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Der erste Opiumkrieg. Hintergründe und Ursachen des Konfliktes

Essay 2013 7 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Verlauf

4. Folgen

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Dokumente aus dem Internet

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit wird der erste Opiumkrieg in China in den Jahren 1840 bis 1842 sein. Ein militärischer Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China, der Quing-Dynastie, auf den die Forscher deren Fokus vermehrt nach dem chinesischen Bürgerkrieg im Jahre 1949 verlagert haben. Der Opiumkrieg, wie auch viele andere historische Ereignisse, wurde nicht durch einen einzelnen Faktor ausgelöst, sondern hatte eine tiefe Breite an Ursachen. Somit ist das Anliegen der vorliegenden Arbeit, den historischen Aspekt des Verlaufes des Krieges möglichst vollständig zu erfassen und nachzuvollziehen, wie der Rauschgifthandel zum Krieg führte. Zur Klärung wird als wesentliche Grundlage die Arbeit Englands Opiumkriege in China. Die Darstellungen und Voraussetzungen von Karl Marx über die Kollision des konfuzianischen China mit der okzidentalen Kolonialexpansion von Runhild Böhm herangezogen.

2. Vorgeschichte

Das erste Auftreten europäischer Kaufleute war vor der Küste des Kaiserreichs in China. Die Portugiesen errichteten 1557 in Macao eine Niederlassung und versuchten genauso wie die Holländer ihre Handelsprivilegien in der frühen Qing-Dynastie zu erweitern. China verweigerte dies aufgrund seines sinozentrischen Weltbilds, weshalb seit dem 16. Jahrhundert der Seehandel mit dem Ausland wegen Einschränkungen nur noch über den Hafen von Kanton möglich war, wo im Jahre 1715 eine Handelsniederlassung errichtet wurde. Diesen Einschränkungen, wie etwa administrativen Preisfestsetzungen, waren die Europäer hilflos ausgeliefert. Außerdem lebten die Europäer in einer Art Ghetto und mussten Handelskontakte zwischen China und Europa über die Cohong-Gilde[1] sowie der vom Hof bestellten Handelsbeamten laufen lassen, statt direkt mit den chinesischen Handelshäusern zu kommunizieren. Die begehrten chinesischen Exportartikel, wie Tee, Seide oder Porzellan wurden mit Silber bezahlt, was zu einer enormen Silberverknappung in Europa aufgrund der Devisenabflüsse führte. Dies hatte wiederum fatale Auswirkungen auf die dortige Volkswirtschaft.

Die britische East India Company[2], die am 31. Dezember 1600 gegründet wurde, verstärkte den Export bengalischen Opiums ab dem Jahre 1820 systematisch. Zwischen den Jahren 1821 und 1837 war die umgeschlagene Menge fünf Mal so hoch, was zu enormen Problemen in der chinesischen Verwaltung sowie zu einem Handelsbilanzdefizit auf chinesischer Seite führte. Kaiser Daoguang[3] bemühte sich aus Besorgnis um den Abfluss von Silber ins Ausland jahrelang um eine Eindämmung des Opiumhandels. Dies passierte allerdings nur mit einem mäßigen Erfolg, sodass der britische Opiumhandel ungehindert weiter wuchs und eine systematische Zerrüttung der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft bevorstand.

Lin Zexu wurde von dem Kaiser Daoguang im Jahre 1839 als Sonderbevollmächtigter nach Kanton entsandt, um mit seiner auf einer Mischung aus Aufklärung und Repression aufbauenden Kampagne erfolgreich gegen die chinesischen Konsumenten und Zwischenhändler vorzugehen. Die Kampagne des Lin gegenüber Einheimischen beinhaltete öffentliche Proklamationen zur Aufklärung bezüglich des Opiumkonsums, Konfiszierungen der Opiumpfeifen und des Opiums beim Verbraucher und die Inhaftierung bei Zuwiderhandlungen bezogen auf Verbraucher und der Cohong-Kaufleute. Die Kampagne des Lin gegenüber den Europäern beinhaltete Aufforderungen das gesamte Rohopium abzuliefern, die Verpflichtung keinen weiteren Opiumhandel zu betreiben sowie die Beschränkung auf den legalen Handel mit Tee, Seide und Rhababer. Lin war mit seiner Kampagne erfolgreich, da bis Mitte Juli 1839 über 1.600 Chinesen verhaftet sowie 73.000kg Opium und 70.000 Opiumpfeifen beschlagnahmt wurden. Am 24.März1839 ließ Lin aufgrund eines kaiserlichen Edikts vom 18. März den Handel und Kontakt mit „Ausländern“ gänzlich einstellen. Dies hatte als Folge, dass 350inden Opiumhandel verwickelten Ausländer inklusive des britischen Handelsbeauftragen Charls Elliot in deren Faktoreien inteniert wurden. Dieses Edikt besagte, dass es Ausländern verboten ist in China Opiumhandel zu betreiben und Opium nach China zu importieren. Die herausgegebenen 22.000 Kisten Opium von Charles Elliot wurden vom 3. bis zum 23. Juni 1839 laut Runhild Böhm in der Nähe von Humen verbrannt und ins Meer gespült, um die chinesische Bevölkerung vor weiterer Drogenabhängigkeit zu schützen. In der Literatur finden sich allerdings unterschiedliche Beseitigungsmöglichkeiten des Opiums.

3. Verlauf

Die britischen Händler wurden zwar aus Kanton und Macao vertrieben, jedoch sah das britische Unterhaus von einer förmlichen Kriegserklärung an China ab. Trotzdem wurden Flotten entsandt, um vom Kaiser Daoguang eine Wiedergutmachung einzufordern und als Pfand das chinesische Eigentum zu nehmen.

Am 23. August 1939 wurde Hongkong von Charles Elliot besetzt, wo er einen Stützpunkt auf der Felseninsel errichtet. Betrunkene britische Matrosen ermordeten in diesem Zusammenhang einen Chinesen. Die chinesische Justiz verlangte nach den Tätern, die von Großbritannien jedoch nicht ausgeliefert, sondern in Kanton vor ein britisches Gericht gestellt wurden.

Nach dem Eintreffen der britischen Flotten erfolgten zunächst Bombadierungen der Südküste, dann auch eine Blockade des Perlflussdeltas sowie eine Blockade der Stadt Ningbo und die Besetzung der Insel Zhoushan im Juli 1840. Im Januar 1841 wurde zwischen Charles Elliot und Generalgouverneur von Tianjin Qishan ein Abkommen geschlossen. In diesem Abkommen verpflichteten sich die Chinesen zur Abtretung Hongkongs, zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 6 Mio. Silberdollar sowie zur Gewährung direkter Kontakte der Europäer zur Qing-Regierung[4]. Kaiser Daoguang wie auch der britische Premierminister Palmerston lehnten dieses Abkommen jedoch ab. Dies hatte zur Folge dass Charles Elliot durch Sir Henry Pottinger ersetzt wurde, um den Krieg fortzusetzen, da sich die Lage in der Tefion Kanton verschärfte. Dieser eroberte auch erfolgreich Ende August 1841 die Städte Xiamen, Ningbo und Zhoushan. Zusätzlich fielen im Sommer 1842 Shanghai und Zhenjiang nach Eintreffen von Verstärkungstruppen aus Indien. Nach einem vergeblichen Verhandlungsangebot Chinas, drangen die Briten im August bis nach Nanking vor. Somit endete der erste Opiumkrieg zwischen Großbritannien und Qing-China am 29. August 1842 mit dem Vertrag von Nanking[5].

Der Vertrag von Nanking wurde an Bord der Cornwallis unterzeichnet und war der Erste der sogennanten Ungleichen Verträge in der modernen chinesischen Geschichte. Dieser Vertrag sicherte den Engländern insbesondere das profitable Recht auf Opiumhandel zu. Er verpflichtete die Chinesen unter anderem zur Öffnung der Handelshäfen Kanton, Xiamen, Fuzhou, Shanghai und Ningbo für den Handel, zur Duldung weitgehend unbeschränkten Handels sowie zur dauerhaften Abtretung Hongkongs als Militär- und Handelsbasis, was von vielen Historikern, insbesondere von chinesischen, als verheerend für die Entwicklung des Kaiserreichs China angesehen wird. Des Weiteren sollte die Cohong-Handelsgilde abgeschafft werden und die Chinesen mussten die Gleichstellung von Beamten gleichen Ranges aus beiden Ländern erdulden.

1843 wurde dieser Vertrag ergänzt mit folgenden drei Punkten:

Meistbegünstigungsklausel

Zolltarifbeschränkung für den Import britischer waren auf 5 %

Exterritorial- und Pachtrechte für die Vertragshäfen

Die Opiumfrage wird in diesem Vertrag allerdings nicht erwähnt oder geklärt, was bedeutet, dass die Opiumeinfuhr weitergeführt wird und eine rapide Zunahme in den kommenden Jahren zu verzeichnen ist.

1. Folgen

Durch die Niederlage im ersten Opiumkrieg verlor China die politische Unabhängigkeit in Bezug auf die Handels-, Sozial- und Außenpolitik. Es führte zu einer Erschütterung des seit Menschengedenken währende sinozentrische[6] Weltbild der Chinesen. Die 1840er Jahre waren geprägt durch das Zusammenbrechen der inneren Ordnung aufgrund von Unzufriedenheit, Bevölkerungsexplosion und inadäquater Industrialisierung. Es entstanden außerdem Geheimgesellschaften und verschiedene Aufstände brachen vermehrt aus. Alleine der Taiping-Aufstand von 1851 bis 1864 forderde 20 Mio. Opfer überwiegend aufgrund von Hunger. China erkennt zudem, dass es militärisch nachrüsten muss und beginnt mit einer ausgiebigen Beschäftigung mit der westlichen Rüstungstechnik. Durch die Einfuhr ausländischer Waren führte es zu einem wirtschaftlichen Umdenken und einer Zersetzung der autarkischen Feudalwirtschaft. Gleichzeitig fand China langfristig Anschluss an die Entwicklung der Modernen, in dem es durch das Öffnen seiner Märkte unfreiwillig aus seiner selbstgewählten wirtschaftlichen Isolation gegenüber den Europäern austrat. Aus diesem Grund beginnt nach Aussagen vieler Historiker die Neuere Geschichte Chinas nach der chinesischen Geschichtsschreibung mit dem Ersten Opiumkrieg.

[...]


[1] Die Cohong war der chinesische Import-Export-Monopol in Guangzhou (auch Kanton genannt) während der Qing-Dynastie im Jahre 1644 bis 1911.

[2] Die East India Company war nicht nur der weltweit größte Drogenhändler zwischen 1830 und 18040, sondern hatte bei verschiedenen Gelegenheiten ihren Einfluss in China, auf den Philippinen sowie auf Java ausgeweitet.

[3] Der Kaiser Daoguang war ab dem 3. Oktober 1820 Kaiser von China. Diese Regierungsepisode war von Unruhen und Aufständen in verschiedenen Reichsteilen geprägt.

[4] Die Qing-Dynastie, auch Mandschu-Dynastie genannt, war die zweite Dynastie Chinas. Sie löste 1644 die Ming-Dynastie ab und endete 1911 mit der Errichtung der Republik China am 01. Januar 1912.

[5] Der Vertrag wurde an Bord des britischen Linienschiffs von den Unterhändlern Qiying und Sir Henry Pottinger verhandelt, im Tempel auf dem Löwenhügel unterzeichnet und am 26. Juni 1843 nach förmlicher Billigung durch Königin Viktoria und Kaiser Daoguang in Hongkong gültig gemacht.

[6] Sinozentrismus bedeutet das Bewusstsein der eigenen Überlegenheit zu haben.

Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668508187
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372207
Note
Schlagworte
China Sinologie Opium Krieg Qing-Dynastie Kaiserreich China Runhild Böhm Handel

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