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Margarethe von Schwangau - Die Ehefrau Oswalds von Wolkenstein

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Historisches über Oswald von Wolkenstein
2.1. Leben
2.2 Werk
2.2.1. Margarethenlieder

3. Die Margarethenlieder im Detail
3.1 Preislieder, Liebes- und Treuebekundungen
3.2 Lieder der ehelichen Liebe
3.3 Lieder der Trennung und Sehnsucht
3.4 Klagelieder

4. Briefe Margarethes

5. Abschließende Betrachtungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Margarethe von Schwangau, deren Lebensbild hier nachgezeichnet werden soll, war eine schlichte Hausfrau auf einer eher bescheidenen Burg in Tirol, auch wenn sie aus einer Familie des reichsunmittelbaren Adels stammte. „In ihrem Leben gibt es keine herausragenden, keine spektakulären Ereignisse. Was es aber auszeichnet ist die Verbindung mit dem Dichter Oswald von Wolkenstein“. Mit diesen Worten beginnt Hans Pörnbacher, der alles bisher Bekannte über Margarethe von Schwangau in einem gleichnamigen Buch zusammengetragen hat, seine Darstellung.[1]

Margarethe und Oswald von Wolkenstein waren über dreißig Jahre verheiratet und diese Verbindung ist wohl in der Tat der Grund dafür, weshalb sich ihr Leben auch heute noch teilweise rekonstruieren lässt, beziehungsweise warum dies überhaupt von Interesse ist. Dass so viele Briefe und Urkunden über sie und von ihr überliefert sind, ist äußerst ungewöhnlich. Von kaum einer anderen Hausfrau aus dem Mittelalter oder einer Ehefrau eines mittelalterlichen Dichters wissen wir heute genaueres. Doch nicht nur aufgrund der günstigen Quellenlage verdient Margarethes Leben Aufmerksamkeit. Sie war sowohl für Oswalds Leben als auch für sein dichterisches Werk von großer Bedeutung, wie wir heute wissen. Vor allem in den frühen Jahren der Ehe dichtete Oswald zahlreiche Lieder über Margarethe.

Zweifelsohne ist bei der Auswertung mittelalterlicher Dichtung für Biographien Vorsicht geboten, da in hohem Maße literarische Konvention mitspielt. Es sollen daher im Folgenden nur diejenigen Lieder über Margarethe genauer untersucht werden, bei denen ein biographischer Bezug als weitgehend gesichert gilt. Aufgrund dieser Lieder, aber auch durch Einbeziehung der überlieferten Urkunden und Briefe soll ein Bild gezeichnet werden, welches die Rolle Margarethes in Oswalds Leben und Werk verdeutlicht. Bevor genauer auf die Margarethenlieder eingegangen wird, soll ein kurzer Überblick über Leben und Werk Oswalds von Wolkenstein[2] gegeben werden, um eine bessere Einordnung der Margarethenlieder in sein Gesamtwerk und Leben zu ermöglichen.

2. Historisches über Oswald von Wolkenstein:

2.1. Leben:

Von kaum einem anderen deutschen Dichter des Mittelalters existieren so viele gesicherte Lebenszeugnisse wie von Oswald von Wolkenstein. Mehr als 1000 erhaltene Briefe, Urkunden,[3] aber auch seine eigenen Lieder geben eine Fülle von Daten und Erlebnissen wieder und bieten einzigartige Voraussetzungen für die Rekonstruktion seiner Biographie. Den Grundstock zu dieser außergewöhnlich reichen Hinterlassenschaft legte Oswald selbst, indem er seine Korrespondenz, Akten, Urkunden sowie Rechnungsbücher und Besitzverzeichnisse in einem Archiv persönlich sammelte und seinen Erben vermachte. Diese Zeugnisse beschreiben sein Leben natürlich immer nur punktuell oder aus einer einseitigen Sicht, es gibt jedoch aufgrund der sich ergänzenden Angaben viele Ereignisse, die nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung als gesichert gelten.

Oswald wurde zwischen 1376 und 1378 als zweiter Sohn des Tiroler Ritters Friedrich von Wolkenstein und seiner Ehefrau Katharina, welche beide der Tiroler Adelsfamilie Vilanders entstammten, geboren.[4] Als Geburtsort wird Burg Schöneck bei Issing im Pustertal angenommen. Wahrscheinlich durch einen Unfall in früher Jugend verlor Oswald sein rechtes Auge. Im Alter von zehn Jahren verließ er sein Elternhaus und zog jahrelang in vielen Ländern, besonders in Süd- und Osteuropa umher. Mit dem Tod seines Vaters im Jahr 1400 und seiner Rückkehr nach Tirol setzte ein langwieriger Erbschaftsstreit ein, der 1421 eine zweijährige Gefangenschaft Oswalds bei seinen Widersachern mit sich brachte. Auch im politisch-militärischen Bereich war der Dichter in zahlreiche Auseinandersetzungen verwickelt. Ab 1415 stand er in den Diensten König Sigismunds und nahm unter anderem an den Feldzügen gegen die Hussiten in den Jahren 1420 und 1431 teil und geriet von September 1421 bis März 1422 aus politischen Gründen und aufgrund des bereits erwähnten Erbstreites in Gefangenschaft. Danach hatte er wichtige Ämter in Südtirol inne. Verheiratet war Oswald von Wolkenstein mit der Schwäbin Margarete von Schwangau.

Dank der detailliert rekonstruierbaren Biographie Oswalds und aufgrund der zahlreichen Lebenszeugnisse ist auch ungewöhnlich viel von seiner Ehefrau Margarethe überliefert. Von kaum einer anderen Ehefrau eines mittelalterlichen Dichters ist überhaupt etwas bekannt, geschweige denn, dass sich ihr Leben genauer nachzeichnen ließe. Natürlich existieren von Margarethe von Schwangau nicht ebenso viele Dokumente wie von ihrem Ehemann und so bleibt das, was sich über sie erschließen oder sagen lässt, zum Teil doch vage. Als gesichert gilt jedoch, dass Margarethe Ende des 14. Jahrhunderts als Tochter Ulrichs II. von Schwangau und dessen Frau Adelheid Schwelcher geboren wurde.[5] Die schwäbische Adelsfamilie hatte viele freundschaftliche Verbindungen mit Tiroler Geschlechtern, unter anderem auch mit den von Wolkensteins. Da aufgrund einiger Hochzeiten[6] auch verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen den beiden Familien bestanden, kam Oswald bei seinen zahlreichen Reisen des öfteren in die schwangauer Gegend. Bei seinen ersten Besuchen war Margarethe wohl noch ein Kind, doch um 1416/17, also im Alter von etwa 40 Jahren,[7] hielt Oswald schließlich um ihre Hand an. Margarethe muss zu diesem Zeitpunkt etwa 24 Jahre alt gewesen sein.[8]

Die von Schwangauer waren zwar eine sehr achtbare und angesehene Familie, hatten aber wohl schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und waren wiederholt in Erbstreitigkeiten verwickelt.[9] Dies dürfte Oswald bekannt gewesen sein, und so war der Grund für seine Hochzeit mit Margarethe von Schwangau wohl nicht die Aussicht auf eine ansehnliche Mitgift. Familienpolitische Notwendigkeiten auf beiden Seiten,[10] in erster Linie aber persönliche Sympathie waren eher entscheidend. Die Ehe dauerte sich fast dreißig Jahre lang bis zu Oswalds Tod. Dieser starb am 2. August 1445 in Meran und wurde in Neustift bei Brixen begraben.

2.2. Werk:

Nicht nur über Oswalds Leben wissen wir außergewöhnlich viel. Auch seine humoristische, beschwingte Lyrik ist so gut wie bei kaum einem anderen Dichter des Mittelalters überliefert. Denn ebenso wie er für die Aufbewahrung seiner Lebenszeugnisse sorgte, ließ er noch zu Lebzeiten zwei Liedersammlungen anfertigen.[11] In diesen kostbar ausgestatteten Pergamenthandschriften (Handschrift A und B) wurden die Texte und Melodien seiner rund 130 Lieder in verschiedenen Fassungen aufgezeichnet und von ihm selbst autorisiert. Die jüngere dieser beiden Prachthandschriften, welche auf 1432 datiert ist, enthält außerdem ein lebensgroßes Brustbild des Autors, das zugleich als erstes lebensechtes Porträt eines deutschen Dichters in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Darüber hinaus existiert eine dritte Handschrift, welche aber auf die beiden erstgenannten zurückzuführen ist. Sie ist für eine autornahe literarische Forschung daher weniger nutzbar.

2.2.1 Margarethenlieder:

Die Liedkunst Oswalds von Wolkenstein ist ein wichtiger Bestandteil der mittelhochdeutschen Überlieferungen und vereinigt virtuose Dichtkunst mit derber Volkstümlichkeit. Sie zeichnet sich durch eine Vielfalt von Themen und Formen aus. Neben autobiographischen Erlebnissen nimmt das Thema Liebe eine dominierende Stellung in Oswalds Dichtung ein.[12] In einigen dieser Liebeslieder finden sich klare Anspielungen auf seine Ehefrau Margarete. Dies wäre im 13. Jahrhundert völlig undenkbar gewesen, war aber zu Oswalds Zeit nicht mehr ganz neu.[13] Bereits eine Generation vor ihm sprach der Voralberger Graf Hugo von Montfort in Liedern und Gedichten seine drei Ehefrauen an.[14] Er verschlüsselte den Namen der Frau, indem er nur den Anfangsbuchstaben nannte. Den vollen Vornamen zu nennen, hätte man erst nach dem Tod der Frau gewagt.[15] Doch Oswald ging noch einen kleinen Schritt weiter. Er sprach deutlich von der stolzen Schwäbin und nannte die Namen Gret, Gredli oder traut Gredelein. Bemerkenswert ist auch, dass er dieses Bezugnehmen keineswegs auf konventionelle Liebeslieder beschränkte, sondern auch in leidenschaftlichen und ausgelassenen Liedern ihren Namen erwähnte.

[...]


[1] Pörnbacher, Hans: Margareta von Schwangau. Herrn Oswalds von Wolkenstein Gemahlin. Weißenhorn 1983. S. 5.

[2] Es werden auch biographische Daten Margarethes angeführt, das Hauptaugenmerk liegt in diesem Abschnitt jedoch auf Oswald.

[3] Vgl.: Die Lebenszeugnisse Oswalds von Wolkenstein. Edition und Kommentar. Hrsg. v. Anton Schwob. Unter der Mitarb. V. Karin Kranich-Hofbauer. 2 Bände. Böhlau 2001.

[4] Zur Biographie vgl. Baasch, Karen und Nürnberger Helmuth: Oswald von Wolkenstein. Reinbek bei Hamburg 1986. S. 20ff; Kühn: Ich Wolkenstein; Schwob, Anton: Oswald von Wolkenstein. Eine Biographie. Bozen 1989.

[5] Eine datillierte Biographie Margarethes findet sich bei Pörnbacher: Margareta. S. 6 ff.

[6] Oswalds Bruder hatte als zweite Frau eine Schwangauerin. Später waren dessen Sohn und auch seine Tochter ebenfalls mit Schwangauern verheiratet. Oswalds Schwester wiederum lebte als Ehefrau Heinrich von Freyberg ganz in der Nähe von Schwangau. Vgl. Pörnbacher: Margareta. S. 12; Schwob, Anton: Die Heirat Oswalds von Wolkenstein mit Margarethe von Schwangau. Ein Beispiel schwäbisch-tirolischer Verbindungen im Mittelalter. In: Sprache und Dichtung in Vorderösterreich. Elsass, Schweiz, Schwaben, Voralberg, Tirol. Hrsg. v. Guntram A. Plangg und Eugen Thurner. Innsbruck 2000. S. 114 ff.

[7] Dies geht aus Kl 18 hervor: Ich han gelebt wohl vierzig jar (v .97). Vgl. hierzu Pörnbacher S. 12.

[8] Dies geht aus Kl 43 hervor: Von vier und zwainzig jaren alt (v. 35). Vgl. hierzu Pörnbacher S. 16.

[9] Vgl. Schwob. In: Sprache und Dichtung. S. 115. Laut Pörnbacher besaßen die Schwangauer ansehnliche Einkünfte und Margarethe bekam die bedeutende Mitgift von 500 Gulden mit. Mit Empfang der Mitgift erlosch jedoch im Allgemeinen der Erbanspruch der verheirateten Tochter. Da Margarethe aber nach dem Tod ihres Vaters ihr Erbe an Oswald übertrug (vgl. Urkunde vom 24. April 1426), lässt sich schließen, dass dieser zuvor wenn nicht völlig, so doch weitgehend leer ausging. Dies spricht für Schwobs Argumentation, die Schwangauer hätten mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt.

[10] Vgl. Schwob. In: Sprache und Dichtung. S. 115.

[11] Vgl. Anton Schwob: Bericht zum Stand der Edition der Lebenszeugnisse Oswalds von Wolkenstein. In: JOWG 9, 1996/97. S. 3-15.

[12] Mehr als die Hälfte seiner Lieder hat die Liebe zum Thema. Vgl. Werner Marold: Kommentar zu den Liedern Oswalds von Wolkenstein. Bearb. und hrsg. von Alan Robertshaw. Innsbruck 1995. S. 295 ff.

[13] Vgl. Wachinger, Burghart: Zu Oswalds Dichtung. In: Oswald von Wolkenstein, Lieder. Stuttgart 1985. S. 122 ff.

[14] Vgl. Albrecht Classen: Die autobiographische Lyrik des europäischen Spätmittelalters. Studien zu Hugo von Montfort, Oswald von Wolkenstein, Antonio Pucci, Charles d'Orléans, Thomas Hoccleve, Michel Beheim, Hans Rosenplüt und Alfonso Alvarez de Villasandino. Amsterdam 1991. Dirk Joschko: Die Ehelyrik Hugos von Montfort und Oswalds von Wolkenstein. In: Studien zur Literatur des Spätmittelalters. Greifswald 1988.

[15] Vgl. Wachinger, S. 123.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638366496
ISBN (Buch)
9783638937498
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37243
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Margarethe Schwangau Ehefrau Oswalds Wolkenstein

Autor

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Titel: Margarethe von Schwangau - Die Ehefrau Oswalds von Wolkenstein