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Neue Medien, neue Beziehungen? Der Einfluss von Dating-Apps auf den Kennenlernprozess

Ausarbeitung 2017 12 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund

3. Dating-Apps
3.1 Tinder als Beispiel für mobiles Dating

4. Partnerschaftssuche heute
4.1 Besonderheiten der Partnerschaftssuche im Internet
4.2 Nutzungsmotive
4.3 Kontaktaufnahme und Beziehungsvertiefung
4.4 Verliebtheit vs. Liebe

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Prozess der Individualisierung prägt unsere Gesellschaft seit Jahren. Dem Individuum stehen alle Türen offen - es ist frei und kann die eigenen individuellen Vorstellungen und Präferenzen entfalten und verwirklichen. Auf die zwischenmenschlichen Beziehungen hat dies ebenfalls eine Auswirkung, auch auf die der Liebesbeziehung. Die ganz eigenen Vorstellungen und Pläne stehen für viele an oberster Stelle. Lebensentwürfe werden umgeschmissen und neue Pläne für den eigenen Prozess der Selbstverwirklichung festgelegt. Die klassische Paarbeziehung kann da nicht unbedingt mithalten, daher wurde diese um vielfältige Alternativen erweitert: Offene Beziehungen, offene Ehen und Freundschaft Plus stellen heutzutage unter anderem gleichrangige Möglichkeiten dar, eine Beziehung zu einer anderen Person zu führen.

Bevor eine dieser Beziehungsarten jedoch eingegangen werden kann, benötigt jedes Individuum ein mehr oder weniger passendes Gegenüber, welches ebenfalls auf der Suche nach einer Beziehung ist. Doch wie lässt sich so jemand finden? Ein weiterer Faktor, der unsere Gesellschaft heute prägt, ist die Digitalisierung. Sie verändert unser Leben auf verschiedenen Ebenen, darunter auch das gesellschaftliche Miteinander und die Kommunikation untereinander. Einen wesentlichen Aspekt der heutigen sozialen Interaktion stellen dabei die neuen Medien dar. Noch nie war Kommunikation so einfach - Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram ermöglichen ihren Nutzer*innen ständig und überall über die jeweilige App auf dem Smartphone vernetzt zu bleiben. Blieb man vorerst primär mit Menschen vernetzt, die man bereits kannte und zu denen man zusätzlich über das Internet den Kontakt pflegen wollte, war es bald auch möglich, neue Menschen über das mobile Netz kennen zu lernen. Auch die Partnerschaftssuche ist inzwischen über das Smartphone möglich: Verschiedene Dating-Apps ermöglichen die Suche nach dem*der richtigen Partner*in für eine Beziehung - welcher Art auch immer.

Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich vor allem mit der Partnerschaftssuche heutzutage und den damit verbundenen Herausforderungen. Dazu wird zunächst der theoretische Hintergrund dargelegt, um anschließend die Partnerschaftssuche am Beispiel der Dating-App Tinder zu skizzieren. Dies geschieht im Hinblick auf die Frage, welche Rolle Dating-Apps im Kennenlernprozess spielen.

2. Theoretischer Hintergrund

Jeder Mensch wählt sich seinen Partner oder seine Partnerin frei aus, ist dabei aber an bestimmte Faktoren gebunden.1 Früher waren die Menschen stärker in Gemeinschaften integriert, die die Partnerschaftssuche beeinflusst haben.2 Die Individualisierung führte dazu, dass diese Suche ein immer individueller Prozess wurde.3 Die Sehnsucht nach einer lebenslangen Intimbeziehung ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts zwar noch vorhanden, allerdings an andere Bedingungen gebunden als früher noch.4 Die Herausforderung, das Liebesglück zu finden und anschließend beständig zu halten, hat sich nicht verändert. Liebende verfolgen heute allerdings nicht unbedingt das Ziel einer lebenslangen Gemeinschaft.5 Dauerhaftigkeit sehen sie als wünschenswert an, allerdings nicht als Notwendigkeit und vor allem nicht um jeden Preis.6 Dies schließt zwar die Ursehnsucht nach Bindung nicht aus, dennoch unterliegt diese Sehnsucht der „Logik des Individualismus“, die es den Individuen erschwert, sich auf dauerhafte Beziehungen einzulassen.7 Eigenliebe in Form von Selbstverwirklichung zielt auf die Befriedigung des Ichs ab. Wird diese Befriedigung durch eine Beziehung beeinträchtigt, führt dies meist zum Ende dieser, da die Lebensentwürfe nicht zusammenpassen und Kompromisse nicht eingegangen werden, wie es für langlebige Beziehungen charakteristisch ist.8 „Lieber versucht man es immer wieder von neuem, in der Hoffnung, irgendwann die vollkommene Einheit zu erreichen.“9 Ein neuer Versuch bedarf einer neuen Person, die man zunächst einmal finden muss. Der digitalen Generation stehen für diese Suche unterschiedliche neue Möglichkeiten zur Verfügung.

3. Dating-Apps

Smartphones sind heutzutage allgegenwärtig und werden nicht nur zum Telefonieren genutzt. Nutzer*innen können sich nach ihren individuellen Bedürfnissen verschiedene Apps runterladen. Das Wort App ist die Kurzform des englischen Wortes Application Software und bezeichnet Anwendungsprogramme auf dem Smartphone, die für verschiedene Zwecke eingesetzt werden können.10 Ein solcher Zweck kann die Partnersuche sein, seitdem das Internet zu einem Mittel der Partnersuche aufgestiegen ist.11 Verschiedene Dating-Apps wie Tinder, Badoo oder Lovoo ermöglichen, Menschen kennenzulernen und gezielt zu kontaktieren.

Das Ergebnis einer Umfrage unter Männern und Frauen (736 Befragte) aus dem Jahr 2016 zur Nutzungsbereitschaft von Partnerportalen und Dating-Apps in Deutschland zeigte, dass rund 17 Prozent der befragten Frauen sich grundsätzlich vorstellen können, ein Partnerportal bzw. eine Dating-App zu nutzen. Bei den befragten Männern waren es dagegen rund 15 Prozent.12 Im Jahr 2016 gaben rund 37 Prozent von etwa tausend befragten Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren an, dass sie entweder aktuell oder in der Vergangenheit schon einmal im Internet nach einem*einer Partner*in gesucht haben. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 43 Prozent, die bereits im Internet nach einem*einer Partner*in gesucht haben.13 Im Jahr 2016 zeigte eine weitere Umfrage, dass von knapp 750 befragten Smartphone-Nutzer*innen rund 14 Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Befragten eine Dating-App nutzen.14

3.1 Tinder als Beispiel für mobiles Dating

Die wohl bekannteste Mobile-Dating-App ist Tinder, die 2012 erschienen ist.15 Ein Tinder-Konto lässt sich ausschließlich mit einem Facebook-Profil erstellen, da die App den Vornamen, das Alter und die Profilbilder verwendet. Nutzer*innen ist es außerdem möglich, sich in einem Text zu beschreiben. Der*die Nutzer*in wählt dann aus, was er*sie sucht: Männer, Frauen oder beides. Auch die maximale Entfernung (zwei bis 160 km) sowie das gewünschte Alter (zwischen 18 und 50 Jahren) kann der*die Nutzer*in auswählen. Basierend auf diesen Informationen werden zahlreiche Kandidat*innen angezeigt. Diese kann man entweder ablehnen oder als attraktiv einstufen. Letzteres geschieht durch den Klick auf einen Herz-Button. Erst nachdem sich beide Seiten gegenseitig als anziehend bewertet haben und daraufhin ein sogenanntes Match entsteht, können sie miteinander chatten. Die Nutzer*innen haben somit die Kontrolle darüber, wem sie die Chatfunktion öffnen wollen. Daraufhin folgt das textbasierte Kennenlernen.

4. Partnerschaftssuche heute

In einer beschleunigten Welt, die geprägt ist von Verbesserung und Fortschritt und in der das Individuum nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung strebt, steht die Partnerschaftssuche vor neuen Herausforderungen. Der Wandel der Gesellschaft spiegelt sich in neuen Methoden der Partnersuche wider.16 Verschiedene Dating-Formate werden dabei unterschieden, darunter zahlreiche TV-Shows wie beispielsweise Der Bachelor oder Kiss Bang Love, die alleinstehende Menschen zusammenführen. Auch die Kommunikationsform des Internets eröffnet den Individuen neue Perspektiven und Reize. Es stellt ein wichtiges Medium für die Anbahnung und Pflege von neuen sozialen Beziehungen dar.17 E-Mail-Flirt, Chat-Flirt, Online-Börsen, Dating-Apps, verschiedene Foren und Sexkontaktportale - die Auswahl ist groß und alle versprechen sie Erfolg bei der Suche nach einer*einem Partner*in.

1 Vgl. Nave-Herz, Rosemarie: Ehe- und Familiensoziologie. Eine Einführung in Geschichte, theoretische Ansätze und empirische Befunde. Weinheim: Juventa 2004, S.131.

2 Vgl. Haring, Sabine/Höllinger, Franz: Beziehungsweise(n) - Liebe und Partnerschaft im Wandel. In: http://nbn-resolving.de/ urn:nbn:de:0168-ssoar-235323, S. 95.

3 Vgl. Beck, Ulrich/Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 76f.

4 Vgl. Mahlmann, Regina: Was verstehst du unter Liebe? Ideale und Konflikte von der Frühromantik bis heute. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2003, S. 171f.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. ebd. S. 174

8 Vgl. ebd. S. 175

9 Ebd.

10 Vgl. Behrendt, Björn: Was ist eine App? In: https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/app (14.07.2017).

11 Vgl. Fellmeth, Rainer: Virtuelle Liebe. Gefühle online. In: Kemper, Peter/Sonnenschein, Ulrich (Hrsg.): Liebe - zwischen Sehnsucht und Simulation. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2005, S. 228.

12 Vgl. Statista: Können sich Männer und Frauen grundsätzlich vorstellen ein Partnerportal bzw. eine Dating-App zu nutzen? In: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/665699/umfrage/umfrage-zur-nutzungsbereitschaft- von-partnerportalen-und-dating-apps-in-deutschland-nach-geschlecht/ (10.07.2017).

13 Vgl. Parship: Haben Sie schon einmal im Internet nach einem Partner gesucht? In https://de.statista.com/statistik/daten/studie/511274/umfrage/anteil-der-nutzer-die-im-internet- nach-einem-partner-suchen-gesucht-haben-nach-alter/ (10.07.2017).

14 Vgl. Bitkom: Anteil der Smartphone-Nutzer in Deutschland, die Dating-Apps nutzen, nach Geschlecht im Jahr 2016. In: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/511127/umfrage/anteil- der-nutzer-von-smartphone-dating-apps-nach-geschlecht-in-deutschland/ (10.07.2017).

15 Vgl. Crook, Jordan/Escher, Anna: A Brief History Of Tinder: In: https://techcrunch.com/gallery/a-brief-history-of-tinder/slide/19/ (14.07.2017).

16 Vgl. Haring/Höllinger: Beziehungsweise(n) - Liebe und Partnerschaft im Wandel, S. 17.

17 Vgl. ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668497900
ISBN (Buch)
9783668497917
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v372008
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für deutsche Sprache und Literatur I
Note
Schlagworte
Dating Dating-Apps Tinder Individualisierung Liebe neue Medien Beziehung Internet Partnerschaft Mobile Dating Kommunikation
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