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Der Lebensweg des Andreas Gryphius

Hausarbeit 2004 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 "In den ersten kindlichen Jahren" oder 1616 – 1633

3 Danziger Jahre oder 1634 – 1637

4 Leydener Jahre oder 1638 – 1643

5 Die Jahre der Bildungs- und Kavaliersreise nach Frankreich und Italien oder 1644 – 1649

6 Seine letzten Jahre als Syndikus des Fürstentums Glogau oder 1650 – 1664

1 Einleitung

"Wer dieses gelesen hat, mag fortgehen und mit Schlesien um das frühe Ende des großen Mannes trauern. Denn jene Männer, die unsterbliche Gedanken denken, sterben immer zu früh." (M. Johannes Theodor Leubscher)

Diese Arbeit kann und soll nur einen groben Überblick über jenen großen Mann geben. Es kann nicht ihr Ziel sein, uns zum Trauern zu bewegen, da es unmöglich ist seine ganze Menschlichkeit aufzuzeigen. Und dennoch soll versucht werden einige persönliche und ganz private Stationen seines schicksalhaften Lebens zu fokussieren. Es kann nicht ihr Ziel sein, seine zahlreichen unsterblichen Gedanken anzusprechen. Und dennoch muß sein Werk und der Umfang dessen zumindest in Ansätzen greifbar werden.

Aber man wird sehen, daß das Hauptaugenmerk bei dieser Arbeit über das Leben und Schaffen des Andreas Gryphius vor allem zu Beginn auf der teilweise recht widersprüchlichen Quellenlage liegt. Dies zu demonstrieren sollte einmal mehr Anliegen und Sinn der Ausführungen sein. Ein reiner Lebensbericht schien nicht von Nöten. Zum einen haben diese Aufgabe bereits drei bedeutende Biographen übernommen und zum anderen damit überhaupt eine Quellensituation geschaffen, was für die Dichter des 17. Jahrhunderts durchaus nicht selbstverständlich ist. Das diese drei bzw. zwei biographischen Texte nicht zum ersten Mal miteinander verglichen werden, ist ebenso anhand modernerer Forschungsliteratur zu zeigen.

Abschnitt 2 widmet sich noch sehr ausführlich und exemplarisch diesen Gegenüberstellungen, geht aber auch sehr detailgetreu auf die Kindheit des barocken Dichters ein. Seine Weiter-Bildungsbestrebungen und sein Interesse für beinahe alle Bereiche des Lebens machen ihn aus und scheinen über alle Abschnitte hinweg im Mittelpunkt zu stehen. Sie lassen seinen Intellekt erkennen und seine Unsterblichkeit vermuten. Denn sein Werk, seine Dichtungen spiegeln Begegnungen mit vertrauten Mitmenschen und beeindruckenden Persönlichkeiten, sowie positive und negative Eindrücke seines Lebens wider, was in Abschnitt 3 und 5 leider nur angedeutet werden kann. Das Werk des Andreas Gryphius wird demnach nicht näher beleuchtet werden, aber seine Lebensumstände müssen ihn sehr geprägt haben. Es waren unzählige menschliche Verluste.

Und doch ist anzunehmen, daß er ein für damalige Verhältnisse wenn auch recht kurzes aber dafür ausgefülltes Gelehrten-Leben führen durfte.

2 "In den ersten kindlichen Jahren" oder 1616 – 1633

"Als man geschrieben 1616. den 2. Wein-Monats / umb 12. Uhr nach Mittage / ist der Selige gesund an diese Welt geboren / und hat in dieser königlichen Stadt Großglogau die Wiegen begrüßt / da Er itzo seine Ruhestatt findet."[1]

Andreas Gryphius ist am 2. Oktober 1616 in Glogau geboren.

Das können wir zum einen dieser deutschsprachigen »Ehrengedächtnis«[2] -Biographie Baltzer Siegmund von Stoschs, aber auch den lateinischen Ausführungen des Biographen der Familie Gryphius, Johann Theodor Leubscher, entnehmen: "Der glückliche Andreas Gryphius wurde im Jahre 1616 des wiederhergestellten Heils, am 2. Oktober – nach der Zählung des Gregorianischen Kalenders – zur zwölften Stunde nach Mittag, oder am 18. Sonntag nach dem allerheiligsten Dreifaltigkeitsfest den Eltern Paulus Gryphius und Anna Erhard als drittes und letztes Kind einer sehr lieblichen Mutter geboren."[3]. Beiden Biographen hat wohl die Autobiographie des Dichters noch vorgelegen ("... und bedienen uns dazu der Worte, die der glückliche Mann selbst gebrauchte"[4], "Eine »eigne lateinisch-verfertigte Lebens=Beschreibung« (Stieff), die Leubscher herausgeben wollte, ..."[5]), ist dann aber offensichtlich verloren gegangen. Denn der eben bereits erwähnte dritte Biograph, Christian Stieff, bediente sich für seine Sammlung »Von hundert Historien...denckwürdiger Nahmen / Oerter / Personen« beider Arbeiten: "Er war ein Groß-Glogauer von Geburt,

weyland Herrn Pauli Gryphii, Archidiaconi alldasiger Evangelischen Gemeinde aus seiner dritten Ehe mit Frauen Anna Erhartin dritter und jüngster Sohn, den 2ten Octobr. An. 1616. gebohren, ..."[6].

Das Sonett mit der Überschrift »Der Autor vber seinen Geburts=Tag den 29. September des MDCXVI Jahres« sorgte hinsichtlich der historischen Wahrheit des Geburtsdatums von Andreas Gryphius für Verwirrung. Er hatte sich hier aber bewußt für eine symbolische Wahrheit entschieden, um seinem Geburtstag einen christologischen Aspekt zu geben, da dieses Datum auf den Tag des Erzengels Michael rückdatiert werden kann, "An dehm der Engel-Printz den Teuffel triumphirt".[7]

Den bis hierher zitierten Biographien ist bereits außerdem zu entnehmen, daß Gryphius Vater, Paul Gryphius, lutherischer Erzdiakon oder Archidiakon[8] in Glogau war und Andreas aus seiner dritten Ehe mit Anna Erhard als jüngstes von drei Kindern hervorgegangen ist.

Am "privatesten" wohl aber beschreibt Stosch, auch Gryphius Eltern: "... der Wol-Ehrwürdige / Vor-Achtbare und Hochgelehrte Herr ... eine Frau mit heiligster Gottesfurcht / keuchesten Sitten und Verstande / über ihr Geschlechte außgezieret.".

Ingrid Laurien kommentiert seine Ausführungen, vergleichend zu denen Leubschers, auch so, daß er "... Glück und Leid, Frömmigkeit und Tugend im Leben des verstorbenen Dichters betont.", daß er "... zu einem nicht ausschließlich gelehrten, des Lateinischen kundigen Publikum spricht, (sondern; TL) .. auch auf das deutschsprachige Werk des Dichters .. ."[9] eingeht.

So offenbart seine Leichenrede auch, daß "... sich bald in den ersten kindlichen Jahren / eine gantz rare und unglaubliche Fähigkeit des Verstandes verspüren" lies und daß Gryphius "... noch zu Hause zum Gebete und Gottesfurcht angewehnet ward".

Zu Gryphius Eltern aber sei noch anzumerken, daß es sich wohl um ein recht ungleiches Paar gehandelt haben muß. Der Vater bereits 56jährig und protestantischer Geistlicher, die Mutter erst 24jährig und vermutlich Offizierstochter.[10]

So friedlich die Beschreibungen der ersten Jahre des Andreas Gryphius auch anmuten, er ist am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges geboren, dessen konfessionellen Konflikte seine gesamte Jugend prägen sollten. Denn auch das niederschlesische Glogau ist von wirtschaftlicher und konfessioneller Not gezeichnet und Gryphius Vater stirbt 61jährig wahrscheinlich in religiöse Querelen verwickelt.[11]

Bei Stosch heißt es dazu: "Ob er nun zwar / seines Herrn Vaters im Jahr 1621. den 11. Jenner / noch ohne empfinden des grossen Verlusts / zu zeitig beraubet war ...", Gryphius war gerade einmal vier Jahre alt. Der Todestag des Vaters wird hier auf den 11. Januar 1621 datiert, bei Mannack findet sich jedoch das Datum des 5. Januar, wie auch bei einigen Zeittafeln, und die genaueren Umstände des Todes. Demnach forderte der flüchtende Winterkönig (Friedrich V. von der Pfalz) einen Tag vorher den gesamten Silberbestand der Kirche, was zur Folge hatte, daß die Protestanten Angst vor der Rache des Kaisers und vor katholischen Anfeindungen haben mußten. Oder aber er »Fiel durch Gift / das ihm ein falscher Freund gegeben / Der offt vor seinem Muth und hohen Geist erblast«, wie sich Gryphius 20 Jahre später den Tod seines Vaters vorstellt. Dies sei jedoch unwahrscheinlich, da diese Worte im übertragenen Sinne zu verstehen wären und nicht etwa als Mordanschlag gedeutet werden dürften.[12]

[...]


[1] Baltzer Siegmund von Stosch: Danck= und Denck=Seule des ANDREÆ GRYPHII, in: Andreas Gryphius, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, 2., revidierte und erw. Aufl., München/Göttingen 1980 (= Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur, Heft 7/8), S. 3.

[2] Zitiert bei Mannack, Eberhard: Andreas Gryphius, 2., vollständig neubearb. Aufl., Stuttgart 1986 (= Sammlung Metzler, Bd. 76), S. 1.

[3] M. Johannes Theodor Leubscher: Andreas Gryphius (Aus dem Lateinischen von Heinz Ludwig Deiters), in: Andreas Gryphius, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, 2., revidierte und erw. Aufl., München/Göttingen 1980 (= Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur, Heft 7/8), S. 13.

[4] Ebenda.

[5] Zit. bei Mannack (wie Anm. 2) S. 21.

[6] Christian Stieff: Andreae Gryphii Lebens-Lauff, in: Andreas Gryphius, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, 2., revidierte und erw. Aufl., München/Göttingen 1980 (= Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur, Heft 7/8), S. 25.

[7] Vgl. Mannack (wie Anm. 2) S. 2 und http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/didaktik/barock/frames/fgryph.html (Meid, Volker: Andreas Gryphius, aus: Bernd Lutz (Hrsg), Metzler-Autoren-Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2., überarb. und erw. Auflage, Stuttgart, Weimar 1994. S. 287-289.).

[8] Stellvertreter des Bischofs in rechtlichen Angelegenheiten (Generalvikar), später nur mehr ein Ehrentitel. (vgl. Leubscher (wie Anm. 3) S. 22.)

[9] Ingrid Laurien: Zu den drei biographischen Texten über Andreas Gryphius, in: Andreas Gryphius, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, 2., revidierte und erw. Aufl., München/Göttingen 1980 (= Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur, Heft 7/8), S. 33.

[10] Vgl. http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/didaktik/barock/frames/fgryph.html (Wiedemann, Conrad: Andreas Gryphius, aus: Harald Steinhagen, Benno von Wiese (Hrsg), Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts. Ihr Leben und Werk, Berlin 1984, S. 435-442.).

[11] Vgl. Meid (wie Anm. 7) und Wiedemann (wie Anm. 10).

[12] Vgl. Mannack (wie Anm. 2) S. 2.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638366618
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37266
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Schlagworte
Lebensweg Andreas Gryphius
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