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Sprachliche Ausdrucksformen in der Berichterstattung zur „Flüchtlingskrise“

Untersuchung dreier Printpublikationen von 2015/16 zu Gruppenbezeichnungen, Eigenschaften und Situationsbegriff

Masterarbeit 2017 131 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Vorwort

2 Einordnung: Migrationsdiskurse

3 Textlinguistik und Textdefinition
3.1 Textfunktion
3.2 Textsorten
3.3 Pressesprache

4 Grobskizze der „Flüchtlingskrise"

5 Korpus
5.1 Auswahl der Inhalte
5.2 Annotation
5.3 Erfasste Eigenschaften

6 Auswertung
6.1 Bezeichnungen und Eigenschaften der „Flüchtlinge"
6.1.1 „Flüchtlinge“
6.1.1.1 „Flüchtling“ als Zweitglied eines Kompositums . .
6.1.1.2 Varianten: „Flüchtende“, „Geflüchtete“, „Refugees"
6.1.1.3 „Asylbewerber“, „Asylsuchende", „Asylanten“: Be­zug auf Asyl
6.1.1.4 „Migranten“ und „Immigranten“, „Ein-“ und „Zu­wanderer“: Bezug auf den Ortswechsel oder Zuzug
6.1.1.5 „Reisende“, „Wanderer“: Bezug auf Fortbewegung
6.1.1.6 „Schutzbedürftige", „Zufluchtsuchende": Bezug auf Schutz
6.1.1.7 „Neuankömmlinge“: Bezug auf das Ankommen . .
6.1.1.8 „Heimbewohner“, „Nachbarn“: Bezug auf den Le­bensmittelpunkt
6.1.1.9 „Eindringling", „Grenzverletzer“: Bezug auf einen Grenzübertritt oder Rechtsbruch
6.1.1.10 „Ausländer“ und „Fremde“: Bezug auf Fremdar­tigkeit
6.1.1.11 „Gestrandete“, „Verzweifelte“: Bezug auf Zustän­de, Eigenschaften oder Emotionen
6.1.1.12 „Syrer“, „Afghanen“: Bezeichnungen nach Herkunft
6.1.1.13 Bezeichnungen nach Alter, Geschlecht, Familie, Be­ruf oder Religion
6.1.1.14 „Menschen“, „Personen“, Eigennamen: Generelle Be­griffe
6.1.1.15 Eigennamen
6.1.1.16 Weitere Bezeichnungen
6.1.1.17 Diskurs und Diskussion
6.1.2 Komposita aus Gruppenbezeichnungen als Erstglied
6.1.3 Zugeschriebene Eigenschaften
6.1.3.1 Systematische Kombination
6.1.3.2 Eigenschaften der Erstgliedkomposita
6.1.4 Gruppengröße
6.1.5 Kollektiver Singular
6.2 „Flüchtlingskrise" als situativer Begriff
6.3 Veränderungen im Laufe der Zeit
6.4 Pressespezifisches
6.5 Zitate
6.6 Einschränkungen

7 Zusammenfassung

8 Schlusswort

9 Literatur

A Anhang
A.l Tabelle: Erfasste Textsorten
A.2 Tabelle: Gesamtzahl der Eigenschaften
A.3 Tabelle: Gruppenbezeichnungen nach Herkunft
A.4 Tabelle: Liste der Eigennamen nach Publikation
A.5 Tabelle: Liste aller Komposita mit „Flüchtling“ als Erstglied
A.6 Liste aller Eigenschaften
A.6.1 Mehr als 50 Tokens pro Begriff
A.6.2 Mehr als 25 Tokens pro Begriff
A.6.3 Mehr als 10 Tokens pro Begriff
A.6.4 Mehr als 5 Tokens pro Begriff
A.6.5 5 oder weniger Tokens pro Begriff
A.6.6 Einzelbelege
A.7 Liste der mit Gruppen- oder Personenbezeichnungen kombinier­ten Eigenschaften
A.8 Metainformationen
A.8.1 Technische Umsetzung
A.8.2 Danksagung

Tabellenverzeichnis

1 Häufigste Personen- oder Gruppenbezeichnungen nach Publikation

2 Tokens von „(~)Flüchtling(e)“ pro Segment nach Monat und Publi­kation

3 „Flüchtling(e)“ als Zweitglied eines Kompositums

4 Liste der häufigsten Gruppenbezeichnungen

5 Vergleich relativer Begriffshäufigkeiten mit Berry et al. (2015: 113)

6 Häufigste Komposita mit „Flüchtling" als Erstglied

7 Komposita mit „Asylbewerber“ / „Ausländer“ als Erst- oder Teilglied

8 Häufigste mit Gruppenbezeichnungen verbundene Eigenschaften nach Publikation

9 Häufigste mit Gruppenbezeichnungen verbundene Eigenschaften .

10 Kombination von Gruppenbezeichnungen mit Eigenschaften

11 Häufigste Eigenschaften der,Erstgliedkomposita'

12 Anteilige Verteilung von Zahlnennungen nach Monat und Publikation

13 Absolute Zahl(wort)nennungen nach Monat

14 Liste der Begriffe zur Situationsbeschreibung „Flüchtlingskrise"

15 Liste von mit Situationsbezeichnungen verbundenen Eigenschaften

16 Übersicht der Tokens von „Flüchtlingskrise" über Zeit und Publika­tion

17 Erfasste Artikel nach Textsorten

18 Zahl insgesamt erfasster Eigenschaften pro Publikation und Monat

19 Gruppenbezeichnungen nach Herkunft

20 Liste aller Eigennamen nach Publikation

21 Liste aller erfassten Komposita mit „Flüchtling“ als Erstglied

1. Vorwort

Selten hat ein Thema den medialen Diskurs so dominiert wie die „Flüchtlings­krise" in den Jahren 2015 und 2016. Unter dem .überwältigenden' Eindruck der „[ö]ffentliche[n] Allgegenwart des Themas“ wurde seitdem Spätsommer 2015 ei­ne „Flut [von] Nachrichtenbeiträgen" verfasst (Herrmann 2016: 7), die bis zum Jahresende 2016 zwar an Umfang verlor, ohne dass das Thema dabei jedoch als abgeschlossen betrachtet werden kann (vgl. Wehling 2016: Online). Wenn man nun annimmt, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung eines Themas einen unmittelbaren Einfluss auf die mitunter alltägliche Sprachverwendung aus­übt, so kann das von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählte ,Wort des Jahres' 2015 - „Flüchtlinge“ - kaum überraschen (vgl. Eisenberg 2015: Online), dessen Wahl möglicherweise sogar „als nächstliegende“ angesehen werden (Hil­debrand 2015: Online). „Gebildetaus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -Ung“ (Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. 2015: Online) ist das Substantiv ver­gleichbar mit Wörtern wie „Eindringling, Emporkömmling [oder] Schreiberling“, „Prüfling, Lehrling, [...] Sträfling oder Schützling“. Es kann so mitunter eine „nega­tive Konnotation“ oder eine „passive Komponente“ besitzen und wird daher einer­seits als „sprachlich interessant“ (ebd.) und zugleich als „nicht selbstverständlich“ angesehen (Hildebrand 2015: Online).

Wenig in der Öffentlichkeit diskutiert wurden allerdings weitere linguisti­sche Eigenschaften des Wortes, darunter sein semantischer Bedeutungsumfang und die mit ihm verbundenen semantischen Relationen hinsichtlich Hyperonymie oder Synonymie mit Wörtern des gleichen Wortfeldes. Gleichwohl wurden auch die zugehörigen morphologischen Aspekte, sowohl zum Wort selbst als auch zur Bildung von Komposita und der damit verbundenen Produktivität, bisher nur we­nig diskutiert. Dies gilt ebenso für die Verknüpfung der Gruppenbezeichnung mit bestimmten Eigenschaften und letztlich auch für dessen Verwendungshäufigkeit. Es ist nicht zuletzt ein Ziel dieser Arbeit, diese Lücken zumindest zu verkleinern.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll im Folgenden ein ausführlicher Blick auf die medialen sprachlichen Ausdrucksformen hinsichtlich der jeweiligen Gruppenbe­zeichnungen sowie der Verbindung von Eigenschaften mit „Flüchtlingen“ und „Mi­granten“ geboten werden. Zudem sollen das situative Schlagwort der „Flüchtlings­krise" beleuchtet, Veränderungen im Laufe der Zeit und Pressespezifika erfasst so­wie weitere Besonderheiten erörtert werden. Das Fundament dieser Analyse bil­det die Berichterstattung zu verschiedenen politischen Entscheidungen und Er­eignissen sowie deren jeweilige Rezeption in den Printpublikationen BILD, Süd­deutsche Zeitung und Saarbrücker Zeitung über einen dem jeweiligen Ereignis zu­geordneten Zeitraum.

Die Untersuchung widmet sich zunächst einer Einordnung in dreierlei Berei­che. Im zweiten Kapitel soll einleitend ein Bezug zum bestehenden Forschungs­kontext hergestellt werden. Die theoretische Grundlage zur Erfassung der Tex­te wird im dritten Kapitel mit der Betrachtung textlinguistischer Aspekte herge­stellt, gefolgt von einer Darstellung des Verlaufs der „Flüchtlingskrise" im Unter­suchungszeitraum in Kapitel 4. Das fünfte Kapitel widmet sich der Erstellung des Korpus, der darin erfassten Inhalte und der Annotation. Den Kern der vorliegen­den Untersuchung bildet die systematische Auswertung der Inhalte im sechsten Kapitel. Hierin sollen sowohl Gruppen- und Personenbezeichnungen erörtert, ihre Verteilung erfasst sowie Verbindungen mit bestimmten Eigenschaften herausge­stellt werden. Dabei spielen einerseits qualitative semantische Aspekte, anderer­seits quantitative Größen wie Begriffshäufigkeiten eine Rolle. Das Kapitel beinhal­tet zudem Betrachtungen von relevanten Komposita, Entwicklungen zu Gruppen­größe und Veränderungen im zeitlichen Verlauf sowie presse- und publikations­spezifische Eigenheiten. Anhand dieser Faktoren sollen so schließlich - in den ein­zelnen Abschnitten sowie in Kapitel 7 - Tendenzen innerhalb der Berichterstat­tung aufgezeigt werden, welche die .mediale Sprache der Flüchtlingskrise' bestim­men.

2. Einordnung: Migrationsdiskurse

Migrationsdiskurse besitzen in der Linguistik eine auffallende Kontinuität, so- dass diese, wie Spieß (2016: 58) zeigt, im Zeitraum „nach 1945 bis Ende der 1990er Jahre“ als „ausgesprochen gut erforscht gelten“ können.[1] Hierbei wur­den in der Vergangenheit insbesondere Argumentationsmuster, Schlagwörter und Metaphern untersucht, sodass sich nach Spieß (2016: 59) unter Rückgriff auf mi­grationssoziologische Untersuchungen „zunächst grob vier Formen von Migrati­on“ unterscheiden lassen: die (freiwillige oder erzwungene) „Flucht vor Krieg, Terror [oder] Verfolgung aufgrund politischer Überzeugung, Ethnie oder Religi­on“, die (meist freiwillige) Migration mit dem Ziel, an einem anderen Ort ein „bes­seres Leben“ führen zu können, mehr oder minder reguläre (und ebenso zumeist freiwillige) „Arbeitsmigration" sowie die (freiwillige oder erzwungene) Flucht vor „umweltbedingte^] Schäden“ oder Naturkatastrophen (vgl. ebd.: 60). Auch der „Komplex des Familiennachzugs“ wird von Spieß (vgl. ebd.) als eine zugehörige Art der Migration genannt. In dieser Weise betrachtet sie (vgl. ebd.: 63) in ihrer Analyse von rund 1.800 Pressetexten zu den Themen „Migration [und] Flucht“ im Zeitraum von September 2015 bis Februar 2016 ebendiese Teilbereiche des Dis­kurses. Der Fokus liegt dabei auf verwendeten Ausdrücken und „Nominationskon­kurrenzen" im Bezug auf Grenzbezeichnungen (bspw. „Grenze“, „Zaun“ oder „bau­liche Maßnahme“, vgl. ebd.: 66) sowie auf den Metaphoriken aus dem Bereich von Naturkatastrophen einerseits (bspw. „Welle“ und „Flut“, vgl. ebd.: 69) und dem Be­reich der „Kriegsmetaphorik" andererseits (bspw. „Flüchtlingsinvasion", vgl. ebd.: 74). Vor allem zwei Thesen sieht Spieß (2016) durch ihre Betrachtung dieser auch medialen Diskurse als bestätigt an: Erstens, dass „Sprache Realitäten konstituiert“ (ebd: 61), und zweitens, dass der aktuelle Diskurs „sowohl [durch] konventiona- lisierte wie auch neue Sprachgebrauchsweisen" geprägt sei (ebd: 57). Zumindest letztere These wird im Zuge der Analyse dieser Thesis zu berücksichtigen sein.

Andere Felder, die durch die erwähnte Kriegsmetaphorik berührt werden, sind die Bereiche der Krisen- und Kriegsberichterstattung in den Medien (vgl. Bil- ke 2008), die Rolle von Medien in sozialen Konflikten (vgl. Hug 1997) sowie kon­fliktlinguistische Untersuchungen im Allgemeinen (vgl. Struß 2009). So lässt sich in der Konfliktlinguistik, beginnend „bereits Ende der [19]70er Jahre“, eine Ver­schiebung des Schwerpunktes von zunächst gesprächstheoretischer Forschung im Hinblick auf mündliche „Streitgespräche“ hin zur „Analyse von öffentlichen Konflikten“ auch in „politischen Kontexten“ beobachten (vgl. Struß 2009: 79). Die hierbei verwendeten Methoden der „[politischen Semantik [und] der Dis­kursanalyse" werden von Struß (vgl. ebd: 83) für eine „umfassende Analyse der Strukturen und Inhalte öffentlicher Diskussionszusammenhänge" als nicht aus­reichend erachtet, da u.a. der zeitliche Verlauf von Konflikten nur unzureichend erfasst werden könne. Mit der Darstellung eines solchen zeitlichen Verlaufs und der Erfassung von Veränderungen in Wortfeldern und Wortgebrauch soll diesem Makel in der hier vorliegenden Untersuchung begegnet werden. Die von Struß (2009: 84) genannte Einschränkung, dass eine „Fokussierung [...] auf den poli­tischen Sprachgebrauch im engeren Sinne [...] große Bereiche des öffentlichen, nicht-institutionalisierten Sprachgebrauchs“ ausschließe, gilt indes auch für diese Thesis.[2] Nicht zuletzt die Verflechtung von Konfliktlinguistik und Pressebericht­erstattung führe, wie Bilke (2008: 258) anmerkt, allerdings dazu, dass eine „sys­tematische Erschließung des Forschungsfeldes [...] schwierig“ bleibe.

Ein bedeutender Teil diskurslinguistischer Forschung widmet sich zudem der Berichterstattung zu Migration und den so entstehenden Narrativen von Frem­denfeindlichkeit (vgl. Scheffer in Butterwegge/Hentges 2006) oder Terrorismus und Islamismus (vgl. Trautmann ebd.). Butterwegge (2006: 187) selbst betrach­tet beispielsweise, wie in der medialen Berichterstattung „Migrant(inn)en bzw. ihre Kinder und Kindeskinder zu .Fremden' gemacht werden“ und wie über die bestehende Gesellschaft oder auch über „Rechtsextremismus, Rassismus und Na­tionalismus“ berichtet wird (vgl. Butterwegge 2006: 187). Auch dabei spielt die Referenz auf die zu untersuchende Gruppe der Flüchtlinge eine entscheidende Rolle und es wird zu überprüfen sein, ob in dem hier betrachteten Korpus „vor­wiegend“ von Ausländern gesprochen wird (vgl. ebd: 190). Da sich seine Unter­suchung allerdings in großen Teilen auf reguläre Migration beschränkt, kann von einer veränderten Sachlage ausgegangen werden. Deutlich wird dies, wenn But­terwegge (2006: 190) schreibt, dass über Nichtdeutsche „praktisch nur im Aus­nahmefall" berichtet wird. Diese These scheint sich mit Blick auf die Situation 2015/16 a priori kaum als haltbar zu erweisen. Der Schwerpunktauf Rechtsextre­mismus und Fremdenfeindlichkeit ist im Diskurs der 1990er Jahre beispielsweise auch bei Scharf (1993) und Brosius/Esser (1995) zu finden; eine solche Betrach­tung steht für die aktuelle Zeit der „Krise“ allerdings auch weiterhin aus.

Entscheidend für die hier vorliegende Arbeit bleibt das Element der Presse­berichterstattung im Zusammenhang mit den verwendeten Gruppenreferenzen. Diesbezügliche Untersuchungen liegen in geringerem Umfang auch bereits in ei­nem internationalem Kontext vor, beispielsweise als vergleichende Untersuchung deutscher und senegalesischer Publikationen von Assopgoum (2011). Auch hier wird die Wortwahl in der Referenz auf Migrantinnen und Migranten thematisiert und hervorgehoben, dass sich die hiesige mediale Debatte zum Zeitpunkt der Un­tersuchung „stark auf die »illegalen« Migranten“ fokussiere und dabei die „un­terschiedlichen Typen von afrikanischen Migrationsbewegungen" ausblende (vgl. ebd: 65). Inwiefern sich dies auf die aktuelle Untersuchung übertragen lässt, ist jedoch zunächst offen.

Hervorzuheben ist, dass ein Teil des Themenkomplexes dieser Thesis auch Ge­genstand einer aktuellen Untersuchung von Berry/Garcia-Blanco/Moore (2015) im Auftrag des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) ist, mit dem Ziel, die unterschiedliche Berichterstattung zur „Flüchtlingskrise" in ver­schiedenen europäischen Ländern - Spanien, Italien, Deutschland, Großbritan­nien und Schweden - zu erfassen und thematische Schwerpunkte herauszustel­len (vgl. ebd: Abstract). Untersuchungsgegenstand für Deutschland waren dabei rund 300 Artikel (vgl. ebd: 25) der Publikationen BILD, DIE WELT und Süddeut­sche Zeitung (vgl. ebd.: 24) über den Zeitraum von Juni 2014 bis April 2015 (vgl. ebd.: 26). Schon hier konnten beispielsweise Unterschiede in den herangezoge­nen Quellen zur Berichterstattung (vgl. ebd: 33) und in den verwendeten Aus­drucksweisen festgestellt werden: „Both Germany [...] and Sweden [...] overwhel­mingly used the terms refugee (flüchtling(e)/ flykting) or asylum seeker (asylsu- chende(r)/asylsokande)" (ebd.: 7f.). Die Ergebnisse der Studie werden sich mittels dieser Untersuchung - nicht zuletzt aufgrund der z.T. identischen Auswahl der be­trachteten Printpublikationen - für die untersuchten, späteren Zeiträume in den Jahren 2015 und 2016 überprüfen lassen.[3]

Eine weitere und umfangreiche Untersuchung darüber, wie deutsche Medien zur Situation 2015/16 berichteten, wird zudem noch zum jetzigen Zeitpunkt von der Hamburg Media School betreut (vgl. Scheer 2016; Haller/Wollermann/Lohse et al. 2017: Online). Methodischer Schwerpunkt ist dabei eine „Inhaltsanalyse einer repräsentativ gezogenen Stichprobe“ (von 34.000 Beiträgen, vgl. Scheer:

2016) der sogenannten „Leitmedien" mit den Zielen, „Dysfunktionen [im Journa­lismus] aufzuzeigen und zugleich auf [seine] demokratietheoretisch erwünschten Funktionen als unabhängige Instanz und .Vierte Gewalt' hinzuweisen" (vgl. Haller: 2017) . Die leitende Frage - „Wie haben deutsche Medien in den Jahren 2009 bis 2015 über die Flüchtlingspolitik berichtet?“ (Scheer 2016: Online) - zeigt die Nä­he dieser Studie zur vorliegenden Thesis. Ein bedeutsamer Unterschied liegt aller­dings in der Interpretation des „Wie“: Während sich die Studie der Hamburg Media School auch und explizit auf die Wertung und Bewertung der untersuchten Publi­kationen bezieht, sollen diese Aspekte hier nur eine untergeordnete Rolle spielen; die in der Auswertung erfassten Ergebnisse sind in erster Linie deskriptiver Na­tur. Ein letztlicher Vergleich der Ergebnisse ist zudem erst nach Veröffentlichung der Untersuchung im Jahr 2017 möglich (vgl. Haller 2017: Online).

Wie anhand dieser Einordnung zu sehen ist, umfassen diskursive, linguis­tische Untersuchungen zu Migration weite Felder, die sich zumindest teilweise überschneiden. Dies betrifft im weiteren Kontext die spezielle Berichterstattung und sprachwissenschaftliche Aufarbeitung zu Migration, Konflikten und Kriegen sowie die Auswirkungen einer solchen Berichterstattung auf Integration, Frem­denfeindlichkeit, Rechtsextremismus und die zugehörigen Narrative in Politik und Gesellschaft. Gemeinsam ist all diesen Untersuchungen, dass sowohl die Presse als die dortige Berichterstattung zentrale Elemente darstellen.

3. Textlinguistik und Textdefinition

Um eine Grundlage für die bei der Erstellung des Korpus relevanten Texte zu schaf­fen, soll ein kurzer Exkurs in die Text- und Textsortenlinguistik sowie die Presse­sprache genügen. Insbesondere drei Unterbereiche sind hierbei als relevant anzu­sehen: Textdefinition, Textfunktionen und Textsorten. Letztere sind dann im Hin­blick auf Presse und Pressesprache zu spezifizieren.

Nach Jungová (vgl. 2006: 19) lassen sich „grob“ zwei Strömungen inner­halb textlinguistischer Forschung erkennen: „sprachsystematische" und gramma­tikorientierte einerseits und „kommunikationsorientierte", pragmatische Textlin­guistik andererseits (vgl. ebd.: 10). In erster Variante werden die Einheiten ei­nes „sprachlichen Systems (Phonem, Morphem/Wort, Satzglied, Satz) [...] ledig­lich um die Einheit ,Texť erweitert“, welche als „kohärente Folge von Sätzen“ ver­standen werden kann (ebd.). Eine solche grammatische Definition umfasst neben der Kohärenz „ausschließlich [...] textinterne Faktoren“, beispielsweise Kohäsion, Strukturiertheit und spezifische Lexik (vgl. Gansel/Jürgen 2009: 57), Akzeptabili­tät oder Intertextualität (vgl. Sandig 2000:100). Im Gegensatz dazu wird Text un­ter den Gesichtspunkten der kommunikationsorientierten Textlinguistik im Sin­ne pragmatischer Überlegungen als „komplexe sprachliche Handlung“ verstanden (vgl. Jungová 2006: 10), die sich an „funktionalen und kommunikativen Faktoren“ orientiert und daher auch außertextuelle Aspekte miteinbezieht (vgl. Gansei & Jür­gen 2009: 58). Möchte man beide Strömungen berücksichtigen, so bietet Jungová (vgl. 2006: 10) eine Textdefinition, die zwar diesem Anspruch genügt, jedoch nur wenige Faktoren spezifisch benennt:

Der Terminus „Text" bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signali­siert.

Eine dritte Variante eröffnet das prototypische Verständnis von Text, welche ebenso Aspekte beider Verständnisse vereint. Sandig (2000: 99) versteht diesbe­züglich Texte als in der Regel komplexe Einheiten, [die] in Situationen [Situationalität] verwendet [werden], um in der Gesellschaft Aufgaben zu lösen [Intentionali­tät/Textfunktion], die auf Sachverhalte [Thema; Kohärenz] bezogen sind.

Prototypische Texte nutzen so auch Mittel der Kohäsion, während das zentrale Merkmal für Sandig die „Textfunktion" darstellt. Diese sei ,,[i]n der Regel [...] an­hand des Textmaterials (Textoberfläche, Aussehen des Textes,...) interpretierbar"; in Zweifelsfällen werden Thema und „Situation zur Interpretation herangezogen" (ebd.). In der vorliegenden Thesis sollen Texte in dieser prototypischen Auffas­sung verstanden werden, da Zeitungsartikel, wie zu sehen sein wird, sowohl be­stimmte Funktionen als auch eine bestimmte „Textoberfläche" besitzen.[4]

3.1 Textfunktion

Unter der Textfunktion soll hier diejenige Funktion verstanden werden, die ein Text mit „bestimmten, konventionell geltenden Mitteln“ auszuüben vermag (vgl. Jungovä 2006: 11). Typischerweise können Texte verschiedene Funktionen, z.T. auch gleichzeitig, ausüben; Jungovä (vgl. 2006: 12), Krüger (vgl. 2003: 2) und Gansei & Jürgen (vgl. 2009: 69) unterscheiden dabei im Sinne von Brin­ker/Antos/Heinemann et al. (2000) zwischen Informations-, Appell-, Obligations­, Kontakt- und Deklarationsfunktion. Im journalistischen Bereich sind hierbei in erster Linie die Appellfunktion, die Kontaktfunktion und im besonderen Maß die Informationsfunktion relevant.

Appellative Texte - beispielsweise Arbeitsanweisungen, Rezepte oder Anträ­ge, aber auch Gesetzestexte und Werbeanzeigen - fordern vom Rezipienten eine Handlung oder eine Unterlassung oder leiten ihn zu solchen an (vgl. Jungovä 2006: 12). In der Presse können zudem Hilfsanleitungen oder Ratgeber eine appellati­ve Funktion erfüllen. Die Kontaktfunktion dient der Herstellung, Erhaltung oder Beendigung eines Kontaktes und zeichnet sich häufig durch die Nutzung perfor- mativer Verben, darunter „begrüßen", „danken“, „sich entschuldigen“ oder „(um Entschuldigung) bitten“ aus, welche in Editorials oder Gegendarstellungen nicht selten zu finden sind (vgl. ebd.). Hervorzuheben ist im Hinblick auf Pressetexte al­lerdings die Informationsfunktion: Sie ist „charakteristisch“ für Meldungen, Nach­richten oder Berichte (vgl. ebd.). Journalistische Texte informieren, sowohl über Tatsachen und Begebenheiten als auch, beispielsweise in Interviews und Kom­mentaren, über Meinungen und Ansichten, wobei die „informative Textfunktion [...] sowohl mit einer sachbetonten als auch mit einer meinungsbetonten sprach­lichen Darstellung kompatibel“ ist (Jungová 2006: 12). Gleichsam kann ein Text mehrere dieser Funktionen gleichzeitig, in gleichem oder unterschiedlichem Maß, ausüben (vgl. Krüger 2003: 2). Textfunktionen sind zudem ein wesentlicher Be­standteil der Einteilung von Texten in die (nicht nur) für die Presse relevanten Textsorten (vgl. ebd.; Gansei 2009: 69)

3.2 Textsorten

Textsorten dienen der Ein- und Unterteilung von Texten, sind vielen Menschen intuitiv verständlich - generell beispielsweise als Liebes- oder Leserbrief, Wetter­bericht, Interview, Meldung oder Nachricht - und „stellen eine zentrale Katego­rie der Textlinguistik dar“ (Gansei & Jürgen 2009: 53). Die reine Benennung von Textsorten ist allerdings für eine tiefergreifende Einordnung nicht als hinreichend anzusehen (vgl. ebd: 57). So lassen sich Textsorten u.a. mittels ihres typischen for­malen Aufbaus, ihres Auftretens (vgl. Sandig 2000:102), des vermittelnden Medi­ums oder ihres Inhaltes (vgl. Gansei 2009: 56) sowie über „textinterne Merkmale“, darunter semantische, grammatische, stilistische und funktionale Eigenschaften, beschreiben (vgl. ebd: 69, Jungová 2006: 9).

Hilfreich erscheint auch hier, Textsorten als Repräsentation prototypischer Texte zu betrachten, denn es ist, so Gansei & Jürgen (2009: 64), „[ajufgrund der Multidimensionalität der Kategorie >Text< [...] praktisch nicht möglich, alle poten­tiellen Texte entsprechend einer einzigen verbindlichen Klassifikation“ in ein Sys­tem von Textsorten einzuordnen. Dennoch lassen sich gerade in der Presse „rela­tiv »reine« [...] Textsorten" finden, die zugleich als Herzstück des Journalismus, als dessen „Kerntextsorten" fungieren, darunter die Meldung, die Nachricht, der Be­richt oder die Reportage (vgl. Gansei 2009: 71). Obwohl Pressetexte im Allgemei­nen „eine Reihe von medienbedingten Gemeinsamkeiten“ besitzen, unterscheidet Jungová (vgl. 2006: 24) primär zwischen drei Typen von Texten: informationsbe­tonte Texte (u.a. Meldung, Nachricht, Bericht oder Reportage), meinungsbetonte Texte (z.B. Kommentare) und unterhaltende Texte (z.B. die klassische Glosse).[5] Ei­nen von mehreren Sonderfällen stellt das Interview dar, das sowohl informations- als auch meinungsbetonte Elemente besitzen kann; eine ähnliche Vermischung zwischen Information, Meinung und Unterhaltung ist weiterhin auch in anderen journalistischen Textsorten nachweisbar (vgl. Krüger 2003: 4f.).

Die für die Presse bedeutsamste Funktionalkategorie bilden die informations­betonten Texte und Textsorten (vgl. Jungová 2006: 29). Sie informieren Leser über „Ereignisse, Sachverhalte oder Argumente“ (vgl. ebd: 49) und ordnen diese in ei­nen größeren Kontext ein. Da sich die vorliegende Untersuchung auf diese infor­mationsbetonten Texte beschränkt[6], sollen im Folgenden die hierzu relevanten Textsorten benannt und kurz beschrieben werden.[7]

Ganz prominent sei an erster Stelle die Nachricht genannt. Klassischerweise werden der Nachricht als Textsorte verschiedene Eigenschaften zugeschrieben:

Sie ist „kurz, prägnant, nicht mehr als 20 Zeilen lang und nicht mehr als in 2 Absät­ze geteilt“ (Jungovä 2006: 89). Sie enthält, oft „unter striktem Verzicht auf die Mei­nung des Schreibers“ (Krüger 2003: 6), im Unterschied zur Reportage keine rein ,,subjektive[n]“ oder in erster Linie unterhaltenden „Elemente [oder] Impressio­nen“ (vgl. ebd.) und erscheint (in der Regel) tagesaktuell (vgl. Jungovä 2006: 50). In ihrem stilistischen Aufbau ist die Nachricht nicht chronologisch geordnet; im sogenannten Lead-Stil[8] verfasst, werden Informationen im Text nach ihrer Wich­tigkeit und Aktualität geordnet (vgl. Krüger 2003: 8f).[9]

Meldung und Bericht können als ,Unterkategorien' der Nachricht verstanden werden (vgl. Krüger 2003: 2). Die Meldung bietet als „elementarste, kürzeste [und] einfachste Textsorte" (vgl. Jungovä 2006: 47) lediglich die neutrale Darstellung eines Sachverhaltes oder Ereignisses, oft ohne thematische Entwicklung, kontex- tuelle Einordnung oder Nennung eines Autors (vgl. ebd) und unter Wegfall nicht essentieller Informationen (vgl. Krüger 2003: 16). Wenn man die Meldung so als Kurzform der Nachricht begreift, so ist der Bericht ihre Langform: In ihm wer­den Sachverhalte oder Ereignisse „ausführlicher und tiefgreifender“ behandelt, er bietet Platz für die umfassende Einordnung eines Geschehnisses sowie die Erläu­terung zusätzlicher Hintergrundinformationen (vgl. Jungovä 2006: 53). Berichte behandeln so häufig auch Ereignisse oder Sachverhalte ohne Tagesaktualität (vgl. Krüger 2003: 17). Stilistisch sind dem Bericht keine engen Grenzen gesetzt; Sach­lichkeit und Informationsgehalt stehen dennoch im Vordergrund. Der Aufbau äh­nelt meist der Nachricht, wenngleich Ereignisse auch in ihrem chronologischen Ablauf wiedergegeben werden können (vgl. ebd.: 18).

Zwei weitere Textsorten sind zudem für die vorliegende Untersuchung rele­vant: Reportage und Ratgeber. Die Reportage zeichnet sich durch eine „perspek­tivische Darstellung“ eines Ereignisses oder Sachverhaltes aus (vgl. Jungová 2006: 54). Der Übergang von Bericht zu Reportage ist oft fließend, doch gleicht die Re­portage oft einem „Augenzeugenbericht" und enthält so subjektive Elemente und Eindrücke des oder der Autoren[10] oder von weiteren, an dem Ereignis beteiligten Personen (vgl. ebd.). Im Ratgeber steht die unmittelbare Vermittlung von häufig praktischem Wissen für den Rezipienten zu einem bestimmten Thema im Vorder­grund. Dieses Wissen kann sich auf eine aktuelle Nachricht beziehen oder allge­meiner Natur sein.

Obwohl auch das Interview den informationsbetonten Textsorten zugeord­net werden kann, unterscheidet es sich von diesen insofern, als dass in die zu­meist dialogische Darstellung (vgl. Jungová 2006: 61) oft auch die Meinung des Interviewten einfließt (vgl. ebd.: 59). Eine scharfe Trennung zwischen Sach- und Meinungsinterview ist daher nur selten möglich, wobei letzteres, der Bezeichnung folgend, in der Nähe der meinungsbetonten Textsorten verortet wird (vgl. ebd.: 60). In der Praxis finden sich Interviews auch im Anhang zu einer Nachricht oder einem Bericht (SB015) und ergänzen diese Textsorten so um (in der Regel tran­skribierte) Aussagen einer zugehörigen Person (vgl. Jungová 2006: 60f.).

Schließlich sei an dieser Stelle noch auf das Feature verwiesen. Es handelt sich dabei um Texte, in denen ein Aspekt eines Themas oft unterhaltsam her­vorgehoben wird. Das Feature wird in diesem Sinne auch als ein „Sammelbegriff für Verfahren“ verstanden, „mit denen ein komplexes, abstraktes oder trockenes Thema durch sprachliche Effekte belebt und den Lesern näher gebracht werden kann“ (Jungová 2006: 74). Eine einheitliche .Definition' der Textsorte existiert so­mit nicht.[11] Das Feature spielt aufgrund der Unterhaltungskomponente insbeson­dere im Boulevardjournalismus eine größere Rolle (vgl. Jungová 2006: 77).

3.3 Pressesprache

Ein weiterer Baustein des Journalismus ist die sogenannte „Pressesprache", wo­bei auch hier aufgrund großer Variation eine exakte Definition kaum möglich er­scheint (vgl. Jungová 2006: 20). Im Allgemeinen wird von einem „relativ eigen­ständigen“, für den Journalismus konstitutiven Sprachstil ausgegangen, der sich im Bezug auf spezifische Publikationen weiter differenzieren lässt (vgl. ebd.: 21). Somit besitzt die Sprache der Presse einige Merkmale und Charakteristiken, an­hand derer sich ihre Besonderheit beschreiben lässt. Dies ist für die vorliegende Untersuchung insofern relevant, als dass durch bestimmte Struktur-, Sprach- und Wortverwendungen auch innerhalb der informationsbetonten Textsorten „impli­zite Wertungen“ zu einem Sachverhalt vermittelt werden können (vgl. ebd.). Es ist daher sinnvoll, einige der Mittel im ,,spezifische[n] Sprachgebrauch“ der Presse zu betrachten und einzuordnen.

Eine erste Unterscheidung ist zwischen syntaktischen und semantisch­lexikalischen Mitteln zu treffen. In syntaktischer Hinsicht gilt beispielsweise die Satzlänge in der Presse generell als verkürzt, im besonderen Maße im Boulevard­journalismus (vgl. Lüger 1995: 23f.). Je heterogener die untersuchten Publikatio­nen indes sind, desto unterschiedlicher kann die Segment- oder Satzlänge aus­fallen, desto mehr oder weniger Informationen können pro Satz vermittelt wer­den.[12] Ähnliches gilt für Überschriften und Schlagzeilen: Diese nutzen zur .Zusam­menfassung' des zugehörigen Artikels vermehrt und fast ohne Ausnahme Strategi­en zur Verkürzung von Text (vgl. Jungová 2006: 22). Im Fließtext selbst ist häufig, bedingt durch die Sprachökonomie und die Länge einer Nachricht, der sogenannte Nominalstil zu finden (vgl. Krüger 2003: 10).

Lexikalisch sind dreierlei Auffälligkeiten zu beobachten. Hierzu zählen die Nutzung „neuer Bezeichnungen“, von Neologismen und (verkürzenden) ,Ad-Hoc'- Wortschöpfungen und -Komposita (vgl. Jungová 2006: 22)[13], die Verwendung „fremdsprachlicher Ausdrücke und Entlehnungen insbesondere aus dem Engli­schen“ (ebd.: 23) und die Korrelation relativer Worthäufigkeiten zu den darge­stellten Themen (vgl. ebd.). So ist aufgrund der Textauswahl auch bei dem hier untersuchten Korpus davon auszugehen, dass sich die relativen Worthäufigkeiten zugunsten des Themas, der Flüchtlingskrise, und den damit verbundenen Schwer­punkten verschieben. „Typisch“ für Publikationen des Boulevard sei zudem, so Jungovä (2006: 28), „ein standardisiertes Vokabular“, bei dem die individuellen Schreibstile verschiedener Autoren in den Hintergrund rücken.

Einen letzten Punkt in der pressespezifischen Sprache bilden Agenturmel­dungen: Viele Publikationen übernehmen Meldungen von Agenturen im Wortlaut oder vermischen die Meldungen verschiedener Agenturen zu einem Text (vgl. Jun­govä 2006: 29). Dies kann einerseits dazu führen, dass der Autor eines Artikels oder respektive dessen Anteil an einem Text nicht klar ersichtlich ist.[14] Anderer­seits kann die Übernahme und Einbeziehung einer Agenturmeldung oder die Ver­bindung mehrerer solcher innerhalb eines Artikels zu einer Verdichtung der prä­sentierten Informationen führen (vgl. ebd.).

4. Grobskizze der „Flüchtlingskrise"

Um nach diesen theoretischen Überlegungen einerseits die gesellschaftliche und politische Bedeutung der „Flüchtlingskrise" sowie ihren Einfluss auf die Bericht­erstattung und die dortige Sprache verstehen und andererseits die im Korpus er­fassten und untersuchten Texte einordnen zu können, ist ein Blick auf zeitlichen Verlauf der Ereignisse in den Jahren 2015 und 2016 hilfreich. Im Folgenden soll daher grob dieser zeitliche Verlauf von Mai 2015 bis März 2016 anhand von ex­emplarischen Ereignissen und Entscheidungen dargestellt werden.

Bereits am 7. Mai 2015 äußerte Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dass für das laufende Jahr rund 450.000 Flüchtlinge in Deutschland erwartet wür­den (vgl. Hildebrandt/Ulrich 2015: Online).[15] Die Ursachen hierfür, die bereits im Vorfeld antizipiert wurden, waren und sind vielfältig und komplex und je nach Herkunftsland voneinander abweichend; darunter und zuallererst der Bürger­krieg in Syrien (vgl. Luft 2016: 27), politische Konflikte und gescheitertes Staa- tentum (z.B. Afghanistan und Irak, vgl. ebd.: 32f.) oder bestehende Armut und feh­lende ökonomische Perspektiven (u.a. Westbalkan, vgl. ebd.: 36f.). Als im Sommer 2015 die Zahl aus Syrien nach Europa flüchtender Menschen „in einem bis dahin unbekannten Ausmaß“ (Busch 2016: 36) anstieg, rückte auch die damit verbun­dene Berichterstattung in den medialen Fokus. Einhergehend damit fanden sich auch die jeweiligen Fluchtrouten, i.e. die „zentrale Mittelmeerroute" vom zentra­len Nordafrika nach Italien sowie die „östliche Mittelmeer- und Westbalkanrou­te" (vgl. Luft 2016: 37). Letztere sollte im Verlauf der Ereignisse eine entschei­dende Rolle spielen, da diese „sehr stark frequentiert wurde“ und (nicht nur) die hierdurch betroffenen Staaten - darunter die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Ungarn - „auf den Zustrom nicht vorbereitet“ waren und entsprechend un­terschiedliche Politiken verfolgten (vgl. ebd.].

So wurde im Juli 2015 zunächst vereinbart, dass „40.000 Flüchtlinge“, die sich zu diesem Zeitpunkt in Griechenland und in Italien befanden, „auf freiwilliger Basis auf die Staaten der [Europäischen] Union verteilt werden sollten“ (Busch 2016: 38]. Im Zuge der am 19. August 2015 kommunizierten Erwartung deut­lich höherer Flüchtlingszahlen als zunächst angenommen (vgl. Hildebrandt 2015: Online; Blume/Brost/Hildebrandt et. al 2016: Online], wird am 25. August durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die vorübergehende Aussetzung des Dublin-Verfahrens für Menschen aus Syrien bekanntgegeben (Hildebrandt & Ul­rich 2015; Reinsch 2015: Online].[16]

Mediale Präsenz erlangte kurz darauf der Fund von 71 in einem LKW erstick­ten Flüchtlingen in Österreich, der auch in den hier untersuchten Publikationen auf breites mediales Interesse stieß (vgl. BILD032, SB034, Süd025].[17] Wenige Ta­ge später, am 31. August 2015, tätigt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hinblick auf die „Krise“ in ihrer Sommerpressekonferenz eine „für das Jahr 2015 prägende“ Äußerung, „Wir schaffen das“ (vgl. Hildebrandt & Ulrich 2015; Reinsch 2015: On­line]. Zu diesem Zeitpunkt bereits werden in Ungarn Vorkehrungen getroffen, eine bis dahin nicht abschätzbare Zahl an Flüchtlingen nach Deutschland „weiterzu­leiten" (vgl. Hildebrandt & Ulrich 2015: Online]; über 100.000 Menschen befin­den sich zu diesem Zeitpunkt „auf der Balkanroute zwischen Griechenland und Ungarn“ (Blume/Brost/Hildebrandt et al. 2016: Online]. Im Zuge dieser Entwick­lungen wird von Seiten der deutschen und der österreichischen Regierung am 4. September 2015 vereinbart, die faktische Aussetzung des Dublin-Verfahrens auf internationale Ebene auszuweiten (vgl. Hildebrandt & Ulrich 2015; Reinsch 2015: Online]. Dies wird am 5. September verkündet sowie international mit der ungarischen Regierung kommuniziert (vgl. Busch 2016: 37; Hildebrandt & Ulrich 2015: Online).[18] Am Wochenende des 5. und 6. Septembers treffen so rund 20.000 Flüchtlinge allein in München ein (vgl. Anlauf/Bielicki/Fuchs et al. 2015: Online); fast 7.000 davon am ersten der beiden Tage (vgl. Blume et al. 2016: Online).[19] Die Bedeutung dieser Tage wird medienübergreifend hervorgehoben (vgl. Reinsch 2015; Blume etal. 2016: Online), der Monatz.T. als (ein) „Höhepunkt“ der „Flücht­lingskrise" verstanden (vgl. Scheer 2016: Online).

Zur Bewältigung der Lage wird am 22. September 2015 auf Vorschlag der EU- Kommission vom 9. September und entgegen der Stimmen aus Ungarn, Tschechi­en, Rumänien und der Slowakei die EU-weite Umverteilung von 120.000 Flüchtlin­gen, die sich in Italien und Griechenland befinden, beschlossen (vgl. Busch 2016: 38; Reinsch 2015: Online). Auch als Reaktion auf die gestiegene Zahl von Migran­ten wird wenige Tage darauf, am 29. September 2015, das sogenannte „Asylpaket I“ im Bundestag verabschiedet; es tritt rund einen Monat später, am 24. Oktober 2015, in Kraft (vgl. Reinsch 2015: Online). Hierin werden u.a. „Albanien, Kosovo und Montenegro zu sicheren Herkunftsstaaten bestimmt“ sowie die finanzielle Entlastung von Ländern und Kommunen durch den Bund geregelt (ebd.; Druck­sache 18/6185, Deutscher Bundestag 2015: 1).

Der Einfluss der „Krise“ auf die Berichterstattung scheint auch im November 2015 nicht gebrochen: Herrmann (2016: 9) erwähnt hier die Süddeutsche Zeitung vom 2. November, die von einer „Herausforderung“ schreibe, „wie sie seit der Wie­dervereinigung nicht mehr dagewesen sei“. In dieser Zeit dominieren, so Herr­mann (2016: 7) weiter, „zwei prominente, einander widersprechende Deutungs­muster die öffentliche Debatte“: die Überforderung des Landes durch die große Zahl von Geflüchteten einerseits, andererseits die Überzeugung, dass diese Situa­tion von der deutschen Politik und Gesellschaft zu bewältigen ist. Am 10. Novem­ber, rund zweieinhalb Monate nach Aussetzung des Dubliner Abkommens, erfolgt schließlich die Ankündigung zu seiner Wiedereinführung auch für Flüchtlinge aus Syrien (vgl. Reinsch 2015: Online), gefolgt von dem entsprechenden Beschluss der Innenministerkonferenz am 3. Dezember 2015 (vgl. Klormann 2015: Online).

Größeres mediales und gesellschaftliches Interesse fanden zu Beginn des Jah­res 2016 die Ereignisse der Silvesternacht in Köln (vgl. Busch 2016: 49).[20] Auf internationaler Ebene ist zu Jahresbeginn die Einführung einer Obergrenze von 38.000 Personen in Österreich für das nun angelaufene Jahr zu nennen (ebd.), ebenso eine von der österreichischen Regierung organisierte Konferenz der West­balkanstaaten unter Ausschluss von Griechenland, dessen politische „Praxis [...], Asylanträge nicht zu prüfen, sondern die Flüchtlinge nur bei der Durchreise nach Norden zu unterstützen, als „Bruch des Dublin-Abkommens“ betrachtet wurde (vgl. ebd.: 50).

Am 25. Februar 2016 finden die abschließende Beratung und Abstimmung zum „Asylpaket II“, mit dem u.a. die künftige, „beschleunigte“ Verfahrensweise bei Asylanträgen geregelt und eine Teilaussetzung des Familiennachzugs beschlossen werden soll, im Bundestag statt (vgl. Bundesregierung 2016: Online). Diese Neu­regelung wird am 17. März 2016 rechtskräftig (ebd.).

Die bereits seit November 2015 bestehenden Gespräche zwischen Europäi­scher Union und der Türkei zur „Bewältigung der Flüchtlingskrise" (vgl. Reinsch 2015: Online) münden am 7. und 8. März 2016 (vgl. Busch 2016: 53) schließlich in einem Abkommen, mit dem sich die Türkei zur „Rückführung aller neuen irregu­lären Migranten und Asylbewerber, die über die Ägäis von der Türkei nach Grie­chenland einreisen“ verpflichtet (Europäische Kommission 2016: 11). Das „EU- Türkei-Abkommen“ wird am 16. März 2016 kommuniziert und tritt am 18. März in Kraft (vgl. Busch 2016: 53). Die Westbalkanroute ist damit de facto nicht länger zugänglich (vgl. Peerenboom 2016: Online). Damit einhergehend wird in Europa ein Rückgang der Flüchtlingszahlen erwartet.

5. Korpus

Wie sich leicht vorstellen lässt, riefen all diese und weitere Ereignisse große me­diale Resonanz hervor und erschufen so einen nahezu undurchdringbaren Wust an Meldungen, Nachrichten und Berichten. Im Zuge der Erstellung eines Korpus zur Beantwortung der Frage, welche sprachlichen Ausdrucksweisen im Hinblick auf die „Flüchtlingskrise" in der Presse Verwendung fanden und finden, scheint eine Eingrenzung des Umfangs unabdingbar. Im folgenden Kapitel soll diese Ein­grenzung spezifiziert, das Korpus und dessen Annotation erörtert sowie Ein­schränkungen bei der Erfassung aufgezeigt werden.

Zu Beginn der Erstellung erfolgte zunächst die Auswahl der zu untersuchen­den Publikationen. Hierbei sollte ein möglichst breites journalistisches Spektrum abgedeckt werden, nicht zuletzt, um Unterschiede in der Berichterstattung um­fänglicher erfassen zu können. Die Wahl fiel daher auf zwei im Sinne Jungoväs (vgl. 2006: 27) überregionale Tageszeitungen, Süddeutsche Zeitung und BILD, ergänzt durch eine regionale Tageszeitung, die Saarbrücker Zeitung.

Die Süddeutsche Zeitung präsentiert als „größte deutsche überregionale Abonnement-Zeitung“ (Jungovä 2006: 82) umfangreiche Berichterstattung zu na­tionalen und internationalen Themen. Sie wird von Berry et al. (vgl. 2015: 24) als „centre-left“ bezeichnet, also dem politisch gemäßigt linken Spektrum zugeord­net, und wird im Süddeutschen Verlag in München verlegt (vgl. Jungovä 2006: 82). Die BILD, nach Eigenangabe (vgl. Axel Springer SE 2017: Online) „Europas größ­te“ und nach Berry (vgl. 2015: 106) Deutschlands meistgelesene Tageszeitung, ist in ihrem Umfang deutlich begrenzter und wird oft dem sogenannten „Boulevard“ zugeordnet (vgl. Jungovä 2006: 27). Veröffentlicht im Axel-Springer-Verlag wird sie von Berry (vgl. 2015: 24) dem populistisch rechten Spektrum zugeordnet. Die Saarbrücker Zeitung, nach Eigenangabe „führende Tageszeitung im Saarland“ (vgl. Saarbrücker Zeitung 2017: Online), behandelt neben regionalen und lokalen The­men ebenfalls bundespolitische und internationale Inhalte und wird von der Saar­brücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH veröffentlicht. Während die Saarbrü­cker Zeitung sonntags nicht erscheint, veröffentlichen sowohl BILD (mit Bild am Sonntag) als auch Süddeutsche Zeitung [Süddeutsche Zeitung am Wochenende] je­weils eine Wochenend- bzw. Sonntagsausgabe. Diese Publikationen wurden eben­falls in das Korpus mitaufgenommen. Um den Umfang nicht zu verfälschen, wurde das Korpus um die jeweils vorherige oder darauffolgende Ausgabe der Saarbrü­cker Zeitung ergänzt. Süddeutsche Zeitung und BILD lagen bei der Erfassung je­weils in ihrer vollständigen Digitalausgabe vor; Artikel der Gesamtausgaben der Saarbrücker Zeitung wurden über die Datenbank von https://wiso-net.de er­fasst.[21]

5.1 Auswahl der Inhalte

Um einen möglichst breit gefächerten Überblick über die Sprachverwendung im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise" zu erreichen, wurden zunächst mit Blick auf die Chronologie fünf Ereignisse nach zwei Vorkriterien ausgewählt (vgl. Lemnitzer/Zinsmeister 2006: 53). Einerseits sollte von dem Ereignis ein größeres Presse-Echo zu erwarten sein, andererseits sollten die Ereignisse nicht unmittel­bar aufeinander folgen oder rezipiert werden. Dieser Ansatz besitzt insbesondere zwei Vorteile: Zum einen vergrößert eine umfangreichere Berichterstattung die zu untersuchende Menge an Texten und begegnet so einer etwaigen Verzerrung durch Einzelartikel. Zum anderen lassen sich durch einen zeitlichen Abstand der Ereignisse die Entwicklungen und Veränderungen im Laufe der untersuchten Zeit­periode erfassen. Folgende Daten und Ereignisse fanden daher Eingang in diese Untersuchung:

- 25. August 2015: Ankündigung zur Aussetzung des Dublin-Verfahrens
- 5. September 2015: De facto „Grenzöffnung" Deutschlands
- 10. November 2015: Wiedereinführung des Dublin-Verfahrens
- 25. Februar 2016: Beratung und Abstimmung zum „Asylpaket II“
- 16. März 2016: Verkündigung des EU-Türkei-Abkommens

Um den Überblick über die Einzelereignisse hinaus auszuweiten, wurden in einem begrenzten Zeitraum um jedes Datum von jeder der Publikationen jeweils fünf Ausgaben betrachtet. Hierbei wurde sowohl berücksichtigt, dass eine potenti­elle Berichterstattung erst am darauffolgenden Tag in den Printmedien in Erschei­nungtritt. Im Einzelnen wurden daher für Süddeutsche Zeitung und BILD folgende Daten erfasst:

- 23., 25., 26., 27. und 29. August 2015
- 3., 5., 6., 7. und 9. September 2015
- 8., 10., 11., 12., und 14. November 2015
- 23., 25., 26., 27. und 29. Februar 2016
- 16., 18., 19., 20. und 22 März 2016

Mit Blick darauf, dass eine Publikation, die Saarbrücker Zeitung, keine Sonntags- oder Wochenendausgabe veröffentlicht, wurden für diese die Ausgaben vom 23. August, vom 6. September, vom 8. November (je 2015) und vom 20. März 2016 durch Ausgaben vom 22. August, 8. September, 7. November und 21. März ergänzt. Erfasst wurde somit die Berichterstattung zu einem Ereignis einen Tag nach dessen eigentlichem Geschehen sowie jeweils ein und drei Tage davor und danach. Veränderungen im Laufe der Zeit lassen sich so über alle untersuchten Daten im Einzelnen als auch im Verlauf über mehrere Monate betrachten.

Eine letztliche Einschränkung findet sich in der Auswahl der erfassten Texte und Textsorten. Untersucht wurden für die Süddeutsche Zeitung so die Titelseite (ohne das meinungsbetonte „Streiflicht“), das Thema des Tages, die Seite Drei und das Ressort „Politik“, für die BILD die Titelseite und das Ressort „Politik und Ge­sellschaft“ sowie für die Saarbrücker Zeitung die Titelseite und die Ressorts „Poli­tik“ und „Regionales“. Meinungsbetonte Textsorten, darunter das „Feuilleton“ oder die „Meinungsseite" der Süddeutschen Zeitung, wurden nicht erfasst, wie auch das Ressort „Wirtschaft“ der Saarbrücker Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Zwar finden sich auch in letzterem Beiträge, welche die „Flüchtlingskrise" berühren, doch stets mit einem Schwerpunkt auf ökonomische Sachverhalte. Gleichfalls wur­de die Textsorte „Interview“ aufgrund der oft unklaren Trennbarkeit von Meinung und Information nicht in das Korpus aufgenommen.

Der Inhalt des Korpus ist daher begrenzt auf Meldungen, Nachrichten, Berich­te sowie wenige Reportagen und Ratgeber zum Thema der „Flüchtlingskrise" und ihrer mittel- und unmittelbaren Einflüsse im Bezug auf Deutschland und Euro­pa.[22] Nicht enthalten sind darin Artikel über Fluchtursachen - so der Fokus nicht auf der eigentlichen Flucht oder Migration liegt -, die außenpolitische Konflikt­oder Kriegsberichterstattung oder Länderportraits.[23] Letztlich ebenfalls ausge­nommen wurden Artikel, die sich primär mit Straftaten von oder gegen Flüchtlin­ge beschäftigen.[24]

Obwohl diese Einschränkungen umfangreich erscheinen mögen, bietet sich insgesamt ein umfassendes Bild über das Ausmaß der „Krise“ und ihrer Rezep­tion in den untersuchten Medien. In das Korpus wurden so 118 Artikel der BILD, 166 der Saarbrücker Zeitung sowie 144 der Süddeutschen Zeitung aufgenommen, insgesamt also 428 Beiträge über einen Gesamtumfang von 3x25 Tages- oder Wo­chenendausgaben mit den jeweils genannten Ressorts. Diese wurden nach primär orthographischer Satzdefinition (vgl. Lemnitzer & Zinsmeister 2006: 64) in insge­samt 11.056 Sätze eingeteilt, die als Einzelsegmente in das Korpus aufgenommen und annotiert wurden.[25] Diese Segmente bilden den Primärdatensatz des Korpus (vgl. ebd.: 44).

5.2 Annotation

Neben diesen Primärdaten wurden im Korpus den Texten zugehörige Metadaten erfasst sowie eine zweckdienliche, in erster Linie lexikalisch-semantische Anno­tation erstellt.[26] Die Metadaten gereichen im Sinne von Lemnitzer & Zinsmeister (vgl. 2006: 47) den Zwecken der Textidentifikation und der möglichst vollständi­gen Erfassung der ,Originalquelle' und ihres Publikationskontextes:

- Jedem Artikel wurde eine fortlaufende ID zugeordnet, mit der sowohl Pu­blikation als auch Artikelnummer erfasst sind, beispielsweise Südl05 [Süd­deutsche Zeitung, Artikel 105) oder SB099 [SaarbrückerZeitung, Artikel 99). Referenzen auf Einzelsegmente folgen dem Muster BILD081:265, entspre­chend der 265. Zeile im Excel-Sheet des 81. Artikels der BILD: „Daud ist Flüchtling.“
- Datum und Seite geben den Erscheinungstag der Publikation sowie die Sei­te, auf welcher der Artikel veröffentlicht wurde, an. Für die Saarbrücker Zei­tung wurde die Seitennummer durch die Dokumentnummer, abrufbar via https://wiso-net.de, ersetzt.
- Ebenfalls wurden Autor(en) und Agentur(en) der Texte, so ermittelbar, erfasst. Gleiches gilt für die Anzahl der zugehörigen Bilder, zu welchen die jeweiligen Bildunterschriften aufgenommen wurde.[27]
- Der Titel eines jeden Artikels wurde gesondert erfasst, die jeweiligen Teil­texte der Segmente - Zwischentitel, Teaser, Fließtext - als Cat hervorgeho­ben. Zudem wurde, insofern ein Artikel, wie bei Nachrichten beispielsweise üblich, mit der Nennung eines Ortes beginnt, diese Ortsangabe als Anmer­kung herausgestellt. Es wurde zudem markiert, ob es sich bei einem Seg­ment um ein Zitat handelt oder es zitierte Stellen enthält.[28]

Die eigentliche Annotation der Primärdaten beschränkt sich in erster Linie auf für die vorliegende Untersuchung relevante Aspekte der semantischen Annotati­onsebene (vgl. Lemnitzer & Zinsmeister 2006: 64). Sie lässt sich in drei Teilberei­che gliedern: „Gruppenbezeichnung", „Situation“ und „Eigenschaften“.

Zur Untersuchung der Gruppenbezeichnung, i.e. wie auf die Gruppe der Flüchtlinge referenziert wurde, wurden zunächst alle Bezeichnungen für diese er­fasst (beispielsweise „Flüchtlinge“, „Migranten“, „Schutzsuchende" etc.). In einem zweiten Schritt wurden diese mit adjektivisch zugeschriebenen Eigenschaften, prädikativ und attributiv, verbunden.[29] Durch die Art der Annotation wird ferner ersichtlich, ob die Eigenschaft negiert wird (z.B. „-krankenversichert" für „nicht krankenversichert", SB020:380) oder nicht („+syrisch“, ,,+jung“, etc.).

Ebenfalls erfasst wurde die jeweils genannte Gruppengröße, die Anzahl der beschriebenen Individuen. Ist die Gruppenbezeichnung Teil eines Kompositums, so wurden diese Komposita, ebenfalls samt zugehöriger Eigenschaften, verzeich­net. Die Kombination von Eigenschaft und Gruppenbezeichnung wurde jeweils in einer .normalisierten' Nominalphrase (als unbestimmte NP im Nominativ) no­tiert. Als letzter Aspekt wurde markiert, ob es sich bei der vorliegenden Grup­penbezeichnung um einen kollektiven Singular handelt. Ein ähnliches Verfahren wurde hinsichtlich der Benennung der „Situation“ in der Berichterstattung ange­wandt; auch hier wurden zunächst die jeweiligen Bezeichnungen und die zuge­schriebenen Eigenschaften erfasst und in einer Nominalphrase .normalisiert'.

5.3 Erfasste Eigenschaften

Zur Erfassung der jeweils zugeschriebenen Eigenschaften erscheint ein Blick auf attributive und prädikative Adjektive offensichtlich. Um allerdings eine Ver­gleichsgröße, die .Gesamtzahl aller Eigenschaften', zu schaffen, sollten alle im Kor­pus vorhandenen Eigenschaften, ob sie nun einer Gruppe zugeschrieben wurden oder nicht, ermittelt werden. Um also auf diese Metrik einzugehen, war es zu­nächst notwendig, die (Wort-)Arten, mit welchen Eigenschaften Ausdruck verlie­hen werden kann, zu betrachten, zuvorderst die Wortart der Adjektive.

Grundsätzlich wird dabei das sowohl semantische als auch syntaktische Teil­feld der ,Wortartproblematik' betreten. Wie beispielsweise Telschow (vgl. 2014: 2), Rauh (vgl. 2000: 488), Hennig (vgl. 2006: 426) oder Knobloch/Schäder (vgl. 2000: 678) argumentieren, sind Wortartzuordnungen weder eindeutig noch stets unumstritten. Dies führt so weit, dass Telschow (vgl. 2014: 1) in der Einleitung ihrer Untersuchung zu Adjektiven und Adverbien die Zuordnung von klassisch­adjektivischen „Wörtern wie schnell und schön“ zur Wortart der Adjektive in Fra­ge stellen kann. Insbesondere zur Unterscheidung von Adverbien und Adjektiven existierten so zahlreiche divergierende Ansichten (vgl. ebd.: 2), welche sich auf Wortartklassifikationen im Allgemeinen ausweiten lassen (vgl. Knobloch & Schä- der 2000: 675; Hennig 2006: 426). Selbst die Kriterien, nach denen Wortarten klassifiziert werden können, und ihr Verhältnis untereinander sind bis dato Ge­genstand linguistischer Forschung (vgl. Hennig 2006: 429). Es ist so wenig ver­wunderlich, dass die .klassische' Unterteilung (nach Nomina und Pronomina, Arti­kel, Verb, Adverb, Adjektiv etc.) in vielen Bereichen nach wie vor Gültigkeit besitzt (vgl. Rauh 2000: 488; Knobloch & Schäder 2000: 674).

In ihrer Analyse unterbreitet Telschow (vgl. 2014: 175), im Hinblick zur Ein­ordnung von Adjektiven und Adverbien, den Vorschlag, dass so manch typische Adjektive „in Abhängigkeit von der Verwendung gleichermaßen den lexikalischen Kategorien .Adjektiv’ oder .Adverb’ zuzuordnen [...] und somit auf syntaktischer Ebene zwei verschiedene Lexeme anzusetzen" seien. Weil eine solche „Mehrfach- kategorisierung“ mittels lexikalischer und Wortkategorie für jedes Lexem eine Betrachtung im Detail benötigt, scheint dieser Ansatz zur bloßen Ermittlung ei­ner Vergleichsgröße aufgrund der entstehenden Vielzahl von Zuordnungen wenig praktikabel (vgl. ebd.).[30] So wäre beispielsweise „schnell“ in Segment (BILD006:68) Das muss jetzt schnell angegangen werden.

als Adverb mit Bezug auf „angehen“ zu klassifizieren, während es in (BILD034:604) Kanzlerin Merkel gegen schnellen EU-Sondergipfel

als attributive Eigenschaft des „Sondergipfels" den Adjektiven zugeordnet würde. Ähnliche Problemfälle finden sich im Bezug auf Partizipialformen (I und II) von Verben oder Zustandspassiva, mit denen ebenfalls bestimmten Eigenschaften, ob einer Gruppe zugeschrieben oder nicht, Ausdruck verliehen wird:

(SB116:53) Zwei in Homburg lebende Flüchtlinge haben an einem Skikurs in den Alpen teilgenommen.

(Südl09:877) Und was das Schicksal geretteter Flüchtlinge betrifft:

(SB125:227) Tag für Tag kommen Fähren an, die mit Tausenden neuer Flüchtlinge überladen sind.

Statt also einer im Einzelnen zu prüfenden Mehrfachzuordnung von Wörtern zu bestimmten Wortarten bietet sich auch hier ein prototypisches Verständnis an: Wörter gehören mehr oder weniger einer Kategorie zu oder sind prototypische Vertreter dieser (vgl. Rauh 2000: 488). Gleichermaßen wird damit dem prakti­schen und pragmatistischen Erfassen einer Bezugsgröße Rechnung getragen (vgl. ebd.: 486). Es sei zudem im Sinne Rauhs (vgl. 2000: 487) angemerkt, dass bis­lang kein Vorschlag zur Wortartklassifikation eine ausnahmslose und eindeutige Zuordnung ermöglicht; Streitfälle blieben selbst im Ansatz der Mehrfachkategori- sierung von Telschow (vgl. 2014: 90) bestehen.

Hinsichtlich des genannten Erfassens einer Vergleichsgröße bedeutet dies, dass einige Wörter, die klassischerweise nicht (ausschließlich) den attributi­ven, prädikativen oder adverbialen Adjektiven zugeordnet werden, dennoch in die Größe aufgenommen wurden, so sie in attributiver Verwendung ste­hen oder ein Verb oder Adjektiv modifizieren. Im Einzelnen betrifft dies bei­spielsweise „genau“ (vgl. z.B. SB041:100 oder SB108:604), „lang“ (u.a. SB039:34, BILD053:449), „künftig“ (u.a. BILD047:212, Süd030:1373) oder „gerade“ (u.a. Süd054:970, SB042:102).[31]

[...]


[1] Spieß (vgl. 2016: 58] referiert hierbei u.a. auf Böke/Jung/Niehr [2000] und deren umfangreiche historische Forschung zu Migrationsdiskursen des angegebenen Zeitraumes.

[2] Zur ,,formaltheoretisch[en] und konkret-materiell[en]" Unterscheidung von öffentlichen und in- stitutionalisierteren Diskursen merkt Struß (2009:84] an, dass eine solche „in diskursanalytischen Ansätzen linguistischer Prägung nicht hinreichend reflektiert" werde und Korpora mit „zumeist [...] schwer nachvollziehbare^] Selektionskriterien gebildet" würden. Auch dieser Kritik soll mit der Erörterung zur Zusammensetzung des hier untersuchten Korpus in Kapitel 5 Rechnung getra­gen werden.

[3] Die hier getroffene Wahl hinsichtlich der Printpublikationen geschah unabhängig von Berry [2015]. Näheres hierzu in Kapitel 3.

[4] Selbstverständlich sind weitere Textdefinitionen und Schwerpunkte in diesen denkbar. Gansei & Jürgen [2009: 59] erwähnen beispielsweise die Möglichkeit des Hervorhebens des situativen Kon- texts, mit welchem gesprochene Sprache tiefergehend in das Verständnis von „Text" eingegliedert werden kann. Es sei letztlich allerdings in den Worten Jungoväs [vgl. 2006: 9] darauf verwiesen, dass sich bislang keine stets gültige, „allgemein akzeptierte" Textdefinition durchsetzen konnte.

[5] Jungová [2006: 35] zitiert zur Differenzierung Lüger [1995: 67] und merkt an, dass in der gene­rellen Textsortenanalyse „klare [und] eindeutige Zuordnungen bekanntlich nicht immer möglich" seien und die Auffassung, ob ein Text als informierend oder als bewertend verstanden" werde, letztlich von mehreren Faktoren, darunter „Textzusammenhang und [...] Wissensvoraussetzungen des Empfängers", abhängig sei. Lüger [vgl. 1995: 67] spricht sich daher dafür aus, diese spezielle Unterteilung lediglich im Hinblick auf Pressetexte vorzunehmen und nicht für eine umfassende, allgemeingültige Textsortenklassifikation.

[6] Siehe Kapitel 5.1.

[7] Zu den meinungsbetonten Textsorten, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll, zählen beispielsweise der Kommentar oder der Leitartikel, auch als „Kommentarartikel" bezeichnet [vgl. Jungová 2006: 68]. In diesen Texten steht nicht die Vermittlung von Informatio­nen im Vordergrund, sondern die Meinung eines Autoren oder einer an einem Ereignis beteiligten Person. Es finden sich daher vielfach stilistische und strukturelle Unterschiede im Hinblick auf informationsbetonte Textsorten [vgl. ebd.: 63].

[8] Der Lead-Stil zeichnet sich durch die Verwendung einer Überschrift, oft eines Untertitels, einer Einleitung [Lead] und dem eigentlichen Fließtextaus [vgl. Jungová 2006: 53].

[9] Es sei zudem die Unterscheidung zwischen sogenannten „harten" und „weichen" Nachrichten er­wähnt [vgl. Jungovä 2006: 51; Krüger 2003: 8]. Harte Nachrichten informieren häufig bereits im ersten Satz über alle relevanten Tatsachen eines Ereignisses, darunter das Ereignis selbst, beteilig­te Personen, Zeitpunkt und Ort [vgl. Jungovä 2006: 51]. Thematisch befassen sich harte Nachrich­ten meist mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur [vgl. ebd.]. Im Unterschied dazu widmen sich leichte Nachrichten häufig „Unglücksfällen [...] und Angelegenheiten der Intimsphäre, [dem] Sport oder menschlich rührenden [...] Ereignissen", sind dabei „nicht immer sachlich formuliert" [ebd: 52] und in ihrem Aufbau weniger strikt [vgl. Krüger 2003: 13]. Während bei harten Nach­richten die Wichtigkeit eines Ereignisses im Fokus steht, zielen weiche Nachrichten in erster Linie auf das „Publikumsinteresse" [vgl. ebd.: 8]. In diesem Sinne widmet sich die hier vorliegende Un­tersuchung in erster Linie „harten" Nachrichten mit Bezug auf die „Flüchtlingskrise".

[10] Zur Verwendung des generischen Maskulinums siehe Anhang A.8.

[11] Unterkategorien sind beispielsweise das Themenfeature, das Nachrichtenfeature oder das Por- traitfeature [vgl. Jungová 2006: 76].

[12] Diese Unterschiedlichkeit wird im untersuchten Korpus besonders im Vergleich von Süddeut­scher Zeitung und Bild klar; vgl. Kapitel 6.4.

[13] Mit solchen ,Ad-Hoc'-Komposita können eher komplexe Sachverhalte in einem Nominalkom­positum zusammengefasst werden. Jungová [2006: 23] nennt beispielsweise als Bezeichnung für eine Person, die einen Infarkt erlitten hat, die Neubildung „Infarkt-Patient" oder für einen Mann, der [ehemalig] im nicht-militärischen Ersatzdienst tätig war, den „Ersatzdienst-Mann". Unzählige weiterer solcher und ähnlicher Bildungen sind üblich.

[14] Im vorliegenden Korpus trifft dies v.a. auf BILD und Saarbrücker Zeitung zu; vgl. Kapitel 6.5

[15] Diese frühe Einschätzung nähert sich, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2016: 7] später bestätigt, der tatsächlichen Zahl von Erstanträgen auf Asyl in Deutschland, 476.649, an. Dies entspricht etwa einem Drittel aller in der EU gestellten Asylanträge im Jahr 2015 (vgl. Busch 2016: 9].

[16] Zur Erklärung: Mitgliedsstaaten der EU sowie assoziierte Staaten verpflichten sich, die nur ein­mal zu erfolgende Erstprüfung auf Asyl zu übernehmen, so eine asylsuchende Person das Land, das sich innerhalb des Abkommens befindet, zuerst betritt. Die Rechtsgrundlage des „Zustän­digkeitsbestimmungsverfahrens" bildet seit 2013/14 die sogenannte Dublin-III-Verordnung JEU] 604/2013 (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016: 23].

[17] Vergleiche zur Annotation und Identifikation der Texte auch Kapitel 5.2.

[18] „Durch die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 5. September 2015, die Gren­zen Deutschlands für die Flüchtlinge aus Ungarn zu öffnen, ist das Dublin-Verfahren in weiten Tei­len faktisch ausgesetzt. [...] Eine Einwanderungskontrolle findet nicht mehr statt, einzelne Staaten [...] sind erheblichen Flüchtlingszugängen ausgesetzt." (Luft 2016: 69]

[19] Die dem Ereignis zugehörige Schlagzeile der BILD am Sonntag - „Sie dürfen zu uns - Merkel beendet die Schande von Budapest" [BILD051.335] - wird auch von Blume et al. (2016: Online] rezipiert.

[20] Da in der vorliegenden Thesis die Berichterstattung zu Straftaten von und gegen Flüchtlinge keine Berücksichtigung findet, wird an dieser Stelle auf nähere Erläuterungen zu den Ereignissen verzichtet.

[21] Der Zugriff auf digitalisierte Ausgaben bestand leider nicht; etwaige, daraus resultierende Ein­schränkungen werden an den betreffenden Stellen erörtert.

[22] Vergleiche Anhang A.l, „Erfasste Textsorten".

[23] Eine Erweiterung der Untersuchungum diese Themenfelder scheint zudem für die Betrachtung der Berichterstattung über Gruppen- und Personenbezeichnungen Geflüchteter eher ungeeignet.

[24] Die große Zahl solcher Straftaten und die daraus resultierende, z.T. extensive Berichterstattung sind im Zuge dieser Thesis kaum zu erfassen und darüber hinaus geeignet, durch Zitate und Mei­nungen von Beteiligten die eigentliche Betrachtung der informierenden Presseberichterstattung zu beeinträchtigen. Eine umfassende diskursanalytische Untersuchung zur Darstellung von Ge­flüchteten in der Presse müsste sich indes auch diesem Bereich der Berichterstattung widmen.

[25] 2.109 Segmente entfallen auf die BILD, 3.472 Segmente auf die Saarbrücker Zeitung und 5.475 Segmente auf die Süddeutschen Zeitung.

[26] Das Korpus liegt dieser Thesis im Excel-Format .xlsx bei.

[27] Im Hinblick auf die Saarbrücker Zeitung, deren Texte nur in ,Rohform' Vorlagen, wurde die Min­destzahl an Bildern, ermittelt durch die Zahl der Bildunterschriften, angegeben. Die Zahl der Bilder ohne begleitenden Text konnte für die Saarbrücker Zeitung so nicht erfasst werden.

[28] Eine Unterscheidung zwischen Voll- und Teilzitat wurde nicht getroffen. Maßstab für die Ein­ordnung als Zitat waren einerseits die typographische Verwendung von Anführungszeichen [vgl. z.B. SB078:885 oder BILD062:573], andererseits die Verwendung des Konjunktivs in der Wieder­gabe der Rede [Süd075:697, BILD079:241], spezielle lexikalisch-semantische Marker, darunter ,,sagt[e]" [Süd025:900] oder „so" [SB117:71], sowie Kombinationen dieser Merkmale.

[29] Hiervon ausgenommen waren diejenigen Gruppenbezeichnungen und Eigenschaften, die Teil eines Eigennamens bilden, beispielsweise beim „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" [vgl. bspw. Süd070:554 oder SB160:257], Diese Ausnahmen sind im Unterpunkt „Weiteres" im Korpus vermerkt.

[30] Unterschiedliche „Lesarten" und Bedeutungsvariationen von Adjektiven wurden beispielsweise schon von Hundsnurscher/Splett [vgl. 1982: 34] untersucht und umfangreich kategorisiert [vgl. ebd: 36].

[31] Eine semantische Unterscheidung wurde bei „endlich" und „natürlich" getroffen, die beide in attributiver Verwendung nicht im Korpus nachgewiesen werden konnten. Ebenso wurde zwischen „recht" und „rechte" unterschieden [vgl. z.B. SB120:94, SB078:897 und BILD052:406],

Details

Seiten
131
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668518827
ISBN (Buch)
9783668518834
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372359
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – 4.1. Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
BILD Süddeutsche Zeitung Saarbrücker Zeitung Flüchtlingskrise Flüchtlinge Geflüchtete Adjektive Eigenschaften Presse Deutschland 2015 2016 Journalismus

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Titel: Sprachliche Ausdrucksformen in der Berichterstattung zur „Flüchtlingskrise“