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Polkadots und Petticoats. Burda und das Frauenbild der 50er Jahre

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Entstehung der Modezeitschriften in den 50er Jahren

3. Das Frauenbild in den 50er Jahren

4. Was machte die Burda revolutionär?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Modezeitschriften gibt es schon seit mehr als 200 Jahren. Nimmt man die höfischen Berichterstattungen über die Kleidung mit dazu, dann sind es sogar mehr als 400 Jahre.[1] Mode war schon immer ein Thema in allen Gesellschaftsschichten und auch das Bedürfnis, immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Der Philosoph Georg Simmel, der versucht hat die Mode auf eine ästhetische und soziologische Weise zu verstehen, schrieb:

„Auf diesem Wege zu ihr [Die Mode-Anm.d.Verf.] begleiten Konsumenten geeignete Organe, die solche Öffentlichkeit herstellen. Diese publizistische Funktion erfüllen seit rund 250 Jahren Modejournale bzw. Modezeitschriften“[2] Die Mode wird demnach bevor sie veröffentlicht wird, bekannt gemacht. Die große Modezeitschrift Vogue betitelt mit ihrem Slogan „Before it´s in fashion, it´s in vogue“[3] genau Simmels Aussage.

Neben Wochenblättern, Modejournalen, Frauenzeitschriften und Magazinen aus Frankreich, England oder später auch aus Deutschland, gibt es auch Handarbeitszeitschriften, wie die Burda.

Die Zeitschrift „Burda Moden“ erschien erstmalig 1950 unter der Verlegerin Aenne Burda. Das Blatt zeichnete sich durch eine revolutionäre Idee aus: Kleidung zum Selbermachen. In den Heften befinden sich ausgewählte Kleider der damaligen Zeit und dazu Schnittmuster, damit die Frauen zuhause diese selber und kostengünstig nach nähen konnten. In den 50er Jahren fand die Art der Modezeitschrift großen Anklang und entwickelte sich in den Jahren zu einer Weltmarke in über 120 Ländern. Neben der Zeitschrift, gilt Aenne Burda als Frau in der Nachkriegszeit, als besonders ehrgeizig und stark. Der Kampf um die Gleichberechtigung im Bereich Politik, Ehe und Mode, war ein großes Thema in den 50er Jahren. Ihr Selbstbewusstsein gab sie mit ihrer Zeitschrift an die Frauenwelt weiter.[4]

In meiner Arbeit gehe ich auf die Entstehung der Modezeitschriften und deren Inhalt ein. Als Beispiel zu dem Seminarthema „Polkadots und Petticoats“, betrachte ich die weltweit verkaufte Zeitschrift „Burda Moden“, die sich in den 50er Jahren zu großer Beliebtheit entwickelte. Zudem erörtere ich, aus welchem Grund gerade in den Jahren des Wirtschaftswunders diese neuartige Zeitschrift für große Verkaufszahlen sorgte. Dazu beziehe ich das Frauenbild und deren Stellung in der Gesellschaft mit ein.

2. Entstehung der Modezeitschriften in den 50er Jahren

Bereits im 17. Jahrhundert erschienen Berichterstattungen vom höfischen Leben. Die „Mercure Galant“ aus diesem Jahrhundert gilt eigentlich als Vorläufer der Modezeitschriften. Allerdings beinhalteten Zeitschriften in diesen Jahren eher gesellschaftliche Umgangsformen und Kleiderordnungen. Eine regelmäßige Ausgabe, wie man sie von heute kennt, gab es nicht. Auch fehlte es an Illustrationen, die das Modebild für die damalige analphabetisierte Gesellschaft zugänglich machte. Es wurde von den Autoren zudem vorausgesetzt, dass das Wissen über Mode, Schnittmuster, Material und Farbe bekannt ist. Dies widerspricht sich mit der Theorie von Simmel, dass Kleidung erst bekannt gemacht werden muss, um zur Mode zu werden.[5]

Im 18. Jahrhundert entstanden mehrere Modegalerien, die den Kategorien einer Modezeitschrift eher entsprachen. In der „Gallerie des Modes“ wurden Kupferstiche von 420 Modegravuren veröffentlicht. So konnten sich auch lesefremde Menschen über neue Modeentwicklungen informieren.[6]

Die älteste Modezeitschrift kam 1758 auf den Markt. In Erfurt hat man die „Moden- und Galantierzeitung“ verlegt. Einmal wöchentlich wurde mehr als ein Jahr über Neuigkeiten in der Kleidermode berichtet und mit ein bis zwei Kupferstichen versehen. Daneben gab es zusätzlich Regeln über Sitten und Lebensgewohnheiten in der Gesellschaft.[7] Dies spiegelte eher das Format einer Modezeitschrift wieder, da sich das gesellschaftliche Publikum bildlich und schriftlich über die Mode informieren konnte.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland mehr als 95 Modezeitschriften. Neben rein illustrierten und schriftlichen Heften, erweiterte sich die Konkurrenz damals durch Schnittmuster, Gutscheinen und Prämien. Dies band die Leserschaft stärker an die Auflage und sicherte einen breiten Kundenstamm. Dabei richtete sich der Kundenstamm nicht nur an die allgemeine Hausfrau, die sich die Mode selber schneiderten, sondern Designer bewarben ihre Produkte, um die Käufer direkt auf ihre Angebote zu lenken.[8]

In der Zeit des zweiten Weltkrieges, stellten viele Modejournale ihre Ausgaben ein oder verwandelten ihre Blätter in nationalsozialistische geprägte Idealbilder.

Trotz der erschwerten Umstände nach dem Krieg, brachte die Autorin Ruth Andreas- Friedrich Anfang der 50er Jahre die „Lilith“, eine Zeitschrift für junge Mädchen und Frauen, heraus. Ihre Inhalte beschränkten sich auf Rezepte, Gedichte, Romane, Filmtipps, Rezensionen von Theaterbühnen, Empfehlungen für Schönheitskorrekturen, Umgang mit dem Lebenspartner, Psychologie im Bereich Liebe und teilweise Politik- und Zeitkritik. Mode fand sich nur auf zwei Seiten wieder und dies meist in Form von Schnittmustern der Familie Deutz. Neue Modeinnovationen, wie sie von Dior Anfang der 50er erschaffen wurden, fanden in dem Heft einen eher grotesken Anklang. Es wurde weiterhin auf die Hausfrau als Kundin gesetzt und diese von Neuigkeiten der Modewelt fern gehalten.[9] Eine wirkliche Annäherung an den „New Look“ und die neue Pariser Mode wurde von dem Magazin nicht unterstützt.

Die „Chic“ aus dem Jahr 1947 setzte auf die französische Mode. Im Gegensatz zu ihrer Konkurrenz ging die Zeitschrift weg von dem nationalen Gedanken und der volksdeutschen Mode. Die Stadt Paris erlangte in den Modebranchen ihren Status als Kultur- und Modemetropole zurück. War die Frau in den Kriegsjahren als Hausfrau und Mutter degradiert worden, die sich nicht mit Mode und Schönheit zu beschäftigen hat, so bestärkte die „Chic“ durch ihre Modedrucke sich der Pariser Modewelt anzuschließen. Modische Kleidung trägt das eigene Selbst nach außen und setzt ein Zeichen der eigenen Identität, Zugehörigkeit und Haltung. In der Realität konnten sich die wenigsten Frauen die Modevorbilder leisten. Um sich „chic“ zu kleiden, fehlte es an Geld für kosmetische Produkte und Kleidung. So nahm die Zeitung ebenfalls Schnittmuster in ihr Magazin mit auf. Unter der Rubrik „Wir schlagen vor, Sie arbeiten nach“, suggerierte die Zeitschrift den Leserinnen, dass die angesagte Mode, einfach zuhause an der Nähmaschine nachzuschneidern ist. Auch Alternativen zu der vorherrschenden Materialknappheit veröffentlichte die Zeitschrift. Erweiterungen von vorhandenen Kleidern oder durch Tricks und modischen Einfällen konnte die alte Kleidung dem neuen Look angepasst werden. Durch diese Zeitschrift wurde die vorherrschende und revolutionäre Mode von Dior auch in Deutschland als Standard publiziert. Trotzdem beendete die Zeitschrift ihren Vertrieb nach nur einem Jahr.[10]

[...]


[1] Zika, Anne: Ist alles eitel?, Weimar, 2006, S. 21

[2] Simmel, Georg : Die Mode. In: Ders.:Philosophische Kultur, Leipzig, 1919, S.25-57. In: Zika, Anne: Ist alles eitel?, Weimar, 2006, S. 9

[3] Zika, Anne: Ist alles eitel?, Weimar, 2006, S. 9

[4] Vgl. Hubert Burda Media 2014: http://www.hubert-burda-media.de/unternehmen/historie/aenne-burda, 12.02.2014

[5] Vgl. Zika, Anne: Ist alles eitel?, Weimar, 2006, S. 21f

[6] Ebd. S.23

[7] Ebd. S.65

[8] Ebd. S.175

[9] Ebd. S. 259ff

[10] Ebd. S. 262ff

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668500310
ISBN (Buch)
9783668500327
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372321
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Kulturwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Frauenbild Mode 50er Jahre Medienwissenschaften Burda Zeitschrift Polkadots Petticoat

Autor

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Titel: Polkadots und Petticoats. Burda und das Frauenbild der 50er Jahre