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Politische Kultur und politischer Klub in der Französischen Revolution bis 1793

Seminararbeit 2015 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Politische Kultur im revolutionären Frankreich
2.1. Die Explosion der Medienlandschaft
2.2. Revolutionäre Kulte und Symbolik

3. Der politische Klub - Die Jakobiner
3.1. Konstituierung und Ausbreitung
3.2. Radikale Bestrebungen und Spaltung
3.3. Debatten um König und Krieg
3.4. Republik und Diktatur

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die Französische Revolution von 1789 stellt wohl die bedeutendste Wegmarke in der Entwicklung Frankreichs und in der Folge des europäischen Kontinents in die Moderne dar. Viele Errungenschaften prägen bis heute die gesellschaftliche Grundordnung in den demokratischen Staaten Europas. Die Umbrüche dieser Zeit spielten sich auf vielen Ebenen ab. Eine gewichtige Veränderung stellte sich mit der Erweiterung der zum Teil auch erst neu entstehenden politischen Öffentlichkeit und damit einhergehend auch mit einer neuartigen politischen Kultur ein. Was waren die Merkmale und die Träger dieser Öffentlichkeit und wie äußerte sich dies im politischen Geschehen?

Ein besonderer Gradmesser für die Veränderungen in der politischen Kultur Frankreichs inden ersten Jahren nach 1789 findet sich in den politischen Klubs. Insbesondere gilt dies fürden sogenannten Jakobinerklub, dessen Anhänger das politische Geschehen Frankreichswesentlich beeinflussten. Es soll nachvollzogen werden, wie der Jakobinische Klub frühzeitigProtagonisten und Profiteure der Revolution stellte, diese Errungenschaften jedoch nichtbewahren konnte und letztlich zum Namensgeber für die Diktatur und den Grand Terreur 1793und 1794 avancierte.

Der Text verwendet neben entsprechender Fachliteratur auch Reden von Jakobinern, die imKlub oder vor der Nationalversammlung. Diese sind ins Deutsche übertragen und wurden ausWofgang Kruses 2005 erschienenem Buch „Die Französische Revolution“ entnommen.

2. Politische Kultur im revolutionären Frankreich

2.1. Die Explosion der Medienlandschaft

Die Veränderung, beziehungsweise das Aufblühen einer politischen Kultur im RevolutionärenFrankreich, äußerte sich in zahlreichen Prozessen. Eine wesentliche Erweiterung stellt ohneZweifel die sich entfaltende Medienlandschaft dar. Die Umstürze von 1789 lösten inFrankreich eine Welle an Publikationen verschiedenster Art aus. In den folgenden zehn Jahrensind bis zu 34.000 Schriften veröffentlicht worden, die neben den schon zuvor verbreitetenInhalten vor allem auch politische Agitation umfassten.1 Dabei unterschieden sich Stil undForm der der Druckwerke zum Teil erheblich. Die Verfasser bedienten sich zum Teilpseudoreligiösen Verklärungen wie etwa in dem jakobinischen „Te deum republicain“ von1793, das der Revolution schon durch die im Titel erkennbare Anlehnung an christliche Texteeinen heiligen, unwiderruflichen Anschein zu geben versucht. Die Autorität der kirchlichenTradition ist so auf die revolutionären Forderungen im Text projiziert worden und sollte inder Bevölkerung einen wertebildenden Nimbus einnehmen. Gleichzeitig fungierten dieseSchriften auch als Identifikationsschrift etwa des Jakobinischen Klubs nach innen. Demgegenüber näherten sich Texte des sogenannte „genre poissard“ („vulgäre Art“) in der Spracheder einfacheren Pariser Bevölkerung der französischen und vor allem hauptstädtischenLeserschaft an, um die eigenen politischen Ziele und Ideale zu verbreiten. 2

Eine neue Qualität und Quantität lässt sich nicht zuletzt in der rapide steigenden Anzahlan ausgegebenen Zeitungen in den Jahren nach 1789 in Frankreich ausmachen. Alleine inParis, welche als Hauptstadt die politischen und sozialen Umwälzungen vorantrieb, wurdenzwischen 1789 und 1792 um die 300 neue Zeitungen verlegt. Die zuvor wenigenentsprechenden Druckerzeugnisse mit unregelmäßiger Veröffentlichung in geringer Anzahlwurden nunmehr abgelöst von wöchentlich oder gar täglich erscheinenden Blättern. DieZugänglichkeit wurde durch den forcierten Verkauf auf der Straße und die deutlichniedrigeren Preise stark erhöht, so dass einige Zeitungen eine Auflage von bis zu 200.000Stück erreichen konnten. Diese stark gewachsene und zunehmend politisierte Leserschaftnutzte die Reichweite der Medien, um öffentlich Debatten zu führen. Zeitungen wie der„Bouche de fer“ wurden so zu Blattformen des Meinungsaustauschs, da Leserbriefe die der Redaktion symbolisch über einen Briefkasten („Eisernen Mund“) zukamen abgedrucktwurden und so den politischen Disput der Leser untereinander förderte. Hinzu kamen bisdahin so nicht verwendete Praktiken, derer sich einige Publikationen bedienten.3 DieVerbindung des genre poissards mit einer ausgeprägten Bebilderung, zum Teil auch mit dennunmehr entstehenden zahlreichen politischen Karikaturen, fand auch in den unterenBevölkerungsschichten großen Absatz. So konnten Nachrichten und politische Botschaftenbuchstäblich auf den Boulevard getragen werden und dort im Zuge der revolutionärenStimmung eigene Dynamiken innerhalb der Allgemeinheit auslösen.4 Oftmals verband sichdieses Vorgehen mit dem Aufstellen von Wandzeitungen oder Plakaten zur politischenMeinungsbildung. Die Presse war zum wichtigen Part politischen Agierens geworden. Eswurden zum Teil innerhalb eines politischen Klubs verschiedene Zeitungen verlegt, die denFlügeln innerhalb der Vereinigung entsprachen.5 Auch nutzten vor allem radikaleRevolutionäre die neue Möglichkeit Massenmedien zur Manipulation der Bevölkerung zunutzen. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von einer vielfältigen und modernenPresselandschaft reden.

2.2. Revolutionäre Kulte und Symbolik

Die Symbolik und Kultur der Französischen Revolution entwickelten sich schon bald nachihrem Ausbruch eine eigene Ikonographie. Diese bediente sich verschiedener Symbole. InAnlehnung an das aufgeklärte Vernunftideal, welches an der Antike orientiert war, warenantike Elemente und Andeutungen ein wesentlicher Bestandteil der Bildsprache und in derFolge auch der Architektur im revolutionären Frankreich. So galt etwa die in der antikenRömischen Republik als Einheitssymbol verwendete Fasces auch im RevolutionärenFrankreich als bildhafte Verkörperung der Einheit der Nation und ist eine in denrevolutionären, propagandistischen Bildern der Zeit häufig angebrachte Metapher.6

Gleichwohl wurden auch christliche und religiöse Kulte und Deutungen auf die Revolutionumgemünzt und die Bevölkerung durch Verbindung der christlichen Riten mit revolutionärenInhalten an die deklarierte neue Zeit herangeführt, um die unumstößliche Wirkung, quasigöttliche Bedeutung der Revolution herauszustellen. Traditionelle und christlich konnotierte Feste wie etwa das Maibaumsetzen nahmen neue Funktionen ein. Als das Pflanzen von Freiheitsbäumen wurde das Ritual in einen revolutionären Kontext gestellt, mit der Folge, dass der Freiheitsbaum zu einem eigenen Symbol der Revolution avancierte.7 Die Anlehnung an christliche Traditionen ist umso verwunderlicher, als das vor allem die zunächst dominierenden Jakobiner scharf gegen die Kirche als eine Garantiemacht des Ancien Régime agitierten und beispielsweise Kirchen in Vernunfttempel umwandeln oder den christlichen Kalender zu Gunsten eines Revolutionskalender aussetzen ließen.

Zusätzlich zur Verwendung antiker oder christlicher Symbolik bildeten sich im Verlauf derRevolution ihr eigene Attribute und Rituale heraus. Herausragend ist in diesem Fall sicher diesogenannte Sanscoulottenmütze. Sie ist in zahlreichen Karikaturen, aber auch in politischenGemälden und schlicht als Kleidungsstück zum Teil bis heute die wesentliche Verkörperungder Revolution ab 1789. Eine ähnliche Bedeutung vor allem zur Durchsetzung undVerankerung der Revolution in der Bevölkerung kam der Nationalgarde zu, die sich ausAnhängern der Revolution und französischen Eingezogenen zusammensetzte.8

Zur Anwendung kamen diese Symboliken und Kulte am eindrucksvollsten in politischenFestakten, in politischen Liedern die zu Hymnen avancierten oder in der Form von neuenHerrschaftsinsignien der Republik wie etwa der Trikolore. Zahlreiche Feste, wie etwa dieFeierlichkeiten zu den Jahrestagen des Sturms auf die Bastille oder die Begräbnisse vonRevolutionshelden wie Mirabeau 1791 und Aufklärern wie Voltaire im selben Jahr, zeigendiese Entwicklung auf. Die republikanischen beziehungsweise demokratischen Kulte undFeste zielten darauf, einerseits die Bevölkerung von der Revolution zu überzeugen und sieauch weiterhin zu stützen, andererseits den Akteuren und Vertretern der neuendemokratischen Organe eine neue nach außen sichtbare Legitimation zukommen zu lassen.Sie ist insofern durchaus vergleichbar mit heutigen staatlichen Ritualen etwa in Wahlkämpfen,Nationalfeiertagen, militärischen Paraden beziehungsweise dem Militär als nationalesIdentifikationsorgan oder der Verwendung staatlicher Symbole zur Einbettung und Akzeptanzdes Staates in der Bevölkerung.9

3. Der politische Klub - Die Jakobiner

3.1. Konstituierung und Ausbreitung

Ein wichtiges Experimentierfeld neuer, demokratischer Kultur stellten die politischen Klubs dar. Die Mitglieder dieser Klubs stellten sich weitgehend unabhängig ihrer sozialen Herkunft einem egalitären Diskurs und entwickelten politische und demokratische Umgangsformen, die im Ancien Régime nicht oder nur im geringen Maße eingeübt werden konnten. Dabei fußten sie jedoch auf Erfahrungen aus alten Verbünden wie den Logen der Freimaurer oder Literaturzirkeln. Auch entstanden schon im Vorfeld der Revolution Diskussionsrunden wie die Anti-Sklaverei-Gesellschaft, deren Mitglied unter anderem der spätere Revolutionsheld Mirabeau war, die sich einem Menschenrechtlichen Diskurs stellten.10

Die politischen Klubs fanden sich zunächst aus Vertretern der Stände in derStändeversammlung zusammen, um in den gegenseitigen Austausch zu treten odermiteinander das gemeinsame Vorgehen in der abzuwägen. Häufig ordneten sich die Klubsnach der jeweiligen regionalen Herkunft der Abgeordneten und waren auch nach den Ständengetrennt, wobei sich die überwiegende Teilnehmerzahl aus dem dritten Stand bildete. Unterdiesen Klubs tat sich, noch während die Versammlung in Versailles tagte, der nach derUrsprungsregion seiner Gründungsmitglieder benannte Bretonische Klub als progressive undpolitisch flexible Organisation vor. Die hier versammelten Abgeordneten konnten durch guteinterne Abstimmung schnell auf tagespolitische Geschehnisse reagieren und so dasAbstimmungsverhalten v.a. des dritten Standes erfolgreicher beeinflussen, als andereInteressensgruppen, etwa den Monarchistischen Kräften. Gebildet hatte sich die Vereinigungzwar aus bretonischen Vertretern des dritten Standes, sie avancierte jedoch schnell zumSammelpunkt der überregionalen, reformorientierten Kräfte des dritten, aber auch des zweitenund ersten Standes.11 Die Beschlussfassung musste einstimmig getroffen werden, was denpolitischen Diskurs intern stark polarisierte und abweichende Positionen tendenziellunterdrücken, aber auch den Beschlüssen nach außen hin mehr Gewicht verleihen konnte.Nach dem Umzug der Generalstände nach Paris fungierte als Versammlungsort des Klubs einJakobinerkloster in Paris, weshalb die Bezeichnung Jakobinerklub zunehmend Verwendungfand, wenngleich sich die Vereinigung nunmehr offiziell als „Gesellschaft der.

[...]


1 Kruse, Wolfgang, Die Französische Revolution, Paderborn 2005, S. 82

2 Reichardt, Rolf, Das Blut der Freiheit. Französische Revolution und demokratische Kultur, Frankfurt am Main 2002, S. 189ff.

3 Kruse 2005, S. 85

4 Reichardt 2002, S. 195f.

5 Kruse 2005, S. 95

6 Reichardt 2002, S. 218f.

7 Reichardt 2002, S. 220ff.

8 Ebd.

9 Reichardt 2002, S. 232ff.

10 Gueniffey, Patrice, Halévi, Ran, Klubs und Volksgesellschaften, in: Furet, Francois (Hrsg.), Kritisches Wörterbuch der französischen Revolution 2, Frankfurt am Main 1996, S. 769ff.

11 Ebd.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668510241
ISBN (Buch)
9783668510258
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372340
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1.7
Schlagworte
politische kultur klub französischen revolution
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Titel: Politische Kultur und politischer Klub in der Französischen Revolution bis 1793