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Der Halo-Effekt in Lebensläufen

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der Halo-Effekt
2.1. Definition
2.2. Der Effekt
2.3. Testverfahren - der Halo-Effekt messbar gemacht
2.4. Sonstige Anwendungsfelder

3. Der Halo-Effekt in Lebensläufen
3.1. Grundlegendes
3.2. Das Bewerbungsfoto
3.3. Soziales Engagement
3.4. Auslandsaufenthalte
3.5. Vermeidungsstrategien für den Personaler

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir alle kennen diese nichtssagenden und abgedroschenen Redewendungen, welche auch als sogenannte Floskeln bezeichnet werden. Diese Floskeln werden von uns im alltäglichen Leben oftmals ganz unbewusst verwendet, weil wir mit diesen aufgrund der sprachlichen Erziehung einfach groß geworden sind. Zu den bekanntesten Floskeln zählen beispielsweise „Der erste Eindruck zählt“ oder „Irren ist menschlich“. Beide Redewendungen sind auf der ersten Ebene recht einfach zu verstehen und benötigen keine weitere Erklärung, jedoch stellen diese beiden Floskeln gerade im Zusammenhang mit der Personalauswahl ein gefährliches Potenzial für Wahrnehmungsverzerrungen und Fehleinschätzungen dar. Vor allem im Bereich der Personalauswahl ist es absolut wichtig, dass Wahrnehmungsverzerrungen und Fehleinschätzungen so gut es geht vermieden werden, da die Produktivität und die Qualität eines Unternehmens von dieser enorm abhängig ist. Fehlerhafte Personalauswahl verschlingt letztendlich viel Zeit und Geld und gerade deshalb ist es für jeden Personalleiter enorm wichtig, Fehleinschätzungen durch unbewusste und verzerrte Wahrnehmung in allen Phasen der Personalauswahl bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Der sogenannte Halo-Effekt welcher in dieser Hausarbeit behandelt wird, stellt deutlich dar, wie eine solche Wahrnehmungsverzerrung die Personalauswahl beeinflussen kann und welche Gefahren sich hierhinter verbergen. Darüber hinaus werden konkrete Praxisbeispiele behandelt, bei welchen der Halo-Effekt auftritt und konkrete Vermeidungsstrategien für Personalleiter werden genannt und erläutert, um mit dem Bewusstsein des Halo-Effektes die zukünftige eigene Personalauswahl weiter optimieren zu können.

2. Der Halo-Effekt

2.1. Definition

Im Bereich der Sozialpsychologie gilt der Halo-Effekt als bekannte kognitive Wahrnehmungsverzerrung. Wahrnehmungsverzerrungen oder auch Urteilsfehler genannt, finden wir in einem Großteil aller Forschungsfelder der Psychologie wieder. So z.B. in der Emotionspsychologie, der Gedächtnispsychologie oder eben auch in der kognitiven Psychologie, in welcher der Halo-Effekt, einzuordnen ist. Viele dieser Urteilsfehler lassen sich oftmals als Konsequenz des Ökonomieprinzips, oder auch Sparsamkeitsprinzips interpretieren. Dieses beschreibt die Einstellung eines Menschen, mit einem möglichst geringen Aufwand vorgegebene Ziele bzw. Ergebnisse im Leben zu erreichen. Der möglichst gering zu haltende Aufwand stellt im Leben oftmals Zeit, Geld oder die eigene psychische und physische Leistung eines Menschen dar. Urteilsfehler bzw. Wahrnehmungsverzerrungen entstehen also gerade dann, wenn in einer bestimmten Situation nach dem Ökonomieprinzip gehandelt wird und bei wichtigen Entscheidungsprozessen beispielsweise Routine eingesetzt wird. Dies führt dazu, dass die gegenwärtige Situation lediglich oberflächlich eingestuft und analysiert wird (Kanning, 1999).

Der Begriff halo kommt aus dem englischen und bedeutet Wort und Sinngemäß: Heiligenschein. Damit ist die Überstrahlung auf andere Faktoren, wie beim Heiligenschein gemeint. Eine spezielle, positiv wahrgenommene Eigenschaft hat also einen Überstrahlungseffekt auf andere Faktoren oder Merkmale eines Menschen und könnte somit unsere Wahrnehmung verzerren, indem sie andere Faktoren bzw. das Gesamtbild einer Situation oder Person ebenso positiv verstärkt (Kahnemann, 2011). Gehen wir beispielsweise davon aus, dass Person X die Person Y für körperlich attraktiv hält und Menschen generell als intelligent einstuft, die körperlich attraktiv sind. Der Halo-Effekt sorgt für die Überstrahlung dieses einen Merkmales der Attraktivität, wodurch Person X davon ausgeht, dass Person Y ebenfalls intelligent ist, ohne jeglichen weiteren Beweis hierzu, welcher die Intelligenz von Person Y bestätigen könnte.

2.2. Der Effekt

Gerade in unserem heutigen Zeitalter und im Zuge fortschrittlicher und immer präsenter Marketingauftritte von Unternehmen, aber auch in unserem beruflichen wie privaten Umfeld, tritt der Halo-Effekt täglich in unserem Leben auf. Erstmals beobachtet und untersucht wurde dieser jedoch bereits 1907 von Frederic L. Wells und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Edward Lee Thorndike und Gordon Allport als heute bekannter Halo-Effekt bezeichnet. Besonders Thorndike und Allport befassten sich ausführlich mit dem Effekt und beschrieben diesen anhand der sogenannten „Supersoldaten“ Studie während des Ersten Weltkrieges. Für die Studie wurden diverse Offiziere des Militärs darum gebeten Ihre unterstellten Soldaten nach ausgewählten Kriterien zu beurteilen. Diese Kriterien umfassten u.a. die Kondition, die Intelligenz, den Charakter und die Führungsqualitäten der Soldaten. Die Studie stellte heraus, dass die Offiziere besonders den Soldaten mit einem hübschen Gesicht und einer guten Körperhaltung in fast allen Bereichen enorm gute Bewertungen gaben und diese aufgrund der Bewertung als „Supersoldaten“ betitelten. Die Offiziere gaben den anderen Soldaten ihrer Einheiten hingegen eher unterdurchschnittliche Bewertungen (Rosenzweig, 2008).

Generell stellt der Halo-Effekt eine positive Wahrnehmungsverzerrung dar. Soll heißen, dass die Gesamtheit einer bestimmten Person oder einer bestimmten Situation als positiv betrachtet wird, wenn lediglich ein Merkmal als positiv aufgenommen wurde. Der gleiche Effekt kann jedoch auch in entgegengesetzter Richtung auftreten, wenn ein Merkmal welches als negativ interpretiert wird, auf die Gesamtheit einer Person oder Situation übertragen wird. Dieser Effekt wird als Teufelshörner-Effekt oder auch Attributdominanz bezeichnet.

Nehmen wir beispielsweise an, dass Person X besonders dick ist, kommt es auch hier oftmals zum Urteilsfehler. Der Person X werden aufgrund des Körperumfanges oftmals Attribute wie faul oder willensschwach zugeordnet, da hier Faktoren wie mangelnde Bewegung oder schlechte Ernährung die nach dem Ökonomieprinzip getroffen werden, die einfachsten Beurteilungen sind (Dreikurs, 2003).

Wir sehen also, dass diese Art der Wahrnehmungsverzerrung, welche den HaloEffekt ausmacht, auch auf die Gegenseite übertreten kann und negative Aspekte verallgemeinert werden.

2.3. Testverfahren - der Halo-Effekt messbar gemacht

Der Halo-Effekt wurde bereits durch mehrere verschiedene Testverfahren dargestellt und auf unterschiedlichsten Gebieten und Anwendungsfeldern untersucht. Das wohl erste Testverfahren wurde von Edward Lee Thorndike und Gordon Allport (siehe Punkt 2.2.) verzeichnet. Das wohl aussagekräftigste Testverfahren jedoch, entstand im Jahre 1992 durch Chernatony & McDonald. Mit dem sogenannte „Coca-Cola Pepsi Experiment“ konnte man die Auswirkungen des Halo-Effektes in Bezug auf den Konsum von Markenprodukten gut darstellen (Chernatony & McDonald, 1992).

Eine Gruppe von Versuchspersonen sollte den Geschmack von Diät Coca-Cola und Diät Pepsi beurteilen. Jedoch wurden die Etiketten der jeweiligen Marken im Vorfeld entfernt und es fand eine sogenannte Blindverkostung statt. Das Ergebnis zeigte, dass die Teilnehmer bei der Blindverkostung die Marke Pepsi minimal bevorzugten (Pepsi: 51%, Coca-Cola: 44%, Egal: 5%).

Bei einem zweiten parallelen Versuch, sollte eine andere Gruppe ebenfalls den Geschmack von Diät Coca-Cola und Diät Pepsi bewerten. Bei dieser Verkostung hatten die Teilnehmer jedoch Einsicht, welche Marke gerade verkostet wird. In diesem Fall wurde der Geschmack der Diät Coca-Cola eindeutig bevorzugt (Pepsi: 23%, Coca-Cola: 65%, Egal: 12%)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Coca-Cola/Pepsi Vergleichstest (Chernatony & McDonald 1992)

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Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668497504
ISBN (Buch)
9783668497511
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372026
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
Halo-Effekt Lebenslauf Personalgewinnung

Autor

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Titel: Der Halo-Effekt in Lebensläufen