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Angebots- und Nachfragefaktoren auf dem Ölmarkt. Wird der Ölpreis durch Spekulationen verzerrt?

Bachelorarbeit 2017 42 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick und Verlauf der Erdölgeschichte
2.1 Die ersten Anfänge
2.2 Weltkriege
2.3 Die Golfkrise und der Aufschwung

3. Ölangebot
3.1 Grundlagen
3.2 Ölförderländer und Mengen
3.3 Arten der Förderung
3.3.1 Rohöl
3.3.2 Fracking
3.3.3 Ölsand
3.3.4 Ölschiefer

4. Nachfrage nach Öl
4.1 Verbrauch nach Länder
4.2 Nachgefragte Segmente
4.2.1 Straßenverkehr
4.2.2 Schiffsverkehr
4.2.3 Flugverkehr
4.3 Veränderungen in der Zukunft

5. Preisbildung
5.1 Handelsplätze
5.2 Faktoren der Preisbildung
5.3 Spekulationen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Preisverlauf des Rohöls von 1859-1880 in Dollar pro Barrel ($/b)

Abbildung 2: Rohölpreise von 1947 bis 1985 in $/b

Abbildung 3: Weltweite Erdölförderung 2016 in Millionen Barrel pro Tag

Abbildung 4: Weltweite Produktion und Konsum in Tausend Barrel pro Tag

Abbildung 5: Verbrauch 2015 in Tausend Barrel pro Tag

Abbildung 6: Rohölpreis für Brent 1981-1989 ($/b)

Abbildung 7: Verbrauch zwischen 2000-2040 in Millionen Tonnen Ö läquivalent (Mtoe)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Erdöl ist seit dem letzten Jahrhundert ein wichtiges Element der Wirtschaft. Die ers- ten Ölförderungen ebneten den Weg zum wichtigsten Rohstoff der Weltwirtschaft. Ein Blick auf den Ölpreis zeigt, wie historische Ereignisse drastische Auswirkungen auf die Preisbildung hatten. Teilweise erreichte der Preis Rekordhöhen von über 145$ pro Barrel (159 Liter) für die Sorte West Texas Intermediate (Juli 2008). Nach dem großen Preisschock schwankt er aktuell zwischen 40-50 $/b. Vergleicht man das Preisniveau im Jahr 2001 bedeutet das eine Preissteigerung von fast 400%. Durch welche Faktoren kam es zu diesen enormen Preisunterschieden? Im Rahmen der Ar- beit wird anhand von Daten untersucht, welche Angebots- und Nachfragefaktoren auf dem Ölmarkt eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus werden die Handels- plätze für Öl analysiert, um Einblicke in die Preisbildung zu erhalten.

Die Globalisierung schreitet weiter voran und Öl gilt als Treibstoff der modernen Welt. Es ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, da es sich in verschiede- nen Gütern und in unterschiedlicher Form wiederfinden lässt. Doch die wenigsten sind sich nicht über die Abhängigkeit nach dem schwarzen Gold im Klaren. Nicht umsonst steigt die Weltölförderung jährlich um über zwei Prozent und damit bildet Erdöl mit knapp 40% Anteil am weltweiten Energieverbrauch den wichtigsten Ener- gieträger.

Die Erdölreserven sind zwar begrenzt, doch wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einer stetigen Steigerung des Verbrauchs und des Ölpreises kommen, da das wirt- schaftliche Wachstum insbesondere in Schwellenländer auf fossilen Brennstoffen be- ruht. Aber nicht nur die gängigen Bestimmungsfaktoren wie Angebot und Nachfrage, Endlichkeit der Ressource, Monopolstellung der OPEC oder das Wachstum der Schwellenländer beeinflussen den Ölpreis. Im letzten Teil dieser Arbeit werden im speziellen Spekulationen auf den Rohstoffmärkten betrachtet und analysiert, um die Frage „Wird der Ölpreis durch Spekulationen verzerrt?“ zu beantworten.

2. Historischer Überblick und Verlauf der Erdölgeschichte

2.1 Die ersten Anfänge

Die Geschichte des Erdöls reicht bis in die Steinzeit zurück. Bei Ausgrabungen in Syrien fanden Archäologen in der Wüste nahe El Kowm alte Werkzeuge, darunter mit Bitumen beschichtete Feuersteine, die sie bis in das Jahr 40000 v. Chr. datieren konnten.1 „Bitumen ist ein dunkles, schwerflüchtiges Gemisch aus höheren Kohlen- wasserstoffen und heterozyklischen Verbindungen.“2 Erst einige Tausend Jahre spä- ter fanden die ersten Bohrungen nach dem schwarzen Gold statt. Wissenschaftler sind sich einige darüber, dass Rumänien und nicht wie lange vermutet Aserbaidschan das Land ist, in welchem die erste kommerzielle Bohrung nach Rohöl stattfand. Auf- zeichnungen zufolge fanden diese im Jahre 1857 statt.3 Aber ganz gleich, welchem Land eine höhere Stimmigkeit bescheinigt wird, hat die moderne Ölindustrie ihren Ursprung woanders. Bereits im Jahre 1854 wurde im Bundesstaat Pennsylvania am Oil Creek das sogenannte „ Rock Oil “ (Felsenöl, lateinisch Petroleum), welches aus den Felsen sickerte und über die verschiedenen Quellen und Bäche abgeschöpft wur- de. Das Rock Oil wurde in erster Linie für die Medikamentenherstellung verwendet. Sie waren sich daher sicher, ein Wettbewerbsprodukt zu damalig weitverbreiteten Kohleöl gefunden zu haben.4

Etwa zehn Jahre nach dem Goldrausch in Amerika stieß Edwin Laurentine Drake in der Nähe von Titusville, Pennsylvania in nur 21 Metern auf die erste amerikanische Ölquelle.5 Was folgte, war ein Ölboom, der sich in der gesamten Region ausbreitete. Das traditionelle Kohleöl wurde schnell durch das Rohöl ersetzt und viele Kohleöl- raffinerien sahen sich einer ungewissen Zukunft entgegen. Für einige bedeutete der Rohölboom das Aus. Andere wurden selber zu Rohölförderer, um der Pleite zu ent- gehen.6 Viele hatten das Geld und die Aussicht auf Reichtum nach Pennsylvania ge- lockt. Ob einfacher Arbeiter oder Banker, sie träumten alle vom leicht verdienten Geld. Fünfzehn Monate, im November 1860, nachdem Edwin Drake mit seiner Boh- rung erfolgreich auf Öl stieß, waren in der Stadt Wohnungen Mangelware und die Stadt platzte aus allen Nähten.

Auch Tauschgeschäfte mit Bohrrechten und Aktien waren begehrt, da sie sehr lukra- tiv waren.7 Schlagartig stieg ab 1860 die Fördermenge des Rohöls. Im Jahr 1860 be- trug die jährliche Fördermenge in Amerika 500.000 Barrel. Ein Barrel entspricht da- bei 159 Liter Mineralöl.8 Durch stetigen Zuwachs an neuen Raffinerien und des tech- nologischen Fortschritts war es möglich, die Fördermenge im Jahr 1862 um das sechsfache auf 3,057 Mio. Barrel zu steigern.9 Doch das Überangebot sorgte für ei- nen immensen Preisverfall. War der Preis am Anfang bei 16 $/b im Jahr 1859, fiel er auf 1,05 $/b im Jahr 1862.

Abbildung 1: Preisverlauf des Rohöls von 1859-1880 in Dollar pro Barrel ($/b)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EIA (2016b), Eigene Darstellung.

Um die Kontrolle des Marktes und dessen Stabilität zu gewährleisten, gründete 1870 John D. Rockefeller die Standart Oil Company. Dieses war bis zu seiner Auflösung die größte Raffinerie der Welt.10 Rockefeller erkannte das gewinnbringende Potenzial des Rohöls. Aus einem Barrel ließen sich knapp 120 Liter Kerosin gewinnen. Kerosin war damals ein begehrtes Leuchtmittel, da es im Gegensatz zu anderen vorhandenen Brennmitteln sicherer und länger brannte.

Allerdings kostete eine Gallone (3,78 Liter) Kerosin doppelt soviel wie das Barrel Rohöl. Für Rockefeller waren die Raffinerien der Schlüssel zum Erfolg. Ein Kon- zern, dass die Rohölförderung kontrolliert, reguliert ebenso den Preis für Kerosin.11 Einige wenige Jahre später begann auf der anderen Seite der Erdkugel Russland mit der Ausweitung seiner Erdölförderung. Dieses Vorhaben konnte allerdings nur ge- lingen, wenn es möglich war, den Transport ökonomischer zu gestalten. Das hoff- nungslos veraltete und marode Straßennetz brachte den Plan hingegen ins Stocken. Russlands große Ölreserven befanden sich in Baku, welches am kaspischen Meer liegt. „1874 betrug die jährlich geförderte Menge an Rohöl gerade einmal 583.751 Barrel.“12 Mit finanzieller Unterstützung der Familie Rothschild gelang es 1883 eine Eisenbahnverbindung zwischen Baku und Batumi fertigzustellen. Ein Jahrzehnt spä- ter schafften sie es, die Fördermenge um das 18fache auf 10,8 Millionen Barrel pro Jahr zu steigern.13

2.2 Weltkriege

Die Kriegsführung änderte sich schlagartig mit dem Ausbruch des ersten Weltkrie- ges. Wurde Anfangs mit Pferden gekämpft, übernahmen später benzinbetriebene Fahrzeuge die Kampfhandlungen.14 Logische Folge dieser hohen Nachfrage war der Anstieg des Ölpreises um mehr als 200% auf 1,98 $/b. Nach Ende des Krieges be- fürchteten die USA, dass ihre Ölvorkommen in den nächsten 30 Jahren zu Neige ge- hen könnten. Durch diese künstlich herbeigerufene Verknappung erreichte der Öl- preis 1920 bis dato den höchsten Stand seit den 1860er Jahren.15 Um diesen negativ Trend entgegenzuwirken, setzten die USA auf eine verstärkte Internationalisierung der Ölförderung. Mexiko, Venezuela und die ehemalige Sowjetunion waren bei- spielsweise wichtige Ölimportländer.16 Aber nicht nur die intensivierte Globalisie- rung der Ölförderung, sondern auch der technologische Fortschritt trieb das Ölbusi- ness an. Durch neue Erfindungen, wie dem Seismographen und Gravimetern konnte das Erdreich exakter vermessen oder die wahrscheinliche Fördermenge von neuen Ölfeldern genauer bestimmt werden.17

Im zweiten Weltkrieg übernahm das Öl eine führende Rolle. Schon der Erste Weltkrieg hatte die kriegsentscheidende Rolle der Motorisierung und damit der Ölversorgung aufgezeigt. „Bei den Angriffskriegen Deutschlands und Japans 25 Jahre später nahm Öl deshalb von Anfang an einen wichtigen Platz im strategischen Kalkül ein.“18 Der Krieg der Japaner gegen die USA legte nahezu das gesamte Land lahm. Während des Krieges und dem Ölembargo verbrauchte Japan annährend 97% seiner Ölreserven.19 Ab den 1950er Jahren begann der wirtschaftliche Aufschwung und sorgte für eine steigende Ölnachfrage. Die Industrie boomte und sorgte für steigende Rohölpreise. Länder, die vorher Öl exportiert hatten wurden zu Ölimporteuren, da sie ihre Industrie dem Aufschwung nicht angepasst hatten.

Abbildung 2: Rohölpreise von 1947 bis 1985 in $/b

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BP (2015), Eigene Darstellung.

2.3 Die Golfkrise und der Aufschwung

Monate, nachdem Saddam Hussein 1990 Kuwait den Krieg erklärte, stieg der Rohöl- preis beachtlich an. Lag er 1988 bei rund 15 $/b, stieg er zu Kriegsbeginn 1990 auf 23,76 $/b.20 Um den internationalen Rohstoffmarkt vor einem drohenden Angebots- schock zu schützen, zogen die Alliierten ein militärisches Vorgehen gegen den Irak in Erwägung.

Noch während der Planung für einen Einmarsch in den Irak, kletterte der Ölpreis al- lerdings auf einen neuen Höchststand. Im September 1990 erreichte der Preis ein Hoch von 41,45 $/b.21 Anfang 1991 starteten die Koalitionstruppen erste Angriffe auf militärisch entscheidende Ziele. Oberstes Ziel war es, den Krieg schnellstmöglich und mit geringen Verlusten zu beenden. Die ersten Erfolge der Operation Desert Storm ließen nicht lange auf sich warten und so konnte ein Preisfall des Rohöls schon nach kurzer Zeit festgestellt werden. Den Irakern wurde schnell klar, dass sie einen Krieg gegen die Alliierten Koalitionstruppen unmöglich gewinnen konnten.

Und so zogen sie sich kurz darauf aus Kuweit zurück. Bei ihrem Rückzug setzte die irakische Armee hunderte kuweitische Ölfelder in Brand und öffneten die Öltermi- nals, so dass sich knapp zwei Milliarden Liter Rohöl in den persischen Golf ergossen und eine Umweltkatastrophe auslöste.22 Eine genaue Anzahl der brennenden Ölquel- len gibt es dabei nicht. Nach Spekulationen von Experten zündeten die irakischen Truppen etwa 600 Ölquellen an. Dabei verbrannten pro Tag etwa zwei Millionen Barrel.23 Diese wurden zusätzlich durch das UN-Embargo gegen den Irak intensi- viert. Um größere Schäden für die Weltwirtschaft zu vermeiden, wurde beschlossen, die IEA-Notfallreserven für 30 Tage in Kraft zu setzen. Zusätzliche Fördererhöhun- gen anderer OPEC-Länder konnten den Ausfall bis zum Jahresende kompensieren.24 Nach dem Ende des Golfkrieges hielt sich der durch die OPEC regulierte Rohölpreis im Durchschnitt zwischen 15-20 $/b.25 Als sich in Asien die Finanzkrise 1998 an- bahnte, war ein deutlicher Rückgang der Ölnachfrage zu verzeichnen und damit ver- bunden auch ein Preisfall des Rohöls. Noch bevor die Weltwirtschaft sich von der Finanzkrise in Asien vollständig erholen konnte, deutete sich als Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 eine weitere Schwächung der Weltwirt- schaft an. Der Rohölpreis fiel von anfangs 30 $/b auf 18 $/b, welches das Resultat fehlender Nachfrage war. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, regelte die OPEC die Fördermengen massiv herunter und bezog andere Länder wie Mexiko, Russland, Angola und Norwegen ein. Anfang 2002 stabilisierte sich der Rohölpreis wieder.26

3. Ölangebot

3.1 Grundlagen

In Deutschland ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) dafür zuständig, monatlich Daten von Unternehmen zu sammeln, die in der Förderung sowie Einfuhr- und Ausfuhr von Erdöl tätig sind. In diesen Erhebungen sind Daten über den Einkauf, Lagerbestände, Produktion und Außenhandel enthalten.27 Für Statistiken auf internationaler Ebene ist in erster Linie die International Energy Agency (IEA) zuständig. Diese Organisation verfügt über Ölangebots- und Nachfragedaten der 30 OECD-Länder, die bis ins Jahr 1973 zurückreichen.28

Unterschieden werden dabei zwischen den Monthly Oil and Gas Statistics (MOS) und die Annual Oil Statistics (AOS). Die monatlich ausgewerteten Fragebögen der jeweiligen OECD-Länder enthalten Informationen über die Veränderungen der La- gerbestände, Im- und Export der Rohstoffe nach Herkunft und Ziel sowie Angebot und Nachfrage.29 In dem Monthly Oil and Gas Questionnaire werden aber nicht nur die eigenen Lagerbestände im jeweiligen Land erfasst, sondern auch die Bestände, die für andere Länder im Land gehalten werden. Daneben muss das ausweisende Land angeben, in welchen anderen Ländern es über Lagerbestände verfügt.30 Bei der AOS-Erhebung handelt es sich um einen aufwändigen Bearbeitungsprozess. Hierbei untersucht die IEA Rohöl, Flüssiggas (NGL), andere flüssige Kohlenwasserstoffe, Biokraftstoffe sowie Raffinerieersatzstoffe.31

Die AOS deckt neben der Angebotsbilanz insgesamt 35 Produktkategorien, Import und Export nach Ziel und Herkunft sowie den Endverbrauch von Rohöl der verschiedenen Industriesektoren ab.32 Ohne Zweifel bietet die AOS eine große Vielfalt an Informationen. Allerdings sind diese Informationen erst nach einer zeitlichen Verzögerung verfügbar. Ein großer Nachteil der MOS und AOS ist sicherlich, dass nur die OECD-Länder erfasst und ausgewertet werden. Bei allen anderen Nicht-OECD- Ländern beruhen die Energiedaten lediglich auf Erwartungswerte, bei denen es durchaus zu Fehleinschätzungen kommen kann.

3.2 Ölförderländer und Mengen

Aufgrund der stetig wachsenden Globalisierung und Industrialisierung steigt der weltweite Bedarf nach Erdöl Jahr für Jahr. Immer mehr Erdölquellen werden er- schlossen und da überrascht es nicht, dass erstmals seit Beginn der industriellen För- derung mehr Erdöl verbraucht als gefördert wurde. Konkret bedeutet dies, dass 2014 4,24 Mio. Tonnen Erdöl gefördert wurde.33 Doch welche Länder sind größten Förde- rer von Erdöl? Abbildung 3 verdeutlicht die tägliche Fördermenge an Erdöl im No- vember 2016, die durch die größten Erdölproduzenten gefördert wurden.

Abbildung 3: Weltweite Erdölförderung 2016 in Millionen Barrel pro Tag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EIA (2017b), S.169. Eigene Darstellung.

Russland gehört ganz klar zu den Global Playern der Erdölproduktion. Das liegt an der geografischen Größe des Landes. Wichtig ist allerdings, dass die Förderung ren- tabel bleibt. Sind die Ölfirmen gezwungen, schwer erreichbare Ölvorkommen zu er- schließen, steigen natürlich die Kosten für den Abbauprozess. Der Ölsandabbau in Kanada oder Erdölbohrungen in Offshore-Regionen sind klassische Beispiele für ei- ne kostenintensive Förderung. Deshalb werden in erster Linie leicht zugänglichen Ölfeldern erschlossen. Im November 2015 kostete die Förderung von einem Barrel Rohöl in Russland 17,20$. Zum Vergleich kostete der Abbau in Großbritannien mehr als das dreifache.34

Seit Jahren ist zu beobachten, dass die weltweite Ölproduktion steigt. Zwar ging in manchen Jahren die Fördermenge zurück, aber ist seit den 70er Jahren ein Aufwärtstrend zu beobachten. Die Abbildung 4 veranschaulicht die Produktionsmengen der OPEC-Länder, Nicht-OPEC-Länder und den weltweiten Erdölkonsum.

Abbildung 4: Weltweite Produktion und Konsum in Tausend Barrel pro Tag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: EIA (2017b), Eigene Darstellung, S. 170ff.

3.3 Arten der Förderung

3.3.1 Rohöl

Als die industrielle Erdölindustrie noch in den Kinderschuhen steckte, beschränkte man sich auf die leicht erschließ- und förderbaren Erdölquellen. Zu dieser Zeit war das allgemeine Motto der Förderung „rule of capture“ („Gesetz der Beute ). Dies bedeutete, dass die Grundstücksbesitzer jegliche Rohstoffe, die sich in ihrem Boden befanden, für sich beanspruchen durften. Diese Regelung bezog sich vor allen auf das Erdöl. Es sollte vermieden werden, dass umliegende Landeigentümer selber die Chance bekommen, das entdeckte Erdöl zu fördern.35 Bei der klassischen Erdölförde- rung wird zwischen der primären, sekundären und tertiären Förderung unterschieden.

Bei der primären Förderung ist der Lagerstättendruck des Erdöls so hoch, dass es von alleine an die Oberfläche gedrückt wird. Dies ist bei neu erschlossenen Ölquellen der Fall. Nach einer bestimmten Zeit der Förderung fällt allerdings der natürliche Druck. Hier wird dann auf die sekundäre Förderung umgestellt. Dabei wird durch das Was- serfluten versucht, den natürlichen Lagerdruck zu steigern um den Förderausbeute- grad weiter zu erhöhen. Gelingt es ebenfalls durch das Wasserfluten nicht, genug Erdöl an die Oberfläche zu befördern, kommt die tertiäre Förderung zur Anwendung. Hierbei wird zusätzlich Wasserdampf oder ein bestimmtes Lösungsmittel in die La- gerstätte gepresst um die Viskosität des Rohöls zu verringern. Dadurch können die schwer förderbaren Erdölrückstände abgebaut und der Ausbeutegrad zusätzlich er- höht werden.36 Auf die gleiche Weise wird Erdgas gefördert. Erdgas besitzt hervorra- gende Strömungseigenschaften, weshalb ein effizienter Abbau ohne weiteres Zutun möglich ist. Allerdings lassen sich die Erträge durch zusätzliche Investitionen in Fördertechnik wie beispielsweise verbesserte Sonden, Verdichter oder durch eine Ausweitung der Bohrstätten steigern.

3.3.2 Fracking

Um den Ausbeutegrad an fossilen Rohstoffen noch weiter zu erhöhen setzen viele Länder -darunter die Spitzenreiter USA- auf das sogenannte „Hydraulic Frac- turing“ oder besser bekannt als „Fracking“. Das Fracking wurde bereits Anfang der 50er Jahre betrieben, doch hat es erst seit einigen Jahrzehnten an Bedeutung gewon- nen. „Beim Fracking wird das Gestein mit hohem Wasserdruck „aufgerissen“. An- schließend werden Öl und Gas aus den entstandenen Ritzen unter Einsatz von Che- mikalien herausgelöst und in Bohrungen aufgefangen.“37 Für das Fracking kommen aber nicht alle Gesteinsschichten für den Abbau in Frage. Schiefergestein eignet sich besonders dafür, weshalb das geförderte Gas auch als Schiefergas bezeichnet wird. Die weltweit größten Vorkommen an Schiefergas liegen in China, Argentinien, Al- gerien und den USA.38 Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Bohranlagen und dem Ölpreis. Binnen weniger Jahre hat sich die Zahl der akti- ven Frackingbohrplätze mehr als verfünffacht.

[...]


1 Vgl. Connan (1999), S. 33.

2 Welsch et. al (2013), S. 251.

3 Vgl. Barudio (2001), S. 462.

4 Vgl. Yergin (1991), S. 19f.

5 Vgl. Karlsch, Stokes (2003), S. 9.

6 Vgl. Yergin (1991), S. 29f.

7 Vgl. Yergin (1991), S. 29.

8 Casper (2007), S. 31.

9 EIA (2016a).

10 Vgl. Bakhtiari (1999), S. 3.

11 Vgl. Conlin (2013), S. 456.

12 Lidgett (1919), S. 165.

13 Vgl. Yergin (1991), S. 59ff.

14 Vgl. Bukold (2009a), S. 14.

15 BP (2015).

16 Vgl. Bukold (2009a), S. 14f.

17 Vgl. Yergin (1991), S. 218f.

18 Bukold (2009a), S. 17.

19 Vgl. Yergin (1991), S. 364.

20 EIA (2016c).

21 EIA (2016d).

22 Vgl. Murdico (2004), S. 44ff.

23 Vgl. O’She, Spilling (2010), S. 57.

24 Vgl. Beaubouef (2007), S. 178ff.

25 Statista (2016).

26 Vgl. Gerling et al. (2005), S. 2.

27 Vgl. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (2017).

28 Vgl. IEA (2014a), S. 65ff.

29 Vgl. Giovannini (2008), S. 82f.

30 Vgl. Eurostat (2012), S. 12ff.

31 IEA (2016a), S.10.

32 Vgl. IEA (2014b), S. 4ff.

33 Vgl. Andruleit et. al (2016), S. 38.

34 Yellin (2015).

35 Vgl. Jennings (2013), S. 50.

36 Vgl. Chilingarin et. al (1989), S. 222.

37 Hengelage & Brinker (2014), S. 55.

38 Habrich-Böcker et. al (2015), S. 20.

Details

Seiten
42
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668520448
ISBN (Buch)
9783668520455
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372470
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Schlagworte
Angebot Nachfrage Ölmarkt Faktoren Wirtschaft Petroleum Ölkrise Ölpreis Bildung Ölnachfrage Ölangebot OPEC Börse Rohstoff Erdöl Rohöl

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Titel: Angebots- und Nachfragefaktoren auf dem Ölmarkt. Wird der Ölpreis durch Spekulationen verzerrt?