krieg wurde genauso abgewendet wie auch 1912 und 1913, als die Balkanvölker das Osmanische Reich vom europäischen Festland weitgehend vertrieben. Einen Zugang des seit dem Putsch von 1903 panslawistischen Serbien zur Adria wollte die Habsburgermonarchie jedoch nicht akzeptieren und setzte die Gründung eines souveränen Staates Albanien durch. Der Frieden sollte allerdings nicht lange halten, denn nach dem Attentat von Sarajewo sahen viele österreichische Politiker und Militärs einen Krieg gegen Serbien als einzige Möglichkeit zur Rettung des Reiches an.

Im Mittelpunkt der gesamten Darstellung soll der Entscheidungsprozess in der österreichisch-ungarischen Außenpolitik stehen. Wie und warum handelte der Kaiser so wie er es tat? Wie stand er zu Personen wie den Außenministern Lexa von Aehrenthal und Leopold Graf Berchthold, dem Thronfolger Franz Ferdinand und dem langjährigen Generalstabchef Conrad von Hötzendorf? Aus welchen Motiven nahmen diese Personen welche Position ein? Wie wirkte sich das auf deren Verhältnis zum Kaiser aus? Und was war das außenpolitische Ergebnis mit welchen Folgen? Der rote Faden der Untersuchung soll sein, inwieweit die einzelnen Führungspersonen auf die Erhaltung des Friedens bedacht waren oder inwieweit sie möglicherweise einen baldigen Krieg anstrebten.

Gerade die innen- und außenpolitischen Entscheidungsprozesse in der Donaumonarchie sollen mit der differenzierten Herangehensweise beleuchtet werden, wie es Christopher Clark methodisch wieder ins Zentrum der Geschichtswissenschaft gerückt hat. Daher spielen nicht nur die Ämter eine Rolle, sondern auch der tatsächliche Einfluss und die Wirkungsmächtigkeit der Personen. Dies erklärt auch, warum Personen wie Franz Ferdinand und Conrad eine bedeutsame politische Macht erlangen konnten, indem sie sich ein Netzwerk schufen und auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aktiv wurden.

Im fünften Bespiel soll es um die zwischen den Historikern Jean Paul Bled und Manfried Rauchensteiner umstrittene Frage gehen, ob Franz Joseph in der Julikrise 1914 grundsätzlich auf den Erhalt des Friedens bedacht war und dies nur durch Hinterlistigkeit anderer hintertrieben wurde oder ob er selbst den Krieg fatalistisch anstrebte. Immerhin war es Außenminister Berchthold, der den Kaiser mit der falschen Behauptung, Serbien hätte angegriffen zur Kriegserklärung bewegte. Was wollte Franz Joseph? Trägt er eine persönliche Kriegsschuld?

Es soll keineswegs die Chronologie der Julikrise nacherzählt werden, sondern es soll ausschließlich um die Meinungen Franz Josephs und dessen Auswirkungen im Entscheidungsprozess gehen. Der Verlauf des Ersten Weltkriegs soll nicht mehr nacherzählt werden, weil im Krieg die Politiker an Gewicht verloren und die Militärs wie Conrad an Bedeutung gewinnen. Franz Joseph starb schließlich 1916, sein Großneffe Karl folgte ihm auf dem österreichischen und ungarischen Thon nach, musste jedoch schon 1918 abdanken.

Letztlich bleibt die zentrale Frage zu beantworten, ob der Kaiser Franz Joseph eine Integrationsfigur war und wie sich das auswirkte. Und selbst wenn, war das ausreichend, um die nach nationalstaatlicher Selbstständigkeit strebenden Kräfte dauerhaft zu bändigen, auch wenn Franz Joseph das Zeitliche segnete? Letztlich entschieden die Siegermächte auf den Pariser Friedenskonferenzen, Österreich-Ungarn aufzulösen und in viele Einzelstaaten aufzuteilen, was die neuen Republiken Österreich in Saint-German und Ungarn in Trianon friedensvertraglich unterschreiben mussten.

Lange Zeit wurde Vielvölkerstaaten generell die Existenzberechtigung abgesprochen, da in solchen Staaten anders als Nationalstaat angeblich ein Volk das andere unterjoche. Doch war das wirklich so? Wenn nicht, stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen Österreich-Ungarn ohne Kriegsniederlage eine Chance und Berechtigung zur Weiterexistenz gehabt hätte, umso dringender. Diese Frage ist nicht abzukoppeln von Franz Joseph, der das Reich als Kaiser von Österreich und König von Ungarn 68 Jahre lang beherrschte.

2. Der österreichisch-ungarische Ausgleich 1867

Seit dem Dezember 1848 regierte Franz Joseph als Kaiser von Österreich. Was für ein Mensch war dieser Kaiser. „Franz Joseph war ein sehr moderner, technisch-zweckmäßiger Autokrat, der die perfekte Maschine, das staatliche Uhrwerk, nach 1848 wieder in Gang setzen und in seiner Funktionsfähigkeit erhalten konnte“, urteilt der Historiker Eberhard Straub.[1] Schon auf den ersten Blick scheint ihm das gelungen zu sein, denn er herrschte 68 Jahre lang. Damit übersteigt seine Regentschaft sogar die von Queen Victoria die 64 Jahre regierte. Victoria und Franz Joseph haben auch gemeinsam, dass beide mit 18 Jahren den Thron bestiegen.

Franz Josephs Reich war jedoch seit 1848 von einem Konflikt mit Ungarn bedroht, der zeitweise in einem Bürgerkrieg der österreichischen Armee mit ungarischen Freiwilligen ausartete. Unter den ungarischen Politikern häuften sich allerdings ab Mitte der 1860er Jahre die Stimmen, die im Fall der Gewährung von beträchtlichen ungarischen Autonomierechten bei der Monarchie verbleiben wollten.

Ferenc Deak war neben Gyula Graf Andrassy einer der Anführer des Teils der Ungarn, die einen solchen Ausgleich unter dem Dach der Habsburgermonarchie organisieren wollten. Bereits 1865 schrieb er, dass Ungarn nicht die Macht der Monarchie gefährden wolle und betonte weiter: „Es gibt keinen Konflikt zwischen Ungarn und den Erblanden, sie können nebeneinander bestehen, ohne einander zu verzehren. Wir wollen unsere Freiheit nicht einzig aus dem Grund opfern, weil es zwischen der neuen Verfassung des zisleithanischen Völker und der unsrigen unterschiedliche Auffassungen über gewisse Rechte gibt, aber wir werden immer bereit sein, auf konstitutionellem Wege unsere Gesetze mit den Anforderungen der Sicherheit und des Zusammenhalts der Monarchie in Einklang zu bringen.“[2]

Auf der dieser Basis war ein Kompromiss mit Österreich und dem Kaiserhaus möglich. Deak verlangte weitgehende Selbstbestimmung Ungarns mit einer eigenen Verfassung. Außerdem sprach er sich gegen eine absolutistische Monarchie aus, war aber bereit, eine konstitutionelle Monarchie zu akzeptieren. Der ganz entscheidende Punkt aber war, dass Deak klarstellte, dass er keine Abspaltung Ungarns von Österreich. Ganz im Gegenteil erklärte er sogar, dass Ungarn bereit sei, seinen Beitrag zum sicheren Bestehen des gemeinsamen Staates zu leisten, an dessen Spitze Franz Joseph als Monarch stand.

Ein solches Entgegenkommen Ungarns wäre 17 Jahre vorher noch undenkbar gewesen. Als Franz Joseph I. mit 18 Jahren am 2. Dezember 1848 zum neuen österreichischen Kaiser gekrönt wurde, erkannte ihn die ungarische Separatistenbewegung unter ihrem Führer Kossuth nicht an und entfachte einen Unabhängigkeitskampf. Die österreichischen Truppen besetzten zwar am 5. Januar 1849 Budapest, aber von Ostungarn aus kämpften Kossuths Separatisten weiter und erklärten sich als Republik Ungarn für unabhängig. Als jedoch ab Mai 1849 nach Absprache zwischen Franz Joseph und Zar Nikolaus I. russische Truppen die ungarischen Separatisten von Osten aus angriffen, war Kossuths Schicksal besiegelt. Im August 1849 ging er in die Verbannung und bis Ende September 1849 war auch der letzte Widerstand ungarischer Separatisten gebrochen.[3]

Allerdings war Kossuth mit seinem Separatismus nur ein Teil der nationalungarischen Bewegung, der andere Teil unter Deak und Andrassy wollte grundsätzlich mit Österreich weiterhin unter gewissen Bedingungen in einem Reich zusammenleben und schaffte es letztlich die große Mehrheit der Ungarn hinter sich zu vereinen. Doch bis zu einer Versöhnung beider Seiten war es Anfang der 1860er Jahre noch ein weiter Weg.

Auch Österreich setzte erst mal noch die Machtmittel der staatlichen Gewalt. „Der Terrorismus der Revolutionspartei muss durch den Terrorismus der Regierungsorgane überwunden werden.“ Mit diesen harten Worten hatte der österreichische Ministerpräsident Graf Schmerling noch 1861 die Auflösung des ungarischen Landtags und die Einführung eines militärischen Besatzungsregimes begründet.[4] Unter Schmerling wäre eine Einigung mit Ungarn noch undenkbar gewesen, weil Ungarns Verhalten als dermaßen ungebührlich und verwerflich angesehen wurde. Aus diesem Grund wurden die schärfsten Abwehrmaßnahmen seitens des österreichischen Staates als gerechtfertigt erachtet.

Ein Glücksfall für Ungarn war es, dass Franz Josephs Ehefrau Elisabeth sich für Ungarn begeisterte. Sie schaffte es, ihrem Mann zu überzeugen, Politiker wie Deak und Andrassy als Gesprächspartner anzuerkennen und sich ihre Forderungen anzuhören. So wurde die Basis für den Ausgleich von 1867 gelegt. Das war alles andere als selbstverständlich, denn gegen Andrassy drohte als zum Tode Verurteilter bisher der Galgen.

Nach Elisabeths Zureden empfing Franz Joseph die gemäßigten ungarischen Anführer Deak und Andrassy und hatte von beiden einen ehrlichen, offenen, begabten und prohabsburgischen Eindruck. Zwar seien sie zu fordernd und stellten zu wenig Sicheres in Aussicht, fand der Kaiser. Aber immerhin war er bereit, ihnen grundsätzlich positive Charakterzüge zu bescheinigen und sie als Verhandlungspartner zu akzeptieren. Die Weichen für den Ausgleich von 1867 zwischen Österreich und Ungarn waren damit gelegt.

Unter dem neuen Außenminister Beust wurde der Ausgleich dann letztlich erfolgreich verhandelt. Franz Joseph ernannte Beust, weil dieser einen Ausgleich Österreichs mit Ungarn befürwortete und bereit war ich auszuhandeln.[5]

Verhandlungspartner der Österreicher waren aber nur die Ungarn, an einen Ausgleich mit den verschiedenen slawischen Völkern war vorerst nicht gedacht. Da die Slawen im ganzen Reich verstreut lebten, war klar, dass auch die Ungarn in ihrem autonomen Teil des Reiches einen beträchtlichen Anteil slawischer Bevölkerung haben werden.

„Ihr kümmert euch um eure Slawen, wir um unsere.“ Mit diesen flapsigen Worten fasste der erste ungarische Ministerpräsident Gyula Andrassy 1867 gegenüber seinem österreichischen Amtskollegen den Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn zusammen.[6] Neben dem Inhalt zeigten diese Worte auch das beträchtliche Machtbewusstsein, dass der selbstbewusste Graf Andrassy auch gegenüber anderen Ethnien ausdrückte. Er war sich bewusst, dass die Ungarn in der Monarchie künftig neben den Ungarn die Führungsrolle haben werden und er fand das auch richtig so.

Durch den Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn wurde die Monarchie 1867 in zwei selbständige Hälften geteilt, und zwar in „die im Reichsrat vertretenen Länder“ (Österreich, Cisleithanien) und in „die Länder der ungarischen Krone“ (Ungarn, Transleithanien). Als die gemeinsamen Aufgaben wurden die auswärtigen Angelegenheiten, das Kriegswesen und die Finanzierung dieser beiden Aufgaben festgelegt. Über die gemeinsamen Angelegenheiten entschiedenen Delegationen beider Parlamente von 60 Personen, die getrennt voneinander abwechselnd in Wien und Budapest tagten und sich schriftlich austauschten. Sie überprüften den Rechnungsabschluss, stellten das Budget fest und hatten die Möglichkeit Ministeranklage zu erheben.[7]

Die Tatsache, dass der ungarischen Reichshälfte nicht nur ein eigenes Parlament zugestanden wurde, ist genauso aussägekräftig wie die geringe Anzahl der gemeinsamen Aufgaben. Falls Kriegswesen und Außenpolitik keine gesamtstaatlichen Aufgaben mehr gewesen wären, hätte man nicht einmal mehr von einem Bundesstaat sprechen können. Denn beide Kompetenzen sind fundamental in der Frage der Beurteilung, ob es sich um einen gemeinsamen Staat handelt. Allein diese Tatsache zeigt, wie weitgehend die Autonomie war, die den Ungarn zugestanden wurde. Angesichts dessen verwundert es nicht, dass künftig die Mehrzahl der Ungarn loyal zur Monarchie stand.

Die Quote der Finanzierung der gemeinsamen Aufgaben Österreichs und Ungarns wurde erst einmal im Verhältnis 70 zu 30 aufgeteilt. Das war allerdings sprichwörtlich eine „Monarchie auf Kündigung“, denn alle 10 Jahre sollte dieser Teil des Ausgleichs neu verhandelt werden. Wenn keine Einigung zustande kam, sollte Franz Joseph einen Schiedsspruch aussprechen. Außerdem mussten sich beide Reichshälften im selben Zeitrhythmus über die gemeinsame Zoll- und Handelspolitik einigen, ansonsten stand die Gefahr der Einführung von Zöllen an der Grenze Reichshälften im Raum.[8]

An diesen Bestimmungen hängte sich auch wesentlich die Kritik an dem Ausgleich mit Ungarn auf. Denn durch die Notwendigkeit der Neuverhandlungen hatten die Ungarn ein sehr effektives Druckmittel in der Hand, um höhere Investitionen in Ungarn, Agrarzölle an den Grenzen zum Ausland und eine Erhöhung der Autonomierechte zu verlangen. Kein Wunder, dass die Drohung mit der Zollschranke zwischen beiden Reichshälften in Österreich als Erpressung empfunden wurde.

Die Bereiche der Zoll- und Handelspolitik gehörten nicht zu den gemeinsamen Aufgaben, sondern zu den dualistischen Angelegenheiten. Über sie konnten beide Parlamente zwar einzeln entscheiden, dennoch war verabredet worden, dass sich beide regelmäßig auf gemeinsame Grundsätze in bilateralen Abkommen einigten. Zu diesen Bereichen gehörten neben den kommerziellen Angelegenheiten und den Zollgesetzen die Feststellung des Wehrsystems, Gesetze betreffend indirekte Steuern, die Feststellung des Münzwesens und Verfügungen über die Eisenbahn.[9] Dass diese Vereinbarungen auf freiwilliger Basis im Grundsatz bis zum Ende der Monarchie immer wieder möglich waren, zeigt aber auch, wie sehr von beiden Seiten eine gemeinsame Politik auf diesen Themengebieten für notwendig erachtet wurde.

Im Ausgleich von 1867 wurde auch die „Pflicht der gemeinsamen Verteidigung“ der gesamten Monarchie festgeschrieben. Franz Joseph als Kaiser von Österreich und König von Ungarn fielen der Befehl, die Führung und die innere Organisation des Gesamtheers zu, für die Rekrutierung der Soldaten, die Festlegung der Dienstzeit und die Unterbringung und Verpflegung der Truppen war jedoch jeweils die Regierung der Reichshälfte zuständig.[10]

Mit dieser Regelung war gewährleistet, dass der Monarch in den grundlegenden Fragen über ein einiges Heer verfügen konnte. Das war vor allem im Kriegsfall von zentraler Bedeutung, denn das Heer eines Staates musste dann zentral koordiniert werden. Das war von zentraler Bedeutung für Bestand und Erhalt des Gesamtreiches.

Doch warum stimmte Franz Joseph überhaupt dem Ausgleich zu? Was hatte er als Monarch für Vorteile dadurch. Die Vorteile des Ausgleichs für den Kaiser von Österreich und König von Ungarn definiert der Wiener Historiker Lothar Höbelt so: „Das war der Charme des Dualismus für den Monarchen. Der Kaiser gewährte den Ungarn ein sehr weitgehendes Maß an Selbstverwaltung und tauschte dafür ein sehr weitgehendes Maß an Unabhängigkeit in der Außenpolitik ein, in den Haupt- und Staatssanktionen, die ihm zuallererst am Herzen lagen.“[11]

Das bedeutete, dass dem Kaiser der detaillierte innenpolitische Kurs der beiden Hälften seines Reiches nicht so wichtig war. Von allergrößter und für den Gesamtstaat von existenzieller Bedeutung war jedoch für Franz Joseph, dass die Außenpolitik und das Kriegswesen in den Händen des Kaisers lagen. Denn in diesen Fragen kam es auf den abwägenden Blick des Kaisers an, der nur das gesamtstaatliche Bestehen und Erblühen im Sinn hatte. Auf diesen Feldern durften nicht die Streitereien zwischen verschiedenen nationalen Interessen der Völker dominierend werden. Unter diesen Bedingungen war Franz Joseph bereit, im Jahr 1867 Befugnisse seiner bisherigen absoluten Macht abzugeben.

Künftig gab es eine österreichische (kaiserlich-königliche) und eine ungarische (königlich-ungarische) Regierung, deren jeweiliger Ministerpräsident vom Kaiser ernannt wurde. Neben den Ministern der Teilregierungen gab es drei österreichisch-ungarische (kaiserliche und königliche) Minister und zwar für Außenpolitik, Kriegswesen und Finanzen. Als informelles Gremium, in dem Entscheidungen getroffen worden, die das ganze Reich betrafen, entwickelte sich der Ministerrat. Ihm gehörten neben den drei österreichisch-ungarischen Ministern in der Regel auch die Ministerpräsidenten Österreichs und Ungarns an. So konnten alle wichtigen Entscheidungen auch in der Außenpolitik von bis zu fünf Personen getroffen werden.[12]

Diese informelle Regelung gewährleistete, dass in der Praxis die Verantwortung für die Außenpolitik in der Hand weniger verantwortlicher Politiker saß und daher Entscheidungen auf diesem Gebiet weiterhin angemessen zügig getroffen werden konnten. Die Parlamente hatten in der Außenpolitik nichts mitzureden, denn das blieb eine Domäne des Kaisers und Königs und der von ihm ernannten Regierung.

Außerdem behielt Franz Joseph ein Vetorecht gegen parlamentarisch beschlossene Gesetze, er verleiht allein Titel und Orden und nur er konnte Krieg erklären und Frieden schließen. Die Justiz war von Judikative und Exekutive getrennt, aber dem Kaiser stand das Recht zur Begnadigung und Strafmilderung zu.[13]

Das Vetorecht war natürlich ein enormes Machtmittel in der Hand von Franz Joseph, das allerdings bis in die Gegenwart hinein auch dem Präsidenten der USA zusteht. Die Frage der Entscheidung von Krieg und Frieden war ein elementarer Kernbestandteil der Außenpolitik, worauf Franz Joseph auch beharrte. Im Deutschen Reich war jedoch für eine Kriegserklärung die Zustimmung der Länderkammer Bundesrat erforderlich, In Österreich-Ungarn genügte die Unterschrift Franz Josephs. Dass die Gewaltenteilung inzwischen so weitgehend in moderner Form verwirklicht war, macht deutlich, wie sehr sich das Habsburgerreich zu einer konstitutionellen und rechtsstaatlichen Monarchie gewandelt hatte. Das Begnadigungsrecht wiederum steht selbst im heutigen Deutschland noch dem Bundespräsidenten als deutsches Staatsoberhaupt zu.

Es drängt sich die Frage auf, warum die neue Staats- und Verfassungskonstruktion bereits 1867 umgesetzt wurde. Schließlich hatte Österreich erst im Jahr zuvor bei Königgrätz eine Niederlage gegen Preußen erlitten. Die Folge des verlorenen Krieges von 1866 war die Auflösung des Deutschen Bundes, in dem Österreich eine gewisse Hegemonialrolle hatte und der alle deutschen Staaten angehörten. Nach dieser Schwächung Österreichs war Franz Joseph noch mehr als vorher bestrebt, innenpolitische Spannungen abzubauen und zu Kompromissen mit den rebellierenden Ungarn zu kommen.

„Die Ungarn nutzten die Zwangslage des Monarchen des Monarchen und taten alles, um diesen Eindruck zu verwischen. Sie erhöhten auch nach Königgrätz ihre Forderungen nicht.“, fasst der Wiener Historiker Lothar Höbelt zusammen. „Und sie fanden eine Verbündete in Kaiserin Elisabeth, der ‚schönen Vorsehung Ungarns‘, die ihrem Gemahl damals schon Julius Graf Andrassy als Minister empfahl, den „schönen Gehängten“ – sogenannt, weil er als Rebell 1848 damals in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war.“[14]

An dem Ausgleich mit Ungarn lässt sich sowohl der Einfluss Elisabeths bei diesem Thema erkennen als auch der weite Weg, auf dem sich die Ungarn unter Andrassy und die kaiserliche Regierung entgegengekommen waren.

Ergebnis dieses Entgegenkommens war 1867 eine gemeinsame Verfassung der Monarchie mit bemerkenswert detaillierten Bestimmungen. Der Autor Alexander Novotny nennt die Verfassungsgesetze des Jahres 1867 „eines der kompliziertesten und zugleich kunstvollsten Gesetzeswerke, welche die Verfassungsgeschichte überhaupt kennt“.[15]

Das war notwendig, damit sich der Kaiser, Österreich, Ungarn und die verschiedenen Völker jederzeit auf die Verfassung berufen konnten. Die Kompetenzzuschreibungen mussten klar und eindeutig sein, damit es nicht zum langen Streit kommt. Denn eine dauerhafte Entfremdung zwischen den verschiedenen Trägern der Monarchie sollte nicht riskiert werden, damit sich keine Wünsche ausbreiten, den Staatsverband zu verlassen oder aufzulösen.

Der Ausgleich blieb trotzdem heftig umstritten und das nicht nur bei Tschechen oder Slawen. Erzherzog Franz Ferdinand sah ihn als historischen Fehler an: „Der Ausgleich ist das größte Unglück, den armen Kaiser nach dem 66er Unglück abgerungen, richtet er uns wirtschaftlich zu Grunde und nebstbei ist dieser Ausgleich überdies der Ruin der Monarchie. Es ist ja himmelschreiend, was diese Magyaren treiben.“[16]

Wie bei Franz Ferdinand üblich, gab er an allem, was angeblich oder tatsächlich in der Monarchie schieflief, den Ungarn die Schuld. Über den Ausgleich blieben die Meinungen bis zum Ende der Monarchie und noch darüber hinaus geteilt. Die einen sahen ihn als Rettung und verfassungsrechtlichen Meilenstein, andere wie Franz Ferdinand lehnten ihn wegen seiner wirtschaftlichen und auch ethnischen Nachteile für andere Völker der Monarchie ab und wollten ihn ändern.

Aber auch auf der ungarischen Seite wurde der Ausgleich abgelehnt, nämlich von Kossuth und seinen Anhängern. Das war jedoch nicht entscheidend. Zwar lehnte die ungarische Unabhängigkeitspartei von Kossuth den Ausgleich ab, weil sie keinen gemeinsamen Staat mit Österreich wollte, aber die tonangebenden Ungarn waren durch den Ausgleich rundum zufriedengestellt. Für die Ungarn, die die Monarchie grundsätzlich bejahten, war das Herausdrängen Österreichs aus Deutschland und der folgende Ausgleich wie ein Geschenk des Himmels, wie der ungarische Ausgleichspolitiker Eötvös ausführte: „Für uns Ungarn ist die Aufgabe klar vorgezeichnet. Da von dem Augenblick an, als Österreich aus Deutschland verdrängt worden ist, die Gefahr der Absorption durch das deutsche Element für uns aufgehört hat und statt dessen andere Gefahren in den Vordergrund getreten sind, denen wir nur dadurch begegnen können, dass der Staat, dem wir angehören, mächtig ist, so wird unsere Aufgabe sein, dem Staat, nachdem er aufgehört hat, ein deutscher Staat zu sein, wenigstens faktisch nichts als die Verjüngung der einst bestandenen ungarischen Monarchie ist, möglichst stark zu machen.“[17]

Nach dem Herausdrängen aus Deutschland 1866 konnte sich Österreich nicht mehr als deutscher Staat definieren und der multiethnische Charakter der Habsburgermonarchie rückte stärker in den Vordergrund. Das kam vor allem Ungarn zugute, das für sich ein historisches Recht auf ein eigenes Königreich herleitete. Eötvös war klar, dass Ungarn als von Österreich unabhängiger Staat seine politischen Interessen international wesentlich schlechter hätte durchsetzen können als in dem gemeinsamen Staat mit Österreich. Aus diesem Grund plädierte er für ein starkes Österreich-Ungarn.

Dem historischen Legitimitätsempfinden der Ungarn wurde damit genüge getan, dass Franz Joseph und Elisabeth in Budapest mit der Stephanskrone zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt worden. Doch Franz Joseph kam es darauf an, dass aus Österreich-Ungarn keine reine Personalunion wurde, sondern die gemeinsamen Aufgaben und die Kompetenzen von ihm als Kaiser und König konsequent bestehen blieben. Den Ungarn kam es jedoch in erster Linie darauf an, ihre Eigenständigkeit zu demonstrieren und zu erweitern.

Der Wunsch der Ungarn, ihre Unabhängigkeit von Wien zu betonen, nahm teilweise geradezu humoristische Züge an. So wurde teilweise nicht nur die Existenz eines gemeinsamen österreichisch-ungarischen Reiches und zweier Reichshälften abgestritten, sondern auch die schlichte Tatsache, dass beide Hälften der Monarchie denselben Herrscher hätten. Einen gemeinsamen Herrscher gebe es nicht, gemeinsam sei „nur die physische Person des Herrschers, der sich in zwei Herrschergestalten vereinigt“. Folglich verurteilen ungarische Gerichte Angeklagte nur dann, wenn sie eine Majestätsbeleidigung gegen den König von Ungarn vorgenommen hatten und nicht, wenn der Kaiser von Österreich beleidigt worden war.[18]

Allein diese Anekdoten zeigen, wie wichtig den Ungarn ihre Unabhängigkeit und Souveränität war. Daher verwundert es nicht, wie sehr viele ungarische Politiker in den Jahrzehnten nach dem Ausgleich darauf bedacht waren, die ungarische Autonomie auszubauen und die gemeinsamen Aufgaben zu verringern. Damit sollten sie allerdings nur begrenzten Erfolg mit haben.

Gab es eine Alternative zum Ausgleich? Ungarn war seit 1848 eine aufrührerische Provinz gewesen, dessen Verfassung zur Strafe suspendiert wurde und die militärisch regiert wurde.[19] Die Gefahr einer Abspaltung von Österreich bestand also durchaus. 1867 wurde dann der grundsätzliche Kurswechsel mit dem Ausgleich und der Amnestie eingeleitet. Auch der Absolutismus war in Österreich und Ungarn vorbei, Franz Joseph wurde ein konstitutioneller Herrscher. „Die Alternative wäre freilich aller Wahrscheinlichkeit nach die Loslösung Ungarns von Österreich gewesen, ähnlich der italienischen Entwicklung“, meint die Historikerin Brigitte Hamann und spielt damit auf Sardinien-Piemont an, das 1859 nach einem Sieg über Österreich mit den ehemals italienischen Gebieten der Habsburger. „Die Diskussionen über die Frage des Ausgleiches spitzen sich also zwangsläufig auf die Frage zu, ob das Verbleiben Ungarns bei Österreich positiv oder negativ zu werten sei.“[20]

Ob es im Falle einer Verweigerung des Ausgleichs von Österreich zu einer Abspaltung Ungarns gekommen wäre, bleibt letztlich Spekulation. Sicherlich ist Hamanns Szenario nicht unwahrscheinlich, aber eine sichere Voraussage lässt sich nicht treffen. Auf jeden Fall kann festgestellt werden, dass der Ausgleich bei allen Konflikten zu einer gewissen Stabilität geführt hat, weshalb er auch von Franz Joseph als geringstes Übel geschätzt wurde. Das war auch der Grund, warum Franz Joseph radikalen Umgestaltungswünschen, wie sie Erzherzog Franz Ferdinand wünschte, sehr skeptisch gegenüberstand. Der Kaiser befürchtete dann den Zerfall des Reiches, wenn an den Grundfesten des innenpolitischen Status quo gerüttelt werde, weshalb die Position Franz Josephs nicht als reaktionär abgetan werden kann.

Der Ausgleich war aber auch das Werk seiner Frau Elisabeth. Sie war nicht die Einzige in der Familie, die in den Jahren von Franz Josephs Herrschaft auf tragische Art und Weise eines unnatürlichen Todes sterben sollte.

3. Franz Joseph und seine Familie

3.1. Franz Joseph

Schon zu Lebzeiten war Franz Joseph eine Legende. Dass hing sicherlich mit seiner langen Regentschaft von 68 Jahren zusammen. Ein vielleicht noch wichtiger Grund war jedoch, dass seine Person das Augenfälligste war, was dieses Reich als Monarch verband. Er wurde im In- und Ausland bewundert, weil er es schaffte, einen heterogenen Vielvölkerstaat zumindest soweit zusammenzuhalten, dass er nicht auseinanderfiel.

Aber Franz Joseph war sich auch selbst bewusst etwas Besonderes und Teil einer aussterbenden Art von Herrscher zu sein. 1910 bezeichnete sich Franz Joseph selbst in einem Gespräch mit US-Präsident Theodore Roosevelt als „letzten Monarchen der alten Schule“.[21] Das meinte er allgemein und es traf den Nagel auf den Kopf. Sowohl auf seine Werte, aber auch auf seinen Lebens- und Führungsstil traf das zu. In seiner Zeit passte er damit aber genau zu seinem Reich und seinen Untertanen.

Von vielen seiner Untertanen und Zeitgenossen wurde Franz Joseph vor allem in seinen späten Regierungsjahren sogar als Verkörperung des Geistes des Reiches gesehen. Der US-Historiker Sean McMeekin formuliert es so: „Zum einen war er das lebende Symbol in Bezug auf Grandezza, Lebensart und Stil sowie in seiner halsstarrigen Weigerung zu modernisieren (…), und zum anderen zeigten beide ihr Alter und ihre Gebrechlichkeit.“[22]

Inwieweit die Monarchie, aber auch Franz Joseph wirklich gebrechlich war, gilt es noch näher zu untersuchen. Ob seine Weigerung, irgendwelche als modern geltenden Reformen mitzumachen, wirklich immer halsstarrig oder nicht einfach in vielen Fällen vernünftig und richtig war, lässt sich auch nicht so einfach sagen.

Franz Josephs tägliches Leben war jedenfalls bis ins hohe Alter von einem hohen Arbeitspensum und einer ausgeprägten Bescheidenheit bestimmt, was angesichts seines Reichtums umso erstaunlicher anmutet. Sein Tagesablauf war in den 68 Jahren Regentschaft von beeindruckend ritualisierter Pflichterfüllung geprägt.

Der Historiker Eberhard Straub hat seinen Tagesablauf so beschrieben: „Um halb vier Uhr morgens wurde er geweckt und sprang sofort mit einem Morgengruß aus dem Feldbett. Dann kam der ‚Badewaschel‘, um ihn in seiner Gummibadewanne einzuseifen und abzuwaschen. Anschließend half ihm ein Leibkammerdiener beim Ankleiden. Um fünf Uhr morgens gab es ein kleines Frühstück, anschließend begannen Aktenstudium und Berichterstattung. Um 12:30 Uhr hielt er eine Mittagspause mit einfachem Essen, Suppe, Naturschnitzel und Nachspeise oft am Schreibtisch. Dann folgten wieder Audienzen oder Erledigung der schriftlichen Vorlagen. Das Diner hielt er um 17 Uhr, danach pflegte er nichts mehr zu essen, da es ohnehin sein Grundsatz war: Man muss nicht so viel essen. Mit dem Trinken hielt er es ebenso. Am Abend hatte er Zeit für die weitläufige Familie, für das Theater, meist harmlose Komödien, oder anfallende höfische Verpflichtungen. Spätestens um 23:00 Uhr ging er zu Bett.“[23]

An Franz Josephs Tagesablauf fällt auf, wie bescheiden der Kaiser lebte und wie wenig er offensichtlich brauchte, um sich wohl zu fühlen. Sein Leben war von Schreibtischarbeit und einer qualitativ und quantitativ bescheidenen Nahrungsaufnahme geprägt. Selbst was seine Freizeit anging, verbrachte er sie klassisch im Theater. Auf Luxus oder moderne Neuerungen legte er für sein privates Leben keinerlei Wert.

Am meisten sticht jedoch ins Auge, dass er schon um halb vier aufstand. Das war für ihn wichtig, um sich sicher sein können, seine Pflichten als oberster Diener des Staates so gut wie möglich zu erledigen. „Als erster Beamter der Monarchie verkörperte Franz Joseph bis zur Perfektion die Eigenschaften und Werte eines Dieners des Staates“, urteilt der französische Historiker Jean Paul Bled in seiner Biografie Franz Josephs.[24] Wenn irgendein Monarch das bekannte Bonmot Friederichs des Großen jemals erfüllt haben sollte, dann war es Kaiser Franz Joseph.

Auch ausländische Zeitgenossen erkannten schon die Rolle Franz Josephs und hoben die Bedeutung des amtierenden Kaisers für die Einigung der Monarchie hervor: „Tatsächlich geht man nicht zu weit,“, urteilte 1893 der britische Botschafter Sir August Paget, „wenn man behauptet, dass es dieses Gefühl der Loyalität und Ergebenheit für den Kaiser Franz Joseph ist, das die einzelnen Teile dieses unterteilten und verschiedenartigen Kaiserreiches mit einem Bande der Einigung umschließt.“[25]

Das Urteil Pagets war einerseits sehr positiv für Franz Joseph, andererseits stellte sich dann aber auch die Frage, was aus der Monarchie werden sollte, falls Franz Joseph irgendwann einmal das Zeitliche segnete. Welchen Kurs würde sein Nachfolger einschlagen und würde er ähnlich integrativ wirken können? Die Schuhe Franz Josephs waren für jeden potenziellen Thronfolger sehr groß.

Franz Joseph hatte die Monarchie durch die gefährlichen Klippen der Zeit gesteuert, was sicher nicht jeder Monarch so hinbekommen hätte. Das dankten ihm seine Völker und so wurde er das versöhnende Band, was den Gesamtstaat zusammenhielt.

Umso erstaunlicher ist Franz Josephs Popularität aber deshalb, weil er eher zurückhaltend und bescheiden war. In Urteilen und Meinungsäußerungen hielt er sich zurück und das erwartete er auch von seiner Familie. An Geburts- und Namenstage dachte er immer und gratulierte, auch finanziell war er sehr großzügig gegenüber Familie und Freunden. „Die Großherzigkeit brachte ihm seine Angehörigen menschlich allerdings nicht näher“, betont Eberhard Straub. „Sie wurden allesamt erzogen, in ihm den Kaiser zu sehen und sich demgemäß zu verhalten. Da er kaum aus sich hinausgehen konnte, sie wiederum nichts fragen durften, blieben die Beziehungen recht kühl.“[26]

Gegenüber der eigenen Familie hatte Franz Joseph zwei Rollen zu erfüllen. Einerseits war er das Familienoberhaupt und er fühlte sich seinen engsten Verwandten sicherlich verbunden. Andererseits war er aber auch der Kaiser und von einer sachlichen, rationalen und pflichtbewussten Ausübung dieses Berufes war er überzeugt. Weil er auch sonst ein zurückhaltender Mensch war, konnten seine familiären Beziehungen keine besondere emotionale Tiefe erreichen.

Das bedeutete aber nicht, dass es Franz Joseph an Mitgefühl fehlte. In seinen Memoiren betont der österreichisch-ungarische Außenminister von 1912 bis 1915, Leopold Graf Berchtold „das reiche, tiefe, äußerlich kühle, innerlich warme Seelenleben, die zweifachen Naturen, die angeborene und die erworbene dieses schicksalsgeprüften Fürsten“.[27] Das Urteil Berchtolds ist glaubwürdig, weil dieser selbst ein sehr feinfühliger Mensch war. In seinen Handlungen gegenüber seinen Mitmenschen blieb Franz Joseph sehr mitfühlend und verständnisvoll, solange sich das mit seinen Pflichten und seiner Rolle als Monarch irgendwie vereinbaren ließ – trotz der vielen Schicksalsschläge, die er in seiner eigenen Familie erleiden musste.

Franz Joseph Bedeutung für seine Untertanen ging jedoch weit über seine berufliche Bedeutung hinaus. „Der Kaiser blieb der Brennpunkt starker politischer und emotionaler Bindungen.“, urteilt der australische Historiker Christopher Clark, „Es wurde allgemein anerkannt, dass seine Popularität nichts mit seiner verfassungsmäßigen Rolle zu tun hatte, sondern auf allgemein geteilten Gefühlen des Volkes beruhte.“[28] Franz Joseph wurde also als landesväterliche Vertrauensperson wahrgenommen, und nicht als emotional kalt oder unberührbar. Dazu trugen sicher auch seine wöchentlichen Audienzen bei, zu denen sich jeder Bürger anmelden konnte.

Aus Pflichtbewusstsein nahm Franz Joseph bis zum Tod an allen religiösen und weltlichen Festen teil. Er lebte, um die österreichisch-ungarische Monarchie funktionsfähig und im Grundkonsens einig zusammenzuhalten. 1909 reiste er nach Tirol zum hundertjährigen Jubiläum des Aufstands von Andreas Hofer gegen die bayerisch-französische Besatzung, 1912 eröffnete er in Wien den Eucharistischen Weltkongress und im Oktober 1913 reiste er nach Leipzig zur Parade in Erinnerung an hundert Jahre Völkerschlacht.[29]

Bis ins hohe Alter war Franz Joseph bestrebt, seinen Pflichten als Herrscher vorbildlich nachzukommen. Deshalb bereiste er zu entsprechenden Anlässen weiter sowohl das Inland als auch das Ausland.

Da Franz Joseph einen ausgleichenden Charakter hatte, sah den Berufsstand der Jounalisten sehr kritisch. An den realen Erscheinungen einer freien Presse litt Franz Joseph folglich. In einem Brief an seine Freundin Katharina Schratt beklagte er sich 1887 darüber, dass bei einem Ball „überall Pressehyänen stehen, die jedes Wort aufschnappen, das man spricht.“[30] Weil der Kaiser es Vertraulichkeit sehr schätzte, war ihm die moderne Presseöffentlichkeit zuwider. Aus diesem Grund ließ er im engsten Kreis seiner Wut über die Arbeit der Journalisten freien Lauf.

Nach den Besuch eines Pressekongresses im September 1904 schimpfte der Kaiser in einem Brief an Katharina Schratt über den miesen Charakter der Journalisten: „Der Pressekongress ist auch mir als ein großer Pflanz erschienen. Die Herrn haben so salbungsvoll, so idealistisch, so moralisch gesprochen, während die Zeitungen in ihrer Gemeinheit, Lüge und verleumderischen Hetze fortfahren.“[31]

Weil Franz Joseph Heuchelei und Verlogenheit ablehnte, war es nur folgerichtig, dass sein Urteil über die Presse so negativ war. Mehrfach versuchte er auch missliebige Kommentare der Presse zu unterbinden.

So bat er den österreichischen Ministerpräsidenten Taaffe im September 1871, darauf hinzuwirken, dass in den Zeitungen in Galizien der Rücktritt eines Bischofs „nicht gehässig besprochen werde“ und dass böhmische Zeitungen „ihre maßlosen Angriffe“ gegen die österreichische Regierung einstellten. Über manche Artikel sei der Justizminister zu informieren, forderte der Kaiser und wollte genau wissen, was bisher veranlasst wurde.[32]

Auf Anstand und Respekt legte Franz Joseph großen Wert, deshalb konnte es ihn ärgern, wenn Journalisten diese Eigenschaften vermissen ließen. Erst recht galt das, wenn Träger des Staates oder der Kirche wie eine die österreichische Regierung oder ein Bischof das Ziel der Angriffe waren.

Aufgrund seiner Einstellung gegenüber der Presse konnte er Vertrauensbrüche gar nicht leiden. Gegen indiskrete Beamte, die der Presse vertrauliche Informationen zukommen ließen, müsse konsequent vorgegangen werden, forderte der Kaiser 1874 in einem Brief an Graf Andrassy nach Budapest: „Bei der großen Aufregung, die hier über die bekannte Publikation der Presse herrscht, muss ich sie dringend bitten auf eklatanter Bestrafung des schuldigen Beamten des ungarischen Handelsministeriums zu bestehen.“[33] Diese Forderung Franz Josephs war sehr verständlich, denn ohne Vertraulichkeit würde das Regieren sehr erschwert. Die Bestrafung sollte daher vor allem der Abschreckung dienen.

Die verschiedenen Äußerungen Franz Josephs über die Presse sind kein Grund, über ihn den Stab zu brechen. Ähnliche Äußerungen und Vorgehensweisen gibt es in der Geschichte unserer Republik von höchst angesehenen Kanzlern und Ministern, weshalb vorschnelle Urteile über Franz Joseph unangebracht sind.

Bei den Audienzen zeigte Franz Joseph auch seinen Untertanen seine menschliche Seite. Er war bemüht, einen Spagat zwischen dem Erhalt der hofzeremoniellen Regeln einerseits und der Würde der Menschen andererseits zu finden. Wenn Untertanen eine Audienz bei ihm hatten, beendete er diese irgendwann mit einem Kopfnicken und wandte sich zum Fenster und damit dem Gast den Rücken zu. „Mit dieser scheinbar schroffen Geste wollte er es dem Gast ersparen, vorschriftsmäßig mit dem Rücken, den er der Majestät nicht zuwenden durfte, zur Tür zurückzufinden, was zu peinlichen Szenen führen konnte, wenn der Verabschiedete die Richtung zum Ausgang verfehlte“, schildert der Historiker Eberhard Straub.[34]

So sollte es der Kaiser sein Leben lang halten. Wenn er eine Regel oder Vorschrift irgendwie menschlich auslegen und anwenden konnte, tat er das. Er lehnte es jedoch ab, Traditionen leichtfertig zu ändern oder abzuschaffen. Grundsätzlich war es sein Ziel, sich nie einseitig von seinen Gefühlen leiten zu lassen.

Wer meinte, wegen sehr guter Beziehungen zum Kaiser die Möglichkeit zu haben, die Auszeichnung eines guten Freundes zu erreichen, hatte sich getäuscht. Das musste auch Rudolf Prinz Liechtenstein erfahren, dem Franz Joseph antwortete: „Sagen Sie mir zunächst, was diese Angelegenheit Sie angeht.“ Auch mit Schmeichelei kam man bei Franz Joseph nicht, denn Schmeichler pflegte der Kaiser mit den Worten „Na, so arg wird es ja doch nicht sein“ abzufertigen. Was unpolitische Posten bei Hofe anging, war Franz Joseph dagegen offen dafür, Freunde und Verwandte von Bediensteten einzustellen, sofern diese auch fachlich kompetent waren.[35]

Die Gefahr und Unehrlichkeit von Schmeichlern erkannte Franz Joseph besser als andere Monarchen. Da schätzte er selbst Leute mehr, die ihm immer unverblümt ihre Meinung sagten. Das war auch neben der fachlichen Kompetenz der Grund, warum der Kaiser so lange am kriegsbefürwortenden Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf festhielt, obwohl er seine Meinung grundsätzlich nicht teilte.

Franz Joseph war persönlich sehr religiös, er wusste aber auch um die politische Bedeutung gerade der größten Religionsgemeinschaft Österreich-Ungarns, der katholischen Kirche. „Kaiser Franz Joseph setzte bewusst auf die abgehobene religiöse Komponente des Kaisertums“, schildert Andreas Gottsmann, „um den völkerübergreifenden Charakter dieser Institution zu unterstreichen, ganz zu schweigen von der übernationalen – oder besser anationalen – Rolle der Kirche.“[36]

Im Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie konnte die Konfrontation völlig gegensätzlicher nationaler Interessen zum Problem. Daher begrüßte er, wenn er neben seiner Rolle als Kaiser auch durch die Religion die Menschen unterschiedlicher Völker zusammenführen konnte, um den Grundwertekonsens verschiedener Völker zu betonen.

Doch konnten Kaisertum und Religion Österreich-Ungarn wirklich retten? Zeitgenössischen Beobachtern erschien der Kaiser oft unnahbar. Der Schriftsteller Joseph Roth schildert in seinem Werk „Der Radetzkymarsch“ anschaulich, wie Franz Joseph in seinen in den letzten Jahrzehnten seiner Amtszeit auf seine Untertanen wirkte. Er schien „in seiner eisigen und ewigen, silbernen und schrecklichen Greisenhaftigkeit eingeschlossen zu bleiben, wie in einem Panzer aus ehrfurchterbietenden Kristall.“[37]

Unter den Intellektuellen und Kulturschaffenden der Habsburgermonarchie machte sich eine melancholische Untergangsstimmung breit, obwohl das Land wissenschaftlich und künstlerische Hochleistungen erbracht wurden. „Längst hatte dies nun als Donaumonarchie firmierende Gebilde sich der Wehmut des Verfalls überlassen, beglänzt durch ein schier unvergängliches Abendlicht der Wissenschaft und Künste“, schreibt der Historiker Jörg Friedrich.[38]

Dieses Gefühl von Untergangsstimmung ist keineswegs mit der Frage zu verwechseln, on Österreich-Ungarn in der Realität überlebensfähig war. Denn die Stimmung in den Salons der Zeit sollte weder mit der Meinung der Masse der Bürger noch mit der Realität verwechselt werden.

Denn in Österreich-Ungarn gab es auch viele Errungenschaften, wozu auch Grundrechte wie die Religionsfreiheit gehörten. Der Katholik Franz Joseph gab gegenüber jedem Gläubigen ein Musterbeispiel von Toleranz ab. Der Kaiser war lediglich skeptisch gegenüber Konfessionslosen, die Konfessionen und Religionen an sich behandelte er trotz seiner eigenen katholischen Überzeugung konsequent gleich. So sagte er zu evangelischen Geistlichen: „Sagen Sie Ihren Glaubensgenossen, ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann!“ Seine Toleranz gegenüber Muslimen führte dazu, dass diese bereit waren, 1914 mit dem Schlachtruf „Allah und Franz Joseph“ in den Krieg zu ziehen.[39]

Sogar gegenüber Juden war Franz Joseph sehr aufgeschlossen, was angesichts des antisemitischen Zeitgeistes im damaligen Österreich keine Selbstverständlichkeit war. Daher war er auch ein entschiedener Gegner des Antisemitismus. Das bewies er 1895 als die Christlichsozialen unter ihrem Spitzenmann Karl Lueger die Wahlen zum Wiener Gemeinderat gewannen. Lueger hatte mit Antisemitismus und einer sehr kritischen Haltung gegenüber Ungarn Wahlkampf gemacht. Nachdem der Landtag Lueger zum Bürgermeister gewählt hatte, weigerte sich der Kaiser diese Wahl zu bestätigen. Der Gemeinderat wurde aufgelöst und es wurde noch einmal gewählt. Aus der Wahl 1896 ging aber Luegers Partei als noch größerer Wahlsieger hervor. Franz Joseph wurde auf seinen Fahrten zwischen Hofburg und Schönbrunn inzwischen kaum noch gegrüßt. Auch diesmal erkannte der Kaiser die Wahl Luegers nicht an, was der nach einem Gespräch mit dem Kaiser scheinbar akzeptierte. Luegers Parteifreund Strohbach bekleidete ein Jahr den Posten. Als der Gemeinderat 1897 Lueger erneut zum Bürgermeister wählte, bestätigte der Kaiser die Wahl.[40]

Dieses Verhalten des Kaisers im Fall Lueger zeigt neben seiner beeindruckenden und ehrenwerten Aufgeschlossenheit gegenüber Juden aber auch, dass der Kaiser sich gegen den demokratischen Willen des Volkes nicht durchsetzen konnte. Die Bürger Wiens wählten Lueger immer wieder, egal was der Kaiser dazu meinte. Denn auch das Volk nahm sich das Recht aus, sich eine eigene Meinung zu bilden, egal was der Kaiser dazudachte. Zum Schluss musste sich der Kaiser Sorgen machen, ob er in der Hauptstadt Wien die Unterstützung des Volkes verlor. Denn bei seinen Spazierfahrten merkte er, dass das Volk ihm seine Ablehnung Luegers übelnahm. Daher entschloss sich der Kaiser letztlich, Lueger doch eine Chance zu geben.

Im Gegensatz zu Franz Joseph war Thronfolger Franz Ferdinand zweifellos ein Antisemit. „Neben den Liberalen und Dreimaurern waren mit der gleichen Regelmäßigkeit auch die Juden eine Zielscheibe Franz Ferdinands. Wie alle Antisemiten sah er eine Verbindung zwischen den drei Gruppen“, berichtet der französische Historiker Jean Paul Bled. Im Gegensatz zum alldeutschen Führer Georg Ritter von Schönerer vertrat Franz Ferdinand aber keinen biologischen Antisemitismus. Es war einfach das Vorurteil eines strikt antiliberalen Katholiken.[41]

Erzherzog Franz Ferdinands Haltung zu Juden, die quer durch alle politischen Lager keine Seltenheit war, zeigt noch deutlicher, wie außergewöhnlich Franz Josephs Haltung war. Der Erzherzog trat sogar offen für Luegers Christlich-Soziale ein, was sogar sein ihm sonst wohlwollend gegenüberstehender Biograf Friedrich Weissensteiner als „politisch unklug, wenn nicht geradezu beängstigend“ bezeichnet.[42]

Beängstigend trifft es in der Tat auf den Punkt. Gerade deswegen sollte gut überlegt werden, ob Franz Joseph wirklich der reaktionäre Reformverweigerer und Franz Ferdinand die Zukunftshoffnung der Monarchie war. Aber da Franz Joseph bis 1916 lebte und Kaiser blieb, während Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo ermordet wurde, hatten die abstrusen Ansichten des Thronfolgers gegenüber Juden keine praktischen Auswirkungen.

Wie wichtig Franz Joseph Luegers Wahlsieg war, zeigt ein Brief an Katharina Schratt, wo er sich über eine Meinungsübereinstimmung freut. „Ihre Ansicht, über das Vorgehen gegenüber den Wiener Wahlen, hat mich als neuer Beweis Ihres klaren richtigen politischen Urteiles, sehr gefreut“, schrieb er ihr am 5. März 1896 hocherfreut. „Wenn nur mehr Leute so denken würden!“[43]

Auch bei der Anwendung der Gesetze pochte Franz Joseph darauf, dass Juden gleichwertige Menschen sind und nicht benachteiligt werden dürfen. Wenn man fähigen Leuten wegen ihres jüdischen Glaubens den Aufstieg als Beamte verwehren wollte, wurde der von Antisemiten „Judenkaiser“ genannte Franz Joseph nämlich wütend: „Mir ist nicht bekannt, dass im Sinne der Gesetze von 1867 Juden vom Range eines Sektionschefs auszuschließen sind!“[44] Dann pochte er auf die Einhaltung der geltenden Gesetze und ließ antisemitische Vorurteile nicht gelten.

Insgesamt fällt auf, wie hoch der Anteil Franz Joseph für die Integrationskraft des Reiches schon von Zeitgenossen eingeschätzt wurde. Dabei war Franz Joseph ein zurückhaltender und bescheidener Mensch, jedoch passte er damit als konsensstiftender Monarch sehr gut zu einem Vielvölkerreich mit großteils auseinanderstrebenden Nationalitäten.

3.2. Seine Ehefrau Kaiserin Elisabeth

Als Franz Joseph Kaiser von Österreich wurde, war er 18 Jahre und unverheiratet. Die Mutter Franz Josephs, Erzherzogin Sophie, hatte jedoch schon länger nach einer Frau für ihren Sohn Ausschau gehalten. Die Preußen wollten keine ihrer Prinzessinnen mit dem österreichischen Kaiser verheiraten, um sich politisch nicht festzulegen, eine sächsische Prinzessin war Franz Joseph wiederum zu dick. Sophie hatte aber auch eine Schwester, die Ludovica hieß, mit Max von Bayern aus einer Nebenlinie der Wittelsbacher verheiratet war und mit ihren zwei Töchtern im bayerischen Possenhofen ein bürgerliches Leben lebte. Ihre Tochter Helene war von Sophie und Ludovica als Frau des Kaisers vorgesehen. Zur Feier des 23. Geburtstags des Kaisers nahm Ludovic auch noch ihre andere Tochter Elisabeth mit, die 15 Jahre alt war. Anstatt für Helene entschied sich Franz Joseph für Elisabeth, genannt Sisi.[45]

Nachdem Franz Joseph Sophie gestand, dass er sich in Sisi verliebt hatte, fragte Sophie bei Sisi nach, ob sie Franz Joseph auch lieben würde. „Wie soll man den Mann nicht lieben können?“, entgegnete sie. Gerührt versprach sie den Kaiser glücklich zu machen und zu ihm zärtlich zu sein. „Aber wie kann er nur an mich denken? Ich ja so unbedeutend!“, fuhr Sisi fort. „Ich habe den Kaiser so lieb! Wenn er nur kein Kaiser wäre!“[46]

In den Sätzen deutete Sisi schon viele Problemfelder an, die später die Ehe mit Franz Joseph beeinträchtigen sollte. Sie hatte keine Vorstellung davon, was es heißt, die Pflichten eines Kaisers oder einer Kaiserin zu haben und diese gewissenhaft zu erfüllen. Ihr waren diese Pflichten einfach nur lästig, weswegen sie sich ihnen später fast vollständig verweigerte.

Nachdem sich das Paar auseinandergelebt hatte, bezweifelten engste Vertraute, ob Elisabeth ihren Mann wirklich geliebt habe. „Die Kaiserin hat ihren Gatten geschätzt und war ihm innig anhänglich … Im Ganzen muss ich sagen, dass sie ihn achtete und gern hatte, aber geliebt hat sie ihn wohl nicht.“, meinte Elisabeths Hofdame, Gräfin Festetics.[47] Das auch nur ansatzweise zu spüren, muss bitter für Franz Joseph gewesen sein, denn er liebte seine Sisi ein Leben lang heiß und innig.

Unter dem strengen Spanischen Hofzeremoniell am Wiener Hof litt Elisabeth, denn aus Possenhofen war sie so etwas in keiner Weise gewohnt. Neben ihren Pflichten als Kaiserin störte Elisabeth, dass sie ihre Kinder zur Erziehung ihrer Schwiegermutter Sophie überlassen musste.

Im August 1865 stellte Elisabeth Franz Joseph deshalb ein Ultimatum, um den Einfluss Sophies endlich abzuschütteln. „Ich wünsche, dass mir vorbehaltene bleibe unumschränkte Vollmacht in allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die komplette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment ihrer Volljährigkeit“, schrieb sie darin. Doch das war noch nicht alles, der Forderungskatalog ging noch weiter: „Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Wahl meiner Umgebungen, den Ort meines Aufenthaltes, aller Änderungen im Haus, etc. etc., mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt.“[48]

Die Annahme dieses Ultimatums stellte einen Wendepunkt im Eheleben Franz Josephs und Elisabeths dar. Von nun bestimmte Elisabeth nicht nur über die Erziehung ihrer Kinder selbst, sondern entzog sich von nun an auch weitgehend ihren Pflichten als Kaiserin. Weil sie Wien wegen dem Hof nicht leiden konnte reiste sie lieber quer durch die Welt.

Während Franz Joseph im Bewusstsein soldatischer Pflichterfüllung auf seinem Posten ausharrte, war Elisabeth ihr Leben lang auf der Suche nach sich selbst. „Schon früh belastete ihn die Ehe mit einer Exzentrikerin, für die im Gegensatz zum Kaiser ihre eigene Person alles, die Pflicht für den Staat nichts bedeutete“, analysiert der Klagenfurter Historiker Helmut Rumpler.[49]

Rumplers Analyse trifft den Nagel auf dem Kopf. Während Franz Joseph seine Pflichten als Kaiser sehr ernst nahm, reiste Elisabeth durch die Welt, hungerte und pflegte ihre Schönheit. Obwohl Elisabeth nach der Erfüllung ihres Ultimatums freie Hand bei der Gestaltung ihres von Franz Joseph finanzierten arbeitsfreien Lebens hatte, blieb sie unglücklich und klagte über die Welt, ihre Mitmenschen und sich selbst.

Als Franz Joseph und Elisabeth 1879 Silberhochzeit feierten, war das für die Kaiserin nicht mehr als Pflichttermin. „Das Familienfest war für die Kaiserin nichts als eine große Plage und Last. Es gibt auch nicht den geringsten Hinweis darauf, dass sie sich an den Leistungen erfreute, die in den letzten 25 Jahren in Österreich-Ungarn vollbracht worden waren“, wundert sich sogar die Historikerin Brigitte Hamann, die Elisabeth sonst sehr wohlwollend gegenübersteht. „Das Leben war freier. Es gab eine Verfassung und ein parlamentarisches Leben. Die Person des Kaisers stand so gut wie unangefochten da, und jeder Vergleich mit den anderen europäischen Dynastien fiel inzwischen günstig aus – was in den fünfziger und sechziger Jahren keineswegs der Fall gewesen war.“[50]

Politisch interessierte sich die Kaiserin sowieso vor allem für Ungarn, für deren Land und Leute sie sich begeisterte. Besonders bewunderte sie Gyula Graf Andrassy, der 1848 als Rebell einst zum Tode verurteilt worden war. Nach dem von Elisabeth mit vorangetriebenem Ausgleich von 1867 war Andrassy ungarischer Ministerpräsident und von 1871 bis 1879 dann österreichisch-ungarischer Ministerpräsident. Doch die Gefühle, die Elisabeth für Andrassy entwickelte, überstiegen die reine Sympathie.

„Dass die schöne Kaiserin (…) ein Auge auf Gyula Andrassy geworfen hatte, sprach sich in Ungarn wie ein Lauffeuer herum. Dieser Tratsch trug dazu bei Andrassys innenpolitische Position unangreifbar zu machen“, meint die Historikerin Brigitte Hamann, die sogar von einer „offensichtlichen Verliebtheit“ Elisabeths spricht. Das alles habe auch politische Konsequenzen gehabt: „Und all diese plötzlich aufbrechenden Gefühle setzte sie nun für die ungarische Sache ein – denn ein Abenteuer im landläufigen Sinn war für eine Frau ihrer Stellung ausgeschlossen.“[51]

Hamann hat zweifellos Recht, dass diese Gefühle bei Elisabeth ein wesentlicher Antriebsmotor waren, sich immer wieder so vehement für die ungarischen Interessen einzusetzen.

Im Februar 1866 schrieb Kaiser Franz Joseph über Sisis Rolle während der Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn aus Budapest: „Sisi ist mir von großer Hilfe durch ihre Höflichkeit, ihrem maßhaltenden Takt und ihre gute ungarische Sprache, in welcher die Leute aus schönem Munde manche Ermahnungen lieber hören.“[52] Allein diese Worte zeigen, wie sehr Franz Joseph seine Frau immer noch liebte und wie sehr er versuchte, ihre positiven Seiten zu betonen.

Auf Elisabeths und Andrassys Drängen hin machte Franz Joseph 1867 den Ungarn fast unglaubliche Zugeständnisse. So wurden allen Ungarn, die auf Franz Joseph nun den Treueschwur leisteten, eine Amnestie gewährt und ihnen ihre beschlagnahmten Güter zurückgegeben. Das Krönungsgeschenk von 100 000 Gulden wurde Witwen, Waisen und Invaliden der nationalungarischen Armee gespendet – das war immerhin die Armee, die 1848/49 gegen die kaiserliche Armee gekämpft hatte. Diese Armee wurde nun zudem als ungarische Landwehr anerkannt, gehörte jedoch im Kriegsfall zum österreichisch-ungarischen Heer.[53]

Wie weit Franz Joseph auf Versöhnung aus war, zeigte allein diese Tatsache, die in den Kreisen, die immer treu zum Kaiser gestanden hatten, verständlicherweise Protest hervorrief. Durch diese Maßnahmen sicherte sich Franz Joseph jedoch die Treue von einem Großteil der Ungarn.

Nach dem Ausgleich mit Ungarn verbesserte sich das Verhältnis zwischen Franz Joseph und Elisabeth. Franz Joseph ernannte Andrassy 1867 zum ersten ungarischen Ministerpräsidenten und 1871 zum österreichisch-ungarischen Außenminister, was er bis 1879 blieb und auch 1879 den Zweibund mit dem Deutschen Reich aushandelte.[54]

Der Ausgleich mit Ungarn war auch der Triumph Elisabeths, da sie als „Vorsehung Ungarns“ (Andrassy) die allermeisten Magyaren mit der Monarchie versöhnte und sie die Dynastie bei den Ungarn wieder beliebt machte. Dennoch schloss Franz Joseph den Ausgleich aus politischer Rationalität. „Er hatte ein zu hohes Sendungsbewusstsein, um das Schicksal des Reiches von den Launen einer, wenn auch geliebten Gemahlin abhängig zu machen“, meint dazu Jean Paul Bled.[55]

Franz Joseph war politisch Elisabeth keineswegs hörig. In der ungarischen Frage hatte er auf sie gehört, weil er es politisch für sinnvoll hielt. Dabei waren ihm Elisabeths Ansehen und Einfluss unter den Ungarn durchaus nützlich. In anderen Fragen hörte er keineswegs auf sie. So hielt Franz Joseph 1879 bis 1893 an seinem Freund aus Kindertagen, Eduard Graf Taaffe, als österreichischen Ministerpräsidenten fest, obwohl Elisabeth ihn verabscheute. Politisch war es nicht Franz Josephs Ziel, Elisabeth immer ihren Willen zu geben. Dafür war er ein viel zu eigenständig denkender politischer Mensch.

Nach dem Ausgleich mit Ungarn wurde Elisabeth gegenüber Franz Joseph jedenfalls wieder freundlicher und zärtlicher. Beide erlebten eine glückliche Zeit, und Elisabeth wurde das vierte Mal schwanger.[56]

Das Glück in der Ehe hielt aber nicht lange an. In den letzten Lebensjahren sehnte die Kaiserin sogar den Tod als Erlösung herbei. Sie sah sich als Last für ihren Ehemann und ihre Familie. Sie stellte sogar die Institution der Ehe an sich in Frage: „Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.“[57] Es ist leicht vorstellbar, wie sehr Franz Joseph so eine Aussage seiner Frau getroffen hätte, wenn er davon gewusst hätte.

Ungarn blieb Elisabeths Herzensanliegen, nicht ihre Ehe mit Franz Joseph. Dennoch war der Kaiser überhaupt nicht eifersüchtig auf Elisabeths Schwarm Graf Andrassy. Seine Liebe zur ihr war so groß, dass so etwas wie Eifersucht darin keinen Platz hatte. Als Andrassy 1890 starb, berichtete Franz Joseph ganz ehrfurchtsvoll über ihn und Elisabeths Verehrung ihm gegenüber.

„Zur Vermehrung der trüben Stimmung trug auch die Gestern früh eingetroffene Nachricht von dem Tode des Grafen Andrassy bei, der ein großer Verlust für mich und für die hiesigen Verhältnisse ist, da er in der Stellung war, um den Leuten zu imponieren und ihnen die notwenigen Wahrheiten zu sagen“, berichtet Franz Joseph aus Budapest am 19. Februar 1890 an Katharina Schratt, seiner und Elisabeths gemeinsamer Freundin. „Die Kaiserin, welche eine besondere Freundschaft und ein besonderes Vertrauen zu dem Verstorbenen hatte, hat dieser Todesfall wieder sehr angegriffen. Für ihn war übrigens der Tod eine wahre Erlösung von den entsetzlichen Schmerzen, an denen er schon lange gelitten hat.“[58]

Franz Josephs weitere Briefe über Andrassy an Katharina Schratt sind sogar eher ein sehr positiver Nachricht für Andrassy politische Leistung und seinen vorbildlichen Charakter, Elisabeth spielt nur am Rande eine Rolle.

„Der Tod des armen Grafen Andrassy und sein Leichenbegräbnis beschäftigt jetzt natürlich ausschließlich alle Leute und es ist erfreulich zu sehen, dass man ihm Gerechtigkeit widerfahren lässt und den erlittenen Verlust einsieht“, schreibt Franz Joseph am 21. Februar 1890 erneut aus Budapest an Katharina Schratt. „Die Leiche ist gestern angekommen und wurde in der Halle des Akademiegebäudes aufgebahrt. Auch die Familie, die unendlich ergriffen sein soll, ist hier eingetroffen. Heute um 11 Uhr wird die Kaiserin einen Kranz auf den Sarg legen und dort beten und um 3 Uhr werde ich zur Einsegnung gehen, an welcher eine ganz enorme Menge Leute teilnehmen wird.“[59]

Im dritten Brief aus Budapest an seine Freundin Katharina Schratt über Andrassys Tod erwähnt Franz Joseph am 23. Februar 1890 Elisabeths Trauer um den großen ungarischen Politiker: „Die Kaiserin war, nachdem sie beim Sarge gebetet hatte, bei der Witwe, welche ganz entsetzlich ergriffen sein soll. Ich wollte sie in diesen ersten Augenblicken des größten Schmerzes nicht belästigen. Ich wusste gar nicht, dass Sie den verstorbenen Grafen kannten und kann mir denken, dass er Ihnen sympathisch war, denn er war ein ebenso außergewöhnlich begabter und guter Mensch, als wie ein angenehmer Gesellschafter.“[60]

Weil Elisabeth so oft unterwegs war, wusste sie, dass sie ihrem Mann nicht die Unterhaltung und das Vertrauensverhältnis bieten konnte, was zwischen anderen Eheleuten herrscht. Daher suchte sie für ihren Mann eine „Seelenfreundin“, mit dem er sich alltäglich austauschen konnte, um Abwechslung von den täglichen politischen und familiären Sorgen zu haben. Eine Adelige kam dafür nicht in Frage, denn sie hätte auf den Kaiser indirekt Einfluss nehmen wollen – und schon den Anschein davon wollte Franz Joseph auf jeden Fall vermeiden. Die Burgschauspielerin Katharina Schratt war der Kaiserin durch ihr natürliches und authentisches Auftreten aufgefallen. Aus diesem Grund empfahl Elisabeth sie ihrem Mann als Freundin.[61]

Zwischen Franz Joseph und Katharina Schratt entstand eine enge Freundschaft, die auch nicht geheim gehalten werden wurde. Die Kaiserin förderte die Freundschaft der Kaisers mit der Burgschauspielerin. Elisabeth bemühte sich selbst auch um ein gutes Verhältnis zu Katharina Schratt.

Die Briefe Franz Josephs an Katharina Schratt, aber auch an Elisabeth sind in einer Sprache verfasst, die heute als unangemessen unterwürfig gelten würde. Jean de Bourgoing sieht das als „das Ergebnis der seit dem Mittelalter ‚ritterlich‘ genannten Gepflogenheiten, die jenem Respekt als die oberste Pflicht des Mannes im Verkehr mit Frauen vorschrieben, mit dem er sich ihnen stets nur huldigend und werbend, niemals fordernd nähern durfte. Dem Mann eine noch so bescheidene Bitte zu gewähren, war nach ritterlichen Begriffen eine Gunstbezeugung; jeder Wunsch einer Dame hingegen ein Befehl. Bei der Beurteilung des Briefstiles des 1830 geborenen Franz Joseph darf man nicht vergessen, dass zur Zeit seiner Erziehung die französische Sprache noch immer die vorherrschende war. In der weit weniger nuancenreichen deutschen Sprache klingen die Höflichkeitsfloskeln meist devoter und weniger natürlich als in der französischen.“[62]

In der Tat wirkt der Schreibstil Franz Josephs an die vom ihm geschätzten Frauen äußerst unterwürfig. Erst wenn sich der Leser die oben beschriebenen Gepflogenheiten der Zeit vergegenwärtigt, versteht er, warum der Kaiser in dieser Tonlage schrieb.

In seinen Briefen an seine Freundin berichtete der Kaiser auch immer wieder von Äußerungen und Erlebnissen mit der Kaiserin. Oft erzählte Franz Joseph seiner Frau etwas über Katharina Schratt und er schilderte seiner Freundin dann wiederum Elisabeths Reaktion.

In einem Brief an Franz Joseph hatte Katharina Schratt ihre Gewichtszunahme humorvoll als „galoppierende Fettsucht“ bezeichnet. „Dieser prächtige Ausdruck hat die Kaiserin, der ich ihn gleich mitteilte, sehr frappiert, dabei doch auch amüsiert, sie musste gestern den ganzen Abend an denselben denken und sie sieht sich auch schon von galoppierender Fettsucht. Sie die nur mehr Haut und Knochen ist. Sie lässt Sie herzlichst grüßen und Ihnen zu Ihrem Troste sagen, dass sie auch beim Beginne der Karlsbader Kur bedeutend zugenommen hat“, schrieb der Kaiser daraufhinam 26. Juni 1896 zurück an seine gute Freundin.[63]

In einem humorvollen und ironischen Ton spielte Franz Joseph hier auf die Magersucht der Kaiserin an. Sie hielt sich ständig für zu dick, dabei war aß sie so wenig, dass sie schon an Hungerödemen litt, und trieb äußerst viel Sport.

Am 14. Oktober 1897 bat Franz Joseph Katharina Schratt ihn und Elisabeth in Budapest zu besuchen. Er hoffte, dass dann Elisabeth wieder mehr essen werde: „Ihr Besuch wäre für die Kaiserin eine sehr erwünschte Erheiterung, auch würde sie bei dem Speisen, das sie Ihnen geben wird, wieder einmal ordentlich und ausgiebig essen. Seit dem kälteren Wetter ist sie leider wieder weniger wohl, geht mühsamer, hat keinen rechten Appetit und sieht nicht recht gut aus.“[64]

Wie eng war die Beziehung zwischen Franz Joseph und Katharina Schratt wirklich? Bei einer platonischen Freundschaft blieb es wohl, zumindest solange Elisabeth noch lebte. Dabei hätte sich Katharina Schratt auch durchaus gewünscht, dass aus ihrem Verhältnis zum Kaiser mehr werde.

Als Katharina Schratt dem Kaiser im Sommer 1887 anbot, seine Mätresse zu werden, lehnte Franz Joseph gerührt ab. „Wenn ich nicht wüsste, dass Sie mir gegenüber immer wahr sind, könnte ich an den Inhalt desselben kaum glauben, besonders wenn ich in den Spiegel sehe und mein altes runzliges Gesicht mich aus demselben anblickt“, schrieb Franz Joseph dankbar. „Unser Verhältnis muss auch künftig das gleiche sein wie bisher, wenn es dauern soll, und das soll es, denn es macht mich ja so glücklich. Sie sagen, dass Sie sich beherrschen werden, auch ich werde es tun, wenn es mir auch nicht immer leicht wird, denn ich will nichts Unrechtes tun.“[65]

Franz Joseph hatte Angst, dass er Katharina Schratt auch als Freundin verlieren könnte, wenn er eine sexuelle Beziehung zu ihr beginnen würde und diese eines Tages auseinandergehen würde. Außerdem wollte er das Verhältnis zwischen ihm, Elisabeth und Katharina Schratt nicht unnötig komplizierter gestalten.

Elisabeth reiste weiterhin gerne viel, und zwar quer durch die ganze Welt. Sie ließ sich mehrere Villen bauen wie auf Korfu, las Homer und Heine, den sie sehr verehrte. Auch wenn Franz Joseph aus grenzenloser Liebe ihren Launen immer wieder nachgab, war die Ehe trotzdem unglücklich. „Jeder bei Hof wusste, dass der Kaiser und die Kaiserin getrennte Zimmer bewohnten“, berichtet Jean Paul Bled in seiner Kaiser-Biografie. „Im Übrigen zeigte Elisabeth gegen die physische Liebe eine nahezu pathologische Abneigung.“[66]

Weil Elisabeth aus diesem Grund mit Franz Joseph kein sexuelles Verhältnis mehr unterhalten wollte, war es verständlich, dass er seine sexuellen Bedürfnisse mit anderen Frauen auslebte.

Franz Joseph liebte Katharina Schratt aber auf eine Art, die er gänzlich von der Sexualität abkoppelte. Sexuelle Beziehungen hatte der Kaiser aber zum Beispiel 14 Jahre lang mit Anna Nahowski, die in eine Villa direkt neben Franz Josephs Schloss Schönbrunn zog, und wohl auch mit anderen Burgschauspielerinnen. Auch Katharina Schratt hatte sexuelle Beziehungen mit Kollegen und anderen Fürsten.[67]

Marie Valerie, Elisabeths in Ungarn geborene Lieblingstochter, missbilligte die Freundschaft ihres Vaters zu der Burgschauspielerin und drängte ihm, diese mithilfe einer stärkeren Religiosität zu überwinden. „All dies Gerede von Gebeten und Bußfertigkeit geht ihm auf die Nerven“, schimpfte Katharina Schratt daraufhin.[68]

Franz Josephs Privatleben lässt Schlüsse auf seine Stellung zur katholischen Kirche. Zwar schätzte er die Religion an sich und als verbindendes Element in seinem Vielvölkerreich. Einen dogmatischen Klerikalismus, der sich in frömmelnder Prüderie ausdrückt, lehnte er jedoch ab und fand ihn nervig.

Elisabeths ständige Reisen und ihr Fernbleiben von offiziellen Terminen waren so auffällig, dass sogar schon ausländische Botschafter das kritisch bemerkten. 1892 berichtete der deutsche Botschafter in Wien über eine Unterredung mit Franz Joseph nach Berlin: „Es ging aus all Seinen Äußerungen hervor, wie wenig er selbst von den Plänen seiner Gemahlin weiß, und welch geringen Einfluss Er auf deren Reise-Entschlüsse hat … Ich sage nichts Neues, wenn ich alleruntertänigst bemerke, dass diese langen Abwesenheiten der Kaiserin von der Heimat für den Kaiser nicht erfreulich sind, und dass dieselben im Lande sehr ungern gesehen und leider scharf verurteilt werden.“[69]

Obwohl Elisabeth ganz allein über ihr Leben bestimmte, blieb sie unglücklich. Es ist kein Zufall, dass Elisabeths Todessehnsüchte in dem bekannten Musical „Elisabeth“ als eine Liebesgeschichte zwischen der Kaiserin und dem Tod dargestellt werden.

1898 reiste Elisabeth dann nach Genf, was durch die Indiskretion einer Zeitung bekannt wurde. Zur gleichen Zeit hatte sich der 26-jährige Anarchist Luigi Lucheni vorgenommen, einen adeligen Herrscher zu töten. Da kein anderer in der Nähe war, fiel seine Wahl auf Elisabeth. Als die Kaiserin das Hotel verließ, stieß er ihr eine angespitzte Feile mitten ins Herz. Die Kaiserin konnte erst noch aufstehen und ein paar Meter zum Schiff gehen, ehe sie zusammenbrach. Sie wurde zurück ins Hotel gebracht, wo nur noch ihr Tod festgestellt werden konnte. Als Franz Joseph die Todesnachricht in Wien überbracht wurde, äußerte er: „Mir bleibt doch gar nichts erspart auf dieser Welt.“ Kurze Zeit später meinte er: „Niemand weiß, wie sehr wir uns geliebt haben.“[70]

Elisabeths Ermordung war nur einer von vielen Schicksalsschlägen, die Franz Joseph in seiner Familie erleben musste. Dennoch traf er ihn schwer, denn er hatte sie immer trotz ihrer ausgeprägten Eigenwilligkeit sehr geliebt. Ob sie ihn auch geliebt hat, kann hingegen in Frage gestellt werden. Gemocht hatte sie ihn aber auf jeden Fall.

Nach dem Tod Elisabeths kam es dann zu Verstimmungen Katharina Schratts mit Franz Joseph. Es sollte zum 50. Regierungsjubiläum des Kaisers ein Elisabeth-Orden verliehen werden, und die Kaiserin hatte diesen Orden der Burgschauspielerin versprochen. Nach Elisabeths Tod sah sich Franz Joseph außerstande, diesen Orden seiner Freundin zu verleihen, weil er einen Skandal befürchtete. Außerdem ärgerte die Burgschauspielerin, dass der Kaiser lieber ihren Rücktritt vom Burgtheater annahm das Theater nach ihren Wünschen hin auszurichten. So dauerte es etwas, bis sie dem Kaiser weitgehend verziehen hatte, der Briefkontakt wieder häufiger wurde und sie sich auch persönlich wieder trafen.[71]

Wie ging der Kaiser mit dem Tod seiner Frau um? „Franz Joseph flüchtete sich, wie gewohnt, in die Arbeit und gewann rasch die äußere Fassung zurück“, schildert Eberhard Straub. „Er verklärte seine Liebe zu ihr, die sich doch schon zu Lebzeiten in einer vagen Erinnerung erschöpfte, wenn sie nicht ohnehin immer nur die Sehnsucht eines liebenden und also undurchdringlichen Herzens war, gehört, erhört zu werden. Ihr Tod änderte wenig an seinem Leben. An ihre Abwesenheit war er gewöhnt und damit an das Abgeschnittensein vom übrigen Leben, an das ihn fast nur noch die Eskapaden seiner Angehörigen störten.“[72]

Einer diesen Angehörigen mit Eskapaden war sein Bruder Erzherzog Maximilian.

[...]


[1] Straub, Drei Kaiser, S. 157.

[2] Zitiert nach: Bled, Franz Joseph, S. 218.

[3] Görlich, Grundzüge, S. 209f.

[4] Höbelt, Franz Joseph, S. 50.

[5] Bled, Franz Joseph, S. 260f.

[6] Zitiert nach: Clark, Schlafwandler, S. 101.

[7] Rebhan, Entwicklung, S. 72f.

[8] Höbelt, Franz Joseph, S. 62.

[9] Rebhan, Entwicklung, S. 74.

[10] Dornik, Des Kaisers Falke, S. 31.

[11] Höbelt, Habsburger, S. 143.

[12] Rumpler, Geschichte, S. 413.

[13] Rebhan, Entwicklung, S. 76ff.

[14] Höbelt, Habsburger, S. 142.

[15] Novotny, Franz Joseph, S. 47.

[16] Zitiert nach: Bled, Franz Ferdinand, S. 125.

[17] Rumpler, Eine Chance, S. 414.

[18] Zitiert nach: Rumpler, Geschichte, S. 412.

[19] Hamann, Elisabeth, S. 208.

[20] Ebenda, S. 269.

[21] Zitiert nach: Bled, Franz Joseph, S. 559.

[22] McMeekin, Juli1914, S. 63.

[23] Straub, Drei Kaiser, S. 153.

[24] Bled, Franz Joseph, S. 564.

[25] Zitiert nach: Ebenda, S. 458.

[26] Straub, Drei Kaiser, S. 154.

[27] Zitiert nach: Heller, Kaiser Franz Joseph, S. 134.

[28] Clark, Schlafwandler, S. 110.

[29] Bled, Franz Joseph, S. 500f.

[30] Brief vom 07.02.1887, in: Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 55.

[31] Brief vom 17.09.1904, in: Ebenda, S. 450.

[32] Der Kaiser an Ministerpräsident Graf Taaffe in Elischau, Brief vom 14.09.1871; Der Kaiser an Staatsrath von Barun für Grafen Hohenwarth, Brief vom 26.09.1871, in: Ernst (Hg.), Briefe, S. 295.

[33] Der Kaiser an Graf Andrassy in Budapest, Brief vom 14. November 1874, in: Ernst (Hg.), Briefe, S. 296.

[34] Straub, Drei Kaiser, S. 153.

[35] Zitiert nach: Winkelhofer, Politische Zuordnung, in: Tönsmeyer; Velek: Adel und Politik, S. 208.

[36] Gottmann, Rom, S. 330.

[37] Roth, Radetzkymarsch, S. 70.

[38] Friedrich, 14/18, S. 17.

[39] Zitiert nach: Novotny, Franz Joseph, S. 79f.

[40] Bled, Franz Joseph, S. 462ff.

[41] Zitiert nach: Bled, Franz Ferdinand, S. 121ff.

[42] Weissensteiner, Franz Ferdinand, S. 220.

[43] Brief vom 05.03.1896, in: Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 323.

[44] Zitiert nach: Novotny, Franz Joseph, S. 79f.

[45] Bled, Franz Joseph, S. 153 ff.

[46] Zitiert nach: Hamann, Elisabeth, S. 31f.

[47] Bled, Franz Joseph, S. 424.

[48] Zitiert nach: Herre, Kaiser Franz Joseph, S. 202.

[49] Rumpler, Geschichte, S. 559.

[50] Hamann, Elisabeth, S. 350.

[51] Ebenda, S. 221.

[52] Zitiert nach: Heller, Kaiser Franz Joseph, S. 150.

[53] Hamann, Elisabeth, S. 261f.

[54] Ebenda, S. 289.

[55] Bled, Franz Joseph, S. 268f.

[56] Ebenda, S. 271.

[57] Zitiert nach: Bled, Franz Joseph, S. 449f.

[58] Brief vom 19.02. 1890, in: Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 198

[59] Brief vom 21.02.1890, in: Ebenda, S. 199.

[60] Brief vom 23.02.1890, in: Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 199f.

[61] Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 44.

[62] Ebenda, S. 46.

[63] Brief vom 26.06.1896, in: Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 334.

[64] Brief vom 14.10.1897, in: Ebenda, S. 354.

[65] Zitiert nach: Straub, Drei Kaiser, S. 192.

[66] Bled, Franz Joseph, S. 421ff.

[67] Hamann, Elisabeth, S. 486ff.

[68] Straub, Drei Kaiser, S. 194.

[69] Zitiert nach: Hamann, Elisabeth, S. 573.

[70] Bled, Franz Joseph, S. 455f.

[71] Bourgoing (Hg.), Briefe, S. 372ff.

[72] Straub, Drei Kaiser, S. 190.

Details

Seiten
119
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668510999
ISBN (Buch)
9783668511002
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v373094
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Department Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Franz Joseph Österreich-Ungarn Östereich Ungarn Habsburger Habsburgermonarchie Sisi Sissi Kronprinz Rudolf Maximilian von Mexiko Franz Ferdinand Erster Weltkrieg Tschechen Südslawen Conrad von Hötzendorf Aehrenthal Berchtold Balkankriege Ausgleich Vielvölkerstaat Bosnienkrise

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Titel: Franz Joseph I und seine Außenpolitik. Ein Integrationsfaktor für den Bestand Österreich-Ungarns