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Regionalgeschichte im Gymnasium. Eine Unterrichtsstunde zum Matrosenaufstand 1918 in Wilhelmshaven

Unterrichtsentwurf 2017 39 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhalt

1. Ablauf der Doppelstunde (Kurzentwurf)

2. Unterrichtseinheit

3. Sachanalyse

4. Didaktische Analyse

5. Lernziele und Kompetenzen

6. Methodische Analyse

7. Materialien, Arbeitsaufträge und Erwartungshorizonte

8. Antizipierte Antworten auf die Fragestellung

9. Legitimation der Materialien

Literatur

Internetverzeichnis

Abbildungen

Abkürzungen

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1. Ablauf der Doppelstunde (Kurzentwurf)

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1. Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

2. Sachanalyse

Allgemein

Der August 1914 markiert den Beginn eines der grausamsten und längsten Kriege, die es je zuvor gegeben hat. Rückblickend als Erster Weltkrieg bezeichnet (Grande Guerre bzw. Great War bei den Franzosen und Briten) gilt er als „logische Konsequenz“1 der Veränderungen des 19. Jahrhunderts. Der rasche Wandel dieses Zeitalters ist insbesondere durch die Herausbildung eines allgegenwärtigen Nationalismus, durch wirtschaftliche Konflikte sowie komplexe militärische und diplomatische Allianzen geprägt. Indes zeichnete der Erste Weltkrieg das 20. Jahrhundert durch den Niedergang des Deutschen Reiches sowie durch den Zusammenbruch multiethnischer Imperien, wie Österreich-Ungarns, Russland und des Osmanischen Reiches, aus. Im Zuge dessen verschoben sich nationale Grenzen, neue politische Regime bildeten sich und der Völkerbund, eine neuzeitliche internationale Institution, die darauf abzielt Kriege in Zukunft zu verhindern, formierte sich. 2 Ausschlaggebend für das Ende des Kriegs war ein Ereignis besonders relevant - der Matrosenaufstand.

Matrosenaufstand - Ursachen und Entstehung

Es erscheint wohl absolut unmöglich die zahlreichen Ursachen die ausschlaggebend für die Revolution waren zu ergründen. In diesem Falle müsste man zurück zur Reichsgründung 1871, über die Bismarcksche Reichsverfassung und der Gesellschaft im Kaiserreich bis hin zu der zuversichtlichen Pro-Krieg Stimmung die sich im Zuge des Krieges rasch in Ernüchterung und Frustration wandelte, gehen.3 Hier soll es vielmehr darum gehen konkrete Auslöser, die den Ausbruch der Revolution herbeiführten zu untersuchen. Laut des Tagebucheintrages des Matrosen Richard Stumpfs, der auf den Linienschiffen „Helgoland“ und „Wittelsbach“ tätig war sei die Revolution „wie ein Blitz eingeschlagen“. Dagegen zeigt sich in einer Denkschrift des Chefs der Hochseeflotte Admiral Scheers, vom 17.10.1917, dass die Flottenleitung über die angespannte Situation informiert war und nicht an einen politischen Sinneswandel durch die Mittel der Marinejustiz glaubte.4 Angespannt war die Situation insbesondere durch den vorherrschenden Klassenkonflikt zwischen dem Offizier und dem Matrosen. So war die Versorgung der Seeoffiziere, auch trotz katastrophaler Versorgung der Zivilbevölkerung, während des gesamten Krieges überdurchschnittlich hoch. Dagegen war die Verpflegung der Mannschaften und Unteroffiziere deutlich schlechter, denn im Zuge der schwachen Versorgung der Bevölkerung wurden die Rationen stets gekürzt. Dies mündete schließlich darin, dass die Versorgung der Matrosen und Heizer im Dezember 1916 sogar vom Marine- Verbindungsoffizier beim Ernährungsamt als bedenklich eingestuft wurde.5 Darüber hinaus fehlte es den Matrosen an finanziellen Mitteln, um sich zur Erheiterung eines der Genussmittel an Bord, wie Bier, Brause, Käse, Wurst, Tabak oder Zigaretten zu leisten. Besonders dadurch, da diese im Krieg nur noch sehr eingeschränkt und zu hohen Preisen verfügbar waren. Ihren Höhepunkt hatten die enormen Versorgungsunterschiede zwischen Offizieren und Mannschaften im „Steckrübenwinter“ 1916/17. Dies resultierte in Gehorsamsverweigerungen und Diebstählen.6 Neben der mangelnden Versorgung litten die Mannschaften zudem unter hohen Dienstanforderungen und schlechter Behandlung. Zum einen führte die niedere Gerichtsbarkeit an Bord dazu, dass auf Vergehen wie Trunkenheit, Ungehorsam oder Diebstahl sehr harte Strafen erfolgten. Nach Unruhen im Jahr 1917 wurden zudem fünf Matrosen exemplarisch als ‚Rädelsführer’ zum Tode verurteilt, zwei von ihnen hingerichtet.7 So verfügte jeder Kommandant an Bord seines Schiffs nach der Militärstrafgesetzordnung über die niedere Gerichtsbarkeit, die von einem Stand-oder Bordgericht, aus drei Offizieren ausgeübt wurde. Erfolgte jedoch ein Vergehen von Seiten der Offiziere wurde dies, wenn überhaupt, nur sehr milde bestraft. Darüber hinaus grenzte das Verhalten der Offiziere gegenüber den Matrosen oft an Menschenverachtung, denn an Bord erfolgten zahlreiche Misshandlungen und Schikanen. In Anbetracht dessen war das Verhalten der Offiziere ebenfalls ausschlaggebend für die Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Vorgesetzten und Untergebenen.8

Auch der Versuch die Verpflegung zu verbessern oder das Erteilen „Vaterländischen Unterrichts“ brachte offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Mithilfe des „Vaterländischen Unterrichts“, der im Juli 1917 eingeführt wurde, sollte der Kriegs- und Dienstmüdigkeit entgegengewirkt werden. Doch die Situation des Widerstandes intensivierte sich stattdessen rapide; So hatten die miserablen Bedingungen, Langeweile an Bord sowie der Mangel an sinnvollen Aufgaben schließlich dazu geführt, dass sich die Heizer und Matrosen mehr und mehr politisierten und der „kriegsgegnerischen antimilitärischen Sozialdemokratie“ hinwendeten. Diesbezüglich widerstrebten dem Offizierskorps, die noch immer auf den „Siegfrieden“ hofften, insbesondere die Linksparteien mit ihren pazifistischen Bestrebungen. Es folgte das Verbot für die Unteroffiziere und Mannschaften nicht an politischen Versammlungen teilzunehmen, doch die Gedanken an das baldige Kriegsende wurden zunehmend wachgehalten.9

In Wilhelmshaven ging am 29. Juli 1918 die Meldung vom Stationschef heraus, dass Bemühungen um einen allgemeinen Streik, vorbereitet von der USPD, stattfanden. Auslösend waren dabei nicht lediglich die Lohnfragen sondern die Herbeiführung des Friedens.10 Gerüchte waren im Umlauf, dass K.V. Leute gegen Frontkämpfer ausgetauscht wurden. Angesichts dessen erhielt der Streik zusätzlich die Anhänger, deren Einberufung kurz bevorstand.11 Eine ähnliche Stimmung zeigt sich im Leitsatz eines Flugblattes, das einem Matrosen von einem Berliner Polizeiwachtmeister abgenommen wurde. In diesem heißt es, dass der Kampf des Krieges nicht der deutschen Ehre gelte, sondern den Millionären. Des Weiteren geht aus diesem hervor, dass beim Nichteintreten des unverzüglichen Friedens, Matrosen aus Kiel, Wilhelmshaven und Friedrichsort am 12. oder 18. Oktober ihre Schiffe verlassen.

Derweil hatte sich die Kriegslage im Zuge einer gescheiterten Sommeroffensive im Westen enorm verschlechtert. Infolge der Waffenstillstandsforderung der Obersten Heeresleitung (OHL) trat der bis dahin amtierende Reichskanzler Georg von Hertling zurück. Daher stand zudem die Suche nach einem Nachfolger des Reichskanzleramtes aus. So dominierten im Oktober drei Aspekte die Gedanken der Menschen. Erstens stand fest, dass das deutsche Kaiserreich in dieser Form nicht weiterbestehen kann. Zweites, war der Krieg sicher verloren und jegliche Aussichten auf einen Siegfrieden vergeblich. Drittens musste rasch Friede sein, denn jedes weitere Kriegsopfer war sinnlos.12

Resümierend kann daher zum einen festgehalten werden, dass die Meuterei mitsamt dem Versuch ihrer Unterdrückung maßgeblich zu der Revolution in den Hafenstädten geführt hat. Zum anderen steht unweigerlich fest, dass der Flottenvorstoß am 30. Oktober der entscheidende Auslöser für die Meuterei war.13

Verlauf des Matrosenaufstandes Die Oberste Heeresleitung forderte am 29. September 1918 eindrücklich den Waffenstillstand mit den Bündnisgegnern. In darauffolgenden Entscheidungsprozessen wurde ersichtlich, dass Prinz Max von Baden (1867-1929) mit Zustimmung des Kaisers damit einverstanden war den uneingeschränkten U-Boot- Krieg abzubrechen. Denn dies war eine Prämisse für den Waffenstillstand. Dagegen versuchte sich die Seekriegsleitung (Skl) unter der Führung Admiral Reinhard Scheers (1863-1928) zu widersetzen, um die Möglichkeit einer Wiederaufnahme zu gewährleisten. Jedoch veränderte die Versenkung des britischen Passagierdampfers „Leinster“, verursacht durch ein deutsches U-Boot und Wilsons Antwortnote, die Lage maßgeblich.14 Infolgedessen stellte die Reichsleitung den uneingeschränkten U-Boot Krieg ein und richtete sich damit gehen die Erwartungen der Seekriegsleitung. Indes versicherte Scheer dem Reichskanzler die Treue der Marine und stimmte der Einstellung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges zu.15 Die derart ruhige und gefasste Reaktion Scheers lässt sich darauf zurückführen, dass die Seekriegsleitung bereits seit Anfang Oktober für den Fall der Einstellung des Handelskrieg mit U- Booten Pläne eines Angriffs gegen die englische Flotte schmiedete. Scheer zog bereits einen Tag nach der Forderung des Waffenstillstandes von Erich Ludendorff (1865- 1937) die Hochseeflotte in Wilhelmshaven ohne Nennung von Gründen zusammen.

Daraufhin wurde das Flottenkommando am 4. Oktober vom Kovettenkapitän von Yorck in die Situation eingewiesen. Im Zuge seiner eher negativen Darstellung der Lage deutete er an, dass die Möglichkeit der Forderung Englands bezüglich der Auslieferung der deutschen Flotte wohlmöglich nachgekommen werden müsste. Daraufhin setzten unverzüglich die Planungen für die Schlacht gegen Englands Flotte vom Chef des Stabes des Hochseekommandos Admiral Adolf von Trotha (1886-1940) ein.16 So entwarf er in streng geheimer Mission ein Handlungsmanöver für einen Flottenvorstoß im Kanal. Diesen teilte er am 16. Oktober Scheer und dem Chef des Stabes der Seekriegsleitung Kapitän Magnus von Levetzow (1871-1939) mit. Da der Versuch der Verhinderung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs missglückt war, begab sich Levetzow nach Wilhelmshaven und erteilte dort dem Flottenchef Admiral von Hipper (1863-1932) am 22. Oktober den Befehl in kürzester Zeit einen Angriff auf die englische Flotte auszuführen. Zugleich fügte er hinzu, dass der Einsatz aller verfügbaren Streitkräfte der Kaiserlichen Marine genehmigt sei. Lediglich einige Tage später erhielt das Kommando der Hochseestreitkräfte die Genehmigung des vorgelegten Operationsplans Nr. 19.17 Obwohl es militärisch offensichtlich war, dass es sich um ein sinnloses Unternehmen handelt, bevorzugte man im Kreis der Seeoffiziere lieber „in Ehren“ unterzugehen als sich geschlagen zu geben.18 Inhalt des Planes war ein Nahvorstoß aller Hochseestreitkräfte in die Hoofden. Noch in der Frühe des zweiten Operationstages sollten Kleine Kreuzer und Torpedoboote sowohl den Verkehr an der flandrischen Küste als auch an der Themsenmündung eindämmen. Dadurch erhoffte sich das Flottenkommando die Reaktion der Royal Navy den Rückzug der Hochseeflotte zu versperren, indem sie Flottenteile gegen die Verbindungslinie Hoofden - Deutsche Bucht einsetzen würde. Somit erhoffte sich die deutsche Flotte eine Schwächung der englischen Seite, infolge neu verlegter Minensperren und U-Boote, entlang ihrer Route. Im Falle dessen, dass die Grand Fleet den Kampf mit der deutschen Flotte bei Terschelling vermeidet, sollte ein Angriff der Torpedoboot-Flottillen Richtung Firth of Forth stattfinden. Der Einsatz von Großkampfschiffen war jedoch nicht vorgesehen.

[...]


1 Julien, Elise: Der Erste Weltkrieg, Darmstadt 2014, S.1.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Günther, Wolfgang: Wilhelmshaven in der Revolution 1918 /19, Wilhelmshaven 1980, S. 4.

4 Vgl. ebd., S. 5.

5 Vgl. Wolz, Nicolas: Kriegserfahrungen deutscher und britischer Seeoffiziere 1914-1918, Paderborn 2008, S. 217.

6 Vgl. ebd., S. 218.

7 Vgl. Hirschfeld, Gerhard / Krumeich, Gerd: Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt am Main 2013, S. 266.

8 Vgl. ebd., 237.

9 Vgl. Wolz 2008, S. 249.

10 Vgl. Günther 1980, S. 5.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. ebd., S. 7.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd., S.104.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. ebd., S.104.

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. Wolz 2008, S. 253.

Details

Seiten
39
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668504738
ISBN (Buch)
9783668504745
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372878
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
Gymnasium Geschichte Regionalgeschichte Unterrichtsentwurf Wilhelmshaven Matrosenaufstand

Autor

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Titel: Regionalgeschichte im Gymnasium. Eine Unterrichtsstunde zum Matrosenaufstand 1918 in Wilhelmshaven