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Arten und Einsatzmöglichkeiten von Derivaten. Risikosteuerung in mittelständischen Unternehmen und Banken

Akademische Arbeit 2014 18 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Betrachtung der herkömmlichen Risikosteuerung durch Risikostrategien und Steuerungsinstrumente
2.1 Risikovorsorge
2.2 Risikovermeidung und -begrenzung
2.3 Risikoverteilung und Risikoverlagerung
2.4 Risikoüberwälzung und Kompensation

3. Derivate als alternative Instrumente der Risikoabsicherung
3.1 Optionen
3.2 Termingeschäfte (Forwards und Futures)
3.3 Swaps

4. Motive für den Einsatz von Derivaten
4.1 Absicherungsgeschäfte (Hedging)
4.2 Spekulation
4.3 Arbitrage

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Bedingte und unbedingte Termingeschäfte

Abbildung 2 Merkmale der Option

Abbildung 3 Zeitlicher Ablauf von Optionsgeschäften

Abbildung 4 Übersicht Optionsgeschäfte

Abbildung 5 Risikoprofil eines Calls (Kaufoption), aufteilt in Long- und Short-Position

Abbildung 6 Risikoprofil eines Puts (Verkaufoption), aufteilt in Long- und Short-Position

Abbildung 7 Merkmale von (unbedingten) Termingeschäften

Abbildung 8 Zeitlicher Ablauf eines Futures

Abbildung 9 Zahlungsströme eines Swaps

Abbildung 10 Grundstruktur eines Währungsswaps

1. Einleitung

Mit jedem Geschäft und jeder Unternehmung, die Banken, Großunternehmen oder auch Mittelständler vornehmen, gehen diese ein Risiko ein. Jedes Risiko gestaltet sich unterschiedlich im Ausmaß, Art und Form. Aus diesem Grund wurden verschiedene Strategien und Steuerungsinstrumente entwickelt um Gefahren abzusichern. Im Verlauf der Arbeit wird die Risikosteuerung in Unternehmen bzw. Banken näher betrachtet und es soll untersucht werden, ob Derivate für Banken bzw. mittelständische Unternehmen eine klare Alternative zu herkömmlichen Risikoabsicherungsstrategien sein können. Dabei werden verschiedene Derivatarten eingehend dargelegt und im Nachgang auf die Einsatzmöglichkeiten von Derivaten eingegangen. Anschließend wird im Fazit Stellung genommen, ob ein Einsatz von Derivaten zur Risikoabsicherung geeignet ist.

2. Betrachtung der herkömmlichen Risikosteuerung durch Risikostrategien und Steuerungsinstrumente

Vor der Analyse, ob Derivate als Instrument der Risikokompensation eine Alternative zu den anderen Risikoabsicherungsstrategien ist, sollen die Risikostrategien und Steuerungsinstrumente näher betrachtet werden. In den folgenden Abschnitten werden folgende Instrumente erläutert: die Risikovorsorge, die Risikovermeidung und -begrenzung, die Risikoverteilung und -verlagerung und im 4. Abschnitt die Risikoüberwälzung und die Kompensation.

2.1 Risikovorsorge

Unter der Risikovorsorge versteht man die Planung zukünftiger Risiken mit Blick auf die heutige und zukünftige notwendige Risikotragfähigkeit. Dabei ist die betriebswirtschaftliche Größe für die Risikotragfähigkeit das Eigenkapital. Wenn das Eigenkapital erhöht wird, ergibt sich daraus eine Erhöhung der Risikotragfähigkeit.[1]

Somit können neue Risiken eingegangen werden oder die bewusst eingegangenen Risiken vorsorglich besser abgedeckt werden. Nicht nur das Eigenkapital, sondern auch Rückstellungen und stille Reserven dienen ebenfalls als Puffer.

Die Risikovorsorge kann durch folgende Vorgänge erhöht werden:

- Eigenkapitalerhöhung
- Einstellung von Gewinnen in Gewinnrücklagen oder sonst. Rücklagen
- Bildung stiller Reserven durch überhöhte Abschreibungen / erhöhten Ansatz von Verbindlichkeiten.

Eine weitere Möglichkeit zur Risikovorsorge ist die Hereinnahme von Sicherheiten, häufig im Zusammenhang mit Lieferantenkrediten wie:

- Sicherungsübereignungen
- Eigentumsvorbehalten
- Bürgschaften.

Die Risikovorsorge ist eng mit der Risikobegrenzung verknüpft. Der Risikopuffer wird durch das Eigenkapital erhöht, dadurch wird der Anteil des gesamten Value at Risk des Unternehmens am Risikopuffer Eigenkapital kleiner.[2] Value at Risk wird definiert als der absolute Wertverlust einer im Unternehmen definierten Risiko-Position, der mit einer zuvor definierten Wahrscheinlichkeit innerhalb eines fest bestimmten Zeitraums nicht überschritten wird.[3] Wenn die Eigenkapitalerhöhung jedoch nicht möglich oder sinnlos ist, so kann der Anteil am Value at Risk am Eigenkapital nur verkleinert werden, wenn der Value at Risk durch Risikovermeidung oder -begrenzung verringert wird.[4]

Im folgenden Abschnitt werden die Risikobegrenzung und -vermeidung genauer betrachtet.

2.2 Risikovermeidung und -begrenzung

Das Ziel ist den Value at Risk des gesamten Unternehmens zu begrenzen oder sogar zu senken. Jede unternehmerische Tätigkeit ist mit einem Risiko behaftet. Somit laufen beide Begriffe auf dasselbe Steuerungsziel hinaus, nämlich der Risikobegrenzung durch Limits.[5]

Limits zur Begrenzung von Risiken gibt es in unterschiedlichen Ausführungen:

- Nominallimits
- Stop-Loss-Limits
- Sensitivitäts-Limits
- Szenario-Limits.[6]

2.3 Risikoverteilung und Risikoverlagerung

Bei der Risikoverteilung geht es um die Ausnutzung von Diversifikationseffekten. Diversifikationseffekte werden erzielt, wenn sich die Risiken von mindestens zwei Vermögenspositionen gegenseitig kompensieren und dadurch das Risiko der zusammengefassten Vermögenspositionen kleiner ist als die Summe der Einzelrisiken. Der Gewinn der zusammengefassten Positionen verringert sich nicht so stark wie sich das aggregierte Risiko vermindert. Damit wird eine Verbesserung der Gewinn-Risiko-Relation erzielt. Die Diversifikation kann auch auf Geschäftsfelder, Produkte und Dienstleistungen angewendet werden.[7]

Bei der Risikoverlagerung besteht die Idee, bestimmte Risiken aus dem Unternehmen heraus in andere unternehmensfremde Bereiche, Organisationen oder Regionen zu verlagern. Ein wesentliches Merkmal ist, dass nicht nur die Verlagerung des Risikos durchgeführt wird, sondern mittels Outsourcing auch das zugehörige Vermögen bzw. die Grundlage der Risikoverursachung und so auch die möglichen damit verbundenen Gewinnmöglichkeiten umgesiedelt werden.[8]

2.4 Risikoüberwälzung und Kompensation

Bei der Risikoüberwälzung bleibt die risikoverursachende Vermögensposition bestehen. Durch den Abschluss eines Vertrags wird ein potentieller zukünftiger Vermögensverlust überwälzt. Für die Überwälzung muss eine Gegenleistung meist in Form einer Prämie gezahlt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit durch die Vermögensposition Gewinne zu erzielen. Ein Beispiel für die Risikoüberwälzung sind Versicherungen.[9]

Bei der Risikokompensation wird gegen die Risiko verursachenden Vermögenspositionen eine zusätzliche Finanzposition gestellt, die mögliche Verluste der ursprünglichen Vermögensposition durch gleichzeitige Gewinne in einer bestimmten Höhe kompensiert. Das sind sogenannte Derivate, was so viel bedeutet wie "von ursprünglichen Basistiteln abgeleitete Finanzinstrumente". Durch den Einsatz von Derivaten wird in der Regel nicht nur das Risiko, sondern auch das Gewinnprofil der abgesicherten Position auf eine bestimmte Art und Weise beeinflusst.[10]

In den folgenden Abschnitten werden die Arten und Einsatzmöglichkeiten der Derivate genauer betrachtet.

3. Derivate als alternative Instrumente der Risikoabsicherung

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die verschiedenen Typen von Derivaten betrachtet und beschrieben. Auf nachfolgende Arten, wie in der Abbildung 1 erkennbar ist, wird dabei eingegangen: Optionen, Futures bzw. Forwards und Swaps.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Bedingte und unbedingte Termingeschäfte

Hierbei sind vorab einige Begrifflichkeiten zu klären.

Der Terminmarkt ist als ein Teilmarkt der Börse, der Markt auf dem Derivate, wie Optionen und Futures, gehandelt werden.[11] Termingeschäfte sind heute abgeschlossene Geschäfte, die zu einem zukünftigen Termin erfüllt werden.[12] Dabei können Termingeschäfte und somit auch die Derivate in zwei Gruppen unterteilt werden.[13] Zum einen gibt es die bedingten Termingeschäfte, bei denen einer Vertragspartei das Wahlrecht eingeräumt wird, zum vereinbarten Erfüllungstermin das Geschäft zu den vereinbarten Konditionen zu erfüllen.[14] Zum anderen gibt es die unbedingten Termingeschäfte. Hierbei sind beide Vertragsparteien verpflichtet zum vereinbarten Termin das Geschäft zu den vereinbarten Konditionen auf jeden Fall, und somit unbedingt, zu erfüllen.[15]

3.1 Optionen

Der Kerngedanke einer Option ist das Auswahlrecht[16]. Eine Option ist somit „ein Vertrag zwischen zwei Parteien, bei denen der Inhaber (= Käufer) einer Option bestimmte Wahlrechte erwirbt, die er immer dann wahrnehmen wird, falls es für ihn vorteilhaft ist“[17]. Dafür muss er seine Option ausüben.[18] Dabei wird dem Optionskäufer (Inhaber der Option) das Recht, nicht die Pflicht, auf die Abnahme oder Lieferung des Basiswertes oder eine Ausgleichszahlung eingeräumt.[19] Optionen können unterschieden werden in börsengehandelten Optionen (gelistete Optionen) oder außerbörslichen Optionen (Over the Counter- oder OTC-Optionen).[20] Börsennotierte Optionen können jederzeit gehandelt werden.[21] Das heißt während der Laufzeit können Käufer und Verkäufer täglich ihre Position glattstellen und müssen nicht notwendigerweise Ihre Optionsposition bis zum Fälligkeitszeitpunkt behalten.[22]

„Die in einer Option beschriebenen Rechte sind nicht kostenlos.“[23] Beim Kauf wird ein sogenannter Optionspreis, oder auch Optionsprämie genannt, vom Käufer an den Verkäufer der Option gezahlt. Dabei wird im Gegenzug der Verkäufer verpflichtet die Rechte des Käufers zu erfüllen. Der Verkäufer wird Stillhalter der Option genannt, da er bis zur Entscheidung des Käufers der Option ausharren muss.[24] Es werden zwei Grundtypen von Rechten unterschieden: Kaufoption und Verkaufsoption.

Bei der Kaufoption, auch Call genannt, wird dem Inhaber das Wahlrecht eingeräumt einen zugrundeliegenden Wert, auch Basiswert, in einer bestimmten Menge (Kontraktgröße), zu oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (Fälligkeit) zu einem bestimmten Preis, auch Basispreis oder Ausübungspreis genannt, kaufen zu dürfen.[25] Analog dazu wird dem Inhaber einer Verkaufsoption, auch Put genannt, das Wahlrecht eingeräumt einen zugrundeliegenden Wert, auch Basiswert, in einer bestimmten Menge (Kontraktgröße), zu oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (Fälligkeit) zu einem bestimmten Preis, auch Basispreis oder Ausübungspreis genannt, verkaufen zu dürfen.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Merkmale der Option[27]

Wie in den Definitionen für Call und Put, siehe dazu auch Abbildung 2 als Übersicht, zu erkennen, hat die Option verschiedene Merkmale, die bei der Betrachtung berücksichtigt werden müssen. Der dabei festgelegte Basiswert ist häufig der Namensgeber der Option. Wenn der Basiswert beispielsweise eine Aktie ist, spricht man von einer Aktienoption. Analog dazu gibt es ebenfalls beispielsweise Währungsoptionen, Goldoptionen, Zinsoptionen, Rohstoffoptionen, die sich auf die entsprechenden Basiswerte Währung, Gold, Zinsen, Rohstoffe beziehen. Die Fälligkeit der Option oder auch festgelegter Zeitpunkt wird Verfalldatum genannt. Als amerikanische Option wird eine Option bezeichnet, die bis zum Verfalldatum jederzeit ausgeübt werden kann. Bei der europäischen Option handelt es sich um eine Option, die nur am Verfalldatum ausgeübt werden kann. Dabei handelt es sich bei „europäisch“ und „amerikanisch“ lediglich um die Ausübungsmodalität und nicht um die Herkunft oder den Handelsort der Option.[28]

In der Abbildung 3 ist der Ablauf eines Optionsgeschäftes übersichtlich zusammengefasst.

Die Zeitspanne verläuft vom Handelstag über die Fälligkeit bzw. den Ausübungstag und schließlich den Liefertag. Am Handelstag ist die Bezahlung der Optionsprämie fällig. In der Zeit zwischen dem Handelstag und der Fälligkeit können die Optionen gehandelt werden und Call oder Put durchgeführt werden. Am Tag der Fälligkeit wird die Option ausgeübt und zuletzt erfolgt am Liefertag die Abnahme bzw. Lieferung des Basiswertes zum Ausübungspreis.

[...]


[1] Vgl. (Wolke, 2008), S. 76

[2] Vgl. (Wolke, 2008), S. 76

[3] Vgl. (Romeike, Köcher, & Hager, 1999 - 2004)

[4] Vgl. (Wolke, 2008), S. 76

[5] Vgl. (Wolke, 2008), S. 77

[6] Eine genauere Betrachtung der unterschiedlichen Ausführungen kann im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt werden.

[7] Vgl. (Wolke, 2008), S.79f

[8] Vgl. ebd, S. 80f.

[9] Vgl. ebd, S. 81

[10] Vgl. ebd, S. 81f.

[11] Vgl. (Studio, 2014)

[12] Vgl. (Bösch, 2011), S. 32

[13] Vgl. ebd, S.32

[14] Vgl. ebd, S.32

[15] Vgl. ebd, S. 32

[16] Vgl. (Bösch, 2011), S. 32

[17] (Bösch, 2011), S. 32

[18] Vgl. ebd, S. 32

[19] Vgl. (Kruse, 2014), S. 182

[20] Vgl. ebd, S. 182

[21] Vgl. (Bösch, 2011), S. 131

[22] Vgl. ebd, S. 131

[23] Vgl. (Bösch, 2011), S. 32

[24] Vgl. ebd, S. 32

[25] Vgl. ebd, S. 32

[26] Vgl. (Bösch, 2011), S. 33

[27] ebd, S. 33

[28] Vgl. ebd, S. 33

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668500594
ISBN (Buch)
9783668500600
Dateigröße
807 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372241
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
arten einsatzmöglichkeiten derivaten risikosteuerung unternehmen banken

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