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Exegese der Bergpredigt, Mt. 7,15 - 20

von T. Woodpecker (Autor)

Referat (Ausarbeitung) 2016 13 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Prämisse
1.2. Primäre Forschungsfrage
1.3. Relevanz des Textes
1.4. Abgrenzung
1.5. Forschungsstand zum Textabschnitt

2. Kontext

3. Textschaubild Auswertung

4. Textschaubild

5. Zusammenhangsexegese

6. Darstellung der exegetischen Ergebnisse

7. Übertragung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Prämisse

Ich lebe als Kind einer Zeit in der jedem Menschen seine eigene Wahrheit zugestanden wird und es nicht als passend erscheint Anderen absolute Wahrheiten zu präsentieren.

Vielleicht auch aufgrund dieser Grundlage bin ich von Haus aus ein Mensch, der viele Dinge hinterfragt und ungerne vorgefertigte Meinungen übernimmt. Diese Einstellung ist mit Sicherheit auch im Glaubensleben hilfreich, wo einem viele Meinungen begegnen. Dennoch gibt es wohl in dem Leben eines jeden Gläubigen Menschen die einen im Glauben geprägt haben, so auch bei mir. Ich habe dabei festgestellt, dass ich dazu neige den Menschen mehr Gehör zu schenken und auf ihre Worte zu hören, die mir sympathisch sind. Gerade in den ersten Jahren meines Glaubens hatte ich nicht sehr viel Wissen um das Wort Gottes und konnte deren Meinungen kaum überprüfen. Das Theologische Seminar hat mich dahingehend gefördert mündiger im Wort Gottes und somit auch in der Beurteilung von Aussagen einzelner Menschen zu werden. Gleichzeitig erschwert das Studium aber auch eine Meinungsfindung, da hier viele unterschiedliche Meinungen und Einstellungen zu Themen vorherrschen und nebeneinander gelebt werden.

1.2. Primäre Forschungsfrage

Wie können wahre Propheten von falschen Propheten (Irrlehrern) in der Gemeinde unterschieden werden?

1.3. Relevanz des Textes

Der Text aus Mt. 7,15-20 über die Warnung vor Irrlehrern oder falschen Propheten hatte nicht nur vor 2000 Jahren eine hohe Relevanz, sondern auch und gerade heute. Die europäische und westliche Gesellschaft zeichnet sich durch eine große Pluralität aus, in der verschiedene Ansichten, Meinungen und eben auch religiöse Vorstellungen nebeneinander existieren. Diese Vielschichtigkeit der Gesellschaft spiegelt sich auch in den vielen Formen von christlichen Gemeinschaften in Deutschland wieder. Gerade Freikirchen und charismatische Bewegungen erfahren in den letzten Jahren immer mehr Zulauf. Dabei entstehen nicht nur neue Gemeinden, sondern auch neue Gemeindeformen, die sich keiner bestehenden Kirche oder Bewegung zugehörig fühlen.

Für Menschen, die neu zum Glauben kommen oder jene, die aus den verschiedensten Gründen, z.B. einem Umzug, die Gemeinde wechseln, ist es daher notwendig sich mit der Lehre der neuen Gemeinde auseinander zu setzen und diese zu prüfen. Konfession und Denomination, sowie die Glaubensbekenntnisse, können hierbei helfen. Diese reichen jedoch nicht aus, da jede Gemeinde stark von ihren Mitgliedern, Mitarbeitern und vor allem von ihren Leitern geprägt wird. Ihr Glaubens- und Wortverständnis und die daraus resultierende Lehre haben in vielen Fällen einen weit größeren Einfluss als Gemeindeform und Glaubenssätze.

Aufgrund dieses großen Einflusses für die Gemeinde, aber auch für das persönliche geistliche Leben ist es daher wichtig, Aussagen von Gemeindeverantwortlichen zu prüfen. Christen müssen sich bewusst sein, dass es in einigen Gemeinden Pastoren und Leiter gibt, die zwar Gottes Wort predigen und lehren, im Inneren jedoch genauso verdorben sind wie die religiösen Gesetzeslehrer zu Zeit Jesu.

Auf diese Thematik von wahren und falschen Propheten geht Jesus in dem hier betrachteten Text aus Mt. 7,15-20 ein.

1.4. Abgrenzung

In dieser Ausarbeitung über Mt. 7,15-20 soll es primär um die Betrachtung der Möglichkeit zur Unterscheidung von wahren und falschen Propheten gehen. Der Thematik des Textes entsprechend wäre es ebenfalls möglich sich damit auseinander zu setzen, was mit den Menschen geschieht, die im Text als falsche Propheten beschrieben werden. Dieser Themenkomplex würde jedoch den Umfang dieser Ausarbeitung überschreiten und zu weit weg von der definierten Forschungsfrage führen. Er sollte daher in einer eigenen Forschungsfrage aufgegriffen werden.

Ferner soll es in dieser Ausarbeitung auch nicht darum gehen, bestimmte Gemeinden oder Personen (z.B. Gemeindeleiter/ Pastoren) zu bewerten und ihr Handeln im Licht dieses Textes beurteilen. Vielmehr soll der Leser selber darin befähigt und ermutigt werde, sich dem Thema zu stellen und Kriterien zu erkennen, anhand derer sich Irrlehrer/falsche Propheten erkennen lassen.

1.5. Forschungsstand zum Textabschnitt

Bei der Auswahl der Kommentare habe ich im Wesentlichen auf jene zurückgegriffen, die in ihrer Auslegung den historischen Kontext des Textes berücksichtigen und sich mit Übertragungen des Textes in die heutige Zeit und an den Hörer zurückhalten oder nicht beschreiben. Auch die Beschreibung des Textes im Kontext der Bergpredigt und das Zurückgreifen auf wichtige griechische Wörter waren ein Auswahlgrund. Daraus resultierend habe ich in meiner Ausarbeitung auf Kommentare aus den letzten 30 Jahren zurückgegriffen, wie z.B. HTA, ThHK oder EKK und im Gegenzug eher anwendungsorientierte Kommentare wie z.B. die Wuppertaler Studienbibel oder die Edition C nicht berücksichtigt.

2. Kontext

- Unmittelbarer Zusammenhang & weiterer Zusammenhang

Der Text aus Matthäus 7,15-20 steht am Ende der Bergpredigt. Der Text ist somit Teil der Schlusskomposition von Matthäus, die von Matthäus 7,13-23 reicht und mit dem Gleichnis vom Hausbau auf dem Felsen durch die Verse 24-27 abschließt. In diesem Abschnitt zeigt Jesus die zwei Wege auf, die es für einen Menschen gibt. Dabei kann dieser Schluss der Bergpredigt in vier Abschnitte unterteilt werden, die sich durch antithetische Gegenüberstellung ergeben. In den Versen 13-14 ist es der breite und der schmale Weg, im Abschnitt 15-20 die guten und schlechten Früchte, in den Versen 20-23 die Täter des Willen Gottes und Täter der Gesetzlosigkeit und in den Versen 24-27 das Haus auf dem felsigen und dem sandigen Fundament. Dieser Abschnitt könnte somit auch als abschließende Mahnungen zusammengefasst werden. Dem vorangestellt sind in der Bergpredigt von Kapitel 6,1 -7,12 Anweisungen zum Handeln eines Christen.[1]

- Weiterer Buch- bzw. Briefkontext

Die Kapitel 1-4 des Matthäusevangeliums setzen sich mit dem Leben Jesu Christi auseinander und seiner Person, als der Messias, der Sohn Gottes. Der Anspruch Jesu und die Annahme, dass Jesus der Sohn Gottes ist, ist notwendig, um den Worten Jesu und somit auch der Bergpredigt Autorität zu verleihen.

Im Anschluss an die Bergpredigt wird der Weg Jesu und sein Dienst weiter gezeichnet und in den Kapiteln 8-20 beschrieben. Dieser Dienst an den Menschen erreicht seinen Höhepunkt in der Passion Jesu welche im Matthäusevangelium in den Kapiteln 21-27 beschrieben ist.

Da die Menschen immer wieder scheitern, wenn sie versuchen das Gesetz Gottes zu halten, brauchen sie die Erlösung durch das Kreuz. So bleibt auch das Matthäusevangelium nicht bei der Bergpredigt stehen, sondern führt weiter bis zur Passion.[2]

Die Warnung vor und Auseinandersetzung mit falschen Propheten findet dabei auch im weiteren Verlauf des Matthäusevangeliums durch Jesus statt, so z.B. in Mt. 16,6 oder 24,11.24.[3]

- Gesamtbiblischer Kontext

Die Auseinandersetzung mit falschen Propheten ist nicht nur Gegenstand des hier betrachteten Textes, sondern wird immer wieder sowohl im Neuen als auch im Alten Testament behandelt.

So warnt Gott sein Volk schon in Dtn. 13,3 davor, nicht auf falsche Propheten herein zu fallen. Auch Jeremia (Jer. 14,14) musste sich mit falschen Propheten auseinandersetzen, die das Volk verführten und ihnen nach dem Mund redeten, um sie für sich zu gewinnen. Im Neuen Testament klagt Jesus immer wieder die Pharisäer an, so z.B. in Mat. 23,25, wo er sie als „Heuchler“ bezeichnet, deren Reden nach außen und Handeln im Verborgenen nicht zusammenpassen. Insgesamt warnt Jesus seine Jünger mehr als zehnmal davor, sich vor Leitern in Acht zu nehmen; die Menschen irreführen und die Wahrheit verdrehen (z.B. Mt. 7,15; 16,6; 24,4; Mk. 8,15; 12,38-40; Lk. 12,1; Lk. 17,23)

Dass diese Warnung nötig war; zeigt sich z.B. im zweiten Brief des Paulus an die Korinther (2. Kor. 11,14-15). Hier warnt Paulus die Gemeinde noch einmal davor, dass sich die Diener des Teufels verstellen und nach außen wie Diener Gottes aussehen können, ebenso wie sich der Teufel selbst als Engel des Lichts verstellen kann.[4]

Die Betrachtung des Kontextes hat gezeigt das Jesus zum Ende der Bergpredigt hin ein Thema aufgreift welches dem Leser an vielen Stellen der Evangelien begegnet und sich vom Beginn des Alten Testamentes, bis zum Schluss des Neuen Testamentes in der Offenbarung erstreckt. Gerade am Ende der Tage, ist in der Offenbarung zu lesen wird das vermehrte Auftreten von falschen Propheten ein Zeichen für das nahende Gericht sein. Somit behalten die Mahnungen Jesu durch die Zeit hindurch bis in die Gegenwart ihre Relevanz.

3. Textschaubild Auswertung

Das nachfolgende Textschaubild gibt Aufschluss über den inhaltlichen und stilistischen Aufbau des Textes. So gestaltet sich Vers 15a als eine Überschrift, die das Thema der kommenden Verse definiert: „Die falschen Propheten“, welche dann im zweiten Satzteil (15b) näher definiert werden. Um zu beschreiben, woran der falsche Prophet erkannt werden kann, benutzt Jesus die Metaphern von Baum und Frucht. Den Kern der Aussage stellt Jesus dem Gesagten voran - 16a: „ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ und schließt auch mit dieser Aussage in Vers 20, um die Bedeutung zu betonen. Um die Aufmerksamkeit des Hörers zu erhöhen, folgt nun eine Rhetorische Frage in Vers 16b, die ihren Bezug später noch einmal in Vers 18b findet. Dabei könnte es sich auch um ein damals geläufiges Sprichwort gehandelt haben,[5] welches Jesus nun in den Versen 17 und 18 selber noch einmal mit Inhalt füllt. Die Verse 17 und 18 sind dabei gleich aufgebaut und bilden in sich jeweils eine Antithese „guter Baum“/ „schlechter Baum“ und zueinander in den Versen 17a und 18a sowie 17b und 18b einen Parallelismus „gute Früchte“/ nicht „böse Früchte“. Durch diese Form der literarischen Mittel wird das Gesagte nicht nur verstärkt, sondern lässt sich auch leichter einprägen. Schließlich folgt mit Vers 19 noch die Konsequenz für die Bäume die „ keine gute Frucht “ bringen, ehe Jesus positiv mit jener Aussage in Vers 20 schließt, mit der er in Vers 16 begonnen hat „ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, und sich somit die Klammer schließt.

Nachfolgend findet sich das Textschaubild unter Punkt 4.

4. Textschaubild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. U. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 1Teilband Mt 1-7, EKK, Zürich und Düsseldorf 41997, 394-395.

[2] Vgl. G. Maier, Das Evangelium des Matthäus, 1-14, HTA, Witten 20015, 233.

[3] Vgl. Stamps Studien Bibel, Züricher Bibel, Fassung von 2007, Zürich 2007, 1760-1761.

[4] Vgl. Ebd., 1760-1761.

[5] Vgl. G. Maier, a.a.o., 420.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668506756
ISBN (Buch)
9783668506763
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372046
Institution / Hochschule
Theologisches Seminar Adelshofen
Note
2,0
Schlagworte
exegese bergpredigt

Autor

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