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Die Geschäftstätigkeit der Bankiers im Prinzipat am Beispiel der Sulpicii

Seminararbeit 2017 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die römischen Bankiers

2. Hauptteil: Das Bankwesen, die Sulpizier und ihre Tätigkeiten
2.1. Der Urkundenfund von Murécine – Das Bankarchiv der Sulpicier
2.2. Das römische Bankwesen
2.2.1. Die unterschiedlichen Berufsgruppen der Bankiers
2.2.2. Finanzierungsmöglichkeiten römischer Bankiers
2.2.3. Soziale Stellung und Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs der Bankiers besser, die Bedeutung des Bankhauses der Sulpizier
2.3. Das Bankhaus der Sulpizier
2.3.1. Die Mitglieder des Bankhauses
2.3.2. Soziale Stellung der Mitglieder des Bankhauses
2.3.3. Das Geschäftsfeld der Sulpizier
2.4. Ausgewählte Tätigkeiten der römischen Bankiers am Beispiel der Sulpizier
2.4.1. Verwaltung von hinterlegten Geldbeträgen
2.4.2. Vergabe von Darlehen
2.4.4. Durchführung von Versteigerungen

3. Schluss: Thesen und Ausblick

4. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Skizze der Urkunde TPSulp 53[1]

1. Einleitung: Die römischen Bankiers

Ziel der Arbeit soll es sein, die Bedeutung und Tätigkeiten der Bankiers in der römischen Kaiserzeit zu erläutern. Dies soll am Beispiel des Bankhauses der Sulpizier geschehen, von deren Existenz man nun erst seit ca. 50 Jahren durch einen glücklichen Quellenfund weiß. Vermutlich am 24. August des Jahres 79 n. Chr. verlor der römische Senator und Schriftsteller Plinius der Jüngere seinen Förderer und Onkel, Plinius den Älteren. Dies ist uns durch zwei Briefe an den Historiker Tacitus überliefert. Plinius der Ältere verstarb an einem Herzschlag, während er versuchte den Opfern des Ausbruchs des Vesuvs zu Hilfe zu kommen.[2] Der Ausbruch des Vesuvs hatte jedoch auch zur Folge, dass zahlreiche umliegende Häuser unter Asche, Bimsstein und Schlamm verschüttet wurden, darunter auch die in der Nähe der Stadt Pompeji gelegene Villa von Murécine.[3] Dort fand man bei Ausgrabungen im Juli 1959 das Bankarchiv der Sulpizier. Dieses Archiv ermöglicht einen hervorragenden Einblick in den Ablauf der Bankgeschäfte zur römischen Kaiserzeit. Bankgeschäfte gehörten zu den ältesten und wichtigsten Dienstleistungen im alten Rom und sind bereits für das Jahr 352 v. Chr. schriftlich belegt.[4] Die Bedeutungen der römischen Bankiers und ihrer Tätigkeiten für die Gesellschaft und den Handel sind jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt.[5] Unbestritten ist, dass durch Kreditvergabe Bargeld in die Hände von Produzenten und Konsumenten gelangte, was den Handel förderte. Außerdem schreibt man den damaligen Bankiers eine Vermittlerrolle bei Immobilienkäufen und Steuerverpachtungen zu.

Zunächst soll hier nun auf das römische Bankwesen im Allgemeinen eingegangen werden. Im Anschluss erfolgt eine genauere Untersuchung des Bankhauses der Sulpizier. Abschließend sollen noch die Tätigkeiten der römischen Bankiers anhand der Aktivitäten der Sulpizier verdeutlicht werden. Die wichtigsten Erkenntnisse dafür lassen sich aus den oben erwähnten Schreibtäfelchen, die in der Forschung als tabellae -Urkunden bezeichnet werden, gewinnen. Weitere brauchbare Quellen finden sich in Gesetzestexten, insbesondere im Sammelband der Digesten Justinians, welche bruchstückhaft erhalten sind.

2. Hauptteil: Das Bankwesen, die Sulpizier und ihre Tätigkeiten

2.1. Der Urkundenfund von Murécine – Das Bankarchiv der Sulpicier

Das Bankarchiv der Sulpizier ist aus den sogenannten tabellae -Urkunden bekannt. Diese waren ursprünglich Holztäfelchen, die mit einer wachsartigen Schicht überzogen waren[6]. In diese wurde der Text mit einem Schreibstift eingeritzt. Es handelt sich also um Epigraphik. Gefunden wurden diese Schreibtäfelchen beim Bau der Autobahn von Neapel nach Salerno. Sie befanden sich in einem Weidenkorb, der in der sogenannten Villa von Murécine, in der Nähe von Pompeji stand. Sie wurden durch die Begleitumstände des Vesuvausbruchs über 1900 Jahre konserviert, da sie mit Schlamm bedeckt waren.[7] Die tabellae -Urkunden wurden zuerst im Corpus Inscriptionum Latinarum veröffentlicht, die Lesungen stammen vor allem von Theodor Mommsen.[8] Im Jahre 1999 veröffentlichte schließlich Giuseppe Camodeca seine Ausgabe zum Archiv der Sulpizier, an der er seit 1982 arbeitete, und brachte somit die Forschungslage auf einen aktuellen und verwertbaren Stand.[9] Camodeca arbeitete dabei mit Fotografien, er ordnete die Urkunden und vermerkte sie mit der Abkürzung TPSulp. (tabulae pompeianae sulpiciorum). Die Täfelchen von Murécine sind heute weitgehend unlesbar.[10] Die Urheber der Urkunden waren die Mitglieder der Bank der Sulpizier und Ihre Angestellten. Die Urkunden dienten dazu Rechtsgeschäfte, wie zum Beispiel die Vergabe von Darlehen, zwischen der Bank und ihren Kunden zu dokumentieren. Ein Großteil der tabellae -Urkunden war identisch, es handelte sich in der Regel um Darlehensverträge, die einem klaren Schema folgten. Zunächst wurde darin die Person genannt, auf die sich das Rechtsgeschäft bezog, also in der Regel der Darlehensnehmer. Dann folgten die Nennung des Empfängers und die Höhe des Geldbetrages. Daran schloss sich die Willenserklärung an, die dokumentierte, dass der Zahlungsempfänger um die Auszahlung gebeten hatte. Anschließend wurde der Empfang der Summe in bar vermerkt. Daraufhin erfolgte die Bestellung einer Sicherheit für das Darlehen. Abgeschlossen wurde die Urkunde mit dem Datum des Rechtsgeschäfts.[11]

2.2. Das römische Bankwesen

2.2.1. Die unterschiedlichen Berufsgruppen der Bankiers

Die römischen Bankiers waren in drei Berufssparten unterteilt. Sie wurden argentarii, coactores argentarii und nummularii genannt.[12] Hauptsächlich waren Sklaven und Freigelassene als Bankiers tätig. Bankhäuser konnten hinsichtlich der Finanzkraft nicht mit ritterlichen und senatorischen Darlehensgebern konkurrieren.[13] Außerdem existierten öffentliche Banken und Tempelbanken, jedoch fast ausschließlich im Osten des Reichs. Größere Banken existierten vor allem in Städten die über einen Hafen verfügten und an Orten mit zentralen Funktionen.

Das römische Bankwesen ist nach Struktur und Umfang nicht mit dem modernen Bankwesen vergleichbar. Jedoch steht fest, dass es auch bei den Römern Personen gab, die sich berufsmäßig mit Geldgeschäften, also mit der Abwicklung von Zahlungen, der Verwaltung von hinterlegten Geldbeträgen (deposita) und der Kreditvergabe beschäftigten.[14]

Bei den argentarii (von argentum, Geld oder. Silber) lag der Schwerpunkt der Aktivitäten im Bereich der Zahlungsabwicklung, der Verwaltung von Geldeinlagen und der Kreditvergabe. Ursprünglich befassten sie sich auch mit Geldwechsel und Münzprüfung. Anfang des 1. Jh. v. Chr. begannen sie sich mit Versteigerungen zu befassen. Sie beschränkten sich dabei jedoch hauptsächlich darauf, Darlehen an die Erwerber der zu versteigernden Sachen zu gewähren. Selten kümmerten sie sich auch um die Durchführung der Versteigerungen. Die Geschäftssitze der argentarii nannte man tabernae argentariae. Livius überliefert argentarii auf dem Forum in Rom bereits für 310 v. Chr.[15] Die meisten argentarii waren in Italien tätig. Der in der Forschung bekannteste argentarius ist L. Caecilius Iucundus (ca. 20 bis 60 n.Chr.), die Belege seiner Geschäfte, die meist Versteigerungen betreffen, wurden in seinem Haus in Pompeji gefunden.[16] Der Status professioneller Bankiers, die oft zu den Freigelassenen gehörten, war deutlich niedriger als der reicher Senatoren oder equites, die sich an Geldgeschäften beteiligten.[17] Vor allem auf lokaler Ebene trugen die argentarii dazu bei, das Kreditgeschäft in einem sozialen Milieu zu verbreiten, dessen Reichtum nur mittelmäßig war. Sie beeinflussten durch ihre Aktivitäten bei den Versteigerungen auf den Märkten für den Groß- oder Einzelhandel auch das wirtschaftliche Leben der Städte. Nach Mitte des 3. Jh. n. Chr. verschwanden die argentarii vollständig. Unter Constantin wurde das Wort argentarius für Silberschmiede verwendet. Diese begannen im späten 4. Jh. Konten zu führen sowie Geld zu verleihen, und wurden so wiederum zu Geldwechslern. In der Zeit des Justinian waren sie weiterhin als Bankiers tätig, hatten aber nichts mehr mit Versteigerungen zu tun.

Die coactores argentarii werden zuerst bei Cato erwähnt.[18] Sie waren Bankiers, die sich auf die Durchführung von Versteigerungen spezialisiert hatten. Dabei wurden sie von Verkäufern mit der Einziehung und Übergabe der Kaufbeträge beauftragt. Somit hatten sie eine Vermittlerfunktion zwischen Gläubigern und Schuldnern. Für Ihre Dienstleistung erhielten sie eine Provision, die meist 1 % des Erlöses der Versteigerung betrug. Die Durchführung der Versteigerungen verbanden sie mit der Darlehensgewährung an die Erwerber der Waren und Liegenschaften, wie sie auch von den argentarii seit dem 1. Jh. v. Chr. bei Versteigerungen praktiziert wurde.[19] Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag bei den coactores argentarii also eindeutig im Bereich der Versteigerungen.[20] Selten beschäftigten sie sich mit der Verwaltung von Bei Sueton ist überliefert, dass der Großvater von Kaiser Vespasian, Titus Flavius Petro, als coactor argentarius tätig war.[21] L. Caecilius Iucundus war sowohl argentarius als auch coactor argentarius.[22] Die Sulpizier waren natürlich ebenfalls coactores argentarii, wie man sehen wird.[23] Ab dem 3. Jh. n. Chr. entwickelten sich aus den coactores argentarii die stipulatores argentarii, dazu gibt es jedoch leider keine genauen Quellen.

Die nummularii (von nummus, Münze) traten gegen Ende des 2. Jh. v. Chr. auf. Sie waren tätig in tabernae nummulariae. Zunächst waren sie einfache Geldwechsler und Münzprüfer. Im allgemeinen Ansehen standen sie nicht sehr hoch. Augustus wurde zum Beispiel abschätzig als Nachfahre eines nummularius bezeichnet.[24] In der Zeit des 2. Jh. n. Chr. dehnte sich das Arbeitsfeld der nummularii aus. Sie beschäftigten sich nun auch mit der Verwaltung von hinterlegten Geldbeträgen (deposita) und der Kreditvergabe.[25]

2.2.2. Finanzierungsmöglichkeiten römischer Bankiers

Bei den römischen Bankiers handelte es sich nicht um reiche Mitglieder der Oberschicht.[26] Es stellt sich daher die Frage, woher sie das Kapital für die von ihnen ausgereichten Darlehen nahmen, also wie sie sich finanzierten. Der Großteil der Gelder, die als Darlehen ausgereicht wurden, stammte aus Einlagen, die die Banken von ihren Kunden hereinnahmen. Diese Einlagen wurden unterteilt in zinslose geschlossene deposita und verzinsliche offene deposita. Geschlossene deposita wurden getrennt von den übrigen Einlagen verwahrt. Einlagen, die als offene deposita gekennzeichnet waren, wurden mit anderen Einlagen vermengt. Geschlossene deposita wurden lediglich zur sicheren Verwahrung bei einer Bank hinterlegt, nicht um Zinsen zu erwirtschaften. Diese Einlagen durften die Bankiers nicht für die Darlehensvergabe nutzen. Anders verhielt es sich mit den verzinslichen offenen deposita.[27] Da die Bankiers für diese Form von Einlagen Zinsen an ihre Eigentümer zahlten, durften sie die Gelder auch wiederum in Form von Darlehen weiterverleihen. Außerdem verwendeten die Bankiers ihr eigenes Geldvermögen zur Darlehensvergabe.

2.2.3. Soziale Stellung und Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs der Bankiers besser, die Bedeutung des Bankhauses der Sulpizier

Bankiers gehören heute oft zu den Spitzenverdienern unserer Gesellschaft und stehen auch sonst weit oben in der sozialen Rangliste. Man könnte daher vermuten, dass auch die Bankiers der römischen Kaiserzeit große Vorteile aus ihrer Betätigung ziehen konnten. Dies war jedoch überraschenderweise nicht zwingend der Fall. Eine Tätigkeit als Bankier führte nämlich in der Regel nicht zu einem besonderen sozialen Aufstieg und war auch nicht mit dem Erwerb größeren Reichtums verbunden.[28] Allerdings hatten Bankiers häufiger die sogenannte Augustalenwürde inne und gehörten damit der von Freigelassenen dominierten munizipalen Mittelschicht an.[29] Vereinzelt kam es auch vor, dass ein bedeutender sozialer Aufstieg über mehrere Generationen hinweg stattfand.[30] So betätigte sich der Großvater von Kaiser Augustus als argentarius und der Großvater von Kaiser Vespasian hatte den Beruf des coactor argentarius.[31]

[...]


[1] Vgl. Camodeca, Tabulae Pompeianae Sulpiciorum

[2] Vgl. Plin. ep. VI, 16.

[3] A. Maiuri, L’archivio di un rico borghese estratto dalla torba a Pompei, in: Mestiere d’archeologo Milano 1978, 634 f.

[4] Vgl. Liv. 6.11.9, 6.31.2, 6.32.1.

[5] A. Bürge, Fiktion und Wirklichkeit: Soziale und rechtliche Strukturen des römischen Bankwesens, in SZ 104 (1987), S. 465 ff.

[6] L. Bove, Documenti processuali dalle Tabulae Pompeianae di Murecin, Napoli 1979, S. 2 f.

[7] siehe oben 1.

[8] Th. Mommsen, Instrumenta Dacica in tabulis ceratis conscripta aliaque similia, in: CIL III 2,

921 ff., Berlin 1873.

[9] G. Camodeca, Tabulae Pompeianae Sulpiciorum: TPSulp. : edizione critica dell'archivio puteolano dei Sulpicii, Rom 1999.

[10] P. Gröschler, Die tabellae-Urkunden aus den pompejanischen und herkulanensischen Urkundenfunden, Berlin 1997 (Freiburger rechtsgeschichtliche Abhandlungen; N.F., Bd. 26), S. 33.

[11] Gröschler, tabellae-Urkunden, S. 67 ff.

[12] J. Andreau, La vie financière dans le monde romain: les métiers de manieurs d'argent; (IVe siècle av. J.-C. - IIIe siècle ap. J.-C.), Paris/Rom 1987, S. 27f.

[13] Andreau, La vie financière, S. 365 f.

[14] Andreau, La vie financière, S.17 f.

[15] Andreau, La vie financière, S. 93-137.

[16] vgl. J. Andreau, Les affaires de monsieur Jucundus, Rom 1974, S. 7 f.

[17] Andreau, La vie financière, S. 359-441.

[18] Cat. agr. 150.

[19] Andreau, La vie financière, S. 139 - 167.

[20] Andreau, La vie financière, S. 163 f.

[21] Suet. Vesp. 1,2.

[22] vgl. Andreau, Les affaires de monsieur Jucundus, S. 7 f.

[23] Vgl. unten 2.3. und 2.4.

[24] Suet. Aug. 4.4.

[25] Andreau, La vie financière, S. 186 f.

[26] Vgl. oben 2.2.1.

[27] Vgl. Gröschler, tabellae-Urkunden, S. 44 f.

[28] Vgl. J. Andreau, Enrichissement et hiérachies sociales: l'exemple des manieurs d'argent, in: Index 13 (1985), S. 529 f.

[29] Andreau, La vie financière, S. 375 f.

[30] Audreau, Index 13 (1985), S. 537.

[31] Vgl. oben 2.2.1.

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668495241
ISBN (Buch)
9783668495258
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371897
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschichte
Note
1
Schlagworte
Die Geschäftstätigkeit der Bankiers im Prinzipat am Beispiel der Sulpicii

Autor

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